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ACHTZEHN
Was ist das für ein Gefühl zu wissen, dass niemand kommen wird, um dich hier herauszuholen?«
Satchel grinste, während er mich langsam umkreiste, um mich besser beobachten zu können.
»Wie fühlt es sich an zu wissen, dass man in der Falle sitzt? Weckt es in dir vielleicht ein Gefühl der, oh, ich weiß nicht, möglicherweise ein Gefühl der Angst?«
Mein Mund war immer noch zugeheftet, also konnte ich nicht antworten. Aber Satchel legte auch keinen Wert auf meine Antwort. Er war darauf aus, mich zu verhöhnen.
»Weißt du, ich mache das schon sehr lange, und ich muss sagen, dass du bisher eine der größten Herausforderung beim Traumweben darstellst.« Er baute sich vor mir auf, und seine Augen weiteten sich, als hätte ich es endlich geschafft, ihn zu beeindrucken. Was für ein Jammer, dass mir jetzt nichts mehr daran lag.
»Nur damit du es weißt, ich habe mich nicht immer mit Albträumen beschäftigt. Früher habe ich den Menschen die Botschaften geschickt, die sie sich gewünscht haben – unabhängig davon, ob sie mir gefielen oder nicht. Ich erledigte meinen Job und machte, was der Kunde und Balthazar wollten. Aber eines Tages hatte ich die Nase voll von all den leise geflüsterten, rührseligen Aufmunterungen wie ›Koste dein Leben voll aus!‹ Oder noch schlimmer: ›Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter! ‹«.
Er verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. »Das ist völliger Unsinn – und noch dazu schädlich! Aber Balthazar liebte diesen Quatsch, und natürlich stimmte der große Rat ihm vorbehaltlos zu. Nur ich begriff, was wirklich ablief. Nur ich sah die Konsequenzen einer solchen Sache voraus. Diese angeblich herzerwärmenden Träume richteten mehr Schaden an, als Gutes zu bewirken. Sie brachten Menschen in Gefahr, indem sie dafür sorgten, dass sie sich in falscher Sicherheit wiegten. Das führte dazu, dass es in der Bevölkerung immer mehr wahnhafte Menschen gab, die ständig unnötige Risiken eingingen. Und ich glaube, wir alle wissen, dass daraus nichts Gutes entsteht!«
Seine Stimme hatte jetzt wieder diesen merkwürdigen Tonfall angenommen, den ich vorher schon wahrgenommen hatte – es klang so, als würde er die Worte einer anderen Person wiederholen.
Und obwohl es mir gelungen war, die Klammern in meinen Lippen zu lockern, ließ ich mir nichts anmerken. Ich hielt es für besser zu bleiben, wo ich war, und mich von ihm zum guten Teil seiner Geschichte führen zu lassen.
»Du kannst zwar Trost spenden, darfst aber keine Prophezeiungen senden – das ist das Motto im Traumland, falls du das noch nicht wissen solltest. Es ist die einzige Regel, die man uns bei unserer Arbeit auferlegt hat. Oberflächlich scheint es Sinn zu ergeben – die Menschen sollen ihre eigenen Entscheidungen treffen und daraus lernen und daran wachsen und so weiter –, aber sie müssen bei diesen Entscheidungen ein ganz klares Bild vor Augen haben, das ihnen zeigt, wie gefährlich die Welt ist! Und da sonst niemand dazu bereit war, lag es an mir, dafür zu sorgen.«
Er sprach weiter, erklärte seinen Standpunkt und zeigte dabei zunehmend ein von Furcht getriebenes Verhalten. Seine Augen wurden trübe, seine Miene verschleierte sich, und ich war mir ziemlich sicher, dass er sich nicht mehr bei mir in der Gegenwart befand, sondern irgendwo in seiner Vergangenheit feststeckte.
Ich wollte ihn nicht stören oder ihn aus seiner Trance reißen, also ließ ich meine Worte ganz langsam und vorsichtig von meinem in seinen Kopf gleiten, als ich in Gedanken formulierte: Erzähl es mir. Erzähl mir genau, was passiert ist und dich so hat werden lassen.
Und weil er war, was er war – oder zumindest, was er behauptete zu sein, nämlich der beste Regieassistent, den es im Traumland jemals gegeben hatte –, beschloss er, es mir nicht zu erzählen.
Stattdessen zeigte er es mir.