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Jeeter ging durch die riesige Halle, während er darüber nachsann, welcher Tag heute war und wo zum Teufel Banjo steckte. Er erinnerte sich daran, dass etwas vorgefallen war, bei dem ein Schwarzer eine Rolle gespielt hatte, doch ob vergangene Nacht oder viele Tage zuvor, das wollte ihm nicht einfallen. Banjo war angepisst gewesen, sie hatten sich auf ihre Schlitten gesetzt, dann ist irgendein Mist passiert – ein Unfall?

Jeeter kratzte an einer großen Fläche Schorf an seiner Stirn. Seine Rippen waren druckempfindlich, und überall am Leib hatte er Beulen oder Schrammen davongetragen. Kurz fragte er sich, woher sie kommen mochten, schlug sich den Gedanken aber gleich wieder aus dem Kopf. Schon oft war er mit Blessuren aufgewacht, und Banjo war stets zur Stelle gewesen, um ihm zu erzählen, was sich abgespielt hatte, außer damals, als man ihn in den Knast geworfen hatte.

Jeeter griff zu einer offenen Flasche, die irgendeine dunkle Spirituose enthielt, und nuckelte mehrmals daran, um seine Nerven zu beruhigen, während er den Markt durchsuchte. Hier gab es Kartoffelchips, Kekse und Süßwaren. Er pickte sich etwas von dem Schund heraus und kehrte zu den Polstern in der Mitte der Halle zurück. Dort lag Fats, ausgestreckt in einer Lache seiner eigenen Pisse und schnarchte. Er nässte sich immer noch ein, wenn er schlief, doch so war Fats eben.

Jeeter warf das meiste Zeug, das er mitgebracht hatte, vor Fats auf den Boden, damit er es fand, wenn er aufwachte.

Seine eigenen Polster lagen neben mehreren Pfützen Erbrochenem. Vielleicht hatte auch er sich im Schlaf nassgemacht; ja, dessen war er sich sogar sicher. Die Tabletten benebelten ihn immer noch. Er trat die Kissen ein paar Fuß weit von der Kotze weg und ließ sich erneut nieder. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis die Welt rings um Jeeter wieder verschwamm und schwarz wurde. Niemand beobachtete, wie sich ein dunkler Kreis im Schritt von Fats’ Jeans bildete und weit an seinem Unterleib ausbreitete.

***

Als Jeeter aus einem tiefen Schlaf erwachte und sich hinsetzte, hielt er ein langes Messer in der Hand, obwohl er sich nicht entsinnen konnte, es aus seinem Futteral gezogen zu haben. Irgendetwas hatte ihn geweckt. Blinzelnd blieb er sitzen.

Fats schlief immer noch fest, und der ganze Süßkram, die Kekse und Chips lagen an derselben Stelle wie zuvor. Jeeter stand auf und trat seitlich gegen seinen enormen Wanst, um ihn aufzuwecken. Dabei bemerkte er, dass Fats stank. Es war an der Zeit, dass sie ihn nackig machten, abspritzten und in ein paar neue Klamotten steckten.

Während er zum Vordereingang ging, hörte er ein Brummen. Ein Dieselmotor? Jeeter roch Kraftstoff. Der Motor wurde abgestellt. Ein Zischen von Luftdruckbremsen, dann ein Poltern.

»Hey, ich bin es! Mach auf! Mach auf, Mann!«

Es war Banjo. Jeeter entriegelte die Metalltür und zog sie weit auf. Davor stand sein Freund mit einer Reihe hübscher, nackter Frauen.

»Bereits für ‘ne Party, Bruder?«

Banjo grinste wie der Teufel.

***

Knapp eine Viertelmeile entfernt auf der anderen Straßenseite stand Wendys Wagen hinter einer Reihe Palmen. Die Fahrertür sprang auf, die dralle Brünette stieg aus und schaute sich vorsichtig um. Sie ging zu einem Minimarkt, wo es hoffentlich etwas gab, mit dem sie Sallys Verletzung behandeln und vielleicht ihre Schmerzen lindern konnte.

Eine Stunde später saß Sally wieder aufrecht und redete ein wenig. Sie hatte sich mit rezeptfreien Schmerztabletten vollgepumpt und trank Saft, während Wendy ihr Bestes gab, um ihre Wunde zu säubern. Der Bus parkte weiterhin vor der Halle.

»Wendy, ich hab’ Angst.«

»Ich denke, das wird wieder. Die Wunde ist sauber und verbunden.«

»Nein, ich hab’ Angst vor dem Absturz. Ich spüre ihn kommen.«

Sally sah wahrhaftig verstört aus. Vielleicht lag es am Drogenentzug. Wendy sorgte sich um sie. Eventuell musste sie Sally anderswohin bringen, damit sie brüllen, schwitzen und sich ausheulen konnte.

»Hey, Spatz, wie viel von dem Zeug lag noch in dem Laden herum?« Sally hatte mit 16 als Tänzerin begonnen und kurz darauf zum ersten Mal gedrückt. »Ich hab’ Tar gespritzt.« Sie meinte Black Tar, besonders starkes Heroin aus Mexiko. »Ich hab’ große Angst.«

»Ich bleibe bei dir und helfe dir. Die Fresser kommen. Wir müssen ein sicheres Versteck finden, um zu chillen … na ja, nicht chillen …«

»Ich weiß, was du meinst, Herzchen.«