KARL-AXEL HÄGLUND

Neuer olympischer Rekord

Als sie sich vorbeugte, glitt die superkurze Rockkante in die Höhe, und die zarten, weichen, runden Formen der Schenkel enthüllten sich, wohl verpackt in der geschmeidigen Nylonumhüllung. Er fühlte, wie der Speichel über seine Mundwinkel trat, als er auf der Schwelle stand. Sie zog die Überdecke vom Bett und beugte sich dabei leicht kniend nach rechts, und er konnte ein Stückchen des orangefarbigen Slips unter den dünnen Strumpfhosen entdecken. Sie strammten sich in der Einbuchtung zwischen Schenkeln und Hintern. Sie streichelte leicht die Kissen und trällerte eine lustige Frühlingsmelodie.

Ihm war, als würde seine Zunge groß und unförmig im Mund, und er atmete schwer durch die Nase. Vorsichtig versuchte er, einen Schritt in den Raum hinein zu machen. Aber nein! Er kam nicht vom Fleck! Die Füße wirkten fest verankert wie in den Bleiflossen eines Tauchers. Die Knie zitterten, und er öffnete den Mund, um ihren Namen zu rufen, aber kein Ton kam über seine Lippen. Die Stimmbänder vibrierten, so daß es im Gaumen kitzelte. Sein Blick war wie festgenietet an der wippenden Rockkante. Verdammt noch mal! Ganz einfach verdammt noch mal! Hier ging sie trällernd umher und machte das Bett, und er hatte keine Chance, sich ihr zu nähern. Sie blickte nicht in seine Richtung. Jetzt öffnete sie die Tür zum Balkon, und der Teufel soll’s holen, wer kam jetzt direkt ins Schlafzimmer herein? Ja, Birger Axelsson.

Ach so! Auf der Linie lief der Karren! Das hätte er ja ahnen können. Stand sie jetzt nicht da und lächelte Birger zu, der zu ihr hinstürzte und sie leidenschaftlich umarmte? Er küßte sie gierig, während er ihren Kopf zurückbeugte und seine Hände

rund um ihren weichen, runden Popo legte, sie an sich drückte, so daß sie leicht aufstöhnte. Ihre langen Finger streichelten über Axelssons Nacken. Es knisterte in seinem Haarschopf, der sich wie ein Hahnenkamm aufstellte. Verfluchter Axelsson! Das nenne ich eine abgefeimte Heuchelei. Den ganzen Winter Enthaltung predigen, und jetzt das...

Kriegte der Kerl es jetzt nicht auch fertig, ihr das Kleid abzustreifen und sie aufs Bett zu legen! Mit routinierter Hand knöpfte er ihr den orangeroten Büstenhalter auf. Die Brüste quollen wie Früchte mit reifen, runden Knospen hervor. Es war zum Wahnsinnigwerden, dazustehen und zuzusehen, wie Axelsson eine nach der andern küßte, so daß die Warzen steif wurden, und sie selbst, das liederliche Stück, an dem Hosenlatz von Birger herumfummelte. »Aber Berit! Berit! Mach das nicht«, drängte es ihn zu schreien. »Der Schurke wird dich ficken!«

Aber seine Stimmbänder waren wie gelähmt, und Berit holte rasch aus dem Reißverschluß einen großen, steifen Schwanz hervor. »Und unsereinem, der auf der Schwelle steht, bleibt die Puste weg. Kein schlechtes Werkzeug, das muß man sagen. Dieser gemeine Axelsson hat wirklich ordentliches Werkzeug aufzuweisen.«

Jetzt schmeichelte er ihr mit geübter Hand den Slip herunter. Küßte er nicht das kleine Muttermal auf der Innenseite des Schenkels? Legte sich neben sie und spielte mit allen fünf Fingern zwischen ihren Schenkeln? Begann sie nicht mitzumachen? Der schwarze Buschen rund um ihre Grotte glühte förmlich, als sie sich immer heftiger auf der Matratze bewegte. Und der niederträchtige Schurke Axelsson plazierte seinen Daumen sehr strategisch auf dem oberen Rand der Scheide, die sich immer mehr weitete. Leicht, sehr geschickt und geübt glitt sein Daumen langsam auf und ab, und rasch sprang eine kleine Blume hervor, von warmem Saft begleitet.

Und diese liederliche Hündin, ja, die liederliche Hündin Berit sah aus, als würde sie sich dabei ganz vortrefflich unterhalten.

Und er, der auf der Schwelle stand? Ja, er konnte nicht umhin, zu staunen. Denn während er so als passiver Zuschauer dastand, merkte er plötzlich, daß er in gewisser Beziehung positiv reagierte. Der Takt des Herzens erhöhte sich besorgniserregend, wo er doch sonst fast phänomenale Testwerte hatte. Das neue Ledersuspensorium, das er gezwungen war, sich zu beschaffen, als das Training im Ernst begonnen, drohte zu sprengen, und er fühlte, wie sich sein Mund öffnete und schloß, in Übereinstimmung mit den rhythmischen Bewegungen, die Berit im Bett ausführte. Er schnappte nach Luft wie ein geiler Schellfisch auf einer Jungfraueninsel in der Nordsee. Das war fantastisch. Und jetzt, als Birger Axelsson sich bereit machte, Berit zu besteigen, und vorsichtig ein Kissen unter ihren Hintern schob, so daß ihr weicher, leicht hervorstehender Magen etwas heruntersank und der Unterleib mit dem lockigen, feuchten, schimmernden Vorgarten in die Höhe schoß, als er sich über ihr zurechtlegte und gleichzeitig mit sicherer Hand seine Eichel in ihrer Öffnung plazierte, um sich einen Augenblick später mit gewaltiger Kraft in sie hineinzubohren, wollte der, der auf der Schwelle stand, mit zugeschnürten Stimmbändern und mit auf dem Boden fest gewachsenen Sohlen laut schreien: »Berit! Berit! Denk an Mexiko! Um Himmels willen, Berit, denk an Mexiko!«

Er erwachte mit einem Ruck. Schnappte nach Luft. Die Atmosphäre im Klubhaus war so schwül wie in einer Gesindekammer in Sörmland in den dreißiger Jahren. Er hatte Schweißperlen am Haaransatz, und die Pyjamahose hatte sich um seine Fußknöchel verwickelt. Es dauerte eine Weile, bevor er sich orientieren konnte. Was für ein Alptraum! Was für ein fantastischer Alptraum! Aber als traute er sich selbst oder seinen Sinnen oder irgend etwas anderem nicht richtig, riß er sich los aus seiner Erstarrung, stürzte hinaus in den Kellergang, die Treppe hinauf in den Flur, durch die Halle und den Wohnraum und blieb erst auf der Schwelle des Schlafzimmers stehen.

Durch die Rollgardinen sickerte etwas Frühlingssonne herein. Und richtig: Da lag Berit. Allein. Mit rosigen Wangen, das Nachtgewand züchtig bis zum Hals hinauf zugeknöpft. Langsam zog er sich aus dem Raum zurück. Da lag sie also allein. Es war nur ein Alptraum gewesen. Er ging in die Küche hinaus, schluckte zuerst eine Handvoll Proteintabletten und stellte sich dann unter die Dusche. Mit einer ärgerlichen Grimasse drehte er den Hahn für das kalte Wasser auf.

Am Frühstückstisch wollte er eben Berit sagen, daß sie ungewöhnlich hübsch aussehe, als an der Außentür geläutet wurde.

»Das ist wahrscheinlich Birger«, sagte Berit und eilte in die Halle hinaus.

Stimmt. Es war Birger Axelsson, der hereinstürmte. Mit einem Haufen Zeitungen unterm Arm und einer großen, braunen Tüte in der andern Hand.

»Hej, ihr guten Kinder, Gott zum Gruße«, schrie er fröhlich wie gewöhnlich. »Habt ihr gesehen, was sie in der Zeitung schreiben?«

Er öffnete Dagens Nyheter und zeigte auf eine dicke Überschrift: »Fantastische Wurfserie von Willy Bock. Endlich ein schwedisches Olympiatalent in der Schleuderklasse. Neuer schwedischer Rekord eines jungen Sportlers aus Värmland.«

»Was sagt ihr jetzt, meine Freunde? Unser Trainingsprogramm beginnt glänzende Resultate zu zeigen.«

Und er klopfte Willy auf den Rücken.

»Hier bringen sie wahrhaftig ein Bild von dir über drei Spalten im Svenska Dagbladet. So was haben sie nicht gehabt, seit der gottlose Bengt Anderberg ein Königliches Stipendium abgelehnt hat. Übrigens hast du gestern eine fantastische Schleuderserie gemacht.«

Berit strahlte. Ein Dreispaltenbild im Svenska Dagbladet!

Und Willy lächelte tapfer. Gewiß hatte er gestern ein fantastisches Ergebnis erzielt, daran ist nicht zu rütteln, Teufel noch mal! Sogar bei Gegenwind. Es war gut, daß der Verein einen Kontrolleur hingeschickt hatte. Voriges Mal hatten die Burschen in Stockholm sich nur lustig gemacht und über das Phänomen von Fryksdalen nachher in der Presse gewitzelt. Man hatte es schwer, einen Diskuswerfer zu akzeptieren, der keine Mittelmäßigkeit war.

»Und hier«, sagte Axelsson und stellte die braune Tüte mitten auf den Tisch. »Hier hab’ ich die wirkliche Proteinbombe gefunden.«

Er holte einige Papiertöpfe hervor, die mit der Aufschrift >Pep-Talk< versehen waren.

»So was muß man wohl unter den Armen haben«, sagte Berit mit strahlenden Augen.

»Direkt auf dem ganzen, nackten Körperchen nach dem Bad, was? Ha, ha, ha!« lachte Axelsson. »Nein, kleines Mädchen, da drin ist das wirkliche Wunderpulver. Lies nur, was auf dem VDN-Etikett steht:

Hammelmaul

Wolfsschere

Rotrübensamen

Fischlaich

Mohammedanische Tropfen

Geriebene Rosinenkerne

Glennpillen

Geschabte Esche

Medizinische Zange

Räuberdreck

Quartettzwiebel

Vatermilch

Dollarstock

Fassberg (aus Malmö)

Madonnenblick

Adrian (gnadenweise)

Verakruz

Jollron

Rüppert

Grabhügelerde

Slidicon

Mjukon

Rolloff

Mineva

Nymfa

Vidister

Maulsaat

Rasputin (in Flocken) Runkaband (småländisch) Jukon

Spasmobil (bengalisch) Linkerton

Opolan (in Stücken)

Möller

Majs Zange

Schaum

Gelbe Rebe

Notdurft

»Das sind ja gräßlich viele komische Sachen«, sagte Berit.

»Das ist ein altes Hexenrezept, das die moderne Gesund-heitslehre ausgegraben hat. Ich kenne keinen andern Trainer, der es bisher entdeckt hat.«

»Wird man nicht gedopt, wenn man das Zeug schluckt?« fragte Willy mißtrauisch.

»Nein, keine Spur! Diese ungewöhnlichen, alten, volkstümlichen Drogen sind vollständig harmlos und zugelassen.«

Birger Axelsson riß den Verschluß eines der Papiertöpfe mit Pep-Talk auf.

»Her mit einer Milchflasche!« kommandierte er.

Berit stellte die Flasche vor Willy hin.

»Nimm jetzt eine ordentliche Dosis.«

Willy schüttelte den ganzen Topf in die Milch. Sie rauchte von Spreu und Splittern und Halmen wie eine bessere Dreschmaschine.

Willy rührte um, nahm einen Löffel voll und leerte ihn mit geschlossenen Augen.

»Na?« fragte Birger.

»Pfui Teufel!« krächzte Willy. »Schmeckt nach Pferdescheiße.«

»Ha, ha, aber das wird dir guttun. Schluck noch eine Portion, in einer halben Stunde fangen wir mit dem Konditionstraining an.«

Während Willy auf dem Kiesweg lief (neben Birger auf dem Fahrrad), dachte er an den fürchterlichen Alptraum, den er gehabt hatte, und zum erstenmal fühlte er bei diesen Vorbereitungen für die Olympiade in Mexiko gewisse Zweifel.

Er machte größere Schritte, als sie sich dem Sportplatz näherten, und Birger mußte sich auf die Pedale stellen und tüchtig treten.

»Das war ein starker Ruck, den du zuletzt gemacht hast«, sagte Birger, als sie im Gras vor dem Umkleideraum auspusteten. »Es ist wichtiger, du schonst dich bis zu den Sprinterübungen.«

So war es immer.

Es war die Schnelligkeit, die Axelsson entscheidend fand.

»Diskuswerfen ist eine Frage von Sekunden. Genau wie bei einem Sprinterlauf«, pflegte er zu erklären. »Die Grundkondition und die Stärke sind wichtig, aber die Schnelligkeit ist ausschlaggebend.« Und dann pflegte er am Küchentisch zu Hause bei Berit und Willy auf einem karierten Papier Kurven über die Wirkung der Zentrifugalkraft zu zeichnen, so daß es dem Ehepaar im Kopf herumwirbelte.

»Es ist ein Glück, daß Birger seine Kräfte dir widmet«, pflegte Berit mit strahlenden Augen zu sagen.

Und das hatte was für sich.

Die meisten von Axelssons Ideen war er bereit, zu akzeptieren. Aber das mit der Enthaltung war wirklich beschwerlich.

»Hör mal, Willy«, hatte Birger gleich nach Weihnachten gesagt, als sie von einer Skitour zurückkamen, »ich möchte unter vier Augen mit dir reden.«

Sie gingen ins Klubhaus hinüber.

»Hier, schau dir mal die Abhandlung an, die ich in die Hand bekommen habe. Sie ist einfach sensationell und behandelt die Abhängigkeit der Sportresultate von der Sexualität. Sie ist von der Zentralen Sportakademie in Tirana ausgearbeitet. Die liegt in Albanien, wie du weißt. In den meisten Oststaaten sind sie schon riesig weit gekommen, aber Albanien hat seinen eigenen Weg gewählt, na, auf die große Politik scheißen wir in diesem Fall. Man soll nie Sport und Politik miteinander vermischen, außer wenn es ökonomische Vorteile bedeutet. Ha, ha. Aber auf alle Fälle, hier siehst du schwarz auf weiß, daß die sexuelle Enthaltung von gewaltiger Bedeutung ist. Der Diskuswerfer Apollonius Taskippos hat 1966 als Bester 56.32 geworfen. Da war er frisch verlobt mit einer Spritkassiererin im Restaurant Roter Stern in einer kleinen Provinzstadt. Er hatte eine Beischlaffrequenz von durchschnittlich 6 per Tag. Trainierte täglich und arbeitete als Straßenfeger. Ein Instrukteur von Tirana wurde auf den jungen, vielversprechenden Burschen aufmerksam, studierte ihn am Platz und kam zu der Überzeugung, daß er für eine Spezialbehandlung reif sei.

Die Sache mit der Spritkassiererin war das Problem. Das entdeckte man, als man Taskippos in ein Internat in Tirana brachte. Dort bekam er jeden Tag wissenschaftliches Training und kam einfach nicht dazu, Kontakt mit Frauen zu haben. In zwei Monaten erhöhte er die Wurflänge um nicht weniger als vier Meter. Ein fantastisches Resultat!

Ich kenne nicht deine Beischlaffrequenz«, sagte Birger und lächelte vertraut, »aber ich habe bereits mit Berit gesprochen, und sie hat wirklich nichts dagegen, dir zu helfen. Hier gilt es also, temporär von einer gewissen Sache abzustehen, um einen enormen Erfolg in einem andern Sektor zu gewinnen, sozusagen. Du hast das Zeug zu einem wirklichen Olympier in dir, das weiß ich. Es fehlen dir nur ein paar Meter zu einem schwedischen Rekord. Ich glaube bestimmt, daß eine radikale Dämpfung deines Geschlechtsverkehrs dir alle Möglichkeiten öffnen würde. Ich spreche jetzt von Mann zu Mann mit dir. Bist du bereit, dieses Opfer zu bringen, so werde ich wahrhaftig keine Mühe scheuen, dir ein komplettes Trainingsprogramm zu verschaffen, das dich zu einer Sensation machen wird.«

Willy war überrumpelt und saß stumm und nachdenklich eine Weile da. Beischlaffrequenz? Ja, was sollte man dazu sagen?

Er war ziemlich frisch verheiratet. Nur während seines Jobs als Ausgrabungsmaschinist verließ er das Ehebett. Schon in der Früh machte er einen richtig schönen Morgenfick. Wenn Berit mit ihrer Arbeit fertig war und Willy sich die Zeit nahm, in der Mittagspause heimzukommen, um was Richtiges zu essen, falls er nicht außerhalb der Stadt jobte, war es klar, daß man nach dem Kaffee eine schnelle Nummer im Schlafzimmer machte. Und am Abend. Natürlich am Abend. Wenn im Fernsehen Dreck war, und das war ja nicht selten der Fall, dann gingen sie schon nach der ersten aktuellen Sendung zu Bett, und der Teufel weiß, wie oft sie noch fickten, bevor sie einschliefen.

Aber es war klar, an den Trainingsabenden fühlte er sich manchmal ein bißchen schlaff. Beischlaffrequenz? Und Birger hatte schon mit Berit gesprochen? Na ja, immerhin, für eine Reise nach Mexico City könnte man sich eventuell ein paar Monate ein bißchen zurückhalten.

Apollonius Taskippos! Von dem hatte er noch nie was gehört. Na, wennschon, sagte er sich und kam sich witzig vor.

Und jetzt lag er im Gras neben Axelsson, starrte in den blauen Frühlingshimmel hinauf und atmete tief.

Vom Umkleideraum hörte man plötzlich leises Kichern.

Was für eine Schweinerei! Weiber im Umkleideraum? Axelsson reagierte sofort: »Wollen wir mit den Sprintproben anfangen? «

»Was zum Teufel ist im Umkleideraum los?«

»Das weiß ich nicht.«

»Das klingt nach Weibern!«

»Das ist wohl nicht möglich.«

Aber wieder das Kichern.

»Wir müssen nachschauen.«

»Ich werde es tun«, sagte Axelsson.

»Wir schauen beide hinein.«

Er erhob sich und ging zu der niedrigen Baracke hin, die nach militärischer Vergangenheit aussah. Fryksdalens IF hatte begrenzte ökonomische Möglichkeiten. Die Tür war versperrt, aber man hörte deutlich, daß Leute drin waren. Irgendeine Damensportabteilung gab es nicht, deshalb war es sonderbar, daß da drin so frisch und andauernd gekichert wurde. Sie gingen zur Rückseite, wo es ein Fenster gab.

»Das sind wohl einige Schulmädchen, die spielen«, sagte Axelsson. »Scheren wir uns nicht drum, fangen wir lieber mit dem Training an.«

»Wir müssen das untersuchen«, sagte Willy und fühlte eine sonderbare Erregung.

Er drückte das Gesicht an die Fensterscheibe. Zuerst sah er nichts.

»Es ist schade, die Zeit zu verlieren«, sagte Birger. »Komm!«

»Zeit verlieren!« sagte Willy ärgerlich, denn nun sah er besser. Ja, es waren Jugendliche drin. Er sah zwei Mädchen, die auf dem Boden saßen. Eine mit langem blonden Haar, und die andere, die mit dem Rücken zum Fenster saß, war dunkelhaarig. Ihr Rücken schimmerte weiß und nackt, die Bänder des Büstenhalters spannten sich über ihre Achseln. Und sie lachten beide, denn zwischen ihnen am Boden lag ein Mann. Willy konnte nur ein Paar Beine in hellen Jeans und eine dunkelbraune Jacke sehen.

Was ging da vor?

Ein Junge und zwei Mädchen! Sicher Schüler vom Gymnasium, die für ihre Schulgymnastik Zugang zum Sportplatz hatten. Aber womit beschäftigten sie sich jetzt? Das helle Mädchen beugte sich nieder, und er sah, wie sie den Burschen küßte.

Verdammt noch mal. Das wirkte spannend.

Willy fühlte, wie sich das Ledersuspensorium zu spannen begann.

»Was siehst du denn?« fragte Birger und ging zum Fenster hin.

»Ach, nichts Besonderes.«

»Ich geh hinüber und schau nach, ob sie die Abstandsmarkierungen für die Würfe aufgestellt haben«, sagte Birger.

»Okay«, sagte Willy und sah, wie der junge Mann seine Hände um den Nacken des blonden Mädchens legte. Die Dunkelhaarige knöpfte seine Jacke auf und zog sie vorsichtig aus dem Hosenrand heraus.

Dieser Kerl hatte wirklich eine feine Lage. Ob man hineingehen und ihm helfen sollte? Zwei junge Dinger gleichzeitig waren jedenfalls ein starkes Stück. Willy fühlte, wie das Protein in den Adern zu brodeln begann. Es zuckte und siedete richtig im Rückenmark.

Nun beugte sich das blonde Mädchen auf die nackte Brust des Mannes und streichelte sie mit den Fingerspitzen. Sie legte ihre Wange an seine Schulter, und ihr langes Haar breitete sich über den nackten Körper.

Er begann sich zu bewegen, hatte es schwer, stillzuliegen, und die Dunkelhaarige streifte rasch ihren Büstenhalter ab. Ihre Brüste waren klein, aber fest, sie wirkten noch nicht richtig entwickelt. Teufel, das waren ja nur Halbwüchsige! Unglaublich, wie die sich heutzutage aufführten! Machten sich geil mitten am Vormittag. Willy Bock war sittlich entrüstet, aber gleichzeitig auch gewaltig aufgerührt.

Er konnte sehen, wie der Bursche gierig nach den Brüsten griff. Wie er sich halb sitzend erhob und eifrig die spröden Knospen küßte. Die Dunkelhaarige warf den Kopf zurück und liebkoste den Mann im Nacken, indes er sich entschlossen und wild an einer ihrer Brustwarzen festsaugte. Die Blonde strich ihm jetzt über die Hüften und über die Schenkel herab oberhalb der hellen Jeans. Langsam und methodisch.

Willys Gaumen wurde ganz trocken, und er mußte seine Stellung ändern. Er konnte seine Blicke nicht von dem Trio da drin losreißen. Er hatte sich nun ans Dunkel gewöhnt, aber hie und da mußte er einen Blick über die Schulter werfen, um zu sehen, ob jemand auf tauchte. Aber er und Axelsson pflegten an den Vormittagen allein auf dem Sportplatz zu sein. Er lag stumm und still da, eingebettet in dichtes Laub und Frühlingsgrün.

Aber diese Jugendlichen?

Was für freche Eindringlinge!

Nun hatte die Blonde zwischen den Beinen des Jünglings das steife Glied gefunden, das anzeigte, daß er wahrhaftig nicht gleichgültig den erregenden Aufforderungen der zwei Nymphen widerstand.

Hier steht man wie ein verblödeter Fenstergucker, dachte Willy, als das Mädchen den Verschluß im breiten Gürtel des Burschen zu öffnen begann. Er war mit einer Messingschnalle versehen, die im Halbdunkel glänzte. Die gelbe Spange raspelte gegen die Ringe der Löcher, es klirrte metallisch um die Lenden des Burschen. Er drehte sich unter den schmeichelnden Händen hin und her, und ritsch sagte es, als der Reißverschluß sich öffnete und die Hosenbeine auseinandergingen. Mit rascher Hand, aber doch respektvoll vorsichtig, entblößte die Blonde das gut entwickelte Glied, das kurz, kräftig und etwas knotig war. Sie fixierte es intensiv, zog die Vorhaut bis zur Wurzel hinab und begann es dann zu reiben.

Nun hatte die andere Nymphe sich mit dem Rücken an einen der Wandschränke gesetzt und den Kopf des jungen Mannes auf ihren Schoß gezogen. Er zog ihr den Rock bis zur Mitte hinauf und enthüllte ein Paar schön gewölbte Schenkel. Er drehte sich um auf den Magen, die Blonde schob ihm die Hose ganz herab und fuhr fort, ihn zu wichsen. Die Dunkelhaarige zog sich selbst den Slip aus und rückte sich in eine bessere Lage, damit er mit dem Kopf auf ihrem Magen liegen konnte.

Er schleckte wild den entblößten Nabel, während ihr Körper langsam immer weiter hinunterrutschte. Das blonde Mädchen hatte nun die Hand zu einer funktionellen Röhre geformt, und der junge Mann führte seinen Schwanz zwischen ihren Fingern immer heftiger auf und ab. Er begann bereits zu schäumen. Langsam, sehr langsam saugte er sich hinauf zu den Brüsten der Dunkelhaarigen, die ihren Unterkörper immer heftiger zu bewegen begann. Und dann! Dann erhob sich der Bursche auf die Ellenbogen, und sehr schnell waren ihre Geschlechtsorgane im Kontakt miteinander. Die Blonde führte zielbewußt seine tulpenartige Eichel in ihre schmale Scheide. Jetzt entstand am Boden da drin im Raum ein toller Tumult. Der Mann, der von den Mädchen auf die freigebigste Weise als Objekt ihrer Lüste benutzt worden war, entwickelte eine Aktivität, daß selbst Willy Bock die Spucke wegblieb. War es die Situation, die ihn so sprachlos machte? Gezwungen zu sein, diesen Vorgang als Zuschauer zu erleben, war wirklich eine harte Prüfung.

Er hatte sich eines Tages bei Axelsson beklagt.

»Ich weiß nicht, was ich machen soll, Teufel noch mal! Der Schwanz ist mir im Weg, wenn ich werfe. Er steht beinahe den ganzen Tag. Wie soll ich das noch weiter ertragen?«

»Das werden wir schon hinkriegen. Wir werden dir ein prächtiges Ledersuspensorium verschaffen mit Schaumgummieinlage. Dann hast du keine Beschwerden mehr.«

Keine Beschwerden mehr!

Danke der Nachfrage.

Das arme blonde Mädchen! Jetzt lag sie gebeugt über dem frenetisch fickenden Mann, ließ ihre vollgespritzte Brust hin und zurück über seinen Rücken gleiten, glitt mit der Hand hinunter zwischen seine Beine, drückte rhythmisch den Hodensack, der in ihrer Hand anschwoll. Die Dunkelhaarige zog die Knie hinauf, setzte sich und kreuzte allmählich die Beine um seinen Rücken. Es sah merkwürdig aus. Willy Bock dachte an Berit. So pflegte sie es auch zu tun. Aber er hatte es nie so von der Seite gesehen. Jetzt stieß wohl das Glied hinauf bis zur Gebärmutter. Nein, dieser Bursche hatte nicht die Möglichkeit, so weit zu kommen, oder doch?

Kam er wirklich so weit? Er plazierte seine Hände unter dem Hintern der Dunkelhaarigen und hob sie hinauf. Das stellte die Blonde vor ein Problem. Herrgott, wenn man eingreifen könnte! Jetzt biß die Blonde ihn in den Nacken. Er wand sich ganz rasend, stieß den Schwanz bis zur Wurzel hinein und ließ ihn drin stehen. Es zuckte rhythmisch in seinen Lenden. Nach einer Weile zog er sich rasch zurück. Die Blonde küßte ihn mit Hingabe, während er in der Dunkelhaarigen explodierte.

Willy Bock starrte fasziniert hin.

Da rief Axelsson: »Willy, alles ist klar jetzt. Beeil dich!«

Beeil dich selbst, dachte Willy, denn jetzt, der Teufel soll’s holen, jetzt hatte sich der junge Mann drin zu der Blonden gewendet und setzte sich auf dem Platz zurecht, den früher die Dunkelhaarige eingenommen hatte, mit dem Rücken gegen den Schrank. Der Schwanz war fast glühend und samenbedeckt; ein seliges Lächeln stand in seinem Gesicht, als ob er eben etwas Überirdisches, lange Erstrebtes erreicht habe, und er strich mit beiden Händen an dem kurzen, dicken, nicht besonders monumentalen, aber funktionstauglichen Schwanz hin und her — es sah aus, als ob er sich mit ihm wohlwollend unterhalte. »Verflixter Bursche, das hast du fein gemacht. Auf dich kann man sich verlassen.«

Und während er zufrieden schnaufte, setzte sich die Blonde rittlings über ihn. Setzte sich mit einer gewissen Finesse einfach auf ihn drauf, schlang die Arme um seinen Hals, preßte ihren fülligen Busen gegen ihn und küßte ihn auf den Hals. Und während der Jüngling mit sicherer Hand seinen Schwanz hielt und ihn in die weiche Grotte hineinsteuerte, fühlte Willy Bock, daß das mehr sei, als er die Kraft hatte anzusehen. Er wollte um die Ecke herum zur andern Seite der Baracke springen, die Tür auf reißen und sich in die liederliche Atmosphäre hineinstürzen. Das hemmende Suspensorium in die Hölle fahren lassen und die Brunst bis zur Neige austoben.

Willy drehte sich auf dem Absatz um und wollte gerade um die Ecke eilen, als er Axelsson erblickte.

»Wollen wir jetzt anfangen?« fragte der. »Was ist da drin los? Warum kommst du nicht? Denk an Mexico City!«

»Ich komme, ich komme«, sagte Willy Bock. »Ich denke die ganze Zeit an Mexico City!«

Als sie zum Lunch heimkamen, saß eine fremde Frau im Garten. Sie stellte sich als Reporterin der Zeitschrift >Freund der Damen< vor, einer mondänen und offenherzigen Publikation, die mit Interesse alles notierte, was sich im Land ereignete. Zum Beispiel die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele.

»Man will Bilder von wohltrainierten Männern sehen. Männer, die sich wirklich bemüht haben, ihren Körper bis zur Vollendung aufzubauen. Die alles hergeben, was in ihnen steckt.«

»Alles hergeben«, dachte Willy.

Es war ein strahlender Tag. Die Sonne schien. Berit ging in einem minimalen Bikini herum, die Reporterin von der Wochenzeitung hatte einen schenkelfreien Rock an, kolossal schöne Beine und einen Ausschnitt, der ganz unvernünftige Kurven ahnen ließ. Willy entschuldigte sich. Er müsse sich nach dem Training duschen.

Er nahm eine kalte Abreibung, aber sie half nicht viel. Als er wieder auf den grünen Vorplatz hinauskam, hatte Berit seinen Lunch gedeckt. Proteintabletten und vier blutige Steaks, abgerundet mit Vollmilch und einer großen Packung ekliger >Pep-Talks<. Birger plauderte mit der Dame von der Wochenpresse und berichtete in malerischen Ausdrücken über die Strapazen, die hinter dem kolossalen Resultat standen.

Es gelte zu entsagen, um zur Höhe hinaufzukommen. Jeder könne eigentlich etwas Großes werden, wenn er sich bloß mit aller Energie dazu entschließe.

Die attraktive Abgesandte des Damenblattes, die aus einem freikirchlichen Milieu kam und deshalb die Dinge beim rechten Namen nannte — außer wenn sie darüber schrieb —, fragte plötzlich Willy geradeheraus:

»Es wird also im Haus hier nicht besonders viel gefickt?«

»Nein, das ist, verdammt soll es sein, nicht der Fall«, wollte Willy spontan sagen, aber hielt sich nach einem Blick auf Axelsson zurück.

»Das kommt darauf an, wie man die Sache betrachtet«, sagte Axelsson. »Hier werden die erotischen Kontakte auf eine andere Ebene übertragen. Man weiß, was man will, und man will, was man weiß. Hoch zu streben erfordert Anspannung. Olympisches Spiel ist olympisches Spiel. Beischlaf ist nicht das einzige hier auf Erden. Jede Sache hat ihren Platz.

Die Gruppe, die Gesellschaft fordert neue Einsätze von jedem einzelnen. Sich in den Schoß der Familie einzuschließen, ist unsolidarisch. Kleinbürgerlich. Soll man Schweden repräsentieren, das Vaterland, den Wohlfahrtsstaat, das Musterland, muß man weitere Perspektiven haben. Das Kollektiv, die Massen müssen aus ihrem privaten, glücksindoktrinierten Familienmilieu heraus. Ich weise nur auf Apollonius Taskippos hin!«

»Wer ist das?« fragte die Reporterin.

»Er war verliebt in eine Spritkassiererin in Albanien«, sagte Willy mit wichtiger Miene und klammerte sich an diesen Strohhalm.

»Das klingt spannend«, sagte die Dame und blickte Willy tief in die Augen. In der Tiefe ihres Blickes flammte ein sehr persönliches Feuer. Als begreife sie seine Lage. Als verstehe sie ihn. Als fühle sie ein gewisses Mitleid mit ihm. Birger Axelsson berichtete enthusiastisch über die Erfahrungen, die man in Tirana gemacht hatte.

Die kurvige Dame machte Notizen.

»Sie möchten vielleicht einen Teil unseres Trainingsprogramms in der Praxis studieren?« fragte Axelsson abschließend. »Wir setzen gleich nachmittags das Training im Übungsraum fort.«

»Gern«, sagte die interessierte Reporterin.

Willy seufzte, schloß aber schnell die Mahlzeit ab und lächelte Berit zu, die dauernd Axelsson anstrahlte.

Im Hobbyraum im Keller hatte man ein Trainingsstudio eingerichtet. Ergostat, Kletterstange, Hanteln, Muskelstrecker, Medizinball und andere kraftfördernde Apparate.

Willy zog seinen Trainingsoverall aus und startete mit einer rasenden Trampfahrt auf dem feststehenden Fahrrad. Er fuhr eine halbe Meile, und die schreibende Schönheit sah fasziniert zu. Als der Schweiß hervorbrach, beendete Willy Bock das Fahrradtraining und warf sich auf die Kletterstange.

Er fühlte sich angespornt von den anerkennenden Blicken der Zuschauer. Er trieb das Klettertempo enorm in die Höhe. Die ganze Zeit starrte er intensiv auf die Frau mit dem Schreibblock. Sie hatte sich auf einen Hocker bei der Tür gesetzt, und ihr kurzer Rock spannte sich um ihre Hüften. Sie war sich deutlich bewußt, daß sie außerordentlich wohlgeformte Beine hatte. Bei den Leistungen, die Willy auf der Kletterstange vollbrachte, ging ein leichtes Zittern durch ihren ganzen Körper. Sie lächelte etwas merkwürdig und mußte hie und da ihre Beinstellung ändern.

Axelsson erklärte gewisse Finessen des Trainingsprogramms, und Berit wechselte im Duschraum die Handtücher.

Willy dachte an die Jugendlichen im Umkleideraum am Sportplatz und segnete das Ledersuspensorium.

Während er die Muskeln seiner vier Glieder müde trainierte, stand das fünfte wie ein Eisenspieß zwischen seinen Beinen. Fünfundvierzig Minuten hielt er durch. Der Schweiß perlte ihm hervor, als er sich mit einer Reihe leichter gymnastischer Bewegungen auf dem Boden abreagierte. Er schloß mit Beinübungen in Rückenlage ab und konnte dabei noch besser die geschmeidigen Schenkel des weiblichen Gastes genießen. Sie applaudierte anerkennend, und er eilte unter die Dusche.

»Ja, und dann ist mindestens eine Stunde Schlaf am Nachmittag einkalkuliert«, sagte Birger Axelsson. »Hartes Training, kraftvolle, wissenschaftliche Diät und stärkender Schlaf. Das ist eigentlich das ganze Rezept.«

»Das klingt sehr interessant«, sagte die Mitarbeiterin der Damenzeitung und fragte Berit nach der Toilette.

Eigentlich wurde bis zu den Qualifizierungswettspielen im Stadion von Stockholm jede Woche immer unerträglicher. Aber die Resultate kamen allmählich am laufenden Band. Sportschweden richtete seine Blicke immer öfter nach Fryksdalen. Fast jeden Tag, wenn Birger und Willy vom Vormittagstraining heimkamen, warteten Repräsentanten der Massenmedien auf dem Vorplatz des Hauses.

Willy Bock mußte für die frühe und späte aktuelle Sendung die Muskeln zeigen, ebenso für >Sport Extra< und >Jeder vierzehnte Tag<, wo er fast das ganze Feuilleton beherrschte. Man bewunderte den fantastischen Einsatz, die Aufopferung und die idealistische Zielsetzung.

Bei den Distriktmeisterschaften schraubte Willy Bock den schwedischen Diskusrekord um nicht weniger als sechs Meter höher.

Berit jubelte, und Axelsson war der verkörperte Sonnenschein. Er hatte ein neues Präparat gefunden, mit dem er Willy in den letzten Wochen fütterte. Es hieß Ollonmaltine, und Willy fand, es schmeckte nach Sperma, aber das wagte er nicht zu sagen. >Es schmeckt nach altem, saurem Knechtschwanz aus den dreißiger Jahren <, dachte er manchmal, aber er drückte Augen und Nase zu, schwieg und schluckte.

Er ging zeitig zu Bett, schlief wie ein Murmeltier, träumte aber oft die fürchterlichsten Träume. Von Anfang an war es Birgers Idee, daß Willy im Klubhaus im Keller schlafen sollte.

»Vielleicht ist es besser, wenn du nicht bei Berit schläfst«, sagte er freundschaftlich, »jetzt wo es auf den Endspurt zugeht. Du verstehst, die Versuchung könnte zu groß werden.«

Und Berit bewies dafür volles Verständnis.

»Ich will dich nicht in irgendeiner Weise beeinflussen, aber wenn du jetzt vor dem Höhepunkt deiner Karriere stehst...du verstehst vielleicht, daß ich deinetwegen eine Zeitlang im Schlafzimmer allein schlafe.«

Deinetwegen! Das war rücksichtsvoll und verständnisvoll, das mußte man sagen.

Früh mußte er zu Bett gehen. Axelsson und Berit pflegten an den Abenden noch lange aufzusitzen. Sie sahen fern, tranken Bier und aßen eine Kleinigkeit. Sie gingen die Trainingsresultate durch, wie sie sagten.

»Birger opfert sich ganz gratis für dich«, betonte Berit. »Ich muß darauf achten, daß er sich bei uns wohl fühlt. Denk an Mexico City!«

Und Willy Bock biß die Zähne zusammen und kämpfte weiter. Die Schnelligkeit hatte er im Ring hinaufgearbeitet. Er flitschte wie ein gut geölter Propeller im Wurfring herum und ließ den Diskus davonsausen, daß es in der Luft nur so pfiff. Und wenn die Scheibe auf der Wiese landete, geschah das oft ein gutes Stück hinter der magischen Flagge, die die nationale Grenzlinie markierte.

Birger jubelte.

Berit lächelte herzlich.

Willy biß die Zähne zusammen.

Er dachte an Mexico und die bevorstehenden Qualifizierungswettspiele. Nachmittags ging er ins Schlafzimmer und betrachtete seine früheren Auszeichnungen, die auf einem Regal standen. Es war eine wohlgeputzte Reihe von Pokalen, Standarten, Plaketten und Medaillen. Berit bearbeitete sie mindestens einmal in der Woche mit Putzmitteln.

In letzter Zeit sah es so aus, als reibe und putze sie noch öfter. Ständig kamen eine Menge fremder Menschen auf Besuch. Es war angenehm, eine Frau zu haben, die sich so um die Ehrenzeichen ihres Gatten kümmerte.

»Sie ist ein prächtiges Wesen, deine Berit«, pflegte Axelsson zu sagen und Willy zuzublinzeln, wenn sie sich bei der Treppe trennten, die hinunter zum Klubraum führte.

Willy war unsicher, wie Birger das meinte. Es konnte geschehen, daß er sich nach einer Weile hinaufschlich zur Schlafzimmertür, die nun meistens verschlossen war. Es war still im Zimmer. Warum sollte es nicht still sein? Sicher lag Berit und las in einem guten Buch, bevor sie einschlief. Was sollte sie anderes tun, nachdem Birger sich entfernt hatte, im Fernsehen Schluß war und das ganze Haus totenstill lag. Sie pflegte verdammt viele komische Bücher zu lesen, aber darum kümmerte sich Willy nicht so sehr. Sie war prächtig, Berit, da hatte Axelsson recht. Und verflucht hübsch war sie, und von Tag zu Tag wurde sie hübscher.

Morgens nahm sie gern ein Schaumbad, und manchmal schlich sich Willy mit einer Leiter an die Rückseite des Hauses. Er tat, als müsse er irgendein Detail an der Fassade kontrollieren. Er stieg auf die Leiter und guckte vorsichtig durch das Badezimmerfenster. Und wenn er sah, wie seine schöne Frau, fröhlich im Wasser plätschernd und genießerisch, in der grünen Wanne dalag, war es nur das steife Ledersuspensorium, das ihn hinderte, den Schwanz hervorzureißen, die Fensterscheibe zu zerbrechen und sich über Berit zu werfen.

Verflucht und zugenäht!

Sie wurde verlockender von Tag zu Tag.

Und sie verstrichen. Die Tage, heißt das, einer nach dem andern.

Bald stand man vor den Qualifikationswettspielen in Stockholm. Am Abend vor der Abreise kam Birger mit dem Auto in voller Ausrüstung. Er hatte einen Volkswagenbus organisiert. Platz genug für alle Extradinge, die mit sollten. Trainingsausrüstung, Geräte, Präparatevorrat, Kleider und sonstiger persönlicher Krimskrams.

»Willy Bocks Training Camp<, hatte er mit großen Buchstaben an die Außenseite gemalt. Er hatte überall am Auto Flaggen und Wimpel montiert, alle in den schwedischen Farben, und platzte fast vor guter Laune.

»Hej, ihr frohen Amateursportler! Ich habe eben mit deinem Chef gesprochen, Willy! Du kriegst frei bis zum Jahresende bei vollem Lohn, wenn du einen schwedischen Rekord im Stadion machst! Was sagst du jetzt? Und da hast du eine Jacke, auf der Pep-Talk steht. Wenn du sie beim Training trägst, kriegst du das Präparat gratis bis an dein Lebensende. Das sind Nachrichten, was?«

»Oh, Birger!« sagte Berit und schlang spontan die Arme um Axelsson. Sie hatte eine dünne Bluse an, die niemand in Unkenntnis über den schwellenden Busen lassen konnte, der auch den in dieser Hinsicht Verwöhntesten zufriedenstellen mußte.

Birger klopfte Willy kameradschaftlich auf die Schulter.

»Jetzt drehen wir noch eine letzte Fünfundvierzig-Minuten-Trainingsrunde im Studio, und dann marsch ins Bett!«

Er hatte seine Wohnung einige Meilen außerhalb des Ortes und sollte bei Willy und Berit übernachten, damit man am nächsten Morgen rasch nach Stockholm starten konnte.

Willy biß die Zähne zusammen, es schmerzte ein wenig in einem Backenzahn, aber er hob die Hanteln und streckte sich und beugte sich und dehnte den Muskelstrecker und radelte und kletterte und erreichte neue wunderbare Testwerte.

Als er geduscht hatte und sich an den Mittagstisch setzte zu einer großen Portion Ollonmaltine, die er ruhig und sachlich in sich hineinzwang, sagte Berit:

»Was für Resultate wir erreicht haben! Das ist ja ganz fantastisch! Unglaublich, wie man nur dadurch, daß man aus

Solidarität von gewissen Sachen absteht, so was Außerordentliches erreichen kann!«

Birger hatte ein neues Suspensorium besorgt, das er mit aufmunterndem, herzlichem Lächeln Willy nach dem Essen überreichte.

»Ich kann mir denken, daß das alte schon ausgedient hat«, sagte er gemütlich. »Und jetzt gute Nacht!«

Willy zog sich widerwillig in seine Kemenate zurück.

»Marsch ins Bett«, dachte er fast laut. »Hier könnte man den Schwanz ohne weiteres Erbarmen direkt in die Daunenkissen stoßen!« Aber er verwarf den Gedanken rasch.

Berit kam nachher noch zu ihm herunter. Sie sah aus wie eine Illustration aus einer Zeitschrift für Nymphomaninnen in ihrem durchsichtigen Nylonnegligé mit Spitzen.

»Ich bin stolz auf dich«, sagte sie und hob die Hand zu einem pathetischen Gruß, wie eine altgermanische Aphrodite, bevor sie sich zurückzog.

Teufel noch mal, was die alles sublimieren können, wenn sie wollen, dachte Willy Bock.

Er blätterte sich durch acht Exemplare >Volk im Bild< und verspeiste sechs Disney-Serien, bevor er einschlummerte.

Als sie sich ein wenig nach vorn beugte, glitt der superkurze Rocksaum hinauf und entblößte ein zartes Kniegelenk, so jungfräulich und weich wie ein frischgeschälter Weidenzweig.

Die Stimmung war fast pastoral. Die Nachmittagssonne schien durch das Fenster. Sie beugte sich noch weiter vor und befreite die Eiderdaunenkissen von der Bettdecke. Dann legte sie die Decke zusammen. Die Leinwand war schneeweiß, ganz frisch gebügelt.

Sie zog erst die Bluse aus. Die Brüste lagen wie reife Früchte verpackt in orangefarbigen Körben. Sie stieg rasch aus dem Rock und legte ihn sorgfältig zusammen, streifte dann vorsichtig die Strumpfhosen ab, schmeichelte gleichsam das dünne Gewebe von sich herunter, setzte sich eine Weile auf den Bettrand. Blickte hinab über Schenkel und Beine. Strich mit den Fingern über die Waden. Ließ das Achselband fallen und langsam die orangefarbigen Körbe hinuntergleiten, drehte den Büstenhalter um, so daß das Rückenteil zwischen den von der Natur wohldimensionierten Kissen der Vorderseite landete. Diese bebten befriedigt, als sie von ihrer Verpackung befreit wurden. Sie füllte ihre Hände mit den weißen Früchten, drückte und spitzte die Warzen aufwärts. Es sah verlockend aus.

Er stand auf der Schwelle und wollte eben einen Schritt vorwärts machen, als sich die Balkontüre öffnete.

Was in drei Teufels Namen?

Das hätte man sich ausrechnen können.

Verdammter Gauner!

Da trat er ohne viel Umstände ein ins Allerheiligste. Kam einfach herein, und Berit sah keineswegs überrascht aus, nein, das tat sie nicht. Sie lächelte nur, fröhlich wie eine Lerche. Und was tat er, dieser Axelsson? Er beugte sich zu ihr hinunter und küßte sie auf das runde Knie! Überschwemmte ihren Körper mit Küssen, den runden Magen, die weichen Hüften, die zitternden, spitzen Brüste. Biß sich eine Weile in den Brustwarzen fest. Streichelte und drückte, und Berit schloß die Augen. Axelsson beugte sie zurück, ließ sie über das Bett fallen, plazierte seine Hand zwischen ihre Schenkel, rollte mit einem Expertengriff den Slip herab, entblößte ihre prachtvolle Scham...

Er erwachte mit einem Ruck und mit Berits nacktem Körper auf der Netzhaut.

Er setzte sich im Bett auf. Die Klubstube war wie ein Hochofen. Er schwitzte gewaltig.

Was für Alpträume! Ständig und stets wiederkehrende Alpträume.

Willy Bock stand auf. Fast betäubt und schlaftrunken. Er stand eine Weile still und fühlte das Blut durch die Adern rasen. Was für fürchterliche Träume!

Eine gewisse Verwirrung verschleierte seine Augen. Aber plötzlich erstarrte er. Dann stürzte er aus dem drückend schwülen Raum hinaus. Durch den Keller, die Treppe hinauf zur oberen Wohnung, quer durch die Halle, und blieb erst

vor der verschlossenen Schlafzimmertür stehen. Er zögerte einen Augenblick, die Türklinke niederzudrücken. Aber nur den ganz kurzen Augenblick lang, den er brauchte, um auf einen sonderbaren Laut drinnen zu reagieren. Und war er auch schon früher schlafwandlerisch durch seine Träume gegangen, jetzt machte er ihn mit einemmal hellwach.

Das war ein sonderbar gurrender Laut. Wie von einer Taube oder einem andern Vogel, oder einem Kaninchen, oder einem Menschen.

Lag Berit und trällerte mitten in der Nacht? Hatte sie ein interessantes Buch gelesen und dann einen schönen Traum geträumt?

»Mummmmm mummmmm mummm«, klang es.

Und noch auf eine andere Art. Zielbewußter.

»Oööööö ummmm ummmm.«

Und dann ein klatschender Ton, als habe ein Vieh seine Hufe in ein wassergefülltes Wespennest gesetzt. Die reine Naturlyrik!

Vielleicht war Berit eingeschlafen und hatte vergessen, das kleine Transistorradio abzudrehen?

Vorsichtig drückte er die Klinke nieder und öffnete die Tür einen schmalen Spalt breit.

Es war fast dunkel im Zimmer, die Rollgardinen heruntergezogen. Da der Sommer noch jung war, hatten die weißen Nächte noch nicht zu blühen begonnen.

Willy Bock stand regungslos, und es dauerte eine Weile, bis seine Augen etwas unterscheiden konnten. Aber ein süßer, wohlbekannter Duft erreichte seine Nase.

Es roch ganz einfach durch den Türspalt nach einer sinnlichen Frau. Er schloß die Augen und machte einige tiefe Atemzüge.

Dann sah er zum Bett hin. Und entdeckte, daß es leer war.

Hereingefallen, was? Komisch!

Aber auf dem Fußboden neben dem Bett!

Beim glutheißen höllischen Feuer, genau wie damals in der Umkleidebaracke!

Konnte er seinen Augen trauen?

Das mußte er wohl. Es blieb ihm nichts anderes übrig.

Willy Bock schluckte und stierte und stierte und schluckte. Er wurde am ganzen Körper abwechselnd heiß und eiskalt.

Sie hatten die Matratze auf den großen, weichen Teppich hinuntergelegt (mit dem er sich selbst abgeplagt hatte, ihn fertig zu knüpfen), und da lag Berit auf den Knien, und hinter ihr Axelsson, der große Stratege. Er umklammerte sie mit all seiner unsublimierten Kraft, stieß ihr den Schwanz von rückwärts hinein, während seine Hände gierig ihre runden, weichen Brüste drückten. Ihre Schenkel und Beine und Arme zitterten wollüstig, und Berit quietschte genußvoll wie eine geile Katze im Frühlingsmonat März.

Willy Bock schluckte und stierte und stierte und schluckte.

Dann zog er sich langsam zurück. Halb verblendet von Raserei und sublimierter Lust, aber doch mit einem zielbewußten Gedanken hinter der schweißblanken Stirn.

Er ging hinunter ins Trainingsstudio.

Dort hingen die Keulen an einer Wand ordentlich nebeneinander. Er nahm eine herunter und prüfte ihre kompakte Schwere in der Hand.

Dann schlich er sich langsam wieder zum Schlafzimmer zurück.

Und fürchterlich anzusehen in seiner Raserei, stand er auf der Schwelle, einer Heldenfigur aus einer frühnordischen Sage gleich. Eine verletzte, gekränkte und bis ins innerste Innere getroffene Erscheinung mit Muskeln, schwellend von Protein.

Berit schrie auf, als sie ihn sah.

Aber Birger Axelsson fuhr fort, sie zu ficken. Er trieb seinen Schwanz hinein und hinaus in der intensiven Gewißheit, bald die ersehnte Auslösung zu erreichen.

»Beim heiligen Apollonius Taskippos«, brüllte Willy Bock. »Im Namen aller von Puritanern betrogenen Männer auf der ganzen Welt!«

Und er erhob mit einem unartikulierten Laut die Wettspielkeule und schwang sie, während er sich um die Achse drehte.

Bei der ersten Drehung riß er die Deckenlampe herunter und das Elchbild, signiert S. Förster, das einen Preis bei einer

Ausstellung in Arvika bekommen hatte. Bei der zweiten Drehung zertrümmerte er das Bücherregal und den Nachttisch.

Berit schrie:

»Denk an Mexico!« Dann retirierte sie unter das Bett, und Axelsson hinter ihr hielt eine rotgequetschte Schwanzspitze in der Hand.

Nun hatte Willy Schwung in die Keule gebracht. Sie fuhr mit Getöse in die schön geputzte Sammlung der Preise. Bronze-, Silber- und Goldmedaillen flogen im Raum umher. Pokale sausten wie Projektile durch die Luft, und Plaketten klirrten in Haufen zu Boden.

Nun hatte Willy Bock den dreikantigen Handgriff der Keule mit beiden Händen erfaßt. Und ununterbrochen den Namen Apollonius Taskippos brüllend, drehte er sich dreieinhalbmal rund um sich selbst, wie es ihm durch monatelanges Training in Fleisch und Blut übergegangen war. Und dann warf er die Keule.

Sie fuhr mit einem Raketenstart direkt durch das große Fenster, das auf den schön gepflegten Garten führte.

Hier schließt eigentlich der Bericht von Willy Bocks Sportkarriere. Heulende Ambulanzsirenen begleiteten seine Fahrt in eine Welt mit ganz anderen Präparaten als Pep-Talk und Ollonmaltine.

Aber der Polizeikommissar Ernfried Nilsson, der die Schlußuntersuchung leitete, pflegte gern eine bemerkenswerte Sache zu betonen. Er hatte die Wurflänge nachträglich gemessen.

»Und faktisch«, pflegte er abends im Hinterstübchen des Hotels Bärenschlucht zu sagen, »endete sie mit vierundsiebzig und vier Zehntel. Ein neuer olympischer Rekord!«