11. Kapitel
Als Katharina ins Wohnzimmer kam, lief ihr ein eisiger Schauer über den Rücken. Johanna saß mit einem Becher Schokoladeneis, ein gekuschelt in ihre Lieblingsdecke auf dem Sofa und hatte gerötete Augen. Das letzte Mal, als sie ihre beste Freundin so gesehen hatte, war das nach ihrer Flucht vor John gewesen. Katharina ging im Kopf schnell alle Möglichkeiten durch, die plausibel wären. Wohnung war OK, Job war OK, Geld war auch OK. Eine Beziehung hatte sie momentan nicht und diverse Haustiere konnten auch nicht gestorben sein, weil sie keine hatten. Das Auto? Nein, dass hatte sie vorhin gesehen, als sie von ihrem Parkplatz in die Wohnung gelaufen war.
„Hat John dich belästigt?“ Etwas anderes konnte es einfach nicht sein. Johannas Augen weiteten sich ängstlich.
„Nein! Es ist alles OK. Wie kommst du darauf, dass etwas nicht stimmt?“ Johanna war nervös. Mehr als sonst. Was war da los? Katharina ließ ihre Handtasche neben das Sofa fallen und setzte sich Johanna gegenüber in einen Sessel. Und dann begann der Nervenkrieg. Sie starrte ihre Freundin einfach nur an. Normalerweise brach Johanna nach spätestens zwei Minuten das Schweigen und gestand was sie bedrückte. Als die kleine Blondine begann, den Eisbecher in den Händen hin und her zu drehen und mit dem Löffel im leeren Becher zu kratzen, konnte es nicht mehr sehr viel länger dauern. Johanna begann imaginäre Flusen von ihrer Decke zu zupfen und gab vor, ihre Nägel zu kontrollieren. Und dann sah sie Katharina in die Augen. Und was Katharina da sah, war Angst. Pure Angst.
„Ich kann es dir nicht sagen. Bitte zwing mich nicht.“ Als die ersten Tränen flossen, setzte sich Katharina zu ihr und nahm sie tröstend in den Arm. Das taten Freundinnen füreinander. Die angenehme Wärme war ein kleiner Bonus, den sie schon länger vermisst hatte. Bisher hatte sich ihr Johanna immer anvertraut. Warum dieses Mal nicht? Als sich Johanna wieder etwas beruhigt hatte, hörte Katharina ihr geflüstertes Geständnis: „Ich habe mich in Dominic verliebt.“
Und Katharina fiel es wie Schuppen von den Augen. Die Blicke, die kurzen Berührungen, die Nervosität der beiden. Und überhaupt. Seit wann hatte sie wieder Interesse an Männern? Ihre letzten zwei Beziehungen waren nur lesbischer Natur gewesen. Seit John hatte sie panische Angst vor Männern. Und nun wollte sie ihren Freund! Wut stieg in ihr auf.
„Habt ihr...“ Johanna schüttelte sofort den Kopf und klammerte sich noch mehr an Katharina.
„Warum glaubst du, sitze ich hier und heule? Ich wollte es dir eigentlich überhaupt nicht sagen, weil es nicht wichtig ist. Er liebt dich und würde dich nie betrügen. Ich...“ Johannas Körper zuckte wieder unter wilden Schluchzern.
„Ich werde ihn einfach vergessen. Du bedeutest mir mehr als jeder Mann auf der Erde.“
„Ach Süße.“ Sie vergrub ihr Gesicht in Johannas Haaren und genoss ihren Duft. Solche intimen Zweisamkeiten hatte es schon lange nicht mehr zwischen den beiden gegeben und wenn sie ehrlich war, vermisste sie es. Sie waren damals nur drei mal zusammen im Bett gewesen, bevor Katharina zugegeben hatte, dass ihr einige Passagen des männlichen Körpers fehlten.
Doch diese wenigen Male waren sehr gefühlsintensiv und unvergesslich gewesen. Die Wärme und Weichheit von Johannas Körper. Ihre zärtlichen und liebevollen Hände. Ihr feuchter Schoß. Obwohl es überhaupt nicht in die Situation passte, wurde Katharina heiß.
Und als ihr plötzlich das Bild von Johanna und Dominic, die während des Aktes ineinander verschlungen auf dem Bett lagen, durch den Kopf schoss, spürte sie nicht etwa Eifersucht, sondern eine abartig intensive Geilheit. Sie wollte den beiden zusehen. Sie wollte beobachten, wie Dominic ihre beste Freundin vögelte.
Was stimmte nicht mit ihr? War sie pervers? Verrückt? Krank im Kopf? Nein. Wenn sie ehrlich war, vermisste sie etwas beim Sex, dass sie bis jetzt nicht bestimmen konnte. Dieses etwas war Johanna. Ihre Anwesenheit.
Kurz entschlossen löste sich Katharina von ihr und als Johanna sie mit großen und ängstlichen Augen ansah und wahrscheinlich auf ihren Rauswurf aus der Wohnung wartete, nahm Katharina ihr Gesicht in die Hände und küsste sie liebevoll. Zuerst kam von Johannas Seite keine Reaktion. Dann spürte sie einen leichten Zungenschlag, bis die kleine Blondine schließlich in Katharinas Haar fasste, um sie näher an sich zu pressen. Katharinas Kopf dröhnte vom plötzlichen Blutmangel, dass sich scheinbar komplett in ihrer Libido sammelte und diese vor Verlangen pulsieren ließ.
Von Johannas Seite kam ein leichter Druck, so dass Katharina auf das Sofa gedrückt wurde und Johanna es sich zwischen ihren Beinen bequem machte. Als sie ihre zarten Hände das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder auf ihrer Brustwarze spürte, stöhnte Katharina in deren Mund laut auf. Das schien Johanna noch mehr anzufeuern.
Während die ihrer Freundin das T-Shirt und den BH nach oben schob, winkelte Katharina ein Bein an, damit sie sich an Johannas Schritt reiben konnte. Nun hielt diese kurz inne und legte ihre Stirn an Katharinas, um laut auf zustöhnen. Nicht auf diesen innigen Kontakt verzichten wollend, suchte sie wieder die Lippen ihrer Freundin und begab sich nun ihrerseits mit den Händen auf Wanderschaft.
Zuerst streifte sie Johannas Oberarm um zu ihrem Rücken zu gelangen. Von dort aus strich sie Richtung Po und schlüpfte schließlich unter Johannas Oberteil. Sie hatte das wunderbare Gefühl weiblicher Haut ganz vergessen. Die zarten Konturen, die nicht ansatzweise mit einem männlichen und kantigen Körper vergleichbar waren.
Weibliche Körper waren einfach unvergleichlich. Männer hatten eigentlich nur einen Vorteil und der war in der mittleren Körperregion angesiedelt. Johanna verursachte ihr ein angenehmes prickeln, gefolgt von Gänsehaut, als sie ihr in die Brustwarze zwickte. Das sie sich das gemerkt hatte. Katharinas Brustwarzen waren sehr sensibel, weswegen sie nie ohne BH herum laufen konnte. Schon gar nicht im Winter, wo die Wolle der Pullover an ihren Nippeln reiben könnte.
Als Katharinas Hände höher wanderten, stellte sie fest, dass Johanna überhaupt keinen BH trug. Sie streifte Johanna das Shirt vom Kopf und zog deren Kopf sofort wieder zu einem Kuss zu sich herunter und füllte ihren Mund mit ihrer Zunge. Ein heißer Schauer der Erregung wanderte durch ihren ganzen Körper und als die Hand ihrer Freundin immer tiefer glitt, musste sie ein Stöhnen unterdrücken. Johanna begann sich an ihrem Kinn zu ihrem Hals zu küssen und biss einmal kurz hinein.
„Johanna!“ Ihr Körper stand in Flammen und als sie dann auch noch begann, ihre Brüste zu küssen und daran zu saugen, war es vollkommen um sie geschehen. Sie stemmte sich hoch, sodass Johanna kniend vor ihr war, sprang vom Sofa auf und riss sich förmlich die Kleider vom Leib. Das Gleiche machte sie bei der verwundert drein blickenden Johanna. Und bevor dieses etwas sagen konnte, kniete sich Katharina vor sie und spreizte ihre schlanken Schenkel. Sie wusste, dass die pure Gier in ihren Augen stand. Die Gier, nach Johannas Geschmack. Sie hatte eindeutig zu lange darauf verzichten müssen.
Ihre beste Freundin stieß ein lautes Stöhnen aus, als sie sanft an deren Kitzler saugte und mit ihren Fingern ihre Scham spreizte, um besser ans Ziel zu kommen. Sie konnte noch die Seife an Johanna schmecken. Die Dusche lag noch nicht lange zurück. Neue erotische Bilder begann sich in ihrem Kopf zu manifestieren.
Ob sie Johanna noch zu einem kleinen Bad überreden könnte? Natürlich erst, wenn sie beide hier auf dem Sofa oder im Bett fertig waren. Plötzlich spürte sie Johannas Hände in ihren Haaren und sie wurde verlangend weiter an deren Schoß gezogen.
„Katharina!“ Hoppla. War Johanna eben gekommen? Das ging aber schnell. Wann hatte sie eigentlich ihre letzte Beziehung gehabt? Katharina hatte sie in der letzten Zeit nur arbeiten sehen und das Haus verließ sie auch so gut wie nie. Sie wurde an ihren Haaren nach oben gezogen und Johanna küsste sie stürmisch auf den Mund. Sie hatte nie etwas dagegen, sich auf den Lippen einer anderen zu schmecken. Katharina übrigens auch nicht.
„Komm. Lass uns ein Bad nehmen.“ Johanna war noch immer außer Atem, nickte aber.
Johanna war froh, dass sie Katharina nicht in die Augen sehen musste. Sie saß mit dem Rücken zu ihr in der Badewanne und sah dem Wasser zu, dass fröhlich plätschernd in die Wanne lief. Ihr schlechtes Gewissen sprengte eben alle Rekorde und sie überlegte sich, was sie Katharina sagen sollte. Sie waren schon mehrmals zusammen im Bett gewesen, aber damals hatte Katharina keinen festen Freund. Und Johanna war nicht in diesen Freund verliebt gewesen. Mist. Als sie Katharinas Hände auf ihren Rücken spürte, zuckte sie kurz zusammen.
„Keine Angst. Es ist alles gut.“ Sie begann Johanna den Rücken zu waschen und wusch ihr schließlich auch die Haare. Das hatte sie schon immer gemocht.
„Willst du mit Dominic schlafen?“ Als ihr der Sinn dieser Worte durch den Kopf ging, drehte sie sich augenblicklich zu Katharina an und sah sie entsetzt an.
„Er ist dein Freund. Das wäre nicht richtig. Selbst das hier ist nicht richtig.“ Katharina lächelte.
„Für mich hat es sich richtig an gefühlt. Bitte beantworte meine Frage. Willst du mit ihm schlafen?“ Johanna drehte sich wieder nach vorne und flüsterte: „Er ist der erste Mann, vor dem ich keine Angst habe. Ich hab selbst erst festgestellt, dass ich mich in ihn verliebt habe. Also kann ich dir nicht sagen, ob ich es ertragen würde, ihn auf oder in mir zu spüren.“
„Willst du es probieren?“ Sie wollte ehrlich zu ihrer Freundin sein, brachte aber das kleine Wort nicht über die Lippen. Also nickte sie. Für einen Moment herrschte Stille. Dann zog Katharina ihre Freundin nach hinten und umarmte sie.
„Dann probiere es mit ihm. Vielleicht lässt das deine Angst etwas schwinden.“ Sie wollte sich erschrocken aufsetzen, doch Katharina hielt sie fest.
„Ihr habt meine Erlaubnis. Versuch es nicht auseinander zu nehmen und klein zu reden. Tu es einfach.“ Johanna drehte sich in Katharinas Armen um und küsste sie leidenschaftlich auf die weichen Lippen.
„Ich konnte dir noch gar nicht für meinen Orgasmus danken.“ Ihre Hand wanderte am Körper ihrer Freundin nach unten und fand sofort die kleine Perle.