Die Nacht von Samstag auf Sonntag

Es musste schon sehr spät sein, denn die meisten waren bereits schlafen gegangen. Eine Atmosphäre der Trostlosigkeit hatte sich über das große Schiff gesenkt. Hier und da saßen oder lagen Billigreisende und Betrunkene.

Jennifer hatte keine Uhr, aber sie war müde und musste schlafen. Sie war unsicher auf den Beinen, sodass es eine Weile dauern würde, bis sie ihre Kabine erreicht hätte. Obwohl sie erstaunlich klar im Kopf war, wusste sie nicht genau, an welchem Ende des Schiffes sie sich befand. Eine Welle der Übelkeit schwappte über sie hinweg, und sie sah sich nach einer Toilette um. Zwischen den einarmigen Banditen und den Spielkonsolen entdeckte sie eine. Sie taumelte hinüber so schnell es ging, musste zwischendurch aber mehrere Male schlucken, um nicht auf den Teppichboden zu kotzen.

Sie warf sich in die erstbeste einer ganzen Reihe von Toiletten und schaffte es nicht mehr, die Tür hinter sich zu schließen. Wie eine Kaskade schoss ihr der Mageninhalt aus dem Mund. Die Hälfte ging daneben. Es war nur noch Flüssigkeit. Sie hatte seit vielen Stunden nichts mehr gegessen. Schweißnass vor Anstrengung griff sie nach der Toilettenpapierrolle, die jemand auf den Spülkasten gestellt hatte. Sie musste den Schweiß abwischen und sich die Nase putzen, aber das Papier auf der Rolle war ganz feucht und wellig. Sie hoffte, dass es nur Wasser war. Es gelang ihr, ein Stück des nassen Papiers abzureißen und sich das Gesicht damit abzuwischen.

Plötzlich hörte sie, wie die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, aber in ihrem benebelten Zustand konnte sie sich nicht dazu aufraffen, nach hinten zu schauen. Sie spürte eine Bewegung an ihrem linken Ohr und hörte eine Stimme fauchen:

»Du sollst nicht so neugierig sein, du kleine, verdammte Fotze«, und als sie vor Schreck zusammenzuckte und sich umdrehen wollte, spürte sie, wie sich warme Hände in einem steinharten Griff um ihren Hals legten.

Sie versuchte zu schreien, bekam aber keinen Ton heraus. Ihr Kehlkopf wurde mit großer Kraft in den Hals gedrückt. Vor ihren pochenden Augen färbten sich die weißen Kacheln erst rosa und schließlich rot. Am Ende fühlte es sich an, als ob ihre Augen brachen. Die Hände ließen los, und sie sank über der vollgespuckten Toilettenschüssel zusammen.