die sie überprüft hatte, waren sauber, aber sie empfing kein Signal. Irgendetwas störte die Frequenz. Sie bekam nicht einmal eine Trägerhyperwelle von einem anderen Planeten herein, und sie hatte keine Ahnung, warum das so war. Vielleicht lag es an irgendeiner Militäroperation - es war absolut möglich, dass die Republik oder die Separatisten unlängst irgendein Gerät zum Einsatz gebracht hatten, mit dem sich ein Planet erfassen ließ und Übertragungen wie die ihre blockiert werden konnten. Oder konnte es sich dabei um ein natürliches Phänomen handeln? Im Realraum gab es Magnetstürme und Fluxwirbel, die manchmal einen Subraumnachhall erzeugten und Kom-Signale unterbrachen. Drongar Prime war eine heiße Sonne. Ihre Eruptionen waren dafür mit Sicherheit stark genug...

Barriss machte eine frustrierte Geste. Es hatte keinen Sinn zu theoretisieren - sie musste mit jemandem reden, der mehr über die Macht wusste als sie, um ihre Erfahrung weiterzugeben und zu entscheiden, was - falls überhaupt - deswegen unternommen werden musste. Sobald sie in ihre Unterkunft zurückgekehrt war, hatte sie erneut die Kom- Einheit ausprobiert, aber natürlich funktionierte sie immer noch nicht.

Allerdings gab es noch eine andere Möglichkeit, eine elegant einfache Möglichkeit, nämlich, eine weitere Dosis Bota zu nehmen. Sie war sich fast sicher, dass sie so ziemlich alles in Erfahrung bringen konnte, sobald sie sich wieder in diesem unbeschreiblichen Zustand befand, in dem sie zuvor gewesen war, wenn sie diesmal von vornherein damit rechnete und darauf vorbereitet war. Diese Erfahrung barg alle möglichen Arten von Wissen in sich. Sie konnte die Wahrheit dieser Erkenntnis noch immer fühlen. Sobald sie die Rahmenbedingungen dieses Ereignisses verstand, konnte Barriss dem Jedi-Rat etwas von unschätzbarem Wert präsentieren. Sie vermochte sich die Wunder nicht einmal vorzustellen, die ein wahrer Jedi-Meister vollbringen konnte, während ihn diese Kraft erfüllte. Dass die kleine Handvoll derer, die vom Orden übrig waren, womöglich den Verlauf des Krieges beeinflussen, Dookus Streitkräfte ohne Weiteres bezwingen und den Frieden in der Galaxis wiederherstellen konnte, wenn sie bloß Zugriff auf diese Art von Macht hatten, die Barriss erfahren durfte. Sie wusste, dass das stimmte. Sie hatte das Gefühl gehabt, das alles sogar ganz allein vollbringen zu können, daher wusste sie, dass schlichtweg alles möglich wäre, wenn sich diese mystische Kraft in den Händen von Luminara, Obi-Wan oder Yoda befand.

Aber ... konnte sie sich angemessen darauf vorbereiten, um sich von Neuem von dieser gewaltigen, allmächtigen Woge davontragen zu lassen? Es schien absolut möglich, dass sie Barriss das nächste Mal einfach überrollen würde, ohne dass es ihr gelang, sich freizukämpfen. Vielleicht würde die Welle sie für sich behalten und sie nie wieder loslassen, um sie irgendwie in etwas zu verwandeln, das vollkommen über ihre Erfahrung oder die von irgendwem sonst hinausging...

Barriss seufzte. Das hier überstieg ihre Fähigkeiten, ihr Talent, ihre Gabe. Sie brauchte Hilfe, doch hier gab es niemanden, der imstande gewesen wäre, sie ihr zu gewähren. Es hatte den Anschein, als wäre sie besser dran, nichts zu tun, bis sie mit Meisterin Unduli sprechen konnte.

Doch das war keineswegs so einfach, wie es sich anhörte. Die Erinnerung an die Kraft, so furchteinflößend sie auch sein mochte, weckte trotz allem ein schier unbändiges Verlangen in ihr. Ihr Ruf war so verlockend. Obwohl sie Angst davor hatte, sehnte sie sich danach, es erneut zu versuchen.

Das würde einfach sein. Praktisch nur einen Arm weit entfernt befanden sich mehrere mit dem Destillat aufgezogene Injektoren. Es war eine Frage von Sekunden, sich einen davon zu schnappen, ihn gegen ihr Fleisch zu drücken, den Abzug zu betätigen...

So einfach...

Barriss schlang ihre Arme um sich und erschauderte, von einer Kälte erfüllt, die nichts mit dem Schnee draußen zu tun hatte.

 






20. Kapitel

»Jos, mein Freund. Wie geht es Ihnen?«

Jos sah den Mentalheiler an. »Nun, um ehrlich zu sein, hatte ich schon bessere Tage. Bessere Monate. Jahrzehnte.«

»Ach?«

Jos wand sich unbehaglich - eine schwierige Herausforderung in dem Formsessel, der sich bemühte, sich jeder seiner Bewegungen anzupassen, um ihm die jeweilige Sitzposition so bequem wie möglich zu machen. »Sie, äh, wissen ja über Tolk und mich Bescheid.«

Der Equani legte seine Finger zusammen. »Glücklicherweise bin ich letzthin weder taub noch blind geworden.«

»Tja, nun ... Ich dachte eigentlich, wir beide wären wie ein Landgleiter mit modifizierter Oberwelle unterwegs. Aber in letzter Zeit ist sie ... abgekühlt.«

»Wieso das?«

Jos seufzte. Alles an Klo und seinem Büro war darauf gemünzt, beruhigend zu wirken - sein Verhalten, das Dekor, der Formsessel des Patienten -, doch irgendwie war Jos trotzdem noch nicht so recht in der Lage, sich zu entspannen, wenn er herkam. Es war nicht so, dass er Klo oder diesem ganzen Mentalheiler-Kram kein Vertrauen entgegenbrachte, so wie es viele aus seiner Familie taten. Obwohl er einer langen Ahnenreihe von Medizinern entstammte, standen viele seiner unmittelbaren Vorfahren dem Konzept des Heilens durch Mentaltherapie skeptisch gegenüber. Und obgleich sein Vater das niemals rundheraus zugegeben hätte, wusste Jos, dass Vondar senior wesentlich wohler dabei war, Depressionen, Angstzustände, Schizophrenie und dergleichen mit Anpassungen des Dopamin-, Serotonin- und Somatostatinspiegels zu kurieren, anstatt durch mitfühlende Reaktionen. Jos sagte sich, dass er diese Vorurteile nicht teilte, aber dennoch war er in Merits Büro stets verkrampft.

Er war sich nicht sicher, warum er diesmal hergekommen war. Er hatte keinen Termin gehabt, er hatte einfach Merits Freizeit für einen Besuch genutzt. Er musste dieses Problem mit irgendjemandem besprechen, und sein Mitbewohner war nicht einmal so alt wie einige von Jos' Stiefeln.

»Tolk und ich kamen bestens miteinander zurecht ... Dann ist sie nach oben gegangen, um auf dem MediStern an einem medizinischen Lehrgang teilzunehmen. Sie war dort, als die Decks in die Luft flogen - und seit sie zurück ist, ist sie unterkühlter als der Schnee draußen vor Ihrem Fenster.«

Merit nickte. »Was denken Sie, woran das liegt?«

»Wenn ich das wüsste, wäre ich nicht hier, oder?«

»Haben Sie beide sich wegen irgendwas gestritten?«

»Nein.«

Merit nickte und lehnte sich im eigenen Formsessel zurück, der sich auch prompt justierte, um sich der Gewichtsverlagerung und den Konturen neu anzupassen. »Nun, das Unglück hat eine Menge Leute erschüttert.«

»Nach allem, was ich gehört habe«, sagte Jos, »war das kein Unglück.«

Merit zuckte die Schultern. »Mir sind diese Gerüchte ebenfalls zu Ohren gekommen. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass die Machthaber wollen, dass wir genau das denken - denn falls es Sabotage war, ist der Sicherheitsdienst damit aus dem Schneider. Die Republik ist nicht immun gegen die Pass-auf-was-in-deinem-Rücken-vorgeht-Krankheit.«

Das wusste Jos selbst. »Barriss sagt, das Ganze war Vorsatz. Ich glaube ihr.«

»Nun, für unsere Unterhaltung ist das eigentlich nicht weiter von Belang. Ganz egal, ob die Explosion ein Unfall oder Absicht war, es scheint, als würde das dadurch ausgelöste Trauma Tolk möglicherweise mehr zu schaffen machen, als sie zugibt.«

»Das dachte ich auch. Aber ich verstehe nicht wieso. Auf dieser Station sterben in jedem beliebigen Monat - manchmal sogar in einer Woche - mehr Leute, als bei der Medi-Stern-Explosion umgekommen sind. Oft versorgt Tolk sie, wenn sie sterben, schaut ihnen direkt in die Augen. Warum sollte ihr das weniger ausmachen als das Ableben von einem Haufen Leute, die sie nicht kannte und mit denen sie nichts zu tun hatte?«

»Das kann ich nicht sagen.« Klo hielt inne, als würde er über etwas nachdenken.

»Was ist?«

»Nichts.«

»Ich bin zwar kein Gesichtsleser, Jedi oder Mentalheiler, Klo, aber ich bin auch nicht gerade eben erst vom Melknollen-Frachter gefallen. Was ist los?«

»Wie gut kennen Sie Tolk? Ich meine, ja, Sie haben während Ihrer Dienstzeit hier mit ihr zusammengearbeitet und sind mit ihr eine, wie ich annehme, körperliche Beziehung eingegangen?«

»Diese Annahme ist korrekt.«

»Aber ... was wissen Sie über ihren persönlichen Hintergrund? Über ihre Familie, ihre politischen Ansichten, ihre gesellschaftliche Herkunft?«

»Worauf wollen Sie hinaus?«

»Vielleicht hat sie Gründe dafür, verstimmt zu sein, die Ihnen nicht klar sind. Vielleicht gibt es da etwas in ihrer Vergangenheit, das sie Ihnen vorenthalten hat.«

»Ich glaube nicht, dass mir die Richtung gefällt, in die diese Unterhaltung steuert.«

Der Mentalheiler hob beschwichtigend die Hand. »Ich hatte nicht die Absicht, Tolk zu beleidigen«, beteuerte er. »Ich möchte bloß darauf hinweisen, dass es, wie Sie selbst angemerkt haben, scheinbar keinen offensichtlichen Grund dafür gibt, warum die Explosion auf dem MediStern sie mehr aufwühlen sollte als die alltäglichen Vorkommnisse hier bei der Einheit. Darum könnte es möglicherweise einen anderen Grund für ihr Verhalten geben.«

Jos blinzelte ihn an. »Wollen Sie damit andeuten, sie hatte irgendetwas damit zu tun?«

»Natürlich nicht, Jos. Bloß, dass Tolk offenbar irgendetwas zu schaffen macht, von dem Sie nichts wissen. Falls Sie irgendeine Ahnung hätten, was das sein könnte, könnten Sie das Problem vielleicht aus der Welt schaffen. Zumindest hätten Sie dann mehr Werkzeuge, mit denen Sie arbeiten könnten.«

Jos brütete vor sich hin. »Bislang war es mir nicht möglich, sie dazu zu bringen, mit mir über irgendetwas Wichtiges zu reden.«

»Und genau aus diesem Grund mangelt es Ihnen an genügend Informationen, um auch nur eine nachvollziehbare Vermutung anzustellen. Vielleicht sollten Sie schauen, ob Sie mehr herausfinden können. Womöglich ist es gar nichts Ernstes - beispielsweise irgendein altes Trauma in Zusammenhang mit ihrer Familie oder ihren Freunden, das alte Erinnerungen aufgewühlt hat. Aber bis Sie weitere Hinweise gesammelt haben, ist alles andere Spekulation«, erklärte Klo. »Das führt auf Dauer zu nichts.«

Jos nickte. Klo hatte recht. Er musste mit Tolk über diese Sache sprechen, musste herausfinden, was ihr wirklich zu schaffen machte.

 Zusammen würden sie damit fertigwerden, ganz gleich, worum es