Kapitel 2
Der Vollmond warf sein bleiches Licht auf die Stuckfassade des Nymphenburger Hotels. Corrisande Jarrencourt von Jarrencourt Hall in England stand auf dem engen, schmiedeeisernen Balkon vor ihrem Salon. Sie sah hinab auf den weiten Platz unter ihr. Ihre Suite lag im dritten Stock. Sie hätte Räume auf der Rückseite des Hauses bevorzugt. An Häuserrückseiten konnte man unauffälliger entlangklettern, und zudem wäre es dann tagsüber viel ruhiger gewesen. Wer von der Oper und der Residenz zum Augsburger Bahnhof wollte, ließ sich diesen zugegebenermaßen wundervollen Boulevard entlangfahren, und die Rufe der Kutscher und das Geklapper der harten Räder auf dem Kopfsteinpflaster machten viel Lärm.
Doch das war im Augenblick schon alles, was sie zu bemäkeln hatte. Tatsächlich war sie halbwegs glücklich. München gefiel ihr. Das Nymphenburger Hotel war das Beste in der Stadt und lag angenehm nah an der Residenz, wo König Ludwig II. seinen Staatsgeschäften nachging. Ein paar Schritte weiter fand man den Hofgarten, der öffentlich zugänglich war. Dort traf man auf Münchens gehobene Gesellschaft. Die Reichen, die Berühmten und die, die es gerne wären, promenierten hier und zeigten sich und den neuesten Stil ihrer Garderobe einer kritisch beobachtenden Öffentlichkeit aus Reichen, Berühmten und solchen, die es gerne wären.
Dann war da das Café Tombosi, ein behagliches Restaurant der Oberklasse, an das die vornehmen Münchner sich soweit gewöhnt hatten, daß man als Mädchen fast ohne Anstandsdame hingehen konnte, zumindest nachmittags. Draußen, entlang der breiten, prächtigen Ludwigstraße, standen Kutschen und Diener warteten auf die erlesenen Fahrgäste, um sie nach Hause zu ihren Anwesen zu bringen.
München war eine wirklich glanzvolle Stadt und bot viele Möglichkeiten. Fast schon zu viele. Sie würde sorgfältig planen müssen. Es war wichtig, sich hier gut einzupassen. Ihre Begleiterin und Anstandsdame, Mrs. Eliza Parslow, hatte bereits unmißverständlich ihren Unmut bezüglich der Garderobe, die sie zuletzt in Paris gekauft hatte, kundgetan. Sie hielt nichts von Kleidern, die zu elegant und erwachsen waren für eine junge Dame, die eben in die Gesellschaft eingeführt werden sollte. Einige Kleider waren zu tief ausgeschnitten, andere sogar ein klein wenig skandalös. Nichts, was ein vornehm und anständig erzogenes Mädchen von achtzehn Jahren während der Münchner Saison, jener Folge von Bällen und erlesenen Festlichkeiten, die den Hintergrund für vorteilhafte Eheanbahnung in den besten Kreisen bot, tragen sollte.
Tatsächlich war Corrisande schon vierundzwanzig, doch sie sah jünger aus. Wenn sie es darauf anlegte, konnte sie für sechzehn oder siebzehn durchgehen, denn sie war feingliedrig, wirkte unschuldig und hatte einen gewissen natürlichen Liebreiz an sich. Doch achtzehn war ein ausgezeichnetes Alter, alt genug, um auf dem Heiratsmarkt ernstgenommen zu werden und jung genug, um nicht als altes Mädchen zu gelten. Kaum einer wußte, wie alt Corrisande wirklich war, und so hatte sie beschlossen, daß sie jedes Alter, das ihr gefiel, für sich beanspruchen konnte.
„Corrisande“, rief Mrs. Parslows kultivierte Stimme aus dem Zimmer hinter ihr. „Komm wieder herein. Da draußen fällst du zu sehr auf.“
„Einen Augenblick noch. Es ist so schön hier draußen. Ein Spaziergang wäre jetzt das richtige.“
„Gewiß nicht! Es ist mitten in der Nacht. Vielleicht sind die Sitten in München ja lockerer als daheim in England, aber ich bezweifle sehr, daß sich junge, unverheiratete Damen hier zu einsamen, mitternächtlichen Spaziergängen aufzumachen pflegen.“
Ihre Gesellschafterin hatte recht. Corrisande holte tief Luft und seufzte. Die mondbeschienene Vorfrühlingsnacht war so schön. Sie hatten München um die Mittagszeit erreicht und sich kaum im Hotel angekommen schlafen gelegt, um sich von der äußerst strapaziösen Reise auszuruhen. Rechtzeitig zum Dinner waren sie wieder aufgestanden. Die wenigen Gäste im luxuriösen Speisesaal hatten sie allerdings enttäuscht. Sie hatten Besseres erwartet. Die Ballsaison hatte längst begonnen, und zumindest das sollte die hohe Gesellschaft herbeigelockt haben.
Natürlich konnte man nie sicher sein. Von den eher stattlichen, gesetzteren Herren mochten einige durchaus geeignet sein. Sie verfügten augenscheinlich über die Mittel, hier zu wohnen, und das war an und für sich schon eine Empfehlung. Doch die Herren rochen nach Handel, entschied Eliza, die über einen untrüglichen Instinkt in solchen Dingen verfügte. Reiche Kaufleute oder Fabrikanten zählten nicht zu Corrisandes bevorzugten Kandidaten für eine lukrative Hochzeit. Sie waren oft zu sparsam oder einfach zu schlau und für gewöhnlich auch spießiger und prüder als Männer vornehmerer Herkunft.
Nicht, daß spießig und prüde etwas Schlechtes war. Corrisande konnte so spießig und prüde sein wie nur irgend jemand sonst, und Eliza mochte sich, was diese Eigenschaften anbetraf, besondere Auszeichnungen verdient haben.
Corrisande hörte, wie sich die Tür des neben ihrem liegenden Balkons öffnete. Ein junger Mann trat heraus. Ein Offizier. Er trug eine fesche Chevauleger-Leutnantsuniform und rauchte eine Zigarre. Seine Stiefel klackten auf dem eisernen Balkon.
Sie betrachtete ihn aus den Augenwinkeln, ohne sich umzudrehen. Auf eine schroffe, forsche Art sah er gut aus. Er war vielleicht fünfundzwanzig. Eine Strähne seines dunklen Haars war mit einem Stück Zündschnur zusammengeflochten, eine affektierte Eigenheit, zu der Angehörige schicker Kavallerieregimenter bisweilen tendierten. Junge Mädchen, die wagemutige, kühne Krieger anhimmelten, waren ganz versessen darauf. Tatsächlich verlieh der schwarze Schnurrbart dem Soldaten etwas Abenteuerliches. Es war etwas zutiefst Maskulines an ihm, das Corrisande mochte, ohne genau zu hinterfragen warum.
Auf jeden Fall aber sah er nicht wie jemand aus, dessen Bekanntschaft sich lohnen mochte, und so wandte sie sich ihm nicht zu, vielmehr senkte sie den Blick und beschloß, leicht zu erröten. Es war gut, nicht aus der Übung zu kommen. Die Fähigkeit, im rechten Moment rot oder blaß zu werden, war eine hohe Kunst, und man brauchte sehr viel Disziplin dafür.
Sie spürte seinen Blick und sein beifälliges Begutachten. Offenbar gefiel ihm, was er sah. Corrisande war keine klassische Schönheit, doch anmutig und liebenswert, fast wie eine zierliche Porzellanpuppe. Sie war klein und schmal, zart wie eine Elfe, und ihre großen, tiefblauen Augen beherrschten ein argloses, ehrliches Gesicht, das eine Fülle hellbrauner Locken umrahmte. Sie wirkte sensibel und immer ein wenig auf der Suche nach Beistand.
Es war eine gute Art sich zu geben, und Corrisande übte diese Ausstrahlung vor dem Spiegel oder unter dem kritischen Auge Mrs. Parslows. Männer mochten hilflose Frauen. Sie hatte nie wirklich verstanden warum. Vielleicht gab es ihnen ein Gefühl überlegener Stärke, das ihnen sonst fehlte?
Nun fühlte sie seinen Blick mehr als nur flüchtig. Es wurde Zeit, dies zu beenden.
Sie wandte den Kopf. Der Ausdruck eines scheuen Rehs huschte über ihre Augen, als sie für den Bruchteil eines Augenblickes in die seinen sah. Dann senkte sie bescheiden den Blick, schenkte ihm die Andeutung eines schüchternen Lächelns, errötete über ihre eigene Unschicklichkeit und floh in ihr Zimmer. Dabei achtete sie darauf, daß ihr weiter Reifrock mit der Bewegung schwang und ihre Knöchel für eine kurze Sekunde zu erspähen waren. Das würde bei einem hartgesottenen Kempen wie dem Offizier von nebenan seine Wirkung nicht verfehlen.
Mrs. Parslow schloß die Balkontür und zog die Vorhänge zu. Sie war eine würdevolle Frau, gekleidet in elegante Grautöne, die zu ihrem Haar paßten.
„Du schaust wie eine Katze, die den Sahnetopf entdeckt hat, meine Liebe. Gibt es etwas Interessantes dort draußen?“ fragte sie.
Corrisande lächelte und sank auf eines der Fauteuils in dem kleinen Salon nieder, den sie zusammen mit zwei angrenzenden Schlafkammern gebucht hatten.
„Nein. Nur einen Chevauleger-Leutnant. Völlig nebensächlich für unsere Absichten. Ich frage mich, warum er hier wohnt. Die Kasernen sind doch gleich in der Nähe. Dies ist kaum die passende Umgebung für Seinesgleichen. Er wirkte nicht begütert genug. Zu leger, obwohl man das bei diesen Uniformen nie wissen kann. Herren werden schließlich aus den unterschiedlichsten Gründen Offiziere.“
„Schon“, antwortete Mrs. Parslow abfällig, „aber meist, weil sie jüngere Söhne ohne sonstige Möglichkeiten sind. Hierzulande ist es noch ärger, seit man die Offizierslaufbahn praktisch jedem geöffnet hat. Man kann nicht einmal mit Sicherheit davon ausgehen, daß dieser Mann von guter Herkunft ist, und Kavalleristen sind meist ohnehin zu wild.“
Corrisande lächelte entrückt.
„Er sah wirklich irgendwie wild aus. Man konnte sich fast vorstellen, wie er voller Angriffslust einem Feind entgegenprescht.“ Sie seufzte.
Mrs. Parslow setzte sich ihr gegenüber.
„Ich wünschte, du würdest dies hier etwas ernster nehmen. Du darfst auf keinen Fall vergessen, wieviel Schaden ein Mann wie er jemandem wie dir zufügen kann. Ich rate dir also dringend, deine romantische Veranlagung hintanzustellen, bis wir erreicht haben, weswegen wir gekommen sind.“
„Natürlich, Eliza. Du solltest mich wirklich besser kennen als anzunehmen, ich ließe mich durch ein paar kräftige Schultern und forsche Manieren vom Ziel abbringen.“
Mrs. Parslow rümpfte die Nase und nahm ihre Stickerei auf. Für eine Weile senkte sich Stille über den Raum.
„Überhaupt“, begann Corrisande die Unterhaltung erneut, „haben wir noch nicht endgültig beschlossen, was wir tun werden. Ich gedenke beileibe nicht, meine sorgfältig einstudierten Kenntnisse an einen dukatenstrotzenden Dampfmaschinenhersteller zu vergeuden. Das ist nicht die Art Gemahl, die mir vorschwebt – immerhin muß ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen. Ich muß sagen, ich habe mit einer geeigneteren Klientel gerechnet.“
Mrs. Parslow lächelte.
„Das stimmt, meine Liebe. Was wir bisher gesehen haben, ist nicht gerade ermutigend. Doch wir sind erst angekommen, und die Saison dauert noch eine Weile. Ich bin sicher, jetzt, wo wir gut untergebracht sind, werden wir Freunde in den richtigen Kreisen finden.“
„Die Oper hier soll sehr gut sein“, überlegte Corrisande laut. Sie hörte gern gute Musik. „Vielleicht könnten wir eine Loge mieten?“
Mrs. Parslow wirkte nicht überzeugt. Sie schätzte die Oper nicht, obgleich sie ihre Nützlichkeit als Einrichtung zum kommunikativen Austausch mit anderen Angehörigen der guten Gesellschaft durchaus anerkannte. Wo jemand saß, wer mit wem in den Pausen sprach, aus all diesen Beobachtungen ließen sich viele Rückschlüsse ziehen. Tatsächlich hätte sie die Oper genießen können, wäre da nicht diese Musik gewesen – und natürlich die Libretti, die ihr oftmals schlichtweg zu vulgär waren.
„Vielleicht müßten wir die Loge für eine ganze Spielzeit mieten, und das wäre wahre Geldverschwendung.“
„Wir haben genug Geld. Hugo hat einen ganzen Batzen hingelegt, um mich loszuwerden.“
Mrs. Parslow rümpfte die Nase.
„Liebes, ich wünschte, du würdest dich nicht solcher umgangssprachlicher Ausdrücke befleißigen. Sie sind so uncharmant. Ich hoffe außerdem, du läßt diese katastrophale Affäre unerwähnt. Ich war noch nie in meinem Leben so enttäuscht! Er hatte kein Recht, so zu handeln. Kein wahrer Ehrenmann hätte sich so benommen. Eine Verlobung so zu lösen ist schlichtweg dégoûtant. Ich hätte nicht geglaubt, daß ein Comte de Lacy so wenig Zucht besitzt, wo er doch so viel Geld hat. Er ist in meiner Achtung tief gesunken.“
Corrisande warf ihrer spröden Reisebegleitung einen amüsierten Blick zu. Eliza war möglicherweise die vollkommenste Anstandsdame, die man für Geld haben konnte. Sie zahlte ihr auch genug, um genau das zu sein.
„Ach Eliza, was macht denn das für einen Unterschied? Hugo ist tot, so oder so – Gott hab ihn selig –, und wir sind reich genug, daß wir, bis sich wieder etwas ergibt, ein ausgesprochen gutes Leben führen können. Gott sei Dank hatten wir das Verlöbnis noch nicht bekanntgegeben. Niemand weiß etwas.“
Mrs. Parslow schaute besorgt drein.
„In der Tat, das kann man nur hoffen. Ich muß sagen, du hast gut daran getan, die Briefe abzufangen, in denen er seiner Familie und seinen Freunden die Angelegenheiten deiner Familie schildern wollte. Du – wir alle – wären sonst gänzlich ruiniert. Ich kann nur hoffen, du hast wirklich alle Briefe vernichtet und keinen übersehen.“
„Das wäre ziemlich unangenehm, Eliza. Ich bin aber sicher, alle Briefe gefunden zu haben. Außerdem entschlief der Arme noch in derselben Nacht. Traurig genug. Ich habe Papa gewiß niemals gebeten, Hugo zum Schweigen zu bringen. Sein plötzlicher Tod hat einigen Staub aufgewirbelt. Papa ist manchmal sehr forsch in seinen Aktionen.“
Mrs. Parslow senkte ihre Stickerei, beugte sich vor und sah ihren Schützling ernst an.
„Vertrau mir, Liebes, dein Vater weiß, was für dich das Beste ist. Was der Comte über deine Familie wußte, würde jetzt wie ein Damoklesschwert über dir und deinem Papa schweben. Vergiß, daß er dir versprochen hat, dich davonkommen zu lassen. Er hat schließlich auch versprochen, dich zu heiraten und hat sein Wort gebrochen. Er hätte uns alle verfolgen und ausfindig machen lassen, und das wäre das Ende gewesen. Du kannst von deinem Vater nicht erwarten, daß er ein solches Risiko eingeht.“
Corrisande seufzte. Einen Vater zu haben, der ein Doppelleben führte, machte das Leben nicht leichter. Manchmal wünschte sie, ihr Vater sei nur der wohlerzogene britische Aristokrat, der er von Geburt war, und sonst nichts.
„Ich bin sicher, du hast recht, Eliza. Dennoch ist es schade. Es war dumm von Hugo, unser kleines Familiengeheimnis derart zu mißbilligen. Ich bin schließlich eine Jarrencourt von Jarrencourt Hall, und Papa ist wahrhaftig Sir Desmond Jarrencourt – es ist doch unwichtig, was er sonst noch sein mag. An unserer Abstammung ist nichts auszusetzen, guter britischer Landadel, und Mama – möge sie in Frieden ruhen – stammt aus einer sehr edlen franko-normannischen Familie. Ich bin sicher, daß es mir gelungen wäre, dem fünftreichsten Mann Frankreichs eine gute und liebende Gattin zu sein. Ich bin ja weder dumm noch häßlich. Außerdem hat er gesagt, er liebe mich, und zwar recht leidenschaftlich. Das war er wirklich, weißt du.“
Mrs. Parslow sah bestürzt auf und ließ beinahe ihre Handarbeit fallen.
„Meine Liebe, ganz sicher weiß ich das nicht. Noch wünsche ich es zu wissen, und du solltest nicht so offen über etwaige Ausrutscher sprechen. Es ist für uns alle das Beste, wenn wir das Ganze vergessen.“ Sie machte eine Pause, sah aus, als kaue sie auf einigen unangenehmen Worten. „Du hast doch nicht ... ich will sagen, er hat doch nicht etwa ... da ist nicht noch etwas, das du mir erzählen solltest, oder?“ fragte sie.
Corrisande lachte.
„Keine Sorge. Du solltest mich wirklich besser kennen. Er hat mich nur im Arm gehalten und geküßt. Einmal. Das war alles. Doch ich muß sagen, dieser Kuß war eine spannende Erfah...“
„Corrisande! Ich bitte dich, jede weitere Bemerkung zu dieser Sache zu unterlassen. Je weniger man darüber redet, desto besser. Wenn es etwas Sinnvolles aus dieser Erfahrung zu lernen gibt, dann lerne es bitte im stillen und denke nicht mehr daran. Es könnte deine unschuldige Ausstrahlung ganz verderben.“
Corrisande runzelte die Stirn über die Zurechtweisung und stand auf.
„Ach Eliza, manchmal wünschte ich, du wärst nicht ganz so steif und strikt, wenn wir entre nous sind. Ich bin schließlich kein Kind mehr. Man könnte meinen, dir sei jegliche Leidenschaft fremd. Dabei warst du verheiratet. Mehr als einmal, wenn ich mich recht entsinne.“
Mrs. Parslow stand ebenfalls auf und legte ärgerlich ihre Stickerei weg.
„Mein Engel, ich denke, für uns ist es höchste Zeit, uns zurückzuziehen. Es ist spät, und wir müssen morgen gut aussehen. Ich will diese frivole Unterhaltung nicht fortsetzen. Versteh mich richtig, meine Liebe. Ich habe keine Hemmungen, über heikle Dinge zu sprechen, wenn es hilfreich oder geraten scheint, aber ich gehe nie leichtfertig mit derartigen Themen um, und gewiß erachte ich sie als ungeeignet für eine höfliche Konversation vor dem Zubettgehen.“
Sie steuerte auf die Tür ihres Schlafzimmers zu, das an den kleinen Salon grenzte. Corrisandes Zimmer lag gegenüber. Ein leises Klopfen an der Tür ließ sie innehalten. Der Rhythmus des Klopfens jedoch verriet ihr, daß kein Fremder im Hotelgang auf Einlaß wartete, und wirklich, kaum daß Corrisande „Herein“ zu sagen begann, wurde die Tür geöffnet, ein überaus schönes junges Mädchen trat ein und schloß sie leise hinter sich.