Die Ärztin

Die Figur der Danielle vereinigt in sich verschiedene Aspekte mittelalterlicher Medizingeschichte. Frauen waren seit dem Altertum als Hebammen und als sogenannte Heilerinnen tätig, hatten aber selten eine formelle Ausbildung. An den medizinischen Fakultäten des Mittelalters und der Neuzeit waren sie praktisch nicht zugelassen. Soweit bekannt, war die berühmte Schule von Salerno in Kampanien im Süden Italiens die einzige Lehr- und Forschungsanstalt, in der Frauen sowohl lernen als auch lehren durften. Die mulieres salernitanae waren weithin berühmt und geschätzt. Eine von ihnen soll Trotula di Ruggiero gewesen sein. Sie hat das erste für die damalige Zeit umfassende Kompendium der Frauenheilkunde geschrieben: «Passionibus Mulierum», in dem auch erstmals der Dammschnitt beschrieben wurde.

Auch betonte sie, dass Sauberkeit während der Behandlung extrem wichtig sei. Viele Frauen starben damals im Kindbett aufgrund mangelhafter Hygiene. Wegen seiner Deutlichkeit wurde das Buch von Zeitgenossen als pornographisch empfunden, einem Mann zugeschrieben und später die Existenz der Ärztin und Autorin Trotula sogar komplett geleugnet. In England diente eine (überarbeitete) Abschrift ihres Hauptwerks lange Zeit als Basiswerk für die Geburtshilfe. Diese Kopie ist unter der Bezeichnung «Sloane 2463» bekannt.