LARS ARDELIUS

An Bord

Es gibt Leute, die wie Fische sind«, sagte ich und sah mich vor, damit ich nicht in Abfälle hineintrat. »Sie haben kein Blut.«

Mein frischgebackener Bekannter, der Jäger, war stehengeblieben und lehnte sich gegen die niedrige Steinbarriere, die etwa fünfzig Meter weit auf die Pier hinauslief. Vor uns, in der >tiefen, samtweichen Dunkelheit, bewegte sich eine Fackel.

Sollte ich seinen Arm berühren, ihn vielleicht sogar im Nacken kitzeln? Nein, keine Dummheiten. Er könnte sich erschrecken, er war ja noch so jung, nur zwanzig und etwas. Herrgott, das reine Kind!

»Hallo«, sagte ich leise. »Träumst du?«

»Schau«, antwortete er. »Da draußen schwimmt jemand mit einer Fackel.«

Ich mußte lächeln.

»Nein, er schwimmt nicht«, sagte ich. »Er geht. Es ist jetzt Ebbe. Es ist ein Japaner, der da herumstiefelt und etwas Eßbares sucht.«

»Ein Japaner? Hier in Las Palmas?«

»Sie haben große Boote, Trawler. Sie liegen hier draußen, weiter oben an der Pier. Komm, wir wollen hingehen.«

Noch einmal wollte ich seinen Arm ergreifen, hielt mich aber rechtzeitig zurück.

»Ich sehe sie«, sagte er, blinzelte auf eine lustige Art mit den Augen und strich sich hastig über sein ungebärdiges Haar. »Sie sind’s, die mit eingeschalteten Scheinwerfern da draußen liegen.«

Auf der Pier selbst gab es keine Beleuchtung, aber der Mond stand hoch am Firmament, und es war nicht schwer, sich zwischen den verlassenen Zugkarren mit ihren abspreizenden Deichseln und den hohen Stapeln von Fischkisten zurechtzufinden. Am Quai, auf beiden Seiten, lagen kleine spanische Fischerboote, die sich langsam in der schwachen Dünung hoben und senkten und spielerisch an ihren Vertäuungen zogen.

Plötzlich begegneten wir einer Gruppe von Japanern. Sie unterhielten sich leise und gingen alle in der gleich eigentümlichen, schlurfenden und schleppenden Art dahin.

»Seid vorsichtig jetzt, Jungs«, sagte ich ihnen auf Schwedisch, gerade als sie vorbeigingen, und sie drehten sich alle um, und einer von ihnen winkte mir fröhlich zu, als hätte er mich verstanden.

Wir gingen weiter, nein, der Jäger war wieder stehengeblieben.

»Still«, sagte er. »Was ist da zu hören? Es müssen Wellen sein. Es klingt genauso wie im Wald.«

Obwohl es fast vollständig windstill war, konnte man tatsächlich vom Meer her ein starkes Brausen hören. Die Luft war feucht, roch aber dennoch nach Staub. Nach Staub und Fisch. Es war immer noch warm, aber nicht drückend. Nicht wie noch vor einer Stunde, als ich, nur mit meiner Unterwäsche bekleidet, im Hotelzimmer auf dem Bett lag, das Kleid neben mir, die Füße auf das Fußende des Bettes gelümmelt, die Beine weit auseinander, die Arme gerade vorgestreckt. Ich stöhnte, und draußen im Badezimmer schnaubte meine Freundin unter der Dusche.

Es war in dem Augenblick, gerade als sie die Dusche abgestellt hatte, daß wir schließlich davon zu sprechen begannen, ob ich gehen sollte.

»Er sah süß aus«, rief sie durch den Türspalt. »Wie alt ist er?«

»Zwanzig, dreiundzwanzig.«

Die Balkontür stand geöffnet, und unten von der Straße her waren Stimmen zu hören. Plötzlich wurden sie im Brausen der Toilette ertränkt.

»Bist du noch da?« fragte ich im Scherz.

»Und ob. Jetzt sollst du mal sehen. Eine Vorführung, Striptease.«

Sie glitt vollkommen nackt ins Zimmer und stellte sich in einer herausfordernden Pose hin, die Hüften hervorgedreht, die Hände im Nacken verschränkt. Sie war nett anzusehen, am ganzen Körper braun, sogar auf dem Bauch. Aber wie gewöhnlich dachte ich daran, daß sie das helle, wirre Haar >dort unten< abschneiden sollte, wenn auch aus keinem anderen Grunde als wegen der Wärme. Es abschneiden oder abrasieren.

»Sieh mal«, sagte sie und grabschte den BH von einem Stuhl. »Umgekehrter Striptease.«

Mit langsamen, >sexy< Bewegungen begann sie, sich anzuziehen, Stück für Stück; Höschen, Hüftgürtel, Strümpfe, Kleid, Schuhe.

»Siehst du?«

Sie war vollkommen angezogen, aber jetzt nahm sie den Überzug vom Bett und hüllte sich darin ein.

»Bravo«, sagte ich. »Du könntest jeden beliebigen Mann vor Aufregung verrückt machen.«

»Warte. Ich bin noch nicht fertig.«

Sie riß die Wolldecke vom Bett und wickelte sie noch zwei-dreimal über dem Bettüberzug um sich herum. Dann nahm sie den abgetretenen Teppich, der zwischen unseren Betten lag, und mit einem langen, schmachtenden Blick sank sie auf den Stuhl, den Teppich bis ans Kinn hochgezogen.

»Komm«, flüsterte sie heiser. »Komm und nimm mich.«

So hatten wir miteinander gescherzt, ehe ich, gerade noch rechtzeitig, mich fertig anzukleiden begann. Als ich so weit war, ging ich auf den Balkon hinaus. Die Straße war zufällig menschenleer, aber vom Kinderheim gegenüber konnte man den abendlichen Gesang hören. Meine Freundin kam hinter mir auf den Balkon hinaus.

»Vierzehn Tage sind wir jetzt hier«, sagte sie. »Wir haben zwei Dosen Sonnencreme verbraucht und uns viermal gehäutet. Aber viele getroffen haben wir noch nicht.«

»Du«, sagte ich. »Ich habe etwas Dummes getan. Versprich mir, nicht zu lachen. Ich habe mir das Pessar eingesetzt.«

Sie antwortete nicht. Statt dessen legte sie ihre Hand auf meine und drückte sie leicht.

Ich sollte den Jäger am Marktplatz unten im Hafen treffen. Ich sah ihn vor mir, wie ein Stierkämpfer wirkte er, schmal und geschmeidig, und in meiner Fantasie sah ich auch, wie er sein rotes Tuch hochhielt, und wie er es dann mit einer gewaltigen, umfassenden Gebärde auseinanderfaltete und um meine Schultern legte.

Wir gingen also im Hafen auf die Pier hinaus, und jetzt konnten wir die großen, hell erleuchteten Schiffsrümpfe deutlich erkennen.

»Ich hatte Gelbsucht«, sagte ich. »Als es am schlimmsten war, sah ich genau wie eine Japanerin aus.«

Er hatte sich mir zugewandt und lächelte schnell und ein wenig scheu.

»Bist du jetzt gesund?« fragte er.

»Gesund, aber noch krank geschrieben. Jetzt überlege ich nur noch, ob ich eine oder zwei Wochen länger bleiben soll.«

»Wo arbeitest du?«

»Ich bin Kellnerin in Norrköping. Und du? Ach ja, du wolltest ja Förster werden. Wie heißt du übrigens?«

»Sten.«

»Süß.«

»Nein, beschissen.«

Ich mochte nicht protestieren. Er fuhr fort.

»Du bist die erste, mit der ich hier auf der Insel spreche. Es ist schwer zu wissen, wo man anfangen soll.«

Wir waren bei dem ersten japanischen Trawler angekommen. Man hatte zwei Scheinwerfer auf das rostfarbene Schleppnetz gerichtet, das achtern an einem Kran aufgehängt war. Aber das ganze Schiff war von unzähligen Lampen erleuchtet, wie in einem Theater, wir konnten genau in die Kajüten hineinsehen, in denen kleine Japaner, alle in weißen Unterhemden, entweder Karten spielten oder in ihren Kojen lagen und lasen oder an die Decke starrten. In der Pantry goß der Koch Wasser in einen Topf. Er beugte sich hinunter und sprach mit jemandem, der offensichtlich auf dem Boden saß. Eine Frau? Eine Hand wurde zu ihm hochgestreckt, verschwand aber wieder.

Draußen an Deck standen drei Japaner an die Reling gelehnt. Einer von ihnen, der eine weiße Mütze mit einem langen Schirm auf dem Kopf hatte, beugte sich vor und rief uns:

»English?«

»Swedish«, antwortete ich. »Sweden, Norrköping.« Der Mann fing an zu lachen und sich auf den Bauch zu klatschen.

»Vögeln«, rief er in völlig verständlichem Schwedisch, beinahe in Göteborgsdialekt, und er lächelte über das ganze Gesicht.

Was soll man darauf antworten? Ich suchte nach einer passenden Erwiderung, aber Sten kam mir zuvor.

»Wo kommst du her?« fragte er ruhig und bestimmt, und seinem Englisch war anzumerken, daß er das Abitur hatte.

»Aus Muttis kleinem Loch«, antwortete der Japaner und führte sich auf wie ein echter Schwede von der Westküste.

»Geh zum Teufel«, sagte Sten, und es klang bedeutend schärfer, als ich von ihm je erwartet hätte.

Der Japaner zeigte auf mich.

»Ist das deine Frau? Sie ist hübsch. Küß sie.«

Nein, jetzt war es wirklich genug mit dem Kontakt >über die Grenzen hinweg<. Ich nahm Stens Arm, aber er blieb stehen und hatte offenbar keine Lust zu gehen.

»Mach so«, sagte der Japaner.

Er nahm seine Mütze und setzte sie einem seiner Kameraden auf den Kopf, der nicht älter als zwölf aussah, aber bestimmt fünfzig war.

»Guck mal.«

Er kitzelte den Kameraden unterm Kinn, beugte sich dann vor und küßte ihn auf den Hals, es war ein langer, bohrender Kuß, während er mit der einen Hand in den doppelt gefalteten Hosenlatz des anderen hineinfuhr. Dieser machte zuerst einen Anlauf, ihn zu bremsen, hielt aber dann still, leicht kichernd.

»Was spüre ich denn da, oho, oho. Was habe ich denn da in der Hose zu fassen?«

Ohne ein Wort drehten Sten und ich uns um, wir gingen zurück, und ich schloß schneller an seiner Seite auf.

»Kommt her, kommt zurück«, schrie der Japaner uns nach. »Ich will sie küssen, bürsten. Die ganze Nacht. Komm her mit ihr.«

Ohne zu antworten, gingen wir zurück.

Erst nach einer Weile hatten wir uns genügend gefangen, um wieder miteinander sprechen zu können.

»Jetzt würde eine Erfrischung guttun«, sagte Sten. »Eine Limonade.«

»Einverstanden.«

Wir gingen an einer neuen Gruppe von Japanern vorbei, die mit einer Spanierin sprachen. Sie streckte sich vor und schien den Abstand zwischen ihren Knien und Hüften nachzumessen, und dann hielt sie die Hände hoch wie ein Sportangler.

»Es würde mich interessieren, wie es auf einem japanischen Schiff aussieht, am Tage, meine ich«, sagte ich. »Sie sollen so schicke Küchengeräte haben.«

»Du scheinst gutem Essen nicht abgeneigt zu sein.«

»Stimmt. Hast du die alte Markthalle hier unten im Hafenviertel gesehen? Man bekommt solchen Appetit, wenn man sieht, was es alles gibt.«

Wir waren schon an dem niedrigen Zollhäuschen angelangt. Sten blieb stehen. Er sah mich etwas unschlüssig an.

»Du bist vielleicht müde?«

»Ich überhaupt nicht. Ich mache alles mit. Fast alles.«

»Es ist erst zehn Uhr. Wir könnten in einen Nachtklub gehen, zum Beispiel.«

»Fangen wir mit einer Bar an.«

Ein Weilchen später saßen wir in einem Straßencafé am Markt, an einem wackligen Tisch unter einem hohen Baum, der von einer Lampengirlande angestrahlt wurde. Wir hatten rasch ein paar Cognacs in uns hineingekippt, und ich fühlte mich schön schlaff und behaglich. Sten begann aus irgendeinem Grund, mich Lo zu nennen, ich fand es recht süß und dachte nicht daran zu widersprechen.

Er stand auf, um zur Toilette zu gehen, wenn es überhaupt eine gab, und eigentlich bemerkte ich erst jetzt, wie lang und schlank er war. Es ist doch zu schön mit schmalen Hüften und schlanken Beinen. Etwas zum Reingreifen, dachte ich, ja, zum Reingreifen, zum erstenmal seit einem halben Jahr, einer ganzen Ewigkeit.

Ich folgte ihm mit den Blicken, wie er sich seinen Weg zwischen den Tischen hindurch bahnte. Er bewegte sich leicht und geschmeidig. In der Hand hielt er eine zusammengefaltete Zeitung. Östgöten? Nein, das war nicht gut möglich.

Wir müssen eine Pferdedroschke nehmen, dachte ich, das ist jedenfalls unerhört romantisch. Ich schloß die Augen und stellte mir augenblicklich vor, in einem schaukelnden Wagen zu sitzen, der nach Leder und altem Schimmel roch. Vor mir, neben der dunklen Masse des Kutschers, sah ich das Pferd mit seinen schweißbedeckten Schinken und dem Lederriemen, der sich um die große Wurzel des Schwanzes schloß. Außerhalb des kleinen Fensters waren unbewegliche Palmenkronen und dunkles Meer mit einem leuchtenden Rand von Brandungswellen zu sehen, weit draußen, hoch oben. Ich hob mein Glas, nein, ich setzte die Champagnerflasche direkt an den Mund und trank. Es lief mir in kalten Schauern über das Kinn, aber das machte mir nichts aus, ich lehnte mich gegen eine weiche, aber feste Schulter und lächelte. Ich hielt die leere Flasche hoch, dann beugte ich mich nach vorn über den Kutschbock, der nach Tang roch.

Sten tauchte wieder auf, und wir bestellten sofort mehr Kaffee und Cognac. Wir warteten. Er schaukelte auf dem Stuhl und stieß gegen den Tisch hinter uns, an dem ein junges Paar saß und Ansichtskarten schrieb. Dann legte er die Hände wie einen Feldstecher um die Augen und betrachtete mich prüfend.

»Was siehst du?« fragte ich und steckte das Haar im Nacken hoch.

»Ich sehe Lo. Eine Frau.«

Ich beugte mich vor und versuchte, durch die Jackenöffnung hineinzuspähen.

»Hast du einen Gürtel oder Hosenträger?«

»Nichts. Ich bin nackt.«

Er lachte.

Ich wollte mehr fragen, alles mögliche. Nimmst du Rasierwasser? Parfüm? Ich wollte über seine Kleidung sprechen, seine Kleiderbügel, Schuhe und sein Schuhputzzeug. Ich wollte alles wissen, alles berühren, was mit ihm zusammenhing. Es streicheln, es riechen. Neugierig, zitternd, als sei ich fünfzehn und nicht fünfunddreißig.

»Bald fange ich an zu singen«, sagte Sten, der >Jäger<. »Was gibt es für Lieder?«

Er war aufgestanden.

»Wir müssen was unternehmen. Ein Nachtklub!«

»Von mir aus gern.«

»Nein, ein sündiges Lokal mit schlechten Mädchen. Komm. Nimm meine Hand.«

Das war nötig, wir wurden hin- und hergeschubst. Dann bekamen wir ein Taxi, es blieb genau vor mir stehen, der Scheinwerfer leuchtete meinen Bauch an. Ich zog ihn ein und atmete tief.

Wohin fuhren wir? Hierher und dorthin, durch Menschenhaufen, durch die Dunkelheit. Ich zog mich in eine Ecke zurück und versuchte, meine Haare in Ordnung zu bringen, holte den Lippenstift hervor, aber es war zu dunkel, und ich blieb sitzen und lutschte daran. An einer Straßenecke sah ich zwei Polizisten mit ihren lustigen, harten Hüten.

»Die möchte ich mal beklopfen«, sagte ich.

»Sieh dich vor.«

Wir waren da. Ein heller, blitzender Eingang mit Bildern halbnackter Mädchen, die auf ihre Brüste zeigten. Einige Männer standen rauchend herum, Musik drang durch die rote Flügeltür ins Freie.

»Sten.«

Wir kamen direkt in ein großes, schwer zu überschauendes Lokal, irgendwo war ein Orchester. Hinter einer gewaltigen, hufeisenförmigen Bartheke stand eine etwas ältliche Frau und hob ihre weißen Hände über einem Wirrwarr von Flaschen und Gläsern. Das Lokal war voller Menschen: kräftig angemalte Frauen mit bloßen, weißen Schultern und kühn ausgeschnittenen Kleidern, und Männer natürlich, alle in Jacketts. Wir schraubten und schoben uns zur Theke hin, und es gelang uns, ein paar Gläser zu bestellen. Cognac, wie ich mich erinnere, oder Whisky. Auf jeden Fall war es keine Limonade.

»Willkommen in meiner kleinen Bude«, sagte Sten und hob sein Glas. »Plumps, wir sind da.«

Ich stand, wo ich stand, meine Hüften hart gegen seine gepreßt, der Ellenbogen eines fremden Kerls drückte sich mir in den Leib.

»Du«, meinte ich. »Sag mir etwas Nettes. Etwas Schmeichelhaftes.« Zum erstenmal, seit wir uns getroffen hatten, sah er mir ruhig in die Augen. Eine Locke war ihm in die Stirn gefallen.

»Du bist hübsch«, sagte er. »Ganz bestimmt. Meine Hand drauf.«

»Es ist gut, ich glaube dir.«

Ich spürte eine Hand gerade dort, wo die Hüfte hereinkurvt, bevor die Rundung des Schenkels beginnt. Nein, es war nicht Stens Hand, es war jemand, der hinter mir stand, jemand, den ich nicht sehen konnte, ohne mich vollständig umzudrehen. Die Hand lag still mit ausgebreiteten Fingern, fest und bestimmt. Und ich ließ sie da.

»Auf das Wohl des Königs. Und das der Königin.«

Wir tranken die Gläser leer, aber sie wurden augenblicklich wieder gefüllt, so voll, daß sie überliefen. Die Theke war aus irgendeinem tropischen Holz gezimmert, und bei Stens Ellenbogen saß ein großes Astloch, das wie eine zusammengekauerte, nackte Frau aussah.

Ich war nicht voll, ich fühlte mich nur wohl.

Die Hand auf meiner Hüfte bewegte sich langsam mit gespreizten, prüfenden Fingern schenkelabwärts und blieb erst kurz oberhalb des Knies stehen. Schauer liefen durch meinen Körper, und ich spürte einen starken Impuls, die Knie hart gegeneinanderzupressen, so wie man es tut, wenn man klein ist und mal muß.

Die Musik? Ja, sie war zu hören, und sie war gut, ein schwerer, harter Rhythmus. Die Frau hinter der Theke schmatzte mit den Lippen den Takt und sah zu den Tanzenden hin, während sie schnell und gewandt einige Gläser abtrocknete. Sie wirkte füllig, aber nicht fett. Die Brüste waren gegeneinandergeklemmt, und die dünnen Schulterträger schnitten in die weiße, gepuderte Haut ein.

»Sieh sie an«, sagte ich. »Eine Frau. Alles noch dran. Strahlend.«

»Sten.«

Seine Finger spielten auf der Theke, und ich ergriff seine Hand, zog sie von der Theke herunter und führte sie zu der fremden Hand, die rhythmisch meinen Schenkel drückte.

Was geschah, ein Handschlag unter Männern? Ich weiß es nicht, aber die überzählige Hand verschwand, um nie mehr zurückzukehren, weder auf den Kanarischen Inseln noch in Norrköping.

Es war schon nach zwölf, das Stimmengewirr und der Lärm brandeten an die Decke. Ein dunkelhaariger Kerl mit dünnen Lippen, der mir gegenüber an der Theke stand, warf sich plötzlich über Flaschen und Gläser hinweg auf die andere Seite und steckte der Barfrau den Arm unter den Rock; sie war gerade dabei, ein Glas zu füllen.

»Hurra«, schrie er auf Schwedisch, »sie ist feucht. Steh still.« Sie hob die Flasche. Um zu schlagen?

»Komm her, ich zupfe dich an den Haaren.«

Sie setzte die Hand gegen seine Stirn, und ruhig und sicher schob sie ihn über die Theke zurück. Er fiel auf der anderen Seite herunter und war im nächsten Augenblick in der Menge verschwunden.

Auf der Seite Stens war plötzlich eine junge >Dame<, die sich dicht an ihn lehnte und eine Hand auf seine Schulter legte. Wie lange hatte sie schon so dagesessen, seit wir angekommen waren? Sie sprachen Englisch miteinander, ich beugte mich vor und mischte mich ins Gespräch ein.

»Was sagt sie«, fragte ich.

»Sie sagt, daß ich hübsch bin.«

Sie war nett anzusehen, hatte braunes, gewelltes Haar und ein rotes Kleid. Alter: höchstens achtzehn Jahre. Ein Lichtreflex von einem Spiegel fiel ihr über Mund und Nase. Rote Lippen, die sich über den weißen Zähnen strafften, dunkle Nasenlöcher und eine empfindsame Nase, die in einer hellen, kleinen Platte auslief.

»Tanz mit ihr«, sagte ich. »Los, mach schon.«

Sie zog ihn von seinem Hocker herunter und führte ihn auf die Tanzfläche. Ich blieb sitzen, mir kam es nicht in den Sinn zu reagieren.

Eine Weile verlor ich die beiden aus den Augen, aber dann waren sie genau vor mir. Das Mädchen preßte sich fest gegen Sten und umfaßte ihn mit beiden Händen. Ihr Popo, der, wie ich mir einbilde, meinem eigenen ziemlich gleich war, ungefähr genau so breit und genau so hervorstehend, bewegte sich, schraubte sich, nein, wiegte sich hin und her wie ein rotes Tuch. Nein, viel fester! Das dünne Kleid klebte am Körper, und es war deutlich zu erkennen, daß sie kein Korsett trug. Stens Hände bewegten sich auf und nieder an ihren Hüften, gelöst und dennoch klamm. Oder spielerisch.

Wurde ich wütend? Ja, einen kurzen Augenblick lang, als ich sah, wie er mit dem Finger in ihrer Popofurche herumspielte, aber dann war die Wut wieder verbraucht. Ohne die zwei mit den Blicken loszulassen, nippte ich an meinem Glas, dem fünften oder sechsten des Abends, blies mit den Lippen Blasen ins Getränk und rührte mit der Zunge um.

Sten hielt die Augen geschlossen, und das Mädchen strich ihm über seinen feingeschwungenen Nacken und preßte dann einen Finger in sein neues, weißes Hemd hinein. Sanforisiert, von Melka? Nein, ich sah den roten Popo an. Jetzt hielt er seine Hand in einem losen Griff um die eine Popohälfte, als wiege er sie vorsichtig.

Der Popo eines Mannes, dachte ich und sah statt dessen in mein Glas, der Popo eines Mannes ist anders, wenn er nicht zu fett ist. Auf beiden Seiten geht es nach innen, wie bei zwei Schalen, schönen, bedeutungslosen Schalen. Und ein Mann kann den Popo bewegen, die Muskeln spannen und sie erschlaffen lassen. Er müßte eigentlich auch die Schinken wie zwei Bleche gegeneinanderschlagen können, daß es bis in den Himmel ertönt, bis zu den tristen, geschlechtslosen Engeln mit ihren leeren Puppenleibern.

Und die Hüften der Männer, welch ein Kapitel! Nein, keine Lobgesänge, aber man muß zugeben, daß lange, biegsame Männer wie Bäume sind, in denen man klettern und herumturnen möchte, mit zukneifenden Knien, so wie beim Turnunterricht an den Seilen, wenn es zwischen den Beinen kitzelte und sog und als es kniff und kniff und man dachte: schwedische Gymnastik, das ist was!

Sten und das Mädchen kamen zurück, leicht außer Atem, und sie hielt immer noch ihren Arm um seinen Hals gelegt, seinen Hals mit dem gleitenden Adamsapfel. Ich beugte mich vor und drückte die Nase gegen die gespannte Haut, die nach Messing oder vielleicht nach Speichel roch. Sten wandte den Kopf und sah mich mit weit offenen, schlafwandlerischen Augen an. Die Unterlippe zitterte, als sei er nahe daran, in Tränen auszubrechen.

»Sie steht eisern auf dir«, sagte ich. »Wie heißt sie?«

Er antwortete nicht. Die Lippe zitterte, und das Augenlid klapperte.

»Willst du, daß wir gehen?«

Ich beugte mich zu ihm hin, formte den Mund zu einem Ring und blies vorsichtig gegen seine Oberlippe mit der schön geformten Furche. Er tauchte einen Finger in mein Glas und strich mir über die Lippen.

»Nein«, sagte ich plötzlich. »Vergiß deine Dame nicht, dein einsames, kleines Mädchen.«

Im nächsten Augenblick war er fort, draußen auf der Tanzfläche. Die Frau hinter der Theke lächelte freundlich, hielt eine Flasche vor mir in die Höhe und zeigte mir das Etikett, aber ich schüttelte den Kopf. Ich war genügend berauscht und >weg<.

Ein rötlichblonder Mann lehnte sich gegen mich: Nicht mehr jung, aber frisch, elegant, mit einem gutsitzenden Anzug und prächtigen Zähnen und Haaren. Er war Schwede. Wir sprachen über Bananen. Dann über Japaner.

»Die >Bananen des Ostens<*«, sagte er, faßte mich an den Handgelenken und sah mir in die Augen. »Sie sind verrückt.«

»Warum?«

Er lachte, und ich fühlte, wie der Speichel mir übers Gesicht spritzte, eine erfrischende Dusche.

»Sie pimpern so wahnsinnig. Zehnmal am Tag. Weißt du, wie sie’s machen?«

»Nein«, antwortete ich,so neutral ich vermochte.

»Sie setzen kleine Dinger auf den Ständer, kleine Apparate. Technische Dinger, weißt du. Sie verstehen sich auf so was. Sie sind uns mindestens zehn Jahre voraus.«

Ich sah mich nach Sten um, aber er war vollständig von der wogenden Menschenmenge auf der Tanzfläche verschlungen.

»Sie sind auch grausam. Sie stecken glühende Speere in die Frauenzimmer, ich meine, in den kleinen Muff der Damen . «

Dann fragte er mich, wo ich wohne, und jetzt machte ich meine Hände frei und legte sie aufs Knie.

»Wo wohnst du?« fragte ich. »Wo kommst du her?«

»Aus Norrland.«

»Und woher dort?«

»Mensträsk.«*

Wir lachten beide, ja, plötzlich war ich nahe daran, vor Lachen zu ersticken. Ich glitt von meinem Hocker herunter und wankte rückwärts in die Menge. Ich drehte mich um, dann tanzte ich mit einem Spanier, der mich mit beiden Händen um die Taille hielt und sein hartes >Ding< gegen meinen Schenkel drückte, aber ehe ich mich’s versah, war der Tanz zu Ende. Ich stand an einen Pfeiler gelehnt und schlubberte mich dagegen wie ein Pferd gegen einen Baum. Über die Schultern einer Frau mit einem blauen Fleck am Hals sah ich drei fast nackte Mädchen auf die Tanzfläche kommen. Die Musik machte einen Tusch, spielte auf, und sie drehten sich wie Würmer: Bauchtanz.

Jemand berührte meinen Arm. Es war Sten, Sten Ständer, der Stierhafte. Das braunhaarige Mädchen mit dem empfindsamen Mund, der empfindsamen Nase stand hinter ihm und hielt ihn an den Hüften.

»Lo«, sagte er. »Ich hab was klargemacht. Sie will, daß ich mit rauskomme.«

»Sieh dich vor«, sagte ich.

»Komm du auch mit. Liebe Lo, komm mit.«

Wir waren draußen auf der Straße. Das Mädchen nahm Stens Arm und begann, zum Meer zu gehen, oder vielleicht war es auch die entgegengesetzte Richtung.

»Komm mit. Meine Freundin.«

Ich schloß zu seiner Linken auf, hielt mich aber doch eine Armlänge auf Abstand. Ich zupfte am Kleid, das an mir klebte und abstand. Wir gingen schweigend, bogen in eine Querstraße ein, kurvten dann um eine Ecke auf einen leeren Marktplatz, auf dem ich schemenhaft ein großes Denkmal entdeckte, das einen Augenblick lang >die Prinzessin und den Troll< darzustellen schien. Dann kamen wir in eine dunkle Gasse.

»Ich bin Student«, sagte Sten in seinem fließenden Englisch. »Student aus Stockholm. Kennst du Anita Ekberg?«

Die Absätze des Mädchens klapperten gegen das Pflaster, und ich hörte nicht, was sie antwortete, wenn sie bloß überhaupt genügend Englisch konnte.

»Sie ist phantastisch«, fuhr er fort. »Sie hat die größten Brüste der Welt.«

Es war warm, aber nicht drückend, und wie gewöhnlich schien die Luft voll von tausend Gerüchen: Staub, Öl, Dung. Und Gewürze natürlich, aber keine schwedischen, kein Zucker, nein, Pfeffer, Paprika, wie sie alle heißen mögen. Warum riecht es nie in Schweden? Nur nach Sulfit.

Nicht ein Mensch war zu sehen und alle Fensterläden geschlossen. Meine Füße begannen, müde zu werden, aber plötzlich waren wir bei etwas angelangt, das wie ein verlassenes Grundstück aussah. Es war allzu dunkel, ich konnte Steinhaufen erkennen, verstreute leere Benzinfässer und am weitesten hinten den Rest eines Hausfundaments, der wie ein Bunker aussah.

Das Mädchen war stehengeblieben. Sie zeigte auf mich und schüttelte den Kopf. Ich verstand wohl, was sie meinte, aber wo sollte ich hin?

Wir gingen zu dem Hausrest hin, der teilweise im Mondschatten lag. Er war ungefähr zwei Meter hoch.

»Du kannst hierbleiben«, sagte Sten. »Wir kommen bald.« Er klopfte mir auf die Schulter und legte die Stirn an meine Wange, aber dann zog das Mädchen ihn mit sich. Sie verschwanden um die Ecke, stolperten über die Steine auf der Erde. »Ich komme bald. Du bist lieb.«

Ich lehnte mich schwer gegen die Mauer und verschwendete keinen Gedanken daran, daß ich schmutzig werden könnte. Vor mir war ein Brandgiebel. Oben auf dem platten Dach konnte ich einige Käfige gegen den leicht verschleierten Himmel erkennen, wahrscheinlich Hühnerställe.

Ich weiß nicht, wie lange ich wartete, gespannt auf Geräusche von der dunklen Straße lauschend. Vielleicht waren es nur einige Minuten.

Mit der Hand an der Mauer tappte ich vorsichtig zur Ecke hin. Ich erinnere mich, daß ich zitterte, aber ich glaube nicht, daß ich eine konkrete Vorstellung von dem hatte, was ich zu sehen bekommen würde. Ich streckte den Kopf vor, nein, den ganzen Körper.

Sie waren nur einige Meter von mir entfernt, und ich konnte ihre dunklen Leiber deutlich erkennen. Das Mädchen war in die Knie gegangen, und er stand leicht über sie gebeugt und hielt ihren Kopf. Ich glaubte, ein schwach schmatzendes Geräusch zu hören, und ohne Einzelheiten unterscheiden zu können, begriff ich. Er stand ganz still, dann begann der Körper, der Unterkörper, sich sehr langsam hin- und herzubewegen. Hin und her. Dann eine Pause. Hin und her. Seine eine Hand suchte sich zum Rücken des Mädchens hin, und sie krümmte ihn wie eine Katze.

Plötzlich drehte er sich zu mir um. Ich stand vollkommen still, aber ich verstand, daß er mich sah.

»Komm«, sagte er leise, aber mit breiiger Stimme.

Ich weiß nicht, ob das Mädchen mich hörte, jedenfalls sah sie nicht auf. Ihr Kleid war am Rücken aufgeknöpft, und die Haut leuchtete schwach.

Ich sah seine tappende Hand, er packte mich an den Haaren und zog mich vorsichtig an sich. Ich mußte mich mit einer Hand an der Mauer stützen, mein Bein berührte das Mädchen, ihren weichen Schenkel. Ich öffnete den Mund, wir küßten uns, und er hielt mich im Nacken fest, wie man ein neugeborenes Kind festhält. Seine Zunge, die grob und glatt war, suchte ihren Weg in meinen Mund. Ich hielt meine eigene Zunge steif und still, und er glitt mit seiner den ganzen Weg um sie herum.

Ich machte mich frei und tat einen Schritt zurück.

Er hatte die Hosen nicht heruntergezogen. Jetzt hielt das Mädchen ihn um die Knie, schlug sie gegeneinander. Er hatte den Kopf zur Seite gebogen. Er hielt die Hand gegen ihren Hals, und ich sah, wie der Daumen langsam an der Linie des Kiefers auf- und abwärtsstrich. Einen Augenblick sah ich die Zunge des Mädchens. Dann schüttelte sie den Kopf und preßte das Gesicht gegen seinen Rumpf, hinein, hinauf.

Ich zog mich zurück, schlich ganz absichtslos auf Zehenspitzen um die Ecke zurück. Ich stand still und hörte sein heftiges Atmen, dann tapste ich wieder vor, bis ich gegen ein Benzinfaß stieß, das einen dumpfen Laut von sich gab und offensichtlich nicht leer war. Müde setzte ich mich auf einen niedrigen Stein, oder, besser gesagt, ich sank auf ihn nieder, die Beine gekreuzt. Ich weiß nicht, woran ich dachte, ah ja, die >unehelichen< Kinder im Kinderheim, die von den Pfarrern so hart und verachtungsvoll behandelt werden, aber dann wollte ich an nichts mehr denken. Ich ließ den Kopf auf die Brust sinken, und schwach aber deutlich konnte ich meine eigenen Gerüche spüren. Ich zog das Kleid hoch, und die Gerüche waren stark und rein. So saß ich da, meine Zunge bewegte sich über die Lippen, und ich leckte Salz und Puder in mich hinein, immer wieder.

Sie müssen an mir vorbeigegangen sein, ohne daß ich es merkte, denn plötzlich sah ich sie draußen auf der Straße stehen. Sie unterhielten sich leise und verhandelten anscheinend über die Bezahlung. Er hob ihr Kleid hoch, und ungefähr eine Minute stand sie still mit zur Seite geneigtem Kopf, während sein Arm unter dem Kleid blieb. Dann machte sie sich hastig frei, streichelte ihm die Wange und verschwand hinten in der Gasse, während die Schritte zwischen dunklen Hauswänden echoten.

»Lo. Wo bist du?«

Ich saß still und lauschte seiner Stimme. Klang sie freundlich? Unruhig, hart? Nein, nicht hart.

»Komm, wo bist du?«

Ich rappelte mich auf und kam zu ihm. Einen Augenblick stand ich still und kämpfte mit dem Unwohlsein.

»Wie geht’s dir?«

»Halt mich fest.«

Er ergriff mich an der Seite, dann legte er die Arme um mich und drückte mich vorsichtig an sich.

Halb wie in einem Traum führte ich seine Hand an meinen Mund. Er hielt sie vollkommen schlaff, und ich küßte seine Finger und spürte den Geruch des Mädchens.

Er war mild und süß, nicht der schärfere Duft, der zuerst entsteht, sondern der, der später kommt, wenn alles sich auflöst und fließt.

»Verzeih«, sagte er leise. »Ich konnte es nicht lassen.«

»Ich verstehe.«

Wir begannen, zum Marktplatz hinzugehen. Er hielt mich unter dem Arm.

»Du«, sagte ich. »Warum nennst du mich Lo?«

»Ich weiß nicht. Doch, weil du wie ein Luchs bist.«*

Er blieb stehen.

»Was ist?«

»Ich denke zurück an die Zeit, in der ich noch ein Junge war, weit oben in Norrland. Ich hatte ein neues Fahrrad bekommen und radelte auf einem schmalen Weg durch den

Wald, als plötzlich ein Luchs auf den Weg hinaustrat, ein großes, schönes Weibchen. Sie begann, neben mir herzulaufen, rannte ganz dicht mit mir. Die ganze Zeit über hielt sie den Kopf gedreht und starrte das Vorderrad an, die blitzenden Speichen. Sie war phantastisch, die Augen ganz starr. Dann plötzlich, an einem Berg, verschwand sie wieder in den Wald. Welch ein Tier!«

Wir gingen weiter.

»Danke, daß du mich Lo nennst«, sagte ich leise.

Wir waren beim Marktplatz angekommen, der immer noch verlassen dalag. Was wollten wir? Hm, etwas zu essen haben, etwas richtig Gutes.

»Nein«, sagte Sten.

»Doch«, antwortete ich. »Etwas richtig Gutes.«

Er hatte die Hände gegen die Hauswand gelegt.

»Weißt du, was dahintersteckt?« fragte er. »Härte und Heuchelei und eine verdammt morsche, alte Art zu leben.«

»Stop«, sagte ich. »Jetzt nehmen wir ein Taxi.«

Im nächsten Augenblick kam hinter uns ein Taxi herangeglitten, es blieb ohne Zeichen von uns stehen, und wir brauchten nur noch hineinzuspringen. Wir fuhren in Richtung Hafen.

Sten klopfte sich einladend auf den Schenkel, aber ich blieb statt dessen neben ihm sitzen, lehnte mich gegen ihn und strich ihm über die Hand.

»Soll ich eine Woche oder zwei bleiben?« fragte ich und berührte gleichzeitig zufällig seinen Hosenschlitz, ich fühlte, daß der Stoff feucht war.

»Jetzt wollen wir essen«, sagte er.

»Genau das, essen!«

Wir standen wieder auf der Straße, und auf der einen Seite glaubte ich, ein paar Masten zu erkennen. Ein Eßlokal sahen wir dagegen nicht, alles war leer und verlassen. Nein, hinten an einer Straßenecke stand eine Gruppe von Männern, vermutlich Seeleute, und als wir näherkamen, sahen wir, daß es Japaner waren. Einer von ihnen lehnte an einem

Pfahl und hielt eine Spanierin an der Hand. Sie ruderten mit den Armen, als übten die Seilhüpfen.

»Haben Sie was zu essen?« fragte ich in meinem besten Realschul-Englisch.

Ich erinnere mich nicht mehr, wie lange das Gespräch hin und her ging, das Ende war jedenfalls, daß wir von dem Japaner mit dem Mädchen an Bord seines Schiffes eingeladen wurden. Ein anderer Japaner kam auch mit.

Wir gingen. Sten hielt mich mit vorsichtigem Griff um den Hals, und ich hatte den Arm um ihn gelegt, innerhalb des Jacketts.

»Ich heiße No«, sagte der einsame Japaner. »Mein Kamerad heißt umgekehrt, er heißt Yes.«

Sie lachten und alberten. Yes kitzelte die Spanierin unter den Armen, und sie tat, als wolle sie ihm ins Gesicht schlagen. Wir waren draußen auf der Pier, der gleichen wie vorhin. Plötzlich blieb Sten stehen. Er schüttelte den Kopf.

»Ich bin kein Förster«, sagte er müde.

»Ich weiß«, sagte ich ruhig. »Noch nicht.«

»Ich bin der haltloseste Mensch, den man sich denken kann.«

»Quatsch. Du bist ein lieber, kleiner Knabe. Komm.«

Wir gingen weiter, holten die anderen wieder ein, und jetzt sahen wir auch den Trawler mit seiner schamlos breiten Öffnung achtern. Die Scheinwerfer waren gelöscht, aber in den offenen Gängen, entlang des Oberdecks, leuchteten einige schwache Lampen.

»Bekommt ihr heutzutage noch Seejungfrauen ins Netz?« fragte ich No.

»Jeden Morgen«, sagte er und lachte breit. »Sie werfen uns mit dem Popo um. Dann schmeißen sie sich auf uns. Vollkommen verrückt.«

Die Gangway schwankte wie ein Trampolin, und da bekam ich Angst und wollte nicht mit an Bord kommen, aber Sten schob mich vor sich her, und die Spanierin wandte sich um und gab mir eine hilfreiche Hand.

Man frage mich nicht, wohin es auf dem Schiff ging, welche Abhänge und Klippen hinauf und hinunter. Ich weiß nur, daß die Gänge so schmal waren und wir kaum vorwärtskamen, daß es überall still war wie im Grabe, und daß wir schließlich in eine Kajüte kamen, in der es zwei Kojen, einen Tisch und einige Stühle gab. Es roch süßlich und eigenartig, und die Wolldecken der Kojen hatten ein eigentümliches Muster.

Ich ließ mich auf einem Hocker nieder und kümmerte mich nicht mehr darum, wie meine Haare aussahen oder ob der Lippenstift nachhelfen mußte oder die Farbe inzwischen auf der Stirn saß. No, der einsame Japaner, löschte die Deckenbeleuchtung und knipste dafür eine schwache Lampe über der einen Koje an. Aus einem Spind holte er eine Flasche und einige Gläser hervor und außerdem eine Schale mit einigen Würfeln Trockenfisch. Yes, der sich mit einem Transistorradio auf dem Bauch in eine Koje gelegt hatte, bekam eine unwirklich schwirrende Tanzmusik herein, deren Lautstärke anschwoll und sich verminderte. Die Spanierin hatte sich neben ihm auf die Bettkante gesetzt.

Wir tranken. Niemand sagte etwas. No, der Einsame, nahm einen Hocker und setzte sich genau vor das Mädchen, das wie eine typische Spanierin aussah, mit langen, dunklen Haaren und sehr hübschen Augen. Alter: sechzehn bis achtzehn Jahre. Sie saß kerzengerade und straff da, in einen schwarzen Rock und eine schwarze Bluse gekleidet. Mit einer leicht überlegenen Miene sah sie auf Yes herab, der neben ihr auf dem Rücken lag, das Radio auf dem Bauch, und der seinerseits meine Beine betrachtete, die ich vor mich hingestreckt hatte. Dann wandte er sich No zu, der seinen Hocker so nahe herangeschoben hatte, daß sich ihre Knie berührten. Er hatte seine Hände gefaltet und hielt sie zwischen die Beine gepreßt.

Hinter mir hörte ich ein leichtes Summen von Sten, der, wie ich annehme, auf die Koje niedergesunken war. Jetzt streckte die Spanierin die Hand nach dem Transistorradio aus und suchte nach den Knöpfen, aber Yes schnappte sich schnell den Apparat und stopfte ihn unters Kissen. Dann setzte er sich mit einem Ruck auf und wandte sich an das Mädchen.

»Guten Morgen«, sagte sie.

Leicht kichernd nahm er ihre Nase zwischen Daumen und Zeigefinger und drückte das Mädchen auf den Rücken. Der Kopf stieß gegen die Wand — oder das Schott, wie es wohl auf See heißt — , und so blieb sie liegen, das Kinn gegen den Hals gedrückt. Sie warf die Lippen auf. Dann lachte sie hell und legte die Hände vors Gesicht.

No erhob sich von seinem Hocker, es war zu hören, wie seine Hosen vor Wärme an der Sitzfläche festklebten. Er kroch in die Koje und gab dem Hocker einen Tritt, der flog quer über den Fußboden. Jetzt packte Yes mit beiden Händen den Rock des Mädchens, ganz unten am Saum, und riß und zog ihn über ihre Schenkel. Mit einem Ruck bekam er den Rock über ihre Hüften. Er sah mich mit seinen dunklen Augen an und lächelte schwach, ich schaute ruhig zurück.

Erst jetzt bemerkte ich, daß das Mädchen keine Strümpfe anhatte. Die Schenkel zeigten eine Gänsehaut. Sie lagen flach gegen das Bett, aber dann streckte sie die Füße aus, und da bekamen die Schenkel eine schlanke und schöne Form. Sie nahm die Knie etwas auseinander und bewegte sie dann langsam auseinander, zusammen, während einige Muskeln, ganz oben an der Innenseite der Schenkel, sich hoben und senkten. Da ich schräg vor ihr saß, gegen den Tisch mit den leeren Gläsern gelehnt, konnte ich es nicht vermeiden, genau zwischen ihre Beine zu sehen. Sie hatte einen dünnen, weißen Slip an, der sich unter dem Popo etwas straffte, ein wenig feucht. Welche Tiefen, dachte ich, welche Höhen, von der Spitze des Venusbergs bis zum Bett. Und der Hintern, der wie zwei Bälle herausragte.

Yes, der Japaner mit dem Radio, beugte sich über das Mädchen und legte seine kleine, wohlgeformte Hand auf die Innenseite des Schenkels, am weitesten oben, da, wo die

Haut weich und zart ist. Die Finger bewegten sich suchend. Dann preßte die Hand sich nach oben, sein Finger glitt unter der Höschenkante hinein, und jetzt wurde der Stoff so feucht, daß er beinahe durchsichtig war.

No zog die Beine unter sich hoch und kreuzte die Arme über der Brust. Er schwankte leicht. Yes sah mich mit vollkommen ausdrucksloser Miene an, aber dann hellte sich sein Gesicht plötzlich auf, vielleicht im Scherz drehte er die Augäpfel um und öffnete den Mund ganz weit, als schnappe er nach Luft. Er zog den Finger aus dem Höschen heraus, und die Hand glitt an der weichen Linie des Schenkels hinab bis zum Knie, eine feuchte Spur zurücklassend, dann zuckte das Knie plötzlich.

Ich drehte mich um. Auf der Bettkante saß Sten, sein leeres Glas ans Kinn gedrückt. Er starrte das Mädchen an, ungefähr wie ein junger Bursche, der noch nie zuvor eine nackte Frau gesehen hat. »Denkst du an Norrland?«

Er schüttelte abwesend den Kopf.

»Wieviel hast du dem Mädchen vorhin gegeben? Ich hoffe, du warst nicht zu geizig.«

Ohne zu antworten, streckte er mir sein Glas hin, und ich nahm die Flasche mit dem undefinierbaren Schnaps und goß ihm ein.

»Wir wollen bald gehen«, sagte er.

»Warum?«

Die Japaner kicherten. Sie hatten sich über den Bauch des Mädchens gebeugt, und Yes hatte eine schwarze Haarlocke unter dem Höschen hervorgeholt, er spannte das Haar und spielte mit dem Finger als Bogen wie auf einer Geige. No streckte auch die Hand aus, zog sie aber wieder zurück. Yes sah zur Decke hoch, dann ergriff er den Slip und zog ihn bis zu den Knien herunter, aber jetzt richtete sich das Mädchen auf und griff nach der Handtasche, die auf dem Tisch lag und mich aus einem unerfindlichen Grund an einen Fisch denken ließ. Sie machte einen leicht nervösen Eindruck und hustete verlegen.

Sie holte eine Zigarette hervor und zündete sie selbst an, aber bereits nach wenigen Zügen gab sie sie Yes, holte dafür einen Lippenstift und einen Spiegel heraus und verbesserte ihr Make-up. Das Höschen hing ihr über die Knie.

»Wie heißt du?« fragte ich und ertappte mich dabei, daß meine Stimme mütterlicher klang als beabsichtigt.

»Maria.«

Sie rieb sich nachdenklich die Wange. No, der einsame Japaner, dessen Gesicht wie das einer kleinen Puppe aussah, wandte sich zu mir.

»Viele Frauen schön«, sagte er mit ernster Miene. »Ich kenne eine schöne Frau. Sie sieht aus wie du.«

»Ein Mädchen in Japan?«

Er nickte und strich sich über die Brust. Dann zeichnete er einen Kreis auf seinem Bauch, warum weiß ich nicht.

»Ich bin auch gelb gewesen«, sagte ich. »Knallgelb. Ich war krank, ich sah aus wie eine Japanerin.«

Zuerst war er ernst, dann lachte er, und seine Zähne waren klein, weiß und gleichmäßig.

»Nein«, sagte er. »Du bist nicht aus Japan. Nein, nicht aus Japan.«

Yes hatte den Lippenstift genommen und überholte Marias Oberlippe, er machte deren Form kühner. Ihr Mund war recht groß, mit schönen, leicht aufgeworfenen Lippen. Ihr Teint glänzte matt, beinahe unwirklich weiß.

Dann geschah alles sehr schnell. Yes stand auf, ging ans Bullauge und zog die Gardine zu. Aus einer Schublade im Tisch holte er eine Packung mit Gummis, ging zu dem Mädchen hin, das jetzt die Handtasche weggelegt hatte, und stellte sich zwischen ihre Knie. Er knöpfte den Hosenschlitz auf und ließ sie den Gummi überstreifen. Er stand mit tief gesenktem Kopf und wartete, während das Mädchen mit dem Gummi fummelte, und ich verspürte eine starke Lust, aufzustehen und ihn in den Nacken zu küssen. Aber natürlich blieb ich sitzen, und jetzt zog er ihr die Bluse aus und schwenkte sie eine Weile in der Hand, wie ein Stierkämpfer das Tuch, ehe er sie aufs Kissen fallen ließ. Dann halfen sie sich gegenseitig dabei, den BH aufzubekommen, der schwarz war wie die Bluse, ein recht raffiniertes Modell mit einer kleinen Spitze. No beugte sich rasch vor, schnappte ihn sich und retirierte dann in eine Ecke der Koje. Er zog die Beine unters Kinn, und langsam und vorsichtig, als hätte er etwas äußerst Zartes und Empfindliches in den Händen, einen ägyptischen Grabfund etwa, streifte er den BH über seine Kniescheiben. Er paßte haargenau.

Ich sah nur einen Teil von dem ernsten Gesicht des Mädchens und ihres nackten Oberkörpers mit den festen und wohlgeformten Brüsten, den kindlich kleinen und hellen Brustwarzen und den schwachen Abdrücken auf der Haut, die der BH gelassen hatte. Sie strich mit ihren weichen Händen über die Brüste, beugte sich nach hinten und verschränkte die Hände im Nacken. Der Mann umfaßte ihre geschmeidige Taille, stand einen Augenblick still, sah sie an, beugte sich dann vor und küßte ihre Brüste. Sie legte sich mit geschlossenen Augen und mit halboffenem Mund nieder und packte ihn gleichzeitig um die Hüften. Die Muskeln in ihrem Arm spannten sich, und mit einem heftigen Ruck zog sie ihn zu sich herunter.

Ich sah auf die Uhr. Viertel nach drei. Ich hoffte, meine Freundin würde ruhig in ihrem Bett schlafen und nicht daliegen und auf mich warten. Aber wahrscheinlich lag sie wach und überlegte, was ich wohl machte. Meine fröhliche, kleine Freundin mit ihrem knabenhaften Körper, dem lustigen Popo und den immer gleich roten Zehennägeln.

Das Mädchen Maria lallte schwach, und jetzt merkte ich, daß Sten schräg hinter mir stand, an die Wand gelehnt, mit seinem Glas in der Hand. Er hatte lange und schmale Finger mit deutlich sich abzeichnenden Knöcheln und drehte und wand das Glas langsam und bedächtig. Erst nach einer Weile wurde ihm gewahr, daß ich ihn beobachtete, und da runzelte er die Stirn und machte eine eigenartige kleine Grimasse. Dann schüttelte er den Kopf und setzte sich aufs Bett.

»Komm«, sagte er. »Setz dich lieber hierher.«

»Kann ich’s wagen?«

Ich setzte mich ein Stückchen von ihm entfernt.

»Hast du eine Zigarette?«

Der Mann und das Mädchen in der Koje vor uns schienen jetzt die Umwelt vergessen zu haben. Er stand mit den Knien auf dem Fußboden, seine Hosen waren heruntergerutscht, und er bewegte sich rhythmisch, mit den Beinen des Mädchens um seine Hüften geschlungen. Ihre schlanken Beine waren glatt und ohne Haare, ihre Kniescheiben glänzten schwach.

Es seufzte, gluckerte. Sein Hemd reichte ihm genau bis zum Hintern, wie ein kleiner Rock oder ein leicht flatternder Wimpel. No saß immer noch in der Ecke mit den Knien am Kinn. Es sah aus, als sei er gerade am Einschlafen, er blinzelte, schaute hoch und schloß wieder die Augen. Das Mädchen jammerte, lallte und lachte leise.

»Idiot«, sagte sie. »Großer Idiot.«

Yes bremste sich, faßte um ihre Knie und strich an ihren Beinen entlang. Er erhob sich, und da hob sie die Beine in die Höhe und spreizte sie weit auseinander. Er sank wieder auf die Knie und begrub den Kopf in ihrem Bauch.

»So, so«, sagte sie und legte die Beine auf seine Schultern.

Die Füße strampelten und wippten. Er küßte ihre Brüste.

Ich nahm Stens leeres Glas, hielt es in die Höhe, so daß ich den hellen Abdruck von seinem Mund sehen konnte, und stellte es dann neben mich auf den Boden.

»Es ist warm«, sagte ich.

Ich fühlte seine Hand auf meinem Arm. Ich bürstete etwas Asche von seinen zerbeulten Hosen und merkte, daß er einen Ständer hatte. Es sah so lustig aus, ein steiler, kleiner Berg.

»Nein«, sagte das Mädchen plötzlich.

Sie war dabei, auf den Boden hinunterzugleiten, und Yes zog sich aus ihr heraus und stand auf, während sie wieder ins Bett krabbelte. Sie schwitzten beide und atmeten schwer.

Er bat sie zu warten und ging an den Tisch, um seine Armbanduhr abzulegen. Sein Ding guckte unter dem weißen Hemd hervor, und ich sah, daß der Gummi grün war. Eine neue Erfindung? Japanisch?

Das Mädchen hatte sich nun der Länge nach ins Bett gelegt, mit dem Kopf auf dem Kissen und den Füßen hinten bei No, die Fußsohlen gegen seine Beine gedrückt. Sie lag ganz still mit sittsam gefalteten Händen, die auf dem Wall ruhten, den der Rock über dem Bauch bildete. Yes legte die Hand über ihre weich ausgebreiteten Brüste, dann kroch er rauf und stellte sich auf >allen vieren< über sie, mit dem Kopf über ihrem Schoß. Sie zog die Beine hoch, und er sank über sie nieder, aber im nächsten Augenblick löschte sie mit einem raschen Ziehen an dem kleinen Kabel das Licht.

Eine gute Minute saßen wir still, und ich merkte, wie ich den Bauch ganz einzog, dann waren Stens Arme auf meinen Schultern. Und dann? Wir küßten uns, hart und nervös. Dann legten wir uns aufs Bett, und ich hob den Rücken etwas, damit er an den BH herankommen konnte, um ihn zu öffnen. Seine Finger waren steif und klamm.

»Ruhe«, flüsterte ich, »Ruhe.«

Er küßte meine Brüste, beschnupperte sie, leckte sie und packte sie mit den Händen. Er lutschte an der Brustwarze, spielte mit der Zunge daran herum, biß hinein. Ich hielt ihn im Nacken, lose und vorsichtig.

»Hej«, flüsterte er zärtlich.

»Hej, Dummerchen.«

Eins: Wir küßten uns. Zwei: Wir küßten uns. Drei: Er rieb seine Nase gegen meine Wange, aber er hielt an sich, und statt dessen spürte ich, wie seine Hand an meinem Schenkel entlangglitt. Ich kniff zusammen, nein, ich spreizte die Beine so weit auseinander, wie es das strammsitzende Kleid zuließ, und ich spürte seine Hand zwischen den Beinen.

Ich hatte ihm geholfen, den Slip herunterzuziehen, wir waren beide gleich eifrig und unbeholfen, und ich breitete die Beine aus und fühlte, wie die Popomuskeln sich spannten und der ganze Schoß aufwärts gepreßt wurde. Seine Hand glitt herum, und die ganze Hand war feucht und glatt. Er berührte meinen empfindlichen Punkt, drückte und streichelte mit dem Finger, spielte und koste, während er meine Brüste küßte, nein, nur die eine, die ganze Zeit nur die eine. Er spielte mit der Zunge auf der Brustwarze, die, wie ich fühlte, hoch und steif war, genau wie der Punkt, der Punkt der Punkte, der liebe Verwandte der Brustwarze dort unten.

Plötzlich hielt er inne und wurde starr, drehte den Kopf zur Seite. Was war es? Wir hielten den Atem an, lauschten. Hinten in der anderen Koje war es still, aber nur einen halben Meter entfernt sah ich ein Gesicht. Es war No, der Einsame, der auf dem Fußboden hingehockt saß. Ich streckte den Arm aus, um zu schlagen? zu streicheln? Doch das Gesicht wich sofort aus. Wohin verschwand er?

»Wir gehen«, flüsterte ich, griff aber gleichzeitig nach Stens Hand und hielt sie dort unten am Schoß fest. Ich küßte ihn auf die Stirn, auf die Augenlider und auf den Mund. Dann beugte er sich über meine Brust und biß so gierig hinein, als ob er sie ganz und gar schlucken wollte, und sein Finger liebkoste wieder an der richtigen, herrlichen Stelle, und ich konnte nicht länger still liegen, sondern hob und senkte den Unterleib und wand mich und warf und schaukelte. Ich machte meine Hand frei, die eingeklemmt gewesen war, und tastete über seinen Bauch, und dann begann ich, seine Hose aufzuknöpfen, alle Knöpfe. Sie waren hart und widerspenstig.

Sein Ding war hinter einem dünnen Stoffetzen verborgen. Ich mußte mich aufsetzen, nein, ich entdeckte auch so eine Öffnung, preßte die Hand hinein und stieß gegen seinen Lümmel, der vorn schon feucht war.

Sein Finger bewegte sich die ganze Zeit über, und jetzt fühlte ich, wie alles sich rührte und sich auflöste, wie es vibrierte und zitterte, wie ich versank, trieb, schwebte. Jetzt. Er mußte!

»Du.«

Er drehte sich, warf sich herum, daß das ganze Bett federte, und im nächsten Moment war er in mir. In mir, mit einem Stoß, einem Wind, einer Woge, einer wunderbaren Woge, ja, einer wunderbaren, wunderbaren Woge. Ich wand mich, und ich lag still.

Ich hielt ihn umarmt. Er bewegte sich, Stoß auf Stoß. Ich biß ihn. Er wälzte sich gegen mich, drehte mich herum, ich sauste frei in der Luft herum, zehn, zwanzig, dreißig Umdrehungen. Etwas raste, und der Rauch stieg auf, der Rauch, Schleier. Ich schluchzte und schrie, schrie aus vollem Hals. Ich weinte und preßte den Kopf nach hinten, über einen Abhang mit wehendem Buschwerk. Ich erhob mich, stand in einem Bogen und fühlte, wie er mich füllte. Wie er mich füllte. Wie er mich füllte!

Es war vorüber: es, er, alles. Es war fort, das Licht war fort, das Licht versank und der Staub. Nein, alles war noch da, kehrte um und kam wieder. Wir lagen zusammen.

Er war feucht. Und ich war feucht, ich, ich war auch feucht!

Wir lagen nebeneinander. Wir bewegten uns.

Sten war aufgestanden, nein, er saß auf der Bettkante. Er half mir beim Anziehen, glaube ich, und küßte mich die ganze Zeit auf den Hals. Ich strich ihm über den Rücken, ja, ich strich ihm über den Rücken.

Dann suchte ich mein Höschen, krabbelte in dem zerwühlten Bett herum und suchte, fand es aber nicht. Nun, wenn schon? Ich erhob mich taumelnd, und Sten nahm meine Hand und zog mich zur Tür. Wir sagten Hej! Aber niemand antwortete. Dann kamen wir auf den Korridor, der leer dalag, und wir versuchten, einen Weg an Deck zu finden.

»Hier.«

Sten blieb in der Tür stehen und stützte sich einen Augenblick gegen den Türpfosten, und ich lehnte mich gegen seinen Rücken.

»Du bist so gut«, sagte ich. »Wo hast du das her?«

»Du bist lieb.«

»Wann soll ich nach Hause fahren? In einer Woche? In zweien? «

»In hundert.«

Wir gingen die Gangway hinunter, die vor Tau schlüpfrig war. Als wir auf den Quai kamen, nahm er meinen Arm, und wie ein ehrbares Paar, das seinen Sonntagsspaziergang macht, gingen wir die Pier entlang.

Einen Augenblick verweilten wir vor etwas, das wie eine hohe Klippe aussah.

»Woran denkst du?«

»Ich wußte nicht, ob ich hierher fahren sollte«, sagte er.

Wir gingen schweigend weiter und kamen zum Marktplatz mit seinen Palmen und Anlagen. Die Uhr zeigte schon nach vier, und alles war ruhig und still. Wir gingen an einem runden Rasenstück vorbei, das von einem Rand schwach leuchtender Korallen umgeben war. Plötzlich ließ ich Stens Arm los und sprang auf den Rasenteppich. Ohne einen Gedanken an meine armen Kleider legte ich mich auf den Rasen.

»Komm«, sagte ich. »Jetzt wollen wir lieben. Wir müssen noch einmal anfangen.«

Ich streckte die Arme aus, und er kam auf mich zu.