15. KAPITEL
Tippy traute ihren Augen nicht, als sie die Zeitung las. Die Sache mit der Heirat konnte Cash doch unmöglich ernst gemeint haben. Nicht, nachdem er so oft behauptet hatte, dass eine zweite Ehe für ihn niemals in Frage käme. Verdattert ließ sie sich mit der Zeitung in einen Sessel fallen und las den ganzen Artikel noch einmal.
“Bis zur Verhandlung sitzt dein dritter Entführer sicher hinter Schloss und Riegel”, versicherte Cash ihr. Die Hände hatte er in den Hosentaschen versenkt. “Aber dank diesem Regieassistenten ist deine Popularität enorm gewachsen. Ich habe mich intensiv mit einigen Leuten unterhalten, die ich gut kenne. Wenigstens von dieser Seite hast du keine Rufmordkampagnen mehr zu befürchten. Dr. Coltrain und ich haben uns diese Geschichte ausgedacht, um dem Tratsch ein für allemal einen Riegel vorzuschieben.”
“Ist das nicht ein bisschen … übertrieben?”, überlegte sie laut.
“Was? Dieses kleine Würstchen, das für Joel Harper arbeitet, auf die schwarze Liste zu setzen?”, entgegnete er.
“Nein, das war schon in Ordnung, vielen Dank”, sagte sie zerstreut. “Ich habe an die Verlobung gedacht. Hier steht doch …”, sie schaute in die Zeitung und las, “… dass wir sofort heiraten werden.”
Ihre Blicke trafen sich. “Wir haben keine Geheimnisse mehr voreinander. Ich weiß alles über dich. Und du weißt alles über mich. Ich habe einen sicheren Job und Geld in verschiedenen Banken im Ausland. Und selbst wenn das nicht so wäre, habe ich immer noch zwei kräftige Hände und keine Angst vor harter Arbeit. Ich übernehme die Hälfte unserer finanziellen Verpflichtungen. Rory kann bei uns bleiben – es sei denn, er will unbedingt die nächsten acht Jahre auf der Kadettenschule verbringen.”
Ihr stockte der Atem. “Ich glaube, ich träume”, flüsterte sie.
“Traum oder Albtraum?”, wollte er wissen.
“Traum, ganz eindeutig”, antwortete sie. Ihre Wangen waren gerötet, und in ihrem Blick lag unverhohlenes Begehren. “Ich kann es einfach nicht glauben.”
Er entspannte sich. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht, inbrünstig, überrascht und erfreut, verursachte in ihm ein Gefühl der Wärme, das seinen ganzen Körper durchdrang. Er lächelte. “Soll ich jetzt vor dir auf die Knie fallen? Oder ist das dein Part? Hast du schon einen Ring für mich?”
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Dann erinnerte sie sich, wie sie in den vergangenen Wochen halb im Scherz, halb ernsthaft um ihn geworben hatte. “Ich wusste nicht, dass du einen willst”, wich sie aus.
“Dann musst du eben noch mal einkaufen gehen. Und bis dahin …”
Er trat einen Schritt vorwärts, holte ein schwarzes Schmuckkästchen aus seiner Hosentasche und öffnete es. Darin lag ein smaragdgrüner Solitär, eingefasst von Diamanten und ein dazu passender Ring – Smaragde und Diamanten auf einem Reif aus Gelbgold. “Da ist noch etwas”, sagte er und zog eine Heiratsurkunde hervor. “Ich habe meinen Bluttest schon machen lassen, und ich habe auch die Ergebnisse der Untersuchung, die Lou Coltrain zusammen mit dem Spezialisten aus San Antonio bei dir vorgenommen hat – dem Doktor, der vergangene Woche wegen deiner Nachuntersuchung hierher geflogen ist.”
“Ich weiß immer noch nicht, wie du es geschafft hast, dass er zu mir gekommen ist”, sagte sie geistesabwesend.
“Er und Micah Steele sind alte Freunde”, erklärte er knapp. “Jetzt haben wir also unsere Heiratsurkunde und für übermorgen einen Termin bei der Friedensrichterin. Du brauchst nur noch Ja zu sagen. Ich kümmere mich um den Rest”, setzte er zufrieden hinzu.
Sie konnte ihren Blick immer noch nicht von der Heiratsurkunde und den Ringen lösen. Das Herz hämmerte ihr in der Brust. Sie streckte die Hand aus und berührte den Schmuck. “In meinen kühnsten Träumen habe ich mir das nicht vorzustellen gewagt”, flüsterte sie. Sie sah auf, und in ihrem Blick lag unendliche Liebe.
Er beugte sich zu ihr und küsste sie sanft. Lange verweilten seine Lippen auf ihrem Mund. Sein Puls ging rasend schnell. Er küsste sie noch einmal. “Du weißt alles von mir”, flüsterte er mit belegter Stimme, “und du bist nicht fortgelaufen. Kann ich es wirklich riskieren, eine Frau zu verlieren, die mich nicht nur so akzeptiert, wie ich bin, sondern die dazu noch einen bewaffneten Kriminellen mit einer Bratpfanne außer Gefecht setzen kann? Du bist bereits eine lebende Legende.”
Sie lachte leise und schlang die Arme um ihn. “Ich werde mich mein ganzes Leben lang um dich kümmern”, versprach sie zärtlich.
Er wurde ein wenig rot. “Das ist eigentlich mein Text.”
“Dann kümmern wir uns eben beide gegenseitig umeinander”, murmelte sie und zog sein Gesicht zu sich hinunter. Sie hätte ihm gerne ihre Gefühle mitgeteilt – aber von Liebe hatte er noch nicht gesprochen. Deshalb zögerte sie nun, mit der Tür ins Haus zu fallen. “Bist du sicher?”, fragte sie stattdessen.
“Ganz sicher.” Er zog sie an sich, drückte sie fest gegen seinen harten, muskulösen Körper und küsste sie mit einer Leidenschaft, die ihre Knie schwach werden ließen. “Meine Güte”, atmete er schwer, bevor er den Kuss – nun noch fordernder – wiederholte. Dann schob er sie gegen den Küchentisch. “Tippy …!”
Sie wusste kaum, wie ihr geschah, doch unvermittelt lag sie auf dem Tisch zwischen den Tellern und Schüsseln, die noch vom Abendessen dort standen, und Cash beugte sich hungrig über sie.
“Was hast du vor?”, fragte sie mit dem letzten Rest von klarem Verstand, der ihr noch geblieben war.
“Dreimal darfst du raten”, flüsterte er in ihren heißen Mund.
Sie fühlte, wie Knöpfe geöffnet wurden und Stoff an ihrem Körper hinunterglitt. Die letzten klaren Gedanken verschwammen im Taumel wachsender Leidenschaft. Jemand konnte zur Tür hereinkommen. Rory konnte plötzlich in der Küche stehen. Vielleicht war das Haus verwanzt …
Sterne explodierten hinter ihren geschlossenen Augenlidern, als sie spürte, wie er in sie eindrang. Jetzt riss sie die Augen auf und sah sein Gesicht dicht vor sich. Sie keuchte, als er seine Hüften mit kraftvollen Stößen bewegte. Dabei betrachtete er sie voller Begierde. Seine Augen waren schmal und blind vor Lust. Die Hände hatte er auf ihren Rücken gelegt. Er hielt sie fest, während er sich tief in sie hineinschob und sie in Besitz nahm.
Glühend vor Lust, konnte sie weder denken noch reden. Sie öffnete sich ihm, damit er noch tiefer in sie eindringen konnte. Ihre Hüften bogen sich ihm zitternd entgegen.
Es war schon so lange her, dass er sie auf diese Weise berührt hatte. Sie verzehrte sich nach ihm. In ihrem Gesicht spiegelte sich die Lust, die sie empfand. Ihr Körper reagierte sofort auf jede seiner Bewegungen. Sie war dabei, den Himmel zu durchstoßen. Ihr Körper bebte vor Sinnlichkeit und Lebensfreude.
“Ich muss … den Verstand verloren haben”, keuchte er. Dann stöhnte er laut auf, als er spürte, wie sein Begehren unaufhaltsam dem Höhepunkt zustrebte. “Oh Gott, Tippy … ich … ich brauche dich so sehr …”
“Ich brauche dich auch, Cash”, sagte sie atemlos. “So sehr, Cash, so sehr …”
“Zeig’s mir, Baby”, flüsterte er leidenschaftlich. Er küsste sie, und seine Lust, drängend, gewaltig, unendlich, brachte ihn fast um den Verstand.
Ihre Hand tastete blindlings nach den Knöpfen seines Hemdes. Als sie seine muskulöse und schwarz behaarte Brust freigelegt hatte, riss sie ihre Bluse auf, streifte ihren BH ab und rieb ihre Brüste an seiner warmen Haut.
Ein heiserer Laut entrang sich seiner Kehle. Er ließ die Augen nicht von ihr, während er sich heftig in ihr bewegte und dem köstlichen Ziel zustrebte. Sein Atem vermischte sich mit dem ihren, während sie kleine, keuchende Laute ausstieß.
“Oh, bitte”, flehte sie, und ihr Körper erschauerte unter jeder Bewegung seiner Hüften, “bitte, hör nicht auf, bitte …”
Er schloss die Augen und verharrte einen Moment lang reglos, um dann umso ungestümer und mit letzter Kraft das Ziel zu erreichen. Auf dem Gipfel angekommen, ließ er sich hineinfallen in einen Strudel unendlicher Lust, während sein ganzer Körper in rhythmische Zuckungen verfiel. Laut klang sein Stöhnen an ihrem Ohr.
Sie bebte mit ihm, und dann schlug auch über ihr die köstliche, warme Welle zusammen. Dabei stieß sie kleine spitze Schreie aus, und ihre Nägel ritzten die Haut auf seinem Rücken, während sie in einem warmen Meer versank.
“Ich spüre dich”, schluchzte sie, “ich spüre dich in mir …”
Wieder stöhnte er auf, denn ihre Worte vermehrten seine Lust ins Unermessliche. “Du bist ein Teil von mir”, keuchte er. “Und ich bin ein Teil von dir. Du bist so herrlich weich, Baby. Weich und warm. Ich fühle mich so geborgen bei dir. So etwas habe ich noch nie erlebt.”
“Ich auch nicht”, antwortete sie wispernd. Sie hielt ihn fest umklammert, während die lustvollen Wellen allmählich verebbten. “Selbst nicht, als wir zum ersten Mal zusammen waren.”
Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er der erste Mann war, den sie gehabt hatte, weil sie ihn wirklich wollte. Ihre früheren Erfahrungen mit Sex waren nur schrecklich und schmerzhaft gewesen. Aber mit ihm war sie gern zusammen. Er hörte es am weichen Klang ihrer Stimme.
“Was denkst du gerade?”, wollte sie wissen. Noch immer brachten kleine Schauer ihren Körper zum Beben.
“Weißt du es nicht?”, neckte er sie.
“Ich kann nicht … denken.”
“Das ist beruhigend”, sagte er mit einem leisen Lachen. Er hob den Kopf und sah in ihre Augen. Verträumt schaute sie zurück. “Ich habe gerade gedacht, dass ich der einzige Liebhaber bin, den du jemals hattest.”
Sie schwieg. Plötzlich wirkte sie verstört.
“Vergewaltigung zählt schließlich nicht”, erinnerte er sie, während er sie liebevoll anschaute.
“Wirklich nicht?”, fragte sie verwirrt.
Zärtlich biss er in ihre Unterlippe. “Es ist ein schwerer Diebstahl, den Stanton an dir begangen hat. Aber es hatte nichts Sexuelles, nicht für ihn. Männer, die Frauen vergewaltigen, wollen Kontrolle ausüben. Es geht ihnen nicht ums Vergnügen.” Wieder küsste er sie. “Sag bloß, du hast das nicht gewusst?”
In diesem Augenblick spürte er mehr als nur Verlangen nach ihr. Seine Augen waren dunkel und voller Zärtlichkeit, voller warmer Gefühle. Sie hob die Hand und streichelte liebevoll seine Wange und seinen Mund. Ihre Finger waren besitzergreifend.
“Ich bete dich an”, flüsterte sie heiser.
Er packte ihre Finger und küsste sie. “Gleichfalls.” Dann hob er den Kopf und schaute ihren Körper an, wobei er seine Augenbrauen hochzog. “Ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe.”
Sie lächelte spitzbübisch. “Ich schon.”
Er lachte, als er sich auf die Füße stellte und sie mit sich hob. Langsam zogen sie sich an, streiften einander mit sinnlichen Bewegungen und zärtlichen Berührungen die Kleidungsstücke über, schlossen Knöpfe, Reißverschlüsse.
“Gott sei Dank sind wir nicht erwischt worden”, murmelte sie und betrachtete das Chaos auf dem Tisch. Ihre Haare fühlten sich merkwürdig an. Sie griff sich an den Hinterkopf. Als sie die Hand zurückzog, hatte sie Kartoffelbrei und grüne Bohnen an den Fingern.
“Oh Gott”, sagte sie peinlich berührt.
Cash prustete los. “Du siehst wirklich köstlich aus, Darling”, meinte er augenzwinkernd. “Wenn du dich noch ein wenig in den Kartoffeln wälzen möchtest, lecke ich dich hinterher ab”, schlug er vor.
Sie gab ihm einen Klaps auf den Oberarm. “Hör auf damit. Das ist keine Art, eine Ehe anzufangen.”
“Aber sicher doch”, widersprach er. “Lebensmittel sind die Basis manch einer Beziehung. Kartoffelbrei und grüne Bohnen stehen dir wirklich gut.”
“Wenn du so weitermachst, dekoriere ich dich mit Kaffeepulver”, drohte sie.
Er lachte und beugte sich vor, um sie zu küssen. Plötzlich wurde er ernst. “Ich habe nichts benutzt”, sagte er.
Sie lächelte verträumt. “Ich weiß. Das macht nichts.”
Seine Augen leuchteten, und er lächelte zurück.
“Wann und wo heiraten wir denn?”, wollte sie wissen.
“Übermorgen im Landgericht. Judd und Crissy sind unsere Trauzeugen.”
“Das ist aber nett von ihnen”, sagte sie aufrichtig erfreut.
“Nicht wahr?” Zärtlich schaute er sie an. Dann seufzte er: “Das werden die beiden längsten Tage meines Lebens.” Auch er meinte es aufrichtig.
Die Hochzeitszeremonie fand früh am Morgen statt. Tippy trug ihren grünen Hosenanzug und hatte einen Strauß gelber Rosen im Arm. Cash hatte sich in einen Anzug geworfen. Judd, Crissy und Rory standen als Trauzeugen neben ihnen, und die Friedensrichterin lächelte, als sie die beiden zu Mann und Frau erklärte.
Rory kämpfte mit den Tränen, als er die beiden umarmte. “Das ist der schönste Tag in meinem Leben”, sagte er.
“Es ist auch einer meiner schönsten”, erwiderte Cash, und zum ersten Mal beschlich ihn kein unbehagliches Gefühl bei diesen Worten. Er dankte seinem Schutzengel, dass Tippy ihm endlich gehörte. Sie sah aus, als ginge es ihr ebenso. Doch irgendetwas bereitete ihr Sorgen. Er konnte es an ihrer Miene erkennen.
Nach dem Mittagessen mit den Dunns und Rory fragte er sie, was sie bekümmere.
“Ich weiß es nicht”, erwiderte sie aufrichtig. “Eine unangenehme Vorahnung. Entschuldige bitte”, fügte sie schnell hinzu. “Ich wollte uns nicht unseren Hochzeitstag damit verderben.”
“Das hast du auch nicht. Allmählich gewöhne ich mich nämlich an deine Gefühlsschwankungen”, gestand er. “Aber schlechte Gefühle oder nicht – heute übernachtet Rory bei Judd und Crissy, und wir beide werden genau die Art von Hochzeitsnacht haben, von der alle Leute träumen.”
Sie lächelte zärtlich. “Ich kann es kaum erwarten”, flüsterte sie.
Er lachte leise. “Damit wären wir schon zu zweit.”
Es war eine lange und leidenschaftliche Nacht. Cash war mit einem unglaublichen Durchhaltevermögen gesegnet. Über die Gefühle, die er in diesen Stunden der Leidenschaft in ihr entfachte, hatte sie noch nicht einmal etwas gelesen.
“Wo hast du das nur gelernt?”, rief sie keuchend, während sie unter ihm lag. Eines seiner Beine hatte sie mit ihren beiden fest umklammert, während er sich in ihr bewegte.
“Von Arnie”, murmelte er, während er mit einer Hand ihren Schenkel in eine günstigere Position rückte.
“Von Arnie?”, fragte sie mit weit aufgerissenen Augen.
Er musste lachen. Mit den Lippen fuhr er an ihrem Hals entlang, und seine Zunge spielte mit der Stelle, an der sich das Pochen ihres Herzens an der Halsschlagader wiederholte. “Arnie war mein Kumpel im Ausbildungslager. Er wusste mehr über Frauen als jeder Produzent von Pornofilmen”, flüsterte er. “Er hatte Bücher, Videos, Zeitschriften – alles, was man braucht, um aus einem Novizen einen Experten zu machen.”
“Aber man braucht doch Übung, um perfekt zu sein”, sagte sie atemlos.
“Mhm”, murmelte er boshaft, während er an ihrer Schulter knabberte. “Aber guter Sex hat nicht nur mit dem Körper, sondern mindestens ebenso viel mit dem Herzen und dem Verstand zu tun. Mit jemandem, den man nicht so gut kennt, macht es nur halb so viel Spaß.”
“Und wie ist es mit mir?”, wollte sie wissen.
Er hob den Kopf und schaute in ihre Augen. “Mit dir ist es fast etwas Heiliges”, flüsterte er.
Ihr Mund öffnete sich, und ein paar Tränen traten ihr in die Augen.
“Nein, nein”, beschwichtigte er sie sanft, während er die Feuchtigkeit wegküsste.
“Ich kann nichts dafür. Aber genauso empfinde ich auch, wenn ich mit dir zusammen bin.” Gierig küsste sie seine Brust. “Jedes Mal ist es wie beim ersten Mal. Wenn ich dich bloß anschaue, will ich dich haben.”
Er öffnete den Mund und knabberte zärtlich an ihrer Unterlippe. Während er seine Zähne vorsichtig in das weiche Fleisch grub, fand sein Körper zu einem neuen, langsameren Rhythmus. Sein Atem ging schwer und schnell, genau wie ihrer. Er hob den Kopf und schaute in ihre Augen. Sein Gesicht verzerrte sich lustvoll, als er sich tiefer in sie schob.
Sie bohrte die Fingernägel in seinen Oberarm und presste die Muskeln zusammen, um ihre Lust voll auszukosten. Mit einem heiseren Stöhnen bewegte sie sich zuckend unter ihm.
“Ja”, wisperte er rau, “das ist gut. Mach weiter. Beweg dich mit mir.”
“Gefällt dir das?”, stieß sie atemlos hervor.
“Ich liebe es”, stöhnte er. “Du bist fantastisch. Du verbrennst mich von innen. Ich liebe das Gefühl, wenn ich in dir bin.”
Sie lächelte und bog sich ihm lockend entgegen. Zögernd und noch ein wenig schüchtern wanderten ihre Hände an seinem Unterleib hinunter. Sie sah ihn scheu an.
“Mach weiter”, forderte er sie auf. “Tu alles, was dir Spaß macht.”
“Du hast nichts dagegen?”
Trotz seiner Begierde musste er lachen. “Ganz im Gegenteil”, sagte er. “Los, Baby. Berühr mich.”
Sie errötete. Dann glitt sie tiefer. Unschlüssig verharrte sie. Mit einem leisen Lachen ergriff er ihre Finger und führte sie zu seinem harten Glied. “So ist es gut”, sagte er heiser. Er war ein geduldiger Lehrer, obwohl er seine Lust bald nicht mehr würde bezähmen können. “Ja”, stöhnte er plötzlich, und sein Körper erschauerte. “Ja, das ist … gut!”
Sie schaute ihn an und war fasziniert von seinem Gesichtsausdruck, in dem sich Lust und Qual vermischten. Plötzlich riss er ihre Hand fort und presste sie mit kräftigen, lustvollen Stößen seines Körpers auf das Bett.
“Tut mir leid”, stieß er keuchend hervor. “Ich kann es nicht mehr halten …!”
“Liebe mich”, forderte sie ihn atemlos auf, und zur Unterstützung ihrer Worte umklammerte sie seine Hüften und dirigierte sie zu sich hinunter. “Mach weiter. Kräftig. Fest. Ja … ja … Tiefer, tiefer …!”
Er verlor die Kontrolle. Die schnellen, heftigen Bewegungen seines Unterleibs führten ihn rasch zum Ziel, und er wusste, dass er bald kommen würde.
Er spürte ihren Blick auf sich, als auch sie den Gipfel ihrer Lust zu erklimmen begann. Es verstärkte sein eigenes Vergnügen, machte es heftiger und köstlicher, als er es je zuvor erlebt hatte.
Sie fühlte seine Lust. Ihre Beine öffneten sich weiter, ihre Hüften bogen sich ihm in immer schnellerem Rhythmus entgegen, glichen sich seinem Tempo und seiner Heftigkeit an. Ihre Fingernägel bohrten sich in seine Pobacken, während sie ihn noch tiefer in sich hineinsog.
“Lass mich sehen, wie du kommst”, flüsterte sie mit neu entflammter Kühnheit. “Zeig es mir, Cash.”
Er stieß einen lauten Schrei aus. Die mächtigen Muskeln in seinem Brustkasten und in seinem Hals spannten sich straff wie Seile, als er in heftige Zuckungen verfiel und hilflos über ihr zusammenbrach.
Das Reiben seiner Hüften, die rhythmischen Stöße seines heißen, schwellenden Körpers verschafften ihr einen geradezu unglaublichen Höhepunkt. Sein Gesicht verschwamm vor ihren Augen, während sie vor lauter Lust zu schluchzen begann. Ihr Körper zuckte ebenso wie seiner, erschauerte im selben Rhythmus. Für den Bruchteil einer Sekunde waren sie zwei Seelen in einem Körper.
Erschöpft ließen sie sich in die Kissen sinken, hielten sich eng umschlungen, zitterten und bebten.
“Jetzt fühle ich mich wirklich verheiratet”, stieß sie mit heiserer Stimme hervor.
“Ja”, sagte er unsicher und küsste sie auf die geschlossenen Augen. “Jetzt fühle ich mich auch so.”
Die folgenden Tage waren ein wundervoller Rausch. Cash und Tippy wurden immer vertrauter miteinander. Beim Händchenhalten beobachtete Rory sie mit einem verschmitzten Lächeln. Er war ein Teil der Familie. Er hatte seinen Platz in der Welt gefunden. Nie zuvor war er so glücklich gewesen.
Tippy ging es genauso, obwohl da immer noch diese nagende Sorge war, die sie einfach nicht losließ. Sie wusste, dass etwas geschehen würde – etwas Unangenehmes. Doch auf keinen Fall sollte Cash etwas von ihrer großen Angst mitbekommen.
Am Freitag saß sie auf heißen Kohlen, während sie auf Rorys Rückkehr wartete. Er war mit seinem neuen Freund und dessen Familie in ein Einkaufszentrum nach Houston gefahren. Auch über Cash, der auf der Arbeit war, machte sie sich Gedanken. Sie hätte zu gerne gewusst, welche Art von Unheil drohte. Aber ihre Gefühle waren zu vage, um Rückschlüsse darauf zuzulassen.
Wenige Stunden bevor Cash zurückkommen sollte, klingelte das Telefon. Hastig griff Tippy zum Hörer. Die Stimme am anderen Ende klang irgendwie vertraut.
“Hier spricht Sergeant William James”, meldete er sich. “Vom Polizeirevier in Ashton, Georgia”, half er ihrem Gedächtnis auf die Sprünge.
“Ja, ich erinnere mich an Sie!”, rief sie. Vor Jahren war er ein Nachbar ihrer Mutter gewesen. In jener Nacht, als Sam Stanton sie vergewaltigt hatte, war er ihr zu Hilfe gekommen. Er war es auch gewesen, der sie benachrichtigt hatte, als es darum ging, die Vormundschaft über den gerade vierjährigen Rory zu übernehmen.
“Ich habe eine Nachricht für Sie”, fuhr er fort. “Und ich weiß nicht so recht, wie ich es Ihnen sagen soll.”
“Meiner Mutter ist etwas zugestoßen”, sagte sie sofort. “Ich habe schon den ganzen Tag so ein merkwürdiges Gefühl gehabt.”
Er schien nicht überrascht zu sein. “Sie hatten ja schon immer diese Vorahnungen, als Sie klein waren”, erinnerte er sich.
“Es ist mehr ein Fluch als ein Segen”, erwiderte sie. “Ist es etwas Schlimmes?”
“Ja. Sie hatte einen Herzanfall. Ich nehme an, Sie wissen nicht, dass sie seit einem Monat in der Rehaklinik ist”, erzählte er zu Tippys Überraschung. “Seitdem ist sie trocken. Es ist das erste Mal, dass ich sie so erlebe, seit ich sie kenne. Es geht ihr ziemlich schlecht, aber sie möchte Sie noch einmal sehen, bevor sie stirbt.”
Tippy war schockiert. “Sie liegt im Sterben?”, fragte sie.
“Ich glaube ja”, antwortete er.
“Sie war nicht gerade eine gute Mutter, selbst in nüchternem Zustand.”
“Sie ist immer noch Ihr Fleisch und Blut”, ermahnte er sie.
“Ja.” Sie zögerte, wenn auch nur ein paar Sekunden. “Ich bringe Rory mit nach Hause”, sagte sie dann gefasst.
“Ich weiß, was Ihnen in New York zugestoßen ist”, fuhr er fort. “Es ist nicht gut für Sie, alleine hierher zu kommen. Sie sollten jemanden mitbringen, der auf Sie aufpasst. Ich könnte Sie abholen und hinterher mit Ihnen beiden zurückfliegen.”
Sie musste lächeln. “Vielen Dank”, sagte sie, “aber ich denke, ich kann Cash überreden, uns zu begleiten.”
Es entstand eine Pause. “Cash Grier?”
Sie war verblüfft. “Sie kennen ihn?”
“Ich habe von ihm gehört”, schränkte er ein. “Vor einiger Zeit hat er hier angerufen und uns gebeten, Ihre Mutter zu verhören und sie im Auge zu behalten – für den Fall, dass die Entführer auftauchten, wenn sie gegen Kaution auf freien Fuß kommen. Sie wissen ja, dass sie wegen Mittäterschaft verhaftet wurde. Aber sie hat eine Kaution hinterlegt und ist sehr schnell wieder freigekommen. Vielleicht hatte sie Angst, wegen der Entführung gemeinsam mit Stanton ins Gefängnis zu müssen; vielleicht haben auch all die Jahre mit Alkohol und Drogen ihren Tribut gefordert. Wie dem auch sei, sie wird nicht mehr lange leben.”
“Ich rede mit Cash und melde mich wieder bei Ihnen. Wie ist Ihre Telefonnummer?”
Er gab sie ihr, und sie bedankte sich bei ihm, dass er ihr die Nachricht so schonend wie möglich beigebracht hatte. Als sie den Hörer aufgelegt hatte, vergrub sie das Gesicht in den Händen und brach in Tränen aus. Sie weinte um die Kindheit, die sie niemals gehabt hatte, und um die Mutter, die ihre Tochter weder gewollt noch geliebt hatte. Jetzt musste sie es noch Rory mitteilen. Aber sie war davon überzeugt, dass er ebenso wenig für diese grausame Frau empfand wie Tippy selbst. Sie musste verrückt sein, nach Hause zu fahren und ihrer Mutter erneut die Gelegenheit zu geben, sie zu demütigen.
In den vergangenen Jahren hatte sie niemanden gehabt, der ihr in schweren Zeiten beigestanden hatte. Rory hatte sie nicht mit Dingen belasten wollen, die er nicht verstehen konnte. Und jemand anderen gab es nicht. Das war jetzt Gott sei Dank anders.
Sie nahm den Hörer und wählte die Nummer des Polizeireviers. Sie bat, mit Cash verbunden zu werden, und kurz darauf war er am Telefon.
“Was ist passiert?”, fragte er sofort.
Trotz ihres Kummers musste sie lachen, auch wenn es heiser klang. “Warum muss denn etwas passiert sein?”
“Du rufst mich nie auf der Arbeit an.”
“Jetzt siehst du aber Gespenster”, meinte sie.
“Das färbt eben ab. Komm, sag schon, was los ist.”
Sie holte tief Luft. “Meine Mutter liegt im Sterben. Sie möchte Rory und mich noch einmal sehen.”
Er zögerte. “Hast du es Rory schon gesagt?”
“Nein. Er ist noch nicht aus Houston zurück. Es … es wäre schön, wenn du hier bist, wenn ich es ihm sage.”
Er war glücklich und geschmeichelt. “Okay.”
Sie lachte ein wenig atemlos. “So einfach ist das?”
“Irgendwie bin ich ja der Haushaltsvorstand”, meinte er. “Selbst wenn ich nicht so perfekt mit eisernen Bratpfannen umgehen kann wie du”, fügte er hinzu.
Sie schaute auf die Ringe an ihrem Finger, und eine wohlige Wärme durchströmte sie. Sie fühlte sich beschützt und geliebt. “Das gefällt mir.”
“Mir auch. Ich komme sofort nach Hause.”
“Kriegst du denn keine Schwierigkeiten?”, fragte sie, denn sie wusste, dass er trotz der Veränderungen in der Stadtverwaltung noch einige Probleme auf der Arbeit hatte.
“Jetzt nicht mehr”, versicherte er ihr. “Ich habe Freunde in einflussreichen Positionen. Die kann ich um Hilfe bitten. Aber im Moment läuft alles gut.”
“Du hattest doch mal Ärger mit dieser Merrill”, begann sie.
“Diesen Ärger haben jetzt die Kollegen in Houston”, sagte er zufrieden. “Mit der Sache habe ich offiziell nichts mehr zu tun.”
“Gott sei Dank”, brach es aus ihr hervor.
“Ach, du machst dir also auch Sorgen um mich?”, fragte er mit seiner warmen, sonoren Stimme.
“Andauernd”, gestand sie. Sie wischte sich eine letzte Träne von der Wange. “Ich wünschte, meine Mutter wäre so wie deine gewesen”, sagte sie unwillkürlich.
“Wie heißt es so schön, Baby? ‘Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär’.”
Sie lächelte. “Ich mag es, wenn du mich ‘Baby’ nennst.”
“Du weibliches Chauvinistenschwein”, meinte er vorwurfsvoll. “So etwas darfst du gar nicht mögen.”
“Ich tu’s trotzdem. Was möchtest du heute zum Mittagessen haben?”
“Ich koche”, sagte er beiläufig. “Setz du dich hin und schau fern oder tu sonst irgendwas. Du hast gerade eine schlimme Nachricht erhalten. Du brauchst ein wenig Zeit, um dich davon zu erholen. Egal, welche Fehler sie gemacht hat – und ich bin der Meinung, dass es sehr gravierende Fehler waren –, sie ist immer noch deine Mutter.”
“Das habe ich auch gerade gedacht”, erwiderte sie.
“Und geweint hast du auch.”
“Woher weißt du das?”
“Ich habe dir doch gesagt, dass es abfärbt. Ich komme nach Hause, sobald ich hier noch einige Dinge erledigt habe. Du willst doch bestimmt schon heute Abend nach Georgia fliegen?”
“Ja. Ich habe dort einen Bekannten …”
“Sergeant William James”, unterbrach er sie.
“Er hat gesagt, dass du ihn angerufen hast.”
“Das hab ich. Er hat einen sehr anständigen Eindruck auf mich gemacht.”
“Er hat angeboten, mit mir und Rory zurückzufliegen, damit uns nichts passiert.”
“Darum kümmere ich mich schon.”
“Das habe ich ihm auch gesagt.”
“Ich werde die Flugtickets besorgen.”
Sie stieß einen langen Seufzer aus. “Vielen Dank, Cash.”
“Keine Ursache. Bis später.”
“Okay.”
Rory kam nur wenige Minuten vor Cash nach Hause. Ihm fiel auf, dass Tippy ungewöhnlich ruhig war, aber er stellte keine Fragen. Als Cash wenig später eintraf und ebenso still war, ging Rory auf einmal ein Licht auf.
“Es ist etwas mit unserer Mutter passiert, nicht wahr?”, fragte er Tippy beim Abendessen, das Cash schnell zubereitet hatte.
“Ja”, antwortete sie. “Sie hatte einen Herzanfall, und die Ärzte glauben nicht, dass sie noch lange zu leben hat. Sie möchte uns noch einmal sehen.”
“Sie muss sterben?”, fragte Rory.
Tippy nickte.
Rory sah seine Schwester an und ergriff tröstend ihre schmale Hand. “Ich habe keine einzige gute Erinnerung an sie.”
“Ich auch nicht”, erwiderte Tippy.
“Aber wir haben uns gegenseitig”, erinnerte Rory sie.
“Und mich”, schaltete Cash sich ein, während er seinen Kaffee schlürfte.
Rory lächelte ihn an. “Und dich.”
Mit Tränen in den Augen lächelte Tippy ebenfalls.
Cash schob seinen Stuhl zurück, hob sie von ihrem und setzte sie auf seinen Schoß. Schluchzend legte sie den Kopf an seine breite Brust.
Rory kuschelte sich unter Cashs freien Arm und weinte ebenfalls.
“Es ist töricht, um eine Frau zu weinen, die uns wie den letzten Dreck behandelt hat”, stieß Tippy schluchzend hervor, während sie sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht wischte.
“Familie bleibt Familie. Unsere Eltern können wir uns nun mal nicht aussuchen”, meinte Cash philosophisch.
“Tippy hat gesagt, deine Mutter wäre sehr nett gewesen”, sagte Rory zu Cash, während er mit den Tränen kämpfte.
“Sie war eine wunderbare Frau”, bekräftigte Cash. “Und mein Vater war ein wundervoller Mann, ehe er sich in diese Erbschleicherin verliebte und unsere Familie zerstörte. Er und meine Brüder waren total begeistert von ihr. Und mich haben sie auf die Kadettenschule geschickt, weil ich nicht ihrer Meinung war.” Sein Blick driftete in die Ferne. “Meinen Vater habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.”
“Deine Brüder auch nicht, oder? Abgesehen von Garon?”, fragte Tippy, die sich daran erinnerte, dass Cash ihr vor einiger Zeit von der Entfremdung zu seiner Familie erzählt hatte.
“Das stimmt. Als Garon mich im vergangenen Herbst besuchte, hat er mir erzählt, dass er auf der Suche nach einem Grundstück auf dem Land sei, aber ich glaube, das war nur eine Ausrede, um mich treffen zu können.”
“Ist Garon so wie du?”, wollte Rory wissen.
“Er ist der Älteste”, erwiderte Cash. “Und noch aufbrausender als ich. Er lebt in San Antonio. Die anderen beiden wohnen noch mit Dad zusammen in West-Texas.”
“Arbeitet von ihnen denn auch einer bei der Polizei?”, erkundigte sich Tippy.
“Zwei. Garon ist beim FBI.”
“Gibt’s denn gar keine Mädchen in eurer Familie?”, hakte Rory nach.
“Seit vier Generationen nicht”, antwortete Cash. “Deshalb bin ich so vernarrt in Judds und Crissys kleines Mädchen.”
Und er war auch einmal in Cristabel vernarrt gewesen, durchfuhr es Tippy. Sie war davon überzeugt, dass er ganz hinten in seinem Herzen noch immer ein kleines Stück für sie reserviert hatte. Aber sie trug seinen Ring, und er betrachtete sie als Teil seines Lebens. Vertrauensvoll sah sie ihn an und lächelte zärtlich.
Er erwiderte ihr Lächeln und fuhr mit dem Zeigefinger über ihre hübsche Nase. “Sogar wenn du weinst, bist du schön”, sagte er und beugte sich vor, um die Tränen wegzuküssen. “Jetzt solltest du aber weiteressen. Und du auch, Rory. Wir haben noch einiges vor.”
Sie setzten sich wieder auf ihre Stühle. Es ging ihnen bereits etwas besser. Und nach der Mahlzeit waren die Tränen getrocknet.