13

 

Wäre ich aufgefordert, eine Wahl zwischen
der Freiheit und der Liebe zu treffen, so fiele sie
immer auf die Liebe. Denn ewige Freiheit
bleibt letztlich immer flüchtige Illusion,
während die Fesseln, die uns tiefste Liebe anlegt,
ewig währen.
Aus den erbaulichen Schriften des Pollox Kontentio Mediastrinos

 

Als Julanesca einen ihrer Sänftenträger losschickte, den Pollox herbeizurufen, richtete sich Teriasch darauf ein, bald einem bösartigen Dämon gegenüberzutreten, der nur aus purer Niedertracht die Gestalt eines Menschen angenommen hatte. Der Mann, der dann aber in Silicis’ Schreibstube erschien – begleitet von zwei Gardisten mit Löwenhelmen und einer kahlköpfigen Frau, die einen ähnlichen Panzer trug wie Carda –, entsprach nicht seinen düsteren Erwartungen. Er hatte weiche Züge, mit vielen Fältchen um Mund und Augen, die verrieten, dass er oft und gerne lachte, und seine Nase war für die eines Harten Menschen auffällig klein. Teriasch erkannte nur zwei strenge Dinge an ihm: den Scheitel, in dem er sein graues, öliges Haar zur Seite gekämmt hatte, und den starren Faltenwurf des kurzen roten Umhangs, der nur eine seiner Schultern bedeckte und über und über mit silbernen Symbolen von Werkzeugen bestickt war – Hämmer, Sägen, Wasserwaagen, Zirkel, Zangen, Feilen …

Kaum hatte der Pollox einen Fuß über die Schwelle der Stube gesetzt, eilte er zu dem Polsterstuhl mit der hohen Lehne, den Silicis für Nesca hatte herbeischaffen lassen. Der Würdenträger hatte keine Augen für die anderen Anwesenden, obwohl bis auf Gigas, der wegen seiner Größe auf dem Hof hatte verbleiben müssen, alle Zeugen des feigen Anschlags auf die Tochter des Dominex versammelt waren. Sein langes schneeweißes Seidengewand raschelte zischend, als er vor Nesca auf die Knie fiel, um ihr beide Hände zu küssen. »Ihr seid unversehrt, Hoheit«, sagte er, eine erstickte Spur der Erschütterung in der volltönenden Stimme. »Der Subveheros sei gepriesen. Euer Großvater muss von seinem Götterthron aus seine schützende Hand über Euch gehalten haben.«

»Erhebe dich, Kontentio«, bat Nesca, der die Erleichterungsbekundungen des älteren Mannes ein wenig unangenehm schienen. »Es ist doch wieder einmal alles gut ausgegangen.«

Der Pollox stand auf und sandte einen vorwurfsvollen Blick in Cardas Richtung. »Mag sein, Hoheit, doch es beunruhigt mich, Eure Sicherheit erneut gefährdet zu sehen.«

Carda schenkte ihm keine Beachtung. Ihre Aufmerksamkeit galt der anderen Scharlachroten Rose, die Teil des Gefolges des Pollox war. Nescas Leibwächterin besaß schon einen garstig kantigen Schädel, aber diese Frau schien einen grob behauenen Felsbrocken auf den Schultern zu tragen. Vielleicht liegt es aber nur daran, dass sie deutlich mehr Sommer gesehen hat als Carda, dachte Teriasch. Und dass ihre Schultern breiter sind und ihre Augen so tief in den wulstigen Höhlen liegen. Die beiden Ordenskriegerinnen starrten einander unentwegt an. Mundwinkel zuckten, Brauen hoben sich, Kinne wurden vorgeschoben. Teriasch drängte sich der Eindruck auf, dass er einer zweiten, stummen Unterhaltung beiwohnte, einem stillen Austausch von Gedanken und Regungen, der keine Stimmen und keine Worte brauchte. Er bezweifelte jedoch ernsthaft, dass dabei Nettigkeiten oder Schmeicheleien übermittelt wurden.

Der Pollox umrundete Nescas Stuhl in kleinen Schritten, als müsse er sich noch einmal mit eigenen Augen davon überzeugen, dass ihr auch wirklich nichts zugestoßen war. »Woher wussten diese Hunde, wo sie Euch auflauern können?«

»Der Palast hat viele Augen und Ohren.« Nesca nahm den Becher Pflaumenwein, den ihr einer von Silicis’ Küchensklaven als Erfrischung serviert hatte, vom Schreibtisch und nippte an dem schlichten Gefäß aus Zinn. »Und nicht alle, denen diese Augen und Ohren gehören, sind meinem Vater derart treu ergeben, um nicht Ränke zu ihrem eigenen Vorteil zu schmieden. Es ist möglich, dass mich in letzter Zeit jemand darüber sprechen gehört hat, wie viel Freude ich an den Spielen habe, die Silicis ausrichtet. Dass ich gedenke, mir anzusehen, wie es mit den Vorbereitungen anlässlich des Thronbesteigungstages vorangeht.«

Nun richtete der Pollox seinen Blick zum ersten Mal auf einen anderen Menschen als Nesca – auf Silicis, der vornübergebeugt auf einem Schemel saß, dort, wo die von Bögen durchbrochene Wand der Stube auf den Übungshof hinauszeigte. Sein Haar klebte ihm schweißnass am Schädel, sein Atem ging pfeifend und stoßweise, und er hielt den Kopf geneigt, wie wenn er den wohlvertrauten Kampfgeräuschen seiner Arenistas lauschte.

»Wie konntest du es zulassen, dass die Pupula in solche Gefahr gerät?« Der Pollox brüllte nicht, aber seine kühle Gefasstheit beunruhigte Teriasch beinahe noch mehr. »Wie konntest du es erlauben, dass man ihr auf deinem Grund und Boden nach dem Leben trachtet?«

»Kontentio …« Nesca stellte ihren Becher ab. »Es lohnt sich nicht, deine aus Sorge um mich geborene Wut gegen diesen Mann zu wenden. Ihn trifft keine Schuld. Er betreibt eine Arena, keinen Kerker, wo ein Schlüsselmeister darauf achtet, dass alle Türen, die verschlossen bleiben sollten, auch verschlossen sind.«

»Danke … Hoheit«, ächzte Silicis schwach.

»Was ist los mit dir?« Der Pollox machte einen halben Schritt zurück und hielt sich seinen Schulterumhang vor die Nase. »Bist du krank?«

»Die Galle.« Silicis würgte die Worte mehr hervor, als dass er sie sprach, und einmal mehr musste Teriasch an die zerbrechlichen Flaschen und die schweren Felsblöcke in der kleinen Kammer nebenan denken. »Nicht mal mehr Perlen helfen.«

»Ich verstehe.« Offenbar beruhigt, dass er sich nicht in unmittelbarer Nähe eines Seuchenherds befand, straffte der Pollox seinen Umhang. »Ein unschönes Gebrechen, mit dem ich mich auch gelegentlich plage.« Er schlug einen sanften, mitfühlenden Ton an. »Mir wurde anfangs empfohlen, mehr Fisch zu essen, aber das hat mir immer nur den Darm gereizt, bis mir der After wund war. Inzwischen habe ich zum Glück einen Herrschaftlichen Heiler gefunden, der etwas von Innereien versteht.« Er wandte sich zu einem der beiden Gardisten um, die links und rechts neben der Tür Aufstellung bezogen hatten. »Barditus, sei so gut und lauf in den Palast zurück. Bestell Rumex schöne Grüße von mir. Sag ihm, er wird hier gebraucht. Er soll frische saure Früchte aus den Hainen mitbringen. Es geht um eine Galle.«

Der Gardist schlug sich mit der Faust auf die Brust und eilte im Laufschritt los.

Silicis standen plötzlich Tränen in den Augen. »Zu … zu gütig.«

»Ich helfe, wo ich kann«, sagte der Pollox. »Das ist meine Aufgabe.« Er hob die Hand und bückte sich ein wenig, als wollte er Silicis vorsichtig über den Rücken streichen, überlegte es sich jedoch anscheinend anders und richtete sich wieder auf. »Wo sind die Leichen dieser Attentäter?«, fragte er Carda.

Nescas Leibwächterin blickte weiter nur die andere Scharlachrote Rose an, als sie ihm antwortete. »Der eine ist uns entkommen.«

»Uns?« Der Pollox stutzte und zupfte an dem Ring an seinem rechten Ohrläppchen, der so intensiv schimmerte, dass das Silber nur mit weißem Skaldat vermengt sein konnte.

»Der schmaläugige Greis da hat mit mir die Verfolgung aufgenommen.« Carda furchte die Stirn. »Wir waren recht nahe an ihm dran. Dann ist er in eine Gasse hinter der Arena abgebogen. Eine von den Gassen, in denen Bettler Schutz vor der Mittagshitze und geizige Freier nach billigen Huren und Maulknaben suchen. Er hat eine Handvoll Münzen hinter sich geworfen, und wir sahen uns gezwungen, auf eine Menge gieriger Hände zu treten. Als wir diese Barriere überwunden hatten, war der Letzte Seufzer verschwunden.«

»Natürlich«, knurrte die andere Scharlachrote Rose. »Ein morscher Stamm gibt nur schlechtes Holz für Spaliere.«

Teriasch hatte nicht die geringste Ahnung, worauf die Frau anspielte.

Nesca hingegen schien die rätselhafte Äußerung mühelos deuten zu können. »Jeglicher Spott gegenüber diesem Mann ist völlig unangebracht, Diantis.«

»Mein Spott galt nicht ihm, Pupula«, erwiderte die Kriegerin ruhig.

Teriasch sah, wie Carda einen Wimpernschlag lang die Zähne bleckte.

»Er hat mir das Leben gerettet«, fuhr Nesca fort und deutete dabei auf Paetus. »So unglaublich es sich anhören mag, er hat mit bloßen Händen einen Bolzen gefangen, der mir ansonsten das Herz durchbohrt hätte.«

Teriasch biss sich auf die Zunge. So ist es nicht gewesen. Ja, Paetus hat den Bolzen gefangen, aber er hätte sonst sein Herz getroffen, nicht ihres. Warum macht sie das? Warum lügt sie? Nimmt sie ihn vor dieser Kriegerin in Schutz? Oder verteidigt sie Carda vor ihr? Er sah zu Paetus, der neben ihm an der Wand lehnte. Der flinke Greis vom Weltenwall zuckte ob Nescas Schilderung der Ereignisse nicht einmal mit der Wimper, und seine Miene blieb auch dann noch gelassen, als der Pollox ihn eindringlich musterte.

»Er hat Euer Leben gerettet …«, murmelte der Mann, der der oberste Diener eines Monstrums war, nachdenklich, ehe er die Stimme wieder hob. »Ich entnehme den Aussagen der Pupula, dass du von ihrer Seite gewichen bist, Carda. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?«

»Das hast du nicht, Kontentio«, antwortete Nesca anstelle ihrer Leibwächterin. In ihren Augen glomm ein wilder Funke auf, wie ihn Teriasch oft bei den jungen Frauen seiner Sippe gesehen hatte, sobald man sie zu sehr neckte und aus einem eigentlich heiteren Spiel unversehens mit einer aufgesprungenen Lippe hervorging. »Sie hat auf mein ausdrückliches Geheiß gehandelt. Nur ein Advokat von äußerst simplem Gemüt, der nicht weiß, dass für eine Pupula andere Regeln gelten als für eine einfache Edeldame, könnte behaupten, Carda habe ihre Schwüre gebrochen. Sie hat nur das getan, was ich von ihr verlangt habe. Wenn du unbedingt auf jemanden einen Groll hegen musst, dann hege ihn bitte auf mich.«

Der Pollox fasste sich an die Brust, als hätte Nesca ihm einen Dolch in den Leib gerammt. »Nichts stünde mir je ferner, Pupula.«

»Warum? Nur weil ich die Lieblingstochter meines Vaters bin?«, fragte Nesca gehässig.

»O Pupula …« Die Lippen des Pollox bebten. »Weil meine Gefühle für Euch denen Eures Vaters in nichts nachstehen. Vergesst nicht, ich habe damals Eure Mutter in seinen Palast gebracht, und ich war dabei, als Ihr in diese Welt gekommen seid.« Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. »Und Ihr habt selbstverständlich recht. Es steht mir nicht zu, Kritik an der Art zu üben, wie Ihr mit Eurer Scharlachroten Rose umgeht.«

Wie auf ein Stichwort mischte sich des Pollox’ eigene Leibwächterin erneut in das Gespräch ein. »Der Trieb, der seinen Stamm vergisst, verdorrt«, sagte Diantis. »Er ist es nicht wert, dass er noch Blüten trägt.«

»Eine Rose braucht der anderen nicht zu sagen, wie stumpf ihre Dornen sind. Sie weiß selbst am besten, wann es Zeit ist, den Regen der bitteren Schande zu trinken«, hielt Carda nicht minder unergründlich dagegen.

Der Pollox hob die Hände und unternahm einen raschen Versuch, den Streit, der sich zwischen den Kriegerinnen anbahnte, zu unterbinden. »Ich habe noch nichts über den Verbleib des zweiten Attentäters gehört. Was ist mit ihm?«

Rukabo, der die ganze Zeit über neben Teriasch gestanden hatte und von einem Fuß auf den anderen getreten war, konnte nicht mehr an sich halten. »Der ist geplatzt und rennt seinen Fetzen hinterher«, frohlockte er. »Sprengpulver. Er hat es wohl versehentlich gezündet, nachdem diese Echse sich auf ihn gestürzt hat.«

»Sprengpulver? Echse?«, hakte der Pollox nach. Dann erst schien ihm aufzufallen, von wem diese Erläuterung stammte. »Du bist ein Halbling. Warum bist du nicht in den Gärten? Und warum hast du ein Kollare?«

»Das …« Rukabo schluckte hörbar und griff sich an den speckigen Hals. »Das ist alles ein furchtbares Missverständnis. Ein kleiner Zank innerhalb der Familie, der sich leider zu meinen Ungunsten ausgeweitet hat, und …«

»Der kleine Mann spricht die Wahrheit«, sagte Nesca laut. »Der zweite Attentäter wurde von Sprengpulver zerrissen, gerade als ihn eine Täuscherechse anfiel, die er und sein Komplize offenbar kurz vorher aus ihrem Käfig befreit hatten. Zur Ablenkung, die ihm dann selbst zum Verhängnis geworden ist. Aus seinen Überresten wird sich höchstens noch ein wenig Blut pressen lassen, aber kein Hinweis mehr darauf, wer ihn angeheuert hat.«

»Verflucht!« Der Pollox sog scharf Luft durch die Zähne. »Sie müssen ausgezeichnet vorbereitet gewesen sein und damit gerechnet haben, dass sie zu Tode kommen.«

»Bei allem Respekt«, wandte Carda ein. »Das ist das erste Mal, dass ich von Letzten Seufzern höre, die sich selbst entleiben. Die meisten von ihnen, die man auf frischer Tat ertappt, ziehen es vor, eine peinliche Befragung über sich ergehen zu lassen und darauf zu bauen, dass sie in der Arena mehr Glück haben als bei ihrem gescheiterten Auftrag.«

»Nur ein Beweis mehr, wie gefährlich diese Schlangen sind, die nach der Pupula beißen.« Der Pollox winkte ab. »Und irgendwann ist immer das erste Mal, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.« Sein Blick fiel auf Teriasch. »Ich habe schließlich das erste Mal, dass unsere Echsenreiter über der großen Ödnis jenseits des Margo kreisten, selbst herbeigeführt.« Er kratzte sich in einem Grübchen an seinem runden Kinn. »Wo wir gerade von Barbaren sprechen, was hat dieser Wilde mit den Zöpfen und dem Dreck im Gesicht hier verloren?«

Teriasch erduldete den Spott, auch wenn er sich fragte, ob es ihm gelingen könnte, den Pollox zu erwürgen und den Dominex damit seines wichtigsten Werkzeugs zu berauben, ehe ihm Diantis mit ihrem Streitkolben den Schädel zertrümmerte.

»Dieser Wilde warf sich schützend vor mich, unmittelbar bevor die Echse zuschlug«, sagte Nesca spitz. »Der zweite Attentäter, der sich in einem Misthaufen verborgen hielt, hatte bereits mit seiner Arkakrux auf mich angelegt. Wäre die Echse nicht gewesen, wäre er aus freien Stücken der lebende Schild gewesen, der mich vor diesem Schuss bewahrt hätte.«

»Aha.« Der Pollox setzte ein schmales Lächeln auf.

»Und er ist eine kleine Berühmtheit«, fügte Nesca hinzu. »Er ist der neue Arenistus, von dem das niedere Volk so viel redet.«

»Du bist der Felesbändiger?«, fragte der Pollox erstaunt.

Teriasch nickte stumm, weil ihm angesichts der Art und Weise, wie Nesca Partei für ihn ergriffen hatte, die Worte fehlten. Dabei ahnt sie nicht, dass ich selbst nicht einmal genau weiß, warum ich das getan habe.

»Ich habe von dir gehört«, stellte der Pollox fest. »Mir scheint, du bist aus dem Holz geschnitzt, aus dem Helden sind. Erst gebietest du in der Arena über Raubkatzen, als wären sie dressierte Hunde, und jetzt kommt mir zu Ohren, dass du dein Leben gern für die Pupula gegeben hättest. Interessant …« Er drehte sich um und sprach Silicis an, dem die Hoffnung auf baldige Linderung seines Leids immerhin so viel Kraft geschenkt hatte, dass er sein Stöhnen merklich unterdrückt hatte. »Wo bewahrst du deine Ampullarien auf? Dort?«

Teriasch hatte das seltsame Wort noch nie gehört, doch der Fingerzeig des Pollox verriet ihm seine Bedeutung sofort. Der oberste Berater des Dominex zeigte auf die Tür aus schwarzem Glas, auf der das unheimliche Wappen aus ineinander verschlungenen Ketten prangte.

Teriasch gefror das Blut in den Adern, und er glaubte, sein Kollare in der grausigen Stimme des Kala Hantumanas flüstern zu hören. Du wirst lernen, uns zu lieben. Wer uns nicht liebt, ist tot. Einen Moment lang gab sich Teriasch der düsteren Vorstellung hin, der Pollox plane nichts anderes, als die Ampullarien von ihm und Paetus und Rukabo unter seiner Ferse zu zertreten, weil er sie aus irgendeinem abwegigen Grund für Mitverschwörer der Letzten Seufzer hielt.

Dann sagte der Pollox: »Der Schmaläugige und der Felesbändiger haben sich ihre Freiheit mehr als verdient. Wir sollten ihnen die Möglichkeit geben, ihren größten Traum wahr werden zu lassen. Sie sollten endlich ihre ferne Heimat wiedersehen, findest du nicht, Silicis?«

»Oh … ja … ja …« Silicis kämpfte sich von seinem Schemel hoch und schwankte keuchend auf die Glastür zu.

Paetus nahm in einer abwehrenden Geste die Hände hoch. »Ich bin so frei, wie ich frei sein möchte. Ich habe einen Freund, der mich braucht und der ohne mich verloren wäre wie ein Bärenjunges ohne seine Mutter. In meinem Dienst an ihm liegt meine Heimat.«

Der Pollox nickte. »Ich kann dich gut verstehen, und ich werde jedem Narren, der zukünftig zu mir sagt, Sklaven hätten keine Ehre, von dir berichten.«

Rukabo hüpfte in die Höhe, um auf sich aufmerksam zu machen. »Ich möchte noch dringend etwas zu bedenken geben: Mir ist als Erstes aufgefallen, dass der Käfig der Echse leer ist. Ohne mich hätte sie die Pupula vielleicht gefressen. Ist das etwa nichts wert?«

Der Pollox achtete nicht weiter auf ihn. »Tuitio, stütz den armen kranken Mann!«, wies er seinen verbliebenen Gardisten an. Diantis trug er auf, Funkenstaub und eine Schüssel zu holen, um ein Feuer darin zu entzünden.

Dank Tuitios kräftiger Schulter fiel der Rest seines kurzen Weges Silicis um einiges leichter. Nur wenige gehumpelte Schritte trennten ihn von der Tür, und er hatte bereits die rechte Hand gehoben, um gleich den roten Skaldatring einzusetzen, der als Schlüssel zu der Kammer diente.

Teriasch schlug das Herz bis zum Hals, als wollte es das Kollare von allein sprengen. Es war keine Furcht mehr, die es so pochen ließ, nur freudige Erregung. Es ist wie in der Geschichte, die mir Arka von seinem Vater erzählt hat. Von dem Sklaven, der die Tochter seines Besitzers vor einer Schlange rettete und dafür seine Freiheit erhielt. Mir geht es genauso. Ich kann zurück auf die Steppe, zurück zu meiner Sippe. Sie werden sehen, dass ich nicht tot bin. Er lächelte. Fulmar hat nicht gelogen. Es war das Feuersprechen, das Lenken meines Zorns, das die Echse dazu gebracht hat, den Attentäter anzufallen. Meine Gabe hat mich freigemacht.

Dann zerschlug Nesca mit einem einzigen Satz sämtliche Hoffnungen: »Ich will, dass der Häuptling und sein dickes Pferd mir gehören!«

Heldenzorn: Roman
titlepage.xhtml
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_000.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_001.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_002.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_003.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_004.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_005.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_006.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_007.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_008.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_009.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_010.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_011.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_012.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_013.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_014.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_015.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_016.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_017.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_018.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_019.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_020.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_021.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_022.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_023.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_024.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_025.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_026.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_027.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_028.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_029.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_030.html
CR!G588Z55JF57VHC4S4ZXV8EZ4V474_split_031.html