Warum immer ich?

Sie! Ja genau, Sie meinen wir! Sie brauchen es garantiert nicht!

Mangelnde Spontaneität ist ein Thema, das nicht nur Kaninchen auf der Landstraße kennen. Jeder Mensch war schon einmal in einer Situation, in der er gerne spontaner reagiert hätte - das passiert nicht nur bei unseren Vorträgen.
Bei Ihnen ist alles im grünen Bereich und es besteht kein Veränderungsbedarf? Schon klar. Alle anderen haben es nötig. Sie lesen dieses Buch, weil Sie es geschenkt bekommen haben oder das Cover schön fanden: »Nö, bei mir ist alles in Ordnung. Ich brauche keine Veränderung. Ich bin spontan.«
Geht klar! Dann wollen wir Sie nicht weiter stören. Auf diese Weise haben Sie jetzt schon das nächste Weihnachtsgeschenk, das Sie einem Spontaneitäts-Bedürftigen machen können.
Wir haben mal vorsorglich herumgefragt und in unseren eigenen Erinnerungen nach Situationen gekramt, in denen Menschen gerne spontaner wären. Hier ein paar Szenarien:
Es ist Montag, 9 Uhr morgens. Sie arbeiten in einer Grafikagentur. Heute steht eine wichtige Präsentation an. Sie haben das gesamte Verpackungsmaterial einer Molkerei zu gestalten und wollen dem neuen Kunden Ihre großartigen Ideen präsentieren. Sie haben alles gecheckt, das Wochenende durchgearbeitet, Ihre Präsentation ist gut. Insgesamt sind zwölf Personen anwesend, neben den Mitarbeitern der Molkerei auch Ihr Chef und einige Ihrer Kollegen. Gerade hat Sie Ihr Chef mit den schönsten Worten vorgestellt. Als Sie anfangen zu sprechen, stürzt plötzlich der Computer ab. Er macht keinen Mucks mehr. Kein Back-up. Ihr Kopf leuchtet wie ein Signalfeuer, und Sie spüren Ihre Achselhöhlen. Bevor ein Techniker den Schaden beheben könnte, wären die für Ihre Präsentation angesetzten 15 Minuten schon vorbei. Nun heißt es, spontan Alternativen aus dem Hut zaubern …
Sie haben ein zweijähriges Kind. Jeden Morgen sind Sie ein Organisationswunder. Auch heute stehen Sie tatsächlich wieder pünktlich um 8.30 Uhr vor dem Kindergarten. Schließlich haben Sie um 9 Uhr ein Vorstellungsgespräch für eine gut bezahlte, inhaltlich interessante Halbtagsstelle. Dass Sie überhaupt zu diesem Gespräch eingeladen wurden, gleicht schon fast einem Sechser im Lotto. Sie stehen vor der Tür und lesen den Aushang auf neongelbem Papier: »Der Kindergarten ist heute wegen Krankheit geschlossen.«
Sie sind seit drei Jahren Single. Von Speed-Dating bis Internet-Kontaktbörsen haben Sie alles erfolglos ausprobiert. Über Facebook finden Sie eine alte Schulfreundin wieder, Sie mailen, telefonieren, die Chemie stimmt. Sie laden Ihre frühere Freundin zum Essen ein und geben alles: Sie reservieren einen Tisch im besten und teuersten Restaurant der Stadt. Alles läuft perfekt. Ein Traumdate. Gerade hat sie noch geschwärmt, dass es kaum mehr Kavaliere der alten Schule gibt. Sie wollen bezahlen und merken, dass Sie Ihr Geld vergessen haben …
Ihr neuer Freund möchte Sie seiner Familie vorstellen, und Sie sind zum Grillen bei den potenziellen Schwiegereltern eingeladen. Ein tolles Haus mit Swimmingpool. Man feiert in einem Garten, der so groß ist, dass er sicherlich von einem Gärtner gepflegt wird. Sie stehen mit den etwas konservativen Eltern und den Geschwistern Ihres neuen Freundes zusammen. Ein Wort gibt das andere, und Sie beschließen, dass es jetzt an der Zeit sei, Ihren großartigen, aber leicht anzüglichen Lieblingswitz zu erzählen. Bisher kamen Sie damit immer gut an. Während Sie selber noch über Ihren Witz lachen, starren Ihnen fünf Augenpaare fragend entgegen …
Klassentreffen, zehn Jahre nach dem Abschluss treffen Sie eine alte Schulfreundin wieder, das Mädchen, in das alle verliebt waren, schlank, lustig, sportlich. Der weibliche Star der 9a. Ist sie schwanger? Voller Freude gratulieren Sie ihr zu diesem bevorstehenden freudigen Ereignis. Doch sie ist gar nicht schwanger …
Endlich haben Sie es geschafft, Ihre Frau zu überzeugen, dass Zelturlaube eine tolle Sache sind. Sie liebt nämlich Club-Urlaube, in denen alles organisiert ist. Sie versprechen ihr, dass sie sich um nichts kümmern muss. Auf der verträumten einsamen griechischen Insel stellen Sie fest, dass Sie die entscheidende Zeltstange wohl doch nicht eingepackt haben …
Ein Kunde, den Sie schon lang gewinnen möchten, ruft Sie an und bittet um einen Termin. Das Treffen kommt zu Stande. Sie waren sich sicher, dass der Kunde an Produkt A interessiert ist, und haben sich darauf vorbereitet. Der Kunden fragt jedoch nach Details zu Produkt B. Black-out. Ihr Kopf ist wie leer gefegt, und je mehr Sie versuchen, sich zu erinnern, welche passenden Eigenschaften Produkt B hatte, desto leerer scheint Ihr Kopf zu werden …
Sie sitzen in der Bahn und sehen, wie eine Mutter sich beim Einsteigen mit Kinderwagen und Kleinkind an der Hand und diversen Taschen abquält. Sie sitzen bequem und denken: Da müsste doch mal jemand mit anfassen … Doch Sie bleiben sitzen und schauen sich das Schauspiel aus der Ferne an. Den Rest des Tages plagt Sie ein schlechtes Gewissen …
Sie trauen sich. Endlich wagen Sie es, die Frisur, die Sie nun schon seit fünf Jahren tragen, zu ändern. Die Haare sollen ab, ein neuer ganz anderer Schnitt muss her. Als Sie vom Friseur nach Hause kommen, begrüßt Sie Ihr Partner mit den Worten: a) »Tolle neue Mütze!« b) »Was macht eigentlich dein Friseur von Beruf?« c) Ihr Partner merkt gar nicht, dass Sie eine neue Frisur haben …
Ihre Ehe ist der Ihrer Eltern verdammt ähnlich. Und Sie haben sich geschworen, dass IHNEN das nie passieren wird …
Sie dürfen die Beispiele gerne um eigene erweitern. In allen geht es darum, dem Unerwarteten zu begegnen und spontane Lösungen für ein Problem zu finden. Sie möchten aus solchen Situationen mit einem positiven Gefühl herausgehen. Das kann bedeuten, dass Sie selbst weniger unzufrieden mit sich sind, indem Sie aufstehen und der Mutter mit ihrem Kinderwagen helfen oder an Ihrer Ehe etwas verändern. Sie wollen kreativer sein und schnell eine Lösung für den ausgefallenen Computer bei der Präsentation finden oder für die vergessene Zeltstange aus dem Ärmel schütteln. Sie möchten auf verbale Angriffe schlagfertig reagieren, zum Beispiel nach einem Friseurbesuch. Und wenn der Kindergarten geschlossen hat oder Sie das Geld vergessen haben, um die Rechnung fürs Abendessen zu begleichen, wollen Sie flexibel und lässig reagieren.
Kurz: Sie wünschen sich, in schwierigen Situationen spontaner zu sein.
Spontaneität lässt sich trainieren, und wir möchten Ihnen zeigen, wie das geht. Die gerade aufgeführten Beispiele werden Ihnen dann keine Angst mehr machen, sondern zu Trainingssituationen, die Sie regelrecht herbeisehnen.
Zum Glück begegnet man King Kong eher selten. Sie müssen in der Regel auch nicht die Welt retten. Spontaneität wird in vielen alltäglichen Situationen von Ihnen verlangt, so dass Sie gar nicht merken, wann Sie bereits spontan sind und wo Sie ohne Risiko trainieren können. Und wer weiß, vielleicht kommt doch irgendwann King Kong um die Ecke und Sie kontern mit einem lässigen »Hab ich’s doch gewusst!«.
Bei welchen Gelegenheiten möchten Sie gern spontaner sein? Was fällt Ihnen spontan (!) ein?
Gut, Sie sind schon spontan. Dann schreiben Sie doch bitte mal eine »Spontaneitäts-Wunschliste« für jemanden, den sie sehr, sehr, sehr gut kennen und der Ihrer Meinung nach ein bisschen mehr Spontaneität vertragen könnte. Für den Fall, dass Ihnen spontan nichts einfällt, orientieren Sie sich einfach an der nachfolgenden Musterliste.
Spontaneitäts-Wunschliste
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1. Ich möchte Situationen meistern, in denen Spontaneität von mir verlangt wird.
2. Ich will mich verändern, so dass mir spontane Situationen keine Angst mehr machen.
3. Ich will meine eigene Spontaneität wiederentdecken.
4. Folgende verrückte Ideen wollte ich schon immer mal in die Tat umsetzen: (z. B. zum Flughafen fahren, den günstigsten Last-Minute-Flug buchen und sofort starten)
5. Ich werde eine der oben genannten Ideen in den nächsten zwei Monaten Realität werden lassen.
6. Wann wünschen sich andere von mir, dass ich mal spontaner bin?
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Das Ja-Buch
Ach ja, noch etwas, bevor es richtig losgeht: Damit Sie alles, was Ihnen ab jetzt passiert, festhalten können, möchten wir das sogenannte Ja-Buch einführen. Dieses Buch soll Sie in Ihrem spontanen Leben begleiten. Verwenden Sie es für die nachfolgenden Übungen und immer, wenn wir Sie dazu auffordern. Als Ja-Buch eignet sich ein einfaches Notizbuch, suchen Sie aus, was immer Ihnen gefällt. Freuen Sie sich, wenn Sie das Buch in einigen Monaten wieder in die Hand nehmen und eine Zeitreise zu den Anfängen Ihres Spontaneitätstrainings unternehmen.

Der Turbolader fürs Leben

Schauen Sie sich unsere Listen von 1998 an - so groß sind die Unterschiede zu Ihren Wünschen vermutlich gar nicht. Sogar die einfachsten Dinge haben mit Spontaneität zu tun. Wir beide hatten damals noch keine Ahnung, wie wir mehr Spontaneität in unser Leben bringen. Unsere gemeinsame Leidenschaft und unser Hobby war das Theaterspielen, wir haben uns sogar bei einem gemeinsamen Auftritt auf der Bühne eines Improvisationstheaters kennen gelernt.
Improvisationstheater ist eine Theaterform, bei der es keine vorgefertigten Texte gibt und das Publikum über den Verlauf des Geschehens mit entscheiden kann. Jeder Schauspieler muss spontan agieren. Auf der Bühne kommt es zu unerwarteten Situationen, die spielerisch zu bewältigen sind. Während die meisten Menschen im Alltag versuchen, allem Unerwarteten aus dem Weg zu gehen, begeben sich Impro-Schauspieler auf der Bühne zur Freude des Publikums immer wieder mit Absicht in unerwartete Situationen. Das Fernsehen hat diese Theaterform als Comedy-Programm unter dem Namen »Schillerstraße« umgesetzt. Wir haben schon damals gespürt, dass hinter dem Prinzip Spontaneität mehr steckt als Futter für eine Comedy-Serie.
Heute wissen wir beide nicht mehr, ob wir zuerst auf der Bühne oder im alltäglichen Leben spontan waren. Das eine ist nicht mehr klar vom anderen zu trennen. Wir wissen aber, dass Spontaneität unser Leben bereichert hat - und zwar in allen möglichen Lebenslagen. Was wir bis dahin als Zufälle ansahen, gibt es für uns nicht mehr. Zufall ist nichts, worauf wir keinen Einfluss haben. Der Zufall gibt eine Situation vor, wir reagieren darauf und machen ihn zu unserer Chance. Der Zufall ist eine Herausforderung für unsere Spontaneität und bietet uns eine Trainingsplattform. In vielen Situationen denken wir heute nur: Einfach mal machen. »Trial and Error«, »Versuch und Irrtum« - wir haben ja unsere Spontaneität im Gepäck. Immer wenn irgendetwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, haben wir das Unerwartete schon erwartet. Nach dem Motto: Alles, was kommt, ist gut, auch wenn nicht immer vorhersehbar ist, wofür. Wir sagen zu ganz vielen Situationen erst einmal »Ja«. Eigene und fremde Fehler lassen wir zu und versuchen dabei, im Moment zu sein, also nicht zu viel zu planen. Im Moment zu sein ist gar nicht so leicht angesichts andauernd vibrierender Handys, eingehender Twitter-Nachrichten, Facebook-Meldungen und E-Mails. Unser Kalender gibt uns vor, wann wir wo sein müssen, und lässt dabei wenig Raum für Unvorhergesehenes. Kinofilme wollen gesehen, Züge müssen erreicht und Projektarbeiten pünktlich abgegeben werden. Ganz abgesehen von all den Sorgen und Nöten, die einem so den ganzen Tag im Kopf umherspuken.
Der Trick ist, mit dem Unerwarteten spielerisch umzugehen. Wir genießen die Möglichkeit, in jedem Moment des Alltags spontan sein zu können. Und das kann jeder! Sie haben ab jetzt eine Mission: Wir möchten Sie auf die gute Seite der Macht holen.

»Vergessen du musst, was früher du gelernt.«
Yoda, Jedi-Ritter

Noch einmal fürs Protokoll: Spontaneität ist unsere Grundhaltung, eine Lebensphilosophie, die wir mit Ihnen teilen wollen. Spontaneität bedeutet nicht, lustige Sätze auswendig zu lernen und bei Bedarf wie ein Gedicht aufzusagen. Wir hatten schon in der Schule keine Lust, Gedichte auswendig zu lernen. Es bedeutet auch nicht, in jedem Moment Ihres Lebens und an jeder Ecke eine total lustige Show abzuziehen. Spontaneität ist eine Lebenseinstellung, die Ihnen die Lässigkeit und die Sicherheit garantiert, vom Plan abzuweichen, auf Ihr Bauchgefühl zu vertrauen, schlagfertig zu reagieren und improvisieren zu können. Dabei kann es zu lustigen Situationen kommen, muss aber nicht.
Hinter einer spontanen Lebenseinstellung steckt viel mehr, als lässig auf etwas Unerwartetes zu reagieren. Sie ermöglicht es Ihnen, Ihre selbst gesetzten Ziele zu erreichen und Chancen, die bislang unbemerkt an Ihnen vorbeigezogen sind, zu ergreifen und zu nutzen.
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Wenn Sie sich bislang wie ein Ball fühlten, der auf den Wellen des Lebens hin und her getrieben wird, können Sie ab jetzt selber surfen. Tun Sie es!

»Tun du musst es. Oder nicht tun du musst. Versuche für dich es nicht gibt.«
Yoda, Jedi-Ritter

Spontan etwas Unvorhergesehenes, Verrücktes tun - genau das ist der spielerische Ansatz, der Ihnen auch in schwierigen Situationen weiterhilft. Nehmen Sie »verrückt sein« wörtlich. Wenn Ihnen Ihre Wohnung zu langweilig vorkommt, verrücken Sie Ihre Möbel. Wenn Sie sich zu wenig spontan finden, dann verrücken Sie Ihr Leben.
Sie werden zu einem Teil des Unvorhergesehenen. Sie reagieren nicht nur lässig auf Unerwartetes, Sie werden auch selbst aktiv. Statt nur zu reagieren, agieren Sie und übernehmen Verantwortung für Ihr Handeln. Hinter dem Wunsch nach Spontaneität steckt oftmals auch die Sehnsucht danach, verrückte oder freche Dinge zu tun, die Sie sich in Ihrem geplanten, organisierten, quadratischen Leben nicht trauen: Spontan eine Überraschungsparty für Ihren besten Freund zu organisieren; jemandem spontan, auch wenn er nicht Geburtstag hat, eine Freude zu machen; Ihrem Chef zu widersprechen; auf der Straße zu tanzen; übers Wochenende nach Paris zu fliegen; Ihren Traum zu leben. Wir haben Angst, dass das Unerwartete unsere Lebenspläne durcheinanderwirbelt, dabei führen gerade solche spontanen Entscheidungen unser Leben einen Schritt weiter in die Richtung unserer eigentlichen Ziele. Und wer weiß, manchmal entstehen neue Ziele, die sich schneller nähern, als man denken kann.
Erwarten Sie von uns keine Patentlösungen für Standardsituationen. Denn so etwas gibt es in der spontanen Welt nicht. Wir geben Ihnen keine Gebrauchsanweisung und keinen Inbusschlüssel für Ihr Leben an die Hand. Wir sind nicht Spontan-IKEA. Wie soll das denn auch gehen? Wir kennen Ihr Leben ja gar nicht. Auch ohne Inbusschlüssel werden Sie spontan reagieren können. Schauen Sie auf Ihre Spontaneitäts-Wunschliste und entscheiden Sie am Ende der Lektüre, ob und wie Sie Ihren eigenen Wünschen einige Schritte nähergekommen sind. (Ach nee, die Liste haben Sie ja gar nicht geschrieben … Und das Ja-Buch, haben Sie das wenigsten angelegt? Dann wird’s aber Zeit, sonst können Sie dieses Buch auch gleich weglegen und zu IKEA fahren.)
Spontaneität muss man erleben und entdecken. Nehmen Sie allen Mut und vor allem Ihre Lust zusammen und verlassen Sie Ihre eingefahrenen Wege. Entdecken Sie Ihre eigene Spontaneität. Sie werden Selbstvertrauen brauchen. Da Sie mit uns aber in Bereichen trainieren, in denen Sie in der Regel bereits auf sich selbst vertrauen können, wird sich Ihr Selbstvertrauen eher noch vergrößern. Dennoch macht es Ihnen vielleicht Angst, aber es wird auch aufregend, überraschend und lustig. Kurzum: Sie werden sich fühlen wie frischverliebt, mit allen Vor- und Nachteilen. Schalten Sie diesen Turbolader für Ihr Leben an!
Wir zeigen Ihnen, dass sie bereits spontan sind und wie Sie genau an Ihrem eigenen Spontaneitätspotenzial ansetzen können, um es auszubauen. Dafür werden wir Ihnen immer wieder Geschichten erzählen und Übungen vorstellen, bei denen Sie vielleicht denken: Was soll das? Was bringt mir das jetzt für mein spontanes Handeln? Und wenn Sie genau das denken, sind es die richtigen Übungen für Sie. Diese Übungen kommen unerwartet und spontan um die Ecke und verheißen neue, unerwartete Erlebnisse. Sie werden Dinge machen, die Sie so noch nicht gemacht haben und danach vielleicht auch nie mehr machen wollen. Aber immerhin, Sie haben es gemacht. Sie werden sich daran gewöhnen, Dinge zu tun, die Sie noch nie getan haben. Dabei werden Sie auch Fehler machen, vor denen Sie dann keine Angst mehr haben, denn wir alle wissen: Fehler passieren, doch Sie werden immer die Kontrolle über Ihr spontanes Handeln behalten. Bei allen Übungen entscheiden Sie selbst, was und wann Sie es tun. Sie erweitern Ihr Handlungsrepertoire, damit Sie auch in Situationen, die Sie scheinbar nicht kontrollieren können, den Turbolader Spontaneität lässig dazuschalten können.
Unerwartete Situationen machen Angst, und Angst lähmt. Mit einer spontanen Lebenseinstellung werden unerwartete Situationen ein sicherer Raum, in dem Handeln wieder möglich ist. Sie werden sich daran gewöhnen, sich in unerwartete Situationen zu begeben.
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Verlassen Sie Ihre Anti-Spontaneitätswege in kleinen Schritten. Erwarten Sie mit uns zusammen das Unerwartete. Nehmen Sie das Steuer in die Hand. Bleiben Sie nicht wie das Kaninchen mit Kaninchen-Feeling vor dem Porsche auf der Landstraße sitzen, um darauf
zu warten, überfahren zu werden. Wagen Sie den Sprung. Ob Sie nach rechts oder links springen, ist egal. Hauptsache, Sie entscheiden sich zu springen.

»Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.«
John Lennon

Was ist was? Spontaneität, Improvisation, Schlagfertigkeit

Schauen wir uns mal den Bauplan für diesen Turbolader an. Was ist eigentlich Spontaneität?
Der Chef einer befreundeten Agentur kam auf uns zu und schlug vor, einen Vortrag zum Thema Spontaneität und Schlagfertigkeit auf die Bühne zu bringen. Wie reagiere ich, wenn ich in einem Meeting sitze, und mein Vorgesetzter oder ein Kollege wirft mir einen blöden Spruch an den Kopf? Wie hol ich mich aus der Klemme, wenn ich irgendwo mit dem Auto feststecke und zu einem Termin muss? Unser Gesprächspartner hatte schon einige unserer Shows gesehen, er begleitete unsere Arbeit seit Längerem und war immer wieder aufs Neue begeistert: »Ihr seid doch Impro-Schauspieler, euch fällt doch immer eine Lösung ein.« Gesagt - getan, wir entwickelten also unseren ersten Vortrag mit dem Titel »Business Impro - Überzeugen ›frei Schnauze‹« und legten den Grundstein für das »Was ist Was« unserer Lebenseinstellung. Neben Spontaneität tauchten auch immer die Begriffe »Schlagfertigkeit« und »Improvisation« auf. Alle drei Begriffe sind wichtig, man muss sie nur richtig zueinander in Verbindung setzen und herausfinden, welches Problem sich womit lösen lässt. Wir haben gelernt, wann es ratsam ist, mit dem einen oder dem anderen zu arbeiten, wann es überhaupt ratsam ist, egal was davon einzusetzen bzw. wann es sogar zu einem negativen Bumerang werden kann. Dabei hat sich herausgestellt, dass Schlagfertigkeit und Improvisation immer Spontaneität voraussetzen. Spontaneität ist sozusagen die Wurzel, aus der Schlagfertigkeit und Improvisation entstehen können.

Improvisation ist, wenn niemand die Vorbereitung merkt

»Da müssen wir jetzt improvisieren.«
»Da haben Sie doch improvisiert.«
»Ach, in meinem Job bin ich dauernd am Improvisieren.«

Wie oft hören wir diese Sätze von Kollegen, Freunden, Nachbarn oder von unserem Partner. Oft sind sie abfällig gemeint. Dabei kann man Improvisation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Probieren Sie es mal aus. Sprechen Sie den folgenden Text mal entsprechend der Regieanweisung, als wären Sie ein großer Hollywoodstar oder ein gefeierter Shakespeare-Darsteller.
Sie sind der Vorgesetzte und betreten das Büro Ihres Mitarbeiters.

Version 1
Der Vorgesetzte (begeistert, euphorisch lächelnd; er nickt, während er Herrn Schneider auf die Schulter klopft): »Herr Schneider, da haben Sie aber hervorragend improvisiert.«

Version 2
Der Vorgesetzte (leicht ironisch, abschätzender Blick; er schüttelt den Kopf und zieht eine Augenbraue hoch, während er schwer atmet): »Herr Schneider, da haben Sie aber hervorragend improvisiert.«

Ein und derselbe Satz kann Spaß machen und als Kompliment zu verstehen sein, er kann aber auch negativ wirken, wird er mit einem vorwurfsvollen, leicht ironischen Unterton gesprochen. Herr Schneider, da haben Sie aber hervorragend improvisiert. Die gleichen Worte, aber eine gänzlich andere Bedeutung. »Improvisation« ist kein Schimpfwort, sondern ein Qualitätsmerkmal. Verwenden Sie es entsprechend.
In der deutschen Sprache ist Improvisieren meist gleichbedeutend mit »schlecht vorbereitet«, planlos, aus dem Ärmel geschüttelt. »Ach Ihr macht Improvisationstheater, da muss man ja keinen Text lernen, das kann ich auch …« Dabei ermöglicht erst Improvisation, aus den vorhandenen Mitteln das Optimale herauszuholen:
Ihr Auto bleibt auf dem Weg zur Arbeit stehen. Keilriemen gerissen. Wie kommen Sie trotzdem pünktlich? Sie müssen improvisieren. Sie leihen sich die Nylonstrümpfe einer Dame, die gerade vorbeikommt, und basten sich daraus einen neuen Keilriemen.
Ihnen fehlt beim Kochen für Ihre Liebste - es ist Ihr fünfjähriges Jubiläum - eine Zutat. Sie müssen improvisieren. Sie steigen in den Garten Ihres Nachbarn, bedienen sich an seinem Kräuterbeet und erfinden ein neues, unglaublich leckeres Rezept.
Sie sind in einer Berghütte eingesperrt, eine Bombe tickt neben Ihnen und 20 Gangster stehen schwer bewaffnet um die Hütte herum. Sie müssen improvisieren. Sie sind MacGyver, unser Fernsehidol in Sachen praktisches Improvisieren. MacGyver verwendete immer genau das, was er vor Ort vorfand, um ein Problem zu lösen. Er entschärfte die besagte Bombe mit einer Büroklammer, lenkte die Gangster mit einer leeren Big-Mac-Schachtel ab, entkam mit einem Drachen aus gelben Säcken aus der Hütte und schickte der Polizei den Standort der Bande per Brieftaube.
MacGyver hatte zwei Utensilien immer am Mann: ein Schweizer Armeemesser und Klebeband. Außerdem konnte er auf ein Physikstudium, seinen gesunden Menschenverstand, den Glauben an das Gute im Menschen und letztendlich auf seine Improvisationsfähigkeiten zurückgreifen. Er war mit all seinen Fähigkeiten und Talenten perfekt auf ungeplante Situationen vorbereitet. Seine Erfolge basierten auf vorhandenen Grundfertigkeiten, die er variieren konnte.

»Um eine gute improvisierte Drei-Minuten-Rede zu halten, benötige ich beispielsweise drei Tage.«
Mark Twain

Improvisieren ist eine Kunst. Schauen Sie sich Jazzer, Köche und Impro-Schauspieler an - oder eben MacGyver. Ihr Geheimnis ist, dass sie sich auf ihre Grundfertigkeiten verlassen.
Jazzer beherrschen ihr Instrument perfekt. Köche, die aus nichts das feinste Gericht zaubern, verstehen ihr Handwerk, Impro-Schauspieler erwecken innerhalb von Sekunden ohne Kostüme und Bühnenbild Figuren und Geschichten auf der Bühne zum Leben. Dabei lassen sie sich von ihren eigenen spontanen Ideen leiten, wenn sie die Vorschläge des Publikums ohne Wenn und Aber in die Geschichten einbauen. Kein Moment ist wiederholbar und kein Moment ist planbar.
Wenn Sie noch nie eine Klarinette gespielt, geschweige denn berührt haben, dann wird es Ihnen beim besten Willen nicht gelingen, ein Jazz-Solo zu improvisieren. Wenn Sie nicht wissen, wie man Kartoffeln kocht, werden Sie kaum eine gute Mahlzeit zaubern. Wenn Sie noch nie auf einer Bühne gestanden haben, werden Sie nicht ohne Weiteres die Wünsche Ihres Publikums spontan in eine Spielsituation umsetzen können. Um Improvisieren zu können, muss man also in dem jeweiligen Bereich zumindest die Grundlagen beherrschen. Je sicherer Sie sich fühlen, desto besser und großartiger können Sie improvisieren.

»Improvisation ist, wenn niemand die Vorbereitung merkt.«
François Truffaut

Jetzt sagen Sie vielleicht: »Ich möchte aber gerade improvisieren, wenn ich nicht vorbereitet bin.« Kein Problem, solange Sie in den Bereichen loslegen, in denen Sie sich gut auskennen. Dann wird man Sie vermutlich für Ihre Improvisationsfähigkeit bewundern. In Bereichen, in denen Sie nicht so versiert sind, sollten Sie sich erst mal vorbereiten, um nicht für Ihre Improvisation traurig belächelt zu werden.
Die meisten Menschen improvisieren auch dann nicht, wenn sie es könnten, denn es fehlt ihnen das grundlegende Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dabei sind sie innerhalb ihres Fachgebietes automatisch immer vorbereitet. Als Tischler sind Sie in der Lage, innerhalb Ihres Fachgebietes hervorragend zu improvisieren und beispielsweise aus den einfachsten Mitteln einen Tisch zu bauen. Sie müssen auch nicht plötzlich einen Vortrag über Quantenphysik vor der Nobelpreiskommission in Stockholm halten, wenn Sie noch nie von Quantenphysik gehört haben. Und wahrscheinlich sitzen Sie auch nie im Cockpit einer Boeing 747, 30.000 Fuß über dem Atlantik, während ein schrecklicher Sturm tobt, wenn Sie noch nie ein Flugzeug geflogen haben. Und wenn doch, dann hoffen wir, dass wir nicht an Bord sitzen.
Halten wir noch einmal fest: Wenn Sie improvisieren müssen, dann meistens in Bereichen, in denen Sie sich auch auskennen. Improvisation schafft aus den vorhandenen Möglichkeiten die bestmögliche Lösung. Auch wenn diese auf den ersten Blick sehr unkonventionell aussieht. Improvisation ist die Fähigkeit, auf unkonventionellen Wegen ans Ziel zu kommen.
Asche auf unser Haupt
April 2010. In Island, 3.600 Kilometer von Deutschland entfernt, bricht ein Vulkan aus. Der Flugverkehr in Europa bleibt fünf Tage lang komplett eingestellt. 150.000 Flüge werden ersatzlos gestrichen. Und auf einmal ist überall in den Medien das Wort »Improvisation« zu hören und zu lesen. Wir fühlen uns bestätigt in unseren Ideen. Die Wirklichkeit hat uns eingeholt. Menschen müssen ihre eingefahrenen Anti-Spontaneitäts-Flugwege verlassen und beginnen zu improvisieren. Es bilden sich in ganz Europa Fahrgemeinschaften zwischen wildfremden Menschen. Prominente wie John Cleese, die es sich leisten können, lassen sich mit dem Taxi von Oslo nach Brüssel chauffieren. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel fährt mit dem Bus von Rom nach Berlin. Fazit: Wenn wir improvisieren müssen, dann klappt es trotzdem.
Um zu improvisieren, müssen Sie den MacGyver in sich wecken. Das Prinzip dahinter: Arbeiten Sie mit den vorhandenen Mitteln, Ihrem Kopf, Ihren Händen, Ihren Fähigkeiten und allem, was Sie unter den gegebenen Umständen vorfinden.

Schlagfertigkeit: »Immer mitten in die Fresse rein …«

»Du hast mich so oft angespuckt,
geschlagen und getreten.

Das war nicht sehr nett von dir.
Ich hatte nie darum gebeten.
Deine Freunde haben applaudiert.
Sie fanden es ganz toll,
wenn du mich vermöbelt hast.

Doch jetzt ist das Maß voll.
Gewalt erzeugt Gegengewalt -
hat man dir das nicht erklärt?«

Die Ärzte, Schunder-Song
Zwei Männer treffen sich auf einem Kongress. Einer, der etwas dickere, trägt einen grauen Anzug. Der andere Mann ist schlank, trägt einen auffälligen Anzug mit rosa Nadelstreifen, ein dazu passendes Hemd und eine rosa Krawatte, sehr unkonventionell und jenseits des grauen Einheitslooks. Es ist 8.30 Uhr morgens, und beide Herren haben sich erst gestern kennen gelernt.
Dicker Mann: »Guten Morgen.«
Modischer Mann: »Guten Morgen.«
Dicker Mann: »Sagen Sie mal, gibt es Ihren Anzug eigentlich auch für Männer?«
Modischer Mann: »Ja, aber nicht in Ihrer Größe.«
So einen kurzen Schlagabtausch am Morgen braucht man so dringend wie eine dritte Schulter. Mitten in die Fresse rein. Am besten noch ohne Frühstück. Und Sie werden es sich schon denken: Es ist uns genau so passiert, auf der Bühne, bei einer Moderation im kleinen Kreis. Ein etwas korpulenter Mann, der in der ersten Reihe saß, begrüßte Ralf vor versammelter Mannschaft mit diesem Satz. Morgens um halb neun. Es gab nach beiden Sätzen ziemlich viel Gelächter. Nach dem zweiten noch mehr. Willkommen in der Welt der Schlagfertigkeit.
Schlagfertigkeit ist eine verbale Technik, die man sich durch assoziatives Denken und durch eine spontane Grundhaltung aneignen kann. Assoziativ denken bedeutet, Dinge miteinander zu verbinden, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Also das gleiche Prinzip wie bei der Improvisation, nur verbal. Menschen, die schlagfertig sind, gelten in der Regel als witzig und spontan. Wie der Name es schon sagt, ist Schlagfertigkeit eine aggressive Methode, um einen verbalen Angriff oder eine Beleidigung zu parieren oder auch gezielt zurückzuschlagen. Nach dem Motto: Ich kann schlagen und beherrsche diese Fertigkeit.

Einen hab ich noch …

Zahlreiche Bücher oder Seminare versprechen, dass sich Schlagfertigkeit erlernen lässt, indem man hilfreiche Antwortsätze auswendig lernt und immer wiederkehrende Standardsituationen durchspielt. Das ist sicher eine geeignete Möglichkeit, um ein erstes verbales »Stoppschild« in solchen Situationen zu setzen. Aber was machen Sie, wenn Ihr Gegenüber das gleiche Buch gelesen hat? Gleichstand. Stillstand. Kaninchenfeeling. Oder Bumerang. Dann endet der verbale Schlagabtausch womöglich in einem körperlichen, weil keiner nachgibt.
Kommen wir noch einmal zu unserem Dialog zwischen den beiden Herren zurück und spielen wir ihn bis zum bitteren Ende durch. Was würde passieren, wenn keiner der beiden Herren nachgibt und sie stattdessen den Dialog immer weiter auf die Spitze treiben? Helfen Sie uns, nehmen Sie Ihr Ja-Buch, decken Sie damit den Dialog ab und schreiben Sie Satz für Satz auf, was Sie sagen würden. Es geht los:
Dicker Mann: »Guten Morgen.«
Modischer Mann: »Guten Morgen.«
Dicker Mann: »Gibt es Ihren Anzug eigentlich auch für Männer?«
Modischer Mann: »Ja, aber nicht in Ihrer Größe.«
Dicker Mann: »Sie wissen doch, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern auf die Technik.«
Modischer Mann: »Ach, Sie sind Techniker, ich nutze eher meinen natürlichen Charme bei Frauen.«
Dicker Mann: »Mit Ihrem Charme bekommen Sie vielleicht gerade noch Heizdecken verkauft.«
Modischer Mann: »Ja, verkaufen kann ich gut - im Gegensatz zu Ihnen. Die Spatzen pfeifen es ja von den Dächern, dass Ihnen Ihre Kunden scharenweise davonlaufen.«
Dicker Mann: »Sie unterhalten sich mit Spatzen? Das ist für Sie dann bestimmt schon eine intellektuell hochwertige Unterhaltung. Kommen Sie da überhaupt mit?«
Modischer Mann: holt aus und schlägt zu.
Und wo sind wir gelandet? Wie weit hat uns Schlagfertigkeit gebracht? Gab es einen Punkt, an dem wir hätten stoppen sollen, stoppen müssen, bevor es unangenehm wird? Gegen Ende driftet der Dialog doch sehr in unsachliche persönliche Beleidigungen ab. Wenn das Ihr Ziel ist, dann ist die reine Schlagfertigkeit ein Mittel Ihrer Wahl.
Blöd nur, wenn Ihr Gegenüber einfach spontaner ist, Sie sich deshalb nicht auf Ihre auswendig gelernten Schlagfertigkeitsregeln oder Argumente stützen können und am Ende den Kürzeren ziehen. Für uns bildet genau aus diesem Grund die Spontaneität die Basis für Schlagfertigkeit. Wenn ich nicht nur schlagfertig bin, sondern auch spontan, dann handle ich unkonventionell - ich steige unter Umständen sogar aus dem Schlagfertigkeitsduell einfach aus. Ich bin ein Mensch und nicht bloß eine Phrasendreschmaschine.
Wir haben gute Erfahrungen beim verbalen Schlagabtausch gemacht, wenn wir so früh wie möglich aussteigen, um die Situation nicht eskalieren zu lassen. Das heißt, nach einer schlagfertigen Antwort ist oft Schluss. Hakt unser Gegner noch einmal nach, bekommt er von uns Recht. Wir widersprechen nicht mehr oder ziehen das Gespräch auf die sachliche Ebene, indem wir offen und ehrlich zugegeben, dass uns jetzt nichts mehr einfällt. Wir lassen die Situation hinter uns. Gerade bei den Zuhörern, die gemerkt haben, dass dieses Gespräch die sachliche Ebene längst verlassen hat, führt dieses Verhalten zu einem Punktsieg.

Die spontane Welt - unberechenbar oder ein Genuss?

Ja nun, was ist denn jetzt verdammt noch mal diese Spontaneität? Wo hat sie sich versteckt? Begeben wir uns auf Entdeckungsreise. Starten wir am Anfang. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde … Nein, so weit auch wieder nicht. Starten wir am Anfang unseres Lebens.
Als Ralf auf die Welt kommt, vermerkt der Arzt im Mutterpass: »Spontane Geburt.« Eine andere Spur: Torsten döst im Chemie-Unterricht und hört im Halbschlaf irgendwas von spontanen Reaktionen. Noch eine Spur: Wenn wir weinen oder lachen, überkommen uns diese Emotionen spontan und unerwartet, wir können sie zum Teil nicht einmal kontrollieren. Darüber hinaus gibt es auch spontane Reaktionen, die wir Reflex nennen. Wir schließen beispielsweise spontan unsere Augen, um uns zu schützen, wenn uns etwas entgegenfliegt.
Verfolgt man diese Spuren, zeigt sich, dass Spontaneität »aus sich selbst heraus« entsteht, also ohne äußeren Einfluss oder fremde Hilfe. Ein »spontan geborenes« Kind ist auf natürliche Weise auf die Welt gekommen, ohne Kaiserschnitt oder einleitende Maßnahmen. Im Chemieunterricht knallt und pufft es, ohne dass jemand eine Substanz entzündet. Und auch unsere Emotionen kommen aus uns selbst heraus. Auf Befehl lachen oder weinen ist nicht möglich, es sei denn, Sie heißen Robert de Niro, aber selbst dann ist es nur gut gespielt und nicht echt.
Halten wir also noch einmal fest: Zum einen ist Spontaneität die Basis für Improvisation und Schlagfertigkeit. Zum anderen steckt in jedem von uns bereits die Fähigkeit, spontan zu sein, weil es um nichts anderes geht, als »aus sich selbst heraus« zu handeln. Schlagfertige Reaktionen kommen »aus uns selbst heraus«, improvisierte Ideen ebenfalls. Wir müssen also nichts auswendig lernen. Geht ja auch nicht - schließlich sagt einem keiner vorher Bescheid. Spontaneität ist unser Sicherheitsnetz für Schlagfertigkeit und Improvisation. Da wir wissen, dass wir spontan sind, können wir uns auf einen verbalen Schlagabtausch oder aufs Improvisieren einlassen. Wir entscheiden selbst, wie wir reagieren, und machen uns keine Sorgen mehr, wenn wir improvisieren müssen. Wir sind total spontan.
Greifen wir das Thema Geburt noch einmal auf. Die spontane Geburt beschreibt sehr gut unser Verständnis von Spontaneität. Sie wissen, dass der Termin vor der Tür steht. Sie besuchen einen Geburtsvorbereitungskurs und richten das Kinderzimmer ein. Sobald Sie erfahren haben, ob es ein Junge oder Mädchen wird, können Sie sogar das Kinderzimmer streichen - blau oder rosa, bei Zwillingen einfach blau-rosa kariert. Aber Sie wissen nicht, wann das Kind geboren wird, wie lange die Geburt dauert und wie es ist, Eltern zu sein. Da müssen Sie im Moment bleiben und aus der Situation heraus handeln. Total spontan.
Spontaneität entsteht aus eigenem Antrieb, wir entscheiden uns bewusst dazu. Um spontan zu sein, hilft uns ein gutes Maß an Intuition. Dazu ist es notwendig, auf unseren Bauch zu hören und schnell einen Entschluss fassen zu können. Wir müssen außerdem die Verantwortung für unsere Entscheidungen übernehmen. Das ist wie beim Sport: Spontaneität lässt sich trainieren. Trainieren Sie das, was schon da ist: den spontansten Menschen auf der Welt.
Die Ruhe vor dem Sturm
Wenn Sie kurz vor einem Auftritt zu uns in den Backstage-Bereich kommen, werden Sie merken, dass es dort sehr entspannt zugeht, zumindest bei uns beiden. Um uns herum herrscht totale Hektik, der Veranstalter fragt ab, ob alle Beteiligten an ihrem Platz sind, der Tontechniker checkt, ob alles in Ordnung ist, und die Eventagentur ist nervös, ob wir beim Publikum ankommen. Doch wir beide sitzen hinter der Bühne und freuen uns auf die Show. Natürlich sind wir auch aufgeregt, aber wir wissen, dass wir nichts mehr ändern können, und wir vertrauen unserer Spontaneität. Wir können nicht vorhersagen, ob alles klappen wird, sind uns aber darüber im Klaren, dass wir etwas tun werden. Wir werden im Moment entscheiden. Ob sich das im Nachhinein als die perfekte Lösung herausstellt, können wir in diesem Augenblick noch nicht sagen. Aber wir werden etwas unternehmen. Wir werden eine gute Show, einen guten Vortrag abliefern, die Verantwortung für unser Handeln übernehmen und Entscheidungen treffen.

Sie sind der spontanste Mensch der Welt!

Sie - ja, wir meinen Sie -, Sie sind der spontanste Mensch auf der Welt! Sie wollen Spontaneität lernen? Wieso lernen? Wer sagt denn, dass Sie nicht schon spontan sind? Vermutlich müssen Sie gar nichts lernen, sondern nur entdecken - wiederentdecken. Erforschen Sie Ihr eigenes Leben und entdecken Sie Ressourcen in sich selbst, von denen Sie bislang nur träumen konnten. Wenn Sie davon geträumt haben, sind Sie bislang mitten in der Nacht schweißgebadet aufgewacht und haben gedacht, dass Sie das nie können werden?
Wir möchten Ihnen jetzt zeigen, wo Sie bereits spontan sind und wie Sie diese kleinen Momente der Spontaneität immer weiter ausbauen.
Frage: Wie viel planen Sie täglich im Voraus? Oder andersrum formuliert: Wie oft am Tag handeln Sie spontan?
10%?
30%?
Mehr als 50%?

Überlegen Sie genau. Wir sind großzügig in der Wertung. Was ist beispielsweise an Ihrem morgendlichen Ablauf durchgeplant? Was ist spontan?
Bei Ihnen ist alles durchgeplant? Alles? Na, dann wollen wir mal sehen:
Mit welchem Fuß steigen Sie zuerst aus dem Bett? Immer mit demselben? Haben Sie das geplant? Haben Sie das vorher überlegt?
Lächeln Sie Ihren Partner an oder nicht? Ist das geplant?
Frühstücken Sie jeden Morgen exakt das Gleiche oder variieren Sie? Haben Sie das geplant?
Wie begrüßen Sie Ihren Kollegen, wenn Sie in die Arbeit kommen? Gut, das plant man vielleicht, um seine Ruhe zu haben.
Ist also wirklich alles geplant? Natürlich nicht. Merken Sie was? Hey, Sie sind bereits spontan! Und Sie brauchen nur noch einen kleinen Schritt zu gehen, um ein Spontaneitätskünstler zu werden. Sie sind noch spontaner, als Sie es zu träumen wagten. Ab jetzt können Sie jeden Morgen Schritt für Schritt Veränderungen vornehmen. Gerade aus der Routine heraus fällt es uns viel leichter, die alten Anti-SpontaneitätsWege zu verlassen und neue - spontane - Wege zu gehen. Routineabläufe wie das morgendliche Frühstück lassen sich am einfachsten verändern und bieten eine angenehme Plattform, um etwas Neues und Unerwartetes auszuprobieren.
Viele Ihrer Reaktion sind jetzt schon spontan, Sie handeln spontan auf der Basis Ihrer Erfahrungen und Gewohnheiten. Wenn Sie dieses Repertoire erweitern, vergrößern Sie auch den Spielraum. Stellen Sie sich das wie eine Landkarte vor. Ihre Umgebung kennen Sie in der Regel gut und haben schon einige Plätze auf der Karte angekreuzt: Sie wissen, wo Sie wohnen, wo Sie einkaufen können und wo Sie Ihre Freizeit verbringen. Aber wenn Sie zum Beispiel das erste Mal in Irland sind, ist alles anders. Sie müssen sich eine Landkarte kaufen, die aber erst noch um Ihre Erfahrungen erweitert werden muss. An welchem Ort kann man am besten einkaufen, wo kann man sich erholen? Sie sind erst mal unsicher, denn schließlich sprechen sie dort auch noch alle Englisch und fahren auf der verkehrten Straßenseite. Sobald Sie öfter in Irland sind, ist auch der Linksverkehr kein Problem mehr und Sie fühlen sich wie zu Hause. Sie haben trainiert. Und vielleicht fahren Sie danach als Nächstes nach Frankreich, Portugal oder sonst wohin.
Genauso verhält es sich mit der Spontaneität. Erweitern Sie Ihre Spontaneitäts-Landkarte. Verlassen Sie nach und nach Ihre sichere Umgebung, und Sie werden etwas Neues erleben.
Wenn Sie Angst haben, von heute auf morgen spontan zu sein, Ihnen noch das nötige Selbstvertrauen fehlt, sich in die Welt der Spontaneität zu stürzen, starten Sie im Kleinen und vergrößern Sie Ihren Spontaneitätsradius, genau so, wie Sie Ihr Selbstbewusstsein dadurch vergrößern werden.
Aber wo lässt sich Spontaneität trainieren? Schauen wir mal, was schon da ist und in welchen Situationen Sie bereits jetzt mit Leichtigkeit dem Unerwarteten begegnen.

Gänsehaut und Herzklopfen

Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie das erste Mal verliebt waren? Falls Sie diesen Moment nicht kennen, freuen Sie sich darauf, es wird großartig. Alles war möglich, Sie brauchten keinen Schlaf und nichts wurde infrage gestellt. Was auch immer Ihr Partner oder Ihre Partnerin vorschlug, war GRANDIOS und das BESTE, was man JETZT sofort machen sollte. Ich zum Beispiel habe mir voller Begeisterung mindestens viermal »Pretty Woman« angeschaut. In jenem Moment war es der beste Film aller Zeiten - und ich spreche von »Pretty Woman«!? Über Urlaubs-und Ausflugsziele wurde nicht lange diskutiert: »Hey, lass uns das doch gleich buchen.« Die Musik, die meine Angebetete hörte, war natürlich sofort auch meine neue Lieblingsmusik. Ich habe mir damals aus Liebe eine CD von Elton John gekauft, und wer meine CD-Sammlung kennt, weiß, was das bedeutet!!! Ich habe »Ja« zu jedem gemeinsamen Moment gesagt. Meine jetzige Frau hat mir am Anfang unserer Beziehung morgens immer eine geschälte Möhre in die Hand gedrückt. Sie mochte Möhren sehr gerne. Ich hasse Möhren und habe sie dennoch vergnügt jeden Morgen geknabbert.
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Jetzt sind Sie dran, wir wollen es von Ihnen wissen! Was waren Ihre »Möhren«? Wer war Ihr »Elton John«? Welcher Film Ihr »Pretty Woman«-Erlebnis? Wie spontan waren Sie, als Sie blind vor Liebe waren?
Was, Sie waren noch nie verliebt? Aber Urlaub haben Sie doch schon mal gemacht, oder?

Sonne auf dem Pelz

Während eines gemeinsamen Urlaubs in Griechenland haben wir es uns einmal zum Prinzip gemacht, immer dahin zu fahren, wo andere Reisende, mit denen wir sprachen, gerade herkamen. Egal, was im Reiseführer stand. Wir bestiegen die nächste Fähre und machten uns auf zu einer neuen Insel. So landeten wir zum Beispiel auf einer winzigen Kykladen-Insel, auf der es keine Pension, keinen Campingplatz und keinen Laden gab. Nur eine einzige Taverne versorgte uns mit dem Nötigsten. Wir haben wild gezeltet, unterm Sternenhimmel am Strand geschlafen. Bis heute war kein Urlaub so erholsam wie diese spontanen zwei Wochen. Nie im Leben wären wir geplant auf diese Insel gefahren.
Oder ein Urlaub an der Ostsee, kurzfristig wird im Garten des Urlaubshauses ein Zelt aufgeschlagen. Man kocht die verrücktesten Gerichte, wobei man ja vorher Stein und Bein geschworen hat, gar nicht kochen zu können. Aber irgendwie kam die Idee vollkommen ungeplant beim Einkaufen, dass sich eine Melone vielleicht auch mit Leberwurst kreuzen ließe.
All die Dinge, die man im Alltagsleben nie machen würde, traut man sich im Urlaub eher mal zu, da man genug Zeit hat, um mit Gelassenheit Ungewohntes auszuprobieren.
Wie verbringen Sie Ihren Urlaub? Keine Pläne, keine Ziele? Lassen Sie die Dinge auf sich zukommen und entdecken Sie auf einmal ganz viel Neues? Haben Sie schon mal einen Plan verworfen, um auf eine andere Insel zu hüpfen?
Sie waren nie verliebt und hatten noch nie Urlaub? Sie lügen! Nein? Auch gut. Aber ein Teenager waren Sie bestimmt!

Smells Like Teen Spirit …

Als Teenager waren wir alle spontan - ABERSOWASVON, dass es unsere Eltern fast in die Verzweiflung trieb. Torsten hat zum Beispiel in einer Nacht beschlossen, seine Zimmerdecke mit seltsamen Ornamenten zu bemalen und nur noch mit gefärbtem Haar - vier Strähnen, in Weiß, Rot, Schwarz und Blau - und in einem Arbeiter-Overall rumzulaufen. Immer und überall.
Ja, ja, die 80er. Ich bin mit meiner damaligen Freundin sogar einmal in einer Nacht von Nürnberg nach Berlin und wieder zurück gefahren, nur um auf dem Ku’damm Pommes zu essen. Als Teenager bricht man mit Konventionen, stellt sämtliche Regeln infrage, erweitert sie und stellt neue auf. Damals haben wir uns die Freiheit genommen, spontan und kreativ zu sein.
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Was haben Sie als Teenager gemacht? Peinlich? Sehr gut. Verraten Sie es keinem oder seien Sie mutig und erzählen Sie es allen. Posten Sie es per Facebook, Twitter oder an einer Litfass-Säule. Plakatwerbung ist günstiger, als Sie denken.
Sie waren nie verliebt, nie im Urlaub und auch nie Teenager? Dann müssen Sie ein Kind sein. Perfekt, legen Sie das Buch einfach weg. Kinder sind spontan.

Schnulleralarm

Wir empfehlen gerne: Schaffen Sie sich Kinder an - oder leihen Sie sich welche. Sie sind die besten Trainingspartner, wenn es um Spontaneität geht. Warum?
Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick in unser Gehirn. Es besteht von außen betrachtet aus zwei Abschnitten, die entfernt an Halbkugeln erinnern und deshalb Hemisphären (linke und rechte Gehirnhälfte) genannt werden. Beide Gehirnhälften sind miteinander verbunden und tauschen die ihnen vorliegenden Informationen aus. Gehirnforschung ist ein sehr komplexes Thema, vereinfacht ausgedrückt ist die rechte Gehirnhälfte für die Bereiche Intuition, Kreativität und Gefühle verantwortlich. Die linke Gehirnhälfte steuert das rationale Denken (Logik und Sprache) sowie analytische und mathematische Prozesse. Wenn wir zum Beispiel einen Hund sehen, dann analysiert die linke Gehirnhälfte nacheinander, was wir sehen: Vier Beine, Fell, einen Schwanz, der sich hin- und herbewegt. Daraus entsteht in der rechten Gehirnhälfte das Symbol Hund. Die rechte Gehirnhälfte erfasst das Gesehene ganzheitlich, so dass wir nicht bei jedem Hund die einzelnen Informationen von Neuem durchgehen müssen. Wir denken dann nicht: Mal sehen: Vier Beine, stimmt. Was macht er für Geräusche? Bellen! Okay! Hat er ein Fell? Ja, auch. Gut, das muss ein Hund sein. Dank der rechten Gehirnhälfte wissen wir einfach, dass es ein Hund ist, wir können ihn als Ganzes wahrnehmen. Um die Welt in ihrer Vielfalt wahrzunehmen, brauchen und nutzen wir beide Gehirnhälften. Kinder sind noch sehr von ihrer rechten Gehirnhälfte geleitet, die genau jene Fähigkeiten zur Verfügung stellt, die wir für spontanes Handeln benötigen. Mit Beginn der Schulzeit wird dann die linke Gehirnhälfte überproportional gestärkt. Lesen, Schreiben, Rechnen werden trainiert. Leider vernachlässigen wir ab diesem Zeitpunkt bis ins Erwachsenenalter die Funktionen der rechten Gehirnhälfte etwas - wir trainieren sie zu wenig.
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Je anstrengender ein Kind mit einer ausgeprägten rechten Gehirnhälfte ist, da es sich eben nicht an die Prinzipen »Zeit« oder »Planung« hält, desto besser eignet es sich als Sparringspartner für Ihr Spontaneitäts-Training. Kinder spielen ohne zu planen. Ein Wort gibt das nächste.
Vater, 41 Jahre, und Tochter, 5 Jahre, im Schwimmbad.
Tochter: »Ich bin jetzt ein Wasseradler.«
Vater: (mit leicht skeptischem Unterton) »Was ist denn ein Wasseradler?«
Tochter: »Ist doch egal, Papa. Spiel einfach mit, die können alles!«
Vater: »Gut, dann bin ich die Prinzessin auf der Erbse …«
Wasseradler, der
Lebt unter Wasser und bewegt sich mit einer Art Flügelschlag fort. Er ist unbesiegbar. Selbst Wasserdrachen können ihm nichts anhaben. Er ernährt sich von Prinzessinnen und Erbsen.
Wir sind fasziniert von der Fantasie, die Kinder haben, und von ihrem ver-rückten Blick auf Dinge, Wörter und Sätze. Letzten Sommer sind wir bei einem Spaziergang am Meer einem Vater begegnet, der in Erklärungsnot kam, als sein Sohn ihn fragte: »Papa? Wer sitzt eigentlich auf einer Sandbank?« Gute Frage, man konnte nämlich vom Ufer aus sogar einzelne Sitzplätze sehen, die die Wellen in die Sandbank gegraben hatten.

»Die Welt ist ein Spielplatz, das weiß man als Kind, aber irgendwann vergessen es alle!«
aus dem Film »Der Ja-Sager« mit Jim Carrey

Oder wie finden Sie diese Feststellung: »Im Winter muss es ja schneien, damit der Rasen mal Ruhe hat vor all den Menschen und Tieren, die auf ihm rumlaufen.«
Unser erster Gedanke als Erwachsene ist natürlich von der linken Gehirnhälfte gesteuert, und wir möchten dem, was wir gerade gehört haben, widersprechen. Schalten wir aber die rechte Gehirnhälfte dazu, müssen wir ganz ehrlich zugeben: Wir haben keine Ahnung, ob das nicht vielleicht DOCH der wahre Grund für Schneefall im Winter sein könnte. Vielleicht sieht der sommerliche Rasen im Garten immer so runtergetreten aus, weil es im Winter nicht genug geschneit hat? Kommen Sie, springen Sie über Ihren Schatten und lassen Sie Wissenschaft Wissenschaft sein. Denken Sie zur Abwechslung unkonventionell kindlich, das müssen Sie nämlich in unerwarteten Situationen auch tun.
Spielen fällt uns mit Kindern leichter, denn dann dürfen wir spielen. Unsere Rolle als Erwachsene verpflichtet uns gerade dazu, mit Kindern spielen zu müssen. Niemand wird uns schräg anschauen, wenn wir Tiere wie den Wasseradler erfinden. Die Regeln der Erwachsenenwelt sind außer Kraft gesetzt. Sie dürfen auch als Architekt Lego-Häuser bauen, die keine Türen haben, dafür aber einen schönen Aussichtsturm. Versuchen Sie das mal in der Erwachsenenwelt … Es sei denn, Sie sind ein Stararchitekt, dann dürfen Sie das tatsächlich und bekommen auch noch viiiiel Geld dafür. Kinder lachen 450 Mal am Tag, Erwachsene durchschnittlich 15 Mal. Wohin sind die restlichen 435 Lacher verschwunden? In den Keller? Oder auf die andere Seite des Gehirns? Mit Beginn der Schulzeit scheinen wir diese Fähigkeiten zu verlieren. Sie blitzen noch einmal in der Pubertät auf, unserer persönlichen Sturm-und-Drang-Zeit.
In unseren Spontaneitäts-Trainings arbeiten wir mit einem spielerischen Ansatz und staunen immer wieder, mit welcher Begeisterung sich alle Teilnehmer, vom Geschäftsführer bis zum Angestellten, von der Ärztin bis zur Hausfrau, darauf einlassen, spielen zu dürfen. Wir übernehmen dabei die Rolle der Kinder, die zum Spiel auffordern. Wortwörtlich hören wir in Vorgesprächen Sätze wie diese: »Das ist doch kindisch, aber machen Sie mal. Schauspieler als Trainer, na, die muss ich ja nicht ganz ernst nehmen.« Wir erteilen die Erlaubnis dazu, spielerisch und völlig gefahrlos Spontaneitäts-Erfahrungen zu machen, die jeder Teilnehmer mit in seine Alltagswelt nehmen kann. So ist es für viele schon ein großes Aha-Erlebnis, ver-rückte Ideen oder Vorschläge eines anderen zu akzeptieren, wenn diese unerwartet kommen und von der eigenen Vorstellungswelt abweichen. Eine Kindergärtnerin erzählte, dass sie immer enttäuscht war, wenn die Kinder ihre Pläne für den Tag durchkreuzten, weil sie sich so tolle Ideen ausgedacht hatte, um den Tag mit ihnen zu verbringen. Nach dem Training konnte sie sich auf die Kinder und deren Pläne ganz neu einlassen und zusammen mit ihnen den Tag gestalten. Ihre Vorbereitungen macht sie nach wie vor gut und originell, nur ist sie jetzt bereit, diese vorbereiteten Ideen als eine Möglichkeit von vielen zu sehen. Die Tage mit den Kindern empfindet sie seitdem deutlich kooperativer.
Ein Außendienstmitarbeiter eines Pharmaunternehmens fiel es nach dem Training leichter, nach einer für ihn unerwarteten Fachfrage eines Arztes auch mal einzugestehen, dass er zu diesem speziellen Thema im Moment keine Antwort parat habe. Die Aufrichtigkeit gegenüber dem Arzt verbesserte sogar das Vertrauensverhältnis. In den spielerischen Übungen im Seminar hatten die Kindergärtnerin und der Außendienstmitarbeiter schnell erlebt, wo sie sich in ihren jeweiligen Handlungsroutinen festgefahren hatten. Gerade die Übungen haben am Ende beiden ermöglicht, spontaneres Verhalten zuzulassen.
Und die gute Nachricht für Sie: Sie waren auch mal ein Kind, auch Sie hatten eine gut trainierte rechte Gehirnhälfte. Vergrößern Sie gemeinsam mit uns Ihren Wohnraum um 100%.

»Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.«
Francis Picabia

Und es kommt noch besser: Egal wie alt oder eingerostet Sie sind, Sie können Ihre rechte Gehirnhälfte jederzeit erfolgreich trainieren.
Bei welcher Gelegenheit sind Sie von Kindern mal richtig überrascht worden? Welches Spiel haben Sie mit Kindern gespielt und würden es lieber nicht erzählen? Wann haben Kinder Sie mal richtig sprachlos gemacht?
Sie sind spontan, wenn Sie sich auf den Moment einlassen! Denken Sie an Ihre erste Liebe.
Sie sind spontan, wenn Sie sich von Ihren eigenen Plänen befreien oder einen Plan einfach mal verwerfen! Denken Sie an Ihren letzten Urlaub.
Sie sind spontan, wenn Sie sich aus Ihrem Korsett von Regeln und Konventionen befreien! Denken Sie an Ihre Jugend.
Sie sind spontan, wenn Sie die Welt spielerisch betrachten, so als hätten Sie sie noch nie gesehen! Denken Sie an Ihren vierten Geburtstag.

Treffer versenkt

Wir wurden kürzlich von unserer eigenen Spontaneität überrascht. Es gibt Momente im Leben, da meint man, alles versenkt und nur noch eine Spur der Verwüstung hinterlassen zu haben. Und auf einmal kommt alles ganz anders, als man denkt.
Wir öffnen mal unsere Backstage-Türen: Die Zusammenarbeit mit einem Kunden beginnt immer mit einem Vorgespräch. Nichts Neues für uns. Zuerst ein wenig Small Talk: »Ja, wir haben gleich hergefunden, das Wetter ist wunderbar, und die Fußballergebnisse sind auch so wie immer …« Anschließend stellen wir unsere Art zu arbeiten vor. Dann konkretisieren wir die gemeinsame Zusammenarbeit. Dabei sitzt man mit zwei bis vier Personen nett beim Kaffee zusammen.
Bei einem Vorgespräch für einen Auftrag kam es aber anders. Unserer potenzieller Kunde - eine Bank - hatte eine Unternehmensberatung gebeten, die verschiedenen Anbieter von Businesstheater mal gründlich unter die Lupe zu nehmen. Wir kamen in einen großen Raum, in dem acht sehr wichtig aussehende Personen mit Anzug an einem Tisch saßen, jeder von ihnen ein Namensschild vor sich. Direkt gegenüber ein Tisch für uns beide, ebenfalls mit Namensschildern versehen. Und los ging es: Ohne weitere Vorstellung der Anwesenden oder eine Einführung in den Gesprächsverlauf hagelte es Fragen:
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»Herr Voller, Herr Schmitt, wie würden Sie denn unsere Problematik genau auf die Bühne bringen?«
Wir hatten bis dahin nicht die geringste Ahnung, um was es überhaupt gehen sollte.
»Herr Voller, Herr Schmitt, die IT-Abteilung und der Einkauf haben Kommunikationsprobleme - welche Sätze würden diese Problematik in Ihrem Theaterstück versinnbildlichen?«
Wir hatten bis dahin immer noch keine Ahnung, wer diese acht Personen überhaupt waren. Wie wär’s mit einer kleinen Vorstellungsrunde, Jungs?
Wir standen, so gut es ging, Rede und Antwort. Die Herrschaften machten sich nach jeder Antwort eifrig umfangreiche Notizen. Eine Weile ging das so weiter: Eine Frage eines Gesprächsteilnehmers, eine Antwort von einem von uns. Frage, Antwort, kritzel, kritzel, schreib, schreib, Frage, Antwort, kritzel, kritzel, schreib, schreib…
Bis Folgendes passierte: Zunächst wollten wir alles richtig machen, den potenziellen Kunden nicht verlieren. Bloß keine Fehler machen, uns der Situation bestmöglich stellen. Aber gedacht habe wir: Was ist das denn hier für eine abgefahrene Veranstaltung? Die sind ja jetzt schon komischer als wir auf der Bühne. Wir wurden begutachtet und fühlten uns wie die Verkäufer in einem Baumarkt, die von einem Kunden mit einer Checkliste zur Wohnungsrenovierung ausgefragt werden. Es hätte uns nicht verwundert, wenn sie auch noch gefragt hätten:
»Wie viele Umdrehungen machen Sie?«
»Gleichstrom - Wechselstrom?«
»Kreuz- oder Schlitzschrauben?«
Für einen Moment waren wir in einem Tagtraum eingetaucht. Schließlich tranken wir jeder einen Schluck Kaffee, tauschten Blicke aus und spürten, wie angespannt und verärgert wir langsam ob dieser komischen Situation wurden, die sich gerade als Zeitverschwendung herausstellte. KaninchenFeeling! Der Bauch wusste es, bevor der Kopf es erkannte, dieses Scheißgefühl war das letzte und deutlichste Signal, dass dies nicht der richtige Ort für uns war. Wir schauten uns noch einmal an und haben wohl beide in dem Moment gedacht: Wenn die weitere Zusammenarbeit in diesem Projekt so abläuft, dann wollen wir den Auftrag nicht.
Und auf einmal habe wir beide den Turbolader Spontaneität zugeschaltet, alle Erwartungen an die Situation über Bord geworfen, das Schwert in die Hand genommen und nach unseren Regeln weitergespielt. Wir ließen keine Fragen mehr zu, sondern stellten nur noch selber Fragen, um zu klären, was aus unserer Sicht für die Zusammenarbeit wichtig war. Dabei versäumten wir auch nicht, darauf hinzuweisen, dass wir uns in dieser Form eine Zusammenarbeit nicht vorstellen könnten und wie eine solche Veranstaltung laufen müsse, damit wir dabei wären. So läuft es und nicht anders. Punkt. Wir waren mit uns zufrieden, obwohl der Auftrag verloren schien. Anschließend sind wir Eis essen gegangen und haben uns über die Situation amüsiert.
Am gleichen Abend bekamen wir einen Anruf, dass wir auf der internen Punkteskala überall die höchste Punktzahl erreicht, die Problematik voll erfasst und den Job sicher in der Tasche hätten - es würde jetzt nur noch um Formalien gehen. Yeah! Strike!
Aber oft kommt es dann noch mal ganz anders, als man denkt. Aufgrund der Finanzkrise wurde der Auftrag abgesagt. Das Unerwartete sagt vorher nicht Bescheid. Gut so!
Wenn alles aus dem Ruder läuft und Sie die Kontrolle verlieren, haben Sie gar keine andere Wahl, als spontan zu sein. Entscheiden Sie sich für den Moment, setzen Sie sich in Ihr eigenes Cockpit und geben Sie Gas. Drehen Sie auf. Versuchen Sie nicht, es jemanden recht zu machen, dem man es sowieso nicht recht machen kann - zumindest nicht Sie und nicht in diesem Moment. Wenn man Sie nicht akzeptieren will, wie Sie sind, dann versuchen Sie nicht, sich zu verbiegen. Es würde nicht klappen.
Letztendlich haben wir in dem Gespräch mit der Bank nur auf unseren Bauch gehört. Aber darf man das in dieser durchgeplanten Welt? Bauchentscheidungen? Gefühle? Faustregeln? Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Auf das, was wir in einem Überraschungsei finden, freuen wir uns, warum nicht auch auf andere Überraschungen, zum Beispiel überraschende Bauchentscheidungen?

Kopf oder Zahl? Ich nehme Bauch!

Wie oft haben Sie schon nach einer Entscheidung gesagt: »Hätte ich mal auf meinen Bauch gehört! Eigentlich wusste ich doch, was richtig war!«?
In schwierigen Situationen vergisst man in der Regel, dieses Bauchgefühl ernst zu nehmen. Wir nehmen es eher als störend wahr, weil es so unerwartet und schnell kommt. Nur wohl durchdachte Entscheidungen sind gute Entscheidungen. Zumindest glauben wir das. In Situationen, in denen wir spontan reagieren wollen, muss aber schnell eine Entscheidung her. Viel Zeit zu überlegen bleibt da meistens nicht. Also warum nicht auf die Intuition, die innere Stimme hören? Der Bauch ist in solch einem Moment der beste Partner, den wir haben. Das Bauchgefühl gibt uns einen Anhaltspunkt für unser Verhalten und es arbeitet verdammt schnell. Nutzen Sie diese Kraft. Immer wenn Ihre innere Stimme sagt: »Das kann man doch nicht machen«, ist das ein gutes Zeichen, auf den Bauch zu hören.
Kürzlich sprachen wir mit einer Gruppe von Sparkassenmitarbeitern über ein neues Beratungstool. Es handelte sich dabei um eine Art »Wimmelbild«, wie man sie aus Bilderbüchern für Kinder kennt. In diesem Stil wurden die Vorteile eines speziellen Mehrwert-Girokontos als Bild dargestellt. So sieht man zum Beispiel in der einen Ecke des Bildes einen Kunden, dem im Ausland sein Geld gestohlen wurde und der nun den weltweiten Bargeldservice seiner Sparkasse in Anspruch nimmt. Ein anderer Teil des Bildes zeigt einen Kunden, der den kostenlosen Ticketservice des Kontos in Anspruch nimmt, bei dem er lokale Veranstaltungen zu vergünstigten Eintrittspreisen kaufen kann. Die Mitarbeiter der Sparkasse sagten, dass sie das Bild eigentlich gut und praktisch fänden und oft den Impuls verspürten (Bauchgefühl!), es im Kundengespräch zu nutzen, aber sich dann doch nicht trauten, denn »das kann man doch nicht machen, das ist doch nicht seriös«. Nachdem sie ihr Bauchgefühl trainiert hatten, konnten sie ihm nachgeben. Ihre Kunden haben das Bild dankbar als Beratungshilfe angenommen und waren froh, dass ihnen die Vorteile des Kontos einmal so einfach und klar präsentiert wurden.
Das Bauchgefühl haben Sie wahrscheinlich (hoffentlich!) auch, wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind und einparken müssen. Sie verlassen sich auf Ihr Bauchgefühl und entscheiden spontan, ob die Parklücke groß genug für Ihr Auto ist. Wir haben auf einem Parkplatz noch nie jemanden gesehen, der ausgestiegen ist und mit dem Zollstock vorm Einparken die Lücke ausgemessen hat. Oder denken Sie an die Fernsehshow »Wer wird Millionär«. Sobald die vier Antwortmöglichkeiten eingeblendet werden, startet unser Bauchgefühl. Wir haben einen Impuls für die richtige Antwort, und öfter, als wir denken, ist diese dann am Ende sogar richtig. Die Spannung der Sendung entsteht auch deshalb, weil der Moderator Günther Jauch die spontanen Entscheidungen der Kandidaten hinterfragt, um so die Bauchentscheidung den rationalen Überlegungen gegenüberzustellen, was letztendlich zu der Unsicherheit der Kandidaten führt.
Es gibt so viele Signale dafür, dass der Impuls für eine Handlung oder Entscheidung schon längst gefallen ist, ehe der Kopf davon etwas mitbekommt. Horchen Sie mal in sich hinein. Gibt es bei Ihnen auch solche Situationen? Wir kennen diesen Impuls von unseren Auftritten auf der Bühne. Würde man eine Zeitlupenwiederholung einer unserer Shows zeigen, könnte man genau sehen, wann eine Idee für eine Szene entsteht. Dann verändert sich unsere Körperspannung. Wir atmen anders, holen tief Luft, lehnen uns leicht nach vorne und gehen in die Szene, denn wir haben für uns gelernt, diese Impulse zu beachten und danach zu handeln.
Wenn wir Workshops geben, ist dieser Impuls ebenso sichtbar. Zwei Teilnehmer spielen eine kurze Szene, die anderen schauen zu. Jeder soll selbst entscheiden, ob und wann er in die Szene reingeht und mitmacht - ganz spontan. Sobald ein Teilnehmer eine Idee für die Entwicklung der Szene hat, verändert sich seine Haltung. Das geht so weit, dass er schon fast aufsteht und … sich dann doch wieder in seinem Sessel zurücklehnt. Schade. Meistens ärgern sich diejenigen anschließend, weil jemand anders mit genau der gleichen Idee auf die Bühne ging. Was ist passiert? Der Teilnehmer hat die Signale seines Körpers falsch interpretiert, die Angst, einen Fehler zu machen, siegt über die Spontaneität. Wenn wir einen Teilnehmer in einem solchen Moment auffordern, in die Szene zu gehen, sein Bauchgefühl also unterstützen bzw. verstärken, ist er meist ganz erleichtert, seine Idee einbringen zu dürfen, denn ein anderer hat die Entscheidung getroffen und ist damit verantwortlich für einen eventuellen Fehler. Warten Sie nicht auf die Entscheidung von außen. Übernehmen Sie die Verantwortung, sich in das Spiel des Lebens einzubringen. Sonst macht es jemand anderes, und Sie ärgern sich.
Ja, aber darf ich denn auf meinen Bauch hören? Das kann doch nicht richtig sein, das ist doch nur ein Gefühl und damit nicht wissenschaftlich belegt.
Dazu passt eine Geschichte, die aus dem Buch von Malcolm Gladwell, »Blink - The Power of Thinking Without Thinking« (Deutscher Titel: »Blink! Die Macht des Moments«) stammt. Der Autor erzählt darin, wie das Getty-Museum in Los Angeles plante, die antike griechische Statue eines Jünglings anzukaufen, den sogenannten Kouros. Um die Echtheit zu prüfen, wurden verschiedene Verfahren angewendet: Gesteinsproben wurden im Labor »mittels Elektronenmikroskop, Elektronenstrahl-Mikroprobe, Massenspektrografie, Röntgendiffraktions- und Röntgenfluoreszenzuntersuchungen« analysiert. Kurz, viele komplizierte Techniken, von denen wir auch keine Ahnung haben, wie sie im Einzelnen funktionieren. Letztendlich präsentierte das Museum stolz den Neuerwerb, und einige Experten begutachteten die Statue. Sie alle spürten Zweifel an der Echtheit. Malcom Gladwell beschreibt die Reaktionen der Experten wie folgt:

»Irgendetwas störte ihn, ohne dass er genau hätte sagen können, was …«
»Aber in dem Moment, in dem Houghton die Statue enthüllte, hatte sie eine Ahnung, ein instinktives Gefühl, dass mit dem Jüngling irgendetwas nicht in Ordnung war.«
»Er werde nie vergessen, was er beim Anblick (…) gedacht habe, erzählte er. Es war ›frisch‹ - ›frisch‹, erinnerte er sich. Und ›frisch‹ ist normalerweise nicht gerade das erste Wort, das einem beim Anblick einer zweieinhalbtausend Jahre alten Statue einfallen sollte.«

Aufgrund dieser intuitiven Experten-Reaktionen und den damit zunehmenden Zweifeln an der Echtheit der Statue wurde zur Klärung eine Konferenz einberufen, und bis heute konnte nicht abschließend geklärt werden, ob die Statue ein Original oder eine Fälschung ist.
Im Katalog des Getty-Museums findet sich bis heute ein Foto des Kouros mit der Bildunterschrift »Zirka 530 vor Christus oder moderne Fälschung.«
Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass auch die scheinbar wissenschaftlichsten Analysen und Tests nicht unbedingt verlässlicher sind als unser Bauchgefühl. Wir behaupten sogar, dass in neun von zehn Fällen eine Entscheidung aus dem Bauch heraus genauso richtig ist wie eine wohl durchdachte. Wie oft war eine gut geplante Entscheidung am Ende doch die falsche? Das soll Ihnen Mut machen, in unerwarteten Situationen auf Ihren Bauch zu hören. Erstens: Es geht schnell. Zweitens: Sie haben eine Entscheidung getroffen und drittens und am wichtigsten: Sie haben Verantwortung übernommen und es geht weiter.
So. Was sagt Ihr Bauch dazu? Meinen Sie, man darf auf Bauchentscheidungen hören? Oder sollte man doch lieber alles rational durchplanen? Sie wollen noch mehr Belege? Sollen Sie haben.
Professor Dr. Gerd Gigerenzer ist Psychologe und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. In seinem Buch »Bauchentscheidungen« legt er sehr anschaulich dar, dass wir Bauchentscheidungen auf der Basis von Faustregeln treffen: »Eine Faustregel unterscheidet sich grundlegend von einer Bilanzmethode mit Pro und Kontra; sie versucht, die wichtigste Information herauszugreifen, und lässt den Rest außer Acht.«
Ein einfaches Beispiel für eine Bauchentscheidung sei, so Professor Gigerenzer, das Fangen eines Balles. Würde man erklären wollen, was genau dabei passiert, müssten wir hoch komplizierte mathematische Berechnungen zur Flugbahn des Balls, zu unserem eigenen Bewegungsverlauf etc. anstellen. Letztendlich rechnen wir aber nicht, sondern fangen den Ball einfach. Sobald wir beginnen, darüber nachzudenken, liegt der Ball schon längst am Boden. Amerikanische Baseballspieler habe folgende Faustregel entwickelt: »Wenn ein Ball hoch ankommt, richtet der Spieler den Blick auf den Ball, beginnt zu laufen und passt seine Geschwindigkeit so an, dass der Blickwinkel konstant bleibt.« Als Probe aufs Exempel empfiehlt Gigerenzer, einen Tennispartner, der im Spiel führt, mal danach zu fragen, wie es ihm gelänge, so eine gute Vorhand zu spielen. Sobald Ihr Gegner anfängt, darüber nachzudenken, wird seine Vorhand nicht mehr so gut sein, und Sie gewinnen das Spiel.
Unser Gehirn eignet sich unbewusst Fähigkeiten an, auf die wir in vielen Situationen vertrauen, ohne darüber nachzudenken. Indem wir über unser Handeln nachdenken, schränken wir unsere Fähigkeit, intuitiv zu handeln, eher ein. Wer »Tim-und Struppi«-Comics kennt, erinnert sich vielleicht an Kapitän Haddock, der in einer Geschichte gefragt wird, ob er nachts mit dem Bart über oder unter der Bettdecke schlafe. Die Konsequenz: Der Kapitän kann die ganze Nacht nicht mehr schlafen, weil er über diese Frage nachdenkt.
Befinden wir uns in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen, haben wir den Glaubenssatz »Mehr ist immer besser!« verinnerlicht, so Professor Gigerenzer. Bauchentscheidungen zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass sie auf überraschend wenig Informationen beruhen, deshalb erscheinen sie uns bzw. unserem Bewusstsein auch wenig vertrauenswürdig, denn sie beruhen auf dem Glaubenssatz »Weniger ist mehr!«. Wir können unseren Bauchentscheidungen besonders gut in Bereichen vertrauen, schlussfolgert Professor Gigerenzer, die uns wohl bekannt sind, in denen unser Gehirn bereits die Möglichkeit hatte, zu üben.
Richard Branson, englischer Milliardär und Gründer u.a. von Virgin Records, Virgin Airlines, hat für sich die Regel aufgestellt, alles innerhalb von 30 Sekunden zu entscheiden. Er zwingt sich damit regelrecht dazu, auf seinen Bauch zu hören, und fährt bislang sehr gut mit dieser Methode.
Der Journalist und Pulitzer-Preisträger Joseph T. Hallinan erklärt in seinem Buch »Lechts oder Rinks. Warum wir Fehler machen«, weshalb zusätzliche Informationen die Vorhersagen von Experten nicht verbessern. Er beschreibt einen Versuch von Paul Slovic, Professor am Oregon Research Institute. In dem Versuch erhielten Experten für Pferdewetten fünf Einzelinformationen zu einem Pferd und dem Jockey, die sie sogar selbst wählen durften. Im Anschluss daran bekamen Sie 10, 20 und am Ende 40 Einzelinformationen. Und Sie können es sich schon denken: Die Experten hatten mit nur fünf Informationen die gleiche Trefferquote wie mit 40. Die Entscheidungen verbesserten sich also nicht aufgrund von mehr Informationen. Denken Sie an die 30-Sekunden-Regel von Richard Branson. Sie können Ihrem Bauch vertrauen.
Auch im Supermarkt bei der Wahl der richtigen Kassenschlange vertrauen wir nicht unserem Bauch. Stattdessen versuchen wir, auf der Basis der vorhandenen Informationen die »richtige« Schlange zu wählen. Wir überprüfen, wie viele Teile in den einzelnen Einkaufswagen liegen, wie fit der Kassierer zu sein scheint, wie viele Rentner vor uns stehen, die in aller Ruhe das Kleingeld aus dem Portmonee klauben. Letztendlich helfen uns die ganzen Informationen meist nicht weiter und die andere Schlange kommt immer schneller vorwärts.
Ein Bauingenieur sagte uns mal nach einem Training: »Ich habe so viel mit Zahlen und harten Fakten zu tun, dass ich im Umgang mit meinen Kollegen gar nicht mehr merke, dass mein Bauch mir empfiehlt, mit ihnen auch mal über was anderes als über unsere Zahlen zu sprechen. Allein dass ich in diesem Training darüber geredet habe, führte dazu, dass ich sensibler für meine Bauchgefühle geworden bin. Nun muss ich es aber auch umsetzen und ihnen folgen.«

Sechs Warnhinweise: Was passiert, wenn Sie spontaner werden

Wollen Sie wirklich spontan werden? Überlegen Sie es sich gut. Es geht um eine unerwartete Situation, die sich vorher nicht angekündigt hat. Sie können nicht planen, sondern müssen aus dem Moment heraus schnell entscheiden und Verantwortung für die Folgen übernehmen. Und das Gemeine: Die Folgen kennen Sie noch nicht. Und nicht genug davon. Es kommt noch schlimmer! Sobald Sie Ihre Anti-SpontaneitätsWege verlassen, können auch noch Nebenwirkungen auftreten. Wir fühlen uns verpflichtet, Sie über die sechs wichtigsten Nebenwirkungen zu informieren.

1. Warnhinweis: Sie könnten kreativer werden

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Hat sich die Spontaneität als Lebensphilosophie bereits in Ihr Leben eingeschlichen? Haben unsere Beispiele Sie vielleicht schon inspiriert? Das kann gut passieren, Sie wissen ja, wie das ist: Beschäftigt man sich erst einmal mit einem Thema, dann taucht es überall um einen herum auf. Denken Sie bereits assoziativ und verbinden Dinge und Themen miteinander, die auf dem ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und erst durch ihre Verknüpfung einen neuen Sinn ergeben? Hat Ihnen kürzlich jemand gesagt: »Mann, bist du spontan!«? Nichts anderes ist Kreativität. Spontane Menschen sind kreativ. Denken Sie an die Methodik des »Brainstormings«. Dabei geht es darum, Ideen zu einem Thema zu sammeln und spontane Ideen zu nutzen, um kreative Lösungen für Aufgaben und Probleme zu entwickeln. Beim Brainstorming wird jede Idee zu einem Thema unkritisiert aufgenommen und beflügelt so die nächste. Spontane Menschen verhalten sich genau so. Sie erweitern ihr Leben durch »Spontaneitäts-Bereiche«, in denen zunächst alles erlaubt ist. Das feuert automatisch ihre Kreativität an. Und mit Kreativität meinen wir nicht, dass Sie unbedingt das Zeug zu einem großen Künstler haben müssen. Kreativität benötigen Sie auch bei der Lösung von alltäglichen Problemen im Beruf wie im Alltag. Spontane Menschen reagieren flexibler. Sind Sie schon flexibler in Ihrem Denken und Handeln geworden? Beginnt es Ihnen vielleicht sogar schon, Spaß zu machen?

2. Warnhinweis: Sie könnten sich zu einem Teamplayer entwickeln

Spontane Menschen bringen anderen Menschen mehr Aufmerksamkeit entgegen. Sie erleben, dass Spontaneität auch etwas mit Teamarbeit und Kooperation zu tun hat, und sorgen dafür, dass ihr Gegenüber gut dasteht. Spontane Menschen akzeptieren fremde und eigene Ideen uneingeschränkt. Sie stehen selber gut da, weil Sie präsenter sind. Entscheidungen werden schneller fallen und können dem Leben einen neuen Rhythmus geben. Oder, wie ein Marketingleiter einmal nach einem Training mit uns bemerkte: »Wir müssen auch im Job ständig präsent sein, damit ein guter Rhythmus entsteht und sich jeder auf den anderen verlassen kann.« Ein anderer Kunde, ein Anwalt, bestätigte uns das: »Früher habe ich bei Plädoyers im Gerichtssaal immer auf den Boden geschaut, keinen Kontakt aufgebaut. Ich habe versucht, keinen Fehler zu machen und mich an alles zu erinnern. Seit dem Spontaneitäts-Workshop rede ich viel freier und selbstbewusster. Ich nehme Kontakt mit dem Richter und dem gegnerischen Anwalt auf. Das hilft und bringt zudem mehr Spaß.«
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3. Warnhinweis: Sie könnten Spaß haben

Wenn Anwälte Spaß haben, muss doch was dran sein. Wir kommen vom Theater. Wir spielen Theater. Spielen ist auch beim Thema Spontaneität ein entscheidender Faktor. Wir gehen spielerisch mit Situationen um. Spontaneität zu trainieren bringt Spaß. Spontane Menschen lachen viel. Wenn wir unsere Businesstrainings in Tagungshotels vorbereiten, fragen wir in der Regel im Hotel an, welche Veranstaltungen parallel in den Nachbarräumen stattfinden. Das laute Lachen unserer Kursteilnehmer hat das eine oder andere Mal schon gestört. Wie soll man denn auch einem langweiligen Meeting folgen, wenn die Teilnehmer nebenan sich vor Lachen auf dem Boden wälzen? Eine wesentliche Facette einer spontanen Lebenseinstellung ist, Spaß dabei zu haben, andere Menschen zum Lachen zu bringen, ihnen Freude zu bereiten und auch selbst mehr zu lachen. Wer spontan handelt, kann andere Menschen damit zum Lachen bringen, ihnen einen schönen Tag bereiten. Zum Glück setzt es sich langsam durch, dass Schulungen auch Spaß machen dürfen. Lachen lockert auf und unterstützt uns dabei, uns auf neues Denken und damit Spontaneität einzulassen. Einige unserer amerikanischen Kollegen haben ihre Workshops in Playshops umbenannt. Eine hervorragende Idee.
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4. Warnhinweis: Sie könnten Ihr Leben in Balance bringen

Sie sind auf einem Spielplatz. Es gibt eine Wippe, schön, groß und stabil. Sie wollen gerne wippen. Sie lieben es zu wippen. Sie sitzen auf der einen Seite der Wippe und jemand mit dem gleichen Gewicht auf der anderen. Perfekt. So ist alles ausbalanciert, und das gemeinsame Wippen kann losgehen. Nach einer Weile hat Ihr Gegenüber aber keine Lust mehr, springt ab und geht. Und da sitzen Sie nun ganz allein und langweilen sich. Sie fühlen sich unzufrieden, dicke Tränen kullern über Ihre Wangen. Ihnen fehlt die Balance. Sie bleiben einfach am Boden kleben. Genauso verhält sich das im Leben, nur vielleicht ohne die dicken Tränen. Sie brauchen immer ein Gegengewicht, das für Ausgleich sorgt. Dummerweise gibt es im Leben keinen Stillstand, alles ist ständig in Bewegung. »Wipp-Partner« kommen und gehen. Und wir balancieren mehr als zwei Seiten einer Wippe. Das sogenannte Life-Balance-Modell empfiehlt die folgenden vier Bereiche gleichberechtigt auszubalancieren, um ein zufriedenes Leben zu führen.
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027 Beruf und Karriere
028 Familie, Beziehung, Freunde
029 Gesundheit, Körper
030 Sinn- und Zukunftsfragen, Visionen
Spontanen Menschen gelingt es, diese Bereiche in Balance zu halten. Auf der Wippe des Lebens bleiben sie nicht unten sitzen, sondern bewegen sich. Finden sie keinen »Wipp-Partner«, stellen sie sich in die Mitte der Wippe und versuchen allein, die Balance zu finden, um die Schaukel in Bewegung zu halten. Und wenn sie mit einem neuen Partner auf der Wippe spielen, der ein anderes Gewicht hat, richten sie sich wieder neu aus, setzen sich weiter nach vorne oder hinten, Hauptsache Balance. Ein Leben ohne Spontaneität ist, als würden wir mit der Wippe am Boden kleben bleiben. Spontane Menschen wischen sich ihre Tränen ab und begeben sich auf die Suche nach Balance auf dem Spielplatz des Lebens.

5. Warnhinweis: Sie könnten authentischer und sympathischer werden

Spontane Menschen verändern sich in ihrer Kommunikation. Sie sehen Fehler anderer nicht mehr so eng. Und noch besser, sie stehen zu ihren eigenen Fehlern - sie lassen sie zu, statt sie zu verstecken. Spontane Menschen wissen, dass es nichts bringt, Fehler zu verstecken. Kurz: Sie übernehmen Verantwortung für ihr Handeln. Den fehlerfreien Menschen gibt es nicht. Deshalb nehmen sie die Dinge mit Humor und zeigen sich damit menschlicher und authentischer.
Nach einem Spontaneitäts-Training kann es schon mal passieren, dass der Vorstand eines großen Unternehmens auf der Bühne steht und seinem Außendienstmitarbeitern ein neues Produkt vorstellt. So bei einer Firmenveranstaltung geschehen: Auf die Frage aus dem Publikum, warum denn ausgerechnet dieser Verkaufspreis gewählt wurde, antwortete er: »Wir konnten uns zwischen zwei Preisen nicht entscheiden, letztendlich haben wir uns für den höheren entschieden. Ob das ein Fehler war, werden wir in einem Jahr wissen.« Überraschter und anerkennender Applaus im Publikum. Das ist authentisch.
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Wenn wir Firmentrainings durchführen, dann wissen wir meist nichts über die Hierarchien in der Gruppe. Als Trainer interessiert es uns nicht unbedingt, wer Abteilungsleiterin ist oder wer in der Poststelle arbeitet. Das führt dazu, dass wir niemanden im Workshop davor schützen, vor den anderen Fehler zu machen. Wenn eine Führungskraft dann in einer Übung, wie alle anderen auch, einen Fehler macht, ist die Freude bei den Teilnehmern immer besonders groß. Spätestens dann wissen auch wir Trainer, wer in der Hierarchie weit oben steht. Wenn die Mitarbeiter dann noch sagen: »Mensch, ich wusste gar nicht, dass der Chef auch über seine Fehler lachen kann«, haben wir die perfekte Arbeitsatmosphäre für den weiteren Verlauf des Workshops. Und von dieser gemeinsamen Erfahrung profitieren alle Teilnehmer am Ende für ihr Berufs- und Privatleben.
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6. Warnhinweis: Sie könnten Geld sparen

Spontane Menschen sparen viel Geld, weil sie ab sofort keine Abenteuer- oder Erlebnisurlaube mehr buchen müssen. Eine Expedition zum Nordpol kostet 19.900 Euro. Sie können sich das Geld auch sparen, wenn Sie eine Expedition in die Welt der Spontaneität unternehmen. Das Basiscamp haben Sie bereits erreicht. Wie bei einer Nordpol-Expedition auch, werden Sie richtig gefordert und entdecken gleichzeitig neue Welten, diesmal in sich selbst. Nur die Minusgrade können wir Ihnen beim Spontaneitäts-Training nicht bieten. Doch ein kleines Kühlhaus mit 16 Quadratmetern bekommen Sie schon für 19.800 Euro. Damit hätten Sie 100 Euro gespart.
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Sechs Ausreden: Warum Sie auf keinen Fall spontan sein wollen

Wir haben Ihnen mit den Warnhinweisen viele gute Gründe geliefert, welche Gefahren auf Sie lauern, wenn Sie sich dafür entscheiden, spontaner zu werden. Sollte Ihnen das nicht reichen, dann greifen Sie doch einfach auf Ihre eigenen Ausreden - die gängigsten - zurück. Wir haben mal eine Auswahl zusammengestellt.
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr Chef ist auf die großartige Idee gekommen, uns zu einer Firmenveranstaltung einzuladen. Sie hatten den ganzen Tag Meetings und Workshops, jetzt ist es kurz vor 19 Uhr, und Sie warten mit Ihren Kollegen auf den Beginn der Vorstellung. Sie stehen nichts ahnend zusammen an einem Stehtisch und unterhalten sich. Was Sie nicht wissen: Wir starten unsere Show nicht auf der Bühne, sondern schon vorher bei Ihnen an den Stehtischen. Dafür verkleiden wir uns nicht als lustige Peruaner mit Panflöten oder getarnt als Kellner, nein, wir kommen mit Zettel und Stift bewaffnet auf Sie und Ihre Kollegen zu. Eigentlich möchten wir, dass Sie uns überraschen, uns Probleme machen. Wir kommen also zu Ihnen und sagen:
»Guten Abend, wir sind heute für Ihre Unterhaltung zuständig, schreiben Sie uns bitte spontan einen Satz auf diesen Zettel, der auf der Bühne gesagt werden muss. Anonym. Schreiben Sie nicht Ihren Namen auf den Zettel. Und nein, wir werden auch nicht Ihre Handschrift analysieren lassen. Wir bauen Ihre Sätze lediglich in unsere Show ein. Spontan. Viel Spaß.« Aus den Reaktionen der anwesenden Mitarbeiter leiten wir jetzt die sechs folgenden Ausreden ab. Wenn wir also an die Stehtische kommen, teilt sich das Publikum schon mal in zwei Gruppen. Die einen sagen spontan:
»Oh toll, ich darf wirklich ALLES schreiben? Super! Heute zeige ich es denen da oben aber mal richtig.«
Besagte Person schnappt sich gleich vier Zettel und verschwindet diabolisch grinsend zum nächsten Stehtisch. Es bleiben aber noch vier Leute am Tisch stehen. Die Mehrheit reagiert wie folgt:
»Äh … Jetzt?«
»Mein Kollege schreibt für mich mit, der hat doch vier Zettel genommen.«
»Mir fällt nichts ein.«
»Ich bin nicht spontan.«
»Muss es auch noch lustig sein?«
»Ich hab schon was geschrieben.«
»Ich bin Ihr Auftraggeber.«
»Ich will aber nicht auf die Bühne.«
»Ich bin wirklich nicht spontan.«
»Mein Kollege hat die besseren Ideen.«
»Kann ich das morgen abgeben?«
»Ich gehöre gar nicht dazu.«
»Ich weiß nicht, ob ich nachher noch da bin.«
»Ich glaube, Sie haben schon genug Zettel.«
»Ich kann nicht schreiben.«
»Ich bin in leitender Position.«
»Ich habe eine Allergie gegen Kugelschreiber.«
»Ich bin nur zufällig hier.«
»ICH BIN WIRKLICH EINFACH NICHT SPONTAN.«
Wir nennen diese Art von Menschen Show-Stopper. Mit einem Show-Stopper als Mitspieler - egal ob auf der Bühne, in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz - geht es nicht weiter. Was ist aber, wenn Sie selbst der Show-Stopper sind? Wenn Sie nicht spontan sein möchten oder einfach nie spontan sind?
Gut, Sie sind wirklich nicht spontan. Dann wollen wir Sie auch nicht weiter von Ihrem unspontanen Leben abhalten. Lassen Sie uns einfach mal herausfinden, was dagegen spricht, spontan zu sein und diesen Zettel, den wir Ihnen gegeben haben, auszufüllen. Schauen wir uns an, wie so eine spontane Situation entsteht und was Sie am besten dagegen unternehmen können. Wie gehen Sie spontanen Situationen aus dem Weg? Welche Mechanismen blockieren Ihre spontanen Entscheidungen? Was hält Sie davon ab, einen einfachen Satz - Subjekt, Prädikat, Objekt - auf einen Zettel zu schreiben? Oder anders gefragt: Welche Ausreden verwenden Sie gerne, um sich davor zu drücken, spontaner zu reagieren?
Ausreden werden benutzt, wenn man irgendetwas nicht offen und ehrlich zugeben möchte. Man lügt sich selbst in die Tasche und ist am Ende auch noch unzufrieden mit sich selbst. Das eigentliche Thema, das man mit der Ausrede vermeiden wollte, ist nur kurzfristig beiseitegeschoben worden. Meistens stehen hinter den Ausreden Bedenken, irgendeine Angst oder Lustlosigkeit. Es lohnt sich, die Themen hinter den Ausreden genauer zu betrachten, denn wenn man weiß, was eigentlich dahintersteckt, fällt es leichter, aus der Vermeidungshaltung in die Handlung zu kommen und Spontaneität zu riskieren.
Kommen wir zurück zu unserem Beispiel mit dem Zettel und Stift. Welche Ausreden begegnen uns beiden immer wieder und was könnte sich dahinter verbergen? Bei welcher Ausrede erkennen Sie sich wieder?

Ausrede Nr. 1: »Ich will so bleiben, wie ich bin« - »Du darfst.«

Sie möchten, dass alles so bleibt, wie es ist. Ihr Lieblingssätze lauten: »Das habe ich schon immer so gemacht. Ich habe noch nie blöde Zettel ausgefüllt und ich mache es heute auch nicht. In der Drogerie greife ich auch immer zu demselben Duschgel, und wenn sich bei dem Produkt mal die Verpackung ändert, ärgere ich mich. Gerade gestern habe ich festgestellt, dass meine Lieblings-Tagescreme durch ein anderes Produkt ersetzt worden ist. Warum muss man was ändern, wenn es doch funktioniert?«
Gut, das ist natürlich ein guter Grund, nicht spontan zu sein. Auch wenn andere sagen, die einzige Konstante sei die Veränderung. Das Argument »Verändern Sie sich, sonst werden Sie verändert« lassen Sie nicht gelten. Ist doch toll, wenn andere mich verändern. Wenn Dinosaurier spontan gewesen wären, könnten wir sie heute im Zoo anschauen, und wer will das schon?

Ausrede Nr. 2: »Unter Zeitdruck geht schon mal gar nichts!«

Eine unerwartete, also spontane Situation tritt in der Regel unerwartet auf, wer hätte das gedacht. Sie hatten keine Zeit, sich vorzubereiten, und wir kommen einfach an Ihren Tisch und verlangen von Ihnen, einen Zettel auszufüllen, ganz spontan. Sie geraten unter Zeitdruck, weil Sie meinen, schnell und auch noch witzig reagieren zu müssen. Sie hassen Zeitdruck, das schränkt Sie in Ihrer Entscheidungsvielfalt ein. Sie konnten nicht alles optimal durchplanen. Das ist wie beim Arbeitsspeicher eines Computers, Sie sind überlastet. Zeitdruck hindert Sie daran, spontan zu reagieren. Was würde passieren, wenn Sie bestimmen könnten, wann Sie uns Ihren Zettel mit dem Satz zurückgeben? Wenn wir unterwegs sind und die Zettel verteilen, sagen wir immer dazu: »Sie haben so viel Zeit, wie Sie wollen. Wir kommen nachher wieder vorbei.« Sobald dieser Zeitdruck wegfällt, kommen die Teilnehmer meist schon nach einer Minute wieder, wollen ihren Zettel abgeben oder sogar noch einen zweiten und dritten, weil sie auf einmal so viele Ideen haben. Die meisten merken gar nicht, in welcher kurzen Zeit sie dann doch spontan etwas aufgeschrieben haben.
Aber das zieht nicht bei Ihnen? Zeitdruck ist Zeitdruck. Daran lässt sich nichts ändern? Sehr gute Ausrede! Merken! Setzen!

I Don’t Like Mondays.
Ralfs Geheimnis. Bitte nicht weitersagen.
An einem grauen und regnerischen Montegmorgen bekam ich einmal eine Anfrage einer Kollegin, einen Moderationsjob zu übernehem. Es war früh am Morgen, ich hatte noch keinen Überblick über meine kommenden Termine und einfach keine Energie, das spontan zu entscheiden. Also sagte ich zu ihr: »Montag entscheide ich nie was, ich rufe dich morgen zurück.« Sie lachte und erwiderte, sie sei noch nie so charmant vertröstet worden.
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Ausrede Nr. 3: »Das ist mir nicht sicher genug.«

Super Ausreden bislang. Aber da geht noch mehr. Selbst wenn Sie sich dazu durchringen, einen Satz auf den Zettel zu schreiben, erlauben Sie uns nicht, ihn in unsere Show einzubauen, sondern fragen stattdessen:
»Wie ist es denn um meine Sicherheit bestellt? Wenn ich jetzt was auf Ihren Zettel schreibe, dann könnte ja rauskommen, dass das von mir stammt. Dann hat mich mein spontanes Verhalten möglicherweise in eine gefährliche Lage gebracht. Vielleicht ist der Satz oder das Schreiben an sich schon ein Fehler. Was für Sicherheiten habe ich denn, wenn ich spontan handle? Ich besitze einen Bausparvertrag, habe die Riesterrente abgeschlossen, mein Partner und ich fahren ein Auto aus Schweden, wir haben eine Rechtsschutzversicherung bei der Advocard. Wir leben in einem sicheren Umfeld. Gated communities of spontaneous life. Ich möchte nicht alles durch mein spontanes Verhalten gefährden. Meine Zurückhaltung ist doch viel sicherer.«
Unseren Einwand, dass es doch gar keine verlässliche Sicherheit gäbe, lassen Sie natürlich nicht gelten und kontern gleich mit Ihrer nächsten Ausrede.

Ausrede Nr. 4: »Ich bin ein Urmensch.«

Wir fragen noch einmal ungläubig nach. Doch Sie haben tatsächlich zu uns gesagt: »Ich bin ein Urmensch und kann nichts auf diesen Zettel schreiben.«
Okay, wir sind echt gefährlich. Wir stehen vor Ihnen. Bewaffnet mit einem Zettel und einem Stift und auch noch gut gelaunt. Aber Sie wissen, dass Sie gleich etwas tun müssen. Sie spüren die Gefahr, die von dieser Situation ausgeht. Sie riechen unseren Atem. Es gibt keinen Ausweg. Doch da blitzt eine Lösung auf, die Sie seit Jahrtausenden in Ihrem Unterbewusstsein gespeichert haben - von Generation zu Generation weitergegeben. In gefährlichen Situationen wie dieser - wir kommen mit Zettel, Stift und einer kleinen, spontanen Aufgabe auf Sie zu - wollen Sie nur weglaufen (ganz spontan auf die Toilette) oder Sie wollen mit uns kämpfen (einfach zuschlagen, uns umhauen und dann über dem Feuer rösten und verspeisen). Das hat schon seit Tausenden von Jahren gut funktioniert. Ein Verhalten, das wir Menschen seit Urzeiten pflegen, es heißt: »Fight or Flight«. Kampf oder Flucht.
Weder »Fight« noch »Flight« ist heutzutage eine gute Lösung in unerwarteten Situationen, in denen Sie lieber Ihren Kopf benutzen sollten, um weiter handlungsfähig zu bleiben. In gefährlichen Situationen, wenn wir beispielsweise einem Tiger oder einem Mammut gegenüberstehen, mag diese Methode sinnvoll sein und unser Überleben sichern. Im Großstadtdschungel des 21. Jahrhunderts passiert das aber eher selten. Unsere gefährlichen Situationen heißen Meetings, Diskussionen mit dem Partner, unerwartete Ereignisse. Dabei wollten wir doch nur einen einfachen Satz von Ihnen. »Fight or Flight« hindert uns also eher, spontan zu sein. Gut so, denken Sie?

Ausrede Nr. 5: »Ich bin nicht witzig.«

Vier Ausreden haben Sie uns schon präsentiert. Aber wir bleiben hartnäckig mit Zettel und Stift bei Ihnen stehen. Das zählt schon als »Spontaneität mit vorher Bescheid sagen«, oder? Sie jedoch sagen: »Ich bin einfach nicht witzig.«
Gut, sind wir auch nicht immer, wir können auch keine Witze auswendig vortragen. Wer hat denn überhaupt was von Witz gesagt? Spontanes Verhalten hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, witzig sein zu müssen. Wir kennen alle den folgenden Typ von Mensch: Hunderte von Witzen für jede Situation parat, aber sonst total unspontan. Sie sollten einfach nur einen Satz aufschreiben, und der muss nicht amüsant sein. Vergessen Sie also den Anspruch »witzig zu sein« sofort wieder. Es geht nur darum, die Aufgabe zu lösen. Wenn Ihre Lösung auch noch amüsant ist, schöner Nebeneffekt.
Humor, Witz und andere Menschen zum Lachen zu bringen, ist ein Nebenprodukt von Spontaneität. Es freut uns, wenn Sie mit Ihrer spontanen Art Ihre Kollegen, Freunde und Ihren Partner zum Lachen bringen. Aber richten Sie Ihre Spontaneität nicht darauf aus. Spontan handeln bedeutet, einem Impuls und einem inneren Antrieb zu folgen, wenn Sie dabei sich und anderen Spaß bereiten, dann freuen Sie sich. Bewusst komisch zu sein, klappt meistens nicht. Wenn Sie aber versuchen, spontaner zu agieren, werden Sie und Ihre Umgebung vermutlich auch mehr zu lachen haben, ganz ungewollt.
Witze und Comedy funktionieren, weil etwas Unerwartetes passiert und Dinge kombiniert werden, die sich auf den ersten Blick nicht kombinieren lassen. Das ist ein Grund, warum spontane Menschen oft auch als witzig wahrgenommen werden. Sie machen unerwartete Sachen, kombinieren etwas in unerwarteter Weise und nehmen die Dinge mit Humor.
Wir machen nun etwas, das man eigentlich nicht darf. Wir erklären Ihnen einen Witz, wir überschreiten den Rubikon für Comedians. Bitte erzählen Sie es nicht unseren Kollegen. Ach ja, und dass Sie es gleich wissen: Es ist der beste Witz der Welt.
Der Leberwurstwitz
Metzger: »Guten Tag.«
Kunde: »Guten Tag.«
Metzger: »Bitte schön, was darf es denn sein?«
Kunde: »Ich hätte gerne Leberwurst, aber von der fetten Groben.«
Metzger: »Tut mir leid, die hat heute Berufsschule.«
Und … gelacht? Oder kannten Sie den schon? Was passiert hier? In der Metzgerei ist etwas Unerwartetes geschehen - eine Wendung, mit der keiner gerechnet hat. Die Erwartungshaltung wird gebrochen. Ein Witz startet meistens von einer neutralen, positiven Plattform. Alles ist friedlich, niemand rechnet damit, dass die Situation eine unerwartete Wendung nehmen könnte. Das ist die Ausgangsbasis für den Witz. Alles ganz harmlos:
Eine kleine Metzgerei auf dem Land. Ein Sketch im Stil der 80er-Jahre. Ein Kunde betritt den Laden, nehmen wir einmal Didi Hallervorden, für die Jüngeren unter Ihnen Bastian Pastewka. Draußen scheint die Sonne, drinnen riecht es nach Wurst. Der Metzger, ein älterer, gemütlicher Herr mit weißer Schürze und Schlachtermesser in der Hand steht hinter der Theke. Eine perfekte Rolle für Diether Krebs. Der Kunde hält den Einkaufszettel seiner Frau in der einen Hand und in der anderen eine Stofftasche. Man kennt sich.
Und dann folgt die unerwartete Wendung: Cindy aus Marzahn ist übrigens die Dame in der Berufsschule. Der Witz funktioniert, weil etwas Unerwartetes passiert, weil Konventionen gebrochen werden. Der Kunde möchte, wie es ihm seine Frau aufgeschrieben hat, fette grobe Leberwurst kaufen. Der Metzger bezieht die Frage aber auf seine Angestellte. Er bricht die Erwartungen des Kunden und wirft unsere Erwartungen an die Geschichte über den Haufen, die Story entwickelt sich in eine Richtung, mit der keiner rechnete.
Das ist ein Grund, warum spontane Menschen als witzig wahrgenommen werden. Sie verlassen das sichere Terrain und agieren auf unerwartete Weise. Auf sprachlicher Ebene kombinieren sie Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Sie handeln unerwartet. Sie begeben sich mit ihrer Spontaneität aufs Glatteis und legen eine wunderbare Kür hin. In der Regel machen sie das aber nicht mit der Intention, lustig zu sein.
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Eine Partnervermittlung hat 4.000 Singles befragt, worauf sie bei ihrem Partner Wert legten. 96% der Befragten antworteten, dass Humor als Eigenschaft vorhanden sein müsse, um eine Partnerschaft einzugehen. Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Partner oder Ihre Kollegen zum Lachen gebracht? Obwohl wir es beruflich machen, andere Menschen zum Lachen zu bringen, sagt meine Frau oft zu mir, dass ich so ernst wäre. Miene Aufgabe lautet seitdem, auch zu Hause spontaner zu sein. Denn eigentlich lache ich gerne und viel. Ralfs persönlicher Vorsatz: Bringe deine Frau und deine Töchter zum Lachen. Mindestens 5 Mal am Tag. Bei meinen Törchtern klappt es schon wunderbar. Bei meiner Frau nicht immer. Aber immer öfter. Wer witzig ist, ist nicht automatish spontan.

Bei der Moderation einer dreitägigen Firmenveranstaltung arbeiteten wir einmal mit einem ganz besonderen Konzept. Gleich zu Beginn der Tagung vollzogen wir mit den Teilnehmern einen Zeitsprung von acht Stunden. Die Mitarbeiter kamen am Freitagmittag an und gingen durch eine »Zeitschleuse«. Sie mussten ihre Uhren abgegeben und bekamen neue, auf denen es acht Stunden später war, also 21 Uhr statt 13 Uhr. Nach diesem Rhythmus verbrachten wir ein komplettes Wochenende miteinander. Eine gute Basis, um spontaner zu reagieren.
Wir haben den Firmenmitarbeitern von außen eine unerwartete Situation vorgegeben und alle eingeladen, dieses Spiel mitzuspielen. Wir verabredeten gemeinsam, als Gruppe in dieser Zeitschleife zu leben. Alle hatten Lust mitzuspielen. In einer spielerischen Stimmung traut man sich eher, unerwartete Dinge zu tun. Obwohl es eigentlich Mittagszeit war, zeigten unsere Uhren 21 Uhr an. Wir haben deshalb sofort mit der Party begonnen. Teilnehmer, die normalerweise lieber früh ins Bett gehen, lebten sich begeistert auf der Tanzfläche aus und sind erst morgens um 6 Uhr (nach unserer Zeitrechnung!) ins Bett gegangen oder haben gleich bis zum Frühstück durchgefeiert. Teilnehmer, die sonst als korrekt und vorbildlich gelten, sind »tagsüber« an den Tischen eingeschlafen. Die Zeitverschiebung hat allen ein Stück Routine und Sicherheit genommen. Und wenn man sich, animiert durch solche »Spielregeln«, anders verhält als normalerweise, dann traut man sich auch, neue Verhaltensweisen auszuprobieren und vielleicht sogar zum Partykönig zu werden. Die Teilnehmer waren aufgedreht und guter Laune.
Sehr zum Nachteil für einen Gastredner, Autor eines der komischsten Bücher der letzten Jahre, der zu einer Lesung auf dieser Veranstaltung eingeladen worden war. So witzig sein Buch ist, so unspontan verhielt er sich im Umgang mit den Zuschauern. Er reagierte weder auf gut gelaunte Zwischenrufe noch auf irgendwelche Reaktionen aus dem ausgelassenen Publikum. Er hielt sich an seinem Text und dem vorbereiteten Ablauf fest. Es wurden für ihn und die Teilnehmer der Veranstaltung sehr zähe 55 Minuten.
Was lernen wir daraus? Wer witzig ist, muss nicht auch automatisch spontan sein. Aber wer spontan ist, kann auch sehr witzig sein.

Ausrede Nr. 6: »Das war so nicht abgesprochen.«

Jetzt haben Sie uns, wie wir mit Zettel und Stift so an Ihrem Tisch stehen, einfach stehen gelassen und uns im Weglaufen noch zugerufen: »Das war so nicht abgesprochen.«
Kann es sein, dass Sie Angst haben, die Kontrolle zu verlieren? Traurig stammeln wir, dass es gar nicht darum ginge, die Kontrolle komplett abzugeben. Sie dürfen jederzeit selbst entscheiden, wie viel Kontrolle Sie abgeben. Nur ist es leider so, dass manches nicht kontrollierbar ist. Das Unerwartete lässt sich nicht kontrollieren und kommt - auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen - unerwartet. King Kong kommt um die Ecke oder die Kindergärtnerin ist krank, und dann wäre es doch schön, trotzdem handlungsfähig zu bleiben.
Hinter der Ausrede »Kontrollverlust« steht die Sorge, ab jetzt in das Chaos des Unvorhersehbaren abzutauchen und nur noch das tun zu müssen, was Ihnen gerade spontan in den Sinn kommt. »Schmitt und Voller haben das doch in ihrem Buch gesagt.« Sie befürchten, Ihren Kollegen, Freunden, ihrer Familie kein verlässlicher Partner mehr zu sein. Dabei fügen Sie nur eine weitere Facette zu Ihren Handlungsmöglichkeiten hinzu. Sie entscheiden nach wie vor selbst, wann und wie spontan Sie sind. Sie entscheiden auch selbst, wie Sie ab jetzt vorgehen: Ob Sie offen für Spontaneität sind, lieber geplant, gewohnt und sicher durchs Leben gehen oder einen Kompromiss eingehen. Bei unserem Zettel-Beispiel sieht der Kompromiss zum Beispiel so aus:
Wenn wir von unseren Zuschauern die Antwort bekommen: »Ich will nichts auf den Zettel schreiben«, dann sagen wir: »Toll, das ist doch schon ein Satz, schreiben sie DEN doch auf.« So waren Sie spontan und haben dennoch die Kontrolle behalten.
Trotzdem, die absolute Sicherheit gibt es leider nicht. Behalten Sie Ihr Ziel, Ihre Vision im Auge. Was möchten Sie erreichen und welche Methoden können dabei hilfreich sein? Manchmal ist es sinnvoll, genau nach Plan vorzugehen. Die Kunst besteht darin, im richtigen Moment den Plan beiseitezuwerfen und auf den Bauch zu hören bzw. sich auf die Situation einzulassen und spontan zu handeln. Dazu brauchen Sie Navituition.

Navituition

Vor einer Weile waren wir zu einem Training in der Nähe von Frankfurt unterwegs. Unser Flug hatte Verspätung. Um am gleichen Abend noch ein kurzes Gespräch mit unseren Kunden zu führen, mussten wir schnellstmöglich das Tagungshotel, etwa 100 Kilometer von Frankfurt entfernt, erreichen. Alles war genauestens geplant. Der Mietwagen mit Navigationssystem gebucht. Das Navi programmiert und los ging’s. Autobahn - Bundesstraße - Landstraße - ein kleines Dorf, in keinem Haus brannte noch Licht zu dieser späten Stunde, kein Mensch auf der Straße. Enge Einbahnstraßen. Nach einer Weile standen wir in der finstersten Nacht in einer Sackgasse, vor uns eine hübsche, akkurat und sauber gemauerte Wand, während die freundliche Stimme aus dem Navigationssystem uns anhielt, jetzt acht Kilometer weiter geradeaus zu fahren. Beim Wenden mischte sie sich wieder ein und drängte uns, bei der nächsten Gelegenheit umzudrehen. Es war Zeit, den Plan hinter uns zu lassen und spontan zu entscheiden. Wir schalteten das Navi aus und fuhren nach Gefühl zurück zur nächsten großen Straße. Von dort aus hangelten wir uns an Orts- und Straßenschildern entlang, die uns irgendwie bekannt vorkamen. Wir folgten den Schildern und landeten schließlich noch vor Mitternacht in dem Tagungshotel.
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Manchmal muss man seine Werkzeuge - Intuition und Navigation - geschickt und spontan kombinieren. Kopf oder Bauch? Navigation oder Intuition? Beides. Wir nennen es »Navituition«.
Was immer Ihr Plan ist, versuchen Sie ihn mit »Navituition« zu erreichen. Auf der Bühne improvisieren wir, um eine Geschichte zu erzählen. Sie nutzen Ihre spontanen Fähigkeiten, um andere Ziele zu verfolgen. Vielleicht wollen Sie auf der Karriereleiter weiter nach oben, Ihr erstes Buch schreiben, mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen, eine Weltreise machen, im Umgang mit Ihren Kollegen schneller und flexibler reagieren, mehr Kunden glücklich machen. Oder einfach nur mit mehr Spaß und Neugier durchs Leben gehen. Seien Sie sich Ihrer Ziele bewusst und erlauben Sie sich, den spontanen Weg einzuschlagen, aber zwingen Sie sich nicht dazu. Es geht nicht um die Frage »Bauch- oder Kopfentscheidung?«, sondern darum, welche Methode gerade besser geeignet ist, um ans Ziel zu gelangen. Navituition beinhaltet Bauch- und Kopfentscheidung. Seien Sie unkonventionell, überraschen Sie sich selbst und haben Sie Spaß dabei. Es funktioniert. Wir wissen, wovon wir sprechen.
Vielen Dank für Ihre Ausreden. Benutzen Sie sie ruhig mit einem wissenden Lächeln weiter, denn ab sofort sind Sie sich darüber im Klaren, was tatsächlich hinter den Ausreden steht.
Ach ja, nur für den Fall, dass Sie wissen wollen, was passiert, wenn man sich nur auf sein Navigationssystem verlässt und die Intuition ausschaltet. Hier zwei Beispiele:
Südkoreanische Touristen vertrauten ihrem Navigationssystem blindlings, als sie die Ostküste von Australien erkunden wollten. Nichts konnte sie stoppen - bis ihnen ein Sumpf in die Quere kam. Da verließen die Insassen schließlich doch ihren Wagen und schlugen sich zu Fuß durch ein Waldgebiet, bis sie von Waldarbeitern entdeckt und zurück in die Zivilisation geführt wurden. Die südkoreanischen Touristen, die kein Englisch sprachen, waren im Mietwagen von Brisbane nach Rockhampton an der Ostküste unterwegs, also rund 600 Kilometer. Das Navigationsgerät führte sie von der Autobahn zunächst auf unbefestigte Straßen und dann auf Waldwege. Sie ignorierten sämtliche Warnschilder, mussten mehrere Gatter öffnen und Felsbrocken aus dem Weg räumen und fuhren unbeirrt weiter, bis ihr Wagen im Cordalba-Wald bei Childers stecken blieb. Polizeichef Geoff Fay riet daraufhin Autofahrern, den gesunden Menschenverstand nicht auszuschalten, wenn sie mit Navigationsgerät unterwegs seien.
Ähnlich erging es einem 69-jährigen deutschen Rentner, der mit seinem Mercedes C-Klasse in einer Gasse im österreichischen Villach stecken blieb. Als er weder vor- noch zurückfahren konnte, verletzte sich der Senior auch noch. Weil es so eng war in der Gasse, wollte der Renter seine Seitenspiegel einklappen und klemmte sich dabei einen Finger zwischen Auto und Hausmauer ein. Villachs Feuerwehr und Polizei halfen ihm, sein Auto über den einzigen verbleibenden Weg - die Heckklappe des Wagens - zu verlassen. Der Rentner kommentierte sein Dilemma anschließend wie folgt: »Ich sah schon, dass es immer enger wurde, aber ich dachte mir halt, wenn das Navi das sagt, dann wird es schon passen.«

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Kurze Bestandsaufnahme: Das Leben fordert Ihnen immer wieder Spontaneität ab. Spontaneität ist der Schlüssel, um eingefahrene Wege zu verlassen, die zu innerer Unzufriedenheit führen. In einer Welt, die sich ständig wandelt, kann man es sich nicht leisten, still zu stehen und auf dem zu beharren, was mal funktioniert hat. Erinnern Sie sich an das Bild mit der Wippe. Sie müssen sich bewegen. Verstehen Sie uns nicht falsch, Sie sollen jetzt nicht hektisch jedem Trend hinterherrennen und auch nicht ständig auf Wippen balancieren - obwohl, warum eigentlich nicht? - und Sie sollen auch nicht genauso verrückt wie diese Welt werden. Aber wir würden uns freuen, wenn Sie in dieser verrückten Welt die Ruhe bewahren. Und zwar gerade dann, wenn es sich anfühlt, als wäre Ruhe grade ganz unmöglich. Vertrauen Sie darauf, dass Sie diesen Anforderungen locker gewachsen sind. Wie ein Porsche dafür gebaut ist, mit 280 Sachen auf der Autobahn zu fahren, genauso ist der Mensch dafür ausgerüstet, spontan zu sein, mit all den Ängsten und der Aufregung, die dazugehören.
Spontanes Handeln lässt sich nicht einstudieren. Man kann aber mit unerwarteten Situationen rechnen und deshalb in solchen Momenten etwas sicherer auftreten und handeln. Letztendlich ist es notwendig, eine spontane Grundhaltung zu verinnerlichen und immer wieder zu überprüfen, in welchen Situationen es sich lohnen könnte, spontaner zu sein: Trabe ich auf alten Anti-Spontaneitäts-Wegen dahin und will ich das? Oder möchte ich lieber etwas Neues ausprobieren und mehr Spannung und Action in mein Leben bringen? Vielleicht entscheiden Sie sich bewusst dafür, nach Plan zu handeln, dann aber auch mit dem Risiko, dass der Plan vielleicht nicht aufgeht.
Spontaneität ist kein Hexenwerk. Wir alle tragen die Anlagen dazu in uns und tun es bereits, ohne es immer gleich zu merken. Deshalb geht es darum, diese spontanen Momente wahrzunehmen und unseren Handlungsspielraum langsam zu erweitern. Sehen Sie Ihre Spontaneität als Werkzeug in Ihrem Werkzeugkoffer, das Sie bei Bedarf einsetzen können. Vielleicht müssen Sie nur schauen, wohin Sie dieses Werkzeug gerade verlegt haben - wir helfen Ihnen gerne bei der Suche.
Sportler müssen trainieren, um ihr Leistungsniveau zu halten. Spontane Menschen müssen trainieren, um spontan zu bleiben. Die schlechte Nachricht lautet also: Sie müssen üben, üben und noch mal üben. Nichts kommt automatisch ohne eigenes Zutun. So verhält es sich leider auch mit der Spontaneität. Vielleicht fällt es dem einen oder anderen leichter - sei es, weil er schon trainierter oder besonders talentiert ist. Egal, wer sich schwerer tut, muss mehr trainieren. Wir wissen aber, dass es jedem Menschen möglich ist, sich zu entwickeln und zu verändern. Sollten Sie sich in letzter Zeit zu sehr auf Ihre linke Gehirnhälfte verlassen haben, keine Panik, Sie haben Ihre rechte Gehirnhälfte noch. Legen Sie das Buch zur Seite und klopfen Sie mal an Ihre Schläfen. Hören Sie, wo es hohler klingt?
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Haben Sie jetzt wirklich an die Schläfen geklopft? Super! Sie sind auf dem richtigen Weg!

Ich will nicht auf die Bühne! Soll ich trotzdem weiterlesen?

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»Die ganze Welt ist Bühne
Und alle Frau’n und Männer bloße Spieler.
Sie treten auf und gehen wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen.«
William Shakespeare, »Wie es euch gefällt«


Ja! Sie sollen weiterlesen, denn Sie stehen jeden Moment auf der Bühne des Lebens, auf der es jeden Tag unzählige Vorstellungen gibt. Neue und alte Geschichten. Geschichten, bei denen wir spontan ausrufen möchten: »Das gibt’s doch gar nicht!« Aber doch, das gibt es: Den Stau mitten in der Nacht auf der Autobahn. Die plötzlich entflammte Liebe zu einer Schulfreundin, die man doch eigentlich schon 20 Jahre kennt. Die überraschende betriebsbedingte Kündigung. Der Lottogewinn. Viele schöne und unangenehme Situationen, die unerwartet auftauchen und auf die wir uns nicht vorbereiten können. Wir können uns aber darauf vorbereiten, DASS in unserem Leben Unerwartetes passiert. Oder noch besser, wir können uns daran gewöhnen, dass in unserem Leben Unerwartetes passiert. Ab jetzt sagen wir Ihnen vorher »Bescheid« und geben Ihnen Tipps, wie Sie sich darauf vorbereiten können, unvorbereitet zu sein. Alles klar? Alles klar!