6

 

Ich komme nicht in die Arena wegen all der Dinge,
die man sonst so sagt. Ich komme nur
wegen des Blutvergießens und der Schmerzensschreie.
Geständnis eines unbekannten Arenabesuchers

 

Teriasch blickte an sich herunter. Ich habe mich nicht geirrt. Die Harten Menschen sind tatsächlich dumm. Ich sehe nicht aus wie ein Häuptling. Ich sehe aus wie ein Dieb, der bei allen Sippen der Steppe klebrige Finger hatte.

Der Brustschmuck aus gelben Tonkügelchen, die auf ein Ledergeflecht aufgefädelt waren, war ohne jeden Zweifel von den Wurzelessern für eine Frau gefertigt, die allein in ihrem Zelt schlief.

Die Troddeln und Fransen an seinem Lendenschurz waren auf eine Weise zu kleinen Figürchen geknotet, wie es die Lachenden Lippen taten, um auf den Ursprung allen Lebens im Vorgang der Vereinigung hinzuweisen.

Die Beinlinge, die ihm Silicis gegeben hatte, waren nur hinten an den Waden offen und an den Knien mit Schildpatt verstärkt – und konnten damit nur von den Dornensätteln stammen, deren Pferde für ihre außerordentliche Wildheit berühmt waren.

Seine Schuhe hatten eine Ausstülpung für jede einzelne Zehe, um so den Eindruck zu erwecken, man ginge barfuß wie die Ewige Wanderin selbst – sie hatten einmal unverkennbar zu einem Vertreter der Ernsten Mienen gehört, einer Sippe, die einerseits behauptete, Starnas Gebote besonders streng zu befolgen, und andererseits immer neue Mittel und Wege ersann, diese Gebote zu umgehen.

Nicht einmal die Keule war eine Waffe, mit der ein Krieger von den Schwarzen Pfeilen gekämpft hätte. Es gab lediglich eine Sippe, die den Keulenschaft mit Dornen spickte, und das waren die Knurrenden Schakale.

Ebenso unpassend war der Kopfputz, den Teriasch hatte aufsetzen müssen – das Stirnband war aus Hornschlangenleder, und die zu einem Rad aufgerichteten Federn hatten einmal die Schwingen von Schreifalken und Nackthalsadlern geziert. Und das waren alles Tiere, die ausschließlich in den Jagdgründen der Vollen Zelte vorkamen.

»Sie haben dich wirklich hübsch gemacht. Ich wünschte, wir könnten tauschen«, sagte der kleine Mann, der neben Teriasch stand.

Wenn der Mann denn überhaupt ein Mann war und nicht ein untersetzter Knabe, denn in dieser Hinsicht war sich Teriasch alles andere als sicher. Es mochte an seiner Verkleidung als Pferd liegen. Ein hoher Hut aus braunem Leinenstoff, der mit Stroh ausgestopft war, stellte Kopf und Hals dar, mit Knöpfen als Augen und Wollfäden als Mähne. Die Hose war am Hintern dick gepolstert und mit einem Schweif versehen. Die großen, haarigen Füße waren nackt, doch dafür steckten die Hände in hölzernen Nachbildungen von Hufen.

»Warum bist du als Pferd angezogen?«, fragte Teriasch.

»Weil ich für ein Probaska zwei Fingerbreit zu klein bin und nicht die richtige Nase habe«, kam die mürrische Antwort in einer Stimme, die um einiges zu dunkel für einen Jungen war.

»Du bist aber auch für ein Pferd zu klein«, sagte Teriasch. Ohne seinen Hut geht er mir doch höchstens bis zum Bauchnabel.

»Dir kann man nicht so leicht etwas vormachen, was?« Der Verkleidete breitete die Arme aus. »Schau mich an. Sehe ich so aus, als würde es eine Rolle spielen, wie nah ich an einem echten Pferd dran bin? Nein, tue ich nicht. Sehe ich ausgesprochen albern aus? Ja, tue ich. Was sagt uns das also? Es sagt uns, dass die Leute was zum Lachen und keine Lektion in Tierkunde haben sollen.« Über seiner breiten, von Sommersprossen übersäten Nase funkelten zwei zornige Augen – eines in hellem Grün, das andere in dunklem Blau. »Was glotzt du so?«

»Du hast merkwürdige Augen.«

»Ich?« Er stellte sich auf die Zehenspitzen und musterte Teriaschs Gesicht. »Und du nicht, oder was? Braun mit roten Sprenkeln. Wann hat man denn so was schon mal gesehen? Aber ist klar, ja. Ich bin von uns beiden der mit den merkwürdigen Augen. Als ob ich das nicht selbst wüsste. Als ob ich ausgerechnet dich falschen Häuptling dafür bräuchte, um mir das zu erzählen. Was kommt als Nächstes? Dass du mir erklärst, dass ich ein Halbling bin? Oder dass der Dominex ein prächtiges Gehänge hat?« Er schnaubte und wirkte dadurch einen winzigen Augenblick glaubwürdiger in seiner Verkleidung. »Was rege ich mich überhaupt auf? Ich hab mir das alles ja selbst eingebrockt. Ich hätte auf Trifurax hören sollen. Der hat es mir noch gesagt.« Er verstellte die Stimme zu einem tiefen Brummen. »Ich würde mir das mit dieser Villa wirklich gut überlegen, Rukabo. Bis jetzt haben sie jeden geschnappt, der da eingestiegen ist.« Rukabo seufzte. »Ich hätte es fast geschafft. Ich war schon beinahe wieder raus.« Ein neuerliches Seufzen. »Fast und Beinahe. Die hässlichen, eifersüchtigen Schwestern von Gutgemacht und Glattgelaufen.«

Während der Halbling weiter vor sich hin plapperte, warf Teriasch einen sehnsüchtigen Blick zu der Tür, durch die er in diese kleine Kammer gelangt war. Sie befanden sich irgendwo im Bauch eines der großen Gebäude, die aussahen wie riesige Schüsseln. Silicis hatte ihn hierhergebracht.

Sie hatten das sonderbare Bauwerk nicht durch das breite Tor betreten, vor dem sich eine beachtliche Zahl an Menschen eingefunden hatte. Silicis hatte einen kleineren Eingang gewählt, und dann waren sie so viele Treppen hinuntergestiegen und um so viele Ecken gegangen, dass Teriasch nie im Leben auf eigene Faust den Rückweg gefunden hätte. Sie hatten in einem Raum haltgemacht, in dem ein klobiger Schrank neben dem anderen stand. Silicis war zielstrebig auf einen davon zugegangen, um die Kleidungsstücke und die Keule daraus hervorzuholen, von denen er offenbar und fälschlicherweise davon ausging, sie wären einem Häuptling der Pferdestämme würdig. Für Teriaschs behutsame Versuche, den Irrtum aufzuklären, war Silicis vollkommen taub geblieben. Er hatte ihm nur immer wieder gesagt, er solle sich gefälligst beeilen. Als Teriasch alles angezogen hatte, hatte Silicis zufrieden genickt, ehe er seinen Sklaven noch tiefer in das Gebäude hineinführte – zu der Kammer, in der bereits Rukabo wartete. Silicis’ Verabschiedung war ein knappes »Bald geht es los!« gewesen. Dann hatte er die Tür zugeschlagen und verriegelt.

Die Kammer selbst bot neben Rukabos ungewöhnlicher Erscheinung noch ein weiteres Rätsel. Drei ihrer vier Wände waren aus gemauertem Stein. Die vierte jedoch bestand aus senkrechten Holzbohlen und einigen dünneren Querlatten. Von jenseits der Wand war ein stetes Raunen und Summen zu hören, durchbrochen von gelegentlichem Rufen und Lachen.

Es war allerdings ein Geräusch aus einer anderen Quelle, das die Aufmerksamkeit Rukabos weckte: Teriasch knurrte laut der Magen, weil er seit dem Morgen, als er von den Soldaten mit Brühe und Brot versorgt worden war, nichts mehr gegessen hatte.

Der Halbling grinste. »Hast du Schiss?«

»Schiss?« Teriasch runzelte die Stirn. »Ich weiß nicht, was das ist. Schiss …«

»Sehr witzig«, sagte Rukabo. »Das haben schon viele gesagt. Und bitter bereut. Du bist ein ganz schöner Aufschneider.« Der Pferdekopfhut wackelte bedenklich, als er den Kopf schüttelte. »Was soll’s? Da draußen zählen große Worte eh nichts.«

»Was ist da draußen?«

»Still jetzt!« Rukabo wuselte erstaunlich schnell auf die Holzwand zu und lauschte daran. »Da war was!«

Das Raunen schwoll zu einem Tosen an. Da waren Pfiffe, Klatschen – und das Klirren von Metall. Teriasch spürte den Boden unter seinen Füßen beben. Er sah zur Decke, weil er Angst hatte, sie könnte einstürzen und ihn und den Halbling unter sich zermalmen. Mit zwei Schritten war er bei Rukabo, packte ihn an den Schultern und drehte ihn zu sich um. »Was ist das? Was geschieht da?«

»He, Pfoten weg!« Rukabos Miene verfinsterte sich kurz, um sich sogleich wieder aufzuhellen. »Oh, verstehe, du bist neu.« Mit einer schnellen Drehung befreite er sich aus Teriaschs Griff. »Ich meine, ich bin auch neu, aber wie neu bist du denn bitteschön?«

»Ich bin erst seit heute in dieser Stadt.«

»Tatsache? Und wo hast du dich vorher rumgetrieben? Unter einem Stein? Mit dem Kopf im Arsch?«

»Auf der Steppe.«

»Auf der Steppe?« Rukabo kniff ein Auge zu und kaute auf seiner Unterlippe. »Das hört sich für mich nach einer dreisten Lüge an, weil jeder weiß, dass die Wilden von dort nicht genügend Hirn im Schädel haben, um eine zivilisierte Unterhaltung zu führen. Aber wenn du unbedingt darauf bestehst, die menschenfressende Unschuld vom Lande zu spielen, sei mein Gast.« Er klopfte mit dem Huf gegen die Holzwand. »Dahinter, mein Häuptling, geht es zur Arena. Schon mal was davon gehört?«

»Nein.«

»Aha. Gut. Klar.« Er nickte. »Lass es mich so kurz machen, wie ich kann: Wenn den Leuten in Kalvakorum zu langweilig wird, kommen sie in die Arena. Warum? Weil es da immer was Nettes zu sehen gibt. Zum Beispiel nichtsnutziges Gesindel wie dich und mich, das zur allgemeinen Belustigung von erfahrenen Kämpfern in Stücke gehauen oder von ausgehungerten Bestien zerfleischt wird. Ein herrlicher Zeitvertreib für die ganze Familie.«

Das kann nicht sein! »Du lügst!«, zischte Teriasch. »Silicis hat mir versprochen, dass ich heute Abend wieder Gras unter den Füßen habe.«

»Das hat er gesagt?«

»Ja.«

»Und du hast dich nicht verhört?«

»Nein.«

Rukabo zuckte mit den rundlichen Schultern. »Dann wird er wohl die Wahrheit gesprochen haben. Oder er hat sich etwas ganz Besonderes für uns beide ausgedacht.«

Wenige Augenblicke später hob sich die Holzwand rumpelnd und schien Stück für Stück in der Decke zu verschwinden. Das Rufen und Schreien der Menschen wurde lauter, und Teriasch hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Doch durch den größer werdenden Spalt krochen auch Gerüche – nach Blut, nach Schweiß und nach etwas, das ihm ungemein vertraut war.

Gras! Das ist Gras! Er bückte sich, um durch den wachsenden Spalt hindurchzuspähen. Er sah einen schmalen Streifen staubiger Erde unmittelbar vor dem Tor. Und dahinter Gras. Grüne, kräftige Halme. Dicht an dicht wie auf der Steppe, aber höher als in der Gegend, durch die die Schwarzen Pfeile zogen. Wenn er darin auf die Knie ging, würden höchstens noch die Federn seines Kopfputzes über die Spitzen schauen. Ihm dämmerte, dass Silicis ihn zwar nicht belogen, aber zumindest mutwillig getäuscht hatte. Er hat nicht behauptet, dass ich auf die Steppe zurückkehren darf.

»Na los!« Rukabo schob ihn von hinten an. »Zeigen wir uns doch unserem verehrten Publikum.«

Teriasch stolperte hinaus auf die falsche Steppe, die die Harten Menschen am Boden des Schüsselhauses geschaffen hatten. Das Areal wurde durch eine blanke Mauer begrenzt, hinter deren Zinnen rings um das gesamte Rund schmale Stufen nach oben führten. Auf ihnen hockten die Zuschauer, die sich zahlreich eingefunden hatten – Männer wie Frauen, aber auch viele Kinder, die besonders aufgeregt mit den Fingern auf Teriasch und Rukabo zeigten. Teile des Publikums schwangen Rasseln und Klappern, es wurde mit Tüchern gewunken, Fahnen wurden geschwenkt. Männer, die sich große Schläuche auf den Rücken geschnallt hatten, gingen durch die Reihen und schenkten Wein und Wasser aus. Andere verkauften Früchte und Nüsse, Würste und Dörrfleisch.

Doch auch dieser Ort war einer klaren Ordnung unterworfen, wie Teriasch rasch bemerkte: Direkt hinter den Zinnen der Mauer stand alle zehn oder fünfzehn Schritt ein Wächter mit einer gespannten Arkakrux im Anschlag. Ihre Helme, deren Masken fröhlich lachende Gesichter zeigten, und ihre Brustpanzer waren bunt bemalt, ihre Umhänge wirkten wie Flickenteppiche aus unterschiedlichsten Stoffresten.

Die untersten Ränge waren von Besuchern besetzt, deren Erscheinung wahrhaft prächtig war. An ihren Fingern blitzten edelsteinverkrustete Ringe, manche Wange schien mit Goldstaub gepudert, die Haare waren, von silbernen Spangen gehalten, zu kunstvollen Frisuren aufgetürmt, die Gewänder geschmeidig an wohlgenährten Leibern dahinfließende Bahnen aus Samt und Seide.

Je weiter man jedoch in den Rängen nach oben kam, desto mehr ging von all diesem Glanz verloren, bis der einzige Schmuck, der noch getragen wurde, das Kollare von Sklaven war. Hier waren die Gesichter schmutzig, die Haare geschoren und die Kleidung schlichte Tuniken und Hosen aus Leinen und Wolle.

In einem waren diese Schichten allerdings trotz aller äußeren Unterschiede vereint: in ihrer ausgelassenen Vorfreude auf den nächsten Kampf, der zu ihrer Belustigung ausgetragen wurde.

»Liebe Freunde der gehobenen Unterhaltung, wenn ich um eure Aufmerksamkeit bitten dürfte!«, donnerte eine Stimme über die falsche Steppe, und der Trubel auf den Rängen legte sich nach und nach ein wenig. Teriasch schaute dorthin, wo die meisten Menschen im Publikum hinsahen: zu einer Plattform, die am anderen Ende der Arena leicht über die Mauer hinausragte.

Ist das …? Teriasch schirmte die Augen gegen die Strahlen der Abendsonne ab. Ja, das ist er!

Silicis hatte Kettenumhang und offenes Hemd gegen eine bunte Robe und eine straff sitzende, blutrote Schärpe getauscht. Er sprach in einen Trichter aus blauem Metall, den er sich vor den Mund hielt und der seinen Worten einen durchdringenden Klang verlieh. »Liebe Freunde, ich kann euch versichern, dass Dropaxvir euch nicht enttäuschen wird. Der Pechmann ist schon ganz versessen darauf, ein paar Schädel für euch zu spalten. Ich habe eben gerade noch persönlich seine Axt geschärft. Doch bevor wir zu diesem Höhepunkt des heutigen Abends kommen, will ich eure Sinne zunächst noch mit einem etwas anderen Spektakel reizen, damit auch sie geschärft sind und Dropaxvirs Künsten gerecht werden. So, wie es sich manchmal empfiehlt, selbst noch kurz Hand an sich zu legen, um die Erregung ordentlich zu steigern, bevor man zu einem schönen Menschen zwischen die Laken kriecht.«

Das Publikum lachte und spendete verhaltenen Beifall.

Silicis machte einen Schritt zur Seite und wandte sich halb zu einer jungen Frau um. »Verzeiht mir meine Zoten, Hoheit. Doch ihr wisst ja, wie es mit schlechten Scherzen ist. Sie sind wie Darmwinde. Manche kann man einfach nicht für sich behalten.«

Die Frau saß auf einem Stuhl, dessen Lehne mit Blattgold überzogen war, und hielt die Hände vornehm im Schoß gefaltet. Ihr hochgeschlossenes Kleid war von einem glänzenden Schwarz, als wäre es aus der finstersten Nacht selbst gewoben. Feuerrotes Haar fiel ihr lang und glatt bis zu den Hüften. Sie blickte aus mandelförmigen Augen, die wie die einer Raubkatze waren, zu Silicis und neigte huldvoll den Kopf. Doch was Teriasch den Atem verschlug, war das helle Braun ihrer Haut, das ihm von so vielen anderen Gesichtern, die er in seinem Leben gesehen hatte, vertraut war.

Ist sie auf der Steppe geboren? Er legte Rukabo eine Hand auf die Schulter und zeigte hinauf zu der Frau. »Wer ist sie? Sie ist wundersch…«

»Schlag sie dir aus dem Kopf, du Trottel!«, giftete Rukabo. »Bevor die dich ranlässt, wächst mir ein zweites Paar Nüsse.«

»Wer ist das?«, wiederholte Teriasch seine Frage.

»Was weiß denn ich? Irgendeins von den verzogenen Blagen des Dominex, schätze ich mal.« Er trat Teriasch auf den Fuß. »Sieh zu, dass dein Blut da bleibt, wo es uns was nützt!«

Die kleine Auseinandersetzung zwischen Häuptling und Pferd war nicht unbemerkt geblieben. Sie ernteten Gelächter und aufmunternde Zurufe, ihren Streit fortzusetzen.

»Liebe Freunde, liebe Freunde«, griff Silicis ein. »Verteilt eure Zuneigung nicht zu früh. Noch wisst ihr doch gar nicht, wer den Wilden und sein stattliches Schlachtross zur Strecke bringen soll. Wem wird die Ehre zuteilwerden, es unserem Pollox gleichzutun und die Steppe zum Erzittern zu bringen?« Er legte eine dramatische Pause ein. »Nicht ohne Stolz präsentiere ich euch einen der besten – ach, was sage ich! – den besten Kämpfer, den die Akademia Arma in ihrem letzten Jahrgang hervorgebracht hat. Begrüßt mit mir den jüngsten Helden unseres Heeres: Demeto Karis!«

Zwei Männer im hinteren Bereich der Plattform schlugen mit gepolsterten Klöppeln auf einen gewaltigen Gong, während vier andere in metallene Rohre hineinbliesen, um Laute zu erzeugen, die denen der Rüsselschnauzen ähnelten.

Jubel brandete auf, und unterhalb der Plattform öffnete sich ein Tor. Der Mann, der daraus hervortrat, hatte aufgrund seiner Rüstung große Ähnlichkeit mit einem der Krebse, die Teriasch mit Pukemasu einmal im Spiegelsee gefangen hatte. Wie der Panzer dieser Tiere war auch seiner rotgolden und von garstigen Stacheln überzogen. Wo aber die Krebse ihre Scheren gehabt hatten, führte Demeto Karis zwei Langschwerter, deren Klingen so breit wie Teriaschs Hand waren. Man brauchte eine unvorstellbare Kraft, um diese Waffen zu führen und eine solch schwere Rüstung zu tragen, die einen von Kopf bis Fuß in Stahl hüllte. Doch Demeto Karis war alles andere als ein Kümmerling. Jetzt weiß ich ungefähr, wie sich Rukabo neben mir fühlen muss …

»Nur ein schäbiger Gegner?« Rukabos Stimme überschlug sich vor Empörung. »Was für eine Beleidigung für den Kater von Kalvakorum! Komm!«

Rukabo spurtete los, mitten ins Gras hinein, aus dem sofort nur noch der Pferdekopf hervorwippte.

Teriasch packte unschlüssig seine Keule fester. Wo will er hin?

Der Pferdekopf drehte sich in seine Richtung. »Wartest du auf jemanden?«

Demeto Karis genoss derweil die lautstarke Begeisterung, mit der ihn das Publikum empfing. Er hob die Schwerter und vollführte mehrere Drehungen, während er ins Zentrum der Arena voranstapfte und eine breite Schneise ins Gras zog.

Teriaschs Beine waren schwer vor Furcht. Er wusste, was von ihm erwartet wurde und dass der Kampf ein ungleicher werden würde, doch wenn er schon heute zu seinen Ahnen ging, dann wollte er es wenigstens nicht wie ein Narr tun. »Warum laufen wir zu ihm?«, rief er Rukabo zu. »Wäre es nicht besser, wenn er uns erst hetzen muss, bevor er uns stellt? Vielleicht wird er müde davon.«

»Der Kater von Kalvakorum ist noch nie vor irgendjemandem davongelaufen.« Die Stimme des Halblings sprühte vor Eifer. »Bleib nur dicht hinter mir, dann kann dir nichts geschehen.«

»Aber du hast nicht einmal eine Waffe!«

»Stimmt!« Rukabo reckte die Hufe. »Die hier bringen mich nicht weiter. Ich brauche Krallen, und ich werde Krallen kriegen!«

Er ist verrückt! Teriasch folgte Rukabo weiter, obwohl ihm ein schrecklicher Verdacht kam. Was, wenn er nur nicht lange leiden will? Was, wenn er sich freiwillig in das Schwert dieses Krebskriegers stürzen möchte, damit seine Angst ein Ende hat?

Erste Zurufe aus dem Publikum – darunter auch einige ungläubige – wiesen Demeto Karis darauf hin, dass sich ihm seine Gegner näherten. Er breitete die Arme aus und winkte mit den Klingen, als wollte er das Pferd und den Häuptling auffordern, sich doch bitte ein wenig zu beeilen. Die Zuschauer dankten es ihm mit Beifall und Gelächter.

Zehn, fünfzehn Schritte trennten Teriasch noch von dem Aufeinandertreffen mit dem stachelbewehrten Koloss, da tauchte Rukabos Pferdekopfhut plötzlich ganz im Gras unter. Ein paar Halmbüschel wackelten noch einmal, dann sah Teriasch keine Spur mehr von seinem Leidensgenossen. Er blieb stehen. »Rukabo!«, rief er. »Rukabo!«

»Oh, hast du etwa dein Pferdchen verloren?«, höhnte Demeto Karis. »Keine Sorge, Wilder, du musst nicht lange traurig sein.«

Der Krebskrieger bewegte sich mit einer flinken Geschmeidigkeit, die seiner massiven Erscheinung spottete. Binnen vier Herzschlägen hatte er die Distanz zu Teriasch überbrückt, und das Publikum jauchzte förmlich auf.

Demeto Karis’ Attacke setzte mit einem seitlich geführten Hieb ein, der zwar auf Teriaschs Hals zielte, aber von einer geradezu spielerischen Langsamkeit war. Teriasch hatte keine Mühe, die Keule hochzureißen und den Schlag abzufangen. Als er aus dem Augenwinkel eine huschende Bewegung von der anderen Seite bemerkte, ahnte er jedoch, dass er einer plumpen Finte aufgesessen war. Demetos zweites Schwert erwischte ihn am Knöchel, und die Wucht des Treffers fegte ihn von den Beinen.

Teriasch krachte auf den Rücken, und der Aufprall drückte die Luft aus seinen Lungen. Einen Moment lang sah er nur Gras, Himmel und seinen drohend aufragenden Gegner. Mein Fuß! Mein Fuß! Er schaute an sich herunter, hob das Bein und versuchte sich verzweifelt gegen den Anblick zu wappnen, der ihn wohl erwartete: Blut, das aus einem Stumpf hervorschoss. Was? Seine grausige Erwartung erfüllte sich nicht. Sein Fuß war noch da. In seinem Knöchel pochte ein dumpfer Schmerz, aber an diesem Knöchel war nach wie vor ein Fuß. Und da war nicht einmal Blut. Er hat mit der flachen Seite zugeschlagen!, durchzuckte ihn eine erleichternde Erkenntnis. Aber wieso?

»Steh auf!«, knurrte Demeto und tippte ihm mit der Schwertspitze auf den Brustschmuck. Seine Helmmaske verbarg sein Gesicht, doch die Augen in den schmalen Schlitzen funkelten amüsiert, als würde er unter dem stacheligen Stahl breit lächeln. »Die Leute wollen doch was zu sehen kriegen, nicht wahr?«

Ein unruhiges Murmeln kam von den Rängen.

»Steh endlich auf!«

Ein Teil Teriaschs flehte und bettelte, er möge einfach liegen bleiben und sich in sein unausweichliches Schicksal fügen. Es war der erschöpfte, gedemütigte Teil seiner selbst, der auf ein rasches Ende seines Elends hoffte. Doch es war nicht der Teil, der Teriasch zu dem machte, was er war. Er biss die Zähne zusammen und wuchtete sich in die Höhe. Das dumpfe Pochen in seinem Knöchel wurde zu einem scharfen Beißen, als er den Fuß belastete.

Die Zuschauer jubelten und heulten vor Blutdurst.

»Geht doch«, lautete Demetos spöttisches Lob. Er machte zwei Schritte zurück und hob die Klingen. »Hast du auf der Steppe noch etwas anderes gelernt als Pferdebocken und faul herumzuliegen, du blöder Affe?«

»Ja.« Teriasch humpelte nach vorn und schwang die Keule. »Wie man die Schalen von Krebsen knackt!«

Es war ein törichter Angriff, ungezielt und aus Bitterkeit geboren. Demeto parierte ihn mit der einen Klinge und hieb mit der anderen erneut seitlich zu, nur dass er diesmal keinen Bogen nach unten beschrieb, sondern sein Schwert waagerecht durch die Luft schnitt. Teriasch hörte den scharfen Stahl über seinen Kopf hinwegpfeifen. Sacht rieselten die Spitzen von Federn auf seine Schultern.

Demeto brach in heiteres Gelächter aus, und die anderen Harten Menschen in der Arena stimmten darin ein. »Ich kann dir gerne noch die Zöpfe schneiden, wenn du magst.«

Dieser feige Hund spielt nur mit mir! Teriasch hätte sich am liebsten den gestutzten Kopfputz heruntergerissen. Stattdessen ging er trotzig zu einem neuerlichen Angriff über, die Keule mit beiden Händen gepackt und hoch über den Kopf gehoben. Er geriet ins Straucheln, als sein verletzter Knöchel unter seinem Gewicht wegknickte, und taumelte auf seinen Gegner zu.

Demeto wich ihm mit einer Drehung aus, die er mit einem weiteren Doppelhieb verband. Ein sanfter Ruck ging durch den Schaft der Keule, dann spürte Teriasch seine Waffe leichter werden. Womit er nun auf das Gras eindrosch, war nur noch ein nutzloses Stück Knochen, gerade halb so lang wie sein Unterarm. Er keuchte und fiel auf die Knie, starrte ungläubig auf den zersplitterten Schaft.

Verzückte Schreie hallten durch die Arena, wie von jungen Jägern, die nicht an sich halten konnten, wenn der Leitbulle einer Büffelherde zur Strecke gebracht wurde.

Teriasch fuhr halb herum. Demetos Tritt erwischte ihn an der Brust und schleuderte ihn ganz zu Boden. Der Keulengriff glitt ihm aus den Fingern. Etwas Spitzes presste sich ihm in den Rücken. Er wälzte sich davon herunter, tastete instinktiv danach, fühlte Holz unter seinen Fingerspitzen. Er griff nach dem Gegenstand und hob ihn auf. Es war einer der Hufe, die Rukabo an den Händen getragen hatte. Er kam nicht dazu, sich Gedanken darüber zu machen, warum der Halbling den Huf abgestreift hatte. Sirrend bohrte sich eine breite Klinge neben seiner Hüfte in den Boden.

»Es wird Zeit für das große Finale, findest du nicht?«

Demeto bückte sich, packte Teriasch an den Zöpfen und zog ihn daran hoch wie eine Lumpenpuppe. Teriasch versuchte, den Griff des Kriegers zu lösen, aber er bohrte sich dabei nur die Stacheln von Demetos Panzerhandschuh in die Finger. Das Publikum – arm wie reich, jung wie alt – war nun aufgesprungen, schüttelte die Fäuste, ahmte Schwertstiche nach.

Demeto drehte sich breitbeinig einmal um die eigene Achse, als wollte er allen noch einmal zeigen, wie ohnmächtig sein Opfer war. Die Spitze seines Schwerts wippte dicht vor Teriaschs Bauch auf und ab. Teriasch wand sich, auch wenn er das Gefühl hatte, seine Kopfhaut würde ihm jeden Moment vom Schädel abreißen.

»Halt doch still«, raunte Demeto. »Dann ist es schnell vorbei. Dann …« Demeto ächzte und erstarrte, die Augen in den Schlitzen seiner Maske so weit aufgerissen, dass sie nur aus Weiß zu bestehen schienen. Er krümmte sich. Die Schwertspitze stieß gegen Teriaschs Bauch, ritzte die Haut. Er hörte ein nasses Schmatzen und Kratzen, ein helles Keckern. Plötzlich hatte er wieder Boden unter den Füßen. Er warf sich mit aller Kraft nach hinten. Seine Zöpfe rutschten einer nach dem anderen durch Demetos Finger, dann war er frei. Er plumpste auf den Hintern, roch Blut.

Das Publikum war in ein Schweigen verfallen, das lauter wirkte als all sein vorheriges Lärmen.

Teriasch saß im Gras und blickte erschrocken auf das, was sich zwischen Demetos Beinen abspielte. Dort hockte Rukabo und bohrte dem Krebskrieger den Stumpf von Teriaschs Keule in einen Spalt in der Rüstung zwischen Oberschenkel und Leiste. Blut schoss schwallweise daraus hervor, tränkte Rukabos Pferdekopfhut, umspülte seine Hände, spritzte ihm ins feiste Gesicht, das zu einem bösen Grinsen verzerrt war.

Demetos Schwert fiel ins Gras. Er grunzte gurgelnd und presste schwach beide Hände in seinen Schritt, wo der Halbling ihn aufgespießt hatte. Rukabo fletschte die Zähne, stieß noch kräftiger zu und rüttelte sein Mordwerkzeug dann so wild hin und her, wie es der Spalt, durch das es gedrungen war, zuließ.

Teriasch krabbelte rücklings nach hinten. Keinen Augenblick zu spät, denn Demeto sackte vornüber. Seine Rüstung schepperte, als er aufschlug, und er hob noch einmal den Unterleib, dann lag er still.

»Haha!« Rukabo streckte die blutigen Hände zum Himmel. »Sieg! Sieg!« Er kletterte auf den Gefallenen, indem er die Stacheln in dessen Rüstung wie Sprossen einer Leiter benutzte. »Sieg!« Er beugte sich vornüber, wackelte mit dem Schweif an seinem Hintern und sah frech über seine Schulter zum Publikum hinauf. »Na, wie schmeckt euch das, hm? Wie schmeckt euch das? Dicker Pferdearsch, nur hier und heute. Greift zu! Beißt ruhig hinein!«

»Feles!«, schrie eine einzelne Stimme von den Rängen. »Feles!«

»Was?« Rukabo stellte das Schweifwackeln ein, richtete sich auf und suchte mit seinen Blicken das Rund nach dem Rufer ab. »Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein! Ich habe ihn ehrlich bezwungen!«

»Feles! Feles! Feles!« Immer mehr Zuschauer schlossen sich der rätselhaften Forderung an, bis sie aus unzähligen Kehlen rhythmisch wiederholt wurde. »Feles! Feles! Feles!«

Rukabo setzte den blutverschmierten Pferdekopfhut ab und begann, verzweifelt damit in Richtung der Plattform zu winken, auf der Silicis stand. »Und was ist da dran?«, kreischte er wie ein ungezogenes Kind. »Mein Saft oder seiner? Ihr habt doch nicht mehr alle Speichen am Rad!«

Die tobende Menge auf den Rängen schleuderte angebissenes Obst, Sitzkissen und leere Weinschläuche in die Arena hinunter. »Feles! Feles! Feles!«

Teriasch schützte seinen Kopf vor dem weichen Hagel, der auf ihn, Rukabo und Demetos Leiche niederging. »Was wollen sie?«, rief er.

»Bist du taub? Die Feles wollen sie! Sie meinen, wir hätten betrogen!« Der Halbling brüllte aus vollem Hals, um das schier rasende Publikum zu übertönen. »Silicis, du alter Schlappschwanz! Sag ihnen, dass wir gewonnen haben! Sofort! Was ist denn daran Betrug, wenn man weiß, in welches Loch man stoßen muss? Nur weil man in der Akademia Soma die Ohren spitzt, wenn die Körperkundler einem erklären, wo man am besten hinsticht, ist man noch lange kein Betrüger!«

»Was sind die Feles?«, fragte Teriasch.

Rukabo achtete nicht mehr auf ihn. Der Halbling war verstummt und sein Blick starr auf die Plattform gerichtet.

Silicis hielt sich den blauen Trichter vor den Mund. »Feles!«, rief er. »Feles!«

Der Boden unter Teriasch bebte vor dem Begeisterungssturm, der unter den wankelmütigen Zuschauern losbrach. Teriasch stand auf und humpelte zu Rukabo, der von Demeto heruntergehüpft war, um das eine Schwert des toten Kriegers aufzuheben. Der Halbling brachte die Spitze der Waffe, die viel zu groß für ihn war, kaum auf Kniehöhe. »Nimm dir das andere Schwert«, ranzte er Teriasch an, die blutige Miene düster. »Wir sollten wenigstens versuchen, Silicis ein bisschen ärmer zu machen, findest du nicht?«

Teriasch zog das andere Schwert aus dem Boden und wog es in der Hand. Schwer und für meinen Geschmack nicht krumm genug, aber es wird irgendwie gehen. Es muss gehen. Er vergewisserte sich mit zwei Stößen in die Luft, dass seine kleine Schnittwunde am Bauch ihn nicht in seinen Bewegungen behinderte. Das tat sie nicht. Ich wünschte, ich könnte das Gleiche von meinem Knöchel sagen.

»Sie kommen!«, rief Rukabo warnend.

Aus dem Tor, durch das Demeto die Arena betreten hatte, huschten die Feles: vier Löwen, weiß wie Schnee und groß genug, dass sie mit ihren rubinroten Augen über das hohe Gras der falschen Steppe nach ihrer Beute Ausschau halten konnten. Eines der Tiere zog die weit herabhängenden Lefzen hoch und hob den Kopf, um Witterung aufzunehmen. Dabei entblößte es gebogene Reißzähne, die länger waren als die Stoßdolche, die die Soldaten der Harten Menschen an ihren Gürteln trugen.

Teriasch begriff, warum Rukabo eben noch auf Silicis eingeschrien hatte, die Feles nicht in die Arena zu lassen. Sein ermatteter Zorn, den er nach dem Anlegen des Sklavenhalsreifs für völlig erschöpft gehalten hatte, gewann beim Anblick der vier Raubkatzen neue Kraft. Die lässige, brutale Zielstrebigkeit, mit der die weißen Löwen durchs Gras auf ihn zutrotteten, fachte die erloschen geglaubte Glut in ihm an. Nach allem, was er erlitten hatte, seit er von den Harten Menschen gestohlen und verschleppt worden war, sollte er jetzt als Fraß für diese Bestien enden? Damit sich andere Bestien, die auf zwei Beinen gingen, daran erfreuen konnten, wie er in Stücke gerissen wurde? Nach einem Kampf, den er und sein tapferer, verschlagener Gefährte noch weniger gewinnen konnten als den gegen den Krebskrieger?

Nein! Er ließ sein Schwert fallen. Nein!

»Bist du irre?«, kreischte Rukabo.

Nein! Er riss sich den Brustschmuck vom Leib.

»Was machst du da?«, jammerte der Halbling.

Er streifte den Kopfputz ab. Nein!

Er konnte die Feles riechen, so nah waren sie heran. Ihre rubinroten Augen fixierten ihn.

»Nein!«, brüllte er in der Sprache der Steppe und entfesselte seinen Zorn. Er brach aus ihm hervor. Roh, ungebändigt. Das Kollare um seinen Hals brannte wie Feuer. »Nein!«

Die Feles fauchten, legten die Ohren an, schlugen mit den Pranken nach der unsichtbaren Macht, die in sie drang wie Flammen, die sich durch verdorrtes Gras fraßen.

Und dann spürte Teriasch, was diese Tiere spürten. Hunger. Angriffslust. Sein Magen krampfte sich zusammen, er ballte die Fäuste. »Nein!«

Er sah, was die Feles sahen. Sich selbst, und wie in seinem Mund ein gleißendes Feuer loderte. Den blutbesudelten Rukabo. Und Demetos Leichnam in seiner stacheligen, harten Schale.

»Nehmt ihn!« Teriasch wusste nicht, ob er die Worte schrie oder ob sie sich nur in seinem Verstand formten. »Nehmt ihn!«

Es machte keinen Unterschied. Die Feles sprangen in hohen Sätzen an Teriasch und Rukabo vorbei und stürzten sich auf die Leiche. Sie zeigten sich kurz von den Stacheln der Rüstung verwirrt, doch als das erste Tier Blut von der Wunde in Demetos Schritt geleckt hatte, verstanden sie, dass es sich für sie lohnte, an der Beute zu zerren und zu schütteln. Bald hatten sie es geschafft, das weiche Fleisch freizulegen. Knochen knirschten, von kräftigen Kiefern zermalmt. Muskeln und Sehnen rissen mit feuchten, schnalzenden Geräuschen.

Teriasch kniete sich ins Gras, schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und lachte. Sein gesamter Leib war schweißnass, und auch nach diesem Ausbruch seines Zorns fühlte er sich schwach und ausgelaugt, doch es war die zufriedene Erschöpfung nach einem großen Triumph.

Das Publikum war angesichts des Festmahls, das die Feles hielten, uneins: Viele schlugen die Hände vors Gesicht oder wandten sich ab, doch beinahe ebenso viele hielten ihre Blicke gebannt darauf gerichtet, wie die Löwen das Fleisch verschlangen, das eben noch Demeto Karis gewesen war.

Es raschelte neben Teriasch, und er schlug die Augen auf.

Rukabos Wangen waren unter all dem Blut kreidebleich. »Du Wahnsinniger! Was hast du getan?«

Teriasch lächelte. »Ich habe den Harten Menschen gegeben, was sie sehen wollen. Blut. Blut, Zorn und Hass.«

»Du hast uns umgebracht«, heulte Rukabo auf.

Was meint er? »Wir haben den Kampf gewonnen.«

»Und was nützt uns das?« Der Halbling zeigte zur Krone der Mauer, die den Kampfplatz begrenzte. Die Wachen hinter den niedrigen Zinnen hatten ihre Waffen im Anschlag und schienen nur auf ein Zeichen von Silicis zu warten, ehe sie schossen. »Besten Dank, du Barbar! Du hast aus mir ein schönes Rätsel für die Leichenwäscher gemacht. Die werden sich fragen, ob sie ein Pferd oder einen Igel vor sich haben, sobald man mich bei ihnen im Tempel abliefert.« Er drehte sich zu den Wachen um und schlug sich auf die Brust. »Kommt schon, ihr nusslosen Buntfinken. Wer von euch Strichern will seinem Zuhälter erzählen, dass er den Kater von Kalvakorum erlegt hat?«

Einen Wimpernschlag später flogen die Bolzen.

Heldenzorn: Roman
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