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Das Paradoxe an einer Fußballplatzkantine ist, dass der Großteil des Publikums, das sich darin aufhält, so gar nichts Sportliches an sich hat. Ehrgeizige Eltern von mehr oder minder begabten Söhnen, sogenannte Vereinsmeier, die glauben, etwas zu versäumen, wenn sie nicht täglich auf dem Platz herumschnuppern, den Fußballsport selbst aber nie aktiv ausgeübt haben, Pensionisten, die für einige Stunden Unterhaltung bei billiger Konsumation suchen oder ehemalige Vereinsgrößen, die ihre Fitness schon längst dem Alkohol zuliebe zu Grabe getragen haben – das sind die Durchschnittsbesucher an einem normalen Wochentag. Während draußen auf den Trainingsplätzen der Schweiß fließt, riecht es drinnen nach Wein und Bier und die Sessel knarren unter der schweren Last, die sie zu tragen haben.

So war es auch jetzt, als Leopold und Korber nach dem unliebsamen Zwischenfall hereinschneiten, um sich zu stärken und ein wenig umzuschauen. Die anwesenden Gäste verteilten sich locker im Lokal. Natürlich hörte man immer wieder den Namen Ehrentraut und die ersten Mutmaßungen über sein Hinscheiden:

»Das war vorherzusehen, dass es so weit kommen würde.«

»Er hat sich seinen gewaltsamen Tod selber zuzuschreiben.«

»Das war sicher einer von diesen Betrunkenen, die gestern die Kantine gestürmt haben.«

»Meint ihr nicht, dass es sich da um eine Intrige höheren Ranges handelt? Ehrentraut war doch fast allen Funktionären ein Dorn im Auge.«

»Wart’s ab. Der hatte Schulden und auch privat viele Feinde. Warum soll es unbedingt einer vom Verein gewesen sein?«

Derart flogen die Kommentare hin und her, aber nichts Konkretes, nichts Genaues, nur schwammige Verdächtigungen in alle Richtungen. Leopold holte für sich und Korber bei der Schank ein Bier, dann setzten sich beide nach hinten an den freien Tisch neben Paul Wittmann, Lukas Hamm und einen weiteren Gast, einen gewissen Philipp Ziegler.

»Schau mal nach vorne«, raunte Leopold Korber zu. »Bertl Posch, der Kantinenwirt. Sonst spielt er immer mit einem Messer, aber heute hält er sich zurück. Es fehlt nämlich eins. Ist gestern verschwunden. Ist wahrscheinlich in Ehrentrauts Rücken gelandet.«

Korber musterte Bertl kurz beim Gläserabwaschen. »Du glaubst doch nicht, dass er etwas mit dem Mord zu tun hat?«, meinte er zu Leopold.

»Warum nicht? Erstens hatte er die besten Möglichkeiten, das Messer verschwinden zu lassen. Zweitens hat ihn Ehrentraut in dem Glauben belassen, er bekäme eine Option für die Kantine auf dem neuen Sportplatz. Aber Fehlanzeige, alles schon vergeben. Dabei bräuchte Bertl das Geld, seine Mutter liegt im Pflegeheim. Also hatte er, glaube ich, eine gehörige Wut auf unser Opfer. Drittens hat er für die Tatzeit kein Alibi. Und viertens glaubt sogar seine eigene Frau, dass er’s getan hat.

»Also ein Verdächtiger?«, fragte Korber und trank, wie es hier üblich war, aus der Flasche.

Ohne darauf einzugehen, sagte Leopold: »Schau bitte noch einmal hin. Wer ist die Gestalt, die einsam an der Schank steht und dort ihr Bier und ihren Weinbrand trinkt? Derselbe Mann, der schon gestern Abend zu uns ins Kaffeehaus hereingeschneit und dann zusammen mit den anderen auf den Platz gestolpert ist. Du kennst ihn doch von früher?«

Korber, der zuerst nur flüchtig hingeschaut hatte, betrachtete ihn jetzt genauer. »Das … das ist doch Harry Leitner«, stieß er überrascht hervor.

»Genau. Ehemaliger Flügelflitzer unserer Eintracht, dann leider nach einem bösen Foul gezwungen, seine Karriere zu beenden. Hat sich ordentlich verändert, was?«

»Tatsächlich. Wirklich nicht auf Anhieb zu erkennen.«

»Er war ja auch einige Jahre weg, in Linz, glaube ich. Immerhin interessant, dass er jetzt wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist und ständig um den Fußballplatz herumschlawinert.«

»Also auch ein Hauptverdächtiger?«

Wieder tat Leopold so, als habe er seinen Freund nicht gehört: »Pass auf, was ich dir jetzt sage, und behalte es für dich: Ehrentraut hatte einen Zettel mit seiner Telefonnummer im Koffer. Es scheint, als hätten die beiden in den letzten Tagen Kontakt miteinander gehabt. Die Frage ist natürlich, warum.«

Korber schien das alles nicht so ganz zu überzeugen: »Die kennen sich doch alle von früher. Leitner war mit Ehrentraut, Sturm und Moser verbandelt. Die drei Musketiere hat man sie genannt, und Leitner war der D‹Artagnan. Also, ich finde da nichts Besonderes dran. Das Einzige, was mir an Leitner auffällt, ist, dass er ziemlich versoffen ausschaut.«

Leopold wandte sich, nach wie vor in gedämpftem Plauderton, zu den Leuten am Nebentisch. »He, Fips«, redete er den neben Wittmann und Hamm sitzenden Philipp Ziegler an, einen besonders vom Übergewicht geplagten Mann mit starken Schweißflecken unter den Achseln, der gerade einen mächtigen Zug aus der Bierflasche nahm. »Weißt du vielleicht, was unseren lieben Harry zurück nach Wien getrieben hat?«

›Fips‹ Ziegler drehte sich zu Leopold und antwortete: »Er hatte großes Glück, wenn man das als Glück bezeichnen kann: Seine Mutter hat das Zeitliche gesegnet. Er bekommt jetzt als einziges Kind das bisschen Geld, das übrig ist, und was noch wichtiger ist, ihre Wohnung. In Linz ist er ja knapp vor der Delogierung gestanden.«

Harry Leitner war nach der verletzungsbedingten Beendigung seiner sportlichen Karriere verbittert nach Linz gezogen, wo er ein paar Freunde hatte. Aber er hatte es nie richtig geschafft, dort ein neues Leben anzufangen. Er hatte zu trinken begonnen, den Führerschein, seinen Beruf als Taxifahrer und somit immer mehr Boden unter den Füßen verloren. Erst vor einem Jahr hatte man eine Schlagzeile über ihn in der Zeitung lesen können: ›Ehemaliger Fußballer randaliert in Linzer Innenstadt‹. Da erinnerten sich wieder alle an ihn: Harry, der Flügelflitzer von der Floridsdorfer Eintracht. Geblieben waren eine bedingte Strafe und der Schaden, den er zu ersetzen hatte. Der hatte ihm wohl letzten Endes das Genick gebrochen.

»Schau ihn an«, raunte Fips zu Leopold hinüber. »Schau ihn dir bloß an. Der ist arm dran. Da wird nichts mehr draus. Für kurze Zeit hat er vielleicht sein Auskommen, aber dann? Den kann man sich doch in keiner Arbeitswelt mehr vorstellen.«

»Sag, wie war das damals mit dem Foul eigentlich wirklich?«, fragte Leopold jetzt.

»Der Spieler hat Zeleny geheißen«, sagte Fips.

»Stimmt nicht. Zelenka«, meinte Hamm.

»Nein, Zeleny«, wehrte sich Fips.

»Er hat recht«, bemerkte Wittmann zu Hamm.

»Von mir aus. Er hat jedenfalls dieses Foul gemacht, brutal und unmenschlich. Ist dem Harry voll gegen das Schienbein gefahren und hat durchgezogen. Ganz genau wissen wir’s halt nicht, weil wir das Match nicht gesehen haben. Der Harry hat ja nicht mehr bei uns gespielt«, erläuterte Hamm.

»Er war in dieser Saison bei Olympia Meidling«, kam es nun wiederum von Wittmann.

»Nein, bei Margareten«, korrigierte Hamm. »Hundertprozentig.«

»Also, soweit ich mich erinnere, war er bei Meidling«, sagte Wittmann.

Hamm schüttelte den Kopf. »Nein, war er nicht. Ich weiß das deshalb so genau, weil Sturm in diesem Jahr Trainer von Margareten war.«

»Aber Harry wollte doch zu Meidling gehen«, warf Fips ein.

»Stimmt«, bestätigte Hamm. »Er hat sich letztlich aber für Margareten entschieden, wegen seinem Freund Sturm. Und dann kam dieses unglückselige Spiel gegen Hernals.«

»FC Pötzleinsdorf«, verbesserte ihn Wittmann. »Zeleny hat in dieser Saison bei Pötzleinsdorf gespielt.«

»Wirklich?«, fragte Fips ungläubig.

»Sag, habt ihr alle überhaupt keine Ahnung mehr?«, wurde Wittmann lauter. »Das Match war damals draußen auf der ›Roten Erde‹[14]. Da lasse ich mich hineinstechen, wenn das nicht stimmt.« Dabei deutete er unmissverständlich auf seine Halsschlagader.

Also Harry Leitner bei Margareten gegen Zeleny von Pötzleinsdorf, versuchte Leopold seine Gedanken zu ordnen, während die Diskussion immer intensiver wurde. Vereins- und Spielernamen flogen in der Runde nur so hin und her, und es ging die Jahre auf und ab, weil jeder sein Fachwissen einbringen wollte. »Hat das Foul irgendwelche Folgen gehabt?«, fragte er schließlich vorsichtig.

»Ja, für unseren armen Harry«, lachte Fips Ziegler lakonisch. »Der hat seine Fußballschuhe an den Nagel hängen können. Aber wenn du Zeleny meinst, so ist er bis auf eine Sperre von zwei Spielen …«

»Von drei Spielen«, schnarrte Hamm unbarmherzig.

»Na schön, also von drei Spielen, ungeschoren davongekommen. Damals ist noch nicht jedes Spiel mit einer Videokamera aufgezeichnet worden, und der Schiedsrichter – übrigens ein ganz junger Schnösel…«

»Der junge Birke, sag’s doch gleich«, unterbrach Wittmann.

»Darf ich jetzt ausreden oder nicht?«, wurde Fips ungeduldig. »Der Schiedsrichter war einfach überfordert, hat offensichtlich keine Verletzungsabsicht attestiert. Damit hat für unseren Harry nichts herausgeschaut, und es ist bald Gras über die Geschichte gewachsen.«

»Und dann hat er sich die falschen Freunde gesucht, ist fort aus Wien und total abgestürzt«, nickte Wittmann zustimmend.

»Aber irgendwo gibt es immer eine höhere Gerechtigkeit«, murmelte Fips Ziegler nahezu pietätvoll. »Ihr wisst ja, meine Herren, diesen Zeleny hat das Schicksal letzten Endes auch erwischt.«

Jetzt nickten alle, nur Leopold und Korber sahen etwas ratlos drein.

»Er ist etwa ein Jahr später ertrunken«, klärte Fips sie auf. »In seiner eigenen Badewanne. Er war schwer alkoholisiert. Angeblich hat er sich nicht einmal die Unterhose ausgezogen. Er muss ausgerutscht und mit dem Hinterkopf gegen den Wannenrand gedonnert sein. Dann war er bewusstlos und … na ja.«

»Möchte wissen, wie viele Fußballer während oder nach ihrer Karriere zu Trinkern geworden sind«, sinnierte Korber.

»Und ich möchte wissen, wie viele Fußballer und Fußballfunktionäre schon auf abenteuerliche Weise zu Tode gekommen sind«, sagte Leopold und brachte das Gespräch damit mühelos auf die Ermordung Ehrentrauts. Alle möglichen Fragen, ob die Fusionspläne etwas damit zu tun hätten , ob es jemand vom Verein gewesen sein könnte oder ein Unbekannter, wurden angeschnitten und durchdiskutiert. Schließlich kam man auch auf Klaus Stary zu sprechen, dessen Hoffnungen, Nachfolger Ehrentrauts zu werden, kein Geheimnis mehr waren.

»Ich glaube, der dient im Augenblick nur als billige Attrappe«, winkte Fips ab. »Brown lässt ihn ein bisschen fuhrwerken, damit es so aussieht, als bleibe die Eintracht für ihn ein gleichberechtigter Partner. Dann kommt ein ganz anderer als seine rechte Hand – nämlich einer von den Kickers.«

»Glaubst du?«, fragte Wittmann. »Moser war jedenfalls ganz Feuer und Flamme für Stary. Kein Wunder, gleich und gleich gesellt sich gern. Stary würde sich stärker für Moser als Jugendleiter des neuen Vereins einsetzen als Ehrentraut. Dem war Moser zu grob. Und da, muss ich sagen, hat er recht gehabt.« Dann, nach einer kurzen Pause: »Ich kann mir nicht helfen, aber Stary und Moser kommen mir schon irgendwie verdächtig vor.«

»Herrschaften, ich bitte euch, nicht schon wieder von einer Fusion zu reden, die wir doch alle miteinander verhindern können«, mahnte Hamm. »Wenn uns das gelingt, können Stary und Moser dort hingehen, wo der Pfeffer wächst. Dann wird wieder Alfred Sonnleitner sagen, wo’s lang geht, der sich jetzt klarerweise im Hintergrund hält.«

Im selben Augenblick kam Helmut Sturm im blauen Trainingsanzug zur Tür herein. Er war schlank, groß und durchtrainiert. Obwohl er älter als Harry Leitner sein musste, wirkte er im direkten Vergleich deutlich jünger. Er holte sich eine Flasche Mineralwasser und ein Glas, zündete sich eine Zigarette an und stellte sich an einen der beiden Stehtische links vom Eingang. Er blies den Rauch gedankenverloren in die Luft und machte ein paar Schlucke. Es sah so aus, als wolle er sich vor dem Training der Kampfmannschaft ein paar Augenblicke in vertrauter Umgebung entspannen.

Aber kaum hatte er sich so beinahe lässig mit den Ellenbogen auf das Tischchen gelehnt, eilten Hamm und ein junger, bisher unauffällig gebliebener Eintracht-Anhänger auf ihn zu. Sie versuchten mit nicht zu übersehender Aufdringlichkeit, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Es schien, als hätten sie nur auf sein Erscheinen gewartet. Sturm setzte einen freundlichen Gesichtsausdruck auf, aber gleichzeitig unterband er alle Ansätze, ihm eine entscheidende Auskunft herauszulocken. »Nein, meine Herren«, hörte man ihn mit unterdrückter Lautstärke sagen. »So verstehen Sie doch … Dazu gibt es keinen Kommentar … Selbstverständlich … So warten Sie’s doch einmal ab … Ich muss zum Training … Meine Herren, ich muss schon sehr bitten …«

»Wie ich mir’s gedacht habe, der lässt sich nichts herauslocken«, befand Wittmann kopfschüttelnd.

»Was wollen Sie ihm denn herauslocken?«, fragte Leopold.

»Am Freitag ist ja dieses öffentliche Training mit Freibier«, redete Wittmann jetzt zu ihm wie zu einem Ahnungslosen. »Da wird Brown zunächst einmal Werbung für seinen 1. FC Floridsdorf machen. Aber er will sich auch bei der Mannschaft vorstellen. Na, dämmert’s dir bereits? Es ist doch klar, dass er sie ein wenig auf das Spiel am Sonntag einstimmen wird: Braucht euch nicht anzustrengen, wird euer Schaden nicht sein, und so weiter. Und einige von uns wollen eben wissen, wie der Trainer zu der Sache steht.«

»Sie meinen, die Eintracht könnte das Derby absichtlich verlieren«, kam Korber die Erleuchtung.

»Das steht zu befürchten. Jedenfalls wird Brown den Spielern einreden, dass es hier nicht um die Ehre geht, sondern um neue Verträge und vielleicht um ein gewisses – ich nenne es ›Einstandsgeld‹ – für jeden. Wer soll einer solchen Versuchung widerstehen?«, fragte Wittmann theatralisch.

»Ich kenne den Helmut«, sagte jetzt wieder Fips. »Er ist ein ehrlicher Kerl. Er will, dass die Eintracht Eintracht bleibt, auch wenn er sie bald verlässt, glaubt es mir. Mit Schiebereien hat der nichts am Hut.«

»Da lasse ich mich hineinstechen, wenn am Sonntag alles ehrlich zugeht.« Wittmann zeigte erneut auf seine Halsschlagader.

Unterdessen war Sturm noch immer in die Diskussion mit Hamm und dem jungen Fan verwickelt. Das Lächeln war inzwischen aus seinem Gesicht gewichen. Mit einem kurzen »So«, begleitet von einem kräftigen Nicken mit dem Kopf, verschaffte er sich Luft und ging zur Theke, um die leere Mineralwasserflasche und das Glas zurückzubringen.

Vorne klopfte er dem vor sich hindämmernden Harry Leitner auf die Schulter. »Trinkst du noch was, mein Freund?«, fragte er.

Leitner schob mechanisch sein Glas vor.

»Gib ihm ein Bier und einen Schnaps dazu. Geht auf mich«, rief Sturm kurz Bertl Posch zu. Dann eilte er hinaus zum Training.

Mit jenem Grinsen, das bei ihm so schwer zu deuten war, stellte der Posch Bertl Harry Leitner stumm eine Flasche Bier hin und schenkte ihm einen Schnaps ein.

 

*

 

Leopold und Korber waren nun wieder draußen und schlenderten gemächlich vom Platz der Eintracht Floridsdorf weg.

»Ich weiß nicht, die ganze Sache ist reichlich verwirrend«, murmelte Korber grübelnd.

»Wieso denn? Wir haben doch jede Menge nützlicher Informationen erhalten«, rief Leopold überrascht.

»Das ist es ja. Es gelingt mir nicht, eine Ordnung in die Dinge zu bringen. Wie du dann plötzlich sagen kannst, der oder die ist der Täter, hat mich immer schon verblüfft.«

»Da schaust du, was, Herr Lehrer? Aber im Grunde wirst du zugeben müssen, dass die Sache ziemlich einfach ist.«

»Ach so?« Korber klang nicht sehr überzeugt.

»Ist alles kein Mirakel. Man muss sich eben auf das Wesentliche konzentrieren. Das verlangst du von deinen Schülern doch auch, oder?«

»Wie meinst du das?«, fragte Korber skeptisch.

»Thomas, bitte, zeige einen Funken mehr Engagement. Wir waren soeben mit jeder Menge Personen beisammen, die für den Mord infrage kommen. Ich nehme an, das ist dir auch aufgefallen. Jetzt brauchst du dir nur im Geist eine Liste zu machen, wer das alles war.«

Korber dachte kurz nach. »Da waren einmal Hamm, Ziegler und Wittmann«, begann er aufzuzählen.

»Gut. Das sind zwar die Leute, von denen wir am meisten erfahren haben, aber wer weiß. Vielleicht ist einer von ihnen in die Sache verwickelt. Weiter.«

»Dann waren da außerdem der Posch Bertl, Leitner und Sturm, Moser und Stary.«

»Sehr schön. Das war einmal der erste Schritt. Der zweite Schritt lautet: Wer hatte die Möglichkeit?«

»Alle«, sagte Korber, ein wenig irritiert durch die Einfachheit der Antwort.

»Richtig«, dozierte Leopold weiter. »Daher nun zum dritten und wichtigsten Schritt: Wer hatte welches Motiv für den Mord?«

»Den Anhängern, so wie Hamm oder Wittmann, war Ehrentraut wegen der Fusion ein Dorn im Auge. Der Posch Bertl hatte Streit mit ihm wegen der Kantine.«

»Genau. Bei Leitner und Sturm wird es schon schwieriger. Immerhin hatte Ehrentraut Harrys Nummer auf einem Zettel stehen. Leicht möglich, dass er sich mit ihm getroffen hat und sie eine Auseinandersetzung wegen einer Sache hatten, von der wir nichts wissen. Und Sturm? Vielleicht ist er tatsächlich ein Fusionsgegner, der sich deswegen mit Ehrentraut überworfen hat, oder es ging um irgendwelche anderen Machenschaften.«

»Stary könnte sich aus irgendeinem Grund Hoffnungen auf Ehrentrauts Posten gemacht haben, und Moser dürfte nicht seine erste Wahl für den Nachwuchsleiter gewesen sein«, vervollständigte Korber stolz. »Aber das sind ja längst nicht alle Verdächtigen. Denk nur an Joe Brown. Der ist unberechenbar und war in der Mordnacht auch da. Oder an Alfred Sonnleitner, der Ehrentraut nicht riechen konnte. Und überhaupt: Jeder könnte durch den Zaun gekrochen sein.«

»Sehr gut«, lobte Leopold. »Das heißt?«

»Das heißt, dass es auch seine Ehefrau Bettina gewesen sein kann«, meinte Korber erschrocken.

»Zum Beispiel«, bestätigte Leopold.

Korber schüttelte den Kopf. »Siehst du, es wird schon wieder verwirrend, alle Spuren und Indizien laufen durcheinander. Und in dem Augenblick, wo ich mich am wenigsten auskenne, ziehst du dann wahrscheinlich wie aus dem Nichts den Mörder aus dem Hut. Ganz hast du mir immer noch nicht verraten, wie du das machst.«

»Natürlich erfolgt dann ein weiterer Schritt, lieber Thomas«, setzte Leopold seine Belehrung amüsiert fort. »Es gilt, zwischen den wesentlichen und unwesentlichen Fakten zu unterscheiden. Das ist der Vorgang, den Leute wie du immer Glück, Zufall oder Intuition nennen. Aber der geübte Kriminalist sondiert aus und hakt dort nach, wo sich ihm nach und nach die ganze Bandbreite des Geschehens eröffnet. Das ist ganz normal, das tut die Polizei auch. Leute wie ich sind dabei vielleicht einen Deut unauffälliger und wirken dadurch wie von der Fortuna geküsste Scharlatane, wenn sie die Lösung präsentieren.«

Korber dachte kurz nach. »Wenn ich jetzt sondieren müsste, würde ich sagen: Der Stary war’s«, behauptete er dann.

»Und wie kommst du darauf?«

»Ganz einfach: Der Bursche ist aggressiv, lässt sich leicht zu etwas provozieren. Er hatte ein Motiv, wie wir gerade festgestellt haben. Er besitzt die Kaltblütigkeit für eine solche Tat. Außerdem sind Frauen, mit denen ich gerade ein wenig näher zu tun habe, in letzter Zeit öfters irgendwie in einen Kriminalfall verwickelt gewesen.«[15]

Leopold lächelte. »Nett, dass du dein poetisches Pantscherl[16] mit Manuela Stary zugibst, aber von einer wirklichen Deduktion bist du natürlich meilenweit entfernt. Deine Ausführungen beweisen nur eines, nämlich dass ich recht habe, wenn ich sage, dass du deine Finger von der Nachhilfe und dem ganzen Drumherum lassen solltest.«

»Ich kann doch Reinhard jetzt nicht im Stich lassen«, protestierte Korber.

»Das Kind ist verweichlicht. Es muss auch so gehen. Wer hilft ihm denn später?«, beharrte Leopold.

»Du weißt gar nicht, was für einen Unsinn du daherredest. Da kannst du dich gleich mit Reinhards Vater auf ein Packerl hauen[17].« Korbers Ton wurde schärfer.

»Und du bist nur auf die Mutter aus. Du bist ja schon ganz gedichtsblöd«, stand ihm Leopold um nichts nach.

»Herr Professor Korber«, rief in diesem Augenblick eine jugendliche Stimme hinter ihnen, die ihre frühere Helligkeit noch ahnen ließ, aber gerade einem starken Veränderungsprozess unterworfen war. Reinhard Stary lief, vom Fußballplatz kommend, auf Leopold und Korber zu und blieb vor ihnen stehen.

»Reinhard! Was ist?«, fragte Korber verwundert.

»Es tut mir leid wegen meinem Vater«, entschuldigte sich Reinhard. »Ich habe mitbekommen, wie er sich Ihnen gegenüber danebenbenommen hat. Echt peinlich.«

»Du kannst doch nichts dafür«, beruhigte Korber ihn.

»Ich weiß. Trotzdem …« Reinhard überlegte kurz. »Er meint es wahrscheinlich nicht so«, sagte er dann.

»Vielleicht ist es doch besser, wenn ich ihm aus dem Weg gehe?«

»Vielleicht. Aber bei unserer Stunde bleibt es. Er kommt ohnedies immer spät nach Hause. Und jetzt hat er, glaube ich, viel im Verein zu tun.«

»Wir machen einfach so weiter wie bisher, okay?«

Reinhard nickte. Die Geschichte schien für ihn erledigt, da meldete sich Leopold, der ein wenig missmutig sah, wie seine Warnungen von Korber in den Wind geschlagen wurden, zu Wort. »Einen Moment, lieber junger Mann«, sagte er. »Ich bin ein guter Freund von deinem Nachhilfelehrer, und durch meine Vermittlung sind deine Stunden mit ihm gewissermaßen erst zustande gekommen. Deshalb wäre es nett, wenn du mir einige Fragen beantworten würdest, wenn es deine Zeit erlaubt.«

›Oh Gott‹, dachte Korber. ›Jetzt geht das wieder los.‹

Reinhard schaute Leopold ein wenig irritiert an.

»Ich war bei dem Streit zwischen deinem Vater und meinem Freund dabei«, fuhr Leopold fort. »Aber ich habe auch bei eurem Training zugeschaut. Mich interessiert, wie ernst so ein Junge wie du die Sache mit dem Fußball eigentlich nimmt. Willst du einmal ein großer Spieler werden?«

Reinhards Augen begannen zu funkeln. »Oh ja«, antwortete er.

»Du tust das Ganze nicht etwa nur deinem Vater zuliebe?«

»Nein«, antwortete Reinhard jetzt leiser, vorsichtiger.

»Du gehst also immer regelmäßig zum Training?«

»Ja«, kam es beinahe gereizt aus Reinhards Mund.

»Stimmt nicht«, sagte Leopold. »Gestern bist du zu Hause geblieben. Und darum war der Trainer heute auch sauer auf dich.«

Reinhard fühlte sich sichtlich nicht wohl in seiner Haut. Warum fragte der Mensch neben ihm so viel? »Der ist immer sauer«, stieß er kurz hervor.

»Und deshalb gehst du zum Training, wann du willst?«

»Ich gehe nicht zum Training, wann ich will, ich gehe immer. Aber gestern …«

»Gestern?«, wiederholte Leopold lauernd.

»Warum soll ich Ihnen darüber etwas sagen?«, trotzte Reinhard.

»Weil es mir wirklich vorkommt, als sei der Fußball nur eine Belastung für dich. Du spielst, weil dein Vater es will, gib es doch zu. Du zeigst keinen Einsatz, mein Junge, das ist sogar mir aufgefallen. Du würdest lieber heute als morgen mit dem Ganzen aufhören.«

»Das ist nicht wahr«, schrie Reinhard jetzt. »Gestern hat es mir einfach gestunken.«

»Aus welchem Grund?«

»Leopold«, versuchte Korber, seinen Freund zu bremsen.

Aber der bohrte ungeniert weiter: »Aus welchem Grund? Es ist wichtig, dass du mir antwortest, glaube mir. Weil du dir selbst darüber klar werden musst, was du willst, ob du dich weiterhin neben der Schule mit etwas abmühen möchtest, das dir keinen Spaß macht.«

Reinhard wollte in erster Linie diesem fremden Mann keine Auskunft geben, man sah es. Sein Verstand wehrte sich dagegen, aber seine Emotionen suchten ein Ventil, durch das sie ins Freie konnten. »Der Trainer macht uns nur fertig«, platzte es aus ihm heraus. »Das ist ein sadistisches Schwein. Und jetzt hat er es auf mich abgesehen, weil ich am Sonntag ein Tor in der letzten Minute verschuldet habe. Angeblich! Da waren aber andere auch daran beteiligt.«

»Da haben wir’s, der Trainer ist schuld.« Leopold behielt seinen provokanten Ton bei. »Das hört man oft, wenn es die Spieler nicht mehr freut, oder wenn sie Fehler machen. Und dann bleibt man einfach vom Training zu Hause.« Er schüttelte den Kopf. »Das wird nichts, junger Freund. Kein Ehrgeiz, keine Selbstkritik. Ich rate dir, gib’s auf.«

»Wie würden denn Sie reagieren, wenn jemand Sie vor allen fertig macht – im Duschraum, wo man so schön nackig vor den anderen dasteht. Würden Sie nicht kurz einmal drauf pfeifen?«, fragte Reinhard jetzt sichtlich gereizt.

»Das sehe ich schon ein, dass einen das kränkt, und besonders intelligent vom Trainer ist es zugegebenermaßen auch nicht«, wurde Leopold kurz sanfter. Doch sofort setzte er einen drauf: »Aber sonst bist du ja nicht so verklemmt. Ich hab gehört, du hast dich sogar nackig fotografieren lassen.«

»Das war doch etwas ganz anderes. Das war ein Spaß, hören Sie, ein Spaß«, verteidigte sich Reinhard.

»Du mochtest Ehrentraut, nicht wahr?«

»Was soll diese Frage? Sie … Sie interessieren sich gar nicht für meine fußballerische Laufbahn. Sie wollen mich nur ausfratscheln. Aber das ist mir zu blöd. Ich sage jetzt nichts mehr, hören Sie? Überhaupt nichts mehr.«

Reinhards Augen suchten Hilfe bei Thomas Korber. Der wusste nicht so recht, was er tun sollte, und murmelte nur: »Leopold meint es nicht so.«

»Leopold meint es durchaus so«, korrigierte ihn sein Freund. »Leopold hat nämlich Ehrentrauts Leichnam gefunden und weiß, dass alles, was ihn betrifft, jetzt von öffentlichem Interesse ist. Es wäre unklug, solche Dinge geheim zu halten. Die Polizei fragt überall herum, auch zu dir wird sie kommen. Man hat eure Fotos nämlich in Ehrentrauts Koffer gefunden. Die Polizei ist in ihren Methoden nicht gerade zimperlich. Ich möchte nur, dass du dich dort nicht verplapperst. Also: Erzählst du mir noch etwas, oder nicht?«

»Wir haben Bier getrunken«, begann Reinhard mit einem leichten Seufzer. »Ehrentraut hatte Geburtstag. Nach unserem Training kam er zum Duschraum nach hinten und brachte ein paar Flaschen mit. Wir waren locker, ich begann mit Charly Silber zu balgen und herumzublödeln. Dann sahen wir, dass Ehrentraut auf einmal einen Fotoapparat dabeihatte und Bilder machte, aber wir dachten uns nichts dabei. Er fragte, ob er Fotos von uns machen dürfe mit den Bierflaschen in der Hand, als Erinnerung sozusagen. Wir waren schon ziemlich übermütig und haben ihm den Gefallen getan.« Dabei senkte er leicht die Stimme.

»Und dann hat er euch ein weiteres Bier spendiert, und ihr wart noch lockerer.«

»Ja, so war es. Wir waren eben gut drauf. Vielleicht sind wir uns am nächsten Tag ein bisschen blöd vorgekommen, aber was sollte schon sein? Wer konnte ahnen, dass es einmal ein solches Tamtam um die Fotos geben würde. Es war ein Spaß, nicht wie bei Moser, wo man nur zur Sau gemacht wird. Moser hat sich dann übrigens bei Ehrentraut beschwert, weil wir eine Bierfahne gehabt haben.«

»Was, der war auch dabei?«

Reinhard machte eine wegwerfende Handbewegung. »Nein, er hat’s aber bemerkt, als wir aus der Kabine kamen und sich wieder einmal fürchterlich aufgeregt. Ehrentraut hat uns in Schutz genommen. Manchmal hat er uns geholfen, wenn Moser grob war. Darum habe ich ihn gemocht.« Auf einmal schien ihm ein besorgniserregender Gedanke zu kommen. »Wird mein Vater eigentlich von der Sache erfahren?«, fragte er kleinlaut.

»Es wird sich leider nicht verhindern lassen«, meinte Leopold. »Es geht jetzt eben um Mord, um eine Extremsituation sozusagen. Aber Kopf hoch, so schlimm wird’s, denke ich, nicht werden. Dass sich die Sache so entwickelt hat, dafür kannst du nichts.« Dabei gab er Reinhard einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter.

»Wenn mein Vater das bloß auch weiß«, sagte Reinhard. Dann verabschiedete er sich von Leopold und Korber mit einem leisen »Tschüss«, ehe er seine Beine in die Hand nahm und von ihnen weglief, als könne er die dumme Episode aus seiner Vergangenheit damit abschütteln.

»Du hättest wirklich nicht so hart mit ihm umspringen sollen«, meldete sich Korber jetzt wieder zu Wort.

»Du bist vielleicht ein Weichei«, erwiderte Leopold. »Ich versuche immer, mir dich in der Schule vorzustellen, wie du alle diese Racker mit Glacéhandschuhen anfasst. Bekommst du überhaupt etwas heraus aus ihnen mit deiner Sanftmut? Manchmal bezweifle ich das wirklich. Ich habe deinem Reinhard nur geholfen. Jetzt weiß er wenigstens, wie er dran ist, und was auf ihn zukommt. Und wir wissen auch wieder ein bisschen mehr.«

»Ich hoffe, sein Vater macht ihn jetzt nicht vor der Englischprüfung damit fertig.«

»Das wird er nicht, verlass dich drauf.«

»Wie kannst du dir so sicher sein?«, fragte Korber ungläubig.

»Weil die Sache für ihn nicht neu ist«, antwortete Leopold. »Er hat sicher schon davon erfahren. Überhaupt wissen von den Fotos wahrscheinlich mehr Leute, als wir ahnen.«

 

*

 

Langsam vor sich hinschreitend waren Leopold und Korber vor dem Kaffeehaus angekommen. »Schaust du auf einen Sprung mit hinein?«, fragte Korber.

Leopold winkte ab. »Du weißt, das tue ich nicht gern, denn es gehört sich nicht«, bemerkte er nur knapp.

Worauf er sich bezog, war die allgemeine Unsitte unter Obern und anderen Servierkräften, auch in der freien Zeit in das Lokal zu kommen, wo man angestellt war, und eines oder mehrere Gläser zu trinken. In billigen Kneipen sollte das oft auf das ›familiäre Klima‹ im Betrieb hinweisen. Man becherte dort Tag für Tag mit den Kollegen, einmal stand man dabei hinter der Theke, dann wieder davor. Arbeit und Freizeit verschwammen so in ein promillehaltiges Einerlei, das bei den Saufkumpanen vom Stammpublikum noch hingehen mochte, sonst aber nur von ziemlicher Niveaulosigkeit und bedauerlichem Stumpfsinn zeugte. Nicht selten endete die Angelegenheit in einem Streit mit den eigenen Gästen, der sich bis zur handfesten Auseinandersetzung ausweiten konnte.

Abgesehen davon, dass solche Dinge im Heller gar nicht möglich waren, lag Leopold eine saubere Trennung zwischen Dienststelle und Stammlokal am Herzen. Auch wenn er sich nicht gerade zum trinkfesten Teil der Menschheit zählte: Man konnte sich nicht einfach in Privatkleidung mir nichts, dir nichts mit einem Bier an denselben Tisch setzen, auf den man zuvor einen Kaffee serviert hatte. Es konnte eine schlechte Nachrede geben. Man würde unter Beobachtung von Frau Heller stehen. Alles, was man redete oder tat, würde einer genauen Prüfung standhalten müssen. Es gehörte sich nicht.

Dass man sich ab und zu von einem Gast auf ein Glas einladen ließ, wenn die Sperrstunde näherrückte, hob den Umsatz und zeitigte für gewöhnlich keine schlimmen Folgen. Dass man sich nach Arbeitsschluss ein Krügerl genehmigte, während man aufräumte und die Abrechnung machte, das hatte man sich verdient. Dass man aber dort, wo man sonst als Ober dafür sorgte, dass alles seine Ordnung hatte, einfach mit seinem Freund als Privatperson auftauchte, um einen zu heben …

»Es gehört sich wirklich nicht«, wiederholte Leopold gegenüber Korber. »Und du solltest auch schauen, dass du nach Hause kommst. Ich vermute, morgen steht trotz meiner warnenden Hinweise wieder ein kleines Gedicht an, und da ist es gut, wenn man einen klaren Kopf hat.«

Korber gab sich, scheint’s, geschlagen und verabschiedete sich ohne weitere Umschweife. Leopold schwang sich auf sein Fahrrad, das er vor dem Heller abgestellt hatte. Aber sein Weg führte ihn noch nicht zu seiner Stammersdorfer Wohnung.

Er fuhr zunächst zum Schlingermarkt, dann zurück zum Bahnhof Floridsdorf, schließlich zu den Lokalen am Anfang der in einer Gabel vom Floridsdorfer Spitz wegführenden Prager und Brünner Straße. Überall, in all den kleinen und dusteren Kneipen, die lange offen hielten, kehrte er auf einen Sprung ein, trank Kaffee, dann wieder einen Gespritzten, manchmal ein Mineralwasser. Er redete mit den Wirten, den Kellnern, den Stammgästen. Spät, spät erst ging es Richtung Heimat.

Leopold kam mit dem Gefühl zu Hause an, erfahren zu haben, was er wollte, und noch ein wenig mehr. Aber es war zu früh, daraus einen bestimmten Schluss im Fall Ehrentraut zu ziehen. Wie immer in solchen Augenblicken beschloss er deshalb, die weitere Entwicklung abzuwarten und die Dinge erst einmal für sich zu behalten.