Sie lächelte wieder. Gut. Zumindest hatte sein Wutanfall sie nicht gegen ihn eingenommen. Sie war wunderschön. Wie lange war es her, seit er auch nur mit einer Angehörigen seiner Spezies am Tisch gesessen hatte, ganz zu schweigen davon, mit ihr die Lappen zu klatschen? Zu lange.

Da kam ihm ein Gedanke. »Nun, verzeiht! Aber eigentlich sollten sie doch in der Lage sein, Teddel zu reparieren und sie wieder so gut wie neu zu machen, sobald der Antrieb eintrifft, den sie bestellt haben, oder?«

Es folgte ein weiterer Augenblick frostigen Schweigens. Dann sagte I-Fünf beinahe sanft: »Sie haben keinen neuen Antrieb angefordert, Den. Das Militär wird das Unternehmen entschädigen, dem Teddel gehört, aber sie sehen keinen Anlass dazu, die Reparaturen doppelt zu bezahlen.«

Den starrte ihn an. »Kark!«, entfuhr es ihm.

»Eine treffende Äußerung«, entgegnete I-Fünf.

Merit teilte die Karten aus.

 






19. Kapitel

Endlich war es Jos gelungen, sich eine Jacke und ein Paar Thermohandschuhe zu besorgen, was nur bedeuten konnte, dass die Kuppel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bald repariert sein würde. Es schien, als würde sich die Notwendigkeit für etwas jedes Mal in Kürze ganz von allein erledigen, sobald er loszog, um der Situation Rechnung zu tragen. Doch zumindest für den Moment war er besser dran als vorher.

Er war gerade unterwegs zum Speisesaal, als sein Komlink piepste.

»Doktor Vondar, wir haben ein Problem im OP.«

»Ich habe frei...«, begann Jos.

»Ja, Sir, Colonel Vaetes weiß das, aber er bittet darum, dass Sie jetzt herkommen.«

»In Ordnung. Ich bin auf dem Weg.«

Im Operationssaal herrschte nur wenig Betrieb. Sie hatten bloß ein paar Patienten. Ein halbes Dutzend Ärzte und Schwestern hatte sich um einen der Tische versammelt, darunter auch Vaetes. Er wandte sich um, sah Jos und trat von dem Patienten weg, der durch die Gruppe vor seinen Blicken verborgen blieb.

»Colonel? Was gibt es für ein Problem?«

»Haben Sie je einen Nikto operiert?«

Jos' Augenbrauen schossen in die Höhe. »Sie haben eine Hornfratze? Ich wusste nicht, dass es von denen auf diesem Planeten überhaupt welche gibt.«

»Ich fürchte doch. Einer von der Mannschaft, die auf den Bota-Feldern arbeitet. Ist über einen Artillerieblindgänger gefahren, der den Ernter in Stücke gerissen hat. Der Patient ist voller Schrapnell, und niemand hier hat je einen Nikto aufgemacht. Sie haben schon an jeder Menge Spezies rumgeschnippelt - irgendwelche Erfahrungen mit dieser?«

Jos stieß ein Seufzen aus. »Nicht seit meinem ersten Jahr im Chirurgiedienst. Eigentlich bin ich nicht qualifiziert, das zu...«

»Niemand sonst hier hat je auch nur ein Skalpell an einen gelegt, Jos. Nicht einmal Lieutenant Divini. Was immer Sie wissen, ist besser als das, was wir nicht wissen.«

Er hatte recht. »Ich mache mich fertig«, meinte Jos.

»Danke. Tolk ist schon da.«

Jos nickte.

Er wusch sich schnell die Hände, ehe die diensthabende Sterilisationsschwester ihm in seinen Kittel und die Handschuhe half, dann trat er an das Feld heran. Auf der anderen Seite des OP-Tisches sah er Tolk, die die Instrumente sortierte. Er hatte gehofft, einen besseren Eindruck von ihrer Gefühlslage zu bekommen, doch ihnen schaute eine Menge Leute zu, und unter diesen Bedingungen wollte er nicht mit ihr reden.

Als hätte irgendeine gelangweilte Kriegsgottheit seine Gedanken gelesen, ertönte das Dröhnen von Medibergern.

»Neuzugänge, Leute!«, rief Vaetes. »Jos, kriegen Sie das hin?«

»Vermutlich nicht, aber wenn Sie mir die ganze Zeit über die Schulter gucken, wird das auch nicht viel ändern. Gehen Sie ruhig! Wenn ich ein Problem kriege, schreie ich.«

Die Zuschauer gingen hinaus, um Jos, Tolk und die umhereilenden Sterilisationsdroiden allein zu lassen. Jos schaute durch das Feld. Das Funkeln und Glitzern der Deckenleuchten, das sich in der elektrostatischen Barriere fing, verlieh Tolks maskiertem Antlitz ein fast übernatürliches Aussehen. Selbst mit Haube und Maske, dachte er, ist sie wunderschön.

»Hey«, sagte er.

»Hey«, erwiderte Tolk. Ihre Augen über der Maske schienen nicht zu lächeln. Sie schaute ihn nicht an.

Jos musterte den Patienten. Vom Äußeren her waren Nikto Reptilien, mit ein paar Dutzend kleinen Hörnern, die das Gesicht und den Scheitel umringten, und zwei größeren am Kinn. Es gab vier oder fünf verschiedene Subspezies. Dieser hier besaß grünlich-graue Haut, was bedeutete, dass es sich um einen Berg- und Waldbewohner handelte. Seine Kleidung war weggeschnitten worden und er hatte mehrere behandelte Wunden am Oberkörper.

Das Prozedere würde dasselbe sein wie bei jedem anderen Patienten auch, zumindest im Hinblick darauf, dass Jos den Wundkanälen folgen und das Schrapnell herausholen musste, um anschließend die verletzten Organe zu flicken. Und er würde mit dem arbeiten müssen, was ihm zur Verfügung stand, da er sich ziemlich sicher war, dass sich in der Organbank keine geklonten Nikto-Körperteile befanden.

An die Granatsplitter heranzukommen, würde nicht einfach sein. Die Schuppen des Niktos hatten sich verschoben und verdeckten die Eintrittspunkte. Das war eine automatische Reaktion, die sich im Laufe von Jahrtausenden entwickelt hatte, um die Wunden so steril und geschützt wie möglich zu halten, bis sie verheilt waren. Normalerweise funktionierte das ziemlich gut - doch normalerweise steckten auch nicht mehrere große Brocken Durastahl in den Eingeweiden eines Nikto.

»Wir müssen die Muskeln genügend entspannen, dass es uns möglich ist, seine Bauchschuppenplatten anzuheben«, sagte er zu Paleel, der diensthabenden Schwester, die noch nicht steril geschrubbt war. »Finden Sie heraus, wie man das hei einem Nikto bewerkstelligt!«

»Das habe ich bereits«, entgegnete die Schwester. »Myoplexaril, Variante vier. Drei Milligramm pro Kilo Körpergewicht, intravenös verabreicht.«

»Okay. Was wiegt er?«

»Sechzig Kilogramm.«

Jos rechnete das durch. »Geben Sie ihm hundertachtzig vom Myoplexaril, V-vier, IV.«

Irgendjemand hatte bereits eine Infusion gelegt, einen langsam fließenden Tropf, dessen Ziel es war, die Vene offen zu halten, was gut war. Intravenöse Infusionen waren bestenfalls eine primitive Maßnahme, und darüber hinaus hatte es Jos nie Spaß gemacht, sie bei Reptiloiden zu legen - unter geschuppter Haut eine Vene zu finden, war stets eine Herausforderung. Doch gegenwärtig waren alle osmotischen Tröpfe in Gebrauch, deshalb musste er mit dem zurechtkommen, was verfügbar war. Threndy, die andere OP-Schwester, zog einen Injektor mit Muskelrelaxans auf, überprüfte noch einmal die Arzneiampulle und die Dosierung und drückte den Injektor gegen den Auslass der Infusion.

Es würde einen Moment dauern, bis das Pharmazeutikum Wirkung zeigte. Jos sagte: »Threndy, warum sortieren Sie die Instrumente nicht zu Ende? Paleel, gehen Sie und holen Sie ein zweites Reptiloiden-Besteck, nur für alle Fälle! Tolk, komm hier rüber und hilf mir, die Wunden einzustufen!«

Die Schwestern kamen seiner Aufforderung nach.

Wenn sie ihre Stimmen gesenkt hielten, konnten er und Tolk, die jetzt neben ihm stand, eine private Unterhaltung führen. »Bist du in Ordnung?«, fragte er.

Sie hielt ihren Blick auf den Patienten gerichtet. »Mir geht es gut.«

»So wirkst du aber nicht. Seit du vom MediStern zurück bist, scheinst du, nun ... ganz woanders zu sein.«

Sie sah ihn an und dann wieder den Patienten. »Sieht so aus, als hätte es den hier an der Milz erwischt - sofern die überhaupt eine Milz haben.« Sie wies mit einem Stillpflaster auf eine Stichwunde.

»Tolk.«

Sie seufzte. »Was willst du, dass ich sage, Jos? Das war kein Besuch in einem Vergnügungszentrum. Ich habe gesehen, wie Leute wie reife Knallbaumsamen ins Weltall hinausgeschleudert wurden. Die, die Glück hatten, waren sofort tot.«

»Hier sterben jeden Tag Leute«, hielt er dagegen. »Eigentlich schienst du damit bislang ganz gut klarzukommen.«

»Das ist nicht dasselbe«, sagte sie.

»Es ist ja nicht so, als wärst du dafür verantwortlich gewesen, Tolk.«

Sie warf ihm einen scharfen Blick zu und wollte gerade etwas sagen, als sich die Bauchplatten des Patienten entspannten und zurückwichen - woraufhin ein Strahl matt violetter Hämolymphe aus einer der jetzt freiliegenden Wunden hervorschoss und Jos' Brust besudelte.

Die nächsten paar Minuten waren sie damit beschäftigt, den Strom der lebenswichtigen Flüssigkeit zu stoppen. Darum kümmerten sich die Schwestern und Droiden, während Jos vom Tisch zurücktrat. Er würde seine Kleidung wechseln und sich nochmals waschen müssen. Was bedeutete, dass jetzt kein ernstes Gespräch mit Tolk stattfinden würde.

Verdammt!

Doch er hatte nicht vor, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Irgendetwas stimmte nicht, irgendetwas, das weit über das Trauma hinausging, das durch das Geschehene ausgelöst worden war. Es gab da etwas, das Tolk ihm nicht erzählte, und er würde keine Ruhe geben, bis er wusste, was es war.

 

Barriss Offee fiel es schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.

Vor ihr, in einem Bett auf der Genesungsstation, lag ein Klonsoldat - oder zumindest der größte Teil von ihm. Seine Beine waren von Schrapnell bis hoch zur Mitte des Oberschenkels zerfetzt. Die Lösung bestand darin, ihn mit kybertronischen Prothesen auszustatten - mit Roboterbeinen, die, sobald sie einmal mit einer Schicht Synthfleisch bedeckt waren, von echten Beinen praktisch nicht zu unterscheiden sein würden. Barriss'Job bestand darin, den Truppler mithilfe der Macht auf die Schaltkreistransplantate und Implantate vorzubereiten, indem sie die Schockreaktion seines Körpers abschwächte. Das war eine ziemlich einfache Aufgabe - es ging lediglich darum, das autonome Nervensystem zu beruhigen und die biologischen Resonanzmodifikatoren zu stimulieren. Das hatte sie zuvor schon Dutzende Male ohne Komplikationen getan. Es gab keinen Anlass anzunehmen, dass es dieses Mal anders sein würde.

Trotzdem konnte sie es nicht.

 

Seit ihr dieses Gleißen widerfahren war, diese »kosmische« Verbindung, hatte Barriss Angst davor gehabt, sich der Macht erneut zu öffnen. Obwohl es keinen logischen Grund dafür gab, sich davor zu furchten, fühlte sie sich dennoch jedes Mal wie gelähmt, wenn sie versuchte, mit der Macht in Verbindung zu treten.

Sie war sich darüber im Klaren, dass dies keine gute Situation war, besonders im Hinblick auf ihre Rolle hier auf dieser kriegsgebeutelten Welt. Obwohl in den letzten paar Tagen nur wenige Verletzte reingekommen waren, konnte Flehr Sieben jederzeit wieder mit Opfern überschwemmt werden, und wenn das passierte, wurden ihre Fähigkeiten gebraucht, um Leben zu retten. Sie konnte es sich nicht erlauben, hilflos zu bleiben.

Rein verstandesmäßig wusste sie das alles. Ihr Herz jedoch scheute immer noch vor der Verbindung zurück, die so lange Zeit ein Teil ihres Lebens gewesen war.

Schlimmer konnte es nicht werden.

Sie trug dem diensthabenden FX-7-Droiden auf, den Klon in Kurzzeit-Kryoschlaf zu versetzen. Angesichts des ungewissen Zustands, in dem sie sich befand, würde sie ihm keinen Gefallen damit tun, wenn sie jetzt versuchte, seine BRMs zu regulieren. Sie musste hier raus, um den Kopf freizubekommen. Vielleicht würde eine Partie Sabacc ihr dabei helfen ...

 

Barriss saß allein in ihrem Quartier und starrte die Wand an. Anfangs hatte sie Gesellschaft gesucht, doch mit ihren Freunden zusammen zu sein, hatte ihr nicht dabei geholfen, die Angelegenheit zu klären. Die Wucht ihrer Erfahrung - und sie war sich sicher, dass sie real gewesen war, keine Sinnestäuschung - hallte noch immer in ihr nach, auch wenn sie jetzt bloß noch ein schwaches Echo dessen war, was sie zuvor dargestellt hatte - das Tröpfeln eines einzelnen Regentropfens nach dem Tosen eines Sturms.

Dennoch hatten das Kartenspiel in der Cantina und der Smalltalk mit den Ärzten und Schwestern ihr nichts weiter gebracht, als dass sie das Thema für eine Weile verdrängt hatte. Sie konnte mit keinem ihrer Kollegen darüber reden - was sollte sie denn sagen? He, Jos, ich bin gerade eins mit der gesamten Galaxis geworden ... und wie läuft's bei diesem Fall von ortolanischem Nasenausfluss, mit dem du dich gerade herumschlägst?

Keiner von ihnen konnte ihr helfen, und sie kannte auch sonst niemanden, der diese Erfahrung selbst schon gemacht hatte - mit Sicherheit niemanden, der jetzt erreichbar gewesen wäre.

Falls überhaupt schon jemals jemand das erlebt hatte ...

Barriss wusste, dass sie nicht die klügste Jedi aller Zeiten war, aber sie war auch alles andere als dämlich. Sie wusste, was passiert war. Sie hatte sich, wenn auch unbeabsichtigt, eine ordentliche Dosis des Bota-Extrakts verabreicht. Sie zweifelte nicht daran, dass die unabsichtliche Injektion und ihre plötzliche, überwältigende Verbindung zur Macht Ursache und Wirkung gewesen waren. Sie kannte das Wie oder das Warum nicht, doch sie war sicher, dass die chemische Zusammensetzung des Wundermittels noch ein weiteres Wunder bewirkt hatte, diesmal, indem das Bota ihre Verbindung zur Macht in einem Maße verstärkt hatte, dass sie es immer noch nicht fassen konnte.

Als sie als Mädchen das erste Mal gelernt hatte, die Macht zu nutzen, hatte sie das Gefühl gehabt, bis dahin in einer dunklen Höhle gelebt zu haben, ehe man ihr endlich eine Lampe gegeben hatte, um ihren Pfad zu beleuchten. Von einem Moment zum anderen konnte sie sehen, während sie sich zuvor ihren Weg durch die Düsternis ertastet hatte. Das war ein Augenblick intensiver und tiefgreifender Offenbarung gewesen.

Verglichen damit war die Erfahrung, die sie nach dem Zwischenfall in der Krankenabteilung gemacht hatte, als hätte sie diese Lampe gegen ihre ganz persönliche Sonne eingetauscht - ein Unterschied, der damit zu vergleichen war, eine weite Fläche überblicken zu können, bis ganz zum Horizont, in allen Einzelheiten, anstatt bloß die Ecke eines einzigen kleinen Zimmers zu sehen. Es war, als wäre sie ein Fledermausfalke gewesen, fähig, in tausend Metern Entfernung eine Felsspitzmaus von der Größe ihres Daumens zu erspähen, anstatt eine blinde Granitschnecke zu sein, die kurzsichtig die paar Millimeter unmittelbar vor sich abgraste.

Was hatte das zu bedeuten?

Ihre erste Reaktion hatte darin bestanden, mittels Kom Kontakt zu ihrer Meisterin aufzunehmen. Luminara Unduli würde wissen, was das hieß, oder zumindest würde sie jemanden kennen, der dieses Wissen besaß. In jedem Fall gab es mit Sicherheit keinen Grund zu versuchen, selbst auf des Rätsels Lösung zu kommen, ganz gewiss nicht, wo ihr die umfangreichen Quellen des Tempel-Archivs zur Verfügung standen.

Und so hatte sie den Versuch unternommen, sich mit ihrer Meisterin in Verbindung zu setzen - doch ihre Kom-Einheit funktionierte nicht. Alles schien in Ordnung zu sein, alle Schaltkreise,