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„Es ist so – anders”, begann Eadric, weil er nicht wusste, wie er es sonst ausdrücken sollte. Kein trockener Schacht, in den er rau hineinstoßen musste, hatte ihn erwartet wie bei all den anderen Frauen. Nein, es war, als schlüpfte man in einen maßgeschneiderten Handschuh, der sich perfekt den eigenen Formen anpasste. Und noch dazu auf nie geahnte Weise feucht und glatt und einladend war. Als hieße ihr Schoß, genau wie ihr ganzer wunderbarer Leib, ihn willkommen.

„Was meint ihr?”, erwiderte sie und klang überrascht.

Wie es für sie wohl sein mochte? Anders als für die Mägde, die er sich nahm? Ihr schneller Atem schien echt, als er sie vorher geküsst hatte, dort unten, wo sie ihn hinbeordert hatte. Wo sie so herrlich nach Frau roch, schmeckte, wo er sie zucken spürte, mit seinen Liebkosungen in einen unwiderstehlichen Zustand versetzte, den mitzuerleben für ihn immens erregend war. Und nun dieses glatte Eindringen, das sie ihm geschenkt hatte…

„Es ging ganz – nun – leicht, ohne Widerstand”, er stammelte herum wie ein Narr, „anders eben. Als gleite man.”

Allein darüber zu reden, brachte sein Glied schon wieder zum Pochen. Er konnte sich kaum davon abhalten, in sie hineinzustoßen, wild und ungestüm, doch erst wollte er eine Antwort.

Sie lächelte ihn an, mit einer Wärme, die in ihn hineinfloss, und umfing wie ein warmer Sommertag. Strich ihm mit einer ihrer unvergleichlichen Gesten eine Strähne aus der Stirn.

„Sire, wenn eine Frau sich nach dem Mann sehnt, dann reagiert ihr Körper nun mal so.”

„Du sehnst dich also nach mir?”

Schneller gesprochen als gedacht. Erst nach und nach wurde auch seinem Kopf bewusst, was das bedeuten konnte. Sein Glied reagierte direkter, pulsierte wie wild, er hielt es nicht mehr aus, brauchte ihre Tiefe, Reibung, die Enge, welche ihn so lustvoll umschließen würde.

„Oh ja, das tu ich. Milord”, sagte sie. Einfach so. „Und nicht nur, wenn ich gerade bei Euch bin.”

Nicht nur, wenn ich gerade bei Euch bin. Das Echo ihrer Worte hallte in seinem Kopf, wurde dabei immer größer, mächtiger, bedeutsamer.

Sie sehnte sich nach ihm? Nach ihm, den Grobian, der von Frauen offenbar nicht halb soviel verstand, wie er immer geglaubt hatte? Dem sie erst alles Wichtige hatte beibringen müssen?

Sie wollte ihn?

Ja, sie wollte ihn. Er gestattete sich, dies für die Wahrheit zu halten. Nur deshalb, weil er es so deutlich spürte in diesem Augenblick. Sein Körper hatte es schon vor ihm geglaubt, hatte sich in sie hineingeschoben, ihre Enge genau ausgefüllt, sich mit ihr vereint, Leib und Seele, mit der Frau, die ihn begehrte.

Er verlor sich. Kapitulierte vor ihr, vergaß, wer er war und was er vom Leben wollte. Es war egal, wer England regierte oder ob die Sonne jemals wieder aufging. Alles verblasste vor der Übermacht seines Hochgefühls. Sie wollte ihn!

Als er schon kurz davor war, auch die letzte Beherrschung zu verlieren, schob sie ihn ein wenig von sich. Schlug vor, dass er sich auf den Rücken legte. Was zum Teufel…?

Da ließ sie sich auf ihn gleiten, ein kleines Stück nur, dabei musste er weiter in sie hinein, musste sie ganz besitzen! Doch sie spielte mit ihm, gewährte ihm nur einen winzigen Teil von ihrem Schoß, wölbte sich über seine pralle Spitze, um sich ihm dann sofort wieder zu entziehen. Um ein Haar hätte er aufgeschrien wie ein wildes Tier, als sie sich nicht einmal von seinen Händen packen und auf ihn pressen ließ, doch das Spiel war so lustvoll und die Belohnung so verlockend, dass er weiter durchhielt. Sein Verlangen steigerte sich ins Unermessliche, und als er schon nicht mehr daran glaubte, jemals Erlösung von seiner Peinigerin zu erfahren, ließ sie ihn endlich ganz in sie hineingleiten, tief und nass und eng und so ungeheuer erregend, dass er fast den Verstand verlor.

„Susannah”, keuchte er und umfasste mit den Händen ihre festen Brüste, die auf und ab wippten, als sie sich in ihrem eigenen Takt auf ihm bewegte.

Sie antwortete nicht, beugte sich ihm aber entgegen, sodass sie fast auf ihm lag, und küsste ihn auf den Mund, heftig atmend.

„Sag meinen Namen”, flüsterte er in ihr Haar hinein, das über sein Gesicht floss.

„Eadric”, hauchte sie und ihr Schoß vibrierte. „Eadric, ich liebe dich.”

Er zog sie an sich, umschlang sie mit seinen Armen, wollte sich mit Haut und Haar in ihr auflösen. Sein Name aus ihrem Mund, noch nie klang ein Wort so schön in seinen Ohren.

Eadric, ich liebe dich, er hatte es vernommen, auch wenn es nur ein leises Flüstern war, mitten hinein in das Stöhnen und Begehren und Küssen und Stoßen.

Ich liebe dich.

Und die Welt blieb stehen.

Er wollte eins werden mit ihr, sich selbst bereitwillig aufgeben, konnte ihr nicht nah genug sein, zog sie ganz an sich und stieß in sie hinein, während sie ihm entgegenkam. Hörte ihren immer schneller werdenden Atem, die kleinen, hohen Seufzer an seinem Ohr. All das erregte ihn noch mehr, seine Hände auf ihrem Gesäß, sie wand sich unter seinen Berührungen, klammerte sich an ihm fest, bemerkte nicht, dass sich ihre Nägel in sein Fleisch gruben, und auch dies verschaffte ihm nur noch mehr Lust. Ein Beben durchlief ihren Körper, sie stöhnte seinen Namen, vergrub ihr heißes Gesicht an seiner Schulter, ihr Schoß krampfte sich heftig zusammen, massierte sein pralles Glied, ein unglaubliches Gefühl.

Er wollte sich zurückhalten, wollte sie beobachten, wenn der Höhepunkt über sie hinwegfegte, dieses Hochgefühl, das er selbst ihr bescheren würde! Doch der Sturm packte ihn, riss ihn unaufhaltsam mit sich fort, ein einziger Wirbel, Susannahs Stimme, Hände, Haut, Duft. Ihrer beider Atem toste im Gleichklang, immer gewaltiger bauschte sich der Orkan auf, vermischte all seine Sinne. Er explodierte in ihre Wärme hinein, zuckend und stöhnend, reine, pure Erlösung.

Welche nachklang. Eine ganze Weile noch.

Irgendwann lag er neben ihr, lag einfach still da, ihren Geruch in der Nase, ihre nasse Haut an seine geschmiegt, und war glücklich. Zum ersten Mal im Leben richtig glücklich. Ein leises, kleines, vergängliches Glück, das wusste er. Aber er wollte nicht an die Realität denken, er wollte nur diesen Moment auskosten, diese allumfassende Seligkeit.

Ich liebe dich, hatte sie gesagt.

Oder war das nur seine Phantasie gewesen, weil sein Denken schon vor einiger Zeit ausgesetzt hatte? Es war egal, denn es fühlte sich so an, als ob sie ihn liebte. Bei ihr war alles an ihm mit einem Mal richtig. Sein Leib, der ihm am meisten zum Kämpfen zunutze gewesen war, wurde zum anbetungswürdigen Kunstwerk, wenn sie ihn ansah. Seine Hände, dazu gemacht, grobe Lederzügel herumzureißen oder ein Schwert zu schwingen, wurden Federn, die ihre zarte Haut liebkosen durften. Sein Mund, der bisher grobe Befehle ausgestoßen hatte, war nun das Gegenstück ihrer Lippen. Sie machte einen anderen Menschen aus ihm.

Er strich ihr zart über die Wange.

Am nächsten Tag würde alles anders sein. Am nächsten Tag wäre er auf dem Weg zum Hof, er, der mächtige Sheriff von Nottingham. Aber die Nacht war noch jung, die morgendliche Dämmerung noch in weiter Ferne. Er war Eadric und sie Susannah, sonst nichts.

Und er war glücklich. Morgen würde er mächtig und einflussreich und stark sein. Aber heute war er glücklich. Nur ein einziges Mal in seinem ganzen erbärmlichen Leben. Vielleicht würde es das einzige Mal bleiben, ja, wenn er an Marian dachte, dann war er sich sogar sicher. Glücklich würde sie ihn nicht machen.

Einmal zumindest hat er es erleben dürfen. Eine Nacht lang geliebt zu werden.

Mehr durfte er vom Leben wohl nicht erwarten.