18
Der wahre Unterschied zwischen Meister und Schüler
offenbart sich am häufigsten in der
weisen Entscheidung, wann es Zeit ist,
ein einmal gebrauchtes Werkzeug fallen zu lassen.
Merkspruch der Letzten Seufzer jüngeren Datums
»Trefflichster Schütze des gesamten Dominums!« Rukabo aalte sich auf der warmen Marmorbank, während er sich genüsslich das Brusthaar einseifte. »Ein Ehrentitel, der des Katers von Kalvakorum gerade so würdig wäre, will ich meinen.«
Teriasch schüttelte den Kopf und atmete schwer und lange aus. Seit seiner Nacht in der Schwitzhütte war er nicht mehr an einem Ort gewesen, an dem eine derart feuchte Hitze herrschte wie in der großen Halle des Herrschaftlichen Dampfbads. Trotzdem war er dem Vorschlag Nescas gern gefolgt, sich nach seiner Rückkehr aus der Drachenhöhle dort zu entspannen. Er bereute seine Entscheidung nicht. Es tat gut, den Gestank, der wegen seiner Reise im Probaskakadaver an ihm gehaftet hatte, aus allen Poren auszuschwitzen. Schwarzschwinges Zahn wusste er sicher unter seinem Bett verwahrt – verborgen in einer ledernen Schriftrollenhülle, die Rukabo für ihn in Nescas Studierzimmer »gefunden« hatte.
Teriasch sah durch das gläserne Dach der Halle hinauf in den Himmel. Echsenreiter flogen Patrouille über dem Palastbezirk, die schwarzen Silhouetten vor den zerrupften weißen Wolken scharf umrissen. Ihm fiel ein, was der Drache über die Echsen gesagt hatte. Er kann sie dazu bringen, gegen ihre Sklaverei aufzubegehren, aber immer nur eine auf einmal. Als ob ihn der Kala Hantumanas absichtlich nicht ganz ohnmächtig hält, sondern ihm aus reiner Grausamkeit einen winzigen Funken seiner wahren Macht überlässt, um ihn zu quälen.
Er drehte sich auf den Bauch, ließ die Hände links und rechts von der Bank baumeln und schaute auf das dreißig Schritt breite und ebenso lange Becken in der Mitte der Halle. Das Wasser darin war still, spiegelglatt. Weiße Schwaden stiegen träge in kleinen Fähnchen daraus empor. Bald würde es wieder so weit sein. Er wusste nicht, wie die Harten Menschen es genau bewerkstelligten, doch einmal in der Stunde begann das Wasser zu blubbern und zu brodeln, bis es schließlich zischend eine große Dampfwolke ausstieß, die sich im gesamten Raum verteilte. Dann sah man kaum noch die Hand vor Augen, so dicht war der heiße Nebel. Ob sie einen Geist dafür versklavt haben, damit er das für sie tut? Ein Kind des Wassers und des Feuers? Rukabo meinte, manche von den Harten Menschen wüssten sehr genau, wie man so etwas tut. Sie verwenden das Skaldat so, wie es uns die Ewige Wanderin verboten hat, um uns vor dem Hochmut zu schützen, den unsere ältesten Ahnen zeigten, als sie noch in den Verbotenen Lagern lebten.
»Woran denkst du gerade?«
Er hatte Nesca nicht bemerkt. Sie war genauso nackt wie alle anderen Besucher hier, und für einen köstlichen Augenblick war er davon gefangen, wie die winzigen Perlen aus Wasser auf ihrer dunklen Haut glitzerten. »An nichts«, sagte er dann.
Sie setzte sich neben ihn auf die Bank, ihre Hüfte nur eine Handbreit von seinem Kopf entfernt. Sein Körper, der ansonsten eine angenehm schlaffe Masse aus gelockerten Muskeln war, zeigte sofort eine Regung, die nichts mit Schlaffheit zu tun hatte. Er wandte den Blick von ihr ab, da der doch nur an noch mehr nackter Haut hängen blieb. Carda stand am Fußende der Bank, die Arme vor den straffen Brüsten verschränkt. Teriasch rettete sich damit, dass er auf den Streitkolben an ihrem Wehrgürtel schaute, den sie als einziges Kleidungsstück nicht abgelegt hatte.
»Woher hast du die?« Nescas Fingerspitzen strichen über die wulstige Narbe auf seiner Schulter.
»Von einem Pferd«, antwortete er mit belegter Stimme. Warum fasst sie mich an? »Es hat mich gebissen.«
»Hast du es geärgert?«
»Nein.« Soll ich ihr erzählen, wie es war?
Von der anderen Seite des mittlerweile munter vor sich hin blubbernden Beckens erklang schrilles Gelächter. Zwei dünne Frauen, denen die Knochen an den Gelenken schier die Haut zu durchstechen drohten, wechselten sich darin ab, einander spielerisch auf die Schenkel zu schlagen und die Köpfe zusammenzustecken.
»Lachen die Rechen da über mich?«, brummte Rukabo und goss sich aus einer kleinen Kanne Wasser über die Brust, um die Seife wegzuspülen.
»Nein«, sagte Nesca. »Meine Schwestern lachen über mich.«
»Wieso?«, fragte der Halbling.
Nesca zuckte mit den Schultern. »Sie halten nicht viel von mir. Ich lese ihnen zu viel und habe keine Lust, mich mit ihnen darüber zu unterhalten, welches Öl am besten riecht und welcher Lustsklave die flinkste Zunge hat.«
»Und das Interesse Ihrer Hoheit an einem Wilden gibt so manch anderer Pupula Anlass zu großer Heiterkeit«, merkte Carda an.
»Das tut mir leid«, sagte Teriasch betreten.
»Soll ich rübergehen und sie vergraulen?«, schlug Rukabo vor.
»Wie?«, wollte Carda wissen.
Rukabo setzte sich auf und hielt sich die Kanne vor den Schritt. »Ich hätte da so eine Idee.«
Aber die lästermäuligen Töchter des Dominex blieben vor Rukabos ungewöhnlichen Zuwendungen verschont, da in diesem Augenblick das Becken zischend die nächste große Dampfwolke ausspuckte. Wenige Wimpernschläge später war die ganze Halle wie in warme, weiche Watte gehüllt. Teriasch schloss die Augen und gab sich dem wohligen Gefühl hin.
Sanft umfassten Hände seinen Nacken, hoben ihn ein Stück an. »Was …?«
»Schsch«, machte Nesca. Sie rutschte an ihn heran, bettete seinen Kopf auf ihren Schoß, strich ihm übers Haar.
»Fang nichts an, was wir nicht zu Ende bringen können«, flüsterte Teriasch und spürte ihre feinen Härchen an seinen Lippen. Er vermeinte, wie von fern tapsende Schritte zu hören, und sprach sie Nescas Schwestern zu, die wohl genug vom Dampf und der Hitze hatten.
Nesca streichelte ihm mit dem Handrücken die Wange. »Wie schaffst du das nur?«, wisperte sie.
»Was?«, erwiderte er ebenso leise.
»Dass mir deine Haut selbst hier noch heißer vorkommt, als sie sein sollte.«
Er öffnete die Augen und schaute in die Wand aus Schwaden. »Das weißt du doch. Ich bin eine Feuerseele.«
Wieder hörte er das Tappen, und er meinte fast, dass es näher klang als vorher.
Nesca beugte sich zu ihm herab, schlang die Arme um seine Brust, küsste ihm den Rücken. »Carda hat mich vor dir gewarnt.«
Das Bewusstsein, dass die Scharlachrote Rose keine zwei Schritte entfernt war, ängstigte Teriasch nicht. Im Gegenteil, es erhöhte nur noch den Reiz der Situation. »Mich hat sie auch gewarnt.«
»Wovor?«
»Dir das Herz zu brechen.«
»Und wenn es umgekehrt ist?« Sie unterstrich die Frage mit einem zärtlichen Kniff. »Was, wenn ich dein Herz breche?«
Ein drittes Mal hörte Teriasch das Tapsen, und diesmal sah er auch den geduckten Schemen, der auf die Bank zuschlich. Rukabo. Mit seiner Kanne, »Pass auf!« Er fuhr hoch, drückte Nescas Oberkörper nach oben. Etwas Warmes, Scharfes glitt an seiner Flanke entlang. Brennender Schmerz entlockte ihm einen leisen Schrei. Das ist nicht Rukabo! Und das war keine Kanne!
Der Schemen richtete sich auf. Teriasch erkannte braunes, feucht glänzendes Leder – und einen Dolch, der auf ihn zuschoss. Er rollte sich nach hinten, warf sich selbst und Nesca von der Bank herunter.
»Hoheit!«, hörte er Carda rufen, die das Platschen der nackten Leiber auf den Fliesen nicht überhört hatte.
»Er hat einen Dolch!«, schrie Teriasch und versuchte, Nesca mit seinem Körper zu schützen. Sie schlüpfte aus seiner ungelenken Umarmung und trat in einer fließenden Bewegung von tänzerischer Anmut unter der Bank hindurch nach den Beinen des Angreifers.
Der Letzte Seufzer stöhnte auf und wankte nach hinten. Es schepperte hohl, und er taumelte nach vorn. »Nimm das, du Drecksack!«, brüllte Rukabo, gefolgt von einem neuerlichen Scheppern.
Nesca war noch vor Teriasch aufgesprungen, doch es war Carda, die den Kampf entschied. Ihr Streitkolben schmetterte auf die Schulter des Mannes, sein Dolch schlitterte klirrend über die Fliesen.
»Töte ihn nicht!«, warnte Nesca.
»Alarm! Wachen! Alarm!« Erst jetzt nahm Teriasch die schrillen Schreie der anderen Töchter des Dominex wahr, die jedoch schnell leiser wurden, wahrscheinlich weil sie sich in einen der umliegenden Korridore flüchteten.
Der Dampf hatte sich mittlerweile so weit gelichtet, dass Teriasch beobachten konnte, was sich zwei Armeslängen vor ihm abspielte. Carda rang den Attentäter mühelos zu Boden, indem sie ihm die Beine wegfegte. Sie packte mit der einen Hand seinen verletzten Arm, die andere mit dem Streitkolben hatte sie drohend erhoben.
Rukabo wuselte heran und riss dem Kerl die Ledermaske vom Gesicht.
»Lasst mich gehen, lasst mich gehen«, bettelte der hohlwangige Mann, der darunter zum Vorschein kam, schmerzerfüllt. »Lasst mich gehen!«
»Am Arsch!«, spottete Rukabo. »Jetzt bist du dran!«
Er hieb dem Letzten Seufzer die verbeulte Kanne auf den unverletzten Arm, doch der Mann heulte nur auf und versuchte, sich in den weit aufgerissenen Mund zu greifen. Carda unterband dies durch einen präzisen, satten Schlag gegen seinen Ellenbogen. Kraftlos fiel ihm sein Unterarm quer über die Brust.
»Bitte! Bitte! Bitte!«, schluchzte er. »Ihr wisst nicht, was ihr tut! Ihr wisst nicht, wer er ist!«
»Wer zahlt dir dein Blutgeld?«, fragte Nesca, ihre Züge vor Zorn grauenhaft verzerrt.
»Er hat uns gezwungen, er hat uns gezwungen. Versteht ihr nicht?«
»Antworte Ihrer Hoheit!«, bellte Carda.
»Ich kann nicht!« Tierhafte Panik sprach aus dem Gefangenen. »Er hört alles, was ich sage. Hier!« Er streckte die Zunge heraus.
»Du wagst es auch noch, frech zu werden?« Cardas Streitkolben pfiff auf die Schulter nieder, die er schon einmal gebrochen hatte.
»Halt! Halt!« Rukabo wedelte mit den Armen. »Da! In seiner Zunge!«
Der Halbling meinte einen kleinen Pflock aus weißem Skaldat, der durch den Muskel gestochen war.
»Was ist das für ein Schmuck?«, fragte Teriasch. Seine linke Seite brannte zwar noch, aber der Schnitt war nicht tief genug gewesen, um allzu heftig zu bluten.
»Er hört alles«, flüsterte der Mann erstickt. »Aber ich habe nichts gesagt.«
»Was nutzt dir das?« Carda schüttelte ihn. »Ob ich dich töte oder er dich tötet, wo ist der Unterschied? Ach, richtig, ich weiß, bei mir geht es langsamer. Zum letzten Mal: Wer hat dich geschickt?«
Der Letzte Seufzer keckerte irr, die Wangen nass vor Schweiß und Tränen. »Ihr werdet alle mit mir sterben. Es ist in mir drin. Es ist doch in mir drin. Er hat mich aufschneiden lassen, damit er es in mich hineintun konnte.«
Rukabo blähte die Nasenlöcher, ließ die Kanne fallen und schnupperte an seinen Fingern. »Riecht ihr das auch? Bin ich das etwa immer noch?«
Polternde Stiefelschritte kündigten die Palastgarde an. »Hoheit? Hoheit? Sagt etwas?« Die Rufe geisterten durch den Dampf.
Der Attentäter lachte nur umso lauter, umso wahnsinniger.
Ich weiß, warum er so lacht! Die Erkenntnis machte Teriasch einen quälend langen Augenblick sprachlos. Er packte Nesca um die Hüfte und zog sie mit sich in die Richtung, in der er den nächsten Ausgang aus der Halle vermutete. »Weg da! Weg von ihm!«
»Lass die Finger von ihr!«, verlangte Carda sofort.
Teriasch dachte nicht daran. »Er wird platzen. So wie der andere.«
»Verbockter Dung!« Mit einem Satz, den Teriasch ihm nie im Leben zugetraut hätte, hüpfte Rukabo aus der Hocke hinter die Bank und wetzte umgehend davon. »Sprengpulver!«
»Alle raus!«, rief Nesca in der befehlsgewohnten Stimme einer Tochter des Dominex. »Alle raus aus dem Bad!«
»Hoheit?«, kam es verwirrt von den nach wie vor unsichtbaren Wachen.
»Raus!«, wiederholte Nesca und ließ sich weiterhin bereitwillig von Teriasch wegziehen.
Teriaschs Rücken stieß gegen eine Wand. Er orientierte sich nach links, ertastete eine Halbsäule. Der Ausgang!
Eine haarige Hand griff nach seinen Fingern. »Jetzt macht schon, ihr Trödler!«
»Carda! Carda!« Nesca krallte sich in Teriaschs Arm.
Die einzige Antwort, die die Pupula erhielt, war das Lachen des Letzten Seufzers.
»Dieses verrückte Weib!«, keifte Rukabo.
»Weiter, weiter!« Teriasch drängte Nesca in den Gang hinaus, wo klare Sicht herrschte. Sie hetzten um die nächste Ecke, in eine Nische mit einer zierlichen Wasseruhr darin.
Ein dumpfer Schlag und ein Zittern im Mauerwerk waren untrügliche Zeichen dafür, dass der Attentäter soeben zerrissen worden war.
Nesca lugte aus ihrer Deckung. »Carda«, sagte sie erleichtert. Teriasch trat aus der Nische und um die Ecke im Gang.
Unter wütendem Gebrüll hieb Carda ihren Streitkolben gegen den Kopf einer nahen Löwenstatue. »Verbockt! Verbockt! Verbockt!«
»Beruhige dich«, befahl ihr Nesca, stieß jedoch auf taube Ohren.
»Beruhigen?« Die Statue büßte einen Reißzahn ein. »Beruhigen?« Ein Auge ging ihr verloren. »Wie kann ich mich beruhigen, Hoheit? Das ist das zweite Mal, dass mir dieser Kerl entwischt ist. Und diesmal für immer. Ohne dass wir wissen, wer ihn auf Euch gehetzt hat.«
»Ich habe einen Verdacht, wer es gewesen sein könnte«, meldete sich Rukabo ungewohnt vorsichtig zu Wort.
»Raus damit!«, blaffte Carda.
Ehe der Halbling sich erklären konnte, kam ein Trupp Wachen im Laufschritt heran.
»Hoheit, wir geleiten Euch sofort in Eure Gemächer«, bot ihr Anführer bereits aus fünfzehn Schritt Entfernung an.
»Kümmert euch um meine Schwestern!«, wiegelte Nesca ab. »Sie werden in größerem Aufruhr sein als ich.«
Der Gardist salutierte und machte mit seinen Männern kehrt.
»Du wolltest uns verraten, wen du im Verdacht hast«, wandte sich Teriasch an Rukabo.
Der Halbling fuhr herum, seine Zurückhaltung war bereits wieder vergessen. »Das, was der Knallfrosch im Maul hatte, ist der entscheidende Hinweis«, plapperte er. »Ich habe bisher nur Gerüchte darüber gehört, aber es sah mir aus wie ein Ligamutus.«
»Was ist das?«, fragte Nesca.
»Es soll Diebe geben, die so reich geworden sind, dass sie nicht mehr selbst auf Beutezug gehen«, sagte Rukabo. »Sie lenken nur noch andere Diebe, die für sie arbeiten. Und dazu benutzen sie das Ligamutus. Es ist wie ein unsichtbares Band zwischen ihnen und ihren Werkzeugen. Man braucht weißes Skaldat dafür, weil weißes Skaldat auch dazu da ist, den Wind zu beherrschen. Und was sind Worte anderes als Wind?«
Nesca schüttelte den Kopf. »Du musst dich schon klarer ausdrücken.«
»Noch klarer?« Rukabo stampfte auf. »Na gut. Der Pflock in der Zunge ist gewissermaßen die eine Hälfte des Ligamutus. Damit kann man alles hören, was diese Zunge spricht. Vorausgesetzt, man hat die andere Hälfte bei sich am Ohr. Versteht ihr jetzt?«
»Nein«, sagte Teriasch.
Rukabo sah sich verstohlen um und senkte die Stimme zu einem Raunen. »Der Pollox hat einen Ohrring aus weißem Skaldat.«
»Der Pollox?« Teriasch rief sich das Bild des Würdenträgers vor Augen. »Bist du sicher?«
Rukabo seufzte. »Als er bei Silicis aufgeschlagen ist, trug er an der linken Hand einen Siegelring aus Onyx und an der rechten einen mit einem Rubin. Die Nadel, die seinen Umhang auf der Schulter fixierte, war aus Gold, die Schließen seiner Schuhe aus Silber. Und am Ohr hatte er einen Ring aus weißem Skaldat. Glaub mir bitte, ich habe ein sehr gutes Auge für Schmuck.«
»Was erzählst du da?« Nesca rieb sich die Arme, als würde es sie frösteln. Teriasch riss einen Wandteppich ab und legte ihn ihr um die Schultern. »Der Pollox liebt mich wie sein eigenes Kind. Er würde mir nie etwas antun. Und schon gar nicht würde er jemanden aufschneiden lassen, um seinen Leib mit Sprengpulver vollzustopfen.«
»Sprengpulver und rotes Skaldat«, berichtigte sie Rukabo. »So machen es zumindest die Feuerwerker, wenn sie etwas aus der Ferne zünden wollen. Sie zermahlen einen Klumpen davon und behalten eine kleine Menge bei sich. Dann geben sie dieses bisschen in ein Feuer, wenn sie wollen, dass der Rest auch zu brennen anfängt. Ich habe mir das sehr genau erklären lassen.«
»Hast du mir überhaupt zugehört?«, fragte Nesca zornig. »Du redest über den Pollox, du Dieb!«
»Lasst uns bitte nicht hier weitersprechen, Hoheit.« Von Carda ging eine sonderbare, entschlossene Ruhe aus. »Zu viele Ohren.«
»Du hast recht.« Nesca nickte. »Ich kann dieser unverschämten Kreatur auch in meinen Gemächern zeigen, was ich von ihren Anschuldigungen halte.«
»Das wird leider warten müssen.« Carda winkte Rukabo zu sich heran. »Geh los in die Gärten. Zu den Rosen. Nimm zwei rote Blütenblätter, hefte sie beide mit einem Dorn aneinander, such dir einen Laufsklaven und trag ihm auf, Diantis die Rosenblätter zu bringen. Klar?«
Rukabo schielte unsicher zu Nesca, aber er nickte. »Klar. Soll ich mir vorher vielleicht etwas anziehen?«
»Das überlasse ich dir«, erwiderte die Leibwächterin.
»Fein.« Rukabo grinste. »Dann gehe ich so. Nur damit meine Sippschaft was zu glotzen und zu schwatzen hat.« Er lief eilig los.
»Was ist das für ein Auftrag, den du ihm gegeben hast?«, fragte Nesca. »Was soll deine Ordensschwester mit deinem Geschenk anfangen?«
Ihre kalte Antwort machte selbst Teriasch schaudern. »Vielleicht wäre es für uns alle am besten, wenn sie es einfach vergisst.«