9

Ashley blinzelte zu Tanner auf; sie spürte, dass ihr heiß wurde. Seine scharf geschnittenen Gesichtszüge zeigten ein Verlangen, das vermutlich in ihren eigenen Augen widerspiegelt wurde. Was vorhin zwischen ihnen geschehen war, war so schön gewesen, dass es sich nicht mit Worten beschreiben Heß. Sie harmonierten in nichts außer der Lust, die sie einander schenkten. Sie hatte keine Ahnung gehabt, dass Sex eine solch welterschütternde Erfahrung sein konnte. Bei dem Gedanken an seine Küsse und den Liebesakt begann sie vor Sehnsucht zu erzittern. Wenn dies alles sein sollte, was sie von Tanner haben konnte, würde sie es intensiv genießen, damit sie sich daran erinnern konnte, wenn er fort sein würde.

Tanner sah das eigene Verlangen in Ashleys Augen. Er stöhnte auf, nahm sie in die Arme und küsste sie. Sie öffnete sich ihm und empfing seine Zunge, die mit ihrer verschmolz. Er nahm sie langsam, zärtlich, küsste jeden Teil von ihr, während er über ihren Körper streichelte. Mit einer Kühnheit, die sie sich nie vorgestellt hätte, erwiderte Ashley seine erregenden Zärtlichkeiten in atemloser Erwartung.

»Berühr mich, Yankee«, sagte Tanner mit belegter Stimme an ihrem Mund, als sie absichtlich jenen Teil von ihm ausließ, der hart geworden war.

Ohne Zögern umfasste sie ihn, hielt ihn in der Hand, prüfte seine Härte und Länge und ergötzte sich an seiner Stärke. Sie schnappte nach Luft, als er sie plötzlich auf sich setzte und tief in sie hineinglitt. Winzige Muskeln zogen sich um ihn zusammen, und Tanner empfand eine fast schmerzvolle Art von Lust.

»Reite mich, Liebling. Lass uns in den Himmel und zurückreiten.«

Der Himmel konnte nicht ausreichend diesen Ort bezeichnen, an den Tanner sie brachte. Sie bog den Rücken zurück und ritt ihn wild, warf ihre flammend roten Haare hin und her, während sie sich hemmungslos auf ihm bewegte, bis sie beide die Erfüllung fanden.

Ashley sank auf ihm zusammen und konnte ein paar Minuten nicht sprechen. Sie sah, dass Tanner ebenso mitgenommen war. Seine Brust hob und senkte sich unter schweren Atemzügen. Als sie versuchte, sich von ihm zu erheben, hielt er sie fest, vom Wunsch beseelt, so lange wie möglich in ihr zu bleiben. Erst als er schlaffer wurde, hob er sie an und legte sie neben sich aufs Lager.

»Das war ... ich kann es gar nicht beschreiben.« Ashley seufzte verträumt.

»Ich bin froh, dass ich der Erste war, der dir das gezeigt hat.« Er zog sie in die Kurve seines Körpers und schmiegte sich an sie.

»Der Regen hat aufgehört,«, bemerkte Ashley schläfrig und erhob sich.

»Wohin willst du?«

»Den Rauchabzug öffnen.«

»Bleib liegen. Ich mache das.«

Nachdem er die Rauchabzugsklappe mit einem langen Stab aufgestellt hatte, der für diesen Zweck im Tipi lehnte, schüttete Tanner Wasser aus einem Schlauch in eine irdene Schale, fand ein Tuch aus weichem Rehleder und kehrte zu Ashley zurück. Ihre Augen weiteten sich, als er ihre Beine spreizte.

Im Reflex presste sie die Schenkel zusammen. »Was willst du tun?«

»Entspann dich einfach und lass mich dich waschen. Wir haben uns zwei Mal geliebt; du bist klebrig von jungfräulichem Blut und meinem Sperma.«

Ashleys Wangen röteten sich. »Ich kann das selbst tun.«

Tanner ignorierte sie, spreizte von neuem ihre Beine und entfernte behutsam alle Spuren ihrer Vereinigung. Dann benutzte er das Tuch bei sich selbst. »Du wirst vermutlich morgen wund sein«, sagte er, als er ihren Blick auf sich spürte. »Ich wäre beim ersten Mal sanfter gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass du Jungfrau warst. Es war dumm von dir, mir das nicht zu sagen.«

Ashley wurde nachdenklich, als sie den Mondschein durch den Rauehabzug tanzen sah und dem Zirpen der Grillen lauschte. »Was hätte es geändert?«, fragte sie schließlich.

Tanner zögerte nur kurz. »Vermutlich nichts. Ehrlich gesagt, ich bezweifle, dass jemals ein Mann eine Frau so sehr begehrt hat wie ich dich.«

Ashleys Mund wurde trocken. »Lust ist ein mächtiges Gefühl«, erwiderte sie leichthin.

Aus irgendeinem Grund schienen ihre Worte Tanner aufzuregen. Hier war mehr als Lust im Spiel. Er war sich nur nicht sicher, wie er es bezeichnen sollte. »Geh schlafen, Yankee. Du wirst all deine Genialität brauchen, um uns aus diesem Schlamassel herauszukommen.«

Ashley versuchte, zur Ruhe zu kommen, bemühte sich wirklich einzuschlafen, doch zu viele Fragen über Tanner erforderten Antworten. Etwas in seiner Vergangenheit hatte ihn so weit verbittert, dass ihm das Leben oder er selbst gleichgültig geworden war. Sie wusste, dass viele Männer im Krieg ein schreckliches Trauma erlitten hatten, doch Tanner war zu stark, um über etwas zu grübeln, das er nicht ändern konnte. Nein, dahinter steckte mehr. Da gab es etwas, dass zu beunruhigend für ihn war, um es zu vergessen oder zu vergeben. War er in Gefangenschaft gewesen? Er hatte erwähnt, dass sein Zuhause zerstört worden war, aber wenig anderes preisgegeben.

Da sich ihr Verstand weigerte, einzuschlafen, entschloss sich Ashley, ihre Neugier zu befriedigen. »Tanner?«

»Hm?«

»Schläfst du?«

»Jetzt nicht mehr. Ist etwas nicht in Ordnung?«

»Eigentlich nicht. Erzähl mir von dir. Ich weiß so wenig über dich.«

Langes Schweigen folgte. »Ich bin ein Rebell. Was mehr brauchst du über mich zu wissen?«

»Ich weiß, dass du Nordstaatler hasst wegen des Krieges, aber es ist mehr als das, nicht wahr?«

»Ich möchte nicht darüber reden. Verdirb nicht ein perfektes Erlebnis, indem du alte Wunden aufreißt.«

»Welche Art Wunden ? Bist du im Krieg verletzt worden ?«

»Diese Wunden sind längst geheilt. Schlaf jetzt, Ashley.«

»Warum hasst du Pratt Slater so sehr? Was hat er gesagt, um in dir den Wunsch hervorzurufen, ihn zu töten?«

»Du gibst keine Ruhe, wie? Nun gut, ich werde es dir erzählen. Slater führte die Patrouille, die mein Zuhause niederbrannte. Meine Mutter war gezwungen, in einer kalten verlassenen Sklavenhütte ohne ausreichend Nahrung den Winter zu verbringen. Sie starb in meinen Armen, als ich zurückkehrte, nachdem ich von einer Verwundung genesen war, die ich in einer Schlacht erlitten hatte.

»Kein Wunder, dass du Yankees hasst.«

Er lachte bitter. »Es steckt viel mehr dahinter, Ashley, aber ich will dich nicht mit blutigen Einzelheiten langweilen,«

Ashley blinzelte. »Mehr? Was könnte schlimmer sein?«

»Schlaf jetzt, Yankee.«

Ashley erkannte, dass Tanner ihr heute Nacht nichts mehr erzählen würde. Das tiefe, dunkle Geheimnis, das er bewahrte, würde seines bleiben. Sie schloss die Augen und schlief ein. Irgendwann später - es konnten Minuten, aber auch Stunden gewesen sein - begann Tanner, im Schlaf um sich zu schlagen und zu sprechen. Erwacht vom Klang seiner Stimme, wandte sich Ashley ihm zu und fragte sich, ob sie ihn wachrütteln sollte oder nicht, doch plötzlich begannen seine Worte einen Sinn zu ergeben, und sie lauschte angespannt.

»Nein! Nimm die Waffe runter, Ellen! Um Gottes willen, tu<s nicht! Ich schwöre, es ändert nichts für mich. Ich liebe dich.«

Er schlug wild um sich und schrie immer wieder den Frauennamen. Flüchtig fragte sich Ashley, ob Ellen der Name seiner Mutter war, aber etwas sagte ihr, dass es nicht die Mutter war, nach der er so verzweifelt rief. Und die Waffe. Was bedeutete das ? Schließlich gelangte sie zu dem Schluss, dass es nur eine Erklärung geben konnte. Tanner liebte diese andere Frau. Liebte sie so sehr, dass sie ihn in seinen Träumen verfolgte. Plötzlich zuckte Tanner heftig, und das Herumschlagen hörte so abrupt auf, wie es begonnen hatte. Er stieß einen Laut aus, der verdächtig nach einem Schluchzen klang, bevor er in tiefen Schlaf fiel.

Ashley hingegen war aufgewühlt. Sie wollte Tanner trösten, ihm sagen, dass sie ihm helfen würde, was immer ihn auch quälte. Sie wollte ihm versichern, dass sie die Ehe annullieren lassen würde, wenn sie wieder in der Zivilisation waren, damit er zu seiner Ellen zurückkehren konnte. Was vorhin zwischen ihnen geschehen war, hatte keinen Einfluss auf ihre getrennte Zukunft. Sie hatten den Sex beide gewollt. Leider hatte er für ihn etwas anderes bedeutet als für sie. Es schmerzte, zu denken, dass Tanner an eine Frau namens Ellen dachte, nachdem er sie, Ashley, geliebt hatte.

Trotz ihrer verwirrenden Gedanken wurden ihr die Lider schwer und sie schlief ein.

Streifen von Sonnenschein fielen durch das Rauchabzugsloch und stachen gegen Tanners Augenlider. Er blinzelte und öffnete die Augen. Er war angenehm überrascht, als er feststellte, dass er eine feste, warme Brust umfasst hielt. Ashley. Er drehte den Kopf und starrte sie an. Er konnte keine Worte finden, um ihre Schönheit zu beschreiben. Dabei hatte er sie einst für unscheinbar gehalten! Ihr rotes Haar konkurrierte mit der Farbe des herrlichsten Sonnenuntergangs. Kein Wunder, dass die Indianer sie für eine Göttin hielten.

Sie waren gestern Nacht in gemeinsamem Verlangen zusammengekommen, aber er wusste es besser, als mehr darin zu sehen. Ashley wollte ebenso wenig einen Rebellen als Ehemann wie er eine Yankee als Ehefrau. Oder irgendeine Frau, was das anbetraf. Er hatte Ellen geliebt, er würde sie immer lieben, und ihn quälte noch immer die Erinnerung an das entsetzliche Ereignis, das sie ihm geraubt hatte.

Zur Hölle mit allen Yankees, und besonders mit Pratt Slater!

Tanner hoffte, dass Slater seinen Verletzungen erlegen und jetzt in der Hölle war, wo er zweifellos hingehörte.

»Tanner, was ist? Gilt diese grimmige Miene mir?«

Tanner zuckte heftig zusammen. Er hatte nicht bemerkt, dass Ashley wach geworden war. Sie starrte ihn mit einer Mischung aus Neugier und Furcht an. Sofort entspannte sich sein Gesicht zu der Andeutung eines Lächelns. »Warum sollte ich dich grimmig anblicken?«

Sie errötete. »Wenn wir uns nicht lieben, bist du immer ärgerlich auf mich.«

»Ich bin jetzt nicht böse. Möchtest du baden? Rasender Elchs Krieger sollten nichts dagegen haben, wenn wir zum Fluss gehen. Dann werden wir sehen, was es an Essbarem gibt. Mein Appetit ist heute Morgen gewaltig.«

Zwei Krieger führten sie zum Fluss. Als sie sich trennten -Tanner ging zum Badeplatz für Männer, Ashley zu dem der Frauen -, folgten beide Krieger Tanner und gewährten Ashley Privatsphäre. Sie kehrte vor Tanner zum Tipi zurück. Er traf kurze Zeit später ein und trug ein Kaninchen, das einer der Krieger mit einem Pfeil erlegt hatte. Ashley zerlegte es für einen Eintopf und stellte den Topf über das Kochfeuer. Dann knetete sie Teig für Brötchen und legte ihn auf heiße Steine zum Backen.

»Meinst du, Rasender Elchs Vision wird uns helfen oder schaden?«, fragte Ashley, als Tanner sich später zur Mahlzeit zu ihr gesellte.

»Keine Ahnung. Wir sollten auf jede Möglichkeit vorbereitet sein. Es wäre am besten, wenn wir bei seiner Rückkehr nicht mehr hier wären.«

»Wie sollen wir das anstellen?«

»Es gibt immer eine Möglichkeit. Wir sollten Pläne für alle Fälle machen.«

»Was ist mit Cole?«

»Er ist ein großer Junge; er kann auf sich selbst aufpassen.«

Sie aßen schweigend. Tanner rief sich die Lage des Dorfes in Erinnerung und überlegte den besten Fluchtweg. Er konnte nicht beschwören, dass er den Rückweg nach Fort Bridger ohne Cole finden würde, doch er würde es versuchen. Spät in der Nacht war die beste Zeit, um an den Wachtposten vorbeizuschleichen. Irgendwann waren sie müde, sagte er sich.

Ashley räumte die Reste ihrer Mahlzeit ab, als ein Tumult am Rande des Dorfes ihre Aufmerksamkeit erregte. Zuerst dachte sie, Rasender Elch sei bereits zurückgekehrt, doch dann sah sie, dass ein weißer Mann auf einem großen Pferd, der zwei Packpferde mit sich führte, ins Dorf kam.

Tanner war bereits auf den Füßen und schritt zu der Menschentraube, die sich um den Mann und seine Pferde versammelte. Ashley war dicht hinter ihm. Der Mann gestikulierte in Zeichensprache, als er erfuhr, dass Rasender Elch nicht da war.

»Kann jemand hier Englisch sprechen?«, fragte er wütend, als seine Zeichensprache ihm nicht den erhofften Erfolg brachte. Dann entdeckte er Tanner, doch sein Blick verweilte nur ein paar Sekunden auf ihm, bevor er ihn anerkennend auf Ashley heftete. Seine Augen weiteten sich, als er auf ihr Haar starrte. Dann glitt sein Blick lüstern über ihren Körper.

»Wer sind Sie, Missy?«

Tanner stellte sich schützend vor Ashley. »Und wer sind Sie?«

»Mein Name ist Harger. Jake Harger. Ich handele seit ein paar Jahren mit Rasender Elch.«

»Womit handeln Sie?«, fragte Tanner scharf. »Mit Schmuggelware?« Die Bündel auf Hargers Packferden enthielten wahrscheinlich Gewehre, und es war strikt verboten, Waffen an Indianer zu verkaufen.

Harger kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. »Wer, zur Hölle, erdreistet sich, das zu fragen? Wo ist Rasender Elch? Ich mache meine Geschäfte mit dem Häuptling und sonst keinem.«

»Rasender Elch ist auf der Suche nach einer Vision. Wir sind hier als ... Gäste.«

Es war offenkundig, dass Harger ihm nicht glaubte. »Gäste?«

Er kratzte sich am Schädel mit dem schütteren, braunen Haar. Es war schmutzig und sah aus, als wäre es seit Wochen nicht mehr gekämmt oder gewaschen worden. Harger, mittelgroß, irgendwo zwischen 30 und 40, trug die dreckigen Überreste einer blauen Armeeuniform. »Das ist mir neu. Ich habe noch nie erlebt, dass Rasender Elch Gäste in sein Dorf einlädt .« Er starrte Ashley an. Natürlich kann ich sehen, warum er Sie >einladen< würde, Missy. Was aber Ihren Freund anbetrifft, so kommt er mir nicht wie ein Indianergast vor.«

Traumdeuter humpelte zu ihnen, zupfte an Hargers Ärmel und wies auf sein Tipi. »Ich habe jetzt eine Besprechung mit dem Schamanen«, sagte Harger zu Ashley. »Wenn ich fertig bin, können wir beide uns vielleicht... unterhalten.«

»Meine Frau ist nicht an einer Unterhaltung mit Ihnen interessiert«, sagte Tanner in einem Tonfall, bei dem Hargers Augenbrauen hochruckten. »Frau? Diese ganze Situation scheint mir zu stinken. Ich glaube, wir warten auf die Rückkehr des Häuptlings.« Nachdem er Ashley noch einmal lüstern betrachtet hatte, folgte er dem Schamanen.

Coles Blick verweilte auf Morgennebel. Er wünschte, er könnte bei seiner Braut bleiben, doch er wusste, dass er sie eines Tages verlassen musste. Der erste Tag ihrer Flitterwochen war gekommen und gegangen, und sie lagen sich jetzt in den Armen, befriedigt nach einer heißen Stunde der Liebe. »Wo hast du Englisch gelernt?«, fragte er.

»Meine Mutter war eine Weiße.«

Cole sah sie überrascht an. »Eine Weiße? Das hast du noch nie erwähnt. War sie eine Gefangene?«

»Mein Vater, Schleichender Wolf, nahm sie auf einem Beutezug gefangen und machte sie zu seiner Frau.«

»So ist Rasender Elch nur dein Halbbruder.«

»Das stimmt. Aber meine Mutter lehrte uns beiden die Sprache des Weißen Mannes; deshalb sprechen wir sie so gut.«

»Wo ist deine Mutter jetzt?«

»Mutter und Vater starben während einer Epidemie an Fieber.«

»Hast du nie daran gedacht, in der Welt der Weißen zu leben?«

»Nein, nie. Ich weiß nichts von der weißen Welt. Soldaten haben unser Volk getötet und unser Land genommen. Ich hasse Weiße. Sieh mich an. Sehe ich weiß aus? Ich gehöre zu meinem Volk.«

»Du weißt, das ich nicht für immer bleiben kann. Eines Tages muss ich dich verlassen. Ich bin eines Verbrechens angeklagt, das ich nicht begangen habe. Ich muss den Mann finden, der dafür verantwortlich ist, und ihn vor Gericht bringen.«

Morgennebel fühlte sich, als hätte sie einen Tritt in den Magen bekommen. »Wann wirst du zurückkehren?«

»Ich weiß es nicht.« Cole empfand eine Art Traurigkeit, die er noch nicht kannte.

»Dann dürfen wir keinen Moment vergeuden, mein Mann.«

»Du hast Recht, Frau.« Er nahm sie in die Arme und küsste sie, fand jedoch wenig Trost bei dem Gedanken, dass noch fünf Tage ihrer Flitterwochen blieben.

»Sollen wir im Fluss baden?«, fragte Morgennebel scheu.

»Nein, noch nicht. Zuerst will ich dich lieben. Ich sehne mich nach dir. Ich brauche dich, meine Liebe.«

Er liebte sie wild und wusste in seinem Herzen, dass das Glück, das er mit Morgennebel gefunden hatte, nicht dauern konnte. In einem Indianerdorf zu leben, war kaum das Schicksal, das er sich erträumt hatte. Bald musste er einen Weg finden, um Rasender Elchs Dorf zu verlassen. Er wollte nicht den Rest seines Lebens auf der Flucht vor dem Gesetz verbringen. Er würde den Westen nach Harger absuchen, und wenn er den Bastard gefunden hatte, würde er ihn zwingen, sein Verbrechen zu gestehen. Erst dann würde er sieh rehabilitiert fühlen.

»Wo habe ich den Namen Harger schon gehört?«, fragte Tanner Ashley. Seine Miene wurde nachdenklich, als er in seiner Erinnerung kramte.

»Ich weiß es nicht. Mir ist der Name unbekannt.«

»Ich bin mir sicher, dass ich ihn schon gehört habe. Vielleicht von Cole.«

Ein paar Minuten später kam Harger aus Traumdeuters Tipi und stoppte mit erfreuter Miene vor ihnen. »Sieht aus, als würde ich bleiben, bis Rasender Elch zurückkehrt. Traumdeuter hat mir eine Frau angeboten, damit ich mir den Aufenthalt angenehm mache.« Er grinste Ashley schmierig an. »Sie wären zufällig nicht verfügbar, oder?«

Tanner schob Ashley beschützend hinter sich und starrte Harger finster an. »Meine Frau schläft in meinem Zelt. Suchen Sie sich eine andere Frau, um sich zu befriedigen.«

»Was, zum Teufel, treiben Sie überhaupt in diesem Dorf? Versuchen Sie, in mein Gebiet einzudringen?«

»Was Sie tun, ist illegal,«, sagte Tanner.

»Ich bin Händler. Händler verkaufen alle Arten von Waren.«

» Waffen? «

»Das geht Sie verdammt nichts an, Mister. Sagen Sie mal...«, Harger betrachtete Tanner lauernd, »... Sie sind kein Regierungsbeamter, oder?«

»Weit gefehlt. Aber ich weiß, dass es gesetzwidrig ist, Waffen an Indianer zu verkaufen. Ich nehme an, sie verhökern auch Whisky.«

»Sie sind verdammt neugierig, Mister. Ich habe schon erkannt, dass Sie ein Rebell sind, als sie den Mund aufgemacht haben. Meine Geschäfte gehen nur Rasender Elch etwas an.« Damit wandte er sich ab und ging davon.

Tanner packte Ashley am Arm und zog sie in ihr Tipi. »Halte dich von diesem Kerl fern, solange er im Dorf ist, Yankee. Ich mag ihn nicht.«

»Du brauchst mir nicht zu sagen, was ich zu tun und zu lassen habe, Rebell. Außerdem widert der Mann mich an.«

Tanner grinste sie frech an. »Immer noch reizbar, wie? Nach der Nacht dachte ich...«

Ashley schoss das Blut in die Wangen, und sie blickte fort. »Die Nacht war wundervoll, aber sie ändert nichts. Du hasst immer noch Yankees; das wird sich niemals ändern. Du wirst deine Freiheit haben, genau wie ich es versprochen habe. Das ist es doch, was du willst, nicht wahr?«

»Natürlich«, stimmte Tanner leicht unsicher zu. »Keiner von uns will diese Ehe aufrechterhalten. Wir begehren uns körperlich, das ist alles. Wir sind zwei gesunde Leute mit normalem Appetit, und was zwischen uns geschehen ist, war zwangsläufig.«

Ashley widersprach ihm nicht. Bevor sie Tanner kennen gelernt hatte, war ihr nichts über Lust oder normalen Appetit bekannt gewesen. Die Male, an denen Chet sie beschuldigt hatte, leidenschaftslos und frigide zu sein, waren so zahlreich gewesen, dass es sich nicht lohnte, sie zu zählen, und er hatte vermutlich Recht gehabt. Aber mit Tanner war die Leidenschaft erwacht. Er brauchte sie nur anzusehen, und ihr Körper reagierte. Dieses warme Gefühl, das tief in ihr aufstieg, wenn Tanner sie küsste und streichelte, hatte in ihrer Beziehung mit Chet völlig gefehlt. Leider aber liebte Tanner eine andere Frau. Liebte sie so sehr, dass er ihren Namen im Schlaf schrie.

Tanner empfand eine innere Leere, die er nicht verstehen konnte. Seine größte Angst war, zu vertraut mit einer anderen Frau zu werden. Er konnte den Gedanken, Ashley auf die gleiche gewaltsame Art zu verlieren wie Ellen, einfach nicht ertragen. Alles und jeder, den er geliebt hatte, war ihm weggenommen worden, und es war zum Teil seine Schuld, besonders was Ellen anbetraf. Er verdiente es nicht, glücklich zu sein. Er hätte es voraussehen müssen, hätte wissen sollen, das Ellen mit ihrer Schande nicht hatte leben können.

Verdammte Yankees!

Verdammter Krieg!

Zur Hölle mit seinem elenden, nutzlosen Leben. Die einzige Beziehung, die er jemals zu Ashley haben konnte, war sexuell, und sie verdiente mehr als das.

Trotz seiner Schuldgefühle und quälenden Erinnerungen liebten sie sich in dieser Nacht mit verzehrender Leidenschaft. Es war eine Ekstase aus Verlangen und wilder Begierde, die sie fast überwältigte. Ashley hatte keine Ahnung gehabt, dass der menschliche Körper fähig ist, zu solchen Gipfeln zu gelangen oder so lange auf ihm zu bleiben. In ihrem Herzen wusste sie, dass das, was sie teilten, zu heiß, zu stark war, um anzudauern.

Danach streichelte Tanner zärtlich über ihr Gesicht, als wollte er sich dessen Form und Beschaffenheit für immer einprägen. Er küsste ihren Hals und schleckte die einzelne Träne fort, die sich aus ihrem Augenwinkel löste.

»Weinst du? Habe ich dich gekränkt?«

»N-Nein, es ist nur, dass es so ... so schön war«, sagte sie seufzend. Das war nicht die ganze Wahrheit, aber es musste reichen. Ihre Tränen galten all diesen einsamen Nächten, die sie ohne Tanner verbringen würde, wenn sie sich erst getrennt hatten.

Jake Harger blieb in dem Dorf, peinigte Ashley mit seinen schmierigen Blicken und Zweideutigkeiten und achtete darauf, dass Tanner nicht in der Nähe war, wenn er sie belästigte.

Harger war zu gerissen, um sich mit dem großen, gefährlichen Rebellen anzulegen. Wenn er seine Karten richtig ausspielte, konnte er vielleicht mit Rasender Elch bei dessen Rückkehr einen Handel abschließen. Waffen für die Frau.

Bis jetzt hatte Harger noch nicht herausgefunden, wie die Frau und der Rebell in den Stamm passten. Er hatte noch nie erlebt, dass Rasender Elch ein freundliches Verhältnis zu Weißen gehabt hatte. Hölle, der Häuptling verabscheute sogar ihn, Harger, trotz der Tatsache, dass er ihm illegale Waffen und den Whisky brachte.

Ashley versuchte ihr Bestes, um Jake Harger nicht über den Weg zu laufen. Obwohl er in das Tipi einer gehorsamen Witwe gezogen war, verschlang er Ashley mit gierigen Blicken, wann immer er ihr zufällig begegnete, was für Ashleys Geschmack zu oft der Fall war. Sie befürchtete, Tanner könnte es bemerken, ihn zur Rede stellen und einen Kampf heraufbeschwören. In seiner Lage aber war es zu gefährlich, im Dorf Arger zu machen.

Später an diesem Tag ging Tanner mit zwei Kriegern jagen, und Ashley blieb allein. Immer auf der Lauer, bemerkte Harger Tanners Abwesenheit und entschied sich, Ashley zu folgen, als sie in den Wald ging, um wilde Zwiebeln für den Eintopf zu suchen, den sie als Abendessen kochen wollte. Er blieb in diskretem Abstand hinter ihr und grinste zufrieden vor sich hin, als Ashley tiefer in den Wald geriet, als sie beabsichtigt hatte, bis sie schließlich die Zwiebeln am Ufer des Flusses fand, etwa eine Meile vom Dorf entfernt. Sie kniete sich hin und begann zu graben, zu erfreut über ihren Fund, um Hargers schleichende Schritte hinter sich zu hören.

»Jetzt sind wir endlich allein, Missy.«

Ashley ließ vor Schreck die Zwiebeln fallen, die sie ausgegraben hatte, mehr verärgert als überrascht, und sah Hargers lüstern auf sie herabstarren. Sie fürchtete sich noch nicht, doch sie war schlau genug, um zu wissen, dass der Mann nichts Gutes vorhatte.

»Was tun Sie hier? Sind Sie mir gefolgt?«

Harger lachte hässlich. »Das kann man annehmen. Da du mich kaum ansiehst, wenn dieser Rebell bei dir ist, wollte ich gern wissen, wie du bist, wenn wir beide ungestört sind.«

Ashley erhob sich abrupt, machte auf dem Absatz kehrt und wollte davongehen. »Sie wissen, dass Tanner und ich verheiratet sind!«, rief sie über die Schulter, »Ich will nichts mit Ihnen oder irgendeinem anderen Mann zu tun haben.«

Harger packte sie am Arm und hielt sie fest. »Du gehst nirgendwohin, Missy. Es ist verdammt lange her, dass ich eine weiße Frau hatte. Squaws sind in Ordnung, aber sie befriedigen mich nicht so wie süßes weißes Fleisch.« Er riss sie an sich.

Ashley wehrte sich heftig. »Lassen Sie mich los! Tanner wird Sie umbringen, wenn Sie mich anrühren. Und wenn er es nicht schafft, dann wird Rasender Elch Sie töten.«

Ihre Worte erstaunten Harger und sein Griff an ihrem Arm verstärkte sich. »Treibst du es mit dem Rebellen und mit Rasender Elch?« Er kratzte sich am Kopf. »Was, zur Hölle, geht hier vor? Du bist keine Gefangene, so viel ist sicher. Aber du bist auch kein Gast. Wer Augen im Kopf hat, kann sehen, dass dein Mann auf Schritt und Tritt bewacht wird.« Er betrachtete sie gierig und rieb sich am Schritt. »Du musst etwas Besonderes im Bett sein, Missy. Ich werde das sehr bald herausfinden.«

Ashley wehrte sich gegen seinen brutalen Griff, doch Harger war gnadenlos.

»Lassen Sie mich los! Ich schreie!«

Er lachte gemein. »Nur zu. Es ist niemand in der Nähe, der dich hört. Rasender Elch sucht eine Vision, und der Rebell jagt für seine Mahlzeit. Niemand ist dir in den Wald gefolgt, da habe ich mich vergewissert.«

Ashley entwickelte Kräfte, von denen sie gar nichts gewusst hatte, drehte sich aus Hargers Griff und rannte davon. Aber sie war Hargers langen Schritten nicht gewachsen. Er holte sie leicht ein und warf sie mit einer Wucht zu Boden, die ihr den Atem aus der Lunge trieb. Er stellte links und rechts ihres gekrümmten Körpers einen Fuß auf den Boden, grinste lüstern und begann seine Wildlederhose aufzuknöpfen. Ashley holte tief Luft und stieß einen markerschütternden Schrei aus.

Während Ashley sich gegen Harger wehrte, wanderten Cole und Morgennebel Hand in Hand am Ufer des Flusses. Bald mussten sie ihr Flitterwochen-Tipi verlassen und ins Dorf zurückkehren. Keiner von ihnen wünschte, dass ihre Zeit der Einsamkeit endete, denn sie wussten nicht, wie lange sie noch zusammen sein konnten. Sie blieben stehen, um sich zu umarmen und zu küssen, und Cole dachte, wie schön es jetzt wäre, sich mit Morgennebel auf das weiche Bett aus Kiefernnadeln zu legen und sie zu lieben. Dann hörte er den Schrei.

Morgennebel erschrak. »Was ist das?«, fragte sie furchtsam und rechnete mit dem Angriff irgendeines Raubtiers.

Cole wusste, dass der Schrei nicht von einem Tier stammte. »Warte hier!«, befahl er und schob Morgennebel von sich, zog sein Jagdmesser aus der Scheide am Gurt und eilte in die Richtung, aus der der Schrei erklungen war.

Unterdessen hatte Harger seinen Revolvergurt abgeschnallt und seine Hosen bis zu den Knöcheln herabfallen lassen. »Jetzt wirst du erfahren, wie es mit einem richtigen Mann ist.« Er rieb heftig an seinem Glied und empfand ein perverses Vergnügen daran, dass Ashley, wie er glaubte, furchtbare Angst hatte. Doch Ashley war nicht so verängstigt, wie Harger annahm. Als er sich unvermittelt auf sie werfen wollte, sammelte sie ihre Kraft, rollte sich in letzter Sekunde zur Seite und stieß einen weiteren gellenden Schrei aus. Harger prallte mit einem Ächzen auf den Boden, auf dem sie gerade noch gelegen hatte, und anstatt weicher Haut spürte er harten Dreck.

»Du Hure!«, knirschte er und packte sie, bevor sie sich aufrappeln konnte. Er zwang sie unter sich. Brutal riss er ihr Kleid bis zur Hüfte hoch und holte mit der Faust aus.

Cole hörte den zweiten Schrei und erkannte, dass die Frau, die geschrien hatte, in einer verzweifelten Lage war. Er stürmte heran, als Harger gerade die Faust hob, um Ashley zu schlagen. Cole erkannte Harger sofort. Es war ein Jahr her, seit er den Mann zum letzten Mal gesehen hatte, aber er würde niemals sein Gesicht vergessen - oder seine Lügen, durch die Cole zu einem Mord verurteilt worden war, den er nicht begangen hatte. Als er hinabblickte und Ashley sah, explodierte der Zorn in ihm. »Nimm deine dreckigen Pfoten von meiner Schwester!«

Hargers Faust verharrte mitten in der Luft, während er Cole anstarrte, und seine Überraschung spiegelte sieh in seinen weit aufgerissenen Augen wider. »Cole Webster! Ich dachte, du bist im Gefängnis.«

»Runter von meiner Schwester!«, befahl Cole und schwang drohend das Messer. »Keine plötzlichen Bewegungen. Ich bin ziemlich geschickt mit dem Messer. Es wäre mir ein Leichtes, dir das lächerliche Ding abzuschneiden, auf das du anscheinend so stolz bist.«

»Cole.« Bei seinem Namen kam ein zitterndes Seufzen über Ashleys Lippen. »Gott sei Dank.«

Harger wich zurück, den Blick auf das Messer geheftet. Als er nach seinen Hosen griff, erlaubte Cole ihm, sie hochzuziehen. Dann nahm er Hargers Waffen und steckte sie in seinen eigenen Hosenbund. Er band Harger mit dessen Gürtel die Handgelenke zusammen. Erst als Harger sicher gefesselt war, ging Cole zu Ashley und half ihr auf die Füße.

»Hat er dich verletzt, Ash?«, fragte er besorgt. »Sag nur ein Wort, und ich werde den Bastard töten.«

»Er hat mir nichts getan, Cole, nicht was du meinst.«

»Wo, zum Teufel, ist Tanner? Und was treibt Harger in Rasender Elchs Dorf?«

Ashley atmete zitternd ein. »Tanner ist auf der Jagd, und ich suche im Wald wilde Zwiebeln. Ich verstehe überhaupt nichts. Kennst du Mr Harger? Tanner und ich glauben, dass er Gewehre an Rasender Elch verkauft.«

In Coles grünen Augen funkelte purer Hass. »Und ob ich den Bastard kenne. Er hat meinen Freund ermordet, und seine Lügen haben mich ins Gefängnis gebracht.«