24. KAPITEL

Vom Glück, wirklich existieren zu dürfen, und von einer umgedrehten Nase

Holger 1, Celestine und die Gräfin Virtanen, die beschlossen hatte, sich von nun an Gräfin Mannerheim zu nennen, fühlten sich schon bald sehr wohl in der Suite des Grand Hôtel. Daher hatten sie es nicht allzu eilig, sich ein passendes Schloss zu suchen.

Nicht zuletzt war die Sache mit dem Roomservice einfach zu schön. Gertrud konnte sogar Nummer eins und Celestine überzeugen, es mal auszuprobieren. Und nach ein paar Tagen konnten sie gar nicht mehr ohne.

Jeden Samstag lud die Gräfin zu einem Fest im Salon, mit Gunnar und Kristina Hedlund als Ehrengästen. Ab und zu schauten auch der König und die Königin vorbei.

Nombeko ließ sie gewähren. Die Hotelrechnung war zwar gigantisch, andererseits war aber immer noch jede Menge Kartoffelgeld übrig.

Sie selbst hatte sich mit Nummer zwei eine eigene Wohnung gesucht, in sicherem Abstand zur Gräfin und ihren beiden Fans. Nombeko war in einer Wellblechhütte geboren und aufgewachsen, Holger in einer zugigen Kate. Danach hatten die beiden ein Leben in einem Abbruchhaus geführt, gefolgt von dreizehn Jahren in einem Zimmer neben der Küche in einem Haus am Ende der Welt in Roslagen.

Vor diesem Hintergrund war eine Zweieinhalbzimmerwohnung auf Östermalm in Stockholm ein Luxus, der dem etwaigen Schloss der Gräfin in nichts nachstand.

Doch um die Wohnung kaufen zu können, mussten Holger 2 und Nombeko sich erst um das Problem kümmern, dass keiner von beiden wirklich existierte.

Was Nombeko anging, reichte ein Nachmittag. Der Ministerpräsident rief den Einwanderungsminister an, welcher seinerseits den Chef der Einwanderungsbehörde anrief, welcher wiederum seinen besten Mitarbeiter anrief, der tatsächlich eine Notiz zu Nombeko Mayeki von 1987 ausgrub, beschloss, dass Fräulein Mayeki sich seitdem in Schweden aufgehalten hatte, und sie umgehend zur Bürgerin des Königreichs Schweden beförderte.

Holger 2 hingegen betrat die Räume des Einwohnermeldeamts auf Södermalm in Stockholm und erklärte, dass er nicht existierte, es aber sehr gerne tun würde. Nach ausgiebigem Hin- und Hergerenne durch die Flure, wobei man ihn von einer Tür zur nächsten verwies, wurde er schließlich zum Einwohnermeldeamt in Karlstad geschickt, zu einem Per-Henrik Persson, dem führenden Experten des Landes für komplizierte Fälle.

Per-Henrik Persson war zwar ein Bürokrat, aber ein pragmatischer. Als Holger mit seiner Erzählung fertig war, streckte der Bürokrat eine Hand aus und kniff ihn in den Arm. Dann sagte er, es wolle ihm auf jeden Fall so scheinen, als würde Holger existieren, und jeder, der das Gegenteil behauptete, läge falsch. Außerdem, meinte Per-Henrik Persson, gab es mindestens zwei Dinge, die darauf hindeuteten, dass Holger nur ein Schwede sein konnte. Zum einen die Erzählung, die er gerade vorgebracht hatte. Nach Per-Henrik Perssons umfassender Erfahrung konnte man sich so etwas unmöglich ausdenken (dabei hatte Holger die Teile mit der Atombombe wohlweislich unterschlagen).

Der zweite Punkt war nicht der, dass Holger schwedisch aussah und akzentfrei Schwedisch sprach – sondern die Tatsache, dass er gefragt hatte, ob er die Schuhe ausziehen sollte, als er Per-Henrik Perssons mit Teppichboden ausgelegtes Büro betrat.

Um den Formalitäten Genüge zu tun, wollte Persson dann aber doch, dass Holger einen oder zwei Zeugen beibrachte, unbescholtene Bürger, die sozusagen für ihn und seine Lebensgeschichte bürgten.

»Einen oder zwei Zeugen?«, sagte Holger 2. »Ja, ich glaube, die könnte ich schon auftreiben. Wären Ihnen der Ministerpräsident und der König recht?«

Per-Henrik Persson meinte, dass einer von beiden sicher reichte.

* * * *

Während die Gräfin Mannerheim und ihre beiden Assistenten beschlossen, sich ihr neues Zuhause zu bauen, statt ein Altbau-Schloss zu suchen, das man ja doch nicht finden würde, begannen Holger 2 und Nombeko mit ihrem richtigen Leben. Nummer zwei feierte seine neu gewonnene Existenz damit, Professor Berner von der Universität Stockholm genug von seiner Geschichte zu schildern, dass dieser beschloss, ihm einen neuen Termin für seine Disputation zu geben. In der Zwischenzeit amüsierte sich Nombeko damit, in zwölf Wochen 180 Punkte in Mathematik zu erzielen (für die die Regelstudienzeit bei neun Semestern gelegen hätte), während sie gleichzeitig einen Vollzeitjob als China-Expertin in der Regierungskanzlei ausübte.

Abends und am Wochenende gingen Holger und Nombeko zu interessanten Vorträgen oder ins Theater, manchmal in die Oper oder ins Restaurant, oder sie trafen sich mit neuen Freunden. Das waren ausschließlich Leute, die man ganz objektiv als normal bezeichnen konnte. Zu Hause genossen sie es jedes Mal, wenn eine Rechnung durch den Briefschlitz gesegelt kam. Denn nur Leute, die wirklich existieren, können Rechnungen bekommen.

Holger und Nombeko führten daheim auch ein allabendliches Ritual ein: Kurz vor Schlafenszeit goss Holger zwei Gläser Portwein ein, woraufhin sie auf einen weiteren Tag ohne Holger 1, Celestine und die Bombe anstießen.

* * * *

Im Mai 2008 war das Zwölf-Zimmer-Herrenhaus in Västmanland fertig. Rundherum fünfzig Hektar Wald. Holger 1 hatte Nombekos Budget gesprengt, indem er einen nahe gelegenen See kaufte, weil die Gräfin ja immer noch das Bedürfnis verspürte, ab und zu Hechte zu angeln. Aus praktischen Gründen gab es noch einen Helikopterlandeplatz und den dazugehörigen Helikopter, mit dem Holger unerlaubterweise nach Drottningholm und zurück flog, wenn die Gräfin zum Tee oder zum Abendessen bei ihren besten Freunden vorbeischaute. Manchmal kam es vor, dass Holger 1 und Celestine auch mit eingeladen wurden, vor allem seit sie den gemeinnützigen Verein »Bewahrt die Monarchie« gegründet und ihm zwei Millionen gespendet hatten.

»Zwei Millionen, um die Monarchie zu bewahren?«, sagte Holger 2, als Nombeko und er bei ihrem Antrittsbesuch mit dem Blumenstrauß vor dem neu gebauten Herrenhof standen.

Nombeko schwieg.

»Findest du, dass es so aussieht, als hätte ich meine Meinung zu dem einen oder anderen Thema ein wenig geändert?«

»Das wäre noch vorsichtig formuliert«, meinte Holger 2, während Nombeko immer noch schwieg.

Na ja, da konnte Holger 1 ihm nun nicht so ganz zustimmen. Papas Kampf war ja gegen eine andere Monarchie zu einer anderen Zeit geführt worden. Seitdem hatte die Gesellschaft sich aber in jeder Hinsicht verändert, und neue Zeiten verlangen schließlich auch neue Lösungen, oder nicht?

Holger 2 sagte, dass Holger 1 gerade noch mehr Unsinn daherredete als sonst und dass sein Bruder nicht ansatzweise erfassen konnte, was für eine enorme Menge Unsinn das bedeutete.

»Aber red gern weiter, ich bin neugierig auf den Rest.«

Na ja, im 21. Jahrhundert war alles so schnell: Autos, Flugzeuge, Internet, alles! Da brauchten die Leute etwas Beständiges, Sicheres.

»So was wie einen König?«

Ja, so was wie einen König, meinte Holger 1. Die Monarchie war ja eine jahrtausendealte Tradition, während es Breitbandverbindungen erst ein knappes Jahrzehnt gab.

»Was haben Breitbandverbindungen denn mit der ganzen Sache zu tun?«, wollte Holger 2 wissen, doch die Antwort blieb sein Bruder ihm schuldig.

Holger 1 fuhr damit fort, dass jede Nation am besten daran tat, wenn sie in dieser Ära der Globalisierung an ihren ganz eigenen Symbolen festhielt. Er war der Meinung, dass die Republikaner unser Land ausverkaufen, unsere Identität gegen den Euro eintauschen und auf die schwedische Fahne spucken wollten.

In diesem Moment konnte Nombeko endgültig nicht mehr an sich halten. Sie ging zu Holger 1, klemmte seine Nase fest zwischen Zeige- und Mittelfinger – und drehte sie um.

»Aua!«, brüllte Holger 1.

»Mein Gott, war das schön«, sagte Nombeko.

Celestine stand nebenan in der Achtzig-Quadratmeter-Küche. Sie hörte Holgers Schrei und kam ihm zu Hilfe geeilt.

»Was machst du mit meinem Schatz?«, schrie sie.

»Komm mal her mit deiner Nase, dann zeig ich’s dir«, sagte Nombeko.

Doch so blöd war Celestine nun auch wieder nicht. Stattdessen machte sie da weiter, wo ihr Holger unterbrochen worden war.

»Die schwedischen Traditionen sind ernsthaft bedroht. Wir können nicht einfach auf unseren fetten Ärschen sitzen bleiben und zusehen, wie das passiert. In dem Zusammenhang sind zwei Millionen Kronen rein gar nichts, denn hier stehen unglaubliche Werte auf dem Spiel, kapiert ihr das nicht?«

Sagte Celestine.

Nombeko starrte ihr auf die Nase. Doch Holger 2 kam ihr zuvor. Er hakte seine Freundin unter, bedankte sich für die Gastfreundschaft und ging.

* * * *

Der ehemalige Agent B saß auf einer Bank in Gethsemane, wo er den Seelenfrieden suchte, den ihm dieser biblische Ort immer geschenkt hatte.

Doch diesmal wollte es nicht klappen. Dem Agenten war klar, dass ihm noch eines zu tun blieb. Danach konnte er sein altes Leben hinter sich lassen.

Er ging in seine Wohnung, setzte sich vor den Computer, loggte sich auf einem Server in Gibraltar ein – und schickte eine anonyme, verschlüsselte Mitteilung in die israelische Regierungskanzlei.

Fragen Sie Ministerpräsident Reinfeldt nach dem Antilopenfleisch.

Mehr nicht.

Ministerpräsident Olmert würde sich wundern, woher diese Mitteilung kam, aber er konnte sie unmöglich zurückverfolgen. Im Übrigen würde er es auch gar nicht versuchen. Agent B hatte in den letzten Jahren seiner Karriere nicht mehr besonders hoch im Kurs gestanden. Doch seine Loyalität zur Nation war nie infrage gestellt worden.

* * * *

Während der großen Irak-Konferenz in Stockholm am 29. Mai 2008 nahm die israelische Außenministerin Tzipi Livni den schwedischen Ministerpräsidenten Reinfeldt beiseite und suchte ein paar Sekunden nach den richtigen Worten, bevor sie sagte:

»Der Herr Ministerpräsident weiß ja, wie das in unserer Position so ist. Manchmal weiß man, was man nicht wissen sollte, manchmal verhält es sich umgekehrt.«

Reinfeldt nickte, ahnte er doch, worauf sie hinauswollte.

»Die Frage, an die ich da jetzt denke, klingt vielleicht komisch, aber Ministerpräsident Olmert und ich sind nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen, sie dennoch zu stellen.«

»Grüßen Sie den Ministerpräsidenten doch bitte schön von mir. Und fragen Sie nur«, sagte Ministerpräsident Reinfeldt. »Ich werde Ihnen antworten, so gut ich kann.«

Außenministerin Livni schwieg noch ein paar Sekunden, ehe sie sagte:

»Ist es wohl möglich, dass der Herr Ministerpräsident etwas über zehn Kilo Antilopenfleisch weiß, für die sich der israelische Staat interessieren könnte? Ich bitte nochmals um Entschuldigung, wenn Sie diese Frage als seltsam empfinden.«

Ministerpräsident Reinfeldt lächelte steif. Und dann sagte er, von diesem Antilopenfleisch wisse er, es habe ihm gar nicht gut geschmeckt – Antilopenfleisch gehöre nicht zu seinen Lieblingsgerichten –, und inzwischen sei dafür gesorgt worden, dass auch in Zukunft keiner mehr davon kosten könne.

»Wenn die Frau Außenministerin weitere Fragen hat, befürchte ich, dass ich ihr die Antwort schuldig bleiben muss«, schloss Ministerpräsident Reinfeldt.

Nein, Außenministerin Livni musste nicht mehr weiterfragen. Sie teilte die Aversion des Ministerpräsidenten gegen Antilopenfleisch nicht (sie war ohnehin Vegetarierin), aber für Israel war es wichtig zu wissen, dass das Fleisch nicht in den Händen von Leuten gelandet war, die keinen Respekt vor den internationalen Regeln zur Ein- und Ausfuhr tierischer Produkte hatten.

»Schön zu hören, dass die guten Beziehungen zwischen unseren Völkern weiter bestehen werden«, sagte Ministerpräsident Reinfeldt.

»Ja, nicht wahr«, sagte Außenministerin Livni.

* * * *

Wenn es Gott doch geben sollte, hat er wahrscheinlich Humor.

Nombeko und Holger 2 hatten sich zwanzig Jahre lang nach einem Kind gesehnt. Nun hatte sie schon seit fünf Jahren die Hoffnung aufgegeben und war siebenundvierzig geworden, als sie im Juli 2008 merkte, dass sie tatsächlich schwanger war (am selben Tag, an dem George W. Bush in Washington beschloss, dass der Friedensnobelpreisträger und Expräsident Nelson Mandela wohl von der amerikanischen Liste der meistgesuchten Terroristen gestrichen werden konnte.)

Doch damit nicht genug der Komik. Denn bald darauf stellte sich heraus, dass dasselbe auch für die etwas jüngere Celestine galt.

Holger 2 sagte zu Nombeko, man könne von der Welt ja halten, was man wolle, aber einen Nachkommen von Celestine und seinem Bruder habe sie nun doch nicht verdient. Nombeko stimmte ihm da zu, bestand aber darauf, dass sie sich weiterhin auf sich selbst und ihr eigenes Glück konzentrierten und es den Dummköpfen und der Großmutter des einen Dummkopfes überließen, sich um ihres zu kümmern.

Und so machten sie es.

Im April 2009 bekamen erst Holger 2 und Nombeko eine Tochter, 2860 Gramm schwer und schön wie der Tag. Nombeko bestand darauf, dass das Mädchen Henrietta heißen sollte, nach Holgers Mutter.

Zwei Tage später gebar Celestine per geplanten Kaiserschnitt Zwillinge in einer Privatklinik in Lausanne.

Zwei kleine Babys, die sich ähnelten wie ein Ei dem anderen.

Die Jungen Carl und Gustaf.

* * * *

Nach Henriettas Geburt quittierte Nombeko ihren Dienst als China-Expertin. Ihr Job hatte ihr immer gefallen, aber sie hatte das Gefühl, dass sie hier nicht mehr viel auszurichten hatte. Der Präsident der Volksrepublik China hätte zum Beispiel nicht zufriedener mit dem Königreich Schweden sein können. Er bereute es keine Sekunde, Nombeko den schönen Volvo geschenkt zu haben, aber weil ihm der Wagen ja doch gefallen hatte, rief er seinen Freund Li Shufu in der Zhejiang Geely Holding Group an und schlug ihm vor, das ganze Unternehmen zu kaufen. Ursprünglich war das Nombekos Idee gewesen, wenn es sich der Präsident recht überlegte.

»Ich sehe zu, was ich tun kann, Herr Präsident«, sagte Li Shufu.

»Und wenn Sie danach dafür sorgen könnten, dass Ihr Präsident einen guten Preis für eine gepanzerte Limousine bekommt, wäre ich Ihnen noch dankbarer«, sagte Hu Jintao.

»Ich sehe zu, was ich tun kann, Herr Präsident«, sagte Li Shufu.

* * * *

Der Ministerpräsident war gerade auf der Entbindungsstation, um Nombeko und Holger mit einem Blumenstrauß zu gratulieren. Und um Ersterer für ihren einzigartigen Einsatz in ihrer Rolle als China-Expertin zu danken. Wenn man sich etwa vor Augen hielt, dass sie Präsident Hu davon überzeugt hatte, sich von Schweden eine Professur für Menschenrechte an der Universität Peking finanzieren zu lassen – unglaublich. Wie sie das eingefädelt hatte, überstieg den Verstand des Ministerpräsidenten. Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, hatte Reinfeldt angerufen und gefragt: »How the hell did you do that?«

»Ich wünsche Ihnen alles Gute mit Ihrer kleinen Henrietta«, sagte der Ministerpräsident. »Und melden Sie sich bei mir, wenn Sie wieder anfangen wollen zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass wir da was für Sie finden. Ganz bestimmt.«

»Versprochen«, sagte Nombeko. »Ich rufe sicher bald an. Ich habe nämlich den besten Volkswirtschaftler, Staatswissenschaftler und Hausmann der Welt an meiner Seite. Aber nun muss der Herr Ministerpräsident sich verziehen, Henrietta hat jetzt nämlich Hunger.«

* * * *

Am 6. Februar 2010 landete Hu Jintao, Präsident der Volksrepublik China, zum Staatsbesuch auf dem Oliver Tambo International bei Johannesburg.

Er wurde von der Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane und einer Reihe weiterer Potentaten begrüßt. Präsident Hu sagte ein paar offizielle Worte auf dem Flugplatz. Er sprach von der gemeinsamen Zukunft Chinas und Südafrikas, dass er sich voller Zuversicht auf ein gestärktes Band zwischen den beiden Nationen freute, und fügte dann ein paar Sätzchen zum Frieden und der weltweiten Entwicklung an und noch ein paar andere Dinge, die glauben konnte, wer sie denn glauben wollte.

Als das erledigt war, erwartete ihn ein umfangreiches zweitägiges Programm, bevor er ins nächste Land weiterreiste, das bei seinem Afrikabesuch auf dem Programm stand: Mosambik.

Was den Besuch in Südafrika von den vorangegangenen Besuchen in Kamerun, Liberia, Sudan, Sambia und Namibia unterschied, war der Umstand, dass der Präsident sich ausgebeten hatte, einen Abend in Pretoria ganz allein verbringen zu dürfen.

Dagegen konnten die Gastgeber natürlich nichts einwenden. Deswegen wurde der Staatsbesuch von kurz vor sieben Uhr abends bis zum Frühstück am nächsten Morgen vorübergehend ausgesetzt.

Gongschlag 19 Uhr wurde der Präsident vor seinem Hotel von einer schwarzen Limousine abgeholt, die ihn nach Hartfield in die schwedische Botschaft brachte.

Die Botschafterin höchstpersönlich empfing ihn an der Tür, zusammen mit Mann und Baby.

»Willkommen, Herr Präsident«, sagte Nombeko.

»Danke, liebe Frau Botschafterin«, sagte Präsident Hu. »Jetzt wäre es aber wirklich gelacht, wenn wir es nicht endlich schaffen würden, die Erinnerungen an unsere Safari auszutauschen.«

»Wir können ja auch noch ein bisschen über Menschenrechte plaudern«, sagte Nombeko.

»Pfui, nicht doch«, sagte Hu Jintao und küsste der Frau Botschafterin die Hand.