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»Ich bin verzweifelt, Sheriff. Ich brauche einen Ehemann, und zwar sofort!«

Sheriff Beardsley lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, schob seinen Hut aus der Stirn und spähte unter der Krempe zu der aufgeregten Frau, die vor seinem Schreibtisch stand. Er hätte sie für eine unscheinbare alte Jungfer gehalten, wenn nicht das flammendrote Haar unter ihrer altmodischen Haube und ihre ungewöhnlichen Augen gewesen wären ... groß, ausdrucksvoll und leuchtend grün. Mit dem lehmbraunen Reisekleid und der schmucklosen Haube wirkte sie wie eine verklemmte unverheiratete Tante. Ihr rotes Haar und die leuchtenden Augen jedoch verliehen ihr etwas Verruchtes, das in krassem Kontrast zu ihrem spröden Äußeren stand.

»Da sind Sie bei mir an der falschen Adresse, Lady. Ich bin Sheriff, kein Heiratsvermittler.«

»Sie sind der einzige, dem ich vertrauen kann, Sheriff. Sie müssen mir helfen!«

Beardsley nahm seinen Hut ab und fuhr sich mit seinen dicken Fingern durch das schüttere Haar. Er wünschte sich sonst wohin, nur weit fort von dieser furienhaften jungen Frau. »Warum nehmen Sie nicht Platz und erzählen mir, wo der Schuh drückt, Miss? Ich kann Ihnen nicht helfen, wenn ich nicht weiß, worum es überhaupt geht. Sie müssen zugeben, dass Ihre Bitte ein wenig ungewöhnlich ist. Fangen Sie bei Ihrer Erzählung damit an, mir Ihren Namen zu nennen und zu verraten, woher Sie kommen.«

»Mein Name ist Ashley, Ashley Webster. Ich bin Lehrerin in Chicago.« Sie starrte auf ihre behandschuhten Hände und bemerkte mit Bestürzung, dass sie vor lauter Aufregung ein Taschentuch zerrissen hatte.

»Sehr gut, Miss Webster, das ist schon mal ein Anfang. Und was hat dieser Unsinn mit dem Ehemann zu bedeuten? Heutzutage ziehen es doch die meisten Frauen vor, sich ihre Partner selbst auszuwählen.«

Auf seiner Pritsche in der Zelle, nur ein paar Schritte entfernt, hob Tanner MacTavish seinen Hut ein Stück an und musterte die nahezu hysterische Frau. Seine Augen spiegelten Verachtung wider. Ihr Nordstaaten-Akzent ging ihm auf die Nerven. Eine Yankee, dachte er angewidert. Mann oder Frau, es gab keinen Yankee, den er nicht hasste. Diese war besonders lästig. Mangelte es ihr so sehr an Stolz, dass sie um einen Mann betteln musste?

»Ich versichere Ihnen, dass ich nicht hier wäre, wenn ich nicht verzweifelt wäre«, sagte Ashley mit Schärfe in der Stimme. »Ich bin den weiten Weg von Chicago gereist und habe eine beträchtliche Summe für den Kauf von Ochsen und eines Wagens bezahlt, um mich einem Treck anzuschließen, der morgen St. Joe verlässt.«

Sie riss ihr Handtäschchen auf und zog einen verknitterten Brief hervor. »Dies ist eine schriftliche Zusage vom Wagenboss, die er nun nicht anerkennen will. Der Wagentreck der Cramer Company ist der letzte, der in diesem Frühjahr aufbricht. Wenn ich nicht mitfahren kann, muss ich bis zum nächsten Jahr warten, und das ist zu spät.«

Beardsley strich sich übers Kinn. »Ich kenne Captain Cramer. Kann ich Ihren Worten entnehmen, dass Sie allein reisen?«

Ashley nickte, und in ihren grünen Augen blitzte es wütend auf. Zorn steht ihr gut, dachte Beardsley. Dadurch sieht sie fast hübsch aus.

»Der Wagenboss hat gedacht, dass ich ein Mann bin«, erklärte Ashley und schwenkte den Brief vor dem Gesicht des Sheriffs. »Er hat mich bereitwillig akzeptiert, als ich ihm schrieb und anfragte, ob ich mich seinem Treck anschließen kann. Ich weiß, mein Name ist ungewöhnlich, aber Ashley können nun mal Frauen und Männer gleichermaßen heißen. Als der Boss jetzt feststellte, dass ich eine Frau bin, weigerte er sich rundweg, mir zu erlauben, mit diesem Wagenzug zu reisen. Diese Frechheit! Er sagte, ich müsste einen Ehemann haben, damit ich mich seiner Gruppe anschließen kann. Oder meine Eltern müssten mich begleiten.«

Ein leises Lachen ertönte hinter Ashley, doch sie war zu wütend, um sich umzudrehen und nach der Quelle Ausschau zu halten.

»Ich sage Ihnen, Sheriff, es ist fast unmöglich, in einer Stadt wie St. Joe einen passenden Ehemann zu finden. So habe ich mich entschlossen, Sie um Hilfe zu bitten. Ich nehme an, Sie kennen die Bürger besser als jeder sonst. Ich brauche einen Mann, der mich bis zu meinem Ziel begleitet und nicht meine Lage als allein stehende Frau ausnutzen wird.«

Beardsley unterdrückte ein Lachen. »Verzeihung, Ma'am, aber sagten Sie nicht, Sie wollen einen Ehemann? Wenn sie heiraten, werden Sie keine allein stehende Frau mehr sein.«

Ashley sah ihn mit wachsender Ungeduld an. »Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren unverheiratet, und habe vor, das zu bleiben. Ich will nicht wirklich heiraten, Sheriff; ich brauche nur einen Ehemann. Lassen Sie mich erklären«, fügte sie hinzu, als Beardsley sie ungläubig ansah. »Ich möchte einen Mann anheuern, der sich als mein Ehemann ausgibt. Er muss überzeugend genug sein, um Captain Cramer zufrieden zu stellen. Ich bin bereit, dem Mann eine beträchtliche Summe zu zahlen. Ich reise nicht den ganzen Weg mit dem Treck bis nach Oregon, nur nach Fort Bridger. Wenn wir unser Ziel erreicht haben, wird er frei sein und seine eigenen Wege gehen können.«

»Fort Bridger«, wiederholte Beardsley und rieb sich nachdenklich übers Kinn. »Was gibt es so Wichtiges in Fort Bridger, dass Sie sich all diesen Ärger aufhalsen? Warum können Sie nicht bis zum nächsten Frühjahr warten? Wer weiß, bis dahin haben Sie vielleicht einen richtigen Ehemann gefunden.«

Ashley sprang auf. »Nein! Nächstes Frühjahr kann zu spät sein. Mein Bruder ist Soldat in Fort Bridger. Ich habe einen Brief mit der Mitteilung erhalten, dass er im Militärgefängnis ist. Ihm wird Mord an einem Offizierskollegen und Gott weiß was sonst vorgeworfen. Cole würde nie jemanden töten. Er ist alles, was ich noch auf der Welt habe. Er hat nicht getan, was ihm zur Last gelegt wird, und das werde ich beweisen!« Sie nahm ihre Haube ab und schüttelte ärgerlich den Kopf. Offenbar hatte sie keine Ahnung, welche Wirkung ihr flammend-rotes Haar auf Leute hatte, denn sie fuhr sich unbefangen mit den gespreizten Fingern durch die Kaskaden der Locken, bevor sie die Haube wieder aufsetzte.

Beardsley musste Ashley Webster widerwillig Respekt zollen, trotz ihrer seltsamen Denkweise und ihrer abenteuerlichen Bitte. Aber er konnte ihr nicht helfen, selbst wenn er es gewollt hätte. Junge Frauen hatten allein in einem unerforschten Gebiet nichts zu suchen. Sie würde unzähligen Gefahren ausgesetzt sein. Außerdem kannte er nur wenige Männer -nein, korrigierte er sich, keine-, die das Angebot annehmen würden, das sie vorschlug.

Beardsley suchte nach einer freundlichen Möglichkeit, wie er Ashley sagen konnte, dass sie den Treck und ihr absurdes Angebot vergessen sollte; dabei schweifte sein Blick an Ashley vorbei zu Tanner, der jetzt lässig an den Eisenstäben seiner Zelle lehnte.

Tanner war von der Pritsche aufgestanden, hatte sich den Hut aus der Stirn geschoben und starrte Ashley durchdringend an. Sein Mund war zu einem höhnischen Grinsen verzogen. Er hatte versucht, nicht zuzuhören, als sie ihr Dilemma erklärte hatte, aber es war nahezu unmöglich, sie zu ignorieren. Diese Yankee-Lehrerin war das unglaublichste Mädchen, das er jemals gesehen hatte.

Zu Anfang hatte er sie für eine unscheinbare graue Maus gehalten, doch als sie ihr prächtiges Haar gelöst und ihm ihr Profil zugewandt hatte hatte er nichts mehr an ihr unscheinbar gefunden. Bestimmt nicht ihre dicht bewimperten grünen Augen oder ihren sinnlichen Mund. Keine der zurückhaltenden Südstaaten-Schönheiten würde so unverschämt frech sein oder einen so haarsträubenden Plan aushecken, der von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Sheriff Beardsley betrachtete Tanner grübelnd, während dieser Ashley Webster anstarrte, und eine Idee nahm Gestalt an. Wenn Tanner seinen Weg der Gewalt fortsetzte, würde er höchstwahrscheinlich bald in einem Grab auf irgendeinem namenlosen Hügel enden. Es würde eine verdammte Schande sein, dass ein Mann wie Tanner sein Leben beendete, weil er einen Krieg führte, den der Süden vor langer Zeit verloren hatte.

Wenn Tanner weit genug von der Zivilisation entfernt ist, kann er kaum mehr in Schwierigkeiten geraten, sagte sich Beardsley. In seiner gegenwärtigen geistigen Verfassung war Tanner wie ein Pulverfass, an dem die Lunte brannte. Er würde höllisch wütend über den Vorschlag sein, den er ihm machen würde, doch der Sheriff entschloss sich, Tanner gegen dessen Willen zu retten.

Ashleys Geduld war am Ende. Die Zeit wurde knapp. Wenn sie nicht bald zum Schein einen Ehemann präsentieren konnte, würde sie nicht mitgenommen werden. Sie spürte, dass der Sheriff jemanden im Sinn hatte, denn sie sah seine nachdenkliche Miene.

»Nun, Sheriff, können Sie mir helfen? Wenn nicht, dann schwöre ich, dass ich in den nächsten Saloon marschieren, und den ersten Mann nehme, der sich freiwillig meldet.«

Beardsley zuckte zusammen. So entschlossen, wie Miss Webster wirkte, befürchtete er, dass sie genau dies tun würde. Dieses leichtsinnige Verhalten konnte dazu führen, dass sie getötet oder vergewaltigt werden würde. Nach einem weiteren Blick zu Tanner stand sein Entschluss fest.

»Tatsache ist, Miss Webster, das ich einen Mann kenne, der infrage kommt.«

Tanner blickte erstaunt zu Beardsley. Er konnte sich nicht vorstellen, an wen der Sheriff dachte. Die Frau bei ihrem aberwitzigen Plan zu unterstützen, war gleichbedeutend mit Mord. Tanner bezweifelte ernsthaft, dass die Lehrerin ihr Ziel lebend erreichen würde - mit Beardsleys Hilfe oder ohne. War ihr denn nicht klar, dass jeder Mann, der blöde genug sein würde, sich als ihr Ehemann auszugeben, seine vollen ehelichen Rechte verlangen würde ? War die Frau so zum Äußersten entschlossen, zu ihrem Bruder zu gelangen, dass sie ihre Tugend und ihr Leben aufs Spiel setzte? Oder kannte Beardsley etwa einen Mann, der ehrbar genug war, um die Regeln zu befolgen, die von der entschlossenen Yankee-Lady aufgestellt wurden? Er jedenfalls kannte bestimmt keinen solchen Mann in St. Joe, wo Männer kamen und gingen und nur wenige lange genug blieben, um sich einen guten Ruf aufzubauen.

»Ich werde für immer in Ihrer Schuld stehen, Sheriff«, sagte Ashley mit wachsender Anspannung. »Wann können Sie Kontakt mit ihm aufnehmen? Der Treck wird nicht auf mich warten.«

»Sie können ihn selbst fragen, Miss. Er ist hier in diesem Raum.«

Ashley ließ ihren Blick suchend durch den kleinen Raum und die beiden Zellen des angrenzenden Gefängnisses schweifen. Eine Zelle war leer, aber die andere - o nein! -, die andere war besetzt mit einem Mann, dessen Äußeres ihr Angst einjagte und sie zugleich faszinierte. Nie zuvor hatte sie einen solchen Mann gesehen! Sie versuchte zu ignorieren, wie sich seine Hose um die muskulösen Oberschenkel spannte, wie sein markantes Gesicht und der unerbittliche Blick seiner stahlgrauen Augen Verachtung widerspiegelten, doch es gelang ihr nicht.

Seine Züge wirkten wie aus Stein gemeißelt. Sie heftete den Blick auf sein Kinn mit den dunklen Bartstoppeln, das beinahe genauso einschüchternd war wie der Rest von ihm. Er braucht eine Rasur und einen Haarschnitt, dachte sie flüchtig. Die Erkenntnis, dass dies der Mann war, den der Sheriff im Sinn hatte, erschreckte sie. Sie riss den Blick von Tanner los, um Beardsley entsetzt anzustarren.

»Gewiss wollen Sie nicht vorschlagen, dass ich ... ? Lieber Gott, der Mann ist ein Krimineller!«

»Das hängt alles von der Betrachtungsweise ab«, behauptete Beardsley. »Tanner ist gar nicht so schlecht.«

»Die Lady hat Recht, Sheriff«, sagte Tanner gedehnt. »Zählen Sie die Zeiten zusammen, die ich in Ihrem Gefängnis verbracht habe, und rechnen Sie die hinzu, die ich in den Zellen anderer Städte gewesen bin. Da kommt allerhand zusammen.«

»Er ist ein Rebell!«,stieß Ashley hervor und wich instinktiv zurück, als sie Tanners weichen Südstaaten-Akzent hörte.

Ashley, die entschieden für die Sklavenbefreiung eingetreten war, wusste aus erster Hand, welche Grausamkeiten Sklaven angetan worden waren. Jene, die in den ersten Jahren des Krieges Chicago erreicht hatten, waren in bemitleidenswertem Zustand gewesen und hatten von Gräueltaten erzählt, die von ihren Herren begangen worden waren.

»Und Sie sind eine Yankee.« Tanners Augen wurden pechschwarz - kalt, gnadenlos, sogar räuberisch.

Beardsley blickte von Tanner zu Ashley, verblüfft über die Feindseligkeit zwischen ihnen. Sie. schienen einander zu verabscheuen und gar nicht die Spannung zu bemerken, die zwischen ihnen knisterte.

»Ja, ich bin eine Yankee, Rebell. Ich habe nie in meinem Leben einen Sklaven besessen oder eine Mensehenseele misshandelt. Können Sie das Gleiche von sich sagen?«

»Würden Sie mir glauben, wenn ich ja sagte?« Er lachte rau, als Ashley ihn voller Verachtung anblickte. »Nein, das habe ich mir gedacht. Fürchten Sie sich nicht, Yankee. Ich wäre ein verdammter Narr, wenn ich mich für Ihren leichtsinnigen Plan einspannen lassen würde. Ich habe genügend eigene Probleme, ohne mir auch noch die einer verantwortungslosen alten Jungfer aufzuhalsen.«

In Ashleys Augen blitzte Zorn auf. Sie brauchte nicht daran erinnert zu werden, dass sie unverheiratet war. »Und ich müsste schon hundert Mal verzweifelter sein, als ich es jetzt bin, um Sie um Hilfe zu bitten.«

»Nun, ich nehme an, damit ist der Fall erledigt, Miss Webster«, sagte der Sheriff. »Sie werden keine Probleme haben, Ihren Wagen und die Ochsen zu verkaufen. Vielleicht haben Sie im nächsten Jahr mehr Glück.«

»Nächstes Jahr ist zu spät. Mein Bruder ist in einer ernsten Notlage, angeklagt eines Mordes, den er nicht begangen hat. Ich muss jetzt zu ihm. Wenn es eine Möglichkeit gibt, seinen Namen reinzuwaschen, werde ich sie finden.«

»Das ist lobenswert, Miss Webster, aber ich habe alles getan, was in meiner Macht steht.«

»Das soll alles gewesen sein?«, fragte Ashley. Ein schwarzer Nebel von Verzweiflung senkte sich über sie. »Können Sie mir nicht vielleicht doch helfen? Gibt es in St. Joe keine anständigen Männer, die bereit sind, sich als mein Mann auszugeben?«

»Keinen, den ich kenne«, sagte Beardsley. »Mit Ausnahme von Tanner hier. Ich kenne Tanner MacTavish seit langem, Miss, und er ist ein guter Mann. Während des Kriegs habe ich unter ihm gekämpft und ihm mein Leben anvertraut.«

»Warum ist er dann im Gefängnis?«

»Weil ich den Anblick von Yankee-Soldaten nicht ertragen kann«, antwortete Tanner selbst zu seiner Verteidigung. »Ebenso wenig mag ich alte Jungfern der Yankees, die mit Bestechung versuchen, einen Ehemann zu finden. Wenn auch nur einen zum Schein. Kehren Sie heim, Yankee. Wenn Ihr Bruder ein Yankee-Soldat ist, habe ich kein Mitleid mit ihm oder seinesgleichen.«

Ashley schoss das Blut ins Gesicht, und sie wandte sich bei Tanners bitteren Worten ab. Seine unergründlichen Augen spiegelten die Leere seiner Seele wider. Ein Gefühl, das weder Mitleid noch Hass war, erschütterte sie. Ein Gefühl, das sie nicht erklären konnte.

Sie sind ein wenig vorschnell, Captain«, warnte Beardsley. »Denken Sie gründlich über das Angebot der Lady nach. Meines Wissens haben sie kein Geld und keinen Job. Die Armee hat es satt, dass Sie ihre Männer grundlos angreifen. Der Westen ist ein großes, offenes Land. Miss Websters Geld kann Ihnen helfen, Land zu kaufen, sich ein neues Leben aufzubauen und den Krieg zu vergessen. Sie sind ein zu guter Mann, um Ihr Leben mit Groll zu verschwenden.«

Tanners Miene nahm einen härteren Zug an. »Groll?« Er lachte rau, ein hohles Echo der Verzweiflung. »Wenn Sie wüssten.«

»Ich meine, Sie sollten sich das noch einmal überlegen, Tanner«, sagte Beardsley. »Die Lady braucht Hilfe, und Sie brauchen ebenfalls welche. Lieutenant Pickford hielt mich heute morgen auf der Straße an und sagte, dass er erwägt, Sie zum Fort zu bringen, damit Sie vor Gericht gestellt werden. Sie werden für die Armee ein zu großes Ärgernis. Ihr Hass wird Sie umbringen.«

»Ich habe nicht gesagt, dass ich Mr MacTavishs Hilfe annehmen würde«, erinnerte Ashley ihn. »Ich will einen Mann haben, der Befehle befolgt, keinen Querulanten, der mich wahrscheinlich verlassen würde, noch bevor wir Fort Bridger erreichen. Wenn Captain Cramer keine Vorurteile gegen allein reisende Frauen hätte, brauchte ich niemanden, der sich für meinen Ehemann ausgibt. Ich kann sehr gut allein zurechtkommen. Schließlich bin ich ja kein unerfahrenes Mädchen. Ich bin eine unabhängige Frau mit Erfahrung auf vielen Gebieten.« Das war zwar nicht ganz wahr, doch es klang gut.

Tanner lachte laut. »Ich wusste gar nicht, dass fünfundzwanzig ein so hohes Alter ist, Yankee. Aber vielleicht liegt Ihre Erfahrung zwischen Ihren ...«

»Tanner!«, donnerte Beardsley. »Verdammt, Mann, haben Sie den Verstand verloren? Sie machen all meine Bemühungen, Ihnen zu helfen, zunichte. Miss Webster ist eine Lady; hüten Sie Ihre Zunge.«

»Natürlich ist sie eine Lady.« Tanners Lippen kräuselten sich höhnisch, als er sie mit hartem Blick anstarrte. »Eine Yankee-Lady. Wo ist Ihr Stolz? Keine Lady, die ich kenne, würde um einen Mann betteln, ganz gleich, wie verzweifelt sie wäre.«

Rote Funken des Zorns explodierten hinter Ashleys Augen. »Ich brauche lediglich einen Mann, der sich als mein Ehemann ausgibt, keinen Bettgespielen. Wenn alle Männer sind wie Sie, werde ich dankbar ledig bleiben.«

Entschlossen, sich durchzusetzen, versuchte Sheriff Beardsley ein letztes Mal, das feindselige Paar zu überreden. »Denken Sie an Ihren Bruder, Miss Webster. Das Militärgefängnis ist kein gesunder Ort. Ich kann Ihnen garantieren, dass Tanner ehrbar ist. Wenn er sein Wort gibt, gilt es. Sie können darauf vertrauen, dass er Sie beschützt. Zugegeben, er dreht ein bisschen durch, wenn er Blauröcke sieht, aber mit ein wenig Hilfe von Ihnen kann er vielleicht sogar lernen, diese Schwäche unter Kontrolle zu bekommen.«

»Und Sie, Captain«, fuhr Beardsley fort, »wollen Sie Ihr Leben im Gefängnis verbringen?« Als er sah, dass Ashley die Stirn runzelte und Tanner sich abwandte, stieß Beardsley einen Fluch aus. »Ali, zur Hölle, ich weiß gar nicht, warum ich mir so viel Mühe gebe.«

Ashley war die Erste, die in Erwägung zog, Tanner als Reisepartner zu akzeptieren, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, wie sie es all die Wochen mit diesem anrüchigen Rebellen aushalten sollte. Aber wenn der Sheriff sich für seinen Charakter verbürgen konnte, sollte sie ihn zumindest in Betracht ziehen.

Er wird eine Rasur und neue Kleidung brauchen, dachte sie, wenn er nichts Besseres zum Anziehen hat als die Lederweste und die graue Armeehose. Sie fragte sich, ob Tanner Captain Cramer weismachen konnte, dass er ihr Ehemann war, musste aber innerlich über die Vorstellung lachen, dass ihm das nicht gelingen würde. Sie nahm an, dass Tanner MacTavish jeden von allem überzeugen konnte, wenn er es wollte.

Tanner war noch nie einer solch entschlossenen Frau begegnet. Die rothaarige Yankee-Jungfer war ebenso so verrückt wie außergewöhnlich. Ihr Bruder musste ihr viel bedeuten, wenn sie für ihn ihr Leben und ihren Ruf aufs Spiel setzte. Hatte sie keine Eltern oder Beschützer, die ihr leichtsinniges Verhalten im Zaum hielten? Wenn er sich nicht auf ihren aberwitzigen Plan einließ, würde sie dann jemanden nehmen, der noch anrüchigerer war als er? Was ihm natürlich gleichgültig sein sollte, oder?

Doch es war ihm nicht gleichgültig, das musste er sich eingestehen. Zudem würde es zu seinem eigenen Besten sein, wenn er ihr Angebot annahm, Beardsley hatte Recht. Er sollte das angebotene Geld einsacken, dafür sorgen, dass sie zu ihrem Ziel gelangte, und sich dann ohne Bedauern von ihr verabschieden. Er hatte gehört, dass in Colorado und in ein paar anderen westlichen Staaten Silber gefördert wurde. Mit entsprechender Ausrüstung und Verpflegung konnte er vielleicht selbst einiges finden.

Beardsley erkannte den Moment, an dem beide die gleiche Entscheidung trafen. Tanners Miene zeigte dabei bittere Resignation, die von Ashley widerwillige Bereitschaft.

»Wie viel bieten Sie an, Yankee?«, fragte Tanner mürrisch.

»Tausend Dollar«, sagte Ashley, ohne mit der Wimper zu zucken. »Die Hälfte jetzt und die andere, wenn wir in Fort Bridger eintreffen.«

Beardsley stieß einen leisen Pfiff aus. »Das ist eine Menge Geld, Miss Webster. Sie müssen wirklich verzweifelt sein.«

»Verzweifelt genug, um alles zu geben, was ich besitze«, gab Ashley zu. »Meine Tante, mit der ich zusammengelebt habe, ist vor kurzem verstorben und hat mir ihr Haus und eine kleine Erbschaft vermacht. Nachdem ich von der Sache mit Cole erfuhr, habe ich das Haus verkauft. Ich hatte auch einige Ersparnisse.«

»Sie sind eine Närrin, Yankee«, sagte Tanner spöttisch. »Ich jedoch nicht. Ich werde mich daher als Ihr Mann ausgeben und Ihr Geld ohne Gewissensbisse nehmen. Die Yankees haben mir Dinge genommen, die nie ersetzt werden können. Ich wäre blöde, wenn ich Ihr Geld nicht nehmen würde.«

Ashley biss sich auf die Unterlippe. Sie fühlte sich hilflos und völlig der Gnade dieses skrupellosen Mannes ausgeliefert. Aber Sheriff Beardsley hatte die Situation richtig eingeschätzt: Sie war zu verzweifelt, um wählerisch sein zu können.

Tanner beobachtete Ashley schweigend und wartete ab. Er fand sie empörend wagemutig, einzigartig dumm und grenzenlos unvorsichtig. Sie wirkte unschuldig und dennoch verführerisch. Abgesehen vom Wort des Sheriffs, wusste sie nichts über ihn, Tanner. Machte es ihr denn nichts aus, dass sie völlig seiner Gnade ausgeliefert sein würde? Er konnte ihr Geld nehmen, sie vergewaltigen und töten, und sie würde es nicht verhindern können. Aber wie viel Grips konnte er schon von einer Yankee-Lehrerin erwarten?

Mit jeder Minute, die verging wusste Ashley, dass die Chancen, einen anderen Mann als Schein-Ehemann zu finden, schlechter wurden. Cole brauchte sie; sie konnte ihn nicht im Stich lassen. Sie wollte unbedingt mit dem Treck am Morgen losfahren. Selbst, wenn das bedeutete, dass sie gemeinsame Sache mit einem verbitterten Rebellen machen musste, der sie hasste.

Sie bedachte ihn mit einem verächtlichen Blick. »Also gut, Rebell, ich nehme an, ich muss mich mit Ihnen zufrieden geben. Sheriff Beardsley hält Sie anscheinend für zuverlässig, und zu diesem Zeitpunkt kann ich nicht mehr auf jemanden warten, der besser für den Job qualifiziert wäre.«

Tanner blickte sie lange und kühl an, und sie glaubte, vielleicht zu vorschnell gewesen zu sein. »Schließen Sie die Zelle auf, Sheriff. Die Yankee und ich haben eine Abmachung zu treffen.«

Ein erfreutes Lächeln hob Beardsleys Mundwinkel, als er sich von seinem Stuhl erhob, den Schlüssel von einem Nagel an der Wand nahm und sich Tanners Zelle näherte. Fast bemitleidete er Tanner, weil er die nächsten Wochen, vielleicht sogar Monate, in der Gesellschaft dieser scharfzüngigen Yankee-Miss verbringen musste. Er konnte verstehen, weshalb sie noch keinen Mann hatte. Welcher Mann würde freiwillig eine Frau heiraten, deren scharfe Zunge und beißende Intelligenz ihm das Leben zur Hölle machen würde?

Die Zellentür schwang auf, und Tanner trat heraus. Er nickte Beardsley kurz zu und wandte sich dann an Ashley. »Wir haben Geschäftliches zu erledigen, Yankee. Die Hälfte des Geldes jetzt, wenn ich mich nicht täusche.«

Ashley bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. »Ihre Erinnerung trübt sie nicht, Rebell.«

Tanners Miene verhärtete sich. »Erinnerung ist alles, was mir geblieben ist, und ich wünschte bei Gott, ich hätte keine.«

Ashley, die keinen Sinn in seinen Worten fand, kramte in ihrem Handtäschchen und nahm ein Bündel Banknoten heraus. »Wie soll ich wissen, dass Sie nicht mein Geld nehmen und damit abhauen?«

»Ohne Pferd und Waffen kann er nirgendwohin«, schaltete sich der Sheriff ein. »Und heute wird er beides nicht mehr bekommen. Ich werde ihm das Pferd und die Waffen morgen am Ort der Abreise persönlich aushändigen.«

»So viel zum Vertrauen«, murmelte Tanner finster.

Beardsley zuckte die Achseln. »Ich schütze nur meinen Arsch, Captain.« Plötzlich wurde ihm seine Vulgärsprache bewusst, und er grinste Ashley verlegen an. »Verzeihung, Miss Webster.«

Ashley legte das Geld auf Tanners Handfläche und fragte sich, ob sie es bereuen würde. Plötzlich spürte sie den unwiderstehlichen Drang, ihm das Geld wieder aus der Hand zu reißen, doch es war zu spät. Tanners große, schwielige Hand schloss sich um die Banknoten, und er verstaute sie in seiner Westentasche.

»Ich muss einiges einkaufen, bevor wir abreisen«, sagte Ashley. »Ich schlage vor, Sie benutzen einiges von diesem Geld für eine Rasur, einen Haarschnitt und passende Kleidung für die Reise. Und für alles, was Sie sonst für Ihre persönlichen Bedürfnisse brauchen. Um das Essen und die Vorräte kümmere ich mich. Wir treffen uns in zwei Stunden am Mietstall.«

»Lassen Sie uns eines gleich klarstellen, Yankee. Ich habe zugestimmt, Ihren Ehemann zu spielen, nicht jedoch, Befehle von Ihnen entgegenzunehmen. Ich werde mich an unsere Abmachung halten, aber mich nicht von Ihnen bevormunden lassen. Wenn Sie mit dieser Regel nicht leben können, sollten wir uns besser hier und jetzt trennen.«

Ashley biss sich auf die Lippen, um diesen abscheulichen Rebellen nicht mit ihrer scharfen Zunge zu verfluchen. Leider brauchte sie ihn, aber eines Tages würde das nicht mehr so sein, und dann würde sie ihm genau sagen, was sie von ihm hielt.

»Tun Sie, was Ihnen beliebt!«, fauchte sie ihn an. »Seien Sie nur in zwei Stunden beim Mietstall, damit wir uns bei Captain Cramer als Ehepaar vorstellen können.«

Das Kinn trotzig erhoben, fuhr Ashley auf dem Absatz herum und stürmte aus dem Büro des Sheriffs. Dabei stellte sie vor Tanner und Beardsley unabsichtlich ihre Weiblichkeit zur Schau, als ihr Rock flog und ein Teil ihrer schlanken Waden zu sehen war.

»O Mann«, murmelte Beardsley, ein wenig benommen vom Auftritt des Drachen mit dem flammendroten Haar. »Diese kleine Lady hat ihren eigenen Kopf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie um die nächsten Monate beneide, Captain.«

»Diese kleine Lady ist überhaupt keine Lady. Sie ist bloß ein unverschämtes Yankee-Flittchen. Vielleicht ist all dieses Gerede von ihrem Bruder reine Erfindung. Wahrscheinlich braucht sie so dringend einen Mann in ihrem Bett, dass sie sich einen kauft. Nach ihrem eigenen Eingeständnis hat sie Erfahrung, und wenn ich mich nicht irre, ist sie auch tatsächlich keine schüchterne Jungfrau.«

»Ich habe für Sie gebürgt, Captain. Sie haben das Geld genommen. Sie haben eine moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass sie sicher ihr Ziel erreicht.«

»Genau, die moralische Verpflichtung habe ich«, sagte Tanner nachdenklich. »Aber ich werde nicht dafür bezahlt, dass ich ihr im Bett diene. Die Yankee wird den >Dixie< pfeifen müssen, bevor sie mich in ihr Bett locken kann. Vergessen Sie nicht, mir morgen mein Pferd und die Waffen zu bringen«, erinnerte er Beardsley, als er durch die Tür ging.

»Machen Sie keinen Ärger!«, rief Beardsley ihm nach. Er beobachtete, wie Tanner die Straße hinabging und fragte sich, ob er einen Fehler begangen hatte. Er war sich sicher, dass zwischen der rothaarigen Yankee und dem hitzköpfigen Rebellen die Fetzen fliegen würden. Zu schade, dass er nicht dabei sein würde, um dieses Schauspiel zu genießen.

»Wieder zurück, Miss Webster?«, fragte Captain Cramer, als Ashley ihm zwei Stunden später gegenübertrat. »Ich habe meine Meinung nicht geändert. Wenn Sie sich nicht plötzlich entweder einen Mann oder Eltern zugelegt haben, sind Sie hier nicht willkommen.«

Cramers Augenbrauen ruckten hoch, als Tanner hinter dem Wagen auftauchte und sich neben Ashley stellte. Er war glatt rasiert und trug ein blaues Baumwollhemd unter seiner Lederweste. Sein Haar war zwar immer noch lang, jedoch im Nacken mit einem Lederriemen zusammengebunden. Leider hatte er seine graue Armeehose nicht durch etwas Passenderes ersetzt, doch Ashley hatte sich eine Bemerkung darüber verkniffen, weil er zur vereinbarten Zeit beim Mietstall eingetroffen war.

»Dies ist mein Mann, Captain Cramer. Ich bin jetzt Mrs Tanner MacTavish. Sie haben also keinen Grund mehr, mich von Ihrem Treck auszuschließen.«

Tanner und Cramer schüttelten sich die Hände. »Ihr Mann? Bisschen plötzlich, oder?«

»Das geht Sie nichts an«, sagte Ashley scharf. »Sie sagten, ich brauche einen Ehemann, und so habe ich einen. Welche Wagenposition haben wir?«

»Nicht so schnell, Miss ... äh ... Mrs MacTavish. Haben Sie eine Heiratsurkunde? Ich möchte sie sehen.«

Ashley wurde blass. Himmel, sie hätte nie gedacht, dass er danach fragen würde. »Natürlich haben wir die«, antwortete sie, bevor sie Zeit zum Denken hatte. »Wir holen sie später beim Haus des Predigers ab.«

»Zeigen Sie mir das Dokument morgen vor der Abreise, und Sie und Ihr ... Ehemann werden in unserer Gesellschaft willkommen sein.« An seinen Worten und seinem Tonfall war offenkundig, dass er sie für eine Lügnerin hielt.

Ashley schaute ihm nach, als er davonschlenderte. Was, in Gottes Namen, sollte sie jetzt tun?

Auf Tanners Gesicht zeichnete sich Erleichterung ab. Das Schicksal hatte eingegriffen und ihn vor einem katastrophalen Fehler bewahrt. Sich mit der Yankee-Zicke einzulassen, war von Anfang an falsch gewesen. Er trat ohne sichtliches Bedauern zur Seite.

»Ich nehme an, Sie wollen Ihr Geld zurückhaben, Yankee«, sagte er und griff in seine Westentasche. »Ich habe etwas davon ausgegeben, aber ein bisschen Schwund ist ja wohl normal.«

»Erfreut Sie der Gedanke, zurück ins Gefängnis zu wandern, Rebell?«

Tanner blickte sie finster an. Es passte zu einer Yankee, Schadenfreude beim Unglück anderer Leute zu empfinden. »Ich bin schon in vielen Gefängnissen gewesen.«

»Und Sie werden noch in vielen anderen landen, in St. Joe und in anderen Städten.« Ein ungeheuerlicher Gedanke nahm in ihr Gestalt an. Sie musterte ihn genau. »Ich bin bereit, Captain Cramer unsere Heiratsurkunde zu zeigen; und Sie?

Zuerst hatte Tanner keine Ahnung, wovon sie sprach. Doch als er nach einem Sinn in ihren Worten suchte, wurde er ihm allmählich klar. Seine Augen weiteten sich, sein Mund klaffte auf, und ihm stockte der Atem. Als er schließlich die Sprache wiederfand, konnte er nur Unverständliches stammeln.

»Was ist los, Rebell, haben Sie Angst, eine Herausforderung anzunehmen?«

»Wenn Sie vorschlagen, was ich denke, müssen Sie irre sein, selbst für eine Yankee.«

Ashley schloss die Augen und wirkte schmerzlich zerbrechlich. »Ich bin verzweifelt. Die Heirat würde nur zum Schein abgeschlossen werden. Wenn wir unseren Zielort erreicht haben, können Sie sie annullieren. Oder ich mache das, wenn Sie das vorziehen.«

»Und ich wäre verrückter als Sie, wenn ich einem solch unglaublichen Vorschlag zustimmte. Ich kann den Anblick von Yankees nicht ertragen. Sie und ich sind Feinde. Wir würden einander zerfleischen. Wie lange würde es dauern, bis einer von uns dem anderen körperlichen Schaden zufügt?«

Ashley fragte sich das Gleiche, doch sie war entschlossen.

»Ich bin bereit, das Risiko einzugehen, wenn Sie das ebenfalls sind, Rebell. Es sind nur ein paar Monate Ihres Lebens.«

Er schwieg so lange, dass Ashley zu verzweifeln begann. Es war zu spät, um einen anderen Mann zu finden, selbst wenn sie das wollte, und sie war sich nicht sicher, ob sie den Mut aufbringen und einen anderen Mann bitten konnte, sie zu heiraten. Besser, sich der bekannten Gefahr stellen als der unbekannten.

Tanner forschte in ihrem Gesicht und sah mehr als das, was sich seinen Augen bot, weit mehr als er wünschte. Er sah eine Frau, deren Jugendlichkeit zur aparten Schönheit gereift war. Er erkannte Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit, Sturheit und Unbeugsamkeit. Wichtiger aber noch - er sah eine Yankee. Er wusste instinktiv, dass Ashley Webster gefährlich war; wie gefährlich genau und weshalb, musste er noch herausfinden. Er lächelte freudlos, wobei er sich jeden einzelnen Verlust durch die Yankees in Erinnerung rief. Aber da die Rückkehr ins Gefängnis keine verlockende Aussicht war, traf er eine Entscheidung, die sein Leben unwiderruflich verändern würde.

»Was soll's, Yankee, heiraten wir.«