8
Chester Stones Tag begann auf normale Weise. Er fuhr zur gewohnten Zeit ins Büro. Die Sonne schien, wie man’s im Juni erwarten konnte. Seine Fahrt in die Stadt verlief normal. Normaler Verkehr, nicht mehr, nicht weniger. Die üblichen Straßenhändler mit Rosen oder Zeitungen auf den Plätzen vor den Mautstationen. Der relativ flüssige Verkehr die ganze Halbinsel Manhattan hinunter, der ihm bewies, dass er genau den richtigen Zeitpunkt erwischt hatte, wie meist. Er parkte auf seinem gemieteten Stellplatz in der Tiefgarage und fuhr mit dem Aufzug in sein Büro. Dann hörte sein Tag auf, normal zu sein.
Die Büros waren verlassen. Als ob sein Unternehmen über Nacht zu existieren aufgehört hätte. Die Angestellten waren alle verschwunden - wie Ratten von einem sinkenden Schiff. Auf einem entfernten Schreibtisch klingelte ein Telefon. Niemand nahm ab. Alle Computer waren ausgeschaltet, die Monitore stumpfgraue Quadrate, in denen sich die Leuchtstoffröhren an der Decke spiegelten. In seinem Chefbüro war es immer ruhig, aber als er es heute betrat, schien darin Totenstille zu herrschen.
»Ich bin Chester Stone«, sagte er in die Stille hinein, nur um einen Laut zu hören, aber es gab kein Echo, weil der hochflorige Teppichboden und die Raufasertapete den Schall verschluckten. Seine Stimme verlor sich einfach im Nichts.
»Scheiße«, sagte er.
Er war wütend. Vor allem auf seine Sekretärin. Sie hatte viele Jahre lang bei ihm gearbeitet, und von ihr hätte er erwartet, dass sie loyal war. Aber sie hatte ihn im Stich gelassen wie alle anderen. Sie hatte die Gerüchte aus der Finanzabteilung gehört, die Firma sei pleite, ihre Gehaltsschecks würden platzen, und ein paar alte Akten aus einem Karton gekippt, die Fotos ihrer Neffen in den billigen Messingrahmen, ihre schäbige alte Grünlilie von ihrem Schreibtisch und ihren Ramsch aus den Schubladen eingepackt und alles mit der U-Bahn in ihre hübsche kleine Wohnung transportiert, wo immer die sich auch befand. In ihre hübsche kleine Wohnung, die sie in besseren Zeiten von seinen Gehaltsschecks gekauft und eingerichtet hatte. Dort würde sie jetzt im Bademantel sitzen, Kaffee trinken und in den Stellenanzeigen der Zeitungen blättern, um sich einen neuen Job zu suchen und nie mehr zu ihm zurückzukehren.
»Scheiße«, sagte er noch mal.
Er machte auf dem Absatz kehrt, stürmte durchs Vorzimmer hinaus und zum Aufzug. Fuhr ins Erdgeschoss und ging mit großen Schritten in den Sonnenschein hinaus. Wandte sich nach Westen und begann vor Wut kochend und mit wild pochendem Herzen loszumarschieren. Die gewaltigen Twin Towers ragten hoch über ihm auf. Er lief schweißgebadet über die Plaza und zu den Aufzügen im Innern. In der Eingangshalle drang die Kälte der klimatisierten Luft durch sein Jackett. Er fuhr mit einem Expressaufzug in den siebenundachtzigsten Stock hinauf, trat aus der Kabine und ging den schmalen Korridor entlang. Dann betrat er zum zweiten Mal innerhalb von vierundzwanzig Stunden Hobies mit Eiche und Messing ausgestatteten Empfangsbereich,
Der Rezeptionist saß hinter der Theke. Auf der anderen Seite des Foyers kam ein stämmiger Mann in einem teuren Anzug mit zwei Bechern in der Hand aus einer kleinen Küche. Stone roch Kaffee. Er sah von einem der Männer zum anderen.
»Ich muss Hobie sprechen«, sagte er.
Sie ignorierten ihn. Der Stämmige trat an die Theke und stellte dem Mann dahinter einen der Becher hin. Dann postierte er sich so, dass er dem Ausgang näher war als Stone. Der Rezeptionist drehte den Kaffeebecher sorgfältig etwas nach rechts, bis sich der Henkel genau dort befand, wo er ihn bequem fassen konnte.
»Ich muss Hobie sprechen«, wiederholte Stone, ohne jemanden anzusehen.
»Mein Name ist Tony«, sagte der Rezeptionist.
Stone wandte sich ihm zu und starrte ihn ausdruckslos an. Der Kerl hatte auf der Stirn eine große rote Beule, die wie eine Prellung aussah. Sein Haar war frisch gekämmt, aber über der linken Schläfe feucht, als habe er sich ein nasses Handtuch an den Kopf gehalten.
»Ich muss Hobie sprechen«, sagte Stone zum dritten Mal.
»Mr. Hobie ist heute nicht im Büro«, erwiderte Tony »Für Ihre Angelegenheiten bin vorläufig ich zuständig. Wir haben einiges zu besprechen, nicht wahr?«
»Ja, das haben wir«, sagte Stone.
»Gehen wir also hinein?«, fragte Tony und stand auf.
Er nickte dem anderen Kerl zu, der um die Theke herumging und sich auf seinen Platz setzte. Tony kam hinter der Theke hervor und ging zur Tür von Hobies Büro. Er hielt sie auf, und Stone trat ein. Die Lamellenjalousien waren wie am Tag zuvor geschlossen. Tony bewegte sich lautlos durchs Dunkel zu Hobies Schreibtisch und setzte sich in den Drehsessel. Stone folgte ihm, blieb dann jedoch stehen, um sich zu überlegen, auf welches Sofa er sich setzen sollte.
»Sie bleiben stehen«, sagte Tony
»Wie bitte?«, fragte Stone.
»Sie bleiben für die Dauer dieser Unterredung stehen.«
»Wie bitte?«, wiederholte Stone verblüfft.
»Genau hier vor dem Schreibtisch.«
Stone stand einfach nur da, brachte kein Wort heraus.
»Arme anlegen«, sagte Tony »Brust raus, Schultern zurücknehmen.«
Das sagte er ruhig, halblaut, in nüchternem Tonfall, ohne sich dabei zu bewegen. Danach herrschte Stille. Seine Augen gewöhnten sich allmählich an die Dunkelheit. Er konnte die Kratzer sehen, die Hobies Haken auf der Schreibtischplatte hinterlassen hatte. Sie bildeten ein tief ins Holz eingegrabenes, wirres Muster. Die Stille brachte ihn durcheinander. Er hatte keine Ahnung, wie er auf diese Situation reagieren sollte. Es war demütigend, hier zu stehen. Entwürdigend, weil der Befehl dazu von einem verdammten Rezeptionisten kam. Ihm war bewusst, dass er sich hätte wehren, sich auf eines der Sofas setzen sollen. Den Kerl ignorieren. Tu ’s einfach. Setz dich hin und zeig ihm, wer hier der Boss ist. Setz dich, verdammt noch mal, forderte er sich selbst auf. Aber seine Beine wollten ihm nicht gehorchen. Er war wie gelähmt, starr vor Empörung und Demütigung. Und vor Angst.
»Sie tragen Mr. Hobies Jackett«, sagte Tony. »Würden Sie es bitte ausziehen?«
Stone glotzte ihn an. Dann sah er auf sein Jackett. Es gehörte zu seinem Anzug aus der Savile Row. Er stellte fest, dass er das erste Mal in seinem Leben denselben Anzug wie am Tag zuvor trug.
»Das ist mein Jackett«, entgegnete er.
»Nein, es gehört Mr. Hobie.«
Stone schüttelte den Kopf. »Ich habe diesen Anzug in London gekauft. Das ist eindeutig mein Jackett.«
Tony lächelte in der Dunkelheit.
»Sie kapieren’s nicht, was?«, meinte er.
»Was kapieren?«, fragte Stone verständnislos.
»Dass Sie jetzt Mr. Hobie gehören. Mit Haut und Haar. Und alles, was Sie besitzen, gehört ihm.«
Stone starrte ihn weiter an.
»Ziehen Sie also Mrs. Hobies Jackett aus«, sagte Tony ruhig.
Stone machte den Mund auf und zu, brachte aber keinen Ton heraus.
»Ziehen Sie’s aus«, forderte Tony ihn erneut auf. »Sie sollten nicht ein Jackett tragen, das einem anderen Mann gehört.«
Obwohl seine Stimme ruhig klang, war ihr drohender Unterton unüberhörbar. Stones Gesicht war schreckensstarr, aber dann begannen seine Arme sich plötzlich zu bewegen, als würden sie nicht mehr von seinem Bewusstsein gesteuert. Er riss sich das Jackett vom Leib und hielt es dem Kerl hin.
»Legen Sie’s bitte auf den Schreibtisch«, sagte Tony.
Stone tat, wie ihm geheißen. Tony zog es näher zu sich heran und leerte systematisch die Taschen. Dann stapelte er ihren Inhalt zu einem kleinen Haufen, knüllte das Jackett zusammen und warf es lässig über den Schreibtisch aufs linke Sofa.
Er griff nach dem Montblanc-Füller, schob anerkennend die Unterlippe vor und steckte ihn in seine Hemdtasche. Danach nahm er sich die Schlüssel vor, breitete sie vor sich auf der Schreibtischplatte aus und begutachtete einen nach dem anderen. Pickte den Autoschlüssel heraus und hielt ihn zwischen Daumen und Zeigefinger hoch.
»Mercedes?«
Stone nickte.
»Modell?«
»Fünfhundert SEL«, murmelte Stone.
»Neu?«
Stone zuckte mit den Schultern. »Ein Jahr alt.«
»Farbe?«
»Dunkelblau.«
»Wo?«
»In meinem Bürogebäude«, murmelte Stone. »Auf dem Stellplatz in der Tiefgarage.«
»Den holen wir später ab«, erklärte Tony
Er zog die Mittelschublade auf, ließ die Schlüssel hineinfallen. Schloss die Schublade wieder und griff nach der Geldbörse. Er hielt sie verkehrt herum und kippte den Inhalt aus. Als sie leer war, warf er sie unter den Schreibtisch. Stone hörte, wie sie scheppernd im metallenen Abfallbehälter landete. Tony sah sich flüchtig das Foto von Marilyn an, bevor er es ebenfalls in den Abfallbehälter schmiss. Dann schichtete er die Kreditkarten auf und schob sie mit drei Fingern wie ein Croupier beiseite.
»Ein Typ, den wir kennen, gibt uns hundert Bucks dafür«, sagte er.
Anschließend schob er die Geldscheine zusammen und sortierte sie nach Wert. Er schrieb die Gesamtsumme auf einen Zettel, den er mit einer Büroklammer an dem Packen befestigte. Auch das Bargeld wanderte in die mittlere Schublade.
»Was wollt ihr eigentlich von mir?«, wollte Stone wissen.
Tony sah ihn an.
»Ich möchte, dass Sie Mr. Hobies Krawatte abnehmen«, sagte er.
Stone zuckte hilflos mit den Schultern.
»Nein, im Ernst, was wollt ihr von mir?«
»Siebzehn Komma eins Millionen Dollar. So viel schulden Sie uns.«
Stone nickte. »Ja, ich weiß. Die bekommen Sie.«
»Wann?«, fragte Tony.
»Nun, dafür werde ich etwas Zeit brauchen«, antwortete Stone.
Tony nickte. »Okay, Sie haben eine Stunde Zeit.«
Stone schüttelte den Kopf. »Nein, ich brauche mehr als eine Stunde.«
»Mehr als eine Stunde gibt’s nicht.«
»In einer Stunde kann ich’s nicht schaffen.«
»Ich weiß, dass Sie das nicht können«, sagte Tony. »Sie können es weder in einer Stunde noch in einem Tag, noch in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr, weil Sie ein Versager sind, der sich nicht mal aus einer nassen Papiertüte befreien könnte, stimmt’s?«
»Was?«
»Sie sind eine Schande für Ihre Familie, Stone. Sie haben eine Firma übernommen, für die Ihr Großvater geschuftet und die Ihr Vater ausgebaut hat, und in den Ruin getrieben, weil Sie ein Vollidiot sind.«
Stone zuckte hilflos mit den Schultern. Dann schluckte er trocken.
»Okay, ich habe einige Male Pech gehabt«, sagte er. »Aber was hätte ich tun sollen?«
»Runter mit der Krawatte!«, brüllte Tony
Stone fuhr zusammen und riss die Hände hoch. Mühte sich mit dem Knoten ab.
»Runter damit, Scheißkerl!«, brüllte Tony wieder.
Stone zerrte die Krawatte herunter. Warf sie auf den Schreibtisch.
»Danke, Mr. Stone«, sagte Tony ruhig.
»Was wollt ihr von mir?«, flüsterte Stone.
Tony zog eine andere Schublade auf und nahm ein mit der Hand beschriebenes Blatt heraus. Es war gelb und in fast unleserlicher Schrift vollgekritzelt. Eine Liste mit unten aufaddierten Zahlen.
»Wir besitzen neununddreißig Prozent Ihres Unternehmens«, sagte er. »Nach dem Stand von heute Morgen. Wir wollen weitere zwölf Prozent.«
Stone glotzte ihn an. Rechnete die Zahlen im Kopf zusammen. »Eine Mehrheitsbeteiligung?«
»Genau«, erwiderte Tony. »Wir halten neununddreißig Prozent, zwölf dazu ergeben einundfünfzig, was tatsächlich eine Mehrheitsbeteiligung wäre.«
Stone schluckte erneut, schüttelte den Kopf.
»Nein«, sagte er. »Nein, die kriegen Sie nicht.«
»Okay, dann wollen wir binnen einer Stunde siebzehn Komma eins Millionen Dollar.«
Stone stand einfach nur da und blickte verwirrt um sich. Die Tür ging auf, und der stämmige Mann in dem teuren Anzug kam lautlos über den Teppich und baute sich mit verschränkten Armen links neben Tony auf.
»Ihre Uhr, bitte«, fuhr Tony fort.
Stone warf einen Blick auf sein linkes Handgelenk. Seine Uhr war eine Rolex. Sie sah wie Stahl aus, war aber aus Platin. Er hatte sie in Genf gekauft. Er nahm sie ab, legte sie auf den Schreibtisch. Tony nickte und ließ sie in die Schublade zu den Schlüsseln fallen.
»Ziehen Sie jetzt Mr. Hobies Hemd aus.«
»Sie können mich nicht dazu bringen, Ihnen mehr Aktien zu überlassen«, sagte Stone.
»Ich denke schon. Runter mit dem Hemd, okay?«
»Hören Sie, ich lasse mich nicht einschüchtern«, erwiderte Stone so selbstbewusst wie möglich.
»Sie sind schon eingeschüchtert«, meinte Tony. »Sie sind kurz davor, in Mr. Hobies Hose zu machen. Was übrigens ein großer Fehler wäre, weil wir Sie zwingen würden, sie wieder zu säubern.«
Stone sagte nichts. Er starrte nur zwischen den beiden Männern hindurch ins Leere.
»Zwölf Prozent des Stammkapitals«, sagte Tony freundlich. »Warum nicht? Es ist schließlich nichts wert. Und Sie hätten noch immer neunundvierzig Prozent.«
»Ich muss mit meinen Anwälten sprechen«, sagte Stone.
»Okay, tun Sie das.«
Stone sah sich verzweifelt in dem verdunkelten Raum um. »Wo ist das Telefon?«
»Hier drin gibt’s kein Telefon«, sagte Tony »Mr. Hobie mag keine Telefone.«
»Wie also?«
»Sie müssen rufen«, antwortete Tony »Rufen Sie richtig laut, vielleicht hören Ihre Anwälte Sie dann.«
»Was?«
»Rufen«, wiederholte Tony »Sie sind wirklich begriffsstutzig, Mr. Stone? Zählen Sie zwei und zwei zusammen, ziehen Sie einen Schluss daraus. Hier gibt’s kein Telefon, Sie können den Raum nicht verlassen. Sie wollen mit Ihren Anwälten sprechen, also müssen Sie rufen.«
Stone starrte ausdruckslos ins Leere.
»Plärren Sie schon, Sie wertloses Stück Scheiße!«, brüllte Tony
»Nein, ich kann nicht«, sagte Stone hilflos. »Ich weiß nicht, was Sie meinen.«
»Ziehen Sie das Hemd aus!«, kreischte Tony
Stone zitterte wie Espenlaub. Zögerte mit halb erhobenen Armen.
»Runter damit, Sie Scheißkerl!«, schrie Tony
Stones Hände fuhren hoch und knöpften das Hemd hastig auf. Er riss es sich vom Leib, stand dann mit dem Hemd in der Hand da und bebte vor Angst.
»Legen Sie’s bitte ordentlich zusammen«, forderte Tony ihn auf. »Mr. Hobie mag seine Sachen gern ordentlich.«
Stone tat sein Bestes. Dann legte er es sorgsam auf sein Jackett auf dem linken Sofa.
»Rücken Sie die zwölf Prozent raus«, befahl Tony
»Nein«, sagte Stone und ballte die Hände zu Fäusten.
Danach herrschte wieder Stille. Schweigen und Dunkelheit.
»Effizienz«, begann Tony wieder. »Darauf legen wir hier großen Wert. Sie hätten mehr auf Effizienz achten sollen, Mr. Stone. Dann wäre Ihr Unternehmen jetzt vielleicht nicht pleite. Was ist in Ihrem Fall also die effizienteste Methode für uns?«
Stone zuckte hilflos mit den Schultern. »Ich weiß nicht, wovon Sie reden.«
»Dann will ich’s Ihnen erklären«, sagte Tony »Wir wollen, dass Sie einwilligen. Wir wollen Ihre Unterschrift auf einem Stück Papier. Wie bekommen wir die am schnellsten?«
»Die kriegen Sie nie, Sie Schwein!«, rief Stone. »Vorher melde ich Konkurs an. Beantrage Gläubigerschutz. Von mir bekommen Sie nichts. Überhaupt nichts! Meinetwegen verklagen Sie mich. Dann können Sie sich auf einen fünfjährigen Rechtsstreit gefasst machen.«
Tony schüttelte den Kopf wie ein Lehrer, der zum x-ten Mal die falsche Antwort hört.
»Machen Sie, was Sie wollen«, sagte Stone. »Meine Firma kriegen Sie jedenfalls nicht.«
»Wir könnten Ihnen wehtun«, warnte Tony ihn.
Stone senkte den Kopf. Sein Blick fiel auf den Schreibtisch. Dort lag noch immer seine Krawatte.
»Ziehen Sie Mr. Hobies Hose aus!«, brüllte Tony
»Nein, das werde ich nicht tun, verdammt noch mal!«, kreischte Stone ebenso laut.
Der Kerl neben Tony griff unter seine linke Schulter. Stone glotzte ihn ungläubig an, als er eine kleine schwarze Pistole herauszog. Er hob sie mit einer ausgestreckten Hand bis in Augenhöhe und ging um den Schreibtisch herum auf Stone zu. Stones weit aufgerissene Augen fixierten die Waffe. Sie zielte auf sein Gesicht. Er zitterte und schwitzte. Der Kerl kam immer näher, bis die Mündung der Waffe Stones Stirn berührte. Die Mündung war hart und kalt. Stone wich zurück, um den Druck zu verringern. Stolperte, bemerkte nicht, dass der Mann seine andere Hand zur Faust ballte. Sah ihn nicht ausholen. Der Kerl verpasste ihm einen Magenhaken, und Stone klappte zusammen, sich windend, keuchend und würgend.
»Runter mit der Hose, Sie Scheißkerl!«, brüllte Tony wieder.
Der andere Mann verpasste ihm einen Tritt in die Rippen. Stone schrie auf, rang nach Atem und riss an seinem Gürtel. Er bekam ihn endlich auf. Fummelte an den Knöpfen und dem Reißverschluss herum, ehe er die Hose abstreifen konnte.
»Stehen Sie auf, Mr. Stone«, sagte Tony ruhig.
Stone rappelte sich auf, stand nach vorn gebeugt schwankend da: mit gesenktem Kopf, laut keuchend, die Hände auf den Knien. Sein Magen rebellierte. Dünne weiße, unbehaarte Beine ragten aus seinen Boxershorts, und die schwarzen Socken und Schuhe an seinen Füßen wirkten lächerlich.
»Wir könnten Ihnen wehtun«, wiederholte Tony »Das wissen Sie jetzt, nicht wahr?«
Stone nickte japsend. Er hielt beide Arme an seinen Magen gedrückt. Würgte und keuchte.
»Das wissen Sie jetzt, nicht wahr?«, sagte Tony noch einmal.
Stone zwang sich zu einem weiteren Nicken.
»Sprechen Sie’s aus, Mr. Stone«, verlangte Tony »Sagen Sie, dass wir Ihnen wehtun könnten.«
»Sie könnten mir wehtun«, keuchte Stone.
»Aber das tun wir nicht. Das ist nicht die Methode, die Mr. Hobie bevorzugt.«
Stone hob eine Hand, wischte sich Tränen aus den Augen und sah hoffnungsvoll auf.
»Mr. Hobie zieht es vor, den Ehefrauen wehzutun«, sagte Tony »Effizienz, wissen Sie? Das führt rascher zum Erfolg. Deshalb sollten Sie jetzt wirklich an Marilyn denken.«
Der gemietete Taurus war niedrig, wendig und viel schneller als der Bravada. Er hatte eine gute Straßenlage, zog sicher durch Kurven und war leise.
Er war auf der Route 9 nach Norden unterwegs und hatte auf dem Beifahrersitz die Straßenkarte von Hertz ausgebreitet. Brighten lag auf halber Strecke zwischen Peekskill und Poughkeepsie direkt am Fluss. Daneben hatte er die Adresse des alten Ehepaars auf einem Notizblockzettel aus Dr. McBannermans Praxis liegen. Er fuhr konstant fünfundsechzig Meilen.
Nach einer Stunde befand er sich wieder auf Höhe von Garrison und hatte vor, weiter nach Norden bis zu der großen Fernstraße zu fahren, die seiner Erinnerung nach den Fluss nach Westen in Richtung Newburgh überquerte. Bog er kurz vor dem Hudson River von dieser Straße ab, musste er Brighton von Norden erreichen. Dann brauchte er nur noch die Adresse zu finden, was schwierig werden konnte.
Aber es war ganz einfach, denn die Straße, auf der er von der großen Ost-West-Verbindung kommend nach Brighton hineinfuhr, trug denselben Namen wie die in der Adresse des alten Ehepaars angegebene. Reacher fuhr langsam nach Süden weiter und hielt Ausschau nach Briefkästen und Hausnummern. Die Briefkästen waren in Abständen von einigen hundert Metern zu Sechsergruppen zusammengefasst, die keine Verbindung zu den jeweiligen Häusern erkennen ließen. Tatsächlich waren überhaupt nur sehr wenige Häuser zu sehen. Zu allen schienen kleine, mit Kies bestreute oder schlecht asphaltierte Zufahrten zu führen, die links und rechts wie Tunnels in den Wald abzweigten.
Reacher fand den richtigen Briefkasten. Er war auf einem Holzpfosten montiert, den Wind und Wetter verrotten und allmählich nach vorn kippen ließen. Kräftige grüne Schlinggewächse und Dornenranken umwucherten ihn, als wollten sie ihn stützen. Der große Metallkasten war mattgrün gestrichen und trug auf den Seiten in verblasster, aber tadelloser Handschrift die Hausnummer. Seine Klappe stand offen, weil er von Post überquoll. Reacher nahm sie heraus und legte sie neben sich auf den Beifahrersitz. Drückte die Klappe wieder zu und las darauf einen verblassten Namen in der gleichen sauberen Schrift: Hobie.
Um dem Zusteller Arbeit zu ersparen, befanden sich alle Briefkästen auf der rechten Straßenseite, aber die Einfahrten zweigten links und rechts von der Straße ab. Von den Briefkästen aus waren vier zu sehen: zwei links und zwei rechts. Reacher entschied sich für die erste, die nach rechts in Richtung Fluss führte.
Das war die falsche Zufahrt. Dort unten lagen zwei Häuser. Eines davon hatte an beiden Torsäulen ein Namensschild: Kozinsky. Vor dem anderen stand ein knallroter Pontiac Firebird unter einem neuen Basketballring im Giebelfeld der Garage. Auf dem Rasen dahinter lagen zwei Kinderfahrräder. Das alles ließ nicht gerade darauf schließen, dass in diesem Haus ein altes, gebrechliches Ehepaar lebte.
Auch die erste Zufahrt links führte nicht zum Ziel. Das richtige Haus fand er am Ende der zweiten Zufahrt links, die, halb zugewachsen, parallel zum Fluss nach Süden verlief. Am Tor stand ein verrosteter alter Briefkasten aus der Zeit, als der Zusteller noch ans Haus gekommen war. Ebenfalls mattgrün, aber schon ziemlich verblichen. Mit demselben Namen in geisterhaft verblasster Schrift: Hobie. Darüber eine Stromleitung und ein Telefonkabel, von dem Ranken herabhingen. Reacher lenkte den Taurus in die Einfahrt, auf der sein Wagen von Büschen gestreift wurde, und hielt hinter einem alten Chevy, der schräg auf einem Stellplatz stand. Die alte Limousine war riesig - Motorhaube und Kofferraum glichen Flugdecks - und nahm bereits den stumpfen Braunton an, den alle ungepflegten alten Wagen aufweisen.
Reacher stellte den Motor ab, nahm den Stapel Post vom Nebensitz und stieg aus. Das Haus war ein niedriger Bungalow, der sich vor ihm nach Westen in Richtung Fluss erstreckte. Sein Schindeldach und die Holzverkleidung hatten denselben Braunton angenommen wie der alte Wagen. Der verwahrloste Garten vor dem Haus war völlig überwuchert. Der breite Weg, der vom Autostellplatz zur Haustür geführt hatte, war jetzt mit Büschen zugewachsen und schmal wie ein Pfad. Hier würde ein Trupp mit Flammenwerfern mehr ausrichten als ein halbes Dutzend Gärtner, dachte Reacher.
Er erreichte die Haustür durch knöchelhohes Gebüsch. Der Klingelknopf war eingerostet. Reacher klopfte ans Holz der alten Haustür und wartete. Keine Reaktion. Er klopfte erneut. Hinter sich konnte er das Sirren von Insekten hören. Der Taurus knackte, als der Motor abkühlte. Reacher klopfte erneut. Wartete. Dieses Mal knarrten im Haus Bodendielen. Dann hörte er näher kommende Schritte und eine dünne Frauenstimme.
»Wer ist da?«
»Reacher«, antwortete er. »General Garbers Freund.«
Seine Stimme war laut und kräftig. Ein Schloss wurde aufgesperrt und Riegel zurückgezogen. Die Haustür ging knarrend auf. Dahinter ungewisses Halbdunkel. Reacher trat in den Schatten des Dachvorsprungs und sah eine alte Frau: ungefähr achtzig, spindeldürr, weißhaarig und von der Last der Jahre gebeugt. Sie trug ein ausgebleichtes geblümtes Kleid und darunter einen Petticoat. Solche Kleider kannte er von Gartenpartyfotos aus den fünfziger und sechziger Jahren, zu denen man lange weiße Handschuhe und einen breitkrempigen Strohhut trug.
»Wir haben Sie erwartet«, sagte sie.
Sie machte einen Schritt zur Seite, um ihn einzulassen. Er nickte dankend und trat ein. Ihr Rock war so ausladend, dass er sich an ihr vorbeizwängen musste.
»Ich habe Ihre Post mitgebracht«, sagte er. »Ihr Briefkasten war voll.«
Er hielt den dicken Packen hoch und wartete.
»Oh, vielen Dank«, sagte sie. »Sehr freundlich von Ihnen. Der Weg zum Briefkasten ist weit, und wir halten nicht gern auf der Straße, um die Post herauszuholen, weil wir fürchten, jemand könnte uns hinten drauffahren. Die Straße ist sehr belebt. Und alle Leute fahren schrecklich schnell, wissen Sie. Viel schneller als sie sollten, finde ich.«
Reacher nickte. Auf der Straße dort herrschte unglaublich wenig Verkehr. Er hielt noch immer die Post in der Hand. Die alte Dame interessierte sich nicht weiter dafür.
»Wo soll ich sie hintun?«
»Würden Sie sie in die Küche legen?«
Der Flur war mit dunklem Holz getäfelt und finster, genauso wie die Küche. Sie hatte nur ein winziges Fenster mit gelb getönter Einfachverglasung. Die Einrichtung bestand aus dunkel furnierten Steh- und Hängeschränken und altmodischen, auf niedrigen Beinen stehenden emaillierten Geräten in Grau und Pfefferminzgrün, Es roch nach altem Essen und warmem Backofen, aber die Küche war sauber und ordentlich aufgeräumt. Über dem abgetretenen Linoleumboden lag ein Flickenteppich. Auf dem Küchentisch sah Reacher einen angeschlagenen Keramikbecher, in dem eine Brille mit dicken Gläsern steckte. Er legte den Briefstapel neben den Becher. Sobald der Besucher gegangen war und sie ihr bestes Kleid wieder in den Kleiderschrank mit den Mottenkugeln gehängt hatte, würde sie ihre Brille aufsetzen und ihre Post lesen.
»Darf ich Ihnen ein Stück Kuchen anbieten?«, fragte sie.
Er sah zum Herd hinüber, auf dem er eine mit einer Serviette bedeckte Kuchenplatte entdeckte. Mrs. Hobie hatte etwas für ihn gebacken.
»Und Kaffee?«
Neben dem Herd stand eine uralte Kaffeemaschine: minzegrünes Email, grüner Glasknopf auf dem Deckel, durch eine ausgefranste Zuleitung mit der Steckdose verbunden. Er nickte.
»Kaffee und Kuchen wäre wunderbar«, antwortete er.
Sie lächelte sichtlich erfreut. Lief geschäftig durch die Küche, wobei ihr weiter Rock die Backofentür streifte. Ihre magere, zitternde Hand betätigte den Schalter der Kaffeemaschine. Das Gerät war schon gefüllt, betriebsbereit.
»Es dauert einen Augenblick«, sagte sie. Dann machte sie eine Pause und horchte. Die alte Kaffeemaschine begann laut zu blubbern. »Kommen Sie, bitte, ich möchte Sie meinem Mann vorstellen. Er ist jetzt wach und will Sie kennen lernen. In der Zwischenzeit kann der Kaffee durchlaufen.«
Sie führte ihn durch den Flur in das kleine nach hinten gelegene Wohnzimmer. Es war etwa fünf mal fünf Meter groß und mit schweren Polstermöbeln und brusthohen Glasvitrinen, in denen sich Porzellanfiguren befanden, vollgestopft. In einem der Sessel saß ein alter Mann. Er trug einen blauen Anzug aus Serge, der an einigen Stellen abgetragen glänzte und für seinen ausgezehrten Körper viel zu groß war. Der Hemdkragen stand steif um seinen mageren Hals. Ein paar weiße Haarbüschel waren alles, was von seinem Haupthaar übrig geblieben war. Seine Handgelenke glichen dürren Stöcken, die aus den Ärmeln des Jacketts ragten. Die dünnen, knochigen Hände lagen kraftlos auf den Sessellehnen. Durchsichtige Plastikschläuche, die sich über die Ohren schlängelten, führten in seine Nase. Hinter ihm befand sich auf einem Gestell mit Rädern eine Sauerstoffflasche. Er sah auf und nahm einen tiefen Atemzug, um genug Kraft zu haben, den Kopf zu heben.
»Major Reacher«, sagte er. »Ich freue mich sehr, Sie kennen zu lernen.«
Reacher trat vor, ergriff die Hand und schüttelte sie. Sie war kalt und trocken und fühlte sich wie die mit Stoff überzogene Hand eines Skeletts an. Der Alte machte eine Pause, sog noch mehr Sauerstoff ein und sprach dann weiter.
»Ich bin Tom Hobie, Major. Und diese reizende Dame hier ist meine Frau Mary«
Reacher nickte.
»Freut mich, Sie beide kennen zu lernen«, sagte er. »Aber ich bin kein Major mehr.«
Der Alte nickte ebenfalls.
»Sie haben gedient«, sagte er. »Deshalb steht Ihnen der Dienstgrad zu, finde ich.«
In die Mitte der Rückwand des Wohnzimmers war ein offener Natursteinkamin eingelassen. Auf dem Sims standen dicht an dicht Bilder in reich verzierten Silberrahmen. Die meisten dieser Farbfotos zeigten einen jungen Mann in verschiedenen Posen und Umgebungen. Dazwischen befand sich eine ältere Schwarzweißaufnahme, die einen anderen Mann in Uniform zeigte: groß und aufrecht und lächelnd, einen Obergefreiten aus einer früheren Soldatengeneration. Vermutlich Mr. Hobie, bevor sein krankes Herz ihn zu einem Wrack gemacht hatte. Aber Reacher konnte keine Ähnlichkeit zwischen den beiden feststellen.
»Das bin ich«, bestätigte Hobie, der seinem Blick gefolgt war.
»Im Zweiten Weltkrieg?«, fragte Reacher.
Der Alte nickte. Sein Blick war traurig.
»Ich war nie in Übersee«, erklärte er. »Ich habe mich lange vor Einführung der Wehrpflicht freiwillig gemeldet, aber ich hatte schon damals ein schwaches Herz. Sie haben mich nicht gehen lassen. Also habe ich meine Zeit in einem Nachschublager in New Jersey abgedient.«
Reacher nickte. Hobie streckte eine Hand nach hinten aus, drehte am Ventil des Zylinders, vermehrte die Sauerstoffzufuhr.
»Ich bringe jetzt den Kaffee«, sagte die alte Dame. »Und den Kuchen.«
»Kann ich Ihnen dabei helfen?«, fragte Reacher.
»Danke, ich komme schon zurecht«, erwiderte sie und verließ raschelnd den Raum.
»Bitte nehmen Sie Platz, Major«, sagte Tom Hobie.
Reacher nickte und setzte sich schweigend in einen kleinen Sessel in der Nähe des Alten, um ihn mit seiner brüchigen Stimme besser verstehen zu können. Seine röchelnden Atemzüge klangen unnatürlich laut. Die einzigen anderen Geräusche waren das leise Zischen des Sauerstoffventils und das Klappern von Porzellan aus der Küche. Ruhige häusliche Geräusche. Vor dem Fenster hing eine limonengrüne Jalousie mit Kunststofflamellen, die schräg gestellt waren, um die Sonne abzuhalten. Irgendwo dort draußen musste der Fluss sein, ungefähr dreißig Meilen stromaufwärts von Leon Garbers Haus.
»So, da wären wir!«, rief Mrs. Hobie vom Flur aus.
Sie kam mit einem Teewagen zurück, den sie vor sich her schob. Darauf stand Porzellangeschirr: je drei Teller, Tassen und Untertassen, ein Milchkännchen und eine Zuckerdose. Auf der Kuchenplatte sah Reacher einen Früchtekuchen mit gelblicher Glasur. Vielleicht Zitrone. Daneben stand die Kanne der alten Kaffeemaschine, aus der es appetitlich duftete.
»Wie mögen Sie ihn?«
»Ohne Milch, ohne Zucker«, antwortete Reacher.
Sie schenkte eine Tasse Kaffee ein, und er sah ihr schmales Handgelenk vor Anstrengung zittern. Die Tasse klapperte auf der Untertasse, als Mrs. Hobie sie ihm reichte. Dann folgte ein Stück Kuchen. Auch der Teller zitterte. Die Sauerstoffflasche zischte. Der Alte probte seine Geschichte, teilte sie in Abschnitte auf und atmete genug Sauerstoff ein, um Kraft für jeweils einen aufzubringen.
»Ich war Drucker«, sagte er plötzlich. »Ich hatte meine eigene Druckerei. Mary hat bei einem meiner Großkunden gearbeitet. Wir haben uns kennen gelernt und im Frühjahr siebenundvierzig geheiratet. Unser Sohn ist im Juni achtundvierzig zur Welt gekommen.«
Er wandte sich ab und ließ seinen Blick über die gerahmten Fotos gleiten.
»Unser Sohn, Victor Truman Hobie.«
Im Wohnzimmer herrschte Schweigen wie bei einer Gedenkminute.
»Ich war pflichtbewusst«, fuhr der Alte fort. »Ich war für den aktiven Dienst untauglich, und das habe ich sehr bedauert. Zutiefst bedauert, Major. Aber ich war glücklich, meinem Land trotzdem dienen zu können, und genau das habe ich getan. Und wir haben unseren Sohn in diesem Sinn erzogen: sein Land zu lieben und ihm zu dienen. Er hat sich freiwillig nach Vietnam gemeldet.«
Der alte Mr. Hobie verstummte, nahm zwei tiefe Atemzüge, beugte sich nach rechts und hob eine abgewetzte Ledermappe vom Teppich auf. Er legte sie auf seine knochigen Knie und schlug sie auf. Holte ein Foto heraus und hielt es seinem Gast hin. Reacher jonglierte mit Tasse und Teller, beugte sich nach vorn, um es aus der zitternden Hand zu nehmen. Das verblasste Farbfoto zeigte einen Jungen von neun oder zehn Jahren im Garten hinter einem Haus: untersetzt, sommersprossig, grinsend, mit einer Blechschüssel als Helm auf dem Kopf, einem geschulterten Spielzeuggewehr und in die Socken gestopften Jeans, die wie ein mit Gamaschen getragener Arbeitsanzug aussehen sollten.
»Er wollte Soldat werden«, sagte Mr. Hobie. »Schon immer. Das war sein ganzer Ehrgeiz. Ich war damals natürlich damit einverstanden. Wir konnten keine weiteren Kinder haben, also war Victor, das Licht unseres Lebens, auf sich allein gestellt, und ich dachte, Soldat zu werden und seinem Land zu dienen sei ein erstrebenswertes Ziel für den einzigen Sohn eines patriotischen Vaters.«
Wieder eine Pause. Ein Hüsteln. Das Zischen des Ventils. Schweigen.
»Waren Sie mit Vietnam einverstanden, Major?«, fragte Hobie plötzlich.
Reacher zuckte mit den Schultern.
»Ich war noch zu jung, um eine eigene Meinung zu haben«, erwiderte er. »Aber aus heutiger Sicht wäre ich nicht mit Vietnam einverstanden gewesen.«
»Warum nicht?«
»Falscher Ort«, sagte Reacher. »Falscher Zeitpunkt, falsche Gründe, falsche Methoden, falsche Taktik, falsche Führung. Keine wirkliche Unterstützung, kein wirklicher Siegeswille, keine überlegte Strategie.«
»Wären Sie hingegangen?«
Reacher nickte.
»Ja, ich wäre hingegangen«, sagte er. »Mir wäre nichts anderes übrig geblieben. Schließlich war auch ich der Sohn eines Soldaten. Aber ich wäre auf die Generation meines Vaters neidisch gewesen. In den Zweiten Weltkrieg zu ziehen war viel leichter.«
»Victor wollte Hubschrauber fliegen«, sagte Hobie. »Das war sein großer Traum. Auch das war meine Schuld, fürchte ich. Ich habe ihn auf einen Jahrmarkt mitgenommen und fünf Dollar bezahlt, damit er seinen ersten Hubschrauberflug machen konnte. Mit einem zur Schädlingsbekämpfung eingesetzten alten Bell-Hubschrauber. Seit diesem Tag wollte er nur noch Hubschrauberpilot werden. Und er hat sich überlegt, dass das bei der Army am besten ging.«
Der Alte zog ein weiteres Foto aus der Ledermappe. Reichte es hinüber. Es zeigte denselben Jungen - jetzt doppelt so alt, hoch aufgeschossen, noch immer grinsend -, der in einem neuen Arbeitsanzug vor einem Hubschrauber der U. S. Army stand. Die Maschine war eine Hiller OH-23G Raven, ein alter Schulhubschrauber.
»Das war in Fort Wolters«, erklärte Hobie. »Ganz weit drunten in Texas. Hubschraubergrundschulung der U. S. Army«
Reacher nickte. »Er hat in Vietnam Hubschrauber geflogen?«
»Victor war der Zweitbeste seines Lehrgangs«, antwortete Hobie. »Uns hat das nicht überrascht. Schon in der Highschool war er immer ein ausgezeichneter Schüler. Vor allem in Mathematik begabt. Und er hat sich für Buchführung interessiert. Ich dachte, er würde studieren und dann mein Partner werden, die Buchhaltung übernehmen. Darauf habe ich mich schon gefreut. Ich war ein miserabler Schüler, Major. Kein Grund, das jetzt noch zu verheimlichen. Ich bin kein gebildeter Mann. Deshalb waren Victors Erfolge immer eine Freude für mich. Er war ein sehr intelligenter Junge. Und ein guter Junge. Sehr liebenswürdig, ein gutes Herz, ein vollkommener Sohn. Unser einziger Sohn.«
Die alte Dame hörte schweigend zu. Sie trank keinen Kaffee, aß keinen Kuchen.
»Sein Pilotenabzeichen hat er in Fort Rucker bekommen«, sagte Hobie. »In Alabama. Wir sind eigens hingefahren.«
Er gab Reacher die nächste Aufnahme. Ein Duplikat eines der Fotos auf dem Kaminsims. Gras und Himmel in verblassten Pastelltönen, ein großer Junge in Paradeuniform, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, einen Arm um eine hübsche, schlanke, ältere Frau in einem Kleid mit Blumenmuster gelegt. Das Foto war nicht ganz scharf, der Horizont leicht schief. Von einem aufgeregten, stolzen Ehemann und Vater aufgenommen.
»Das sind Victor und Mary«, sagte der Alte. »Sie hat sich seit damals überhaupt nicht verändert, stimmt’s?«
»Nicht im Geringsten«, log Reacher.
»Wir haben diesen Jungen geliebt«, bemerkte die alte Dame leise. »Zwei Wochen nachdem dieses Bild aufgenommen wurde, ist er nach Vietnam geschickt worden.«
»Juli achtundsechzig«, sagte Hobie. »Er war damals zwanzig.«
»Und dann?«, fragte Reacher.
»Er hat seine Dienstzeit abgeleistet«, sagte Hobie, »er wurde zweimal lobend erwähnt. Er ist mit einem Orden heimgekommen. Ich habe gleich gemerkt, dass die Idee, Buchhalter einer kleinen Druckerei zu sein, falsch war. Ich dachte, er würde nach dem Militär als Hubschrauberpilot zu Ölbohrinseln fliegen. Vielleicht drunten am Golf. Dort haben ehemalige Armypiloten gutes Geld verdient. Frühere Marine- und Luftwaffenpiloten natürlich auch.«
»Aber er ist wieder rübergegangen«, warf Mrs. Hobie ein. »Wieder nach Vietnam.«
»Er hat sich noch mal verpflichtet«, fuhr Hobie fort. »Das hätte er nicht tun müssen. Aber er hat gesagt, das sei seine Pflicht. Er hat gesagt, der Krieg sei noch im Gange, und es sei seine Pflicht, daran teilzunehmen. Er hat gesagt, das verstehe er unter Patriotismus.«
»Was ist dann passiert?«, fragte Reacher.
Eine lange Pause.
»Er ist nicht zurückgekommen«, antwortete Hobie.
Das Schweigen lastete tonnenschwer im Raum. Irgendwo tickte eine Uhr. Ihr Ticken wurde lauter und lauter, bis es die Luft wie Hammerschläge erfüllte.
»Das hat mich zerstört«, sagte Hobie ruhig.
Er atmete keuchend.
»Es hat mich einfach vernichtet. Früher habe ich oft gesagt: Ich gäbe mein gesamtes restliches Leben für einen einzigen weiteren Tag mit ihm.«
»Mein gesamtes restliches Leben«, wiederholte seine Frau, »für einen einzigen weiteren Tag mit ihm.«
»Und das war mein Ernst«, sagte Hobie. »Und ich tät’s noch heute, Major. Sieht man mich so an, ist das kein verlockendes Angebot, stimmt’s? Ich habe nicht mehr lange zu leben. Aber ich hab’s damals gesagt, und ich hab’s dreißig Jahre lang jeden Tag gesagt, und Gott ist mein Zeuge, dass ich’s jedes Mal ernst gemeint habe. Mein gesamtes restliches Leben für einen einzigen weiteren Tag mit ihm.«
»Wann ist er gefallen?«, fragte Reacher leise.
»Er ist nicht gefallen«, sagte Hobie. »Er wurde gefangen genommen.«
»Gefangen genommen?«
Der Alte nickte. »Anfangs haben sie uns gesagt, er sei vermisst. Wir haben gefürchtet, er sei tot, aber wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Er war als vermisst gemeldet, und dabei ist’s geblieben. Er ist nie offiziell für tot erklärt worden.«
»Also haben wir gewartet«, sagte Mrs. Hobie. »Wir haben einfach Jahr für Jahr gewartet. Dann haben wir angefangen nachzufragen. Sie haben uns gesagt, Victor sei vermisst und vermutlich tot. Mehr wussten sie nicht. Sein Hubschrauber war über dem Dschungel abgeschossen, das Wrack nie gefunden worden.«
»Das haben wir dann akzeptiert«, erklärte Hobie. »Wir wussten, wie das war. Viele der Jungs sind gefallen, ohne dass man ihr Grab kannte. Im Krieg kommt das häufig vor.«
»Dann wurde das Vietnam-Denkmal errichtet«, sagte Mrs. Hobie. »Haben Sie’s gesehen?«
»Die Mauer?«, fragte Reacher. »In Washington, D. C.? Ja, ich hab sie gesehen. Sie hat mich sehr berührt.«
»Sie haben sich geweigert, seinen Namen draufzuschreiben«, sagte Hobie.
»Warum?«
»Keine Ahnung. Wir haben gefragt, und wir haben gebettelt, aber den wirklichen Grund dafür haben wir nie erfahren. Sie haben nur gesagt, er gelte nicht mehr als gefallen.«
»Also wollten wir wissen, als was er sonst gelte«, sagte Mrs. Hobie. »Sie haben gesagt, er gelte als vermisst.«
»Aber die anderen Vermissten stehen auf der Mauer«, sagte Hobie.
Danach herrschte wieder Schweigen. Nebenan hämmerte die Uhr weiter.
»Was hat General Garber dazu gesagt?«, fragte Reacher.
»Er hat’s nicht verstanden«, erwidert Hobie. »Konnte es einfach nicht verstehen. Er war noch dabei, der Sache nachzugehen, als er gestorben ist.«
Wieder Schweigen. Der Sauerstoff zischte, die Standuhr hämmerte.
»Aber wir wissen, was passiert ist«, sagte Mrs. Hobie.
»Tatsächlich?«, fragte Reacher. »Was?«
»Es gibt nur eine logische Erklärung«, antwortete sie. »Er ist in Gefangenschaft geraten.«
»Und nie entlassen worden«, bemerkte Hobie.
»Deshalb versucht die Army, seinen Fall zu vertuschen«, sagte Mrs. Hobie. »Der Regierung ist das peinlich. Tatsächlich sind einige unserer Jungs nie freigelassen worden. Die Vietnamesen haben sie als Geiseln behalten, um nach dem Krieg Wirtschaftshilfe, Handelsvergünstigungen und Kredite von uns zu bekommen. Durch Erpressung. Die Regierung hat dieses Spiel jahrelang mitgemacht, obwohl einige unserer Jungs noch als Gefangene dort drüben waren. Deshalb kann sie das jetzt nicht eingestehen. Also stellt sie sich weiter unwissend und weigert sich, darüber zu reden.«
»Aber wir können’s jetzt beweisen«, meinte Hobie.
Er nahm wieder ein Foto aus der Ledermappe. Gab es Reacher. Diese Aufnahme war ein neueres Farbfoto. Mit einem Teleobjektiv durch tropische Vegetation gemacht. Auf dem Foto war Stacheldraht auf Zaunpfählen aus Bambus zu erkennen. Ein Asiate in brauner Uniform und einem um den Kopf geschlungenen Tuch. In seinen Händen hielt er ein Gewehr, das eindeutig ein russisches AK-47 war. Und das Foto zeigte eine weitere Person: einen groß gewachsenen Weißen, ungefähr fünfzig, ausgezehrt, hager, gebeugt, grau, in einem zerschlissenen Arbeitsanzug. Der Mann sah halb von dem asiatischen Soldaten weg, schien vor ihm zurückzuweichen.
»Das ist Victor«, sagte Mrs. Hobie. »Das ist unser Sohn. Diese Aufnahme wurde letztes Jahr gemacht.«
»Wir haben dreißig Jahre lang ohne Erfolg nach ihm gesucht«, sagte Hobie. »Niemand wollte uns helfen. Dann haben wir einen Mann getroffen, der uns von diesen Geheimlagern erzählte. Es gibt nicht viele. Nur ein paar mit einer Hand voll Gefangenen. Die meisten sind inzwischen gestorben. Sie sind alt geworden und deshalb gestorben - oder sie sind verhungert. Dieser Mann ist nach Vietnam gereist, um für uns Nachforschungen anzustellen. Er ist nahe genug herangekommen, um dieses Foto zu machen. Er hat sogar mit einem anderen Gefangenen durch den Stacheldraht gesprochen. Heimlich, bei Nacht. Das war sehr gefährlich für ihn. Er hat nach dem Namen des Gefangenen gefragt, den er tagsüber fotografiert hatte. Der Mann war Vic Hobie, Hubschrauberpilot der First Cavalry«
»Der Mann hatte kein Geld für ein Rettungsunternehmen«, sagte Mrs. Hobie. »Und wir hatten ihm schon alles, was wir besaßen, für die erste Reise bezahlt. Als wir dann General Garber bei Dr. McBannerman kennen lernten, haben wir ihm unsere Geschichte erzählt und ihn gebeten, sich dafür einzusetzen, dass die Regierung für die Rettung zahlt.«
Reacher starrte das Foto an. Starrte den hageren Mann mit dem grauen Gesicht an.
»Wer hat dieses Bild noch gesehen?«
»Nur General Garber«, antwortete Mrs. Hobie. »Der Mann, der es aufgenommen hat, hat uns eingeschärft, es niemandem zu zeigen. Weil es politisch sehr heikel ist. Sehr gefährlich. Eine schreckliche Sache, die in der Geschichte unserer Nation begründet liegt. Aber wir mussten es General Garber zeigen, weil er in der Lage war, uns zu helfen.«
»Was soll ich nun also tun?«, wollte Reacher wissen.
In der Stille zischte der Sauerstoff. Die Lippen des Alten bewegten sich.
»Ich will ihn bloß zurückhaben«, sagte er. »Ich will ihn nur Wiedersehen, noch einen Tag sehen, bevor ich sterbe.«
Danach verstummten die beiden Alten, wandten sich ab und richteten ihre tränenfeuchten Blicke auf die auf dem Kaminsims aufgereihten Fotos. Reacher blieb zunächst schweigend sitzen. Dann drehte der Alte sich wieder zu ihm und hob mit beiden Händen die Ledermappe von seinem Schoß, um sie ihm zu reichen. Reacher beugte sich vor und nahm sie entgegen. Zuerst glaubte er, der Alte gebe ihm die Mappe, damit er die drei Fotos zurücklege. Dann aber wurde ihm klar, dass dies eine Stabübergabe gewesen war. Eine feierliche symbolische Übergabe. Leon hatte sich ihre Sache zu eigen gemacht, und jetzt war die Reihe an ihm.
Die Ledermappe war dünn. Außer den drei Fotos, die Reacher schon kannte, enthielt sie nur die wenigen Briefe, die Victor Hobie seinen Eltern in unregelmäßigen Abständen geschrieben hatte, und amtliche Schreiben des Heeresministeriums. Und einen Packen Schriftstücke über die Liquidierung ihrer gesamten Ersparnisse und ihre Übersendung in Form eines von der Bank bestätigten Schecks an eine Adresse in der Bronx - zur Finanzierung einer Erkundung in Vietnam, die ein gewisser Rutter durchführen sollte.
Die Briefe des Jungen begannen mit kurzen Mitteilungen aus verschiedenen Standorten in den Südstaaten, als er im Lauf seiner Ausbildung durch Dix und Polk, durch Wolters und Rucker, durch Belvoir und Benning kam. Dann folgte ein etwas längerer Brief aus Mobile, Alabama, wo er zu seiner einmonatigen Reise durch den Panamakanal und den Pazifik nach Indochina an Bord eines Truppentransporters ging. Aus Vietnam selbst kamen dann Brieftelegramme der U. S. Army auf dünnem Papier - acht in seiner ersten Verpflichtungszeit, sechs in der zweiten. Das dreißig Jahre alte Papier war steif und trocken wie Papyrus.
Er war kein sonderlich guter Briefschreiber gewesen. Die Briefe strotzten von den üblichen banalen Phrasen, die jeder junge Soldat nach Hause schreibt. Weltweit musste es Millionen von Eltern geben, die ähnliche Briefe wie einen Schatz hüteten - aus verschiedenen Zeiten, aus verschiedenen Kriegen, in verschiedenen Sprachen, aber mit den gleichen Inhalten: das Wetter, die Verpflegung, die Latrinenparolen, die Beteuerungen, ihm werde schon nichts passieren.
Die Antworten aus dem Heeresministerium verkörperten drei Jahrzehnte bürotechnischen Fortschritts. Sie waren zuerst mit alten mechanischen Schreibmaschinen getippt - manche Buchstaben zu hoch oder zu tief, manche mit falschen Zwischenräumen, manche mit roten Rändern, wo sie ins Zweifarbenband hinaufgerutscht waren. Dann folgten die mit elektrischer Schreibmaschine geschriebenen, die sauberer und gleichmäßiger aussahen. Und zuletzt kamen Computerbriefe, die makellos auf besserem Papier ausgedruckt waren. Aber die Inhalte waren stets gleich. Keine Informationen. Vermisst, wahrscheinlich gefallen. Beileidsfloskeln.
Die Vereinbarung mit dem Kerl namens Rutter hatte die alten Leute völlig mittellos gemacht. Davor hatten sie einige Investmentzertifikate und ein kleines Sparguthaben besessen. In der Mappe lag eine mit zittriger Hand - vermutlich von Mrs. Hobie - verfasste Aufstellung ihrer monatlichen Ausgaben, die immer mehr zusammengestrichen worden waren, bis sie den Schecks von der Sozialversicherung entsprachen. Die Investmentzertifikate waren vor anderthalb Jahren verkauft und mit dem Sparguthaben zusammengelegt worden; dann hatten sie ihr gesamtes Geld nach New York geschickt. Rutter hatte den Empfang quittiert und mit den Kosten einer Erkundungsreise verrechnet, die sofort angetreten werden sollte. Zugleich hatte er alle Informationen angefordert, die nützlich sein könnten - wie Dienstgrad, Stammnummer, letzte Einheit, letzter Einsatzort und sämtliche existierenden Fotos. Knapp ein Vierteljahr später hatte er in einem langen Brief von der Entdeckung des Geheimlagers, den riskanten heimlichen Fotos und dem flüsternd geführten Gespräch durch den Stacheldraht berichtet. Als Anlage hatte er einen sehr detaillierten Plan für ein Rettungsunternehmen beigefügt, das die Hobies wahrscheinlich fünfundvierzigtausend Dollar kosten würde. Fünfundvierzigtausend Dollar, die sie nicht besaßen.
»Helfen Sie uns also?«, fragte die alte Dame ins Schweigen hinein. »Ist Ihnen alles klar? Müssen Sie sonst noch etwas wissen?«
Er sah sie an, klappte die Ledermappe zu, starrte auf das abgewetzte Leder. Im Augenblick interessierte ihn nur eine Frage: Warum, zum Teufel, hatte Leon diesen Leuten nicht die Wahrheit gesagt?