|7|Einleitung

Darum geht es im Krieg: zu verlieren oder zu gewinnen.“1 Mit diesen Worten erläuterte im Jahr 1173 ein Mann einer Frau den Krieg: Als die Frau des Earl von Leicester sich angesichts einer Niederlage ihres Mannes das Leben nehmen wollte, soll ein Ritter sie durch diesen Ausspruch davon abgehalten haben. Er verwies damit auf die zeitlose Logik des Krieges, die uns wegen ihres elementaren und auch banalen Charakters nur selten in so klaren Worten entgegentritt. Sie verdient daher besondere Beachtung und darf nicht in Vergessenheit geraten: Im Krieg dreht sich alles darum zu gewinnen. Das Mittel zum Sieg ist die Gewalt. Krieg spielt sich zwischen den Polen Sieg und Niederlage ab. Im Krieg geht es nicht primär um Tapferkeit, Ruhm oder Beute. Diese Aspekte, die man häufig mit dem Krieg – und vor allem mit dem im Mittelalter – verbindet, sind letztlich nur Beiwerk. In erster Linie ist es den Kriegsteilnehmern darum zu tun, eine Niederlage abzuwenden. Dies bezieht sich auf die Kriegsparteien als Ganzes und auf den einzelnen Kämpfer, der sein Überleben sichern will.

Von Kriegern und Helden

Unser modernes Bild vom mittelalterlichen Krieg ist oftmals durch positiven Assoziationen mit Ritterlichkeit, die gern mit Fairness verwechselt wird, und Heldenmut geprägt. In Filmen, |8|Heldensagen, Computerspielen und auf Mittelalterfestivitäten werden uns tapfere Kämpfer präsentiert, die in strahlenden Rüstungen mutig aufeinander losgehen. Dieser Krieg hat wenig Schmutziges und Brutales, sondern scheint eher wie eine Sportveranstaltung oder ein Spiel zu funktionieren. Wenn Harold Fosters Prinz Eisenherz auf einen ritterlichen Kontrahenten trifft, bereiten die Knappen die Pferde vor, reichen den Helden die Lanzen, und dann beginnt ein munterer Zweikampf, der mit dem Sieg des Prinzen, nicht aber mit dem Tod des unterlegenen Ritters endet. Einzig wenn es gegen Wikinger und andere als Barbaren titulierte Völker oder gegen nicht standesgemäße Feinde geht, hält der Tod blutige Ernte:

Doch ehe die Axt [des Wikingers] niedersausen kann, jauchzt das „singende Schwert“ gellend auf, als seine scharfe Schneide durch Schild und Helm fährt und eine Kriegerseele aufsteigt gen Walhall.2

Im Krieg sterben hier nur die, die es nicht besser verdienen. Die edlen Ritter hingegen sind wackere Recken, die sich im Krieg beweisen. Der Kampf macht sie zu Helden. Es besteht offensichtlich eine enge Verbindung zwischen Krieg und Heldentum. Es sind die Kriege, oder genauer die Erzählungen davon, die aus Männern Helden machen. Aus dieser Wechselbeziehung erklärt sich viel von der Faszination, die vom Krieg ausgeht. Die Geschichten von elementaren Grenzerfahrungen und wagemutigem Handeln im Angesicht des Todes verschaffen dem Krieg sein enormes Unterhaltungspotenzial. Denn Krieg – darin besteht kein Zweifel – unterhält und hat auch im Mittelalter unterhalten. Er wurde viel besungen und firmierte als Thema in der Geschichtsschreibung, Dichtung, Epik und natürlich im höfischen Roman; er tritt uns in mannigfacher Form entgegen – |9|mal ernst und grausam:

Gestützt auf die große Zahl von Kämpfern befahl [er], dass sie das Land, welches sie angriffen, plündern, anzünden und verwüsten sollten; all dies sollte geschehen, um die Bewohner in Angst und Schrecken zu versetzen.3

Oder beinahe heiter und vergnügt, auf jeden Fall voller Stolz und Anteilnahme:

Denn da war kein Ritter oder Knappe unter all den Brabantern, der nicht des Löwen Natur aufwies, welcher von Natur aus Busch und Hecke meidet, wenn man ihn jagen will; und wenn man ihn kämpfend angreifen will, wird er trotzig und ist froh und stellt sich dem Kampf, wo er den Kürzeren zieht, zieht er den Tod der Flucht vor; genauso aufrecht wie diesen sah man sich alle Brabanter Herren, arm und reich, betragen.4

Das Mittelalter kannte also den Terrorkrieg, wie ihn im ersten Zitat der Normanne Robert Guiscard († 1085) in Süditalien befahl, und die tapfer kämpfenden Ritter-Helden. Im zweiten Zitat vergleicht der Dichter Jan van Heelu im 13. Jahrhundert die Kämpfer aus Brabant mit Löwen (der Löwe war das dortige Wappentier). Hier tritt uns der Krieg als Bewährungsprobe für Helden entgegen.

Dieser vielschichtige Umgang mit dem Thema birgt für die Beschäftigung mit dem mittelalterlichen Krieg Chancen, Risiken und Nebenwirkungen. Das Interesse am Krieg sichert die Quellengrundlage für den Historiker. Viele der mittelalterlichen Texte über den Krieg sind aber von einer Tendenz geprägt, den Krieg heroisch und verharmlosend zu präsentieren. In diesem Bemühen ähneln viele Geschichtserzählungen des Mittelalters dem Comic eines Harold Foster. Sie konzentrieren sich auf die ritterlichen Kämpfer (andere Kriegsteilnehmer spielen eine |10|untergeordnete Rolle), vernachlässigen das Elend eines jeden Krieges und seiner Opfer und sind bestrebt, Helden zu machen. Denn Helden entstehen in erster Linie in den Erzählungen vom Krieg, nicht im Krieg selbst.

Dieses Buch will einen Blick hinter die Heldenversionen auf den ,eigentlichen Krieg‘ werfen. Viele der zeitgenössischen Geschichtsdarstellungen haben mit dem Krieg des Mittelalters so viel zu tun wie Hollywood-Filme mit den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Hier sollen aber nicht nur die strahlenden Ritter, sondern auch die schmutzigen und blutbefleckten ,Raufbolde‘ vorgestellt werden; nicht nur das Ringen um Sieg und Ehre, sondern auch dessen schmerzliche Folgen.

Dabei werden einige Aspekte des mittelalterlichen Krieges unberücksichtigt bleiben, die für diese Fragestellung von wenig Relevanz sind, wie etwa die Logistik des mittelalterlichen Krieges oder etliche Aspekte seiner Strategie und Taktik.

Was ist ein Krieg?

Es gibt heute eine schier endlose Fülle an Definitionen für den Begriff ,Krieg‘. Mittelalterliche Geschichtsschreiber haben hingegen mit diesem Terminus kein Problem und sehen keinen Bedarf, seinen Inhalt zu klären. Sie verstehen darunter eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Gruppen mit dem Ziel, den Gegner zu bezwingen.

Entscheidend ist hierbei, dass die beteiligten Gruppen eine gewisse Größe aufweisen, wobei man sich die Kontingente – verglichen mit modernen oder antiken Kriegen – nicht allzu groß vorstellen darf. Oftmals standen sich ,nur‘ einige Hundert Mann gegenüber. Eine präzise und einheitliche Unterscheidung zwischen Krieg, Schlacht, Feldzug, Scharmützel und anderen Konfrontationen findet sich in den mittelalterlichen Quellen |11|nicht. Formale Abgrenzungen von Kriegs- gegenüber Friedenszeiten gab es nicht immer.

Genau wie in modernen Zeiten wurde auch im Mittelalter der Krieg als ein Raum besonderer Bedingungen und Rechtsverhältnisse begriffen. Das Töten der Feinde wurde als kriegsentscheidende Gewaltform immer mitgedacht, auch wenn es – gerade im frühen Mittelalter – als Sünde kirchlichen Bußregelungen unterworfen war.

So hielten etwa im Jahr 841 die Sieger der Schlacht von Fontenoy (Burgund) eine Bischofsversammlung auf dem Schlachtfeld ab, in der unter anderem festgelegt wurde, dass die im Kampf begangenen Tötungen von allen Bußleistungen frei seien, weil die Schlacht als Gottesurteil zu deuten sei. Es bedurfte also einer speziellen Begründung, um die Kämpfer von den üblichen kirchlichen Bußleistungen freizusprechen. Dies gilt für die Schlacht von Fontenoy im Besonderen, weil sich hier in einem buchstäblichen Bruderkrieg die Söhne Ludwigs des Frommen († 840) – Lothar I., Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche – im Streit um die Herrschaft im Frankenreich gegenüberstanden. Es war also ein Kampf unter Christen, unter Landsleuten, ja unter Verwandten. Dieser Umstand erhöhte den Legitimationsdruck auf die Sieger. Der Krieg war also kein rechtsfreier Raum, folgte aber anderen Gesetzen als der Frieden.

Was heißt ,Mittelalter‘?

Mit dem Mittelalter steht eine historische Epoche im Zentrum dieses Buches, die sich großer Beliebtheit erfreut. In zahlreichen Filmen, Büchern, Ausstellungen und Veranstaltungen wird das Mittelalter – oder das, was man dafür hält – sehr lebendig präsentiert. Auch der Krieg hat in dieser Mittelalterbegeisterung seinen festen Platz. Etliche Kostüm-, LARP- (Live Action Role |12|Playing), Reenactment- und Schauspielgruppen haben sich dem Ziel verschrieben, den mittelalterlichen (Kriegs-)Alltag möglichst ,echt‘ nachzustellen. Das Bemühen um (vermeintliche) Authentizität richtet sich dabei in erster Linie auf die Bekleidung und Bewaffnung, die teilweise sehr aufwendig nach mittelalterlichen Bildern und archäologischen Überresten nachgearbeitet werden. Hier ist längst ein florierender Geschäftsbetrieb entstanden, der die Sehnsucht nach dem Mittelalter vermarktet. Grundlage für diese Begeisterung kann nur eine selektive Wahrnehmung des Mittelalters und auch des mittelalterlichen Krieges sein. Das, was hier unter ,Mittelalter‘ verstanden wird, ist mindestens in gleichem Maße den Vorstellungen, Träumen und Fantasien unserer Zeit geschuldet wie der historischen ,Wirklichkeit‘ der Epoche. Auch wenn jede Rekonstruktion von geschichtlichen Ereignissen notwendigerweise Konstrukt sein muss, wird gerade im Umfeld des mittelalterlichen Krieges deutlich, in welchem Maße das Mittelalter zum Zielpunkt romantisierender Visionen wurde und wird. Im Vergleich dazu zeigt sich der hier vorgestellte Krieg wesentlich grausamer und blutiger.

Wenn in diesem Buch vom Mittelalter die Rede ist, beziehe ich mich auf die Zeit zwischen 500 und 1500, wobei Vor- und Rückgriffe über diese Grenzen hinaus durchaus vorkommen. Kriegsgeschichtlich verweisen diese Abgrenzungen grob auf |13|die Zeit nach den Kriegen des römischen Imperiums und vor den zunehmend durch Feuerwaffen geprägten Kriegen der Frühen Neuzeit. Im Mittelalter findet Krieg überwiegend von Angesicht zu Angesicht statt und sind stehende Berufsheere eher die Ausnahme als die Regel. Die vorgestellten Beispiele und Überlegungen beziehen sich vornehmlich auf Westeuropa (Deutschland, England, Frankreich und Italien).

Die farbig hervorgehobenen Kastentexte nehmen sich des für den Krieg so wichtigen Themas der Waffen an. Hier werden die wichtigsten Werkzeuge des Krieges vorgestellt, wobei der Begriff ,Waffe‘ bewusst weit gefasst ist und auch verschiedene andere Gewaltmittel des Krieges wie Hunger und Feuer einbezieht. Auch wenn es im Folgenden um Kriege zu Land gehen wird, sollte nicht der Eindruck entstehen, das Mittelalter hätte keinen Seekrieg gekannt.

Seekrieg

Kriegführung war im Mittelalter nicht auf das Land beschränkt. Auch zu Wasser versuchte man möglichst viel Schaden an den Feind heranzutragen. Diesen Versuchen waren allerdings enge Grenzen gesetzt: Schiffe bewegten sich, wenn immer möglich, in Sichtweite zur Küste; Seeschlachten auf dem offenen Meer waren eine Seltenheit. Schiffe wurden für den |14|Transport von kriegswichtigen Gütern eingesetzt, das Mittelalter kannte aber auch spezielle Kriegsschiffe für den Kampf zur See. Diese Schiffe wurden zunächst durch Ruder angetrieben, was sie vom Wind unabhängig und manövrierfähiger machte. Auf dem Mittelmeer waren dies vor allem Galeeren, in der Nordsee Schiffe vom Typ der Drachenboote. Die Grenzen zwischen Transport- und Kriegsschiffen waren dabei fließend. Auf den nördlichen Meeren verschwanden sie mit der Optimierung der Kogge durch einen Kiel im 11. Jahrhundert. Diese sehr hochwandigen Segelschiffe wurden zum Transport von Gütern – man denke nur an die zahlreichen Hansestädte, die eine Kogge im Siegel führen – und zum Kampf eingesetzt. Sie ragten deutlich höher aus dem Wasser als ihre rudergetrie– benen Konkurrenten; da Seekrieg wesentlich eine Fortsetzung des Landkrieges von Deck zu Deck war, lag hier ein entscheidender Vorteil: Von der Kogge kämpfte man von oben nach unten. Dies überwog alle anderen Nachteile dieser Schiffe: Sie waren schwerfällig und auf Wind angewiesen und verdrängten dennoch die anderen Schifftypen von Nord- und Ostsee. Da sie für den Krieg und den Handel gleichermaßen benutzt werden konnten, mussten die Kriegsherren keine speziellen Flotten unterhalten: Im Bedarfsfall requirierten sie einfach Handelsschiffe.

Im Mittelmeer blieben Galeeren im ganzen Mittelalter im Einsatz: Die See ist hier weniger rau, und es kommt öfter zu Flauten, was den Einsatz von geruderten Schiffen begünstigte. Der entscheidende Schritt zur neuzeitlichen Seekriegführung war die Ausrüstung mit Kanonen. Als 1513 zum ersten Mal in Europa ein Schiff durch den Einsatz von Kanonen versenkt wurde, war das Mittelalter vorbei.

|15|Zeit für Kriege

Am 27. Juli 1214 standen sich bei Bouvines (Frankreich) die Heere des französischen Königs Philipp II. Augustus und einer englisch-welfischen Allianz unter dem römischen Kaiser Otto IV. gegenüber. Der Sieg des Franzosen war für die Entwicklung der französischen Monarchie und für die Vorrangstellung Frankreichs in Europa entscheidend. In der zeitgenössischen Geschichtsschreibung fand aber auch ein ganz anderer Aspekt dieser Schlacht viel Beachtung: Der 27. Juli war ein Sonntag. An einem Sonntag aber kämpft ein guter Christ nicht, weil der Sonntag der Tag des Herrn ist. So erzählt der Chronist Roger de Wendover von einer Beratung im Lager Ottos:

Aber weil Sonntag war, schien es den Weiseren im Heer, und besonders einem gewissen Graf Reginald von Boulogne, unehrenhaft zu sein, an solch einem Festtag Krieg zu führen oder solch einen Tag durch Mord und das Vergießen menschlichen Blutes zu verletzen. Dieser Ratschluss gefiel dem römischen Kaiser, der immer wieder betonte, dass er aus einem Kampf an solch einem Tag niemals fröhlich als Sieger hervorgehen könne.5

Etliche Heerführer sprechen sich also dagegen aus, am Tag des Herrn zu kämpfen, dringen mit ihren Warnungen aber bei den – modern gesprochen – ,Falken‘ nicht durch: Die Schlacht wird gewagt und verloren. Roger de Wendover beschreibt die Niederlage Ottos IV. mit Sympathien für den Kaiser und erklärt seine Niederlage mit dem Hinweis auf den falschen Schlacht-(Wochen-)Tag.

Diese Episode macht aber auch deutlich, dass die Rücksichtnahme auf Sonntage nicht in jedem Fall über militärische Rationalität obsiegte. Im Zuge der Beratung bezichtigt |16|einer der ,Falken‘ den Grafen Reginald des Verrats und indirekt der Feigheit – ein probates Mittel, um einen mittelalterlichen Krieger von aller Rücksichtnahme abzubringen und zum Kämpfen zu bewegen. Auf diesen Anwurf reagiert Reginald mit folgender Versicherung: „Ich werde an diesem Sonntag für den König in der Schlacht stehen, wenn es nötig ist, bis zum Tod.“6

Denn es ist – auch im Mittelalter – klar, dass man sehr wohl an einem Sonntag kämpft, wenn man sich davon Vorteile verspricht. Bei aller Bedeutung, die das Christentum und die Kirche für die Menschen im Mittelalter hatten, folgte der Krieg doch seiner eigenen Logik. Kriegerische Handlungen wurden nicht zwangsweise zu christlichen Fest- und Feiertagen unterbrochen. Betrachtet man die Tage, an denen im Mittelalter |17|gekämpft wurde, so kann man keine besondere Rücksicht gegenüber dem Sonntag feststellen. Wir müssen hier also zwischen kirchlichem Anspruch, dem propagandistischen Rückgriff auf diesen Anspruch und der Wirklichkeit unterscheiden.

|16|Der Morgenstern

Unter Morgenstern verstehen wir zunächst die Waffe, die der normannische Schurke Bois-Guilbert in Sir Walter Scotts Roman Ivanhoe krachend auf den Schild des gleichnamigen Ritters niederfahren lässt: An einem kurzen Stab ist eine Kette und an deren Ende wiederum eine eiserne Stachelkugel angebracht. Waffenhistorisch betrachtet ist diese Waffe eine Sonderform des Kriegsflegels bzw. der Schlachtgeißel. Deren Stiele waren in der Regel länger und sie zählte zu den Stangenwaffen, die von Fußkämpfern benutzt wurden. Kurze Flegel hingegen kamen auch bei Reitern zum Einsatz. Unter Morgenstern verstand man im 14. Jahrhundert hingegen einen Streitkolben, eine Schlagwaffe also, deren Kolbenkopf mit Stacheln versehen war, ohne eine Kette zwischen Kolben und Kugel. Diese Stacheln sollten den Plattenpanzer durchschlagen und sind somit als wehrtechnische Reaktion auf die Weiterentwicklung der Körperpanzerung zu deuten.

|17|Die Zeit für den Krieg war im Mittelalter zunächst der Sommer. Die Monate, in denen am häufigsten gekämpft wurde, waren Juni, Juli und August, am seltensten im Dezember und Januar. Der Sommer brachte viele logistische Vorteile mit sich: Trockene Straßen und freundliche(re)s Klima erleichterten Truppenbewegungen. Das Heer konnte im Freien kampieren, Pferde und Zugtiere fanden genug Futter, die Kämpfer Nahrung. Die Flüsse führten genug Wasser für die Schifffahrt, die Pässe (etwa über die Alpen für einen der zahlreichen Kriegszüge nach Italien) waren in der Regel schnee- und eisfrei. Der Sommer brachte außerdem den Vorteil, nicht von kirchlichen Hochfesten unterbrochen zu werden; denn man suchte die Hochfeste zu respektieren, auch wenn die Rücksicht auf Sonntage ihre Grenzen kannte.

Die Hitze des Sommers brachte aber auch Nachteile. Zahlreiche Quellen beschreiben, wie heiß es bei Sonneneinstrahlung unter den Eisenpanzern der Ritter werden konnte. Besonders gravierend war dieses Problem auf den Kreuzzügen in den Orient. Westeuropäische Ritter waren nur bedingt an das Kämpfen in dieser Klimazone angepasst. In der Schlacht von Hattin 1187 sollen etliche Kreuzfahrer nicht dem Feind, sondern der Hitze und dem Wassermangel erlegen sein. Das christliche Heer stellte sich den Truppen Saladins in einer wüstenähnlichen Region ohne Zugang zu Wasser und wurde besiegt. Aber auch in Deutschland konnte die Sonne einem gepanzerten Krieger zum Verhängnis werden; so etwa auf dem Lechfeld bei Augsburg, als Otto I. 955 die Ungarn besiegte:

|18|Herzog Konrad nämlich, der tapfer kämpfte, wurde im Eifer des Gefechts und durch die Sonnenglut, die an diesem Tag enorm war, gewaltig heiß, und als er die Bänder des Panzers löste und Luft schnappte, fiel er, von einem Pfeil durch die Kehle getroffen.7

Je nach Region und Beschaffenheit der Landschaft konnte es sich auch als sinnvoll erweisen, auf kältere Jahreszeiten auszuweichen. Waren Wege und Flüsse im Sommer zu schlammig und unwegsam, wartete man den Frost ab, um dann über die (zu)gefrorene Landschaft vorzugehen. So machten es etwa die Ritter des Deutschen Ordens, die im heutigen Polen gegen die Prußen (Preußen) kämpften:

Darauf zogen der Meister Bruder Hermann und andere

Brüder zur Winterzeit, als durch die strenge Kälte alles gefroren war, [...] in das Gebiet [des Feindes].8