009
 
ACHT
 
Es war noch nicht vorbei.
Eigentlich sollte es doch nun vorbei sein. Ich wünschte das Ende herbei.
Aber nein. Wir waren noch weit entfernt davon.
Ich wartete auf das Urteil, als dieser kratzige, knisternde Sound von an allen vier Wänden ertönte, und ich, obwohl ich das eigentlich nicht sehen wollte, auf die Leinwand schaute. Als ich einen Blick über meine Schulter warf, sah ich, wie sich die Bilder plötzlich veränderten. Alles wurde trüb und verschleiert, und das Licht verwandelte sich in ein matt-gelbes Glühen, das ich sofort wiedererkannte. Mein Magen ballte sich wie eine Faust zusammen, und mir war bewusst, dass jetzt alles nur noch schlimmer werden konnte, egal, wie schrecklich mir das Ganze noch vor wenigen Minuten bereits erschienen war.
Sie hatten mich auch im Sommerland erwischt.
Diese mystische Dimension zwischen der Erdebene und derjenigen, wo ich mich … na ja, sagen wir, wo ich mich viel länger aufgehalten hatte, als es mir zugestanden hätte.
Also sah ich mir die Aufnahmen an.
Und sah, was sie auch sahen.
Mich. Ich war gerade gestorben, hatte jedoch immer noch Schabernack im Sinn, als würde mein frühes Ableben nicht das Geringste ändern. Als würde es mich in keiner Weise behindern.
Nichts war anders geworden.
Wenn überhaupt, dann hatte mich mein Tod sogar noch schlimmer gemacht. Er verschaffte mir Zugang zu Dingen, von denen ich bisher nur geträumt hatte.
Es war, als hätte ich nicht nur für das Leben meiner Schwester einen Backstagepass, sondern auch für das Leben aller anderen Menschen. Also spionierte ich bei früheren Nachbarn und Freunden herum, bei ehemaligen Klassenkameraden, bei beliebten und weniger beliebten Lehrern, selbst bei einigen berühmten Persönlichkeiten – und nützte dabei meine Unsichtbarkeit auf Teufel komm raus aus. Und genau wie zu meinen Lebzeiten verbrachte ich den Großteil meiner Zeit damit, meine Schwester auszuspionieren, wobei ich keine Ahnung hatte, dass ich dabei selbst beobachtet wurde.
Meine gesamte Existenz, meine Geburt, mein Tod und was danach kam, war dokumentiert und genau betrachtet worden, und jetzt erwartete man von mir, auf irgendeine Weise zu erklären (wenn nicht sogar zu rechtfertigen), warum ich so verdammt viel Zeit verschwendet hatte.
Und ich hatte, ehrlich gesagt, keinen blassen Schimmer, was ich zu meiner Verteidigung vorbringen sollte.
Von allen in dem gesamten Raum war ich am meisten überrascht.
Und als wir zu der Stelle kamen, an der ich mich auf meinem Weg zur Schule in den Aussichtsraum schlich, sank ich auf der kalten, harten Bühne zusammen, ohne mir vorher einen bequemen Stuhl zu manifestieren. Beklommen wartete ich darauf, dass diese schreckliche Vorstellung endlich zu Ende ging, damit sie dann entscheiden konnten, welcher Ort der richtige für mich war.
Als die Bilder von der Leinwand verschwanden, war es ganz still in dem Raum, und ich wusste, dass ich den ersten Schritt machen musste.
»Nun, das Filmmaterial spricht für sich, oder?« Ich versuchte zu lächeln, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das zu salopp und falsch wirkte. Also versuchte ich, die Augen weit aufzureißen und traurig auszusehen. Bei meinem Dad verfehlte das nie seine Wirkung, aber hier … Immer noch nichts. Sie saßen einfach nur da, stumm und regungslos, und mir war klar, dass ich wesentlich mehr zu Stande bringen musste.
So leicht würden sie mich nicht davonkommen lassen.
Also räusperte ich mich, starrte auf meine Schuhe und sagte: »Okay, vielleicht habe ich mich manchmal wie eine freche Göre verhalten.« Ich zuckte die Schultern, bemühte mich, ruhig und entspannt zu wirken. »Aber das war noch nicht als Sünde aufgelistet, als ich das letzte Mal nachgesehen habe, richtig?« Ich hob den Blick und hoffte verzweifelt, ein klein wenig Bestätigung und Verständnis zu bekommen, irgendetwas, und ich fand es bei Aurora – die Einzige, auf die ich zählen konnte, diejenige, auf die ich mich konzentrieren wollte. »Ich meine, wenn Sie mir noch ein paar Jahre gegönnt hätten, hätte ich mich ändern können. Vielleicht hätte ich sogar irgendetwas Großartiges vollbracht, irgendetwas ganz Tolles, das die Welt verändert hätte, verstehen Sie? Aber jetzt … Na ja, jetzt werden wir nie wissen, wozu ich fähig gewesen wäre, weil Sie mich so früh aus dem Spiel genommen haben.« Ich seufzte, teilweise, um einen dramatischen Effekt zu erzeugen, und teilweise, weil die ganze Sache ziemlich anstrengend war. Da sie mich immer noch schweigend anstarrten, fuhr ich fort: »Also gut. Sie wollen die Wahrheit wissen? Hier ist sie. Ich fühle mich beraubt! Mal im Ernst. Tot mit zwölf Jahren? Das ist nicht fair! Und warum bin eigentlich ich diejenige, die ihr Handeln erklären muss? Ich war noch ein Kind – ich sollte noch unreif sein! Aber ihr – na ja, vielleicht wenigstens einer von euch, sollte mir mal ein paar Dinge erklären. Vielleicht bin ich diejenige, die einige Antworten im Hier verdient hätte? Oder? Hat von euch mal jemand daran gedacht?« Ich hielt inne; ich war erregt und atmete heftig. Und ich brauchte keinen Spiegel, um zu wissen, dass mein Gesicht puterrot war.
Ich konzentrierte mich wieder auf meine Schuhe und schwor mir, ab sofort den Mund zu halten. Egal, was als Nächstes geschehen würde, ich würde kein Wort mehr sagen, das schwor ich mir. Und ich würde mich auch für keine meiner Taten mehr verteidigen. Mein Leben war vorbei, und ich konnte es nicht mehr ändern, das war mir klar. Erneute Versuche waren nicht gestattet. Das bedeutete, dass das hier überhaupt keinen Sinn ergab. Es war quälend, gemein und absolut unfair, und ich würde ihnen auf keinen Fall noch mehr Munition liefern, als sie ohnehin schon in der Hand hatten und gegen mich verwenden konnten.
Ich blieb einfach sitzen, fest entschlossen, weiterhin zu schweigen und zu warten, so lange die Sache sich auch hinziehen mochte. Schließlich sah Aurora mich an und sagte: »Ich weiß, dass du es jetzt wahrscheinlich noch nicht verstehst, aber die Zeit wird kommen. Dann wird alles für dich einen Sinn ergeben, das verspreche ich dir. Im Moment sollst du wissen, dass alles so läuft, wie es vorgesehen ist. Es gibt keine Bestrafung, kein hartes Urteil und kein Desaster irgendeiner Art. Alles ist so, wie es sein soll. Wir versuchen lediglich, die Dinge aus deiner Sicht zu verstehen, dein Leben mit Mitgefühl zu betrachten, um dich nicht zu benachteiligen. Wir alle wissen, wie schwer es ist, auf der Erdebene seinen Weg zu finden – dort wird man sehr oft abgelenkt, und es gibt viele Richtungen, die man einschlagen kann. Wir verurteilen keine einzige deiner Taten, Riley. Es gibt also keinen Grund für dich, ängstlich oder zornig zu sein. Wir wollen dich einfach nur besser verstehen – das ist alles.«
Unsere Blicke trafen sich. Ja, sie war freundlich, nett und, ach, engelsgleich, und sie strahlte einen wunderbaren Glanz aus, aber das reichte mir nicht. Ich weigerte mich, mich so leicht abfertigen zu lassen.
»Also ist es mein Schicksal, tot zu sein?«, stieß ich hervor, brach damit mein Gelöbnis zu schweigen und fragte mich, ob meine Neigung dazu, vorlaut zu sein, wie meine Mutter es nannte, mich im Hier ebenso in Schwierigkeiten bringen würde wie zu Hause.
Aber Aurora lächelte nur, während die anderen der Gruppe sich ansahen und leise lachten. Ich kann euch sagen, dass mich das kein bisschen aufheiterte, da ich ja nicht versucht hatte, einen Witz zu machen.
»Zu gegebener Zeit wird alles Sinn ergeben«, warf Claude mit dem langen, zotteligen Bart ein, stützte seine nackten Füße gegen den Sitz vor ihm und fügte hinzu: »Hast du jetzt im Moment noch etwas zu dir zu sagen? Irgendwelche Anmerkungen zu dem, was du soeben auf der Leinwand gesehen hast?«
Meine Schultern sackten nach unten. Mein ganzer Körper fiel in sich zusammen. Ich hatte nichts mehr zu sagen, und mir fielen keine Entschuldigungen mehr ein. Ich wollte einfach nur, dass das hier ein Ende hatte. Wollte wissen, welchen Ort man mir zuwies, und losmarschieren.
Sie sahen sich an und kommunizierten auf eine Weise, die mir nicht zugänglich war. Schließlich hatten sie sich offensichtlich geeinigt, denn sie nickten Celia zu, die sich an mich wandte und sagte: »Im Hinblick auf deine ganze Lebensgeschichte und deine starke Bindung an die Erdebene werden wir dich zur Fängerin ausbilden. Hast du dazu irgendwelche Fragen?«
Wozu wollten sie mich ausbilden? Eine Frage, die unzählige weitere nach sich zog.
»Als Seelenfängerin«, erklärte Samson, schob sein silbernes Haar aus dem Gesicht und bohrte den Blick aus seinen violetten Augen direkt in meine. »Eine Fängerin von Seelen«, fügte er hinzu, als ob das mehr Sinn ergeben würde.
Ich wollte gerade die nächstliegende Frage stellen, als Auroras sanfte, beruhigende Stimme wieder erklang. Jedes Wort von ihr klang für mich wie der perfekte Text zu einem wunderschönen Song. »Riley, deine Situation ist nicht so einzigartig, wie du glaubst«, sagte sie. »Es gibt viele Seelen, die sich sträuben, wenn sie in das Hier gerufen werden. Viele von ihnen irren immer noch auf der Erdebene umher und weigern sich, über die Brücke zu gehen und weiterzumachen. Einige leisten schon seit Jahrhunderten Widerstand und ignorieren alle Versuche, sie in das Hier zu locken. Andere zögern nur eine kurze Zeit. Und während jeder individuellen Seele freier Wille zugebilligt wird, sind wir der Meinung, dass hin und wieder ein kleiner zusätzlicher … Schubs nötig ist, wenn man so will. Eine kleine Erinnerung daran, dass sie eine Wahl haben, bessere Möglichkeiten als die, für die sie sich entschieden haben. Und da kommst du ins Spiel.«
Mein Blick huschte zwischen ihnen hin und her. Ich platzte beinahe vor Fragen, aber mir schossen so viele durch den Kopf, dass ich keine Ahnung hatte, mit welcher ich beginnen sollte. Alles, was ich verstanden hatte, war, dass ich zurückgehen würde.
Zurück auf die Erdebene.
Auf die herrliche Erdebene!
Und ich konnte es kaum erwarten, dorthin aufzubrechen.
»Wir haben keine Zweifel daran, dass du eine sehr erfolgreiche Seelenfängerin für uns sein wirst, nachdem wir dich gründlich angeleitet und ordentlich geschult haben«, bemerkte Royce und schenkte mir ein Lächeln, das sich im Rampenlicht, auf einer Kinoleinwand und auf der Titelseite jedes Magazins gut gemacht hätte. Die anderen nickten zustimmend.
»Also, wann kann ich gehen?« Ich sprang auf die Füße und strotzte plötzlich vor Energie, die mir noch vor wenigen Minuten gefehlt hatte. »Wann bekomme ich mein altes Leben zurück?«, fragte ich. Ich stellte mir bereits vor, wie ich wieder in meinem alten Viertel wohnte und mich in meiner alten Schule einschrieb. Allerdings war ich mir nicht sicher, wie das alles im Einzelnen ablaufen würde. Ihr wisst schon – wie würden sie erklären, dass ich an einem Tag gestorben war und am nächsten wieder ziemlich lebendig herumlief. Dann verdrängte ich rasch die Gedanken daran. Schließlich war das ihr Problem, nicht meines.
Ich hatte eine Mission zu erfüllen.
Eine sehr aufregende Mission.
Aber meine Begeisterung sollte nicht lange anhalten, denn Aurora sah mich an, und ihr braun-rot-schwarzsilber-blondes Haar wogte in Wellen um sie herum, als sie sagte: »Du wirst nur in spiritueller Form zurückkehren. Unsichtbar für alle, außer für deine Mitgeister und diejenigen, die die Gabe besitzen, uns zu spüren.«
Meine Augenlider wurden schwer, ich ließ meine Schultern fallen und seufzte. Ernüchtert, enttäuscht, desillusioniert – und keines dieser Wörter beschreibt nur annähernd, wie ich mich fühlte. Aber trotzdem – ich durfte zurück. Daran änderte sich nichts. Wenn der große Rat es für angebracht hielt, mich auf die Reise zu schicken, sollte ich mich dann etwa dagegen wehren, ganz gleich, in welcher Form ich unterwegs sein würde?
Und was ich bisher von dieser Schule gesehen hatte – die Versammlung, das Gesinge und das Glühen und all das andere merkwürdige Zeug -, ließ mich zu der Überzeugung gelangen, dass ich sie nicht wirklich vermissen würde.
»Wann kann ich los?«, fragte ich und schämte mich sofort, als ich begriff, dass ich keinen Gedanken darauf verschwendet hatte, was ich meinen Eltern und Großeltern sagen sollte. Aber da waren die Worte schon über meine Lippen gekommen.
»Kein Grund, die Sache zu verzögern«, meinte Celia und warf einen Blick in die Runde. Alle nickten zustimmend.
»Je eher, umso besser«, stimmte Samson ihr zu.
»Am besten jetzt gleich«, fügte Royce hinzu.
Und obwohl ich begeistert war, musste ich doch noch eine Frage loswerden. »Aber was ist mit meiner Familie? Was soll ich ihnen sagen?«
Ich drehte mich um, als Claude auf die Leinwand deutete. Sie war jetzt in der Mitte geteilt. Auf der einen Seite sah ich meinen Dad, fröhlich mit einer Gruppe anderer Musiker in einer Jam-Session. Die andere Seite zeigte meine Mom, die in einem lichtdurchfluteten Atelier malte. Ihr Malerkittel war mit beinahe allen Farben des Regenbogens bekleckert, und ein Lächeln erhellte ihr Gesicht. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was das bedeutete, fingen meine Eingeweide wieder an, sich schmerzhaft zu verknoten.
Ich presste meine Lippen aufeinander und versuchte, zu verstehen, was ich da sah. Ich fragte mich, warum sie nicht dort waren, wo sie mir gesagt hatten, dass sie sein würden. Warum sie mich angelogen und mir etwas vorgemacht hatten. Aber dann, noch bevor ich zwinkern konnte, teilte sich die Leinwand wieder, und ich sah meine Großeltern. Alle waren mit für mich recht überraschenden Dingen beschäftigt, vor allem wenn man ihr Alter bedachte. Sie surften, wanderten, arbeiteten auf einer Ranch, komponierten eine Symphonie und leiteten eine Neugeborenenstation.
»Sie wurden bereits an ihren Ort gebracht«, erklärte Aurora. »Und sie genießen nun ihre Seelenarbeit dort. Um sie musst du dir keine Sorgen machen.«
Seelenarbeit? Ich blinzelte. Alles wurde von Sekunde zu Sekunde immer merkwürdiger. Ich meine, eigentlich hatte ich gedacht, dass sie um mich besorgt sein würden. Aber nachdem ich diese Bilder gesehen hatte, wäre ich überrascht, wenn sie überhaupt bemerken würden, dass ich nicht mehr da war.
»Deine Familie hat bereits verstanden, was dir jetzt auch allmählich klar wird. Manchmal kommt uns auf der Erdebene das wirkliche Leben in die Quere und verhindert, dass wir dort sind, wo wir eigentlich sein sollten, aber im Hier kann jeder tun, wovon er immer geträumt hat und seine Bestimmung erfüllen.« Sie lächelte.
Und obwohl sie offensichtlich der Meinung war, dass das die supertolle Sache schlechthin war und anscheinend auch erwartete, dass ich ihr zustimmte, brachte ich das nicht fertig.
Das konnte ich einfach nicht.
Jetzt, da ich das alles erfahren hatte, fühlte ich mich noch einsamer, vollkommen nutzlos und mehr als nur ein wenig unerwünscht.
»Wollen Sie damit sagen, dass ich und Ever und Buttercup zu Hause auf der Erdebene … im Weg standen?« Es war mir peinlich, dass meine Stimme plötzlich brach, aber bei dem bloßen Gedanken daran krampfte sich mein Magen wieder zusammen.
Aurora lächelte nur, wie auch die anderen, und nickte Celia zu. Celia sagte: »Natürlich nicht.«
»Deine Eltern und Großeltern lieben dich und würden nichts anders machen!«, bekräftigte Samson mit einem Kopfnicken.
»Aber im Hier hast du deinen eigenen Führer, und das ermöglicht es deinen Familienmitgliedern, ihre jeweilige Bestimmung zu erfüllen. Mit dem Tod ist nicht alles vorbei, weißt du. Wir haben Aufgaben, Dinge zu erledigen und noch einiges zu lernen. Deine Eltern haben ihren Platz bereits entdeckt, und nun hast du auch deinen gefunden. Alles ist so, wie es sein soll«, warf Royce ein, presste seine Hände zusammen und verbeugte sich vor mir.
»Aber … was wird aus meinem Zuhause? Und aus meinem Hund?« Ich schüttelte den Kopf, unfähig, weiterzusprechen und zu verstehen, wie es so weit hatte kommen können. Gerade noch war ich so begeistert gewesen. Ich hatte geglaubt, im Jenseits einen Haupttreffer in der Lotterie gelandet zu haben, weil ich zurückgehen durfte, und nun riss man mir wieder alles unter den Füßen weg, und alles, was mir vertraut war, entglitt mir ebenfalls.
»Du kannst zwischen deinen Einsätzen zurückkommen und Besuche machen«, erklärte Aurora, umgeben von einem faszinierenden Glühen. »Und Buttercup darf mit dir reisen.« Sie lächelte.
»Tatsächlich?« Ich neigte meinen Kopf zur Seite und fragte mich, was Buttercup wohl davon halten würde. »Hat er auch eine Bestimmung zu erfüllen?«, wollte ich wissen.
Royce lachte tief und herzlich und schüttelte den Kopf. »Hunde sind ein Geschenk an die Menschheit. Sie sind von Natur aus glücklich, zufrieden und loyal. Sie bestehen aus purer positiver Energie und haben eine Vorbildfunktion. Das ist alles, was von ihnen erwartet wird.«
Ich nickte und bemühte mich, das alles zu verstehen. Es war nicht das, was ich zuerst gedacht oder mir erhofft hatte, aber es hätte auch viel schlimmer kommen können.
Aurora riss mich aus meinen Gedanken. »Riley, wie wäre es, wenn wir deine Vergangenheit auf sich beruhen lassen und stattdessen einen Blick in deine Zukunft werfen? Was sagst du dazu? Bist du bereit, diesen Sprung zu wagen?«, fragte sie.
Und bevor ich antworten konnte, oder irgendetwas unternehmen konnte, kam Buttercup hinter dem roten Samtvorhang hervorgeschossen, wedelte wie wild mit dem Schwanz, leckte mein Gesicht ab und warf mich auf die Art und Weise um, die mich immer zum Lachen brachte. Und als es mir endlich gelang, ihn zu beruhigen, waren alle verschwunden.
Sie hatten nicht einmal auf meine Antwort gewartet.
Da begriff ich, dass die Frage nur rhetorisch gewesen war.
Mein Platz war bereits bestimmt worden.
Ob mir das gefiel oder nicht.