Eine Beziehung zu sich selbst

Um sich liebevoll auf einen anderen Menschen beziehen zu können, braucht man zuerst eine liebevolle Beziehung zu sich selbst. Wer sich selbst tief innen akzeptiert und mag, ist in der Lage, tragfähige Beziehungen aufzubauen, die sich auf Zuneigung und gegenseitige Achtung gründen.

Wenn man unsicher, abhängig oder voller Selbstzweifel ist, wird sich das auch in der Partnerschaft widerspiegeln, und zwar indem man ständig Bestätigung vom anderen haben will. Vielleicht fragt man ständig: »Bin ich schön? Bin ich gut? Sag mir, dass es toll ist, mit mir zusammen zu sein!« Bekommt man dann sogar die Bestätigung (und das ist nicht selbstverständlich), wird sie oft nicht geglaubt. Beim Sex sind unsichere Menschen hauptsächlich damit beschäftigt, alles richtig zu machen. Sie definieren sich vorwiegend über die Reaktion des anderen. Genießen findet eher am Rande statt. Selbstliebe ist daher die Basis entwicklungsfähiger Partnerschaften und erfüllter Sexualität.

Mit Selbstliebe ist nicht die narzisstische Selbstverliebtheit gemeint, die seit einiger Zeit wie eine Seuche um sich greift und die auch das öffentliche Bild von Sexualität prägt. Narzisstische Menschen finden sich einfach nur toll, Selbstzweifel sind ihnen fremd. Sie sind nicht wirklich beziehungsfähig, sie brauchen den Partner nur als schönes Accessoire für ihre Außendarstellung.

Selbstliebe ist dagegen die ehrliche und respektvolle Beziehung mit sich selbst, die es einem ermöglicht, sich in der gleichen Weise auf andere zu beziehen. Eine solche Verbindung lernt man auch nicht mal eben in einem Wochenendseminar oder durch Ratgeber. Achtsam und liebevoll mit sich umgehen, das ist etwas, was man einüben muss, besonders wenn man dazu neigt, sich selbst schlechtzumachen. Schafft man es, seine eigenen Schwächen mitfühlend anzunehmen, erwächst daraus Souveränität und gesundes Selbstbewusstsein – im Sex und im Leben.

Wenn Sie Ihre Beziehung zum eigenen Körper stärken und lustvoll gestalten, sich selbst tief gründen, werden Sie sich anders auf Ihren Partner beziehen – und auch auf alle anderen Menschen. Die folgenden Anregungen verbinden die Selbstliebe mit Erotik, was sehr wichtig ist, weil diese beiden Dinge oft als getrennt voneinander gesehen werden.

Ganz natürlich. Ein Date mit dem eigenen Körper

Die langen Schatten der Vergangenheit

Die meisten von uns wurden von der Sexualität geradezu überfallen. Aus heiterem Himmel entdeckte man als Kind lustvolle Empfindungen und musste irgendwie damit umgehen. Meist heimlich, weil man sehr schnell ahnte, dass es etwas Peinliches, ja, sogar Unanständiges war, das einem da Freude bereitete. Onanieren ist die erste Form der Sexualität, Ausdruck ihres Erwachens im heranwachsenden Körper. Sie sollte eigentlich liebevoll begleitet werden, damit sie sich gut entwickeln kann. Dazu gibt es in vielen Kulturen Initiationsrituale, mit denen Mädchen und Jungen in die (sexuelle) Erwachsenenwelt aufgenommen werden.

Auch auf diesem Gebiet hat die Kirche mit ihrer lustfeindlichen Moral schlimmste Verheerungen angerichtet. Sie hat die Initiation junger Menschen an sich gerissen, durch Firmung und Konfirmation, die Sexualität allerdings daraus entfernt und verteufelt. Heranwachsende wurden und werden noch immer mit ihren Trieben und zwiespältigen Emotionen allein gelassen. Bestenfalls sind die Eltern wohlmeinend und aufklärend, obwohl auch sie nicht verhindern können, dass eigene ungelöste Verklemmungen eine zweideutige Botschaft bei den Jugendlichen hinterlassen: Irgendwie ist der Bereich da unten doch nicht ganz so unkompliziert, wie sich die Erwachsenen den Anschein geben …

Wir alle haben Schuld- und Schamgefühle. Bei manchen liegen sie im Verborgenen, und wer sich besonders frei wähnt, bemerkt oft nicht, dass er überkompensiert, also die eigene Unsicherheit mit besonders forschem Verhalten überdeckt.

Sich ohne Mitwirkung eines Partners erotisch zu verwöhnen ist in den letzten Jahren zwar selbstverständlicher geworden, aber die verinnerlichten Tabus wirken weiterhin nach. Sie schmälern nicht nur das Vergnügen, sondern behindern auch eine Entwicklung in der Sexualität.

Der flache Kick

Der geschützte Raum der Selbstliebe ist wunderbar geeignet, sich besser kennenzulernen, wovon auch die Paarsexualität profitieren könnte. Doch die meisten von uns behalten ihre früh erlernten Angewohnheiten, was die Selbstliebe betrifft, einfach bei – es heimlich, schnell und schamhaft zu tun. Das wirkt selten stimulierend aufs sexuelle Partnerglück. Bei Frauen führen die Schamgefühle aus Jugendtagen meist dazu, wenig experimentierfreudig zu sein. Und wenn Männer das, was sie sich als Jugendliche beim Wichsen antrainiert haben, bei der Partnerin anwenden, führt das unmittelbar zu miserablem Sex. Als Heranwachsende standen sie unter dem enormen Druck ihrer Hormone, und mit einem Griff war ein bequemes Mittel zur Hand, mit dem man sich Erleichterung verschaffen konnte. Es musste rasch gehen, damit man nicht erwischt wurde. Vielleicht war es sogar verboten, aber man tat es natürlich trotzdem – hastig, trotzig, lieblos und häufig. Der Körper war nicht wichtig, nur der Penis. Genießen spielte keine Rolle, nur die Ejakulation, der Kick, die kurzfristige Entspannung.

Rasantes und hartes Rubbeln macht den Penis von Mal zu Mal unempfindlicher. Der Mann züchtet sich damit gewissermaßen eine Hornhaut heran, und er kann die feineren Energien, die in der Vereinigung möglich wären, nicht mehr spüren. Ein derart hart gewichster Penis muss in der Vagina herumtoben wie ein Verrückter, um auf sein gewohntes Reizniveau zu kommen. Wenn eine Frau dann nach einer Geburt eine weitere Vagina hat, kann der Mann das Interesse an Sex mit ihr verlieren. Bestenfalls bittet er seine Partnerin um stärkere visuelle Reize, um noch angemacht zu werden. Oder er will einzig Analverkehr, weil er da mehr Reibung hat. So wird es im Bett immer anstrengender und entfremdender.

Reduziert man das Empfinden auf die mechanische Stimulation, wird die körperliche Liebe zu einer armseligen Sache. Wenn Männer in der Partnersexualität mehr spüren wollen, braucht ihr Penis eine Art Heilfasten, um wieder sensibler zu werden, um mehr zu spüren mit weniger Reizung. Um die feinen Genüsse der Vereinigung zu erfahren. Um die starre Fixierung auf den Orgasmus loszulassen und sich Zeit zur Lust zu nehmen.

Raus aus der Schmuddelecke

Lustvoll praktizierte Selbstliebe kann auch der rettende Puffer sein, um schwierige Situationen in der Partnerschaft abzufangen, etwa dann, wenn einer mehr Lust auf Sex hat als der andere, bei einer Fernbeziehung oder wenn ein Partner gesundheitlich eingeschränkt ist. Es gibt sogar Paare, die eine Form gefunden haben, gemeinsam oder im Beisein des Partners sich selbst erotisch zu verwöhnen, weil sie sich lieben und zusammenbleiben möchten, aber normaler Sex nicht mehr möglich ist.

Darum holen Sie Ihr kleines Privatvergnügen aus der Heimlichkeitsecke, putzen Sie ihm die letzten Schmuddelreste ab, und machen Sie etwas richtig Schönes daraus.

Selbstliebe ist mehr als ein Notnagel für »richtigen« Sex. Sie ist ein Ausdruck für sexuelle Autonomie, legitimer Teil erotischer Varianten, zudem bietet sie ganz besondere Chancen. Man ist bei der Selbstliebe mit sich allein. Das macht einiges einfacher, denn man muss sich nicht mit einem Partner abstimmen – ungestörtes Experimentieren ist möglich.

Zuerst eine Hygienemaßnahme für die verbale Sauberkeit: Zum letzten Mal fallen hier die Worte »onanieren« und »masturbieren«. Es ist nicht möglich, Begriffe, die so stark negativ besetzt sind, in einer positiven Deutung zu verwenden, nicht einmal in einer neutralen. Sie klingen einfach nicht lustvoll. Finden Sie für sich und für die Kommunikation mit Ihrem Partner schönere Worte, zum Beispiel »Selbstliebe«, »Solosex«, »meine Kuschelnummer«, »wenn ich es mir selbst mache«, »meine private Lust« oder »Schäferstündchen mit mir selbst«.

Die zweite Empfehlung betrifft die erotischen Fantasien. In den meisten Ratgebern wird lang und breit darauf eingegangen, diese zu fördern, auszubauen, sich dafür mit Spielzeug auszustatten – kurz, alles dafür zu tun, den Sex noch stärker als sowieso schon im Kopf stattfinden zu lassen. Sicher, das funktioniert auch schnell und zuverlässig. Der Nachteil ist nur, dass die Kluft zwischen Solosex und Partnersex immer größer wird. Denn wenn ich mit meinem Partner zusammen bin und im Kopf nur Kino läuft, wird er sich zu Recht einsam fühlen. Und außerdem ist ausschließliches Fantasieren beim Solosex eine verpasste Möglichkeit, den Körper mitzunehmen, ihn zu einem lebendigen Part der Liebe zu machen.

Mein Vorschlag ist also, die geilen Filme gezielt und eher sparsam einzusetzen. Fährt man nämlich ausschließlich auf sie ab, verengt man sein erotisches Spektrum auf eine einzige Facette – und verschließt sich bestimmten Formen einer bewussten Sexualität.

Nutzen Sie die folgenden Anregungen, um Ihre Selbstliebe zu einem schönen Ritual zu gestalten. Damit initiieren Sie sich selbst für besseren Sex. Sie können in den lustvollen Stunden mit sich allein alte Tabus lockern, Heilung erfahren, Energie wecken und sich für Ihre Partnersexualität neue Anregungen holen.

Selbstliebe für Frauen: Lustvoll und heilsam

Die meisten Frauen gelangen zuverlässiger zum Orgasmus, wenn sie mit sich allein sind. Sie wissen, was sie brauchen. Sie haben das Gefühl, geschützt eine angenehme Sexualität zu erleben, die meist ohne große Abwechslung völlig befriedigend ist.

Vielleicht haben Sie ja schon regelmäßig Ihr Schäferstündchen mit sich selbst in Ihr Leben geholt. Wenn nicht, sollten Sie sich fragen, warum Sie es bislang nicht getan haben.

Schlagen Sie sich vielleicht mit Sätzen herum wie: »Das tut man nicht« oder »Ich habe doch einen Mann«? Fühlen Sie sich ein wenig schmutzig dabei und gehen konspirativ zu Werke? Ist es Ihnen wichtig, dass der Partner nichts von Ihrer Solonummer mitbekommt? Verstecken Sie entsprechendes Zubehör wie einen Vibrator sorgfältig? Würden Sie Ihre Selbstliebe-Fantasien am liebsten gar nicht haben? Finden Sie sie gar pervers? Versuchen Sie Ihre persönliche Kuschelnummer möglichst schnell zu erledigen?

Wenn Sie solche Lustverhinderer entdecken, dann machen Sie sich klar, dass es sich um alte Gespenster handelt. Und geben Sie sich bewusst die Erlaubnis zu einem wohltuenden Vergnügen.

Ein Date mit sich selbst

Nehmen Sie Ihre Selbstliebe so wichtig wie eine Verabredung mit einer guten Freundin. Freuen Sie sich darauf. Machen Sie es sich schön, nehmen Sie sich Zeit, legen Sie Musik auf, sorgen Sie für eine warme Umgebung.

Streicheln Sie sich so, wie Sie gestreichelt werden möchten. Lassen Sie Ihre erotischen Fantasien zu, aber bringen Sie Ihren Körper stärker ins Geschehen ein. Genießen Sie ihn bewusst, indem Sie sich räkeln wie eine hinreißende Geliebte, aktivieren Sie Ihre Vitalenergie mit sinnlichen Beckenbewegungen und kräftigen Muskelkontraktionen. Atmen Sie tief und voll, lassen Sie Töne kommen, stöhnen Sie, brummen Sie, lachen Sie – was immer aus Ihrer Kehle will. Sollten plötzlich Schamgefühle auftauchen, atmen Sie einfach tiefer, lächeln Sie sich zu, und lassen Sie los.

Probieren Sie Neues aus. Ein Vibrator ist ein vielseitiges Massagegerät. Erforschen Sie Ihre Anatomie. In der Vagina gibt es unterschiedliches Schwellgewebe – unter anderem den G-Punkt. Auch die Klitoris können Sie auf vielerlei Weise stimulieren; experimentieren Sie, und finden Sie so heraus, was Ihnen gefällt. Es gibt nichts, was Sie als grandios empfinden müssen, nur weil irgendwo steht, dass dies das Sensationellste sei. Aber alles, was Sie aus Scheu nicht ausprobieren, hat keine Chance, Ihnen Lust zu bereiten. Lassen Sie sich überraschen, ob Ihr Orgasmus sich durch die Selbstliebe verändert – und vielleicht ist es auch gar nicht mehr unbedingt nötig, eine bestimmte Art von Höhepunkt zu erleben. Haben Sie einfach eine gute Zeit mit sich selbst.

Kultivieren Sie Ihren Lustgarten. Vielleicht gedeiht darin eine bunte Mischung: der Quickie als Einschlafhilfe, eine genussvolle Vibratornummer sowie ein ausgedehntes Massageritual. Oder was immer für Sie passt. Lassen Sie Ihre Selbstliebe jedes Mal zu einem richtig schönen Erlebnis werden.

Frieden und Freundschaft mit dem eigenen Körper

Kaum eine Frau ist zufrieden mit ihrem Äußeren. Selbst die wirklich gut aussehenden sind dauernd am Korrigieren, was mit den Jahren zu einem immer traurigeren Unterfangen wird. Wir haben nur diesen einen Körper. Wir können ständig im Krieg mit ihm leben oder ihn akzeptieren, wie er ist. Das bedeutet natürlich nicht, sich einfach gehen zu lassen, sondern sich mit den Schwächen zu arrangieren. Dann können Sie Ihre spezielle Schönheit genießen – und jede Frau ist schön.

Peter – ein blendend aussehender Mann – jobbte als Student als Paketbote, dabei machte er eines Tages folgende Erfahrung: »Als die Tür aufging, vergaß ich das Päckchen in meiner Hand und brachte vor Staunen kein Wort heraus. Vor mir stand die schönste Frau meines Lebens. Und sie war mindestens siebzig Jahre alt.« Ich wette, die Dame war im Reinen mit ihrer äußeren Erscheinung. Wer so viel innere Schönheit ausstrahlt, muss in tiefem Frieden mit sich selbst sein.

Diesen Frieden mit sich kann man durchaus fördern, zum Beispiel mit folgendem Selbstliebe-Ritual:

›Schaffen Sie sich eine kuschelige Atmosphäre. Weiterhin benötigen Sie ein Fläschchen mit wohlriechendem Massageöl und einen improvisierten Thron, aus Kissen, direkt vor einem Spiegel platziert, in dem Sie sich von Kopf bis Fuß sehen können.

Setzen Sie sich nackt auf Ihren Thron, und betrachten Sie Ihren Körper. Lauschen Sie kurz, aber wirklich nur kurz, den kritischen Bemerkungen, die garantiert in Ihrem Kopf auftauchen werden: »Mein Busen hat auch schon mal besser ausgesehen, und erst die Speckfalte, ich sollte unbedingt abnehmen …« Bekanntes Blablabla, oder? Und jetzt entscheiden Sie sich dafür, die nächsten zehn Minuten diese Bewertungen zu unterlassen. Atmen Sie tief durch, und akzeptieren Sie das, was da vor Ihnen sitzt: »Dies ist mein Körper, ich habe nur diesen einen, und er ist genau so, wie ich ihn in diesem Spiegel sehe.« Sprechen Sie es ruhig laut aus.

Anschließend geben Sie etwas Massageöl in die rechte Hand, und beginnen Sie, den linken Arm zu massieren. Fangen Sie mit dem Oberarm an, danach folgen Ellbogen, Unterarm, Hände, jeder einzelne Finger – je aufmerksamer Sie das tun, desto besser. Murmeln Sie etwas wie: »Dies ist mein linker Arm, und ich bin froh, dass ich ihn habe. Es ist ein guter Arm, vielleicht ein bisschen zu mollig, aber im Großen und Ganzen ist er in Ordnung. Lieber Arm, du bist ein Teil meines Körpers, und ich ehre dich.«

Auf diese oder ähnliche Weise gehen Sie Ihren ganzen Körper durch – Arme, Beine, Bauch, Brust, Gesicht, Unterleib. Sprechen Sie auch mit Ihrer Vagina, Ihren Genitalien, sie haben Zuwendung nötig.

Lauschen Sie Ihrem inneren Dialog. Negative Bewertungen werden immer wieder auftauchen und Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Ihre Aufgabe ist es, sie hartnäckig ins Positive zu wenden. Auch wenn es sich um »wirkliche« Problemzonen handelt, sollten Sie nichts unversucht lassen: »Lieber Busen, du bist so ein armes, mickriges Ding, aber ich will heute lieb zu dir sein und nicht immer nur an eine Brustvergrößerung denken. Also, du kleiner Busen, du bist ein Teil meines Körpers, weshalb ich dich jetzt ehre. Und eigentlich passt du auch recht gut zu mir, ich bin ja selbst ein wenig schüchtern …« Sie werden staunen, wie gut das tut.

Eine Teilnehmerin einer Frauengruppe sagte einmal nach diesem Ritual: »Ich habe so einen dicken Kloß im Hals bekommen, als mir klar wurde, wie ich mich ständig nur fertiggemacht habe, immer nur das gesehen habe, was mich störte. So würde ich meinen ärgsten Feind nicht behandeln, wie ich bisher mit meinem Körper umgegangen bin.«

Erlauben Sie sich, berührt zu sein. Nehmen Sie sich zum Abschluss selbst in den Arm, und wiegen Sie sich wie ein Baby. Und wenn das Ja zu Ihrem Körper Ihre vitalen Lebensgeister freigesetzt hat, können Sie sich gleich erotisch weiterverwöhnen.

Das Selbstliebe-Ritual ist eine Zeremonie, die Sie gelegentlich und stets sehr aufmerksam begehen sollten. Schon bald werden Sie bemerken, dass Sie sich anders betrachten.

Wildes Mädchen

Wir Frauen sind es gewohnt, unsere Sexualenergie zu zügeln. Das hat gute Gründe, schließlich will man nicht mit jedem gleich ins Bett hüpfen. Aber Ängste oder das starke Bedürfnis nach Kontrolle können das Zurückhalten der Energie zu einem festen Muster werden lassen. Sehnlichst wünscht man sich dann, sich gehen lassen zu können, ein wenig hemmungslos zu werden. Nur wie?

Oder gehören Sie zu den Frauen, die erst viel Liebe, Nähe und Gefühl brauchen, um sexuell ansprechbar zu sein? Wenn Sie auch in diesem Fall gern ein wenig direkter wären, wird es Ihnen guttun, Ihre Sexualenergie im Becken richtig kraftvoll zu spüren.

Wie auch immer: Um das »wilde Mädchen« in Ihnen aufzuwecken, gestatten Sie sich in einem ungefährlichen Raum mit sich selbst ungebärdig und ungezogen zu werden. So können Sie vielleicht sogar der derben Seite Ihrer Sexualität begegnen. Da diese pure sexuelle Kraft anfangs durchaus erschreckend sein kann, sollten Sie achtsam mit sich selbst sein. Gehen Sie nur so weit, wie Sie sich wohlfühlen. Tun Sie nichts, was Ihnen komplett gegen den Strich geht. Folgen Sie spielerisch Ihrer wilden Lust:

Ziehen Sie etwas Lockeres an, und bereiten Sie vier Musikstücke vor, die Sie mögen und die eine positive Wirkung auf Sie haben. Zuerst brauchen Sie etwas Melodisches, um in die Bewegung hineinzufinden, danach, als zweites Stück, ein rhythmisches Lied – Trommelklänge oder Rockmusik mit ordentlichen Bässen. Danach wählen Sie etwas zum Abtanzen und als Schluss eine ruhige Nummer fürs Herz. Günstig ist es, wenn alle Songs ohne Pause hintereinander folgen, dann müssen Sie sich nicht als Discjockey betätigen, sondern können sich Ihrem Erleben hingeben.

Aktivieren Sie sich zum melodischen Song: Wärmen Sie sich mit fließenden Bewegungen auf, drehen Sie sich, lassen Sie Ihre Arme fliegen, erobern Sie den ganzen zur Verfügung stehenden Raum. Begleitet von tiefen Atemzügen dürfen Sie auch Ihr Becken aktivieren und sinnlich kreisen lassen.

Powern Sie zur rhythmischen Nummer: Stellen Sie sich breitbeinig hin, und beugen Sie die Knie leicht. Beginnen Sie damit, beide Fersen zu heben und anschließend wieder auf den Boden plumpsen zu lassen. Frauen mit schwachem Beckenboden sollten mit Erschütterungen etwas vorsichtiger umgehen. Ansonsten kann es aber sehr angenehm sein, einmal stark »aufzutreten«. Spüren Sie der Vibration im gesamten Körper nach.

Wenn Sie davon genug haben, stemmen Sie die Hände in die Hüften und beginnen Sie, das Becken rhythmisch zu wiegen: Kippen Sie es beim Einatmen ins Hohlkreuz, beim Ausatmen richten Sie es auf, dabei spannen Sie den Beckenboden kräftig an. Wenn Sie Lust dazu verspüren, lassen Sie sich von der Musik in stärkere Bewegungen hineinlocken, sodass Sie geradezu ordinär mit dem Becken stoßen. Es sieht Sie ja niemand bei Ihrem Tun, Sie können niemanden auf falsche Gedanken bringen, aber Ihre Power ordentlich wecken. Oft taucht dabei Wut auf, drücken Sie sie ruhig aus! Machen Sie den Mund auf, und lassen Sie heraus, was heraus will – meist wird es ein »Hah!« oder »Huh!« sein. Manchmal wird das »Hah!« auch zum »Ja!«, und eine wilde Freude kommt zum Vorschein: »Ja! Ich will! Leben, lieben, alles, jetzt!« Gönnen Sie sich diese feurige, erdige, kernige Erfahrung; es ist super, wenn Sie dabei außer Atem geraten.

Zum Abtanzsong drücken Sie sich aus: Ohne Pause geht es weiter, tanzen Sie so, wie Sie in der Disco niemals tanzen würden: verführerisch, wild, stark und ausdrucksvoll. Lassen Sie zu, dass die Bewegungen geschehen, ohne dass Sie sie steuern, und beobachten Sie, was sich über Ihren Tanz ausdrückt, was für Facetten Ihrer Weiblichkeit sichtbar werden.

Und bei der Herznummer geht es ums Harmonisieren: Setzen Sie sich bequem, aber aufrecht hin, schließen Sie die Augen, und spüren Sie in Ihren Körper hinein. Vielleicht pulst und kribbelt es jetzt überall. Legen Sie Ihre Hände auf den Unterbauch, lächeln Sie, und stellen Sie sich vor, Ihre inneren Organe freundlich anzublinzeln. Wenn Ihnen nicht nach Lächeln zumute ist, dann ziehen Sie nur die Mundwinkel nach oben – das funktioniert genauso. Sie können sich auch eine Farbe vorstellen, in die Sie Ihr Becken tauchen wollen; Rot oder Orange verstärken Energie und Wärme, Gelb und Grün harmonisieren, Blau und Lila beruhigen. Schließen Sie das Ritual ab, indem Sie beide Hände über Ihr Herz legen und tief und bewusst in Ihren Brustraum atmen.

Dieser Tanz in vier Phasen bewegt oft einiges:

»Nach der Trennung von meinem Freund, der ein ewiges Gezerre vorausgegangen war, habe ich das ›wilde Mädchen‹ einen ganzen Monat lang fast jeden Abend getanzt. Das hat mir unheimlich gutgetan. Wegen der Nachbarn konnte ich zwar nicht zu sehr auf dem Boden aufstampfen, aber ich hab’s mir trotzdem ganz schön gegeben. In dieser Zeit hatte ich nachts heftige Träume, in denen ich verfolgt und bedroht wurde. Ich glaube, das hatte damit zu tun, dass in meiner Familie ein anständiges Benehmen das Wichtigste überhaupt war. Und wenn ich das ›wilde Mädchen‹ getanzt habe, da war ich nicht anständig, nein! Mein Ex hätte es auch nicht gut gefunden! Das hat mir klargemacht, wie er immer versucht hat, mich zu maßregeln. Jetzt fühle ich mich viel freier.«

Selbstliebe für Männer:
Ab ins erotische Trainingslager

Verzichten Sie auf Junkfood-Sex

Sich schnell mal einen runterzuholen ist Junkfood-Sex. Wer sich als Mann erotisch entwickeln will, sollte Pornos und das Kino im Kopf herunterfahren – denn sie machen die Lust schnell verfügbar und unverbindlich. Lernen Sie lieber, sich zu genießen, und nutzen Sie den Solosex auch als Trainingslager für die schönsten Stunden zu zweit. Tun Sie es lieber seltener, dafür mit Aufmerksamkeit und guten Gedanken.

Sie können sich mit Sex abreagieren, wenn Sie Stress haben. Das funktioniert, verstärkt aber Gewohnheiten, die Sie zu einem schlechten Liebhaber machen. Treiben Sie Sport, wenn Sie sich abreagieren müssen, erschöpfen Sie sich körperlich, das ist besonders wichtig, wenn Sie Kopfarbeiter sind. Aber Ihre Solonummer sollte nicht als Müllkippe für schlechte Energie herhalten, sondern ein Entstehungsort für gute sein!

Am meisten Energie behalten Sie im Körper, wenn Sie auf die Ejakulation verzichten. Aber auch wenn Sie einen Samenerguss haben, können Sie Ihre Vitalenergie so lenken, dass Sie hinterher nicht völlig erschöpft sind. Wenn Sie lernen, diese kontinuierlich aufzubauen, werden Sie sich körperlich und geistig ständig wohler fühlen. Dann kann es gut sein, dass Sie viel seltener Frust haben, den Sie mit Sex abreagieren möchten.

Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Orgasmen schneller, billiger und letztlich unbefriedigender werden, der Sex mit der Partnerin immer flauer. Sie können es besser. Begeben Sie sich freiwillig ins Trainingslager für anspruchsvolle Erotik.

Mal ganz ohne Porno

Verabreden Sie sich mit sich selbst zu gutem Solosex, nicht zur schnellen Triebabfuhr. Widerstehen Sie mannhaft dem Bedürfnis nach einem schnellen Schuss, wenn die Lust Sie gerade überkommt, und wählen Sie bewusst eine Gelegenheit, wo Sie ungestört sind und genügend Zeit haben.

›Versuchen Sie sich möglichst ohne Pornos in Stimmung zu bringen, auch wenn die Erektion am schnellsten durch geile Bilder steht. Bleiben Sie mit Ihren Fantasien möglichst bei »normalen«, einfachen Sexpraktiken. Anstatt sich nur irgendetwas Scharfes vorzustellen und ansonsten passiv zu bleiben, können Sie Ihren Körper stärker mit erotischen Inhalten verbinden, indem Sie zum Darsteller Ihres eigenen Films werden. Atmen Sie tief, bewegen Sie Ihr Becken möglichst vielseitig, und halten Sie Ihre vorgestellte Partnerin ruhig ein wenig hin!

Verlangsamen Sie Ihr Solospiel, folgen Sie nicht dem ersten Impuls, gleich zum Orgasmus zu stürmen. Fassen Sie Ihren Penis nicht so hart an, zögern Sie Ihren Höhepunkt hinaus, lassen Sie sich in Wellen zum Gipfel tragen. Dazu müssen Sie ab und zu innehalten oder sich langsamer und sanfter stimulieren. Atmen Sie dabei wieder tief und gleichmäßig, und dehnen Sie sich aus. Wenn der Orgasmus kommt, beobachten Sie, ob Sie Ihr Gesicht dabei verzerren wie jemand, der mit bloßen Händen einen Güterzug aufhalten muss. Lächeln oder lachen Sie sich lieber in Ihre Ejakulation hinein. Wenn Sie weit und groß werden, schaffen Sie Platz für die Orgasmusenergie, dann schießt sie nicht nur geradewegs heraus, sondern energetisiert Ihren Körper. Erlauben Sie sich, das Feuerwerk voll und ganz zu genießen. Danach werden Sie erleben, dass Sie seltener Sex brauchen, aber viel mehr Befriedigung daraus ziehen.

Wenn Sie das alte Muster, die eilige Turbonummer durchzuziehen, erst durchbrochen haben, werden Sie bald auf den Geschmack kommen und noch mehr wollen.

In der Meisterklasse spielen

Natürlich kann man Erdbeeren auch grün essen. Oder hellrot. Aber wer warten kann, erntet vollreife, süße Früchte. Den Orgasmus hinauszögern zu können und ihn dadurch reif und saftig werden zu lassen, das sollte jeder Mann beherrschen – und ganz besonders dann, wenn sein bester Freund unzuverlässig ist. Sowohl bei Erektionsschwäche als auch bei vorzeitiger Ejakulation wird das Muskelspiel mit dem Beckenboden hilfreich sein.

Viele Männer verlieren ab einem bestimmten Erregungsniveau völlig die Übersicht und kennen ihren Punkt ohne Wiederkehr nur ungefähr, weil die Gier nach dem Orgasmus die Steuerung übernimmt. Meist verspannen sie sich mit steigender Erregung am ganzen Körper und halten die Luft an. Den nächsten bewussten Gedanken haben sie dann beim Aufwachen … Das können Sie ändern, und es wird Ihrem Vergnügen nicht zum Nachteil gereichen.

›Bringen Sie sich langsam hoch – sparsam mit Pornos, reichlich mit Körpereinsatz. Lassen Sie sich Zeit, um warm zu werden, dann ist die Gefahr nicht so hoch, dass Sie schnell überhitzen und durchbrennen. Stimulieren Sie sich so bis nahe an Ihren Höhepunkt heran.

Lassen Sie sich jetzt nicht einfach von der Erregung mitreißen, sondern bleiben Sie präsent. Sobald Sie das Pulsieren im Penis spüren, mit dem sich Orgasmus und Ejakulation ankündigen, müssen Sie lernen, sich zu entspannen und dem unbedingten Drang, nur noch weitermachen zu wollen, zu widerstehen. Wenn Sie es nun schaffen, gezielt nur den Beckenboden anzuspannen, verschwindet die Erregung nicht, sondern wird in den Körper geleitet. Das fühlt sich orgastisch an, ohne dass Sie schon am Ende sind! Ihre Erregung bleibt auf einem bestimmten Level. Atmen Sie, stöhnen Sie, aber Hände weg vom Dynamit! Streichen Sie die Energie hoch zum Bauch, füllen Sie sich damit auf. Sie dürfen sich aufführen wie ein gefesseltes Tier, aber halten Sie die Energie innen drin.

Bleiben Sie gelassen, auch wenn die Erektion weicher wird. Üben sie, mehrmals Anlauf zu nehmen, und geben Sie sich zum Schluss ganz bewusst das »Go« zum Gipfel. Verabschieden Sie sich dabei von Ihren erotischen Fantasien. Wenn das Erregungsniveau hoch genug ist, braucht es keine visuelle Stimulation mehr zum Orgasmus, Sie können Ihre Aufmerksamkeit voll und ganz Ihrer lustvollen Körperlichkeit widmen. Atmen Sie, dehnen Sie sich aus, lassen Sie den Orgasmus langsam kommen – und Sie werden merken, er wird viel tiefer und intensiver sein, als wenn Sie sich möglichst schnell hochjagen.

Männer, die auf diese Weise in der Selbstliebe experimentieren, erreichen eine spannende Vielfalt des Erlebens:

»Sobald sich das Pornokino in meinem Kopf einschaltet, geht es rasant auf den Höhepunkt zu. Derzeit übe ich, es abzustellen und mich ganz langsam weiter zu stimulieren, auch wenn ich jedes Mal die Befürchtung habe, dann keinen Orgasmus zu erleben. Aber er kommt zuverlässig und ist überall im Körper zu spüren. Das finde ich mittlerweile viel befriedigender als die schnelle Nummer.«

Herz und Sex verbinden

Wenn Sie Ihrer Partnerin beim Sex stärker emotional begegnen möchten, ist die folgende Praxis ein guter Weg:

›Bringen Sie sich möglichst reizarm und genussvoll auf ein mittleres bis hohes Erregungsniveau, und hören Sie dann mit der gezielten Stimulation auf. Beginnen Sie jetzt, Ihre Sexenergie zu verteilen und nach oben zu bringen, indem Sie mit beiden Händen vom Unterleib zum Herz hochstreichen und über die Seiten wieder nach unten. Atmen Sie tief und voll durch. Stellen Sie sich vor, die Sexenergie tatsächlich zum Herzen hochzuziehen und sie auch da zu spüren. Oft entsteht dabei ein angenehmes Gefühl von Weite.

Verteilen Sie die Energie mit diesen kreisenden und streichenden Bewegungen über Ober- und Unterkörper, solange Sie möchten. Danach stimulieren Sie sich wieder, sodass Sie längere Zeit auf einem lustvollen Plateau der Erregung verweilen. Manche Männer erleben nach einigen abwechselnden Phasen von Erregungsaufbau und Energieverteilung einen vibrierenden Ganzkörperorgasmus, der natürlich in der Intensität mit einem normalen Orgasmus nicht zu vergleichen ist, aber eine durchaus geschätzte Variation darstellt.

Als Abschluss können Sie sich weiter stimulieren und einen möglichst unaufgeregten, also »herzlichen« Orgasmus geschehen lassen. Oder Sie wählen, nicht zu ejakulieren und vom Erregungslevel herunterzukommen. Das fällt sehr schwer, ist aber lohnend.

Wenn Männer älter werden, kommen sie manchmal sogar von selbst auf neue Wege: »Ich habe früher wahnsinnig oft masturbiert. Teilweise zwanzigmal am Tag. Als junger Mann hat mir das auch nichts ausgemacht, aber mittlerweile spüre ich danach so ein Energieloch. Irgendwie fühle ich mich besser, wenn ich mit mir spiele, mich ein paar Mal hochbringe, aber der Saft drinbleibt. Immer schaffe ich es nicht, auf den Orgasmus zu verzichten, der ist eben doch das Schönste. Aber ich merke, dass mir der sparsamere Umgang mit meinen Höhepunkten guttut. Ich fühle mich ausgeglichener, wohler und habe danach auch mehr Energie.«

Wenn Sie auf diese Weise Selbstliebe praktizieren, werden Sie zum Gourmet und zu einem wunderbaren Liebhaber. Und können gemeinsam mit Ihrer Partnerin spielerisch in der Liebe weiterlernen.