das würde ich tun - aber da Sie Ihren Anteil daran hatten, den Separatistenangriff herbeizuführen, denke ich, dass das jede Schuld von meiner Seite irgendwie tilgt. Meinen Sie nicht?«

Woher weiß er das? Er kann das nicht wissen. Er vermutet es, aber er kann es nicht wissen. Ich war zu vorsichtig, ich habe keine Spuren hinterlassen, die...

Vergiss das jetzt erst mal! Kümmere dich um das aktuelle Problem! Er konnte das Blatt noch wenden. Immerhin war er ein Meister in puncto emotionaler Manipulation und Kontrolle. Er war sicher, dass er Jos mit etwas Zeit davon überzeugen konnte, dass der Mann sich irrte, dass er einen Fehler gemacht hatte.

Allerdings wurde die Zeit allmählich knapp.

»Sie stehen unter großem Druck, Jos«, meinte Merit. »Ich kenne die Ursache für diesen Irrglauben zwar nicht, aber ich denke, wir sollten jede weitere Diskussion darüber vertagen, bis wir beide sicher von diesem Planeten runter sind.«

Jos lachte, doch Merits empathische Fähigkeiten spürten keine Belustigung. Stattdessen gewahrte er Wut, die von kalter Entschlossenheit im Zaum gehalten wurde, wie eine Eiskappe, die einen Vulkankrater verstopfte.

»Tut mir leid«, sagte Jos. »Das fand ich bloß gerade ziemlich amüsant - dass Sie glauben, Sie würden irgendwo hingehen.« Donner grollte, wie um seine Worte zu unterstreichen.

In diesem Moment wurden Merit zwei Dinge klar. Erstens, dass Jos Vondar nicht aus einem Gefühl oder einem bloßen Verdacht heraus agierte. Er wusste es. Woher, spielte keine Rolle. Das führte zu Erkenntnis Nummer zwei: Wenn er Jos nicht umbrachte, würde Jos ihn töten. Er hatte zu oft gegen den Mann Karten gespielt, um etwas anderes anzunehmen.

Er seufzte. Er mochte Jos wirklich, mochte und bewunderte den Mann. Er hatte sich gewünscht, Drongar verlassen zu können, ohne erneut töten zu müssen. Doch Wünsche gingen selten in Erfüllung.

In seinem rechten Mantelärmel war ein kleiner Miniblaster verborgen.

»Wo wir gerade von Druck reden«, sagte Jos. »Ich würde annehmen, dass Sie selbst ebenfalls mächtig unter Druck stehen. Wie konnten Sie das tun, Klo? Was hat Sie nur dazu gebracht, Ihre Freunde zu verraten? Ihre Klienten? Dazu, Leute umzubringen, die Sie kannten, Leute, mit denen Sie zusammen gearbeitet haben, mit denen Sie gegessen, mit denen Sie Karten gespielt haben?«

Erschieß ihn! Erschieß ihn und verschwinde! Jede Sekunde, die du damit vergeudest, mit ihm zu reden, bringt dich in größere Gefahr.

»Haben Sie je vom Nharl-System gehört?«, fragte Merit.

»Nein.«

»Es gab fünf Planeten, rings um eine lokale Sonne. Einer davon war meine Heimatwelt, Equanus. Wissen Sie, warum man in der Galaxis nicht viele Equani sieht, Jos? Das liegt daran, weil bloß noch eine Handvoll von uns übrig ist - ein paar Hundert, vielleicht eintausend, höchstens -, von einer Spezies, die einst fast eine Milliarde zählte. Und wissen Sie, warum es jetzt bloß noch so wenige von uns gibt? Weil nur jene von uns überlebt haben, die sich vor zwei Jahren, sechs Monaten und drei Tagen nicht auf dem Planeten aufhielten.«

Merit hatte die Geschichte tatsächlich noch nie jemandem erzählt. Er wusste, dass das töricht war, wenn nicht gar geradewegs selbstmörderisch. Doch es war, als wäre ein seelischer Damm gebrochen. Er war sich nicht sicher, ob er die Worte jetzt noch zurückhalten konnte, selbst, wenn er es wollte.

»Vor zwei Jahren, sechs Monaten und drei Tagen gab es auf unserer Sonne eine Eruption, die zehn Lichtminuten weit ins All hinausgeschleudert wurde. Eine gewaltige, noch nie dagewesene, massive Eruption, viel größer als jede, die der Stern in zehn Millionen Jahren produziert hatte. Mit einer Gasfackel, die mit solcher Wucht und Gewalt durch den Raum schoss, dass Equanus gegrillt wurde. Die Atmosphäre und die Meere verdampften innerhalb von Minuten, das Land wurde in ausgebrannte Schlacke verwandelt. Unsere Wissenschaftler sahen es kommen, aber zu spät. Die Feuersbrunst traf ein, bevor irgendjemand auch nur die geringste Chance zur Flucht hatte. Sie wussten, dass sie kam, und sie wussten, dass man nichts dagegen tun konnte. Jeder Kom-Kanal des Planeten war verstopft von Leuten, die versuchten, voneinander Abschied zu nehmen.«

Er konnte spüren, dass Jos ihm zuhörte, konnte die fast unmerkliche Abschwächung des Zorns in ihm fühlen, sah, dass die Wucht so vieler Tode ihn erschütterte. Natürlich tat sie das - er war Arzt. In diesem Moment kümmerte das Merit ehrlich gesagt nicht, genauso wenig, wie es ihn scherte, falls er in der nächsten Minute durch Beschuss aus den eigenen Reihen getötet wurde. Alles, was zählte, war, die Geschichte zu erzählen.

»Sämtliche Equani, nahezu eine Milliarde Leute - unsere Kunst, unsere Zivilisation, unsere Hoffnungen, unsere Träume, alles -, verbrannten innerhalb weniger Sekunden zu Asche, Jos. Fort. Tot. Für immer.«

Jos sagte langsam: »Das ... tut mir leid. Aber was hat das mit dem hier zu tun?« Er deutete mit dem Blaster auf die Umgebung, in der sie sich befanden, und in diesem Moment hätte Merit ihn problemlos umbringen können, hätte ihm mit der versteckten Miniwaffe die Brust zerfetzen können.

Er tat es nicht.

»Was das hiermit zu tun hat? Ganz einfach: Diese Sonneneruption war keine Naturkatastrophe, Herr Doktor. Die Republik, die glorreichen, wundervollen, gütigen Militärführer der Galaktischen Republik, haben eine neue Waffe getestet. Einen Planetenkiller, eine Superwaffe für irgendeine Art ultimativer Kampfstation, die gerade entwickelt wurde. Sie feuerten damit auf unsere Sonne, und sie hatten sich verkalkuliert. Sie hatten eine Basis auf unserem Mond, mit den Wissenschaftlern und Militärs, die diese Abscheulichkeit geschaffen hatten. Die Gasfackel hat auch sie erwischt. Ein schwacher Trost für mich und die wenigen Equani, die anderswo waren, als unser Planet ermordet wurde.«

»Ich ... ich habe noch nie davon gehört.«

»Natürlich nicht. Die Republik ist nicht besonders begierig darauf, dass die Galaxis davon erfährt. Sie hielten die Sache unter Verschluss, aber ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, die Wahrheit herauszufinden. Die Republik hat meine Spezies umgebracht, Jos. Selbst, wenn man alle überlebenden Equani versammeln würde, wären nicht genug von uns übrig, um eine andere Welt neu zu bevölkern. Ja, man kann sagen, dass diejenigen, die den Knopf gedrückt haben, ebenfalls umgekommen sind, aber was ist mit denen, die sie dort hingeschickt haben? Was ist mit den Bürokraten, die das Ganze überhaupt erst genehmigt haben? Die lachen immer noch und lieben und essen und schlafen - und leben. Sie wollten wissen warum. Darum, Jos.«

Die Hand, die den Blaster hielt, senkte sich ein Stückchen, und für einen Moment glaubte Merit, dass sein ehemaliger Freund und Patient vielleicht, nur vielleicht, einen Rückzieher machen würde. Doch dann wurden Jos' Miene und Haltung wieder entschlossener. »Ich kann mir nicht einmal annähernd vorstellen, wie Sie sich fühlen müssen«, sagte er. »Aber ich weiß, wie ich mich fühle. Vielleicht kann man den Tod eines Wesens nicht mit der Vernichtung einer ganzen Welt vergleichen. Aber Verlust ist Verlust. Trauer ist Trauer. Denken Sie, Zans Eltern empfinden weniger Schmerz als Sie?«

»Die haben einen Sohn verloren! Ich habe eine Welt verloren! Hunderte Millionen Söhne, Töchter, Mütter, Väter, Jos! Das können Sie nicht miteinander vergleichen. Das war ein unermessliches Verbrechen.«

Jos schüttelte den Kopf. »Ganz gleich, was Ihre Gründe sind, ganz gleich, wie sehr Sie darunter leiden - das, was Sie getan haben, ist trotzdem falsch.«

»Offensichtlich sehe ich das anders.« Merit breitete seine Hände aus. Sein rechter Arm war jetzt direkt auf Jos gerichtet - alles, was er tun musste, war, sein Handgelenk zu beugen. »Also, was werden Sie jetzt tun, Jos? Mich erschießen?«

»Das will ich ehrlich nicht, Klo, selbst nachdem, was Sie getan haben. Aber ich kann Sie nicht gehen lassen. Barriss ist zu Vaetes gegangen, um ihm Bescheid zu geben. In Kürze wird der Sicherheitsdienst hier sein, um Sie festzunehmen.«

Merit schüttelte den Kopf. »Aber dann werde ich nicht mehr hier sein, Jos.«

»Doch, werden Sie.«

Noch vor wenigen Sekunden war Merit sicher gewesen, dass Jos ihn erschießen würde. Doch jetzt, nachdem er seine Geschichte gehört hatte, konnte der Mentalheiler spüren, dass sich etwas verändert hatte. Die Entschlossenheit des Mannes war jetzt nicht mehr ganz so resolut wie zuvor. »Sie werden diesen Blaster nicht benutzen, Jos. Ich kenne Sie. Sie sind Arzt, ein teilnahmsvoller Mann. Sie retten Leben, Sie nehmen sie nicht. Ich habe Sie in Momenten erlebt, als Sie den ganzen Tag auf den Beinen waren, vollkommen erschöpft, kaum imstande, wach zu bleiben, bloß, um das Leben eines einzigen Klons zu retten. Sie sind zu so etwas nicht imstande. Weil es gegen alles ist, wofür Sie einstehen.«

Jos war kein Blasterheld. Merit wusste, dass er den Mann umbringen konnte, bevor er auch nur wusste, wie ihm geschah. Doch das brauchte er nicht. Jos würde nicht feuern.

Merit wich in Richtung Hintertür zurück.

»Tun Sie das nicht, Klo!«

 

Jos richtete den Blaster auf Klo.

»Tun Sie das nicht, Klo!«

Der große Equani ging weiter.

Jos erinnerte sich daran, auf Zan herabgeblickt zu haben, der tot auf dem Boden des Transporters lag. Jos war selbst verwundet worden, hatte eine Gehirnerschütterung gehabt, konnte sich kaum rühren. Es hatte ihn alle Kraft gekostet, bloß um über das Deck neben seinen Freund zu kriechen.

Merit zu töten, würde Zan nicht zurückbringen. Rache würde keinen von ihnen wieder zurückbringen. Und Klo hatte recht: Jos war ein Lebensretter, niemand, der Leben nahm.

Doch falls Klo entkam, würde er weiterhin für die Separatisten arbeiten, würde der Republik weiterhin Schaden zufügen. Wie viele andere mochten noch als Folge seines Hasses sterben, seines Drangs nach Vergeltung? Ganz egal, ob diese Zahl eins oder eintausend betrug, wenn Jos zuließ, dass er floh, würde er sich diese Toten damit auch auf sein eigenes Gewissen laden. Weil er Klo Merit hätte aufhalten können. Genau hier. Genau jetzt.

»Klo!«

Merit wich noch einen Schritt zurück. Der Annäherungssensor der Hintertür registrierte seine Gegenwart und öffnete das Portal.

Jos nahm einen tiefen Atemzug, legte mit dem Blaster an... und feuerte.

Es gab eine Explosion, einen vernichtenden Donnerschlag, ein blendendes Licht. Schmerz durchloderte ihn. Er schrie auf, fühlte, wie er stürzte ...

 





 

41. Kapitel

Die Energiekuppel explodierte.

Ironischerweise war es kein Partikelstrahl, der die Schaltkreise schließlich überlastete, sondern ein Blitzschlag. In gewisser Weise war das ein glücklicher Umstand, wurde Den später bewusst - obwohl der Blitz kraftvoll genug war, dass jedem das Haar, die Flimmerhärchen oder die Sensorstängel zu Berge standen, wurde der Blitz nicht von den wirklich hässlichen Sachen wie etwa Gammastrahlen begleitet. Doch auch die Dankbarkeit dafür würde bis später warten müssen - im Augenblick war Den zu sehr damit beschäftigt, sich unter einen Tisch in der Cantina zu kauern, als dass er imstande gewesen wäre, über irgendetwas anderes nachzudenken als über Flucht. Die vergangene Stunde über hatten Transporter Patienten nach oben gebracht, und er wusste, dass als Nächstes zivile Mitarbeiter wie er selbst an der Reihe waren. Dann kamen die Offiziere und schließlich - vorausgesetzt, dass dann noch welche von ihnen übrig waren - die Klontruppen.

Soweit es ihn betraf, war dieser Befehl in allerbester Ordnung. Er hatte die Absicht, der Erste in der Zivilistenschlange zu sein.

I-Fünf duckte sich neben ihm unter dem Tisch. Die Fotorezeptoren des Droiden waren dunkel. Als sich das Spiel der Elementarkräfte dem Höhepunkt näherte, hatte er sich dazu entschieden, sich selbst abzuschalten. Obgleich seine Abschirmung normalerweise ausreichte, um elektromagnetischen Impulsen standzuhalten, gab es keinen Grund, ein Risiko einzugehen. Er hatte gerade erst die Erinnerung zurückerlangt, und er wollte nichts davon wieder verlieren.

Den legte den Hauptschalter hinten in I-Fünfs Nacken wieder um. »Zeit zu verschwinden«, sagte er.

»Für Sie vielleicht. Wenn ich mich recht erinnere, werden die Droiden planmäßig erst nach den Soldaten evakuiert.«

Den packte I-Fünfs Hand und zog ihn auf die Tür zu. Die Cantina war nahezu verwaist. Die Belegschaft und die Barkeeper waren bereits bei den Startfeldern und warteten darauf, an Bord gehen zu können. Er beäugte mehrere Behälter mit klassischen Weinen und Spirituosen, die er gern mitgenommen hätte, aber irgendwie bezweifelte er, dass sie als das absolut Notwendige durchgehen würden.

»Du bist kein Droide«, sagte Den, als die beiden das Gebäude verließen und in den rauchverhangenen Nachmittag hinaustraten.

»Bin ich nicht?«

»Nö, du bist ein diplomatischer Gesandter, unterwegs auf einer Mission für die Jedi. Damit stehst du ganz vorne in der Schlange.« Eine Mörsersalve, die weniger als einen Klick entfernt einschlug, ließ Dreck auf sie herniederregnen. »Vorausgesetzt, wir schaffen es bis dahin«, fügte er hinzu.

»Haben wir das nicht schon einmal durchgemacht, vor ein paar Monaten?«

»Ja. Abgesehen davon, dass sie beim letzten Mal bloß versucht haben, die Frontlinien weiter nach vorn zu verlagern, um noch mehr Bota einsacken zu können. Diesmal wollen sie uns ausrotten. Sie haben so gut wie nichts mehr zu verlieren.«

Eine weitere Explosion, diesmal entschieden zu dicht. Dieses Mal wurden kaum Bemühungen unternommen, das Lager abzubauen, fiel Den auf. Die Arbeitsdroiden konzentrierten sich darauf, Vorräte zu retten und was immer noch an brauchbarem Bota übrig war.

Den stolperte und stürzte beinahe in einen Granatkrater. Nur, weil I-Fünf ihn so rasch am Arm packte, blieb er auf den Beinen.

»Die Startzone ist weiter vorne«, erklärte der Droide. »Noch etwa fünfzehn Meter.«

Den versuchte zu antworten, doch mit einem Mal war überall beißender Rauch, der seine Nasenlöcher füllte. Er hustete, schnappte nach frischer Luft und fand keine.

Plötzlich spürte er, wie er hochgehoben wurde. I-Fünf trug ihn, bewegte sich mit großen Schritten rasch auf das Startfeld zu. Den versuchte weiterhin zu atmen, und fühlte sich weiterhin kläglich.

Er trägt mich viel müheloser, als ich Zans Quetarra-Koffer getragen habe, dachte er. Das war der letzte zusammenhängende Gedanke, den er für eine Weile hatte.

 






42. Kapitel

»Seht doch, er kommt zu sich!«, hörte Jos Barriss' Stimme. Sie klang hohl, als würde sie aus einem Brunnen widerhallen. Er versuchte, seine Augen zu öffnen, doch weißes Licht versengte sie.

»Zan«, krächzte er. »Tu das nicht! Stirb nicht...«

Aber es war zu spät. Jos wusste, dass er, wenn er seine Augen öffnete, Zans leblosen Körper sehen würde, der dort auf dem Deck hingestreckt lag. Doch er wollte seine Leiche nicht sehen, nicht noch einmal...

»Jos.« Er spürte sanfte Hände auf sich. »Jos, ich bin's, Barriss. Alles ist in Ordnung. Kommen Sie zu uns zurück!«

Jos schlug die Augen auf. Diesmal war die Helligkeit nicht so schlimm. Er blinzelte und konzentrierte sich auf Tolk, die ihn tränenreich angrinste. »Wo sind wir?«

»Auf Krankenstation eins, auf dem MediStern«, sagte sie.

Jos stemmte sich auf einem Ellbogen in die Höhe. »Au!« Sein Schädel tat weh. Er berührte den Synthfleischverband an seinem Kopf. Uli drückte ihn behutsam wieder nach unten. »Ganz langsam, du Teufelskerl! Du hast Glück, dass du noch lebst. Das Dach ist auf dich gekracht. Du hast mal wieder eine Gehirnerschütterung.«

»Merit«, flüsterte Jos. »Was ist passiert? Ist er ...?«

»Er ist tot, Jos«, sagte Barriss sanft.

Jos sah Colonel Vaetes und Admiral Kersos hinter Tolk und Barriss stehen. Er sagte: »Merit hat versucht abzuhauen. Ich habe ihn erschossen.«

Vaetes sagte: »Sie haben das Richtige getan, Jos.«

»Ja«, stimmte Onkel Erel zu. »Du hast einen gefährlichen feindlichen Agenten an der Flucht gehindert und dabei dein eigenes Leben riskiert.

Als Uli, der Sicherheitsdienst und ich dort eintrafen, fanden wir dich bewusstlos und Merit tot vor. Er hatte einen Miniblaster im Ärmel, doch er hatte keine Gelegenheit, ihn zu benutzen. Uli hat dich im Transporter wieder zusammengeflickt.« Er hob in einem langsamen Salut seine rechte Hand. »Gut gemacht, Captain.« Er ließ die Hand ruckartig sinken und fügte hinzu: »Ich bin stolz auf dich, Neffe.«

»Ich bin mir nicht sicher ...«, sagte Jos.

»Worüber bist du dir nicht sicher?«

»Ob ich es getan habe, weil ich wusste, dass er noch mehr Tod und Leid verursachen würde, oder ...« Er brach ab.

»Wegen Zan?«, sagte Tolk.

Jos nickte.

»Das spielt keine Rolle. Er musste aufgehalten werden. Das hast du getan. Über alles Übrige kannst du dir später noch klar werden. Wir haben jede Menge Zeit.«

Das stimmte - er hatte es getan. Er hatte ein anderes vernunftbegabtes Wesen umgebracht. Ganz gleich warum, ganz gleich, ob das gut war und er einen triftigen Grund dafür gehabt hatte. Er, ein Arzt, hatte ein Leben vernichtet. Jos wusste, dass ihm das einige schlaflose Nächte bescheren würde.

Doch wie Tolk angemerkt hatte, was hätte er sonst machen sollen?

Jos schickte sich an, verwirrt den Kopf zu schütteln, und stöhnte dann. »Ganz ruhig!«, sagte Uli. »Gib dem Knochenkleber Gelegenheit, sich zu festigen!«

»Und die Flehr? Was ist passiert?«

»Sehen Sie selbst!« Dichtbei ertönte Dens Stimme. Gerade waren der Reporter und I-Fünf hereingekommen, und Den wies auf ein Sichtfenster. Tolk und Barriss halfen Jos behutsam auf die Beine.

Der untere Quadrant des Südkontinents schien in Flammen zu stehen - dichte Rauchwolken breiteten sich in der oberen Atmosphäre aus, trieben über die Kondrus-See.

»Tschüss, Bota«, murmelte Den.

Vaetes sagte: »Die Separatisten sind ebenfalls auf der Flucht. Es ist uns gelungen, den Großteil unserer Truppen zu retten.«

»Wie?«, fragte Uli. »Es sah aus, als würden sie einfach über uns hinwegrollen.«

»So«, sagte Vaetes und wies auf ein anderes Fenster. Uli ging hinüber und schaute hinaus. »Wow!«

Barriss blickte durch das Sichtfenster auf ein gigantisches, keilförmiges, waffenstarrendes Raumschiff, das langsam auf sie zukam. »Das ist ein republikanischer Sternenzerstörer«, sagte sie. »Venator-Klasse.«

»Die Resolution. Hierhergeschickt, um aufzuräumen und uns zurück in die Kernsysteme zu eskortieren«, ergänzte der Admiral. »Die Schlacht von Drongar ist vorüber. Da unten ist jetzt nichts mehr übrig, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wir sind mit ungefähr zwei Tonnen Bota davongekommen, die unsere Droiden momentan so schnell in Karbonit versiegeln, wie sie nur können. Bislang liegen noch keine Informationen darüber vor, wie viel die Separatisten abbekommen haben.«

»Angesichts der Intensität ihres Flächenbombardements wäre ich überrascht, wenn viel für sie übrig geblieben ist«, grübelte Vaetes.

»Ich muss mich jetzt hinlegen«, sagte Jos. »Ich bin ein bisschen müde.«

Barriss und Tolk halfen ihm, sich wieder aufs Bett zu legen. Das fühlte sich wundervoll an. Er schloss die Augen, und die verschiedenen Gespräche um ihn herum verschmolzen zu einem weit entfernten Brummen, wie die Geräusche von Flatterstechern und Feuerschnaken an einem heißen drongarianischen Abend...

 

Barriss hörte den verschiedenen Unterhaltungen um sich herum mit halbem Ohr zu, während sie darüber nachgrübelte, wie am Ende alles ausgegangen war. Zwei Tonnen unverdorbenes Bota schienen ihr ein geringer Lohn für all den Tod und den Schmerz zu sein, mit dem sie bezahlt hatten. Sie bemerkte, dass Den sie ansah, ein kleines Lächeln auf dem Gesicht, und lächelte zurück.

I-Fünf kam zu ihr herüber. »Ich nehme an, meine Mission nach Coruscant hat nicht mehr länger dieselbe Priorität wie zuvor«, sagte er, »da Ihr ja ebenfalls dorthin zurückkehrt.«

»Stimmt. Aber behalte die Ampulle mit dem Extrakt! Bis hin zum Kern sind es immer noch etliche Parsecs, da kann viel passieren.«

I-Fünf zögerte. »Wie Ihr Euch vorstellen könnt, neige ich für gewöhnlich nicht dazu, dergleichen zu sagen. Doch irgendetwas treibt mich an...«

»Intuition?«, unterbrach sie ihn mit einem Lächeln.

»Vielleicht. Wie auch immer ... möge die Macht mit Euch sein, Jedi Offee!«

Sie nickte anerkennend und legte ihm eine Hand auf die

Schulter. »Viel Glück bei deiner Suche, I-Fünf. Möge die Macht auch mit dir sein!«

Er entfernte sich, und sie drehte sich um und schaute ein weiteres Mal durch das Sichtfenster. Sie sah, dass sie die Umlaufbahn verließen. Drongar blieb bereits hinter ihnen zurück, während sich die MediStern-Fregatte, begleitet von der Resolution, mit interplanetarer Geschwindigkeit entfernte.

Ihr Auftrag war vorüber. Wenn alles gut ging, würde sie in einigen Standardtagen wieder im Jedi-Tempel vor Meisterin Unduli stehen - dieses Mal nicht als Padawan, sondern als voll ausgebildete Jedi-Ritterin. Sie fragte sich, welche neuen Aufträge, welche neuen Abenteuer hiernach auf sie warten mochten.

Was immer sie erwartete, Barriss Offee wusste, dass sie sich jeder Herausforderung stellen würde, sicher in der schützenden Umarmung der Lebendigen Macht.

 

»Nun«, sagte Den zu I-Fünf. »Sieht aus, als würde deine Reise nach Coruscant dich am Ende doch nicht so viel kosten.«

»Alles, was dazu nötig war, war die Zerstörung eines halben Planeten. Kostspielig, wenn Sie mich fragen«, entgegnete der Droide. »Und was ist mit Ihnen, Den Dhur? Wohin wollen Sie?«

Den blähte nachdenklich seine Wangenlappen auf. »Eigentlich sollte ich mich auf den Weg nach Sullust machen. Dort warten ein sehr attraktives Weibchen und ihr Clan auf mich, weißt du? Auf meinem Heimatplaneten halten sie große Stücke auf mich.«

»Das sagten Sie bereits - mehrmals.«

Den seufzte. Ein Leben patriarchaler Verehrung und stummer Wertschätzung. Als er auf Drongar sein halbes Körpergewicht ausgeschwitzt hatte, war es leicht gewesen, nostalgische Gefühle für seine Heimatwelt aufzubringen. Doch jetzt fiel ihm wieder einer der Hauptgründe dafür ein, warum er den Planeten damals überhaupt erst verlassen hatte: Sullust war langweilig.

»Andererseits wird Eyar auch erst nach einer Weile dort eintreffen. Also kein Grund zur Hektik.«

»Im Südlichen Untergrund von Coruscant kann man gutes Geld verdienen, wenn man, sagen wir, eine Brautgabe braucht«, erklärte I-Fünf. »Und ich hätte nichts gegen einen Geschäftspartner einzuwenden, der die Behörden davon abhält, sich Gedanken darüber zu machen, wem ich wohl gehöre. So ärgerlich ich eine derartige Ausflucht auch finde, ist sie doch manchmal notwendig.«

Den nickte. An den Sabacc-Tischen in Läden wie dem Outlander Club ließ sich stets leichte Beute finden. Es konnte gewiss nicht schaden, ein paar Credits zu machen, während er noch ein bisschen über Eyars Angebot nachdachte ...

Er schaute zu dem Droiden auf. »I-Fünf«, sagte er. »Ich glaube, dies könnte der Beginn einer gewinnbringenden Geschäftsbeziehung sein.«







Epilog

Später, nachdem die anderen den Raum verlassen hatten, nahmen Jos Vondar und Tolk le Trene einander in den Arm und betrachteten durch das Sichtfenster das Sternenfeld, als das Schiff das drongarianische System verließ. »Bist du sicher, dass du das tun willst?«, fragte sie.

Er nickte. »Ich bin mir sicher. Und du?«

Sie grinste. »Ich gehe dahin, wo du hingehst. Versprich mir nur, dass ich nicht die Köchin oder die Putzfrau sein muss.«

»Wenn es zu hart wird, gehen wir einfach wieder«, meinte Jos. »Ich habe nicht vor, dich das Leben einer Ausgestoßenen führen zu lassen. Doch ich schulde meiner Familie - und dir - einen letzten Versuch.«

Hinter ihnen ertönte eine Stimme. »Immerhin ein Familienmitglied ist schon auf eurer Seite.« Überrascht drehte Jos sich um und erblickte Großonkel Erel, der sie vom Türrahmen aus anlächelte.

»Ich habe um meine Versetzung zur Borellos-Basis auf Corellia gebeten«, sagte er. »Wenn du dorthin zurückkehren und diesen Vorurteilen die Stirn bieten kannst, Jos, kann ich da schwerlich zurückstehen.«

Jos starrte ihn ungläubig an. »Ist das dein Ernst?«

»Absolut. Ich habe praktisch mein ganzes Leben allein verbracht. Jetzt, wo ich endlich etwas Familie gefunden habe, habe ich nicht vor, sie wieder aufzugeben.«

Tolk umarmte ihn. »Dann willkommen daheim, Onkel Erel!«

Als er die beiden anschaute, seine Braut und seinen Onkel, wurde Jos klar, dass dieses ganze Kämpfen und die Jagd nach dem Wundermittel dieser Epoche zumindest in einer Hinsicht sinnlos gewesen waren. Denn das wahre Allheilmittel für die Probleme, die die Menschheit oder jede andere empfindungsfähige Spezies plagten, ob nun organisch, kybernetisch, Klon oder anderer Natur, war bereits entdeckt worden, vor Tausenden von Jahren, damals, als die fühlenden Wesen noch argwöhnisch zu den Sternen emporspähten. Mochte man es nun die Macht nennen, mochte man es Liebe nennen, mochte man es nennen, wie man wollte - Jos wusste, wo man es finden konnte: nicht in den Sümpfen einer fernen Welt, sondern in den unerforschten Regionen des Herzens.

Das Kom knisterte. Eine Stimme ermahnte sie, sich auf den Sprung in den Hyperraum vorzubereiten. Jos nahm Tolks Hand, als der Hyperantrieb des Schiffs ansprang, und dann ließen sie den Äußeren Rand hinter sich und schossen auf das helle Zentrum der Galaxis zu.