4 ORGANISIEREN UND VORBEREITEN
Klar, Brainwalking lässt sich spontan durchführen. Doch dafür braucht es erstens viel Erfahrung und zweitens kommen auch routinierte Brainwalker um ein wenig Organisation und Vorbereitung nicht herum, wenn sie für eine Gruppe verantwortlich sind. In diesem Kapitel erfahren Sie alles, was Sie an Hintergrundwissen für die Planung und Durchführung von Brainwalking benötigen.
4.1 Die Anbieter
Wer sich für Brainwalking als Teilnehmer interessiert, muss die Augen offen halten. Noch ist die Verbreitung nicht flächendeckend. Dennoch besteht in Nord und Süd, Ost und West, in der Stadt wie auf dem Land die Chance, fündig zu werden. Träger sind Organisationen unterschiedlicher Prägung und Einzelpersonen.
Turn- und Sportvereine sind allerorts kompetente Anbieter von Walking und Nordic Walking. Brainwalking ist hier bisher meist nur als Sonderveranstaltung bei speziellen Anlässen zu finden – in Verbindung mit Festen, mit einem Tag der offenen Tür, einem Gesundheitsforum usw. Ein regelmäßiges Brainwalking-Angebot ist da bisher eher selten. Doch steigende Nachfrage wird sicherlich in Zukunft für eine Ausweitung sorgen, denn bei ÜL-Fortbildungen und Kongressen ist Brainwalking ein gefragtes Thema. Und wer die Möglichkeiten als ÜL an sich selbst erfahren hat, wird sie bald für die eigenen Gruppen nutzen wollen.
Rehaeinrichtungen, Kliniken und Kurverwaltungen bieten oft regelmäßige Touren zu festen Zeiten von gleichbleibenden Startpunkten. Etliche Volkshochschulen haben Brainwalking in ihrem Kursprogramm, und bei Krankenkassen gehört es häufig zu den Aktivitäten bei besonderen Veranstaltungen. Gesundheits- und Verbrauchermessen geben Gelegenheiten zum einmaligen Kennenlernen. Kneippvereine und andere gesundheitsorientierte Träger nehmen es ebenso in ihre Programme auf wie Jugend- und Seniorenbildungseinrichtungen.
Außerdem finden sich zahlreiche Einzelanbieter – Gedächtnis- und Gehirntrainer, ÜL und häufig Personen, die über Qualifikationen in beiden Bereichen verfügen. Sie arbeiten freiberuflich und laden ein zu regelmäßigen Treffs (ähnlich wie die bekannten Lauftreffs), zu Kursen mit begrenzter Anzahl von Veranstaltungen oder einmaligen Aktionen. Viele davon stehen auf Anfrage bereit für Brainwalking-Aktivitäten bei Betriebsfeiern, Kindergeburtstagen, Familientreffen usw.
Wer als Einzelanbieter einfach anfangen möchte, sollte sich auf jeden Fall zuvor beraten lassen und Steuer- und Versicherungsfragen klären. Damit lassen sich böse Überraschungen vermeiden.
Abhängig von Träger und Veranstaltungsart, werden Kosten entweder als Kursgebühren vereinnahmt oder – relativ häufig – von Mal zu Mal eingesammelt. So sind oft nur die tatsächlich in Anspruch genommenen Termine zu bezahlen. Manche Anbieter arbeiten mit Mehrfachtickets, die bei jedem Besuch abgestempelt werden. Für Vereinsmitglieder ist die Teilnahme oft mit dem regulären Beitrag abgegolten.
4.2 Die Teilnehmerakquise
Relativ einfach ist es, wenn Sie bereits in anderen Bereichen Fuß gefasst haben, über einen festen Kreis von Aktiven verfügen. Gleichgültig, ob Sie eine Gymnastikgruppe leiten, spezielle Kurse im Gesundheitsbereich anbieten oder einen Namen als Gedächtnistrainer haben. In einer solchen Situation kann Brainwalking zum Beispiel als Ferienaktion, wenn die Hallen und Seminarräume geschlossen sind, Interesse wecken. Oder eine Wochenendveranstaltung für die ganze Familie als Sonderaktion lässt eventuelle Skepsis schwinden.
Wer bisher keine eigenen Gruppen leitet, nicht auf langjährige Anhänger als festen Stamm bauen kann, sucht sich am besten eine tragfähige Organisation – einen Verein, eine kommunale Einrichtung, eine gesundheitsorientierte Firma oder Ähnliches als Partner. Dann ist es meist leichter, ein neues Angebot bekannt zu machen und langfristig zu etablieren, als allein.
Um gezielte Öffentlichkeitsarbeit kommt niemand herum, der Brainwalking auf breiter Ebene verankern will. Flyer erstellen, Plakate gestalten, Anzeigen schalten, Infoveranstaltungen mit anschließender Presseberichterstattung durchführen usw. ist der eine Weg. Doch am besten ist es, Meinungsmacher durch eigenes Erleben zu überzeugen. Ein kostenloses Probierangebot kann im Schneeballsystem viele weitere Interessierte anlocken.
4.3 Die Gruppe
Grundsätzlich ist Brainwalking ein Angebot für alle Generationen und Menschen unterschiedlicher Fitness. Gruppenleiter müssen sich mit Streckenauswahl, Tempo und Veranstaltungsdauer auf die Zusammensetzung einstellen.
Eine homogene Gruppe ist eher selten. Menschen mit ähnlichem körperlichen und geistigen Leistungsniveau sind die Ausnahme. Damit kann nur gelegentlich in festen Gruppen gerechnet werden, die sich über lange Zeiträume regelmäßig treffen. In diesem Fall kennen Sie als Leiter Ihre Teilnehmer und wissen genau, was Sie ihnen zumuten können.
Handelt es sich um ein einmaliges Angebot oder um sporadische Treffen, ist die Zusammensetzung der Gruppe jedes Mal eine Überraschung. Meist ergibt sich eine bunte Mixtur. Da kommen Familien mit Kindern, junge und ältere Erwachsene ebenso wie Einzelpersonen, Junge und Alte, Männlein und Weiblein, sportliche Typen wie Bewegungsmuffel. Außerdem muss jeder Leiter damit rechnen, dass sich Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einfinden, die für die Fortbewegung Hilfsmittel benötigen, wie Gehstöcke oder einen Rollator. Meist gern gesehene Begleiter sind Hunde, die gelegentlich mit auf die Tour genommen werden. Dass diese an der Leine geführt werden, sollte im Sinn der übrigen Brainwalker selbstverständlich sein.
Solange die vorgesehene Strecke über befestigte Wege führt, ist die unterschiedliche körperliche Fitness kein Problem, erfordert lediglich Flexibilität in der Zeitplanung. Sind allerdings anspruchsvolle Strecken mit Steigungen, schmalen und unebenen Wegen, Hindernissen und Querfeldeinaktivitäten geplant, sollte dies vorher für alle Beteiligten klar sein.
Deshalb ist es sinnvoll, bei der Ausschreibung konkrete Informationen über Streckenlänge und Wegbeschaffenheit sowie über die ungefähre Dauer der Veranstaltung zu geben. Dann können Interessenten selbst entscheiden, ob sie sich den Weg zutrauen.
Die meisten Brainwalking-Treffs sind jedoch in dieser Hinsicht völlig unproblematisch, finden sie doch auf befestigten Wanderwegen oder in Parks und Grünanlagen statt.
Die Personenzahl sollte nicht zu groß sein. Sprachliche Verständigung muss ohne Mikrofon oder andere Hilfsmittel erfolgen können. Deshalb ist eine Gruppengröße von 10-15 Personen ideal.
Größere Gruppen finden sich gelegentlich bei besonderen Veranstaltungen ein. Dann ist gute organisatorische Vorbereitung vonnöten. In solchen Situationen sollte mit Stationen, Laufzetteln mit entsprechenden Anweisungen und mehreren Helfern an den einzelnen Stationen gearbeitet werden.
Bei manchen Aktivitäten ist es sinnvoll, die Teilnehmenden zeitweise in Kleingruppen zu unterteilen.
Einige Anbieter fordern von ihren Teilnehmern vorherige Anmeldung. Das ermöglicht zwar eine genaue Vorbereitung, ist aber für manche Interessierten eine Hemmschwelle. Wer in der Gruppenleitung erfahren ist – wenn auch vielleicht in anderen Bereichen –, wird eine unerwartet große Beteiligung bewältigen. Sind Sie allerdings völliger Neuling im Umgang mit Gruppen, dann ist vorherige Anmeldung sicher sinnvoll, damit Sie sich konkret vorbereiten können auf das, was auf Sie zukommt.
Selbstverständlich ist es grundsätzlich möglich, sich allein auf Brainwalking-Tour zu begeben. Zwar fehlen dann die Überraschungen, die die Übungen oft darstellen, und es kommt nicht, wie in der Gruppe, Spaß bei gemeinsamen Spielen zustande, aber manch einer bevorzugt es trotzdem, sich allein in der Natur auf den Weg zu machen und dabei geistig zu trainieren. Wer mehrmals an Gruppenangeboten teilgenommen hat und über ein gewisses Repertoire an Übungen zum geistigen Training verfügt, kann durchaus allein effektiv trainieren. Viele der in diesem Buch dargestellten Aktivitäten sind ohne Probleme allein durchführbar.
4.4 Das Material
Zur Grundausstattung beim Brainwalking gehört für die Leitungsperson in jedem Fall ein Rucksack oder eine Gürteltasche. So sind die Hände frei. Stöcke sind für die Teilnehmer durchaus möglich, aber für den Leiter eher hinderlich.
Das Gepäckstück sollte mindestens ein geladenes Handy und eine Pflasterbox enthalten. Abhängig von Gruppe und Gelände ist ein Erste-Hilfe-Kit sinnvoll. Papiertaschentücher haben zwar meist die Teilnehmer selbst dabei. Trotzdem sollte ein Päckchen in Reserve dabei sein. Bewährt hat sich auch ein Päckchen Traubenzucker, falls mal jemand in den Unterzucker fällt.
Außerdem ist – wenn das Gelände Ihnen nicht sehr vertraut ist – für alle Fälle eine Karte hilfreich. Die sollte zwar im Normalfall nicht zum Einsatz kommen, weil Sie ja die Strecke zuvor abgelaufen haben und deshalb kennen. Aber es könnte aus unvorhersehbaren Gründen vielleicht doch nötig werden, sich zu orientieren.
Wer Brainwalking regelmäßig anbietet, ist gut beraten, sich langfristig einen Fundus mit Material für Gehirntraining und Bewegungspausen anzulegen. Das wird zwar nicht immer benötigt. Oft gibt allein die Natur genügend Impulse. Aber auf Dauer ist ein Grundstock an Requisiten äußerst hilfreich. Besonders, wenn Sie neu mit dem Brainwalking beginnen, sind Materialien im Rucksack eine Beruhigung, denn mit ihnen lassen sich Aufgaben bereits im Vorfeld zu Hause genau planen.
Für die Bewegung können zum Beispiel Bälle, Seile oder Tücher den Rucksackinhalt bilden.
Hölzerne Buchstaben und Zahlen zum Tasten, laminierte Karten mit Buchstaben, Zahlen oder Wörtern, Bildkarten oder Ähnliches eignen sich für die Denkaufgaben. Außerdem sind Zettel und Stifte (am besten in der Anzahl der Teilnehmer) wichtiges Begleitmaterial, das vielfältig einzusetzen ist. Gelegentlich können Sie vor dem Start schon zu Hause Aufgabenzettel für Kleingruppen vorbereiten, die unterwegs bearbeitet werden sollen.
Selten während der Tour, aber durchaus häufiger zur Vorbereitung, werden Pins oder Klebeband benötigt. Damit lassen sich unterwegs spezielle Wegweiser, Symbole usw. befestigen, die zum Lösen bestimmter Aufgaben erforderlich sind. Schaubilder und Grafiken oder anatomische Karten veranschaulichen den Teilnehmenden die Erläuterungen zum Sinn und Zweck des Trainings. Was passiert im Gehirn? Wie werden die Wahrnehmungen verarbeitet? ... Diese und andere Fragen lassen sich mit vorbereiteten Darstellungen gut erklären. Noch besser ist eine kleine Tafel, auf der Sie derartige Zusammenhänge bei Bedarf schnell selbst skizzieren. Eine einfache und preiswerte Lösung ist ein weißes DIN-A4- oder DIN-A3-Blatt, das laminiert wird und dann mit Boardmarkern zu beschriften ist.
Eine Rolle mit Müllbeuteln kommt zum Einsatz, wenn die Teilnehmer auf Entdeckungstour gehen und Naturmaterialien einsammeln möchten. Im Übrigen können die Müllbeutel auch ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend genutzt werden, um eventuell anfallende Abfälle nicht in der Natur liegen zu lassen. Anstelle von Müllbeuteln eignen sich oft auch Plastikdosen, in denen Sie vorbereitete Materialien mitnehmen oder Gefundenes nach Hause tragen können.
Es gibt Übungsleiter, die sogar ein Musikgerät im Rucksack haben, um Bewegungspausen damit zu untermalen. Das sollte jedoch gut überlegt werden, denn es passt nicht immer in die Umgebung, kann im Einzelfall sogar Tiere verscheuchen. Vor allen Dingen nimmt solcher Technikeinsatz ein Stück des „Natur-pur-Erlebnisses“.
Je nach Strecke und ihren Besonderheiten kann ein Pflanzen- oder Vogelbestimmungsbuch interessant sein. So lässt sich gleich vor Ort klären, ob ein Kraut am Wegesrand giftig oder essbar ist, ob der beobachtete Vogel ein Bussard oder doch eine andere Spezies war.
Im Einzelfall ist, abhängig von der Tageszeit, eine Taschenlampe sinnvolles Requisit. Gerade in den Wintermonaten kann sie gute Dienste leisten, wenn es etwa bei Regenwetter überraschend schnell dunkel wird.
Wer häufig auf derselben Strecke brainwalkt, tut gut daran, gelegentlich eine Digitalkamera mitzunehmen. Mit Fotos von einzelnen Gegenständen am Wegesrand oder Detailausschnitten solcher Gegenstände lassen sich interessante Denkaufgaben gestalten. Zwar erfüllt ein herkömmlicher Fotoapparat im Prinzip denselben Zweck, aber digital lassen sich die Bilder gleich in Aufgabenblätter einarbeiten. Das vereinfacht das Verfahren erheblich.
Bei Kursen ist es üblich, den Teilnehmern Unterlagen mitzugeben, die sie zu Hause durcharbeiten können. Dabei kann es sich um Hintergrundinformationen ebenso handeln wie um Aufgabenzettel, die bis zum nächsten Mal von denjenigen zu lösen sind, die sich auch außerhalb der Trainingseinheiten mit dem Thema beschäftigen möchten.
Derartige Unterlagen kann der Gruppenleiter am Ende eines Treffens ausgeben. Dann bietet es sich an, diese am Start- und Zielpunkt zu deponieren, damit niemand die Papiere unterwegs tragen muss.
Checkliste
(nur zur Auswahl, es wird niemals alles benötigt!)
- Rucksack oder Gürteltasche
- Geladenes Mobiltelefon
- Pflasterbox oder Erste-Hilfe-Kit
- Traubenzucker
- Papiertaschentücher
- Karte des Geländes
- Bewegungsmaterialien: Bälle, Seile, Tücher ...
- Holzzahlen oder -buchstaben
- Wortkarten
- Bildkarten
- Zettel + Stifte
- Pins + Klebeband
- Kleine Tafel + Boardmarker
- Schaubilder + anatomische Karten
- Müllbeutel
- Plastikdosen
- Bestimmungsbücher
- Taschenlampe
- Digitalkamera
4.5 Der Zeitrahmen
Es gibt nirgends offizielle Festlegungen, wie lange eine Brainwalking-Einheit dauern darf und soll. Die Praxis zeigt jedoch, dass meistens 60-90 Minuten angesetzt werden. Das erscheint sinnvoll vor dem Hintergrund, dass Brainwalking fit machen soll für die Bewältigung des Alltags oder für spezielle Anforderungen. Es geht nicht darum, sich bei dieser Aktivität völlig zu verausgaben. Im Allgemeinen hat sich die Planung mit einer bis eineinhalb Stunden bewährt.
Natürlich kann im Einzelfall ein anderer Zeitrahmen festgelegt werden. Das bietet sich an, wenn es um eine besondere Veranstaltung geht, bei der das Brainwalking im Mittelpunkt steht und eher Selbstzweck ist. Außerdem kann für eine spezielle Zielgruppe, die zum Beispiel geübt ist und ihr gewöhnliches Ausdauertraining ausnahmsweise einmal als besondere Attraktion mit Denkaufgaben anreichern möchte, eine andere Absprache getroffen werden.
Ist die Gruppe sehr gemischt hinsichtlich der körperlichen Fitness, sollte die Zeitplanung unbedingt zwischendurch immer Unterbrechungen der Fortbewegung vorsehen. Diese sind keineswegs Pausen im eigentlichen Sinn, sondern aktiv zu gestalten, zum Beispiel durch Bewegungsaufgaben und Spiele am Platz oder durch Denkaufgaben.
Handelt es sich um ein einmaliges Angebot, kann in einer solchen Veranstaltung lediglich ein kleiner Einblick gewährt werden in die Möglichkeiten, die das Konzept bietet. Es ist kaum möglich, Hintergründe detailliert zu erläutern. Die Aufgaben sind nur eine kleine Auswahl aus der großen Palette möglicher Aktivitäten.
Anders ist die Situation bei einem Kurs. Hier kann – wie bei jedem Kurs in geschlossenen Räumen – verteilt über sämtliche Kurseinheiten, systematisch ein Überblick gegeben werden. Die Teilnehmer erhalten hier ein Repertoire an Übungsbeispielen und entsprechendes Hintergrundwissen, um nach Abschluss des Kurses das Gelernte in ihren Alltag zu integrieren und eigenständig weiter zu trainieren.
Solche Kurse umfassen meistens 6-8 Einheiten, in der Regel im Abstand von einer Woche. Doch jede andere Aufteilung der Zeiteinheiten ist möglich. So kann ein Kurs zum Beispiel eine Woche lang täglich eine Stunde dauern oder ein anderer mehrere Einheiten auf ein langes Wochenende verteilen. Wieder andere möchten gern 2 × wöchentlich trainieren. Welche Festlegung getroffen wird, hängt von der Kursleitung ebenso ab wie vom Träger oder von den Wünschen der Teilnehmer, wenn diese als geschlossene Gruppe den Kurs buchen.
Ein Trend, der sich zunehmend abzeichnet, ist, dass Teilnehmer sich nicht gern für sehr lange Zeiträume festlegen. Das heißt, ein Kurs, der über mehrere Monate läuft, ist oft schwierig zu belegen. Falls Sie aber in Ihrer Region oder bei speziellen Zielgruppen andere Erfahrungswerte haben, steht dem überhaupt nichts entgegen, einen Kurs drei Monate lang mit einem Treffen pro Woche durchzuführen. Je länger der Zeitraum, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gelerntes in den Alltag übertragen wird. Neues kann ausprobiert werden, und gemachte Erfahrungen lassen sich in der Gruppe auswerten und besprechen, Missverständnisse können aufgeklärt werden. Also, keine Scheu vor langfristigen Planungen!
Sind erst einmal genügend Interessenten gewonnen, kann Brainwalking sich als permanentes Angebot im Verein etablieren.
4.6 Die Strecke
Grundsätzlich kann Brainwalking überall durchgeführt werden, Hauptsache draußen. Doch selbstverständlich gibt es Umgebungen, die besser und andere, die schlechter geeignet sind. Suchen Sie einen Rundweg aus, denn in der Regel sollte der Startpunkt auch das Ziel sein, damit alle Teilnehmer vom Ausgangspunkt wieder ihren Nachhauseweg antreten können. Ist das einmal nicht der Fall, muss das angekündigt werden, damit sich alle rechtzeitig darauf einstellen können.
Ideal ist eine Strecke, die viel landschaftliche Abwechslung bietet – Wiese, Wald, Felder, Wasserläufe. Reizvolle Aussichtspunkte steigern die Attraktivität, sind aber nicht überall verfügbar und auch nicht zwingend nötig. Schließlich fordern die Denkaufgaben so viel Aufmerksamkeit, dass sehenswerte Landschaft manchmal überhaupt nicht bewusst wahrgenommen wird.
Der Schwierigkeitsgrad einer Strecke ergibt sich unter anderem aus ihrer Topografie. Ständiger Wechsel von An- und Abstiegen, das Bewältigen vieler Höhenmeter, ist für Teilnehmer, die hinsichtlich ihrer Ausdauer gut trainiert sind, kein Problem, sondern – im Gegenteil – eine willkommene Herausforderung. Bei weniger trainierten Gruppen bietet sich eher ein flaches Gelände an. Hier sollte der Rundweg weitgehend auf einer Höhe bleiben.
Weiteres Kriterium für die Schwierigkeit ist die Beschaffenheit der Wege. Breite und vor allem befestigte Wege sind leichter zu bewältigen als eine Route über Stock und Stein mit Hindernissen durch Wurzelwerk, Stufen, Stege usw. Für unbekannte Gruppen, die sich mit Treffcharakter, also in zufälliger Zusammensetzung, zum Brainwalking begegnen, sollten immer solche Routen gewählt werden, auf denen sich auch Teilnehmer mit Gehhilfen, wie einem Rollator oder Gehstöcken, bewegen können. Lediglich für geschlossene Gruppen, deren Leistungsvermögen sich im Vorfeld einschätzen lässt, sollten Sie anspruchsvollere Touren wählen. Oder die Ausschreibung muss eine Information darüber enthalten, dass es sich um teils unwegsames Gelände handelt, das von mobilitätseingeschränkten Personen nicht zu bewältigen ist. Grundsätzlich sind befestigte Feld- oder Waldwege asphaltierten Strecken vorzuziehen.
Neben Höhenunterschieden und Untergrund ist natürlich die Streckenlänge entscheidend für den Schwierigkeitsgrad. Steht nur eine kurze Strecke zur Verfügung, zum Beispiel ein kurzer Rundweg in einem Park, so kann dieser selbstverständlich genutzt werden, indem die Teilnehmer mehrere Runden mit unterschiedlichen Aufgaben zurücklegen.
Grünanlagen und Parks eignen sich hervorragend für Brainwalking, zumal hier Rundwege vorhanden sind. In der Regel gibt es außerdem unterschiedliche Streckenführungen, sodass gegebenenfalls langsamere Teilnehmer meist die Möglichkeit haben, Abkürzungen zu nehmen. Gleichzeitig bieten solche Anlagen meist Ruhezonen oder kleine Plätze, die für Spiele, Übungen am Platz oder kurze theoretische Erläuterungen seitens der Gruppenleitung genutzt werden können. Solche Grünzonen sind auch in Städten vorhanden.
Wer auf dem Land wohnt, findet zwar seltener solche Anlagen, hat dafür aber freie Auswahl in der Umgebung, sozusagen Natur pur. Freies Gelände, also Feld-, Wald- und Wiesenwege, sind ideal, allerdings nicht überall verfügbar. Ebenso geeignet ist ein Strand oder eine Dünenlandschaft.
Gelegentlich kann eine spezielle Strecke besonderen Reiz ausüben, zum Beispiel ein Barfußpark, ein Weg durch eine Rebenlandschaft oder eine Obstblütentour. Solche Angebote sind abhängig von der Jahreszeit und den Möglichkeiten der Umgebung.
Selbst der Großstadtdschungel kann ein interessantes Ambiente für das Brainwalking darstellen. Warum nicht einmal denkend durch die Innenstadt gehen? Nur für ein regelmäßiges Angebot ist dieses Ambiente wenig geeignet, denn weder Luft noch Pflasterung sind auf Dauer wirklich gesundheitsfördernd.
Ein Schulhof, ein großer Garten oder ein ähnlich begrenztes Gelände lassen sich gleichfalls nutzen. Je nach Größe kommt dann allerdings die Ausdauerleistung zu kurz, weil die Geh- oder Laufphasen zeitlich stark begrenzt sind. Machbar ist Brainwalking aber auch dort. In ähnlicher Weise lässt sich das Training sogar ausnahmsweise, sicherlich nicht als regelmäßiges Angebot, in Gebäudekomplexen durchführen – ein Einkaufszentrum, eine Schule, ein Sportzentrum ... In diesem Fall bekommt das Brainwalking den Charakter altbekannter Rallyespiele.
Bei sehr schlechter Witterung, zum Beispiel, wenn Eis und Schnee das Bewegen auf normalen Wegen gefährden, ist Brainwalking auch in Stadionanlagen möglich. Hier kann es außerdem eine Alternative für Gruppen sein, die sich dort regelmäßig zum Walken treffen. Wer das abendliche Walkingtraining im Winter ins Stadion verlegt, um Gefahren aus dem Weg zu gehen, die die Strecke bei Dunkelheit bietet, ist manchmal froh über eine Abwechslung. Statt nur die Runden im Kreis zu drehen, mal Brainwalking kennenlernen? Durchaus eine willkommene Alternative.
4.7 Die Kleidung
In diesem Punkt gilt weitgehend ähnlich wie in der Mode: erlaubt ist, was gefällt und zweckmäßig erscheint. Es ist keine spezielle Sportkleidung erforderlich.
Das Einzige, worauf Sie als Gruppenleiter wirklich achten müssen, sind die Schuhe. Hohe Absätze sind ebenso ungeeignet wie Badeschlappen oder Sandalen mit dünnen Riemchen. Am wohlsten werden sich die meisten Teilnehmer in Sportschuhen zum Walken oder Joggen fühlen. Doch die sind keineswegs Pflicht. Bequeme, flache Straßenschuhe erfüllen in der Regel absolut ihren Zweck. Doch die Schuhauswahl ist natürlich abhängig von der Strecke. Geht es über unwegsames Gelände, sollte das den Teilnehmern zuvor mitgeteilt werden, damit sie sich schuhtechnisch darauf einstellen und Unfälle vermeiden können.
Im Übrigen ist bequeme und atmungsaktive Kleidung sinnvoll. Geht die Gruppe jedoch eher im Spaziertempo, ist dieser Aspekt von untergeordneter Bedeutung. Wetterabhängig gehören Sonnenhut oder Kapuze und Regenjacke zur Ausrüstung. Hosen sind geschickter als ein Minirock. Aber es muss nicht gleich ein Trainingsanzug sein. Jeans und T- oder Sweatshirt reichen meist völlig aus. Im Übrigen hat sich die Zwiebelmethode hier einmal mehr bewährt. Zu Beginn oder bei Zwischenstopps ist es manchmal angenehm, sich etwas überziehen zu können. Wer unterwegs ins Schwitzen gerät, freut sich über die Möglichkeit, eine Lage abzulegen und gegebenenfalls im Rucksack zu verstauen.
4.8 Das Wetter
Zwar sind heutzutage Wettervorhersagen schon relativ zuverlässig, aber vor überraschenden Regenschauern und anderen Wetterkapriolen sind wir trotzdem nicht gefeit. Deshalb sollten wir nicht nur auf angepasste Kleidung achten, sondern als Gruppenleiter gleichzeitig mögliche Gefahren im Blick haben.
Gewöhnlich sind Brainwalker bei jedem Wetter unterwegs. So wird es auf Plakaten, Flyern und anderen Ankündigungen propagiert. Das ist nicht nur aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll. Schließlich brauchen wir frische Luft auch bei schlechtem Wetter. Gerade dann hilft uns das Bewegen in freier Natur, Abwehrkräfte aufzubauen und bei Laune zu bleiben.
Eine solche Festlegung erleichtert gleichzeitig die Organisation. Wer einmal probiert hat, eine Veranstaltung im Freien „nur bei trockenem Wetter“ durchzuführen, weiß sofort, was gemeint ist. Sind die dunklen Wolken in der Ferne schon Regenboten? Führt ein kurzer Schauer eine halbe Stunde vor Beginn der Aktion schon zum Ausfall des Geplanten? Ist der spürbare leichte Niederschlag eher Sprühregen oder fällt das unter den Begriff Nebel? Solche und ähnliche Fragen bewegen dann die möglichen Teilnehmer. Die kommen entweder von vornherein nicht, weil sie nicht sicher sind, ob die Veranstaltung stattfindet. Oder das Telefon der Verantwortlichen läuft heiß, weil alle sichergehen wollen, sich nicht vergeblich auf den Weg zu machen.
Fazit: „Bei jedem Wetter“ lässt zwar Gruppenleiter gelegentlich mit ihrem inneren Schweinehund kämpfen, weil sie sich tatsächlich auch dann auf den Weg machen müssen, wenn andere nicht mal ihren Hund vor die Tür jagen. Aber in der Regel finden sich trotzdem ein paar Unermüdliche ein und haben dann doch noch Spaß miteinander, selbst wenn sie danach völlig durchnässt sind. Und die Regelung ist klar und eindeutig. Es kann keine Missverständnisse geben.
Ausnahme sind natürlich extreme Wettersituationen, die seltener vorkommen. Bei Sturmwarnungen, Flutkatastrophen, Eisregen oder ähnlichen Ausnahmezuständen wird wohl niemand ernsthaft auf die Idee kommen, zum Brainwalking zu gehen. Vorsichtig sollten Sie als Gruppenleiter sein, wenn Gewitter, Stürme oder Ähnliches angekündigt sind. An solchen Tagen gilt es, kein Risiko einzugehen. Das heißt, entweder kurzfristig vor Ort, also am Treffpunkt, anwesend sein, aber die Gruppe notfalls wieder nach Hause schicken oder – wenn möglich und zu verantworten – mindestens gefährliche Strecken meiden. Also bei heftigen Stürmen oder Gefahr von Schneebruch nicht in den Wald oder bei Gewittergefahr nur in Bereichen bleiben, von denen aus sich alle schnell in Sicherheit bringen können.
Mit diesen kleinen Einschränkungen trotzen begeisterte Brainwalker allen Wetterlagen und sind am Ende einer Tour stolz auf sich, und fitter als nach einer Stunde auf dem Sofa.
Die Möglichkeiten für Denkaufgaben sind bei widrigen Witterungsbedingungen deutlich eingeschränkt gegenüber denen bei strahlendem Sonnenschein. Klar, dass der Materialeinsatz an solchen Tagen begrenzt ist. Doch Naturmaterialien vertragen Feuchtigkeit und Sturm, Regen schadet keinem Kunststoffball und vieles lässt sich völlig ohne Material planen. Es muss nicht immer Papier zum Einsatz kommen.