Februar
„Helander Baltasar ist endlich aus dem Urlaub zurück“, verkündete Liana hinter dem „Korona Chronicle“, als wir zwei Wochen später beim Frühstück saßen. Vor den Fenstern ragten die Bäume kahl und gespenstisch in den Nebel, der seit einer Woche Tennenbode einhüllte. Das wenige Licht ließ die ohnehin kurzen Februartage noch düsterer erscheinen, aber meiner momentan guten Laune tat dies keinen Abbruch.
„Sie schreiben, er hätte in einem Interview bestätigt, dass er sich nach der Wahlniederlage eine Erholungspause gegönnt hat und dass er die Aufregung gar nicht versteht, die sein Verschwinden ausgelöst hat. Wer schon einmal einen Wahlkampf absolviert hätte, der wüsste, wie sehr das an die Substanz ginge bla, bla, bla. Ach, hier sagt er, er stünde jetzt wieder mit voller Kraft als Senator für Landessicherheit zur Verfügung und wolle sich ganz diesen Aufgaben widmen und er gratuliere Willibald Werner ganz herzlich zum Sieg. Unglaublich, nicht wahr. Das ist doch mal ein richtig guter Verlierer.“
„Ich hatte vermutet, dass er alles hingeschmissen und sich auf eine einsame Insel abgesetzt hat“, meinte Lorenz und fing eine Quitsche im freien Fall auf, bevor sie auf dem Boden einschlug. Knackend brach er sie auseinander und gab Shirley eine Hälfte.
„Hast du heute noch einmal Flugtraining bei den Drachen?“, fragte mich Adam und berührte dabei wie zufällig meinen Arm. Ich schlug die Augen nieder und grinste. Die Befürchtung, dass es schwer werden würde, unsere Beziehung zu verbergen, hatte sich als falsch herausgestellt. Es war nicht halb so kompliziert, wie ich vermutet hatte, ganz im Gegenteil, es hatte einen gewissen Reiz bekommen und ich musste zugeben, dass ich es genoss. Da Adam in unserer Etage wohnte, wunderte sich niemand, dass wir viel Zeit miteinander verbrachten.
„Ja, heute Nachmittag ist Flugtraining und dann muss ich Gregor König noch helfen, die Wingtäubel in ihre nächste Weidehöhle zu treiben. Es kann also spät werden…“
„…aber du bist ja da“, ergänzte ich in Gedanken und warf ihm einen langen Blick zu. Es war fast so wie früher, als wir jeden Tag miteinander verbrachten, erst in der Schule und dann im Eichenhain, diese liebevolle Vertrautheit war wieder da, als wenn es nie einen Riss gegeben hätte. Ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder ohne Adam zu sein.
„Solange du heute keine Ställe ausmisten musst, bin ich mit allem zufrieden. Danach riechst du immer so streng“, schmunzelte Adam und strich sich das schwarze Haar zurück. „Dann könnten wir allerdings in die Badewanne gehen.“
Ich sah ihn mit großen Augen an und schluckte einen Moment, bevor ich unser Spiel weiterspielte.
„Ställe ausmisten ist in der Regel eine Strafarbeit, aber wenn grad niemand bestraft worden ist, braucht Gregor König trotzdem Hilfe“, erklärte ich ruhig.
„Und du lässt dich immer breitschlagen“, entgegnete Adam.
„Die anderen Jockeys sind schließlich Patrizier und fühlen sich für diese niedere Arbeit nicht zuständig.“
„Gregor König kann wirklich froh sein, dass er dich als Arbeitskraft gefunden hat.“ Adam seufzte.
„Nicht nur als Arbeitskraft, auch wenn ich mich jetzt nicht unnötig loben möchte, bin ich als Jockey auch ganz gut zu gebrauchen. Ende Mai findet endlich das erste offizielle Rennen gegen das portugiesische Universitätsteam statt und ich habe gute Chancen, mit an den Start zu gehen.“ Ich straffte meinen Rücken, denn auf meine Fortschritte als Drachenjockey war ich wirklich stolz.
„Auch den Ruhm und die Ehre gönne ich dir gern, solange du dich gut festhältst.“ Adam beugte sich zu mir und sah mich nachdenklich an. „Obwohl ich nicht weiß, wie gut ich damit klarkomme, wenn du demnächst eine männliche Fangemeinde hast“, setzte er stirnrunzelnd hinzu.
„Wird schon nicht so schlimm werden.“ Ich konnte ein Kichern nicht unterdrücken. „Wir müssen übrigens los, Magische Theorie fängt gleich an.“
„Ich komme später nach. Wir haben heute eine Einsatzbesprechung“, sagte Adam und stand auf. Ich sah ihm nach, wie er schnell davonging und in meinem Kopf kam seine Botschaft an: „Ich freue mich schon auf heute Nacht.“
„Das solltest du auch!“, entgegnete ich.
Ich lächelte, als er sich überrascht umdrehte und den Raum dann kopfschüttelnd verließ. Ich beherrschte das wortlose Versenden von Botschaften mittlerweile hervorragend, wie sonst sollte ich Adam alles sagen, was mir im Kopf herumging.
„Wie hat er die Sache mit der Tür verkraftet?“, fragte Lorenz, als wir den Raum verließen und zog die Augenbrauen immer wieder angestrengt in die Höhe. Ich verstand seine Geste, doch über seinen seltsamen Gesichtsausdruck musste ich lachen.
„Gut“, antwortete ich grinsend. „Er war sogar ganz begeistert.“ Ich hatte Adam endlich in das Geheimnis der Villa del Mare eingeweiht, auch um ihm erklären zu können, warum ich manchmal für eine Stunde verschwand, ohne seine Botschaften zu beantworten. Italien war doch ein wenig zu weit entfernt für mein Sendevermögen. Wir waren aus einem grauen, kühlen Tag in die leichte, warme Brise eines sonnigen Nachmittages am Mittelmeer getaucht und dagegen konnte niemand etwas haben. „Du solltest dir übrigens etwas mehr Zeit nehmen und das Versenden von Botschaften üben. Dann ersparst du dir einen Gesichtsmuskelkater“, ermahnte ich Lorenz und ahmte seine Gesichtszüge nach. „Wo bist du eigentlich jeden Abend. Ich habe dich in den letzten Wochen kaum noch gesehen. Du hast sicherlich nicht nur für die Prüfungen nächste Woche gelernt, oder?“ Lorenz wurde rot, was mir nicht entging.
„Du hast jemanden kennengelernt?“, mutmaßte ich, woraufhin sich Lorenz Wangen noch eine Nuance röter färbten.
„Ja, habe ich. Aber das ist noch nichts Offizielles. Also behalte es für dich“, knurrte er.
„Ich schweige, so wie du schweigst“, antwortete ich leise und ernst.
Wir standen auf und passierten die Tür zu Professor Hengstenbergs Amphitheater. Sie wartete bereits auf uns. Ihr langes Haar fiel weich um ihre schöne Statur und die gerade aufgehende Sonne färbte es golden. Alle Jungen saßen ruhig in den Bänken und betrachteten sie entzückt, obwohl der Unterricht noch nicht begonnen hatte. Ich nutzte die Zeit für ein paar Atemübungen, um meine Konzentration zu erhöhen. Ich hatte keine Lust, heute unter den Tisch zu rutschen.
„Wehe, du kotzt mir in den Ausschnitt“, raunzte mich Skara an, die vor uns saß. Dorina neben ihr kicherte.
„Wenn ich kotze, dann direkt auf deinen Kopf“, antwortete ich und genoss ihre Empörung. Zwischen uns hatte sich offene Abneigung entwickelt, seitdem Baltasar die Wahl verloren hatte und Skara nicht müde wurde, jedem ihre übergeordnete Gesellschaftsposition zu demonstrieren.
„Ich sorge schon noch dafür, dass sie dich hier rausschmeißen. Der Pöbel sollte nicht studieren“, giftete sie mich an.
„Wenn der Pöbel hier nicht studieren würde, hättest du doch niemanden, der dir die Antworten vorsagt. Deine kleinen Freundinnen haben ihre Köpfe doch auch nur voller Stroh.“ Ich erntete empörtes Geschnatter und lächelte zufrieden.
„Das wirst du noch büßen.“ Skaras hasserfüllter Blick traf mich, doch bevor sie zu einer Erwiderung ausholen konnte, kündigte Professor Hengstenberg den Beginn des Unterrichts an. Ich wandte mich ihr zu, denn nun brauchte ich meine gesamte Konzentration.
„Willkommen.“ Ich schluckte und sah, wie ihre durchscheinenden Flügel sanft ihren eleganten Bewegungen folgten. „Heute beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Möglichkeiten, die magischen Kräfte, die jeder in sich trägt, in Zauber zu verwandeln.“ Ich spürte, wie ich langsam weg glitt und sich in meinen Blick ein Regenbogen und zwitschernde Vögel mischten, die eigentlich nicht hier sein sollten. Heute war kein guter Tag. Schnell kramte ich meine Ohrstöpsel aus der Tasche und drückte sie in meine Ohren. Wahrscheinlich hatte ich meine Konzentrationsfähigkeit beim Versenden von Botschaften schon aufgebraucht.
„Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Kraft der Gedanken zu kanalisieren. Wir unterscheiden sie in Worte, Gesten oder die magischen Hilfsmittel.“ Ich vernahm Professor Hengstenbergs Stimme nun gedämpft durch meinen Hörschutz und konnte mich endlich besser konzentrieren. Wie lange würde es noch dauern, bis ich das endlich in den Griff bekam?
„Bei der Verwendung von Worten wiederum unterscheidet man die kurzen Kraftzauber und die gewobenen Wortzauber, die mehrere Strophen umfassen können und sehr mächtige Magie enthalten. Zu Beginn ihres Studiums werden sie sich vorerst nur mit den kurzen Kraftzaubern befassen, die nochmals in gesagte und ungesagte Wortzauber unterschieden werden. Die gewobenen Wortzauber werden erst im fünften Studienjahr gelehrt, da sie ein umfangreiches Vorwissen erfordern und meist in der alten Sprache gesprochen werden.“ Professor Hengstenberg unterbrach kurz ihren Vortrag, da Skara sich vor uns ungehemmt mit ihren Freundinnen unterhielt.
„Fräulein Ende, ich bitte sie, nicht den Unterricht zu stören“, ermahnte sie mit ihrer schönen Stimme. Skara wandte sich mit einem Funkeln in den Augen um. Ich ahnte schon, dass sie wieder einmal erwähnen wollte, wer ihr Vater war, aber offenbar schaffte es Skara im letzten Moment, sich zu beherrschen und nickte nur langsam, als wenn ihr diese Bewegung zutiefst zuwider war. Sie sah aus wie ein Wasserkessel kurz vor dem Explodieren.
„Bei den magischen Gesten wird die magische Kraft primär über die oberen Gliedmaßen ausgesandt. Es gibt hier die kleinen Gesten, bei denen nur die Finger benutzt werden und auch die großen Gesten, bei denen die Arme komplett zum Einsatz kommen.“ Professor Hengstenberg unterstrich ihre Worte, indem sie mit den Fingerspitzen schnipste und einen Funkenregen zu Boden fallen ließ. Dann breitete sie die Arme aus und löste einen böigen Wind aus, der uns beinahe die Haare vom Kopf riss.
„Wow“, stöhnte Lorenz neben mir. Er hatte sich an seine Bank geklammert, um nicht fortgerissen zu werden.
„Und schließlich gibt es die Möglichkeit der Nutzung magischer Hilfsmittel, von denen der Zauberstab sicherlich die größte Popularität besitzt, da er für den Kampf und die Verteidigung am besten geeignet ist. Hier im Unterricht werde ich ihnen einige Möglichkeiten der Selbstverteidigung demonstrieren, aber an dieser Stelle weise ich sie ausdrücklich darauf hin, dass Magie nur von der Schwarzen Garde zum Kampf eingesetzt werden darf.
Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit verschiedene Methoden miteinander zu kombinieren, um die magische Kraft weiter zu verstärken. An ihren Plätzen finden sie jeder eine Schale Wasser. Ihr heutiges Ziel ist es, dieses Wasser verdampfen zu lassen. Bitte probieren sie hierzu einen einfachen Wortzauber. Verbinden sie sich dazu mit MUS und lesen sie zuerst das entsprechende Kapital in meiner Vorlesungsreihe noch einmal durch.“ Alle legten ihre Hände auf das kleine, graue Kästchen und vertieften sich in die Lektüre.
Als Professor Hengstenberg am Ende des Unterrichtes noch einmal durch die Reihen ging, um sich anzusehen, ob wir etwas erreicht hatten, waren Dulcia und Cecilia die Einzigen, die es geschafft hatten, Wasserdampf zu produzieren.
„Sehr schön“, lobte Professor Hengstenberg mit klingender Stimme und alle Jungs sahen sich verzückt nach ihr um, bis auf Lorenz, der weiter konzentriert seine Wasserschale anstarrte und unentwegt „nuris“ murmelte.
„Allerdings sollten sie den Zauber auch einzeln üben, denn in der Prüfung werden sie als magisches Paar nicht gemeinsam zugelassen“, ergänzte sie freundlich lächelnd. „Nächste Woche erwarte ich, dass ihnen dieser Zauber gelingt, also üben sie fleißig!“ Professor Hengstenbergs Stimme wehte sanft durch den Raum und entließ uns in die Mittagspause.
Beim Mittagessen wunderte ich mich, dass Adam noch nicht da war. Die Besprechungen der letzten Wochen hatten nie länger als eine Stunde gedauert. Ich drängte die aufkeimende Sorge zurück und widmete mich mit Appetit dem Mittagessen. Die Gemüsepfanne aus den Gärten Akkankas war köstlich. Ich hörte Lorenz und Shirley zu, die beim Mittagessen darüber stritten, ob Türkis oder Alabaster die Trendfarbe der nächsten Saison werden würde und versuchte, nicht an Adam zu denken.
Als er am Nachmittag immer noch nicht da war, wurde ich langsam unruhig und als wir schließlich beim Abendessen saßen und er immer noch nicht zurückgekommen war, konnte ich meine Nervosität nicht mehr verbergen.
„Iss etwas!“, ermahnte mich Liana. Erschrocken sah ich auf. Ich hatte die ganze Zeit meinen Teller angestarrt und wieder und wieder neu ausgerichtet, ohne etwas anzurühren.
„Ich kann nicht, hab irgendwie keinen Hunger.“ Ich schob den Teller von mir weg und lehnte mich zurück.
„Süße, es wird schon nichts Ernstes sein. Vielleicht verabschieden sie nur einen Kameraden in den Ruhestand“, meinte Lorenz und schob mir meinen Teller wieder zu.
„Ich kann nicht“, sagte ich und stand auf. Mein Magen schien aus einem Knoten zu bestehen. Ich hatte so eine komische Ahnung. Seit Silvester schien ich mit Adam enger verbunden, als es normal wäre, aber was war schon normal zwischen Adam und mir? Nichts! Unsere Beziehung war extrem und rasant. Wir hatten uns kopfüber hineingestürzt, denn wir wussten beide, dass es nur gestohlene Zeit war, gestohlenes Glück, das wir umso exzessiver genossen, je mehr uns die Sorge um sein baldiges Ende quälte. Vielleicht war es jetzt soweit?
„Ich geh schon mal hoch. Bis später“, murmelte ich mit einem kalten Gefühl im Bauch und verließ schnell den Raum. Ich spürte plötzlich, dass Adam in der Nähe war und stürmte die Wendeltreppen nach oben. Die Tür riss ich noch im Laufschritt auf. Das Studierzimmer war leer und der Kloß in meinem Hals wurde noch größer.
„Hey Selma, was ist mit dir los?“ Adams Stimme klang an mein Ohr und beruhigte mich sofort. Vor Erleichterung fiel ich ihm stürmisch um den Hals. Er zog mich an sich und küsste mich. Erst spürte ich sein Zögern, denn meine stürmische Begrüßung hatte ihn sicher verwirrt, doch er gab seine Bedenken schnell auf und erwiderte meinen Kuss. Ich klammerte mich an ihn, während er mich in sein Zimmer zog und mit dem Fuß die Tür zustieß, die krachend ins Schloss fiel.
Zu meinem Bedauern hielt er mit einem Mal meine Handgelenke fest. Ich seufzte und schloss die Augen.
„Was ist los?“, fragte er ernst, während er mich festhielt und sich unser beider Atem beruhigte.
„Ich habe mir Sorgen um dich gemacht“, gestand ich. „Wo warst du den ganzen Tag?“
Er lächelte erleichtert. Was hatte er denn befürchtet?
„Erzähl ich dir gleich!“, sagte er mit dunklem Blick und dieser vielversprechende Blick brachte mich regelmäßig aus dem Konzept. Er reichte aus, um einen Endorphinstoß durch meinen Körper zu schicken, der ein Nilpferd zum Schweben gebracht hätte. Er küsste mich zärtlich und die verzweifelte Sehnsucht nach ihm, ergriff sofort Besitz von mir. Seine Lippen waren weich und sein Kuss schmeckte süß. Als seine Zunge in meinen Mund eindrang, seufzte ich und stellte jegliches Denken ein. Ich hatte es nie für möglich gehalten, dass mein Körper zu solchen Empfindungen in der Lage war. Adam hob mich hoch ohne unseren Kuss zu unterbrechen und setzte mich sanft auf seinem Bett ab. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen versank ich in den Kissen und zog ihn an mich.
Als ich wenig später erschöpft neben Adam lag, war es mir immer noch ein Rätsel, wie so etwas funktionierte. Den Stapel Notizen neben mir, hatte ich schon gelöscht. Ich steckte immer noch regelmäßig etwas in Brand, wenn wir uns liebten. Nein, liebten war nicht die richtige Beschreibung für das, was wir da taten. Es war viel mehr. Wir versuchten unsere Seelen, die vermutlich bei der Entstehung der Welt getrennt worden waren, mit aller Gewalt wieder zu vereinen.
Adam strich leicht meinen Rücken entlang, während ich wohlig seufzte.
„Ich muss gleich los“, sagte er leise und küsste meine Schultern. Seine Haare kitzelten mich.
„Ein Einsatz?“, murmelte ich träge.
„Ja“, sagte er leise und ich war sofort wach. „Heute Morgen wurden die Morlems gesichtet. Wir vermuten, dass sie einen neuen Angriff planen. Das ist das erste Mal seit Wochen.“ Mein Herz rutschte eine Etage tiefer, was Adam nicht entging. Mein Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war, hatte mich also nicht getäuscht.
„Ich will diesem Verbrecher endlich das Handwerk legen. Verstehst du das?“ Ich nickte in seinen Armen. Natürlich verstand ich es, ich wollte ja genau dasselbe. Das machte die Sache im Moment aber noch lange nicht leichter.
„Pass gut auf dich auf!“, sagte Adam und küsste mich, dann stand er auf und zog sich wieder an.
„Wenn, dann solltest du auf dich aufpassen“, murmelte ich und erhob mich ebenfalls. „Komm ja heil zurück!“, drohte ich schließlich, als wir an der Tür standen. Adam nickte.
„Wenn wir nur einen von ihnen lebend zu fassen kriegen, dann würden wir schon aus ihm herausbekommen, für wen er arbeitet und warum er diese Mädchen entführt.“ Seine Augen funkelten entschlossen. „Ich komme so schnell zurück, wie es geht.“ Er hauchte mir einen letzten Kuss auf die Lippen und dann war er weg. Ich war plötzlich allein. Der Schmerz kam plötzlich und lief wie vergiftetes Wasser in mein Herz. Die schwarzen Wellen schlugen über mir zusammen, als wenn jemand in meinem Herzen das warme Feuer gelöscht hatte, das Adam dort entzündet hatte.