17
Die Banden hatten sich erhoben. Oxonium brannte.
Ich sah entsetzt zu, wie Flammen aus zerstörten Häusern schossen und schwarze Rauchwolken durch die Luft trieben wie Finger des Bösen, die ihre Opfer erwürgten; überall war nur Elend und Schrecken. Ich habe zu meinem Leidwesen viele schöne Städte brennen sehen, ich war Zeuge von Zerstörung, die Habgier und Haß und Furcht entfesselten. Die Sonnen stiegen in die Höhe, und ihre schräg einfallenden Strahlen machten nur noch mehr Not und Schmerz sichtbar.
»Neuer Kurs.« Mein Befehl war knapp, mein Tonfall grob.
Die Himmelsstürmer schwenkte herum, hoch über den Flammen, dem Rauch, dem schrecklichen Lärm in der Tiefe.
Nicht alle Gebäude Oxoniums standen in Flammen. Der königliche Palast auf dem Großen Hügel hatte nur leichte Schäden davongetragen, genau wie der Palast Kov Brannomars. Beide Bauten wurden bis zu einem gewissen Grad von den zauberischen Künsten der Sana Besti, Brannomars Schwester, beschützt. Zu meiner großen Erleichterung war die vallianische Botschaft völlig unversehrt. Diese anscheinend wunderbare Unzerstörbarkeit war das thaumaturgische Werk unserer Freunde, der Zauberer aus Loh. Die Zauberer von Balintol geboten vielleicht in Caneldrin und Winlan über unbekannte Kräfte, hier in Tolindrin konnten sich die Zauberer aus Loh jedoch nahezu unbehindert bewegen. Der Rudergänger steuerte die Himmelsstürmer auf die Botschaft zu.
»Wenigstens ist da ein Platz zum Landen«, sagte Bancur heiser.
Wir gingen in die Tiefe, und als wir einen zerstörten Schlachtermarkt überflogen, stieg uns der Gestank brennenden Fleisches in die Nasen. Der Rauch legte sich würgend über Straßen und Alleen, die von fliehenden, stürzenden und gegeneinander kämpfenden Menschen bevölkert waren. Es waren keine Schweber oder Ovverer in Sicht; zweifellos hatte jeder eine volle Fracht verängstigter Passagiere aus der dem Untergang geweihten Stadt transportiert.
Ein oder zwei meiner Männer taten ihr Erstaunen lautstark kund; die meisten betrachteten die Katastrophe schweigend. Schließlich waren sie erfahrene Söldner, Paktuns, die in Schlachten und bei Belagerungen gekämpft und genug brennende Städte gesehen hatten. Außerdem war dies hier nicht ihre Heimat.
Was die arme Veda betraf, so hätte ich verstanden, wenn sie in Tränen ausgebrochen wäre. Ich hatte Mitleid mit ihr. Sie hatte sich so sehr darauf gefreut, in den bezaubernden Basaren Oxoniums einkaufen und die hiesigen raffiniert geschneiderten Gewänder anziehen zu können! Nun war alles nur noch Asche und Staub. Doch als ehemalige Jikai-Vuvushi sagte sie kein Wort und stand mit versteinertem Gesicht an der Reling, um auf die Zerstörung ihres glücklichen Traums vom schönen Leben hinunterzustarren.
Beinahe hätte ich gelacht. Bei Vox! O ja, Veda war enttäuscht. Aber was war mit mir, dem einfachen Dray Prescot, dem übermenschliche Unsterbliche befohlen hatten, Balintol zu einigen, mir, dem sogenannten Herrscher von ganz Paz? Ich stand vor einer absoluten Katastrophe!
»Warten wir? Oder sollen wir landen, Cadade?« Bancurs rauhe Stimme verscheuchte die düsteren Gedanken.
»Lande.«
Die Botschaft Vallias war gebaut, wie es sich für eine Botschaft gehörte. Sie wies eine Außenmauer auf, die den Landeplatz und die Gärten umschloß, und eine Innenmauer, die die eigentlichen Gebäude schützte. Bancur fungierte während seines Dienstes an den Kontrollen als Steuermann und brachte den Schweber geschickt nach unten. Auf dem Landeplatz war keine Menschenseele zu sehen. Die Gärten mit ihrer Blumenpracht sahen friedlich aus und boten einen starken Kontrast zu all der Zerstörung ringsum.
Wir berührten den Boden. Mit lautem Gebrüll brach eine wilde Horde aus den Büschen am Rande des Landeplatzes hervor und stürmte waffenschwingend auf uns zu, entfesselt vom wilden Verlangen nach Flucht – einer Flucht in unserem Flieger.
Eine Trompete übertönte den Lärm. Ein schneller Blick in die Richtung, aus der der Laut kam, zeigte einen vallianischen Jurukker auf der Innenmauer. Er winkte uns mit der Trompete zu und deutete hinter sich.
Ich schrie: »Bratch!«, und Bancur zuckte zusammen. »Starte!«
Schmutzstarrende Hände klammerten sich an der Reling fest. Verzerrte Gesichter schoben sich in Sicht, voller Bartstoppeln und tief eingegrabener Linien, völlig außer sich.
Ein Armbrustbolzen bohrte sich ins Deck. Eine ganze Salve jagte heran, dann brachte Bancur das Flugboot endlich in die Höhe.
Ein halbes Dutzend der armen Teufel stürzte aufschreiend in die Tiefe und zerschmetterte am Boden. Ich atmete aus. Das war knapp gewesen!
Wir beschrieben eine Kehre und landeten hinter der Innenmauer. Wachen in adretter vallianischer Uniform umzingelten uns.
Elten Larghos Inverdun kam heran, in ein braunes vallianisches Gewand gekleidet, den breitkrempigen Hut mit den kühn hervorragenden roten und gelben Federn in der linken Hand. Er war nun ein Diplomat; früher war er ein wagemutiges Mitglied der Freiheitskämpfer von Vallia gewesen. Er kannte meine Identität und streckte lächelnd die Hand aus. »Lahal, Drajak der Schnelle.«
»Lahal, Larghos. Oxonium machte schwere Zeiten durch.«
»Es erinnert mich an den Sturz der Sonnen.« Das ist ein uraltes Gedicht mit einem sehr düsteren Inhalt. »Du wirst es vermutlich nicht glauben, aber die Leute da draußen, die dein Flugboot in ihre Gewalt bringen wollten, sind unsere eingeladenen Gäste. Sie suchten Asyl. Wir konnten es ihnen nicht abschlagen. Sie dürfen sich in den Außenhöfen aufhalten. Ich halte das für angebracht.«
»Du hast recht.«
Das heiterte ihn auf, und sein Blick fiel auf Veda. Die nötigen Vorstellungen erfolgten, und nach dem Pappattu setzte Elten Larghos den Hut auf und hielt Veda galant den Arm hin. Sie legte ihre Hand darauf wie eine große Dame am Königshof, und sie gingen Seite an Seite los. Befehle zur Unterbringung meiner Jungs wurden erteilt, dann schloß ich mich Larghos und Veda an. O ja, er war ein galanter Edelmann, und sie war etwas Besonderes, bei Krun!
Sollte es etwa möglich sein, daß unsere Veda etwas von dem Haß und der Verachtung verlor, die sie allen Männern entgegenbrachte? Als ich die Botschaft mit ernstem Gesichtsausdruck betrat, hatte ich den Eindruck, daß sich Veda und Larghos gut verstanden.
Aber das lag vermutlich nur daran, daß Veda von allem Vallianischen begeistert war.
Eine ganze Schar Dienerinnen führte sie weg. Larghos bot mir ein Glas Parclear an, das ich dankbar entgegennahm. Dann ging ich und machte mich frisch. Vor dem Essen stattete ich dem Quartier der Wache einen kurzen Besuch ab, um nach meiner Juruk zu sehen. Die Männer machten es sich mit der erfahrenen Söldnern eigenen Gelassenheit gemütlich. Das freute mich, und ich fand es überhaupt nicht überraschend, daß die vallianischen Wachen gut mit meinen Jungs auskamen. Wie die Dinge nun einmal lagen, würde Zusammenarbeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Unternehmungen sein, die in unmittelbarer Zukunft vor uns lagen.
Veda löcherte den Botschafter während des zweiten Frühstücks mit Fragen über Vallia, und insbesondere über Dray Prescot. Ihr Gesicht nahm richtig Farbe an, als Larghos zugab, Dray Prescot zu kennen und in vielen großen Schlachten sogar an seiner Seite gekämpft zu haben. Diese aufgeregte Rötung von Vedas blasser Haut kam mir sehr merkwürdig vor. Ihre Augen funkelten unnatürlich hell, und ihre Zunge befeuchtete die Lippen. Sie wollte alles wissen, was Larghos ihr erzählen konnte.
Ich machte dem kurzerhand ein Ende. »Larghos, was ist in Oxonium passiert? Die Stadt ist ein Irrenhaus. Sie ist wie eine Herrelldrinische Hölle!«
»Aye. Nach den Erdbeben hatten wir gehofft, die Dinge würden sich wieder etwas beruhigen. Aber als dann die Ibmanzys zuschlugen, nun, da haben die Banden ihre Chance ergriffen und sind aus den Gräben geströmt.«
»Was?« rief ich. »Ibmanzys?«
»O ja, bei Vox! Dutzende von ihnen, die alles in Schutt und Asche legten.«
Ich sank auf meinen Stuhl zurück. Mir war klar, daß mein Gesicht einem Stück Granit ähneln mußte, in das sich im Laufe von Millionen von Jahren tiefe Spalten eingegraben hatten.
»Du hast doch gewußt, daß es noch mehr Prismen der Macht gibt«, sagte Veda.
Ich warf Larghos einen harten Blick zu. »Khon der Mak?«
»Aye. Ihm ist es auf den Chulik-Inseln schlecht ergangen. Er hat die Hauptstadt seines eigenen Landes aus Habgier zerstört, nur weil er nach der Krone giert.«
»Der Cramph.« Der nächste und wohl offensichtliche Gedanke ließ mich vor Sorge zusammenzucken. »Prinzessin Nandisha und ihre Familie – ihre Dienerschaft?«
Larghos beruhigte mich. Nandisha war auf dem Land in Sicherheit, und zwar nicht auf einer ihrer Besitzungen. Es war die Bewachung der Zwillinge ihrer Numim-Diener gewesen, die mich überhaupt erst nach Balintol gebracht hatte; bei diesem Auftrag hatte ich Fweygo kennengelernt. Vermutlich hatten ihn die Herren der Sterne jetzt zu ihrem Schutz abkommandiert. Die Ibmanzys waren mein Problem.
Larghos wollte wissen, was es mit den Prismen der Macht auf sich hatte, und Veda erklärte es ihm aufgeregt. Der Botschafter nickte. »Im Dokerty-Tempel von Oxonium gibt es einen neuen Hohenpriester. Ein bis jetzt dem Galgen entgangener Schurke namens Nath G'Goldark. Er gehört mit Leib und Ib Khon dem Mak.«
Bei unserem Flug über die Stadt hatte ich zu meiner Freude sehen können, daß der Tempel Cymbaros zu den vielen Gebäuden gehörte, die keine nennenswerten Beschädigungen aufwiesen. Der Tempel Dokertys war ebenfalls unversehrt, was mich allerdings weniger gefreut hatte. Der Grund dafür dürfte ziemlich offensichtlich sein.
Die wichtigsten Gebäude – der Palast des Königs, Brannomars Palast, der Cymbaro-Tempel, eine Reihe von Botschaften und überraschenderweise der Tempel Tolaars – waren nicht gestürmt worden. Auf den dazwischenliegenden Straßen drängten sich die Menschen aus den Gräben und plünderten, tranken und verbreiteten allgemeines Chaos. Wie lange noch würden diese Inseln im Strom unberührt daliegen?
Die Banden und die Plünderer hatten keine Möglichkeit, von den Hügeln zu entkommen, es sei denn mit Hilfe von Flugbooten.
Wenn ich den Eindruck vermittelt haben sollte, daß in der Botschaft alles seinen gewohnten Gang nahm, dann ist das völlig falsch. O ja, die Routine nahm ihren langweiligen Verlauf wie in allen Botschaften auf der ganzen Welt, aber die böse Vorahnung unmittelbar bevorstehender Kämpfe verlieh allem einen Makel.
Als erstes mußten wir die eingeladenen, jedoch ungeliebten Gäste loswerden. Man konnte sie gruppenweise ausfliegen. Mein Juruk würde dafür Sorge tragen, daß sich den panikerfüllten Menschen keine Möglichkeit bot, die Himmelsstürmer zu erobern. Larghos stimmte meinem Vorschlag sofort dankbar zu.
Ich nahm das andere Flugboot, das als Beiboot diente, um Oxonium näher zu erkunden – oder vielmehr das, was von der unglücklichen Stadt übriggeblieben war.
Es war kein einziger entfesselter Ibmanzy auf der Straße. Nicht einer.
Die Menschen sahen auf und zeigten auf mich, als ich über ihren Köpfen vorbeiflog. In diesen schrecklichen Tagen war für sie ein Schweber etwas Ungewöhnliches geworden! Einst war der Anblick von Schwebern und Ovverern am Himmel über der Stadt ein normaler Bestandteil des alltäglichen Lebens gewesen.
Nicht eine Seilbahnstrecke war ohne Beschädigungen davongekommen, viele der Türme lagen umgestürzt. Zweifellos hatte die berüchtigte Kataki-Wache gekämpft, aber ich vermutete, daß die Peitschenschwänze sofort geflohen waren, als die Ibmanzys ihre wahre, schreckliche Macht enthüllt hatten.
Mein Ziel waren die Cramphs, die Dokerty verehrten, aber zuerst drehte ich eine Runde über Cymbaros geweihten Schrein. Die Mauern waren intakt. Ein paar Dächer waren eingefallen, und ein Säulengang war wie eine Reihe Dominosteine umgekippt, aber sonst sah die Anlage so friedvoll wie immer aus. Es war niemand in Sicht, und die Gärten lagen verlassen da.
Während ich darüber nachdachte, ob ich nun landen sollte oder nicht, fuhr ich selbstverständlich wie jeder Kampfpilot damit fort, den Himmel im Umkreis von dreihundertsechzig Grad im Auge zu behalten, vom Horizont bis zum Azimuth.
Ein Punkt, der direkt auf die vallianische Botschaft zuhielt, entpuppte sich als die Himmelsstürmer, die die zweite Ladung Flüchtlinge aufnehmen wollte. Aber da erschien ein zweiter Punkt, der durch eine Wolkenbank schwebte.
»Nanu!« sagte ich laut. »Wer kann das sein?«
Die Kontrollhebel schickten den kleinen Flieger im bogenförmigen Steigflug zum Rendezvous mit der Himmelsstürmer. Nun flogen drei Flugboote am Himmel hoch über der Stadt aufeinander zu.
Die Umrisse und die Farben des geheimnisvollen Besuchers wurden erkennbar.
»Bei den verfilzten Haaren und den tropfenden, verfaulten Nasenlöchern Makki-Grodnos! Shanks!«
Es bestand kein Zweifel. Der widerstandsfähige schwarze Rumpf unter den bunt bemalten Aufbauten war unverkennbar. Bei dem Voller der Fischköpfe schien es sich um ein Erkundungsboot zu handeln. Für gewöhnlich waren ihre Voller riesig und führten diese kleineren Flieger als Beiboote mit sich. Die Shanks brauchten große Flugboote, denn sie kamen von ihren Kontinenten und Inseln auf der anderen Seite der Welt, um Paz anzugreifen. Auch wenn wir sie haßten, verabscheuten und fürchteten, für ihre navigatorischen Fähigkeiten und ihren Mut mußten wir ihnen Achtung zollen.
Der Voller der Shanks raste mit hoher Geschwindigkeit heran. Er war offensichtlich auf Erkundungsmission, von den Rauchwolken angezogen, ein Einzelgänger. Oder kündigte er die Anwesenheit einer Shank-Flotte in unmittelbarer Nähe an? Das würde die Lage grundsätzlich verändern, bei Djan!
Die Männer in der Himmelsstürmer hatten ihn entdeckt. Sie drehten um und stiegen in die Höhe. Sie kannten sich mit den Shanks aus, bei Krun!
Einer jener Zufälle, wie es sie so oft in der Schlacht gibt, sorgte dafür, daß die beiden Flugboote genau über dem Tempel Dokertys aufeinanderprallen würden.
Ich hämmerte auf die Kontrollen ein. Das Geschehen würde unaufhaltsam seinen Lauf nehmen, und ich mußte an Ort und Stelle sein!
Die beiden Wurfgeschütze im Bug der Himmelsstürmer hielten zwar den Vergleich mit vallianischen Großvartern nicht stand, aber es waren nützliche Waffen. Sie flog direkt auf den Feind zu. Das strömende Licht der Sonnen ließ die Waffen in den Fäusten meiner an Deck versammelten Juruk funkeln.
Der Voller der Fischköpfe war ein Erkundungsflieger. Er war schnell und flink. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie es unbedingt auf einen Kampf ankommen lassen wollten, aber bei den Shanks konnte man nie sicher sein, wie sie sich verhalten würden. Das Licht der Sonnen verlieh auch ihren Waffen einen bösartigen Schimmer.
Außerdem erkannte ich mit plötzlicher Sorge, daß der Voller auch als Späher immer noch größer als die Himmelsstürmer war und es auf seinen Decks nur so vor Fischköpfen wimmelte. Aus den Stückpforten und der schmalen Kampfgalerie direkt über dem Kiel ragten Varter. Ich richtete die Kontrollen ganz ruhig auf den Feindflieger aus, drehte mich um und holte ein paar Feuertöpfe.
Der Docht aus der kleinen Messingschachtel wollte nicht gleich brennen, aber beim zweiten Versuch loderte die Flamme auf. Ich steckte die Messingschachtel zurück in die Klemme. Die brennende Lunte hielt ich in der Hand.
Feuertöpfe sind im Grunde genommen bösartige Apparate, bedenkt man einmal den Schaden, den sie bei so vielen guten Fliegern angerichtet haben. Manchmal habe ich mir gewünscht, daß auf jeden existierenden Shank-Voller ein Feuertopf niedergehen würde, und manchmal habe ich mich für diesen Wunsch geschämt. Als die Geschütze des schwarzrümpfigen Fliegers jetzt ihre Geschosse auf die Himmelsstürmer abfeuerten, steuerte ich mein Flugboot in das schräg herabfallende Licht der Sonnen.
Das rote Funkeln der Lunte in meiner Faust erschien mir plötzlich wie das böse rote Auge eines heidnischen Teufels.
Die Voller kreisten umeinander und suchten ihren Vorteil.
Meine Jungs konzentrierten sich auf den Versuch, ihre Varter auf den Feind auszurichten. Dazu mußten sie eine Reihe schneller, gerader Vorstöße machen, denen scharfe Wendemanöver folgten, als sich die Shanks neben sie setzen wollten, um den Feuerhagel zu erwidern. Einige ihrer Bolzen trafen ins Ziel. Anscheinend gelang es keinem der Flieger, den Vorteil der höheren Position zu gewinnen. Und so drehten sie sich im Kreis, ein Ballett, das unmittelbar bevorstehenden Tod verkündete.
Mein Flieger stieg mühsam in den Himmel. Ihn von den anderen fernzuhalten erforderte plötzliche Ausweichmanöver, doch ich gewann an Höhe und setzte mich langsam, aber sicher über die Himmelsstürmer und den Shank.
Als die Fischköpfe mein Manöver sahen und begriffen, flogen augenblicklich Armbrustbolzen zu mir hoch. Sie würden es mir nicht leicht machen.
Wäre ich der Kapitän dieses Shank-Spähers gewesen, hätte ich mich in diesem Augenblick vom Feind gelöst und den Rückzug angetreten. Aber man kann einen Shank nicht daran messen, was bei uns in Paz als normales Verhalten gilt. Sie waren eben fremdartig. Was sie dachten, blieb in ihren Fischköpfen verborgen.
Die Himmelsstürmer erzitterte und sackte jäh über den Bug nach unten.
»Moxog Makib!« brüllte ich; die Sorge – und Furcht – um meine Jungs hatten mir diese Worte entlockt.
Das Flugboot richtete sich wieder auf und blieb auf geradem Kiel. Offenbar hatte ein Varterbolzen die Ketten getroffen, die die Befehle der Kontrollen weiterleiteten. Aber Opaz sei Dank schien wieder alles richtig zu funktionieren. Der Shank sank ein Stück, er wollte seine Kampfgalerie am Kiel ins Spiel bringen.
Ich schüttelte ungläubig den Kopf.
Wenn sich in einem Kampf gute Gelegenheiten ergeben, muß man mit aller Vorsicht vorgehen. Der Gegenschlag kann tödlich sein. Diesmal hatte der verdammte Shank seine Kehle entblößt. Mein Flieger setzte sich über ihn. Ein halbes Dutzend Bolzen schoß in die Höhe. Fischköpfe drängten sich ans Schanzkleid; die meisten sahen nach unten.
Das böse Dämonenauge der Lunte erweckte den Zünder des Feuertopfes zu rotknisterndem Leben. Ich warf den rauchenden Zerstörungsmechanismus über Bord.
Dann schickte ich, solange sich mein Voller über dem Shank befand, eine ganze Reihe von Feuertöpfen in die Tiefe.
»Brennt, ihr Bastarde«, sagte ich ohne eine Spur von Ritterlichkeit. »Für das ganze Elend, das ihr Paz gebracht habt – brennt!«
Der Flieger mit dem schwarzen Rumpf brannte.
Er schwang herum und stürzte qualmend in die Tiefe. Flammen hüllten ihn ein. Shanks eilten auf das Vorderdeck. Sie klammerten sich fest und wappneten sich gegen den Aufprall der Landung. Ich sah mit aufrichtigem Bedauern, daß ihr Flieger den Boden erreicht haben würde, bevor sich das Feuer einen Weg nach vorn gebrannt und sie alle verschlungen hatte.
Die feurige, funkensprühende Masse stürzte, eine dichte, schwarze Rauchwolke hinter sich herziehend, auf den Platz vor dem Tempel Dokertys.
Flinke, behende Gestalten sprangen vom Wrack. Ihre Waffen und Rüstungen funkelten im Flammenschein. Sie breiteten sich über den Kyro aus.
»Makki-Grodno soll sie holen!« stieß ich hervor. »Es sind noch zu viele von den Cramphs am Leben!«
Abgesehen von ihnen, lag der Platz verlassen dar.
Kein Wunder, bei Krun!
Die Himmelsstürmer setzte sich neben mich. Langsam sanken wir in die Tiefe. Jeder beobachtete gebannt die Shanks.
Nalan ti Perming, der am Bug der Himmelsstürmer stand, deutete auf etwas.
»Seht!«
Eine ganz in Rot gekleidete Gestalt trat aus den Türen des Tempels und blieb vor der obersten Stufe stehen. Sie stand einfach da und betrachtete die näherkommenden Fischköpfe.
Es war ein einsamer Priester Dokertys, der sich, in den Feuerschein des zerstörten Erkundungsbootes getaucht, als scharlachroter Fleck von den Tempeltüren abzeichnete; er stand hochmütig und verächtlich da, fast schien es, als würde er die räuberischen Shanks verhöhnen. Er trat beiseite.
Vier Leute traten auf den Treppenabsatz. Vier junge Leute, ganz in Weiß gekleidet, zwei Jungen und zwei Mädchen. Sie stiegen ganz ruhig und gefaßt die Treppe hinunter, dem Vorplatz und den näherkommenden Shanks entgegen.
»Cadade!« rief Nalan. »Wir müssen ihnen helfen!«
Die Himmelsstürmer ging tiefer.
»Halt! Ihr dürft nicht landen!« rief ich außer mir mit der alten, weittragenden Vordecksstimme. »Wenn euch euer Leben etwas wert ist, landet nicht!«