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Das im Nordwesten von Zentralkastilien gelegene Valladolid war eine wunderschöne Stadt, berühmt für seine reichen Weine, die fruchtbaren Felder und die herrliche gotische Kirche Santa María la Antigua mit ihrem wuchtigen romanischen Turm.

Ich zog in den Palast derer von Vivero, einer Granden-Familie, die treu auf der Seite des Admirals stand. Bei unserem dreitägigen Ritt über tückische Nebenwege und durch Waldgebiete hatte ich mich am Sattel wund gescheuert; die Hauptstraßen hatten wir tunlichst gemieden, weil dort am ehesten mit königlichen Patrouillen zu rechnen war. Darüber, dass mein Verschwinden womöglich nicht gemeldet worden war, gaben wir uns keinerlei Illusionen hin. Zweifellos hatte Mencia gleich bei ihrer Rückkehr in den verlassenen Palast Alarm geschlagen. Aber fürs Erste saßen wir hier fest. Während Boten nach Andalusien zu Enrique und Villena eilten und mit deren entrüsteter Antwort zurückritten, hing für uns alles davon ab, wie zügig unsere eigene Botschaft sowie die unterschriebenen Verlobungsdokumente nach Aragón gelangten. Es war nur noch eine Frage von Wochen, bis Fernando in Kastilien eintraf. Und waren wir erst verheiratet, konnte trotz all seiner Tücke nicht einmal Villena trennen, was Gott zusammengefügt hatte.

Ich hatte mich kaum eingelebt, als Fernandos Großvater, Don Fadrique Enríquez, Graf von Medina und Admiral von Kastilien, mich besuchen kam. Im bunt bemalten sala beugte er sich über meine Hand – ein kleiner, gepflegter Mann mit vollkommen kahlem Kopf und freundlichen, kurzsichtigen Augen. Bekleidet war er mit dem von der Elite seines Königreichs bevorzugten, düsteren schwarzen Damast. Als einer der mächtigsten Granden im Land hatte der Admiral sich stets von den tödlichen Machtkämpfen am Hof ferngehalten, denn seine älteste Tochter war die geliebte Königin Juans II. von Aragón und Fernandos Mutter gewesen, ein Umstand, der ihn zum Ziel von Villenas endlosen Intrigen gemacht hatte.

Ich erkannte auf den ersten Blick, dass er keine gute Nachricht überbrachte. Außerdem war mir sofort klar, dass es ihn schockierte, lediglich Inés an meiner Seite zu sehen. Eine Prinzessin hatte normalerweise ein bewaffnetes Gefolge, das sie bei jedem Schritt begleitete.

»Seine Eminenz, Erzbischof Carrillo, hat im Augustinerkloster Residenz bezogen«, klärte ich den Admiral auf, der zu höflich war, um seine Sorge direkt zu äußern. »Er hat wegen der Verlobung noch eine Reihe von Formalitäten zu erledigen.« Ich deutete auf zwei geschnitzte Stühle mit hoher Lehne vor dem mit Kräutern bedeckten Kochherd. »Habt Ihr schon gefrühstückt? Soll ich Euch Brot und Käse bringen? Wir haben auch frische Feigen.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, nein, Eure Hoheit. Danke. Das ist nicht nötig.«

Mit einem gezwungenen Lächeln sah ich zu, wie er sich auf dem Stuhl niederließ. Angesichts der Umstände rechnete ich schon mit dem Schlimmsten, doch als er endlich zu sprechen begann, musste ich an mich halten, um nicht zusammenzuzucken.

»König Enrique hat angeordnet, Euch in Haft zu nehmen. Er behauptet, Ihr hättet Ocaña gegen seinen Befehl verlassen, obwohl Ihr Gehorsam versprochen hättet. Seine Männer sind angewiesen worden, Euch in den Alkazar von Madrid zu bringen, wo man Euch einkerkern wird. Er beabsichtigt, unverzüglich aus Andalusien zurückzukehren, sobald er die Belagerung von Trujillo aufheben kann, wo Cádiz sich verschanzt hat.«

Ich gab mir alle Mühe, die Fassung zu wahren. War es denn mein Schicksal im Leben, dass mir nur immer ein paar Tage Atempause vergönnt waren, ehe die Hetzjagd auf mich weiterging?

»Eure Hoheit hat momentan nichts zu befürchten«, versicherte mir der Admiral, der mein Schweigen falsch interpretiert hatte. »Der Erzbischof und ich haben zusammen mehr als achthundert Männer unter Waffen stehen. So leicht werden Villenas Soldaten Euch nicht fassen können. Aber wie ich annehme, werdet Ihr wissen wollen, dass der König über Eure Schritte im Bilde ist und die feste Absicht hat, Euch zu stellen.« Er senkte die Stimme, obwohl wir bis auf Inés allein im Raum waren. »Es versteht sich von selbst, dass er Eure Verbindung mit Fernando von Aragón in mehreren Proklamationen als strengstens verboten bezeichnet hat und dass er Euren fortgesetzten Ungehorsam als Hochverrat behandeln wird.«

Es war ein Schock für mich, diese Worte zu hören, obwohl ich nicht von mir behaupten konnte, etwas anderes erwartet zu haben. »Ja«, sagte ich leise. »Danke. Für Eure Gewissenhaftigkeit stehe ich in Eurer Schuld.«

»Ach, es ist nicht Gewissenhaftigkeit, die mich zu Euch geführt hat«, erwiderte er unvermittelt in leichtem Ton. Er erhob sich und kehrte zu der Stelle zurück, wo er seinen Umhang abgelegt hatte. Aus einer Innentasche zog er eine mit blauem Samt bezogene, flache Schatulle. Als er sie mir reichte, vertiefte sich sein Lächeln, wodurch die Lachfalten um seine Augenwinkel noch ausgeprägter zum Vorschein kamen.

»Ein Geburtstagsgeschenk«, erklärte er. »Von meinem Enkel, Seiner Hoheit von Aragón.«

In der Schatulle schmiegte sich an das weiße Satinfutter eine Rubinhalskette, so herrlich, wie ich noch nie eine gesehen hatte. Die tiefroten facettierten Edelsteine verströmten ein Licht, als strahlten in ihren Tiefen winzige Sonnen, und an jedem der goldenen Kettenglieder baumelten große grau-rosa Perlen.

»Das ist ja … atemberaubend!«, hauchte ich ehrfürchtig.

»Und wirklich praktisch«, meldete sich Inés zu Wort. »Ihre Hoheit hat eben erst ihre Juwelen eingebüßt; da kommen die hier zur Hochzeit gerade recht.«

Ich sah, wie das Lächeln des Admirals erstarb, als ich die Schatulle schloss. »Am liebsten würde ich Prinz Fernando persönlich für sein Geschenk danken, aber Eure Miene verrät mir, dass ich dieses Vergnügen nicht so bald haben werde, wie ich hoffte.«

Er stieß ein bekümmertes Seufzen aus. »Es gibt Komplikationen. Die Franzosen haben die Stadt Girona gestürmt. Da er der Thronerbe ist, muss Fernando die Verteidigungstruppen befehligen.« Er zog unter seinem Wams ein versiegeltes Dokument hervor. »Er hat mich gebeten, Euch das hier zu bringen.«

Ich nahm das Papier entgegen. Komplikationen? Ich wusste, dass Aragón belagert wurde, aber was sollte ich in der Zwischenzeit tun? Wie sollte ich überleben? Fernando war doch sicher klar, dass ich nicht endlos durchhalten konnte, dass Enrique und Villena schon jetzt gegen mich, gegen uns zu Felde zogen!

»Ihr werdet den Brief selbstverständlich allein lesen wollen.« Der Admiral verneigte sich. »Mit Eurer Erlaubnis werde ich nun Carrillo die Ehre erweisen. Können wir vielleicht später zusammen speisen?«

Es gelang mir, meine Angst zu verbergen. »Ja, natürlich. Es … es wäre mir eine Ehre.«

»Die Ehre ist ganz auf meiner Seite«, erwiderte der Admiral mit einer Galanterie, die mein Herz berührte. »Eure Hoheit dürfen den Glauben nicht verlieren. Mein Enkel wird den Weg zu Euch finden, selbst wenn er jeden Soldaten der französischen Armee, der sich ihm entgegenstellt, töten muss.«

Inés begleitete ihn hinaus. Allein im sala, brach ich das Siegel des Briefs. Fernandos Schrift sprang mir ins Auge – fettes, kämpferisches Schwarz auf dem Papier, Tintenflecken, die von Frustration über eine schlecht geschliffene Feder zeugten.

Meine liebste Isabella,

Deine Botschaft ist eingetroffen, und jetzt weiß ich, dass das, wovon ich schon so lange träume, von dem ich einmal glaubte, es würde vielleicht nie geschehen, nun doch wahr geworden ist. Wir werden Mann und Frau sein. Mit Worten kann ich Dir gar nicht beschreiben, welche Freude ich empfinde, noch meine Ungeduld zum Ausdruck bringen, endlich an Deiner Seite zu sein. Doch wie der edle Admiral, mein Großvater, Dir gewiss bereits gesagt hat, steht Aragón vor einer neuen schweren Prüfung, und ich kann es nicht sich selbst überlassen. Mein Vater ist trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch ein tapferer Mann und würde mich ohne Bedenken zu Dir schicken, aber was für ein Mann wäre ich dann, welche Art von Gemahl könntest du zu erwarten hoffen, wenn ich mein Reich preisgäbe, nur um meiner Sehnsucht nachzugeben? Ich weiß, dass Du so etwas nie tun würdest, und darum darf auch ich es nicht. Gott ist auf unserer Seite; diesmal werde ich Louis und seine französischen Spinnen besiegen und beflügelt zu Dir eilen. Bis dahin wisse, dass nicht eine Stunde vergeht, in der ich Dich nicht in meinem Herzen trage.

Sei tapfer, Isabella. Warte auf mich.

Eine Unterschrift gab es nicht. Sie war auch nicht nötig. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf. Ungehindert durften sie über mein Gesicht fließen und meine Enttäuschung, meine Sorgen, meine Angst und meine nagenden Zweifel wegwaschen.

Ich würde warten. Ich würde sogar dann noch warten, wenn ich selbst eine Armee zu führen hatte. Fernando und ich waren füreinander bestimmt; wir würden einen Weg finden, zusammen zu sein, egal, was dagegen sprechen mochte.

Und waren wir erst vereint, würde uns außer dem Tod nichts mehr trennen.

Ich feierte meinen achtzehnten Geburtstag ohne großes Aufhebens. Die Nachricht aus Aragón hatte meine Stimmung getrübt, und fast täglich gingen Gerüchte über irgendeine neue Gefahr für mich um. Bisher hatte sich nichts Konkretes ergeben, aber wir wussten, dass Enriques Feldzug im Süden nicht gut verlief und er bis auf Weiteres nur Drohungen ausstoßen konnte. Seine in Kastilien zurückgebliebenen Männer zeigten keine Neigung, in Valladolid einzumarschieren und den Kampf gegen das Heer des Admirals aufzunehmen. Andererseits hatte ich keinen Zweifel daran, dass Villena und seine Wölfe sich sofort auf mich stürzen würden, sobald die Lage in Andalusien bereinigt war.

Ende September, nach einem glühend heißen Sommer, der die Zuflüsse des Pisuerga hatte austrocknen und die Ernte auf den Feldern verdorren lassen, erreichte mich die Nachricht, dass meine Mutter an einem Fieber erkrankt war. Da ich sie schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatte, beschloss ich, nach Arévalo zu reisen. Carrillo protestierte. Es sei unsicher, Valladolid zu verlassen, da weder er noch der Admiral für meine Sicherheit bürgen könnten, wenn ich anfinge, mich »in Kastilien herumzutreiben«. Doch fünf Monate fast täglicher Begegnungen mit dem Erzbischof hatten meine Geduld strapaziert. Mit der Antwort, dass ich schließlich nicht vorhätte, durch das ganze Reich zu ziehen, bestand ich darauf, den Besuch vorzubereiten.

Doch mitten in meine Planungen hinein fiel die Ankunft der lange erwarteten, königlichen Delegation. Mittlerweile hatte sich die Nachricht von meiner Verlobung mit Fernando im ganzen Land verbreitet; genauer gesagt, einer meiner ersten Schritte zu meiner eigenen Verteidigung hatte darin bestanden, über Rundschreiben in allen größeren Städten verlautbaren zu lassen, dass ich keinerlei Unrecht begangen und nichts zu verbergen hatte. Jetzt freilich hatte ich keine andere Wahl, als mich auf meine Unschuldsbeteuerungen zu berufen und Enriques Männer zu empfangen.

Ich trug meine graue Samtrobe und die Rubine aus Aragón, die mir beim Einmarsch der Adeligen Zuversicht verliehen. Flankiert wurde ich von Carrillo und dem Admiral. Als völlig unerwartet Villena vor mir auftauchte, biss ich die Zähne zusammen. Ein verstohlener Seitenblick Carrillos verriet mir, dass auch der Erzbischof nicht mit dem Marquis gerechnet hatte. Seine Miene wurde so finster, dass ich fast schon fürchtete, er würde sich auf Villena stürzen und ihn mit bloßen Händen erdrosseln.

Das wusste ich zu verhindern. »Edler Marquis«, sagte ich mit lauter, klarer Stimme, »ich hoffe aufrichtig, dass Ihr gekommen seid, Uns um Verzeihung zu bitten. Ansonsten seid gewarnt, dass Wir Uns bei Worten, wie Ihr sie zuletzt gegen Uns verwendet habt, nicht wohlgesinnt zeigen.«

Ich weidete mich an seiner Blässe. Bewusst hatte ich von mir in der den Königen vorbehaltenen Mehrzahl gesprochen, und das hatte ihn durcheinandergebracht. Bien. Mir kam es darauf an, dass er in mir die zukünftige Königin sah, nicht die hilflose Infantin, die er so oft eingeschüchtert hatte.

Doch dann kehrte das höhnische Feixen zurück. Er riss einem Pagen ein mit allen möglichen Siegeln beklebtes, höchst imposant aussehendes Dokument aus der Hand.

»Hierin wird Eurer Hoheit Amnestie gewährt«, schnarrte er. »Aufgrund unvorhergesehener Unruhen im Süden kann Seine Majestät nicht persönlich erscheinen, aber aus Respekt vor Eurem gemeinsamen Blut bietet er Euch trotz Eurer rebellischen Handlungen eine vollständige Begnadigung an, falls Ihr Euer gesetzeswidriges Verlöbnis mit Fernando von Aragón löst.«

»Erbärmlicher Köter!«, knurrte Carrillo. »Du bist es nicht wert, ihre Stiefel zu lecken …«

Ich gebot ihm mit erhobener Hand Einhalt. Dann schritt ich Villena entgegen. Im Gehen warf ich dem Admiral ostentativ einen Blick zu. Don Fadrique neigte stumm das Haupt. Er stand inmitten von sechzig bewaffneten Soldaten – der schlagende Beweis, dass ich eine Streitmacht befehligte.

»Glaubt Ihr, den Vertreter des Königs einschüchtern zu können?«, fauchte Villena. »Ich komme mit der Vollmacht der Krone. Ich könnte Eure Hoheit auf der Stelle in Haft nehmen lassen.«

Einen Schritt vor Villena blieb ich stehen, so dicht, dass mir sein widerwärtiger teurer Moschusduft und eine Ahnung des davon überdeckten Schweißgeruchs in die Nase stiegen. Dann blickte ich an ihm vorbei zu den Adeligen in seinem Gefolge, von denen ich die meisten in meinen Jahren am Hof kennengelernt hatte. Gerade noch gelang es mir, ein überraschtes Zusammenzucken zu verbergen, als ich Beltrán de la Cueva bemerkte, den früheren Liebhaber der Königin und jetzigen Mann von Mencia. Er war älter geworden, seine geschmeidige Schönheit rauer, doch seine Augen glänzten wie eh und je. Als er den Blick abwandte, spürte ich, wie unbehaglich er sich in der Rolle fühlte, die er gezwungenermaßen spielte.

Dieser Eindruck verlieh mir Kraft. Villena mochte glauben, er hätte Macht über mich, doch nun vermutete ich, dass all die Edelmänner nicht freiwillig gekommen wären, hätten sie die Wahl gehabt. So räuberisch sie sein konnten, den wenigsten gefiel es zuzusehen, wie eine Frau bedrängt wurde. Wie immer hatte sich Villena nicht die geringste Mühe gegeben, diejenigen für sich zu gewinnen, auf deren Hilfe er bei der Verrichtung seiner Schmutzarbeit angewiesen war.

Ich richtete die Augen wieder auf Villena. »Dann verhaftet mich doch. Aber vorher müsst Ihr mir im Beisein der hier versammelten Edlen erklären, wessen ich beschuldigt werde; dieses Recht verdient selbst der niedrigste Knecht in Kastilien. In dem Vertrag, den Seine Majestät und ich unterzeichnet haben, wurde vereinbart, dass ich nicht ohne seine Zustimmung heiraten würde, das ist richtig, aber er seinerseits darf mir keine Ehe aufzwingen, die ich nicht will. Er hat dieses Abkommen gebrochen, indem er für mich eine Verbindung mit Portugal anstrebte. Deshalb schlage ich vor, dass wir unsere Meinungsverschiedenheit den Cortes vorlegen und sie entscheiden lassen.«

Villenas Katzenaugen verengten sich zu Schlitzen. »Es wird keine Versammlung der Cortes geben, solange der König lebt«, zischte er. »Nie! Ihr habt das Recht verwirkt, Euch Kastiliens Erbin zu nennen. Wenn Ihr es wagt, diese Hochzeit mit Aragón zu betreiben, setzt Ihr Euer Leben aufs Spiel. Der König wird keinen Verrat dulden. Wenn Ihr nicht gehorcht, werdet Ihr die Folgen Eures Tuns zu tragen haben – wie jeder, der Euren ungehörigen Widerstand fördert.«

Ich blinzelte. Sein Speichel hatte mich im Gesicht getroffen. Doch ich starrte ihm ungerührt in die brennenden Augen. »Ihr werdet Eure Worte eines Tages bereuen, edler Marquis.«

Damit ließ ich ihn stehen und schritt zielstrebig zur Tür. »Wenn jemand seine Worte bereuen wird, dann Ihr, Doña Isabella«, schrie Villena mir hinterher.

Ich drehte mich nicht um. In meinem Rücken hörte ich Carrillo bellen: »Raus mit dir, bevor ich dir die Flöhe einzeln aus dem Pelz schneide!« Es folgte ein wütender Streit mit gegenseitigen Beschimpfungen, die aber zum Glück nicht zu mehr als einem Wortgefecht ausarten konnten, denn genau für solch eine Situation waren die Soldaten des Admirals aufgestellt worden.

Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, ließ ich mich mit hämmerndem Herzen gegen die Wand sinken. Mit einem Tuch in der Hand eilte Inés herbei. »Lasst mich Euch das Gesicht abwischen.« Während sie mir den Speichel des Marquis von den Wangen tupfte, hörte ich die gedämpften Rufe der Männer des Admirals, die die Delegation des Königs zur anderen Seite des Saals hinausgeleiteten. Sekunden später kam Carrillo in den Korridor gestürmt. Er war dunkelrot angelaufen, fuchsteufelswild, aber umso belebter. Der Mann schien bei Zwietracht regelrecht aufzublühen.

»Dieser Lustknabe des Königs hat es gewagt, mir damit zu drohen, dass er mit einer Armee zurückkommt und diese Mauern niederreißt! Ha, das soll er ruhig versuchen! Diese hohen, mächtigen Herren haben ja ausgesehen, als wollten sie im nächsten Mauseloch verschwinden.« Er fletschte die Zähne zu einem bewundernden Grinsen. »Ihr habt den Tag gewonnen. Ihr habt ihnen gezeigt, was einen wahren Herrscher ausmacht.«

»Ich herrsche noch nicht.« Ich blickte an ihm vorbei zum Admiral, der auf der Schwelle wartete. Seine Miene verriet weit weniger Begeisterung. Er hatte bereits erfasst, was uns bevorstand. Ihm war genauso klar wie mir, dass wir es uns nicht mehr leisten konnten, Villenas Drohungen zu ignorieren. Wenn er zurückkehrte, würde er mit Sicherheit eine Armee dabeihaben – und einen Befehl zu meiner Ergreifung.

»Ich kann mir keinen Verzug mehr leisten«, erklärte ich, an Carrillo gewandt. »Ich muss Fernando eine Nachricht senden. Was immer er gerade unternimmt, er muss zu mir kommen, bevor es zu spät ist.«