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Nottingham stand von seinem thronartigen Stuhl auf, als sie ins Zimmer kam. Er war ganz in Schwarz gekleidet, sein Blick war finster, die Haare hingen ihm wild in die Stirn. Mit einem gefährlichen Glitzern im Blick kam er auf sie zu und baute sich drohend vor ihr auf. Susannah vergaß, was sie sagen hatte wollen. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.

„Was ist mit mir geschehen?”, fuhr er sie an. „Du hast mir etwas in den Wein gemischt, gib es zu, Weib!“

Er stand direkt vor ihr, sie spürte seinen heißen Atem auf ihrer Haut.

„Was meint Ihr, Sire?“, presste sie hervor.
„Welch Teufelswerk hast du an mir vollbracht, dass du mir ständig im Kopf herumschwirrst?“ Seine Stimme war schneidend.

Sie versuchte zu schlucken, aber es gelang nicht richtig. Was sollte sie antworten? Ihr Gehirn war völlig leer gefegt. Stumm starrte sie ihn an. Er war aufgebracht, sicher nicht nur ihretwegen. Sie verstand nicht, wieso. Nun hatte er doch die Leute aus dem Dorf, Robin würde sich mit Sicherheit ausliefern, um diese zu retten, es war doch alles so, wie er es haben wollte! Warum wirkte er, als wäre eine böse Macht in ihn gefahren?

„Ich war euch doch nur zu Diensten, wie ihr es wünschtet, Milord”, sagte Susannah und versuchte, das Zittern ihrer Hände unter Kontrolle zu bringen.

„Eine Hexe bist du”, zischte er, „ich sollte dich verbrennen lassen. Aber vorher nehme ich mir noch, was mir zusteht.”

Er fasste ihr Kleid an den Schultern und zog es so grob herab, dass der Stoff auseinanderriss. Dann drückte er ihr einen harten Kuss auf den Mund. Susannahs Puls raste, ihr wurde eiskalt vor Angst. Er war heute in einem so eigenartigen Zustand, dass er sicher zu schlimmen Dingen fähig war. Alles in ihr verkrampfte sich.

„Nun komm schon”, sagte er, „wir haben schließlich eine Vereinbarung.”

Als ob er sie tatsächlich an diesen unglücklichen Pakt erinnern müsste!

Er packte ihr Handgelenk und schleifte sie nach nebenan, wo er sie aufs Bett schleuderte. Mit hektischen Bewegungen zog er die Stiefel aus, warf sie neben das Bett, wo seine Reitgerte lag, und entledigte sich seiner Kleidung. Ihr riss er ebenfalls das restliche Kleid vom Leib, dann legte er sich auf sie. Er presste seine harte Männlichkeit gegen ihren Unterleib, griff mit der Hand zwischen ihre Beine und spreizte ihre Schenkel. Sekunden später drang er ungeduldig in sie ein. Ihr Schoß brachte ihm keine Feuchtigkeit entgegen, das schien ihn jedoch nicht zu stören.

Susannah zog die Luft ein, als sie ihn in sich spürte. Es schmerzte. Aber ihr war klar, er war heute der Herr und würde seine Machtstellung auch körperlich unter Beweis stellen. Ihr blieb nichts anderes übrig, als seine Stöße zu ertragen.

„Was zierst du dich so”, zischte er. „Fass mich an! Oder muss ich erst deinen Vater zu den anderen in den Kerker werfen lassen?”

Ihr stockte der Atem. Was war nur los mit ihm, dass er heute derart bösartig war? Es fiel ihr trotz der Drohung schwer, ihm Zärtlichkeiten entgegen zu bringen. Sie berührte pflichtschuldig seine Oberarme, ließ dann ihre Hände an seiner Wirbelsäule entlang wandern und fuhr leicht mit den Nägeln über seinen Rücken. Dabei hörte sie überrascht, wie er neben ihrem Ohr deutlich aufstöhnte.

Sie verstärkte den Druck der Finger ein wenig.

„Fester!“, befahl er mit dunkler Stimme.

Also gut! Sie setzte die Nägel an den Schultern an und presste sie stärker in seine Haut. Dann bewegte sie ihre Hände langsam über seinen Rücken bis zu den Lenden, mit genügend Druck, um einige rote Striemen zurückzulassen. Seine Stöße wurden heftiger. Sie hob ihre Hände von seinem Körper ab.
„Ich hab dir nicht erlaubt, deine Nägel wegzunehmen!“ vernahm sie umgehend seine keuchende Stimme.

Es verschaffte ihm Lust! So wie damals, als sie ihn versehentlich mit dem Rasiermesser verletzt hatte, das wurde Susannah nun klar. Der Sheriff mochte es, mit Schmerzen malträtiert zu werden. Oh, das war gut, sie würde es für ihre Zwecke ausnutzen! Noch einmal ritzten ihre Nägel Streifen in seine Haut und sie weidete sich an seiner offensichtlichen Erregung.

„Hör nicht auf“, verlangte er. Nein, es war sogar ein fast flehender Tonfall! Der mächtige Sheriff von Nottingham war allem Anschein nach völlig von Sinnen, wenn ihm das Zusammensein mit einer Frau durch Schmerzen versüßt wurde. Susannah hatte schon von der ein oder anderen Dörflerin davon gehört, dass manche Männer derlei Spielarten durchaus genossen. Aber gerade bei ihm hätte sie das nicht für möglich gehalten. Und es verschaffte auch ihr ein heißes Pulsieren im Unterleib, dass sie damit so stark sein Verlangen entfachen konnte.

„Mach weiter, komm schon, weiter”, bat er mit kehliger Stimme.

Diesmal versenkte sie ihre Finger im festen Fleisch seines Gesäßes, drückte ihre Nägel hinein, presste seine Haut zusammen, was ihn zu noch heftigeren Stößen anspornte. Seine Wange lag an ihrer, sie konnte seinen schnellen Atem spüren und ihn lustvoll seufzen hören, als sie ihn energisch knetete.

„Nicht nachlassen, ganz fest, noch mehr!”, stöhnte er und presste sich mit seinem ganzen Körper an sie. Sein Rücken war schweißnass. Er war zu keinem klaren Gedanken mehr in der Lage, das war ganz offensichtlich. Sie hatte ihn vollständig in ihrer Hand.

Auch ihr Atem beschleunigte sich. Zu fühlen, wie sehr ihn diese groben Handgriffe erregten und wie ihm immer mehr die Kontrolle entglitt, ließ auch sie nicht kalt. Außerdem war sein muskulöser Leib durchaus angenehm anzufassen. Noch einmal knetete sie mit heftigen Bewegungen sein Hinterteil, ritzte mit ihren Nägeln an der Hüfte entlang, kniff hart in seine Rückenmuskeln.

Susannah fiel plötzlich ein, wie sie diesem Spiel noch einen besonderen Reiz verleihen könnte. Sie streckte ihren Arm zum Fußboden und tastete umher. Da, da war sie, seine Reitgerte! Sie nahm den lederumwickelten Stiel in die Hand, holte kurz Luft und ließ die Gerte auf sein Gesäß klatschen. Er stöhnte überrascht auf, sie fühlte gleichzeitig, wie sein hartes Glied in ihr zuckte.

„Noch einmal, Sire?”, fragte sie unschuldig.

„Ja!”, keuchte er. „Ich will es spüren!”

Sie schlug ein zweites Mal zu, sein Stöhnen wurde lauter und langgezogener, seine Bewegungen in ihr schneller. Mit der Spitze der Peitsche fuhr sie langsam über seinen Rücken.

„Wollt ihr, dass ich damit fortfahre?”, flüsterte sie.

„Tu es!”, presste er zwischen zwei heftigen Atemstößen hervor. Sie wusste genau, dass er kurz vor dem Höhepunkt stand. Ein Zittern durchlief seinen Körper, als sie die Gerte sanft und aufreizend langsam über seine Oberschenkel gleiten ließ, ohne damit zuzuschlagen.

„Los, tu es endlich!”, befahl er kehlig.

Er war kurz davor, konnte nicht mehr länger, und sehnte sich den erlösenden Schlägen entgegen, die ihn endgültig über die Schwelle katapultieren und explodieren lassen würden. Ganz deutlich konnte sie dies alles fühlen und es ließ sie selbst erbeben vor Erregung.

„Dann solltet Ihr mich vielleicht nett darum bitten”, sagte sie und biss sich gleich danach auf die Lippe. War sie zu weit gegangen?

Er atmete abgehackt. „Bitte”, stieß er hervor, „bitte mach weiter, hör nicht auf, ich brauche…” Er beendete den Satz nicht, stieß dafür ein sehnsuchtsvolles Ächzen aus. So nah an ihrem Ohr und so eindringlich, so voll Begehren nach dem nächsten Hieb, dass sie selbst sich seinen tiefen Stößen entgegen sehnte.

Susannah verspürte ein ungeahntes Machtgefühl. Sie patschte erst ganz leicht mit der Spitze der Gerte auf sein Gesäß, reizte ihn, bis sie merkte, dass sein Verlangen kaum noch zu bändigen war, dann ließ sie die Peitsche in mehreren Hieben fest auf seine Haut klatschen. Er wand sich, stöhnte bei jedem Schlag lauter, krallte seine Finger in ihre Schultern. Stieß in sie hinein, immer schneller und schneller, bis sie ihn mit einem letzten beherzten Hieb erlöste und er mit einem langgezogenen Laut zum Höhepunkt kam.

Sie ließ die Spitze der Gerte langsam über seinen unteren Rücken fahren, selbst völlig atemlos, dann legte sie die Peitsche neben dem Bett ab.

Ganz mechanisch strich sie mit der Hand über die verschwitzten Schultern des Sheriffs, der immer noch auf ihr lag, schwer atmend, und wirkte, als wisse er nicht recht, was gerade mit ihm geschehen war.
Endlich rollte er sich von ihr herunter. Ihre Hand krampfte sich um ein Stück des Bettlakens. Was würde er tun? Sie nun ebenfalls auspeitschen lassen, die Hexe, die fürchterliche Dinge mit ihm anstellte? Sie wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen.

Doch er ließ seinen Kopf erschöpft auf ihre Schulter fallen und legte sein Knie über ihr linkes Bein.

„Ich sollte dich wirklich aufhängen lassen”, knurrte er und drückte sich dabei noch etwas näher an ihren Leib. „Aber jetzt bin ich viel zu müde dazu.”

Als sie keinen weiteren Ton vernahm, hob sie vorsichtig den Kopf, um in sein Gesicht zu sehen. Er hatte die Augen geschlossen und lag ganz friedlich da, eng an sie geschmiegt.

Wie ein einsames, liebebedürftiges Kind, schoss ihr durch den Kopf.
Diese urplötzlichen Veränderungen in seinem Verhalten kamen immer noch völlig überraschend für sie. Wie konnte es sein, dass der herrische Befehlsinhaber mit einem Mal zu einem sanften Kater mutierte, der sich an sie kuschelte und unter der gleichen Decke schlafen wollte? Offenbar ließ körperliche Nähe den weichen Eadric auftauchen. Den Knaben, der kaum Zärtlichkeit erfahren hatte, aber wie alle Menschen ein tiefes Verlangen nach Geborgenheit in sich trug.

Was dann wiederum in den Augen des gnadenlosen Burgherren ein Anzeichen von Schwäche war und ihn schnell Abstand davon nehmen ließ. So eine Gefühlsduselei wollte er sich ganz sicher nicht zugestehen.

Irgendwie war es gar nicht verwunderlich, dass ihn Schmerzen erregten, fiel ihr auf. Er kannte dieses Gefühl von frühester Jugend an. Und der Körper griff in seinen Reaktionen oft auf Bekanntes zurück, in seinem Fall die überstandenen Peinigungen, die ihn sicher in seiner Sicht stark gemacht hatte. Aber hier, so nah neben ihr zu liegen, fühlte sich für ihn ganz bestimmt auch wunderbar an. Warm, geborgen, nicht einsam und verhasst wie sonst.

Sie seufzte leise. Einfach hatte er es ganz sicher nicht. Sie wollte nicht in seiner Haut stecken.

Eadrics Atem kam ruhig und regelmäßig. Von ganz alleine legte sich ihre Hand an seinen Nacken und spielte mit den seidigen Haaren. Seine Nähe fühlte sich in der Tat nicht unangenehm an.

Susannah erschrak. Was zum Teufel war nur los mit ihr? Dieser Mann war grausam und ohne kannte keine Gnade. Er herrschte mit eiserner Hand über der Grafschaft und ließ den Bauern nicht mal genug zum Leben. Und er sperrte unschuldige Kinder in seinen Kerker. Wie konnte sie nur Mitleid mit ihm haben?

Sein nackter Arm lag quer über ihrem Bauch. Die Narben der Verbrennungen, die ihm seine Mutter als Kind zugefügt hatte, waren deutlich zu sehen.

Weil er auch nur ein Mensch ist, beantwortete sie sich selbst die Frage. Ein Mensch, der nach Zärtlichkeit und Wärme lechzt, weil er das nie hat erfahren dürfen.

Es war so leicht, ihm durch sein Haar zu fahren, seine wohlgerundete Schulter zu berühren, die verblassten Narben zu streicheln. Und es fühlte sich nicht falsch an, ihn anzufassen. Ihre Körper zumindest schienen perfekt zusammen zu passen.

Sie betrachtete seinen Mund, dessen schön geschwungene Lippen ein wenig offen standen. Wie sanft dieser Mann wirkte, wenn er schlief! Eine Welle von Zärtlichkeit breitete sich in ihr aus. Stand es nicht jedem menschlichen Wesen zu, wenigstens einmal im Leben die Zuneigung eines anderen Menschen zu spüren? Bisher hatte er das nicht erlebt, selbst die Amme, seine eigene Mutter, hatte ihn nur ganz heimlich etwas Wärme entgegenbringen dürfen, weil Lady Nottingham jedwede Gefühlsregung unterbunden hatte. Um ihn abzuhärten.

Susannah erinnerte sich an die Geschichte mit dem Hund und erschauderte. Wie konnte eine Frau nur solche Grausamkeiten an den Tag legen? Sie sah ihn förmlich vor sich als Kind, einen hoch aufgeschossenen Knaben mit dunklen Haaren, das Gesicht noch nicht so kantig, der Körper noch schmal. Seine grünen Augen hatten sicher vor Freude gestrahlt, wenn er mit dem Hund herumgetollt war. Ob er sich einen Namen für das Tier ausgedacht hatte? Zu gerne hätte sie ihn gefragt, aber er schlief tief und fest.

Die Lady hatte sicherlich in der Nähe gestanden, aufrecht, und mit kaltem Blick das Treiben verfolgt. Und dann den teuflischen Plan geschmiedet. Allein die Vorstellung, dass er das geliebte Tier mit seinen eigenen Händen niederstrecken hatte müssen! Wie furchtbar musste das für ein Kind, das sicher keine anderen Spielgefährten gehabt hatte, gewesen sein. Wie einsam musste er sich gefühlt haben. Und alles unter dem Siegel der Erziehung zu einem starken Herrscher!

Susannah fuhr zärtlich über seinen Arm. Und schalt sich selbst gleich wieder dafür. Hatte er nicht erst gestern bei dem Überfall aufs Dorf bewiesen, welch Unmensch er war? Sie wusste nicht mehr, was sie denken oder fühlen sollte. Er erweckte unentdeckte Seiten an ihr, so wie eben, als sie die Peitsche in die Hand genommen hatte. Darüber sollte sie sich in der Tat Gedanken machen. Irgendwann. Die Müdigkeit legte sich schwer auf ihre Lider. Morgen war auch noch ein Tag, morgen würde sie ernsthaft darüber nachdenken. Morgen war noch genug Zeit, wütend zu sein. Aber nun erst einmal schlafen…