KAPITEL 4
»Nun, Ian«, sagte Monica Farrell, »wenn das mal keine Überraschung ist! Wir haben dich ja eine kleine Ewigkeit nicht mehr gesehen!«
Die Worte waren vorwurfsvoll, doch der Tonfall war nachsichtig und ohne Spitze. Um zu unterstreichen, dass sie als Willkommen gedacht waren, tätschelte sie ihm dabei den Arm.
»›Nur herein in die gute Stube!‹, sagte die Spinne zur Fliege. Ich habe den Sherry schon bereitgestellt.«
An der Tante seiner Exfrau war nichts, was an eine Spinne erinnert hätte, im Gegenteil. Superintendent Ian Carter folgte der stämmigen, kleinen Frau ins Innere des Hauses. Sie trug einen weiten Rock, eine alte Strickjacke und vernünftige Schuhe. Sie hatte die langen grauen Haare zu einem Knoten hochgesteckt, der höchst unsicher gehalten wurde von einer Schildpattnadel, die aussah, als stammte sie noch aus Königin Viktorias Zeiten.
Er unterdrückte die aufkeimenden Schuldgefühle. Nachdem er vor wenigen Monaten vom anderen Ende des Landes in diese Gegend gezogen war, um seine neue Stelle anzutreten, war es nicht mehr weit zu Tante Monica. Er hatte keine Entschuldigung dafür, dass er sie nicht schon früher in ihrem Haus in Weston St. Ambrose besucht hatte - außer einer gewissen natürlichen Scheu den Verwandten seiner Exfrau gegenüber. Und dafür konnte man ihm keinen Vorwurf machen. Nicht, dass er und Sophie sich gegenseitig mit Bergen von Schuldzuweisungen überhäuft und einen tiefen Graben zwischen den Familien aufgerissen hätten. Stattdessen war ihre Ehe langsam und unaufhaltsam dem Unausweichlichen entgegengetrieben. Sophie war unglücklich gewesen, und er hatte nicht gewusst, was er dagegen tun konnte. Sie hatten gezankt, nicht gestritten. Sein Job hatte zur Folge, dass er oft erst spät in der Nacht nach Hause kam. Ihre Arbeit bei einer internationalen Company hatte viele Dienstreisen ins Ausland nach sich gezogen. Am Ende waren sie sich scheinbar nur noch zwischen Tür und Angel begegnet.
Bis ein neuer Mann in Sophies Leben getreten war und sie Ian um die Scheidung gebeten hatte. Sie hatte die gemeinsame Tochter Millie mitgenommen. Er hatte zaghaft protestiert, doch wie Sophie auf ihre übliche nüchterne Art mit einem Unterton von Ungeduld klargemacht hatte: Millie war zum Zeitpunkt der Trennung vielleicht gerade erst zehn Jahre alt, doch nicht mehr lange, und sie wäre ein Teenager. Er glaubte doch wohl nicht im Ernst, dass er imstande wäre, einen Teenager zu erziehen? An diesem Punkt hatte Ian kapituliert.
Der Anblick von Tante Monica brachte all diese Erinnerungen mit schmerzhafter Bitterkeit zurück. Und als wären das nicht schon genügend Schwierigkeiten, bestand eine weitere unbequeme Wahrheit darin, dass er verborgene Motive hatte für seinen Besuch an diesem milden Abend. Er wollte etwas von ihr und hoffte, dass sie imstande war, es zu liefern.
Er passierte eine schwarze Katze, die auf einem von Flechten überzogenen Pflasterstein die letzten Strahlen der warmen Abendsonne genoss, und hielt kurz inne, um einen Blick zurück in den Vorgarten zu werfen. Er war in ein goldenes Licht getaucht, das in den nächsten Minuten verschwinden würde, sobald die Sonne hinter dem Horizont versank. Die Stare versammelten sich auf ihren Schlafbäumen, und er hörte ihr geschäftiges Zwitschern und Rufen. Die Katze gähnte und entblößte dabei spitze weiße Zähne und eine lange rosafarbene Zunge, dann blickte sie demonstrativ zur Seite.
Er duckte sich unter dem niedrigen Sturz der Haustür hindurch ins Innere des Cottages. Alles war genau so, wie er es von seinem letzten Besuch zusammen mit Sophie - und Millie - in Erinnerung hatte. Millie war aufgeregt durch das ganze Haus gesprungen. Das Bild verursachte einen stechenden Schmerz in seiner Brust. Das Wohnzimmer war immer noch vollgestellt, unaufgeräumt und gemütlich wie damals. Monica hob eine weitere Katze, einen griesgrämig dreinblickenden rotbraunen Kater, von einem Sessel und bedeutete Ian, darauf Platz zu nehmen.
Der Kater bedachte ihn mit einem Blick, der Bände sprach.
Er versuchte Wiedergutmachung, indem er sich vorbeugte, um das Tier zu streicheln. Es fauchte ihn an und stolzierte davon.
»Er kennt dich nicht«, erklärte seine Besitzerin. »Würdest du häufiger kommen, wärst du sicher bald sein Freund.«
»Es tut mir leid, Monica«, versuchte Ian sich zu entschuldigen. »Ich weiß, ich hätte längst einmal vorbeikommen sollen, oder wenigstens anrufen. Es ist nur so, dass ...«
Er brach ab.
»Ich verstehe dich sehr gut, Ian. Wir alle verstehen dich«, sagte Monica. »Aber wir alle haben dich immer sehr gemocht, Ian, und ich hatte gehofft, dass du mich besuchen würdest. Das heißt selbstverständlich nicht, dass du nur kommst, weil du dich verpflichtet fühlst.«
»Es ist nicht Verpflichtung«, antwortete er offen. »Zum Teil liegt es auch daran, dass ich nicht will, dass Sophie glaubt, ich hänge bei ihrer Verwandtschaft herum wie ein verirrtes Tier in der Hoffnung, wieder aufgenommen zu werden.«
»Du und Sophie, ihr habt ein Kind«, sagte Monica entschieden. »Und ganz gleich, welche Differenzen ihr als Erwachsene miteinander habt, Millie hat ein Recht auf Beständigkeit im Familienleben.«
»Sie schreibt mir alle vierzehn Tage, mehr oder weniger. Aber sie erwähnt kaum jemals ihre Mutter. Ihr ist durchaus bewusst, dass etwas zerbrochen ist, das nicht wieder repariert werden kann. Es ist hart für sie. Sie ist doch gerade erst zehn.«
»Sie wird darüber hinwegkommen.« Monica lächelte. »Kinder schaffen das. Sie sind sehr belastbar.«
»Trotzdem. Ich gebe mir die größte Mühe - und ich weiß, dass es bei Sophie nicht anders ist -, und trotzdem zahlt Millie den Preis für etwas, für das sie nicht das Geringste kann.«
Ihr kluger Blick ruhte auf seinem Gesicht. »Alles hat einen Preis, Ian, und irgendjemand muss ihn am Ende bezahlen. Selbst Glück hat einen Preis.«
»Ich will einfach nicht, dass Millie uns verurteilt für das, was wir getan haben - dafür, dass wir uns haben scheiden lassen ...« Er wollte nicht erbärmlich klingen und vermutete doch, dass er es tat. Das ging überhaupt nicht.
»Wenn Millie euch verurteilt, dann müssen du und Sophie das akzeptieren und das Beste daraus machen, Ian. Es hat keinen Sinn, sich deswegen Vorwürfe zu machen. Das Leben geht weiter, Ian, auch für dich, für euch alle. Du musst dich mit den neuen Umständen arrangieren.«
Sie schenkte zwei großzügige Gläser Sherry aus der auf einem angelaufenen Silbertablett bereitstehenden Flasche voll. Monica Farrell war keine Person, die Antiquitäten in einer Vitrine aufbewahrte - sie benutzte sie. »Aber wenn ich dich so höre, frage ich mich wirklich, wieso du aus heiterem Himmel angerufen und gefragt hast, ob du vorbeikommen darfst.« Sie reichte ihm eins der großen Sherrygläser.
»Ich hatte gehofft dich zu überreden, mit mir essen zu gehen«, sagte er dümmlich.
»Ich esse nie nach sechs Uhr abends«, erwiderte sie entschieden. »Das solltest du eigentlich nicht vergessen haben. Meine Verdauung gerät völlig durcheinander. Zum Wohl!«
Der Sherry machte ihrem Magen anscheinend nicht zu schaffen. Er beobachtete, wie sie mit offensichtlichem Genuss an ihrem Glas nippte.
»Ich muss noch fahren«, protestierte er schwach.
»Wie viele Gläser hattest du denn heute schon?«
»Alkohol? Gar keins.«
»Dann kann ein kleines Glas Sherry sicher nicht schaden.«
Er nahm höflich einen Schluck, während sein Blick durch das Zimmer glitt auf der Suche nach einem Blumenkübel oder einem anderen Gefäß, in das er den Sherry gießen konnte, sobald sie nicht hinsah.
»Ian!«, riss Monica ihn laut aus seinen Überlegungen. »Du siehst aus wie ein Schulknabe, der mit der Hand im Bonbonglas erwischt wurde!«
Sie starrte ihn irritiert an. Es war schon immer besser gewesen, mit Monica ehrlich bis zum Punkt der Schonungslosigkeit zu sein, sinnierte Carter kläglich. Er stellte das Sherryglas ab.
»Ich habe einen weiteren Grund, aus dem ich mich bei dir gemeldet habe, Monica«, räumte er ein. »Außer der Tatsache, dass ich dich sehen und mich dafür entschuldigen wollte, dass ich nicht schon früher gekommen bin. Ich habe ein neues Haus bezogen und ...«, hörte er sich lahm hinzufügen und verfluchte sich selbst für seine Feigheit. »Ich sehe ein, dass das keine Entschuldigung ist.«
»Meinst du denn, es gefällt dir in diesem Teil von England, nachdem du jetzt umgezogen bist?«, fragte sie.
Er nickte. »Ja. Ja, es gefällt mir hier.«
»Nun, ich bin wirklich neugierig, was dich hierher geführt hat.«
»Wir ermitteln wegen einem Vorfall, der sich heute im Lauf des Tages ereignet hat.«
»Wenn ihr Polizisten ›Vorfall‹ sagt, kann das alles Mögliche bedeuten«, bemerkte sie. »Also schön, Ian, erzähle weiter. Ich werde dich nicht mehr unterbrechen.«
»Okay. Also gut, es ist ein verdächtiger Todesfall. Er hat sich im Haus von jemandem ereignet, von dem ich glaube, dass du ihn möglicherweise kennst. Du hast den größten Teil deines Lebens in dieser Gegend verbracht. Sophie hat immer gesagt, dass du jeden kennst ...« Er brach ab.
»Sophie meinte wahrscheinlich, dass ich weiß, was die Leute so machen.« Monica konnte nicht widerstehen, trotz ihres Versprechens, ihn nicht mehr zu unterbrechen. »Na ja, früher einmal war das sicher der Fall, doch das ist längst vorbei. Ich komme nicht mehr so viel herum, weißt du? Aber damals ... na ja, in so einem Dorf spricht sich halt alles herum. Vergiss nicht, dass ich mehr als zwanzig Jahre lang an der Dorfschule unterrichtet habe. Die Schulmeisterin in so einem Dorf erfährt jedes noch so gut gehütete Familiengeheimnis.« Ihre Stimme nahm einen grimmigen Tonfall an. »Die alte Schule ist längst in privatem Besitz. Sie wurde umgebaut, bis sie nicht mehr wiederzuerkennen war, und heute wohnt so eine verdammte Bande von Stadtmenschen darin, die nicht mal imstande ist, die eigenen Hunde im Zaum zu halten! Der Mann ist irgend so ein Baulöwe, und ich nehme an, das alte Schulhaus ist ein Beispiel für das, was seine Firma kann.«
»Hast du eine offizielle Beschwerde wegen der Hunde eingereicht? Falls ja und falls er sie immer noch nicht unter Kontrolle hält ...«, erwiderte der Polizeibeamte in Carter automatisch.
»Sie jagen meine Katzen!«, rief Monica Farrell wütend.
»Ah, die Katzen.« Carter begegnete dem verächtlichen Blick der rotbraunen Katze. Er konnte verstehen, dass sich jeder Hund mit einem Hauch von Selbstachtung provoziert fühlte.
»Aber selbstverständlich habe ich mich beschwert. Nicht bei der Polizei - wir haben keine Polizeistation mehr hier im Dorf, genauso wenig, wie wir noch eine Schule oder ein Postamt haben. Nein, ich habe mich bei Hemmings beschwert, dem neuen Besitzer, und seiner wasserstoffblonden Frau. Sie haben nur gesagt, ich sollte meine Katzen eben im Haus behalten. Als könnte man eine Katze kontrollieren!« Sie nahm einen guten Schluck von ihrem Sherry, um ihre Nerven zu beruhigen.
»Das ist richtig«, pflichtete Carter ihr bei. »Katzen streifen nun einmal durch die Gegend, und es gibt nicht die gleichen gesetzlichen Vorschriften wie bei Hunden, das zu unterbinden.«
»Ganz genau! Das habe ich diesem elenden Hemmings auch gesagt. Wir hatten einen heftigen Streit deswegen.«
Streitereien zwischen Nachbarn konnten rasch ungeahnte Ausmaße annehmen, ganz besonders in kleinen Gemeinden, und erst recht, wenn einer der Streithähne ein alteingesessener Bewohner war und der andere ein neu hinzugezogener. Carter nahm sich vor, die Geschichte weiter im Auge zu behalten.
»Aber du bist nicht hergekommen, um mich nach diesem Hemmings zu fragen, nehme ich an?«, fuhr Monica bedauernd fort. »Auch wenn es mich nicht weiter überraschen würde, falls die Polizei vor seiner Haustür auftauchen würde. Er ist ein windiger Typ, alles, was recht ist. Seine Frau ist kein Stück besser, genauso wenig wie seine Freunde. Aber weswegen bist du hier, Ian?«
»Ich hatte überlegt, ob du vielleicht eine Familie Bickerstaffe kennst?«
Sie lachte laut auf. »Bickerstaffe! Allerdings kenne ich die Bickerstaffes, oder besser, ich kannte sie. Es gibt nur noch einen Bickerstaffe hier in der Gegend, zumindest vermute ich, dass der alte Monty noch am Leben ist. Ich habe jedenfalls nichts Gegenteiliges gehört.« Sie runzelte die Stirn. »Verdächtiger Todesfall, sagst du? Du meinst doch wohl nicht Monty, oder?«
Ian schüttelte den Kopf. »Nein, obwohl der Leichnam in seinem Haus gefunden wurde.«
»Du meinst Balaclava House?«
»Ganz recht. Laut der Aussage von Mr. Montague Bickerstaffe fand er den Toten in seinem Haus, nach seiner Rückkehr von einer Tour in die Stadt. Mr. Bickerstaffe behauptet, nicht zu wissen, wer der Tote ist.«
»Der alte Monty hat also einen Toten gefunden?« Sie leerte ihr Sherryglas. »So, so. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, war er schon ziemlich senil, und das ist eine ganze Weile her. Diese Sache wird ihm den Rest gegeben haben.«
»Im Gegenteil, er scheint sich ziemlich gut zu halten. Er wohnt für die nächsten Tage bei seiner ›Nichte‹, einer gewissen Bridget Harwell, während wir das Haus auf Spuren untersuchen.«
»Harwell heißt sie also jetzt?«, fragte Monica. »Ich habe gehört, dass sie wieder geheiratet haben soll.«
»Und bereits wieder geschieden wurde, wie es heißt. Wenn ich richtig informiert bin, steht sie im Begriff, zum vierten Mal zu heiraten.«
»Du liebe Güte. Bridget Bickerstaffe war ein hübsches Mädchen, früher. Du hast recht, sie ist keine richtige Nichte. Ihr Vater Harry Bickerstaffe und Monty waren Cousins. Harrys Seite der Familie hat nie in Balaclava House gewohnt, obwohl sie oft dort zu Besuch waren - jedenfalls bis Penny Bickerstaffe ihre Sachen gepackt hat und ausgezogen ist. Also interessierst du dich für die Bickerstaffes, richtig? Du hast noch nie von Bickerstaffe's Boiled Fruit Cake gehört?
Ians Gesichtsausdruck war Antwort genug.
»Nein. Richtig. Du bist viel zu jung. Die Schrecken meiner Kindheit sind dir erspart geblieben. Bei uns zu Hause gab es sonntags immer Fruchtkuchen zum Tee. Ich sehe ihn noch vor mir, als wäre es gestern gewesen. Ein großer brauner Klumpen nasser Teig, vollgepackt mit getrockneten Früchten, die einem zwischen den Zähnen klebten. Das Zeug schmeckte mehr bitter als süß und lag im Magen wie Blei. Aber die Geschichte dieses Kuchens ist mehr oder weniger die Geschichte des Clans der Bickerstaffes. Übrigens kannte ich Penny, Montys frühere Frau, wesentlich besser als ihren Mann. Er war schon immer ein übellauniger Mistkerl. Es ist mir ein Rätsel, wie Penny es so lange bei ihm aushalten konnte. Jedenfalls, irgendwann kam sie zu dem Schluss, dass sie, nachdem sie die besten Jahre ihres Lebens mit dem Blödmann verschwendet hatte, wenigstens die restliche Zeit ihres Lebens in Frieden und Behaglichkeit verbringen konnte. Sie kaufte sich eine kleine Wohnung in Cheltenham und ließ ihn alleine in seinem düsteren Herrenhaus schmoren.«
»Lebt sie noch?«, fragte er gespannt.
Monica schüttelte den Kopf. »Leider nicht, nein. Sie starb vor, warte ... vor vier Jahren. Sie hatte nicht mehr viel Zeit, um ihre Freiheit zu genießen. Eine traurige Geschichte, das Ganze. Ich war auf ihrer Beerdigung. Stell dir vor, dieser elende Mistkerl hatte nicht mal so viel Anstand, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Die anderen Mitglieder des Clans waren da, aber nicht Monty. Es war das letzte Mal, dass ich Bridget gesehen habe. Wie hieß sie damals noch gleich ...?«
Monica runzelte die Stirn. »Warte, sie war nicht mit dem Vater der kleinen Tansy verheiratet. Der hieß Peterson. Sie war bereits von ihm geschieden und auch von dem Mann, den sie danach geheiratet hatte, auch wenn mir verdammt noch mal der Name dieses Kerls nicht einfallen will! Nicht, dass es eine Rolle spielen würde - die Ehe hielt ohnehin nicht lang. Ah, sicher, sie war noch mit Freddie Harwell verheiratet, Ehemann Nummer drei. Er war bei der Beerdigung dabei, und ziemlich betrunken. Er hatte eine üble Alkoholfahne, ich erinnere mich deutlich. Selbst Peterson, Bridgets Exmann, kam zur Beerdigung, und das von Jersey aus, wo er inzwischen wohnt. Es war ein merkwürdiges Bild, Bridget zwischen zwei Männern. Tansy, Petersons Tochter, war ebenfalls dort. Sie war damals noch ein Teenager, vielleicht vierzehn oder fünfzehn Jahre alt. Sie ist inzwischen eine junge Frau, schon fast zwanzig. Peterson ist wahrscheinlich nur gekommen, um sie zu sehen, weniger, um sich von Penny zu verabschieden. Wie dem auch sei - mehr oder weniger jeder war dort. Mit Ausnahme von Monty.«
»Hatten Monty und Penny gemeinsame Kinder?«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Vielleicht hat es Penny gereicht, sich um Monty zu kümmern. Er ist selbst ein großes Kind. Damit will ich nicht sagen, dass er ein Einfaltspinsel ist. Er war immer ein aufgeweckter Bursche und hätte durchaus Erfolg im Leben haben können. Doch er blieb nie bei einer Sache. Er war ein Träumer und kam immer wieder von einem einmal eingeschlagenen Weg ab, wenn etwas Neues sein Interesse weckte. Penny wusste nie, wo er sich herumtrieb oder wann er nach Hause kam. Vielleicht half es auch nicht, ein Bickerstaffe zu sein. Um das zu erklären, muss ich ein wenig weiter ausholen ...«
Monica sammelte sich, um die Geschichte zu erzählen. In diesem Ton hatte sie früher wohl vor ihren Schulklassen gesprochen, mutmaßte Carter.
»Alles fing in den 1830er Jahren an, als ein geschäftstüchtiger Bäcker namens Josiah Bickerstaffe beschloss, seine gefragten Kekse in Mengen zu produzieren. Bis zur Jahrhundertmitte hatte sich Bickerstaffe's vergrößert und verkaufte eine Reihe weiterer Bäckereierzeugnisse. Die Firma verdiente gutes Geld an einem Kontrakt mit der Armee, für die sie während des Krimkrieges Schiffszwieback herstellte. Aus dem Gewinn finanzierte Josiah den Bau von Balaclava House.
Die Firma hatte ein zweites Mal Glück. Sie entwickelte Bickerstaffe's Boiled Fruit Cake und vertrieb diesen Kuchen in luftdicht versiegelten Blechdosen mit einem falschen Wappen darauf im ganzen Empire. Ihr Motto lautete, dass kein Ort zu abgelegen war, kein Platz zu umständlich zu erreichen. Jeder vom Verwalter bis hin zum einfachen Angestellten konnte im Schatten von Palmen sitzen und zu seinem Fünf-Uhr-Tee Bickerstaffe's Boiled Fruit Cake genießen. Ein hübsches Bild ...«
Sie kicherte. »›Ein Stück Britannien‹ war das Motto des Kuchens. Er war ein Verkaufsschlager bis zum Zweiten Weltkrieg, als die Produktion kurzfristig unterbrochen werden musste, weil die Zutaten nicht beschafft werden konnten. Nach dem Krieg wurde die Produktion wieder aufgenommen, doch der Geschmack hatte sich geändert, und das Empire war in Auflösung begriffen. Gerade als die Aussichten wirklich trübe wurden, hatte die Familie ein weiteres Mal Glück. Ein großer amerikanischer Lebensmittelkonzern unterbreitete ihnen ein Angebot. Man war begierig darauf, einen in der Welt der Kuchen und des Gebäcks so alten und angesehenen Namen zu erwerben. Die Firma war immer noch in alleinigem Familienbesitz, und die Familie verdiente gut am Verkauf. Selbst Monty bekam eine hübsche Stange Geld, obwohl er noch zur Schule ging, weil er einen Batzen Anteile von seinem Großvater geerbt hatte. Und so änderte sich das Geschick der Bickerstaffes einmal mehr, und sie wurden sehr wohlhabend. Doch es hielt nicht an. Bald darauf starb Montys Vater, und die Inflation fraß das unerwartete Geld. Die Inflation und das verfallende alte Haus.«
»Also ist Monty der letzte Träger des Namens Bickerstaffe?«, fragte Carter.
Monica nickte. »Meines Wissens ist er der letzte und einzige. Es gibt andere Familienmitglieder, doch sie sind allesamt weiblich, wie Bridget, und haben bei der Hochzeit andere Namen angenommen. Monty muss inzwischen, ich würde sagen, sechsundsiebzig sein. Er leistete bei der Army seinen Wehrdienst ab und schlug hinterher eine Laufbahn als Bauzeichner ein. Doch er blieb nicht dabei. Vielleicht hat er auch noch ein wenig Geld aus irgendeinem Investment, das er von seinem Anteil am Verkauf der Firma getätigt hat, genug, um sich zusammen mit seiner Rente über Wasser zu halten.«
»Danke, Monica«, sagte Carter. »Das alles hat mir sehr geholfen.«
»Ich wüsste nicht wie«, entgegnete sie. »Wie dem auch sei, ich hatte nie viel übrig für Monty, aber es tut mir leid, dass er so einen schlimmen Schock erleben musste. Was für eine merkwürdige Geschichte. Und du hast nun die Leitung dieses Falles übernommen?«
»Letztendlich, ja. Der eigentliche Fall wird von Jessica Campbell bearbeitet, Inspector Campbell.«
»Meinst du, dass sie das Rätsel lösen wird?« Monicas fragender Blick ruhte auf ihm.
»Ja. Ich hoffe es jedenfalls. Ich arbeite erst seit kurzer Zeit mit Inspector Campbell zusammen, doch ich habe bereits herausgefunden, dass sie äußerst gründlich ist. Sie wird jeden Stein umdrehen, wenn es sein muss.«
Er hatte seine letzten Worte als beiläufige Versicherung gemeint, doch Monica Farrell schien sie wörtlich zu nehmen.
»Dann sag Inspector Campbell, sie soll auf der Hut sein«, empfahl sie ihm. »Man weiß nie, was ans Licht kommt, wenn man bei den Bickerstaffes Steine umdreht.«
Die Dämmerung hatte eingesetzt, während Carter mit Tante Monica zusammengesessen und sich unterhalten hatte, und inzwischen war es beinahe Nacht geworden. Ringsum in den Häusern brannten Lichter, als Carter sich verabschiedete. Er fuhr langsam davon und hob die Hand als Antwort auf ihr Winken. Im Rückspiegel sah er, wie sie sich umwandte und ins Haus zurückkehrte. Beide Katzen strichen um ihre Knöchel, die rote wie die schwarze. Hoffentlich stolperte Monica nicht über die Tiere. Er würde ihr jedenfalls bald wieder einen ordentlichen Freundschaftsbesuch abstatten und nicht wegen irgendwelcher Informationen vorbeikommen.
Nachdem sie ihren Tee getrunken und trockenes Gebäck mit Korinthen dazu gegessen hatten (»Shrewsbury Biscuits« hatte seine Gastgeberin dazu gesagt), hatten sie ein wenig über Carters Exfrau Sophie geredet und darüber, was sie im Moment machte. Carter hatte gewusst, dass dieses Gesprächsthema kommen würde. Es war unausweichlich. Sophie überhaupt nicht zu erwähnen wäre noch unangenehmer gewesen, als über sie zu sprechen. Trotzdem, es war ihm nicht leichtgefallen.
Monica Farrells Überleitung zu diesem Thema war wie üblich einfach und direkt gewesen.
»Wie kommst du zurecht, Ian? Ich meine nicht auf der Arbeit oder deinen Umzug. Ich meine mit dem Alleinsein.«
»Nun ja ...«, antwortete er, indem er seine Antwort sorgfältig bedachte. »Eigentlich ganz gut, schätze ich. Zuerst war es merkwürdig, wieder Junggeselle zu sein. Ich war nie besonders gut im Haushalt, weißt du? Aber im Moment lerne ich Kochen, auf die harte Tour.«
»Niemand Neues in Sicht?«
»Bis jetzt nicht. Das ist auch so eine Sache, wenn man zurück in den Teich zu den anderen Junggesellen geworfen wird. Ich muss erst wieder lernen, mich zu verabreden. Ich habe es bisher noch gar nicht versucht. Nein, keinen Keks mehr, danke.«
»Kann ich verstehen«, pflichtete Monica ihm bei. »Man beißt sich die Zähne aus an diesen Dingern, nicht wahr? Ich habe sie nicht selbst gebacken. Unsere Kirche hatte eine Wohltätigkeitsveranstaltung, und eines unserer Gemeindemitglieder brachte die Kekse mit.«
Er grinste schief. »Ich wünschte wirklich, ich wäre früher gekommen, um dich zu besuchen. Gleich nachdem ich hergezogen war. Ich war ein Schlappschwanz.«
»Ich wusste, dass du kommen würdest, Ian. Früher oder später, sobald du dazu bereit warst«, sagte Monica tröstend. »Dass der alte Monty eine Leiche in seinem Wohnzimmer gefunden hat, gab dir die Ausrede, nach der du gesucht hast ... selbst wenn dir nicht bewusst war, dass du gesucht hast. Die Scheidung hat dich schwer getroffen, wir alle wissen das. Aber du machst Fortschritte, Ian. Das ist es, was zählt. Du hast dein Leben wieder im Griff. Vielleicht nicht vollständig, aber der Rahmen ist da, wo er hingehört. Du beginnst ein neues Leben, ohne Sophie, und ich ... ich feuere dich von der Seitenlinie aus an, wenn dir das ein Trost ist.«
Sie schenkte ihm ein überraschend verschlagenes Grinsen, und er musste laut auflachen.
Allein im Wagen sagte er sich: Monica hat absolut recht. Es ist an der Zeit, dass du dein Leben wieder auf die Reihe bringst. Du bist hierhergekommen, um neu anzufangen, also reiß dich gefälligst zusammen und tu das auch.
Doch er konnte nicht anders, als zurückzublicken auf eine vergangene Zeit, als er durch Weston St. Ambrose fuhr. In Gedanken bei Monicas Worten über die Veränderungen im Verlauf der Jahre verspürte er eine eigenartige Neugier, die Zeichen mit eigenen Augen anzusehen. Was ihm auffiel während seiner langsamen Fahrt durch die Straßen war ein Restaurant im ehemaligen Postamt. Der Name des Lokals war logischerweise The Old Post Office. Dann das Pub, das zwar immer noch rege frequentiert wurde, doch von einem unübersehbar besser situierten Publikum als früher. Und dort das alte Schulgebäude, in dem Monica Farrell so viele Jahre als Lehrerin gearbeitet hatte. Carter hielt an und betrachtete das Haus, während er daran denken musste, dass Monica sich mit den Besitzern überworfen hatte.
Es stand gegenüber der alten Kirche von St. Ambrose, die betrüblich vernachlässigt aussah. Das ehemalige Schulhaus war ein kompaktes Bauwerk in spätviktorianischem Stil, wahrscheinlich eine jener staatlichen Schulen, die nach den Bildungsreformen unter der Regierung Gladstone im Education Act von 1870 verabschiedet worden waren. Damals hatte es bestimmt mehr als genug Kinder im Dorf gegeben, um die Klassenräume zu füllen.
Im Verlauf der Jahre war die Zahl der jungen Familien immer kleiner geworden. Sie waren vom Mangel an guten Stellen und preiswertem Wohnraum vertrieben worden, während zur gleichen Zeit wohlhabende Städter nach Wochenendhäusern gesucht hatten. Das Resultat war die Schließung der Schule gewesen, gefolgt vom Verkauf des Gebäudes und dem anschließenden Umbau zu einem privaten Wohnhaus.
Einem sehr beeindruckenden Wohnhaus obendrein!, dachte Carter. Von Verwahrlosung keine Spur mehr. Im Gegenteil, offensichtlich hatte der neue Besitzer eine Menge Geld in den Umbau und die Renovierung gesteckt. An der Seite zog sich ein Garten bis hinter das Gebäude, mit alten Bäumen, deren Umrisse sich dunkel vor dem Nachthimmel abzeichneten, doch der vordere Bereich, wo früher einmal Schulkinder lärmend über den Pausenhof getollt waren - war dieser Tage gepflastert und bot eine Menge Parkraum. Der war an diesem Abend wohl nötig - die Besitzer veranstalteten offensichtlich ein Fest.
Licht fiel aus den unverhüllten Fenstern im Erdgeschoss. Immer wieder konnte er Leute sehen, die mit Gläsern in der Hand umherliefen und sich angeregt unterhielten. Die Party war in vollem Gange. In einer Ecke des Parkplatzes stand der Lieferwagen eines Caterers. Im Schein der Straßenlaternen konnte Carter die Aufschrift entziffern: Dine in Style. Also würden sich die Gäste bald zum Essen setzen. Was ihn daran erinnerte, dass er ebenfalls hungrig war.
In diesem Augenblick wurde die Haustür unerwartet aufgerissen, und die Silhouette einer Frau im hellen Licht der Eingangshalle wurde sichtbar. Sie kam zu Carters Wagen gerannt.
»Jay!«, rief sie aufgeregt. »Wir hatten schon fast nicht mehr mit dir gerechnet! Was ist passiert? Warum bist du nicht ...«
Sie verstummte und blieb neben Carters Fahrertür stehen, als ihr bewusst wurde, dass er nicht der erwartete - verspätete - Gast war.
Carter war verlegen und verfluchte sein tollpatschiges Verhalten, einfach im Wagen zu sitzen und auf das Haus zu starren. Er konnte die Leute im Haus sehen - also konnten sie ihn ebenfalls sehen, oder zumindest seinen draußen vor der Tür parkenden Wagen. Er ließ das Seitenfenster nach unten gleiten und schaltete die Innenbeleuchtung ein, sodass sie ihn sehen konnte.
»Oh«, sagte sie. »Sie sind nicht Jay. Er hat den gleichen Wagen ... ich dachte ...« Ein Ausdruck von Panik mischte sich in ihre Stimme, und ihr Verhalten wechselte von unsicher zu feindselig. Jeden Moment würde sie ihn fragen, was zum Teufel er sich dabei dachte, einfach dazusitzen und sie zu beobachten.
»Bitte entschuldigen Sie«, versuchte er ihr zuvorzukommen. »Ich war bei einer alten Freundin zu Besuch, Mrs. Farrell. Sie wohnt im Cottage am Ende dieser Straße, bei der Kirche. Sie war früher die Schulmeisterin, als dies noch die Dorfschule war. Sie hat mir erzählt, dass die Schule inzwischen ein privates Haus ist, und ich war neugierig und wollte einen Blick darauf werfen ...«
»Oh, Monica«, sagte sie langsam, während sie sich entspannte. »Ja, sie war hier Lehrerin. Sie redet ständig davon.« Sie war immer noch misstrauisch und beobachtete ihn genau, als wollte sie sich seine Gesichtszüge einprägen.
Wahrscheinlich, damit sie ihn bei der Polizei beschreiben konnte, sollte es nötig werden, überlegte Carter ironisch. Es waren wohlhabende Leute, die hier lebten. Ein Fremder, der das Haus ausspionierte, blieb nicht unbemerkt und wurde gemeldet. Er konnte sie jetzt besser erkennen. Sie war eine vollbusige Blondine in den Vierzigern, stark geschminkt, doch nicht unattraktiv. Sie hatte eine Vorliebe für extravaganten Schmuck, und ihre bebenden Ohrringe glitzerten im Licht aus dem Wageninnern wie Weihnachtsschmuck.
»Keine Sorge ...«, begann er, doch weiter kam er nicht.
Ein Mann trat aus dem Haus, eine gedrungene, bullige Gestalt, und stapfte auf sie zu. »Terri? Was machst du hier draußen, Terri? Die Gäste warten auf das Essen, und der Caterer will endlich anfangen. Wer ist dieser Typ?« Er nickte ärgerlich in Carters Richtung.
»Genau das wollte ich Ihrer Frau soeben erklären«, setzte Carter an. Er wünschte sich, er wäre weitergefahren. Das alles wurde viel zu schnell viel zu kompliziert. »Hören Sie«, sagte er und griff in seine Jacke, um den Dienstausweis hervorzuholen. »Ich bin kein verdächtiger Fremder. Ich bin Polizeibeamter ...«
Das machte alles nur noch schlimmer.
»Polizei?«, quiekte Terri erschrocken und wich vor ihm zurück, als hätte er eine ansteckende Krankheit. »Ich dachte, es wäre Jay, Billy. Er fährt einen Lexus, genau wie Jay ...«
Hastig lieferte Carter seine Erklärung ab, dass er Mrs. Farrell besucht hätte, die frühere Lehrerin - und wieder ließ man ihn nicht ausreden. Der Mann, vermutlich Billy Hemmings, explodierte förmlich. »Was? Diese alte Vettel hat uns bei der Polizei angezeigt? Ich nehme an, es geht um ihre verflixten Katzen?«
»Nein«, erwiderte Carter geduldig. »Es war ein rein privater Besuch bei Monica Farrell. Sie ist eine Verwandte von mir.«
»Oh?« Es war nicht zu übersehen, dass sie ihm nicht glaubten. »Sie hat sich also nicht über unsere Hunde beschwert?« Der Ton war sarkastisch.
»Nun ja, eigentlich doch«, räumte Carter ein. »Wenngleich nur nebenbei ...«
»Sie soll die verflixten Katzen im Haus behalten!«
»Es ist nicht unsere Schuld!«, heulte Terri. »Unsere Hunde sind völlig harmlos, aber sie sind eben Hunde! Und Hunde jagen Katzen, oder nicht? Es liegt in ihrer Natur. Man kann nicht gegen die Natur an!«
Carter hatte genug von den beiden. »Wo sind die Hunde jetzt?«, fragte er. Nicht, dass es ihn kümmerte, doch bei so vielen Besuchern im Haus hätte man eigentlich annehmen sollen, dass die Tiere einen höllischen Lärm veranstalteten und sich die Seele aus dem Leib bellten.
»Im Schuppen angeleint, hinter dem Haus!«, schnappte Hemmings. »Bis alle Gäste gegangen sind. Meine Hunde jagen nur hinter ihren Katzen her, weil die Biester auf unser Grundstück streunen.«
»Das Gesetz respektiert, dass Katzen streunen«, sagte Carter. »Allerdings bin ich ein wenig überrascht, dass sie auf Ihr Grundstück kommen, obwohl Ihre Hunde dort herumlaufen.«
»Ich nehme an, sie meinte unsere Begegnung auf dem Kirchhof«, sagte Terri. »Ich hatte Benji und Rex ausgeführt. Die Hunde entdeckten die elenden Katzen beim Erledigen ihres Geschäfts mitten zwischen den Gräbern ...«
»Sei still, Terri!«, unterbrach der Ehemann seine Frau brüsk. Sie verstummte.
»Ich halte Sie von Ihren Gästen ab«, sagte Carter. »Gute Nacht.« Er schaltete die Innenbeleuchtung aus und betätigte den elektrischen Fensterheber.
Die Hemmings blickten ihm hinterher, als er davonfuhr.
»Ich will verdammt sein«, murmelte Carter, als er über gewundene Wege zurück in die Stadt fuhr. »Ich frage mich, ob unser Freund Hemmings aktenkundig ist. Ich bin sicher, dass ich einen zwielichtigen Kerl erkenne, wenn ich ihn sehe! Monica ist ein durchtriebenes altes Mädchen! ›Windig‹ hat sie diesen Hemmings genannt. Womit hat er das Geld verdient, um das alte Schulgebäude zu kaufen und so aufwändig zu renovieren? Und eine derart schicke Party zu feiern?«
Unerwartet kam ihm ein weiterer Gedanke. Wo war der vermisste Gast abgeblieben, dieser Jay, der einen Lexus fuhr wie Carter?
»Wäre es möglich ...?«, sinnierte er, doch dann schüttelte er den Kopf. Nein. Bestimmt nicht.