13. KAPITEL
Auf dass die toten Köpfe rollen
Wie in Trance ging ich in den hinteren Teil der Scheune. Die Zombiejäger hatten sich in die Sessel gesetzt, alle fluchten und bereiteten sich darauf vor, aus ihrem Körper zu treten, Justin eingeschlossen.
Ziemlich schockierende Wende der Ereignisse.
Trina warf mir einen scharfen Blick zu, und ich wusste, dass sie mich aufforderte, so schnell wie möglich mit Cole zu reden.
Bald, formte ich mit den Lippen.
Hatte er Justin in die Gruppe aufgenommen, weil er hoffte, seinen Feind so im Auge zu behalten, oder vertraute er ihm tatsächlich? Benutzte er ihn vielleicht und tat nur so, als würde er ihm vertrauen, um Informationen über Anima zu bekommen?
Meinte Justin es ehrlich oder agierte er als Doppelagent?
So viele Möglichkeiten.
Einer nach dem anderen standen die Zombiejäger nun in Geistform dort. Alle außer mir. Ich versuchte es, wieder und wieder, aber es gelang mir nicht.
Während ich mich bemühte, hatte ich das Gefühl, als würde sich jemand an meinem Geist festklammern und ihn daran hindern, den Körper zu verlassen.
Gavin und Veronica machten sich auf den Weg, gefolgt von Trina und Collins, dann Lucas und Mackenzie, Cruz und Bronx. Auch wenn es anders aussah, abgesehen von mir hatte in dieser Nacht niemand einen Partner – und mir war bisher noch nicht gesagt worden, wer mit mir gehen würde. Alle strömten in unterschiedliche Richtungen davon, um ein so großes Territorium wie möglich abzudecken. Keiner sollte jedoch einen Kampf beginnen, bevor Verstärkung eintraf.
„Stimmt was nicht?“, fragte Justin mich, der zurückgeblieben war.
War er mein Partner? Nein, vermutlich nicht.
„Nichts. Alles in Ordnung. Das funktioniert schon.“ Ich schloss die Augen. Mit jedem Quäntchen meiner beträchtlichen Entschlossenheit stellte ich mir vor, wie mein Geist sich erhob, und spürte, wie mein Körper reagierte. Aber als ich die Augen öffnete, packte mich jemand und schob mich energisch wieder zurück in den Sessel. Was zum Teufel?
Justin zuckte die Schultern. „Viel Glück“, murmelte er und machte sich davon.
Cole hockte vor mir, der einzige noch anwesende Zombiejäger. Oh, verdammt. Er war mein Partner? Er sah zur Tür, dann zu mir. Die Tür, ich. In seinem Gesicht zeigte sich Unentschlossenheit. „Probleme?“, fragte er.
Warum nicht die Wahrheit sagen? „Ja. Aber ich weiß nicht, was es ist.“ Es sei denn … War Z. A. inzwischen stark genug, um mich festzuhalten?
Er sah erleichtert aus. „Bleib hier. Ich sollte eigentlich dein Partner sein, also hätten wir sowieso das gleiche Territorium abgedeckt. Dann gehe ich einfach allein.“
Und schaffe es so schneller, schien sein Tonfall anzudeuten.
Ich sah ihn finster an.
„Morgen“, fuhr er fort, „kann Ankh noch ein paar Tests mit dir machen.“
„Das ist deine Antwort auf alle Fragen, Tests, Tests, Tests? Er hat schon ein paar Tausend Proben von mir genommen und nichts gefunden. Es gibt nichts mehr zu überprüfen.“
„So? Dann wiederholt er eben die Testreihe. Das Ergebnis könnte beim nächsten Mal anders ausfallen.“
Ach, wirklich? „Kennst du die Definition von Verrücktheit? Dasselbe immer und immer wieder machen und erwarten, dass es irgendwann anders ausgeht.“
„Stimmt nicht. Das ist die Definition von Entschlossenheit.“
Cole legte mir die Hände auf die Knie. Weil er in Geistform war und ich in meinem Normalzustand, schwebten sie durch mich hindurch und hinterließen irgendwie eine heiße Spur.
„Geh einfach“, sagte ich erschauernd und deutete zum Ausgang.
„Ali.“
„Geh“, wiederholte ich.
Er kniff die Augen zusammen. „Trotz allem, ich bin immer noch dein Boss. Du solltest nicht so mit mir reden.“
„Du bist mein Boss. Mein Ex. Mein Freund. Manchmal. Vielleicht. Das kannst du nicht alles zur gleichen Zeit sein. Du musst dich entscheiden.“
Nun waren seine Augen schmale Schlitze. „Heute wähle ich mal den Boss. Morgen könnte ich es mir wieder anders überlegen.“
Dieser Typ war so frustrierend. „Geh jetzt!“, sagte ich. Und aus Gemeinheit fügte ich hinzu: „Sir.“
Er fletschte die Zähne. Genauso wie er es getan hatte, als wir uns das erste Mal begegnet waren. Dann richtete er sich auf, ging zur Tür, riss sie mit mehr Nachdruck als notwendig auf und stampfte in die Nacht hinaus.
Ich blickte mich in der Scheune um. Mr Holland und Kat waren in ein Gespräch vertieft. Ärger und Frustration ballten sich in mir zu einer explosiven Mischung zusammen und ich schlug mit der Faust auf die Sessellehne. Ich sprang auf die Füße, lief bis zum Ende der Sesselreihe und machte eine Drehung, um wieder zurückzulaufen … da sah ich meinen Körper im Sessel sitzen. Moment. Ich hatte es getan? Aber wie? Warum jetzt auf einmal?
Und wieso brannten meine Beine noch?
Coles Berührung … die Hitze …
Fürchtete sich Z. A. vor ihm? Wenn das so war, sollte er mich mit seinen heißen Geisterhänden überall berühren und sie zu Tode ängstigen.
Seine Hände … überall … Ich erschauerte, dann wurde ich wütend.
Ich lief zur Tür. Da sie mit einer Blutlinie präpariert war, konnte ich nicht hindurchschweben. Wie Cole vorher öffnete ich den Riegel und trat ins Freie. Ich sah mich um, konnte aber kein Zeichen von den …
Moment. Etwas entfernt im Garten sah ich einen goldfarbenen Streifen, als hätte jemand eine winzige Glühbirne fallen lassen. Eine Blutlinie. Ich ging näher heran, sah rote Flecken gemischt mit goldenen. Eher keine Blutlinie. Ich fand noch einen Streifen wenige Meter entfernt und folgte der Spur durch den Garten hinter die Scheune, immer weiter, bis ich tiefer und tiefer in den Wald kam.
Bäume erhoben sich gegen den sternenlosen Himmel, deren Äste wiegten sich in der Brise. Eine Eule schrie. Es war so dunkel, als hätte jemand eine schwarze Decke über den Wald gebreitet. Kalte Luft schlug mir entgegen und ich erschauerte. Vorn zu meiner Rechten bewegte sich etwas – ein weiterer Streifen war auf dem Boden zu erkennen. Ich runzelte die Stirn. Diese Flecken stammten nicht von Blutlinien, ganz sicher nicht, sondern von irgendwelchen Fußabdrücken. Von wem? Warum?
Dann sah ich einen Schatten und ging schneller, fegte vorwärts. Der Schatten blieb stehen. Ich ebenfalls. Groß und breitschultrig, auf jeden Fall ein Typ. In schwarzem Hemd und schwarzer Hose wurde er fast von der Dunkelheit verschluckt. Ein dunkles Tuch verbarg seine Haare. War das ein Zombiejäger?
Frosty und Bronx hatten ihren Kopf bedeckt. Der Typ drückte sich an einen Baumstamm und lehnte sich leicht zur Seite.
„… kann es nicht glauben, dass Cole uns das antut“, hörte ich Trina sagen.
„Ich weiß“, entgegnete Lucas. Seine Stimme wurde leiser. Er schien sich in eine andere Richtung zu bewegen.
Aha. Die beiden waren nicht zusammen aus der Scheune gegangen, aber sie hatten sich gleich gefunden. Interessant.
„Ali sollte sich so schnell wie möglich darum kümmern, sonst …“, sagte Trina.
Dann wurde es still, nicht einmal Grillen waren zu hören.
Der Schatten bewegte sich vorwärts, hinterließ einen weiteren leuchtenden Streifen. Ich nahm seinen Platz ein, lehnte mich vor und entdeckte ihn ein paar Meter vor mir. Ich presste mich an den Baumstamm.
„Jetzt echt mal, was machen wir denn da?“, fragte Trina, nun wieder in Hörweite.
„Vorsichtig sein. Auf das achten, was wir tun und sagen. Ich werde Justin nichts verraten, was er an die Overalls weitergeben kann“, erklärte Lucas, der nicht bemerkte, dass sie verfolgt wurden.
Die Schattenperson befand sich in Geistform, ich war ziemlich sicher, und er … spionierte die beiden aus?
Wut kochte in mir hoch. Das war nicht Frosty, auch nicht Bronx.
Der Typ schoss um den Baum herum, ich folgte ihm. Diesmal verharrte er nicht in der Nähe von Trina und Lucas, um deren Unterhaltung zu belauschen. Er bewegte sich in die andere Richtung. Ich blieb auf seiner Fährte, immer auf die Streifen achtend. Der kleine Verräter konnte sich nicht vor mir verbergen. Ich würde ihn auf frischer Tat ertappen und …
Etwas Hartes traf mich von hinten, sodass ich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden aufschlug. Die Luft wich mir aus der Lunge und ich hatte Erde im Mund. Einen kurzen Augenblick sah ich Sterne. Ich versuchte, vorwärtszukriechen, wurde aber von einem schweren Gewicht festgehalten. Einen Moment drohte mich die Furcht zu überkommen, dann sammelte ich mich schnell, wirbelte herum und schwang meine Faust.
Treffer!
Schmerz durchzuckte meine Fingerknöchel. Ich hatte das Kinn des Typen getroffen – ein festes, widerstandsfähiges Kinn.
„Loslassen!“, rief ich und erwartete fast, rote Pupillen zu sehen. Papierdünne verwesende Haut. Haar, das in Büscheln herunterhing. Stattdessen blickten mich vertraute violette Augen an … und mein Blut erhitzte sich so wunderbar. Ich blieb still liegen.
„Ali?“
„Cole? Was machst du denn? Ich …“
Lag unter ihm. Meine Gedanken schweiften ab. So hatten wir schon mehrmals gelegen. Aber die anderen Male hatte er mich geküsst und seine Hände waren auf Wanderschaft gegangen. Hatten meinen Körper zum Leben erweckt. Diesmal waren wir in Geistform, doch ich fühlte mich sogar noch lebendiger als sonst. Als wäre ich an einen Generator angeschlossen. Meine Nerven vibrierten vor Energie.
Er sah mich direkt an … näherte seine Lippen meinem Mund und verharrte. Seine Gesichtszüge wurden weicher. Sein Atem ging schneller, wurde flacher.
„Alles in Ordnung? Du hast abgenommen und unter deinen Augen liegen Schatten. Ich war mir nicht sicher, ob du ein Wanderer bist, der hier herumirrt, oder ein Zombie.“
Ich versteifte mich, versuchte nicht in Panik auszubrechen. „Mir geht es gut.“
„Gut. Das ist gut.“ Mit dem Daumen strich er über meine Wange. „Ali …“
Ich kannte diesen Blick, den Tonfall, diese Art der Berührung und wusste, wo das hinführte, falls ich ihn nicht aufhielt. „Geh runter von mir“, forderte ich ihn auf und schämte mich, weil ich mich plötzlich so atemlos anhörte.
Er blieb, wo er war. „Was machst du mit mir? Wie schaffst du es, dass ich vergesse, was das Beste für mich ist … für dich?“
„Was ist denn das Beste?“ Vielleicht, wenn er es sagte, würde ich ihm ja endlich glauben.
Nein, das überzeugte mich immer noch nicht. „Stimmt nicht.“ Ich machte mir keine Sorgen darum, dass seine Worte später wahr werden könnten, weil er sich in Geistform befand. Da machte nämlich mein freier Wille nicht mit. Ich wandte den Kopf ab und blickte in den Himmel. „Ich habe absolut kein Interesse an Gavin und du interessierst dich nicht für Veronica. Nicht mehr.“
„Das stimmt.“ Die perfekte Antwort … bis er hinzufügte: „Ich glaube nicht, dass sie mich interessiert.“
Dieser Satz tat weh. Machte mich wieder wütend.
Ich packte ihn am Kragen und schüttelte ihn. „Meinst du wirklich, du könntest glücklich mit ihr werden?“
„Ich weiß nicht.“
„Himmel noch mal, vielleicht wirst du das für eine kurze Zeit, aber wenn du deine Gewohnheit nicht änderst, bleibst du nicht lange bei ihr.“
Er sah mich verärgert an. „Ich habe keine Gewohnheit.“
Blind! „Glaubst du wirklich, dass du keine Angst davor hast, jemanden zu verlieren, der dir viel bedeutet? Dass du dich deshalb von demjenigen trennst, bevor er sich in dein Herz schleichen kann?“
Er packte mich an den Handgelenken, zog mir die Arme über den Kopf und hielt mich am Boden fest. Automatisch wand ich mich und meine Brust streifte seinen Oberkörper.
„Ich habe sehr wohl Leute in mein Herz gelassen.“
Was er nicht aussprach, war: nur dich nicht.
Muss endlich aufhören, immer wieder diese Ablehnung zu provozieren. „Vielleicht irren wir uns ja beide. Vielleicht hast du ja nicht mal ein Herz.“
„Oh doch, ich habe eins.“ Er kniff die Augen zusammen und schob mit seiner freien Hand meine Beine auseinander, um sich noch dichter an mich pressen zu können – es war einfach perfekt – und die dumme, dumme Ali ließ es zu. Sein harter Körper an meinem, männlich an weiblich.
„Ich will nur nicht, dass es gebrochen wird.“
„Dann gehst du also herum und brichst es lieber den anderen?“
„Ich habe dir nicht das Herz gebrochen, das weißt du genau“, zischte er. „Du bist ziemlich schnell über mich hinweggekommen, und ich habe mein Bestes getan, um dich zu vergessen.“
Mehr sagte er nicht, doch ich wusste Bescheid. In diesem Moment wusste ich es. „Du hast schon was mit Veronica angefangen“, sagte ich tonlos.
Ein Schatten schien auf sein Gesicht zu fallen. Ich wartete darauf, dass er es abstritt.
Er tat es nicht.
Er nickte.
Obwohl ich es befürchtet hatte, traf mich der Schock wie ein kräftiger Schlag mit einem Baseballschläger. Ich fühlte mich geprügelt und betrogen, dabei stand mir das gar nicht zu. Wir hatten uns getrennt. Aber … aber … hier war er, lag auf mir drauf. Und ich, ich liebte dieses Gefühl. Währenddessen war die Erinnerung daran, wie er mit Veronica herumgemacht hatte, frisch und neu und brannte in seinem Bewusstsein.
Ich schob ihn von mir und sprang auf. „Ich glaube, ich hasse dich.“
„Da bist du nicht die Einzige. Ich glaube, ich hasse mich selbst.“
Dieses Thema war bei mir abgegessen. Es tat nichts zur Sache. Durfte nichts zur Sache tun.
Was hast du mit ihr gemacht, hätte ich fast gerufen.
Zitternd sagte ich: „Wieso hast du mich angegriffen, wenn du dachtest, ich wäre ein Wanderer?“
Er holte tief Luft. „Eine Wanderin, die durch die Gegend schleicht, als würde sie jemanden suchen. Ich wollte kein Risiko eingehen.“ Er rieb sich mit einer Hand über das Gesicht. „Alle sind gegangen und plötzlich kehrt deine Fähigkeit, in den Geistzustand zu treten, wieder zurück? Hast du mir was zu beichten, Bell?“
Ich kochte vor Wut. „Was hast du mir denn vorzuwerfen, Holland?“
„Spionierst du mir hinterher?“
Er … oje … ich schnappte nach Luft. „Das wollte ich nicht! Ich habe einen Spion ausspioniert. War es das, was du gesehen hast? Jemand, der hinter Trina und Lucas hergeschlichen ist?“
Schweigen entstand, ich spürte förmlich seine ungläubige Reaktion auf das Gesagte. Er setzte sich.
„Jemand hat sie verfolgt?“
„Ja, das denke ich.“
„Wie sah er aus?“
„So wie du, nicht ganz so groß. Breitschultrig. Mit einem Tuch um den Kopf.“ Cole trug eins. „Seine Schuhe hinterließen goldfarbene Streifen auf dem Boden.“
Ein Hoffnungsschimmer erschien in seinen Augen, seine Gesichtszüge wurden weicher.
„Zeig es mir.“ Er stand auf und nahm meine Hand.
Seine Finger mit meinen verschränkt … die Wärme, der Trost … das gefiel mir. Ich wollte mehr davon und hasste mich dafür. Schnell ließ ich ihn los. Mein Mund fühlte sich trocken an, als ich zurückging, um nach der letzten Spur zu suchen.
„Da drüben.“ Ich zeigte darauf. „Siehst du sie?“
„Nein.“
Egal. Er konnte auch die Blutlinien nicht sehen.
Cole untersuchte die Umgebung. „Gibt es noch eine andere in der Nähe?“
Ich suchte und fand drei weitere, das war es. Keine Spuren mehr zu finden. Entweder hatte der Typ die Gegend verlassen, oder er hatte uns belauscht und seine Schuhe ausgezogen.
„Okay, in Ordnung.“ Cole presste zwei Finger an seinen Nasenrücken. „Den Spion gibt es also, das wissen wir zumindest. Und jetzt weiß ich, dass es ein Typ ist. Das verkürzt meine Verdächtigenliste schon mal.“
„Du hast befürchtet, dass es einen Spion gibt.“ Eine Feststellung, keine Frage. Deshalb hatte er spioniert.
Er sprang auf mich zu und packte mich an den Schultern. „Das wirst du keiner Menschenseele erzählen, Ali. Versprich mir das.“
War ich auch eine Verdächtige gewesen?
Der Ärger flammte erneut auf, glühend heiß. „Warum hast du Justin wieder aufgenommen? Ich weiß, dass er uns schon geholfen hat, aber woher willst du so genau wissen, dass er kein Doppelagent ist?“
Er schüttelte den Kopf. „Darüber will ich nicht reden.“
„Nicht mit mir, meinst du wohl. Hast du’s mit Veronica besprochen?“ Halt den Mund, sei einfach still!
Seine Nasenflügel bebten. Vor Ärger? Vor Erleichterung? „Willst du genau hören, was ich mit ihr gemacht habe?“, fragte er angespannt.
Ja! „Nein.“ Ich weiß nicht.
„Ich sag’s dir aber. Eigentlich will ich’s dir sogar sagen, glaube ich. Danach hältst du dich nämlich von mir fern, auch wenn ich so dumm bin, um dich herumzuschleichen. Dann werde ich endlich aufhören, mir zu wünschen, was ich nicht haben kann.“
Ich sah ihn wütend an. „Dafür brauchst du gar nichts mehr zu sagen!“
„Ich war zu Hause“, begann er, ohne auf meinen Einwand zu achten. „Sie hat mich besucht.“
Ich schüttelte den Kopf. „Ich will es nicht hören!“
Das war ein Befehl, doch der entsprach nicht seinem freien Willen. Er redete weiter. „Ich hatte was getrunken. Das mache ich sonst nie, aber ich wollte dich vergessen.“
„Sei still!“
„Ich hatte sogar ziemlich viel getrunken. Wir küssten uns. Ich dachte daran, dass ich nie wieder mit dir zusammen sein würde, und ich war wütend auf dich. Ich dachte an dich und Gavin und küsste sie mit allem, was ich hatte. Ich habe ihr das Shirt ausgezogen. Sie berührt.“
„Sei jetzt still!“
Er schleuderte mir die Einzelheiten entgegen, als wären sie Faustschläge.
Das waren sie ja auch.
„Sie hat meine Jeans aufgemacht. Ich …“
„Sei still! Sei still! Sei still!“ Ich war dicht an ihn herangetreten, ohne dass es mir bewusst gewesen war. Meine Arme erhitzten sich fast bis zur Unerträglichkeit, als wollte ich einen Zombie einäschern. Als ich die Hand erhob, um Cole zu schlagen, schossen Flammen aus meinen Fingern – sie waren jedoch nicht weiß, sondern rot.
Cole fiel zu Boden, als hätte ihn ein Truck umgefahren. Schnell sprang er wieder auf die Füße und sah mich dabei argwöhnisch an. Seine Haut war aufgerissen, weil er in Geistform war, blutete er nicht. Auf seinem Körper aber würde Blut sein. In der Scheune wären sicher rote Striemen auf seiner linken Wange.
„Was passiert mit dir?“, wollte er wissen.
Koste ihn.
Die Worte geisterten durch meinen Kopf und mir war egal, von wem sie stammten. Hunger zerrte an mir, unbarmherzig. Ja, ich würde von ihm kosten, würde seinen Geist verspeisen. Mit finsterem Blick ging ich auf ihn zu. Die roten Flammen züngelten meine Schultern hoch. Ich holte mit einem Arm aus, aber Cole duckte sich blitzschnell. Normalerweise hätte er einen Gegenschlag gelandet, hätte mir die Füße wegkicken können. Stattdessen richtete er sich nur auf und ballte die Hände zu Fäusten.
„Tu das nicht“, sagte er.
Nicht mein Wille. Doch, ich würde es tun. Ich umkreiste ihn, unsere Blicke trafen sich.
Hunger!
„Mach weiter, beende deine Geschichte“, befahl ich. Dann tat ich, was er unterlassen hatte, schoss mit einem Bein vor und kickte seine Knöchel zusammen. Wieder ging er zu Boden. Seine Hosenbeine waren weggebrannt, darunter kam rote verbrannte Haut zum Vorschein. Verbrennungen, die ich ihm zugefügt hatte. An meinen Füßen loderten ebenfalls Flammen. „Hilf mir dabei, dich wirklich zu hassen.“
„Ist es das, was du dafür brauchst?“ Er stand auf. „Sie hat sich auf mich gestürzt. Und weißt du was? Es hat mir gefallen.“
Mit einem Aufschrei stürzte ich auf ihn los.
Er wich aus.
Ich hätte es noch mal getan, aber aus dem Augenwinkel sah ich das Feuerwerk, das über den Baumkronen explodierte. Einer nach dem anderen schossen die Zombiejäger ihre Leuchtraketen ab. Jeder, so schien es, hatte Zombies gesichtet.
Ist mir egal.
Ein Zweig knackte.
Ich wirbelte nach links und entdeckte rote Augen, die aus dem Gebüsch schauten.
Ist mir immer noch egal.
Cole kam auf mich zu, vielleicht weil er mich vor dem bevorstehenden Kampf schützen wollte. Als ich seinen Geruch wahrnahm, konnte ich meinen Hunger unmöglich kontrollieren. Ich knurrte ihn an.
Er sah mir in die Augen.
Ich trat noch dichter an ihn heran … wenn ich fertig bin, wird nichts mehr von ihm übrig sein … um mich herum wurde alles dunkel, bis ich vollkommen von einer schwarzen Decke eingefangen war.
„Nein!“, rief ich.
Oh, doch.
Ich glaube … Z. A. versuchte die Führung zu übernehmen.
Ich – sie – trat weiter vor, trotz der Schwärze um mich, ich stolperte.
„Ali“, sagte Cole besorgt.
Die folgenden Sekunden schienen wie in Zeitlupe zu vergehen, ich fiel, landete auf dem Boden. Die Geräusche um mich herum verstummten. Bis auf eins.
Tick. Tack.