18
Ashtons Nachbarn

Um zehn Uhr hatte Gurney Val Perry eine Zusammenfassung der Vereinbarung geschickt und es mit den drei Nummern von Ashton probiert, die sie ihm gegeben hatte – Festnetzanschluss zu Hause, privates Handy und die Nummer der Mapleshade Academy –, um ein Treffen auszumachen. Bei den ersten beiden sprach er auf die Mailbox, unter der dritten hatte er eine Nachricht bei einer Assistentin hinterlassen, die sich als Ms Liston vorstellte.

Um halb elf meldete sich Ashton. Er hatte alle drei Nachrichten bekommen, dazu eine von Val Perry, die ihm Gurneys Auftrag erklärte. »Sie hat gesagt, dass Sie mit mir reden wollen.«

Ashtons Stimme war ihm vom Video bereits vertraut, aber sie klang voller und weicher am Telefon, auf unpersönliche Weise warm, wie bei der Werbung für ein exklusives Produkt – durchaus passend für einen hochkarätigen Psychiater, wie Gurney fand.

»Das ist richtig, Sir. Sobald es Ihnen passt.«

»Heute noch?«

»Das wäre ideal.«

»Mittags in der Academy, oder bei mir zu Hause um zwei. Sie können es sich aussuchen.«

Gurney entschied sich für die zweite Möglichkeit. Wenn er sofort aufbrach, blieb ihm noch die Zeit, sich ein wenig in der Gegend und vor allem in Ashtons Straße umzusehen, und vielleicht sogar mit dem einen oder anderen Nachbarn zu sprechen. Er suchte die BCI-Vernehmungsliste von Hardwick heraus und machte mit dem Bleistift einen Punkt neben alle Namen mit einer Adresse in der Badger Lane. Dann suchte er vom gleichen Stoß die Mappe mit den Vernehmungsprotokollen heraus und marschierte hinaus zum Auto.

Das Dorf Tambury verdankte seine verschlafene, abgeschiedene Aura zum Teil der Tatsache, dass es an der Kreuzung zweier Straßen aus dem neunzehnten Jahrhundert entstanden und danach von neueren Strecken übergangen worden war. Vor dem unter solchen Umständen unvermeidlichen wirtschaftlichen Niedergang wurde Tambury bewahrt, weil es in einem hohen, offenen Tal am Nordrand der Berge mit Postkartenaussicht in alle Richtungen lag. Die Kombination von friedlicher Zurückgezogenheit und malerischer Schönheit machte Tambury zu einem attraktiven Ort für wohlhabende Rentner und Ferienhausbesitzer.

Doch nicht alle Einwohner entsprachen dieser Beschreibung. Calvin Harlens unkrautüberwucherter, heruntergekommener ehemaliger Milchbauernhof lag an der Ecke Higgles Road und Badger Lane. Kurz nach Mittag wurde Gurney nach seiner eineinviertelstündigen Fahrt von der klaren Bibliothekarinnenstimme des GPS an diese Stelle dirigiert. Er stoppte auf dem nördlichen Seitenstreifen der Higgles Road und beäugte das verwahrloste Grundstück, dessen auffälligstes Merkmal der drei Meter hohe, von riesigen Büschen Unkraut überwucherte Misthaufen neben einer gefährlich windschiefen Scheune war. Hinter dieser standen wahllos verstreut und versunken in einem Feld mit hüfthohem Gestrüpp mehrere rostige Wagen, zu denen auch das Gerippe eines gelben Schulbusses ohne Räder gehörte.

Gurney öffnete die Mappe mit den Vernehmungsprotokollen und las:

Calvin Harlen. Alter neununddreißig. Geschieden. Selbstständig, Gelegenheitsarbeiten (Hausreparaturen, Rasenmähen, Schneepflügen, Zerlegen von Wild, Tierpräparation). Allgemeine Instandhaltungsarbeiten für Scott Ashton bis zur Ankunft von Hector Flores, der seine Tätigkeiten übernahm. Behauptet, dass Ashton einen »ungeschriebenen Vertrag« mit ihm gebrochen hat. Behauptet (ohne Belege), dass Flores illegaler Einwanderer, homosexuell, HIV-positiv, cracksüchtig ist. Bezeichnet Flores als »dreckigen Spaniolen«, Ashton als »verlogenen Drecksack«, Jillian Perry als »freche kleine Schlampe« und Kiki Muller als »Spaniolenfickerin«. Weiß nichts über Mord, Ereignisse im Zusammenhang damit, Verbleib des Verdächtigen. Behauptet, zum Zeitpunkt des Mordes allein in seiner Scheune gearbeitet zu haben.
Geringe Glaubwürdigkeit. Labil. In einem Zeitraum von zwanzig Jahren zahlreiche Verhaftungen wegen ungedeckter Schecks, häuslicher Gewalt, Trunkenheit und Ruhestörung, Belästigung, Bedrohung, Tätlichkeiten. (Siehe angehängtes Vorstrafenregister.)

Gurney schloss die Mappe und legte sie auf den Beifahrersitz. Anscheinend hatte Calvin Harlen in seinem Erwachsenenleben keine Gelegenheit ausgelassen, um unangenehm aufzufallen.

Er stieg aus und überquerte die unbefahrene Straße zu einer zerfurchten Erdfläche, die als eine Art Einfahrt zum Grundstück diente. Sie verzweigte sich in zwei ungefähre Richtungen: rechts zum Misthaufen und zur Scheune, links zu einem baufälligen einstöckigen Bauernhaus, dessen letzter Anstrich so viele Jahrzehnte zurücklag, dass die Flecken auf dem verrottenden Holz keine erkennbare Farbe mehr aufwiesen. Das Vordach über der Veranda wurde von mehreren Pfosten gestützt, die jüngeren Datums als das Haus, aber keineswegs neu waren. An einem der Pfosten hing ein Sperrholzschild mit der Aufschrift ZERLEGEN VON WILD in rot triefenden, handgeschriebenen Buchstaben.

Aus dem Haus drang wildes Gebell von mindestens zwei ziemlich groß klingenden Hunden. Gurney wartete, ob der Tumult jemanden an die Tür locken würde.

Schließlich tauchte jemand aus der Scheune auf, oder zumindest von der anderen Seite des Misthaufens: ein dürrer, wettergegerbter Mann mit rasiertem Schädel, der ein spitzes Werkzeug in der Hand hielt – einen Schraubenzieher oder Eispickel vielleicht.

»Haben Sie was verloren?« Er grinste über seine eigene Frage.

»Sie wollen wissen, ob ich was verloren habe?«

»Was Sie hier verloren haben, ja.« Der Typ schien das Spiel zu genießen.

Gurney wollte ihn aus der Fassung bringen. »Ich kenne ein paar Hundebesitzer. Mit dem richtigen Hund kann man viel Geld verdienen. Mit dem falschen sieht man alt aus.«

»Schnauze, verdammt!«

Erst als nach ein, zwei Sekunden das Bellen im Haus verstummte, wurde Gurney klar, wen der Mann angebrüllt hatte.

Die Situation hatte das Potenzial, bedenklich zu werden. Gurney blieb natürlich die Möglichkeit, einfach kehrtzumachen, aber das wollte er nicht. Er spürte den irren Drang, sich mit diesem Irren zu messen. Schließlich hob er einen ovalen, ungefähr zwei Zentimeter langen Stein auf. Er rieb ihn langsam zwischen den Handflächen, als wollte er ihn wärmen, und schnippte ihn in die Luft wie eine Münze, um ihn dann in der rechten Faust aufzufangen.

»Was soll der Scheiß?« Der Mann machte einen kleinen Schritt nach vorn.

»Schsch«, machte Gurney leise. Finger um Finger öffnete er langsam die Faust und fixierte angestrengt den Stein. Dann warf er ihn grinsend über die Schulter.

»Was soll …?«

»Entschuldigung, Calvin, wollte Sie nicht ignorieren. Aber auf diese Weise treffe ich meine Entscheidungen, und da muss ich mich stark konzentrieren.«

Der Mann riss die Augen auf. »Woher wissen Sie meinen Namen?«

»Sie kennt doch jeder, Calvin. Oder soll ich Sie lieber Mr Hard-on nennen?«

»Was?«

»Also bleiben wir bei Calvin. Einfacher. Netter.«

»Wer sind Sie, verdammte Kacke? Was wollen Sie?«

»Ich will wissen, wo ich Hector Flores finden kann.«

»Hec… was?«

»Ich suche nach ihm, Calvin. Und ich werde ihn finden. Ich dachte, dass Sie mir vielleicht weiterhelfen können.«

»Wie zum Henker … wer … Sie sind kein Cop, oder?«

Gurney schwieg und ließ sein Gesicht zur Maske eines Killers mit totem Blick erstarren.

Harlens Augen wurden noch größer. »Der Spaniole … dem sind Sie auf den Fersen?«

»Können Sie mir weiterhelfen, Calvin?«

»Weiß nicht. Wie?«

»Vielleicht erzählen Sie mir einfach alles, was Sie wissen … über unseren gemeinsamen Freund.« In die letzten drei Worte packte er so viel bedrohliche Ironie, dass er schon fürchtete, zu dick aufgetragen zu haben.

Doch Harlens einfältiges Grinsen zerstreute alle derartigen Bedenken. »Ja, klar. Warum nicht? Was möchten Sie denn zum Beispiel wissen?«

»Zuächst mal, wo er herkam.«

»Von der Bushaltestelle im Dorf, wo diese Spaniolen immer aussteigen und rumhängen. Lungern da so rum.« Bei ihm klang es, als würden sie öffentlich masturbieren.

»Und davor? Haben Sie eine Ahnung, wo er herstammt?«

»Irgendein mexikanisches Kaff. Wo diese Penner alle herkommen.«

»Er hat es Ihnen nie erzählt?«

Harlen schüttelte den Kopf.

»Hat er Ihnen überhaupt was erzählt?«

»Was zum Beispiel?«

»Irgendwas. Haben Sie je mit ihm geredet?«

»Einmal. Am Telefon. Mit ein Grund, warum ich weiß, dass der Kerl nur Scheiße im Hirn hat. Letzten Oktober, weiß nicht, vielleicht auch November. Hab Dr. Ashton angerufen wegen dem Schneepflügen, aber der Spaniole war dran. Hab ihm gesagt, dass ich mit dem Doktor sprechen will, wie komm ich dazu, mich mit ihm rumzuschlagen? Da erzählt er mir, dass ich ihm sagen soll, worum es geht, dann richtet er es dem Doktor aus. Ich sag ihm, dass ich nicht mit ihm reden will – soll er sich doch ins Knie ficken, der Scheißer. Für wen hält der sich überhaupt? Diese mexikanischen Drecksäcke, kommen hier an, schleppen ihren Schweinepest-Aids-Lepra-Scheiß ein, lassen sich von der Sozialhilfe durchfüttern, klauen uns die Arbeit, zahlen keine Steuern, nichts, diese bescheuerten, kranken Schweine. Eins sag ich Ihnen, wenn mir der schleimige kleine Scheißer noch mal unter die Augen kommt, jag ich ihm eine Kugel in den Kopf. Aber zuerst schieß ich ihm noch die schimmligen Eier weg.«

Mitten in Harlens Tirade fing einer der Hunde wieder zu bellen an. Kopfschüttelnd wandte sich Harlen zur Seite und spuckte auf den Boden. »Schnauze, verdammt!« Das Bellen brach ab.

»Und der andere Grund, warum Sie wissen, dass er Scheiße im Hirn hat?«

»Was?«

»Sie haben gesagt, das Telefongespräch mit Flores war mit ein Grund, warum Sie wissen, dass er Scheiße im Hirn hat.«

»Stimmt.«

»Inwiefern Scheiße im Hirn?«

»Der Wichser tanzt hier einfach an, kann kein Wort Englisch. Ein Jahr später redet er wie ein verdammter … keine Ahnung … wie wenn er alles weiß.«

»Aha, und deswegen glauben Sie … was, Calvin?«

»Ich glaube, dass das alles nur Quatsch war, Sie wissen schon.«

»Erklären Sie es mir.«

»Niemand lernt so schnell Englisch.«

»Sie meinen, er war gar kein Mexikaner?«

»Ich meine, das war bloß Verarschung, alles reine Show.«

»Das heißt?«

»Ist doch klar, Mann. Wenn er so verdammt schlau ist, warum kreuzt er dann beim Doktor auf und fragt ihn, ob er für ihn Laub harken darf? Der Scheißer hatte doch von Anfang an was vor.«

»Interessant, Calvin. Sie sind ganz schön clever. Gefällt mir.«

Harlen nickte und spuckte erneut auf den Boden, wie um sein Einverständnis mit dem Lob zu signalisieren. »Und noch was.« Verschwörerisch senkte er die Stimme. »Dieser durchtriebene Spaniole hat nie sein Gesicht gezeigt. Hatte immer so einen Rodeohut auf, Krempe tief runtergezogen, Sonnenbrille. Wissen Sie, was ich glaube? Der hatte Angst, sich sehen zu lassen. Hat sich immer in dem großen Haus versteckt oder hinten in dem blöden Puppenhaus. Genau wie diese Schlampe.«

»Welche Schlampe?«

»Die Schlampe, die umgenietet worden ist. Wenn sie auf der Straße mit dem Auto an einem vorbeigekommen ist, hat sie weggeschaut, wie wenn man ein Stück Dreck wäre. Oder ein totgefahrenes Viech, blöde Scheißschlampe. Also denke ich mir, vielleicht hatten die was laufen, sie und dieser schmierige Scheißer? Konnten einem doch beide nicht in die Augen schauen vor schlechtem Gewissen. Und dann hab ich mir überlegt, hey, warte mal, vielleicht ist das noch nicht alles. Vielleicht hat der Spaniole Angst, dass ihn jemand identifiziert. Schon mal dran gedacht?«

Als Gurney Harlen schließlich für das Gespräch dankte und ihm versprach, sich wieder zu melden, war er nicht sicher, wie viel und ob er überhaupt etwas Brauchbares in Erfahrung gebracht hatte. Wenn Ashton statt Harlen auf einmal Flores für Arbeiten auf dem Grundstück eingesetzt hatte, hegte Harlen natürlich einen großen Groll, und alles Gift, das Harlen abgesondert hatte, war direkt aus dem Schlag gegen seine Brieftasche und seinen Stolz entstanden. Möglicherweise steckte aber auch mehr dahinter. Vielleicht traf Hardwicks Einschätzung zu, dass es hier verborgene Schichten gab und an der ganzen Sache etwas faul war.

Gurney ging zurück zu seinem Auto und schrieb drei Notizen in einen kleinen Spiralblock.

Hat sich Flores verstellt? Kein Mexikaner?

Hatte Flores Angst, von Harlen wiedererkannt zu werden? Oder später von ihm identifiziert zu werden? Warum, da Ashton ihn doch jederzeit identifizieren kann?

Hinweise auf eine Affäre zwischen Flores und Jillian? Eine frühere Verbindung? Ein Mordmotiv aus der Zeit vor Tambury?

Skeptisch beäugte er seinen kurzen Fragenkatalog. Er konnte sich nicht vorstellen, dass eine von ihnen zu einer nützlichen Entdeckung führen würde. Der zornige, paranoide Calvin Harlen war bestimmt kein zuverlässiger Zeuge.

Er schaute auf die Uhr am Armaturenbrett. 13.00 Uhr. Wenn er das Mittagessen ausfallen ließ, hatte er vor seiner Verabredung mit Ashton noch Zeit für eine weitere Befragung.

Das Grundstück der Mullers war das vorletzte an der Badger Lane, danach kam nur noch Ashtons geschlecktes Paradies. Der Unterschied zu Harlens Müllkippe an der Ecke Higgles Road hätte nicht größer sein können.

Gleich hinter einem Briefkasten mit der Nummer, die auf Carl Mullers Vernehmungsprotokoll vermerkt war, parkte Gurney. Das Haus war ein großer weißer Kolonialbau mit klassischen schwarzen Läden, der weit zurückgesetzt von der Straße stand. Im Gegensatz zu dem gewissenhaft gepflegten Anwesen davor strahlte er etwas leicht Vernachlässigtes aus – ein etwas schief hängender Laden, ein abgebrochener Ast auf dem Rasen, struppiges Gras, verfilztes Laub auf der Einfahrt, ein umgestürzter Gartenstuhl auf einem Ziegelpfad neben der Seitentür.

Vor der getäfelten Tür angekommen, hörte Gurney von drinnen leise Musik. Es gab keine Klingel, nur einen alten Messingklopfer, den Gurney mehrmals, mit zunehmender Kraft benutzte, ehe schließlich geöffnet wurde.

Der Mann, der ihm entgegentrat, sah nicht gut aus. Sein Alter konnte irgendwo zwischen fünfundvierzig und sechzig liegen, je nachdem, wie viel davon auf seine Krankheit zurückzuführen war. Das matte Haar passte zum Graubeige seiner schlaff herabhängenden Strickjacke.

»Hallo.« In seinem Gruß lag keine Spur von Neugier.

Gurney wunderte sich, dass der Hausherr einen Fremden an seiner Tür auf diese Weise anredete. »Mr Muller?«

Der Mann blinzelte und wirkte dabei, als würde er einer Bandaufzeichnung der Frage lauschen. »Ich bin Carl Muller.« Seine Stimme hatte die gleiche fahle, tonlose Qualität wie seine Haut.

»Mein Name ist Dave Gurney, Sir. Ich wirke an der Suche nach Hector Flores mit. Hätten Sie vielleicht ein, zwei Minuten Zeit für mich?«

Diesmal brauchte die Bandaufzeichnung länger. »Jetzt?«

»Wenn es möglich wäre, Sir. Damit wäre mir sehr geholfen.«

Muller nickte bedächtig und trat mit einer vagen Geste zurück.

Gurney gelangte in die Eingangshalle eines gut erhaltenen Hauses aus dem neunzehnten Jahrhundert mit Dielenböden und zahlreichen originalen Holzelementen. Die leise Musik von vorhin war jetzt besser zu vernehmen. Adeste Fideles, ein Weihnachtslied, das aus dem Keller zu kommen schien. Seltsam unangebracht für die Jahreszeit. Dazu ein anderes Geräusch, eine Art tiefes, rhythmisches Brummen, das ebenfalls von unten heraufdrang. Links von Gurney öffnete sich eine Doppeltür auf einen Speisesaal mit einem riesigen Kamin. Vor ihm erstreckte sich die breite Halle zum hinteren Teil des Hauses, wo man durch eine Glassprossentür auf einen scheinbar endlosen Rasen blickte. An der Seite führte eine breite Treppe mit kunstvollem Geländer hinauf zum ersten Stock. Rechts lag ein altmodischer Salon mit dick gepolsterten Sofas und Sesseln, antiken Tischen und Kommoden, über denen Seelandschaften im Stil von Winslow hingen. Gurney hatte den Eindruck, dass das Haus gepflegter war als das Grundstück. Muller lächelte leer.

»Schönes Haus«, bemerkte Gurney freundlich. »Sieht gemütlich aus. Vielleicht können wir uns zum Reden einen Moment hinsetzen?«

Wieder die Bandaufzeichnung. »In Ordnung.«

Als er sich nicht bewegte, deutete Gurney fragend zum Salon.

»Natürlich.« Muller blinzelte, als wäre er gerade aufgewacht. »Wie war Ihr Name noch mal?« Ohne die Antwort abzuwarten, ging er voraus zu zwei Sesseln vor dem Kamin, die einander gegenüberstanden. »Also«, warf er beiläufig hin, als beide Platz genommen hatten, »worum geht es?«

Wie alles an Carl Muller war der Ton der Frage ungefähr zwanzig Grad aus der lotrechten Achse verschoben. Wenn der Mann nicht eine angeborene Neigung zur Verwirrung hatte – was bei einem so exakten Beruf wie Schiffsmaschinentechnik kaum denkbar war –, musste es an irgendwelchen Medikamenten liegen, was nach dem Verschwinden seiner Frau zusammen mit einem Mörder wohl verständlich war.

Vielleicht wegen der Position der Lüftungsschächte waren die Bruchstücke von Adeste Fideles und das leise Brummen in diesem Raum noch deutlicher zu hören als in der Halle. Gurney war versucht, danach zu fragen, entschied sich aber dann dafür, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

»Sie sind ein Detective.« Mullers Äußerung war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Gurney lächelte. »Ich will Sie nicht lange aufhalten, Sir. Ich möchte mich nur nach ein paar Sachen erkundigen.«

»Carl.«

»Pardon?«

»Carl.« Er starrte in den Kamin, als hätte die Asche des letzten Feuers sein Gedächtnis wachgerüttelt. »Mein Name ist Carl.«

»Okay, Carl. Erste Frage. Ist Ihnen bekannt, ob Mrs Muller vor dem Tag ihres Verschwindens Kontakt zu Hector Flores hatte?«

»Kiki.« Wieder eine Erleuchtung aus der Asche.

Gurney wiederholte die Frage mit geändertem Namen.

»Das muss sie doch, oder? Unter den Umständen?«

»Welche Umstände?«

Mullers Augen schlossen und öffneten sich so träge, dass man es nicht als Blinzeln bezeichnen konnte. »Ihre Therapiesitzungen.«

»Therapiesitzungen? Bei wem?«

Zum ersten Mal seit Betreten des Salons schaute Muller ihn direkt an. »Dr. Ashton.«

»Der Doktor hat eine Praxis in seinem Haus? Nebenan?«

»Ja.«

»Wie lange ist sie schon zu ihm gegangen?«

»Ein halbes Jahr oder ein Jahr. Weniger, mehr? Ich kann mich nicht erinnern.«

»Wann war ihre letzte Sitzung?«

»Am Dienstag. Sie waren immer am Dienstag.«

Gurney verlor kurz die Orientierung. »Sie meinen den Dienstag vor Ihrem Verschwinden?«

»Genau, Dienstag.«

»Und Sie gehen davon aus, dass Mrs Muller – Kiki – Kontakt zu Flores hatte, wenn sie Ashton zur Therapie aufgesucht hat?«

Muller antwortete nicht. Sein Blick hing wieder am Kamin.

»Hat sie je über ihn geredet?«

»Über wen?«

»Hector Flores.«

»Über solche Leute haben wir uns nie unterhalten.«

»Was für Leute?«

Muller stieß ein freudloses Lachen aus und schüttelte den Kopf. »Das ist doch naheliegend, oder?«

»Naheliegend?«

»Sein Name.« Plötzlich lag scharfe Verachtung in Mullers Stimme. Noch immer fixierte er den Kamin.

»Ein spanischer Name, meinen Sie?«

»Die sind doch alle gleich. Unser Land wird verraten und verkauft.«

»Von den Mexikanern.«

»Die sind nur die Spitze des Eisbergs.«

»Und so einer war Hector?«

»Waren Sie schon mal in so einem Land?«

»In einem lateinamerikanischen Land?«

»In einem mit heißem Klima.«

»Könnte ich nicht behaupten, Carl.«

»Schmutzig, eins wie das andere. Mexiko, Nicaragua, Kolumbien, Brasilien, Puerto Rico – Schmutz, nichts als Schmutz!«

»So wie Hector?«

»Schmutzig!«

Muller funkelte den aschebedeckten Rost an.

Gurney blieb eine Minute stumm, um den Sturm abflauen zu lassen. Er beobachtete, wie sich die Schultern des Mannes allmählich entspannten und sich der Griff um die Sessellehnen lockerte.

»Carl?«

»Ja?« Muller schlug die Augen auf. Sein Gesicht war schockierend ausdruckslos.

Gurney dämpfte seine Stimme. »Hatten Sie jemals Hinweise darauf, dass zwischen Ihrer Frau und Hector Flores etwas Ungehöriges gelaufen sein könnte?«

Muller wirkte vollkommen perplex. »Wie war Ihr Name noch mal?«

»Mein Name? Dave. Dave Gurney.«

»Dave? Was für ein erstaunlicher Zufall! Wussten Sie, dass das mein zweiter Vorname ist?«

»Nein, das wusste ich nicht.«

»Carl David Muller.« Er starrte ins Leere. »›Carl David‹, hat meine Mutter immer gesagt, ›Carl David, geh sofort auf dein Zimmer! Carl David, wenn du dich nicht benimmst, könnte der Weihnachtsmann deine Wunschliste verlieren. Pass lieber auf, Carl David!‹«

Er erhob sich von seinem Sessel, richtete sich gerade auf und intonierte die Worte mit der Stimme einer Frau – »Carl David« –, als könnte er damit die Mauer zu einer anderen Welt einreißen. Dann verließ er den Salon.

Gurney hörte, wie sich die Eingangstür öffnete, und fand den Hausherrn daneben, der sie ihm aufhielt.

»Schön, dass Sie vorbeigeschaut haben. Aber Sie müssen jetzt gehen. Manchmal vergesse ich, dass ich niemanden hereinlassen soll.«

»Vielen Dank, Carl, dass Sie sich die Zeit genommen haben.« Aus Angst, dass bei Muller eine psychotische Störung hervorgetreten sein könnte, war Gurney geneigt, seiner Aufforderung zu folgen, um ihn nicht noch weiter zu belasten. Es war sicher besser, vom Auto aus Hilfe zu rufen.

Auf halbem Weg zum Wagen aber wurde er unsicher. Vielleicht sollte er den Mann doch lieber im Auge behalten. Er kehrte zum Haus zurück. Bestimmt konnte er Muller überreden, ihn wieder einzulassen.

Die Tür war gar nicht richtig geschlossen. Trotzdem klopfte er. Es blieb still. Er schob sie auf und schaute hinein. Keine Spur von Muller, doch eine Tür, die vorher zu gewesen war, stand jetzt einen Spalt offen. Er trat in die Eingangshalle und rief mit möglichst sanfter, freundlicher Stimme: »Mr Muller? Carl? Ich bin’s noch mal, Dave. Sind Sie da?«

Keine Antwort. Doch eins war klar. Das Brummen – eher ein metallisches Rauschen – und das Weihnachtslied kamen durch diese angelehnte Tür. Er ging hinüber und schob sie mit dem Fuß ganz auf. Eine schwach erleuchtete Treppe führte hinunter in den Keller.

Vorsichtig stieg Gurney hinab. Nach wenigen Schritten rief er erneut: »Mr Muller? Sind Sie da unten?«

Ein Knabenchor wiederholte die Hymne auf Englisch: »O, come all ye faithful / Joyful and triumphant / Come ye, O, come ye to Bethlehem.«

Da die Treppe zwischen Wänden verlief, konnte er nur ganz unten einen schmalen Ausschnitt des Kellers erkennen. Dieser sichtbare Teil war anscheinend wie Millionen anderer Tiefgeschosse in Amerika mit PVC-Platten und Fichtenverkleidung gestaltet. Das Normale daran übte eine seltsam beruhigende Wirkung auf ihn aus. Doch dieses Gefühl verflüchtigte sich rasch, als er aus dem Treppenschacht ins Licht trat.

In der hintersten Ecke des Raums stand ein großer Weihnachtsbaum, dessen Wipfel sich unter der zwei Meter siebzig hohen Decke bog. Der Schein im Zimmer kam von Hunderten von Lichtern an dem Baum. Es gab farbige Girlanden, Eiszapfen aus Folie und Dutzende von Glasschmuckstücken in sämtlichen traditionellen Weihnachtsformen, von schlichten Kugeln bis hin zu handgeblasenen Engeln, die alle an silbernen Haken hingen. Fichtenaroma hing in der Luft.

Hinter einer riesigen Plattform in der Größe von zwei Tischtennisplatten stand völlig hingerissen Carl Muller. Seine Hände umklammerten zwei Steuerhebel an einem schwarzen Metallkasten. Eine Modelleisenbahn surrte um die Plattform, wand sich in einer Acht über die Mitte, fuhr sanfte Steigungen hinauf und hinab, brauste durch Bergtunnel, zog durch winzige Dörfer und Bauernhöfe, überquerte Flüsse, passierte Wälder … immer wieder im Kreis herum.

Mullers Augen strahlten hell in den Farben der Lichter am Baum und bildeten einen starken Kontrast zu seinem teigigen Teint. Gurney fühlte sich unwillkürlich an ein unter Progerie leidendes, vorzeitig gealtertes Kind erinnert.

Ohne ein Wort stieg er nach einer Weile wieder die Treppe hinauf. Er nahm sich vor, Scott Ashton nach Muller zu fragen. Die Eisenbahn und der Baum ließen darauf schließen, dass es sich um einen dauerhaften Zustand handelte und nicht um einen akuten Zusammenbruch, der ein sofortiges Eingreifen erforderte.

Mit einem satten Geräusch zog er die schwere Haustür hinter sich zu. Als er auf dem Ziegelpfad zurück zu seinem Auto ging, stieg eine ältere Frau aus einem klassischen Land Rover, der direkt hinter seinem Outback parkte.

Sie öffnete die Hecktür und sprach ein paar strenge, knappe Worte, dann sprang ein ziemlich großer Hund heraus. Ein Airedale Terrier.

Wie der imposante Hund hatte auch die Frau etwas vornehm Drahtiges an sich. Ihre blühende Gesichtsfarbe war das schiere Gegenteil zu der Mullers. Mit dem entschlossenen Schritt einer geübten Wanderin steuerte sie auf Gurney zu. Sie führte den Hund an der kurzen Leine und hielt ihren Gehstock wie eine Keule in der Hand. Auf halber Strecke blieb sie breitbeinig stehen, den Stab fest auf einer Seite, den Hund auf der anderen, und versperrte ihm den Weg.

»Ich bin Marian Eliot.« Es klang, als würde sie sich als hohes Gericht vorstellen.

Der Name war Gurney vertraut. Er tauchte auf der Liste von Ashtons Nachbarn auf, die vom BCI vernommen worden waren.

»Und wer sind Sie?«

»Ich heiße Gurney. Warum fragen Sie?«

Der Griff um den knorrigen Stock wurde fester: Zepter und potenzielle Waffe zugleich. Diese Frau war es gewohnt, Antworten zu bekommen, doch garantiert durfte man nicht den Fehler machen, sich von ihr tyrannisieren zu lassen, weil man sonst ihren Respekt verlor.

Sie kniff die Augen zusammen. »Was machen Sie hier?«

»Ich würde sagen, dass Sie das nichts angeht, wenn Ihre Sorge um Mr Muller nicht so offensichtlich wäre.« Er war sich nicht sicher, ob er die richtige Balance zwischen Selbstbewusstsein und Sensibilität gefunden hatte.

Schließlich fragte sie nach einem durchdringenden Blick: »Ist alles in Ordnung mit ihm?«

»Hängt davon ab, was Sie damit meinen.«

Ein Flackern in ihrem Gesicht ließ erkennen, dass sie den Grund seiner ausweichenden Antwort verstand.

»Er ist im Keller«, fügte Gurney hinzu.

Sie verzog das Gesicht und nickte. »Mit der Eisenbahn?« Ihre herrische Stimme klang mit einem Mal weicher.

»Ja. Ist das normal bei ihm?«

Sie musterte das obere Ende ihres großen Stocks, als erwartete sie sich davon eine Eingebung. Gurneys Frage schien sie nicht sonderlich zu interessieren.

Er beschloss, die Unterhaltung in eine andere Richtung zu lenken. »Ich untersuche den Mordfall Perry. Ich erinnere mich an Ihren Namen aus einer Liste von Zeugen, die im Mai vernommen wurden.«

Sie schnaubte verächtlich. »Eine Vernehmung würde ich das nicht nennen. Ursprünglich wurde ich angesprochen von … gleich fällt mir der Name wieder ein … Chefermittler Hardpan, Hardscrabble, Hard-irgendwas … ein ungehobelter Kerl, aber alles andere als dumm. Eigentlich sogar faszinierend – wie ein schlaues Rhinozeros. Leider ist er verschwunden und wurde von jemand namens Blatt oder Splat ersetzt. Blatt-Splat war nur unwesentlich weniger flegelhaft, doch dafür deutlich weniger intelligent. Wir haben nur kurz miteinander geredet, und diese Kürze war eine Wohltat, glauben Sie mir. Immer wenn ich so jemandem begegne, fühle ich mit den Lehrern, die ihn einst von September bis Juni ertragen mussten.«

Diese Bemerkung erinnerte ihn an den Titel, der auf dem Deckblatt der Vernehmungsprotokollmappe neben dem Namen Marian Eliot gestanden hatte: Professorin für Philosophie (Princeton) im Ruhestand.

»In gewisser Weise ist das auch der Grund, warum ich hier bin«, erwiderte Gurney. »Man hat mich gebeten, bei einigen der Befragten noch mal nachzufassen, um vielleicht neue Erkenntnisse zu gewinnen und besser zu verstehen, was wirklich passiert ist.«

Ihre Brauen schossen nach oben. »Was wirklich passiert ist? Haben Sie da Zweifel?«

Gurney zuckte die Achseln. »Einige Puzzleteile fehlen noch.«

»Ich dachte, was fehlt, sind der mexikanische Axtmörder und Carls Frau.« Sie schien zugleich fasziniert und verärgert über diese unverhoffte Wendung. Die wachsamen Augen des Airedales hingen an seiner Herrin.

»Vielleicht könnten wir woanders miteinander reden?«

Schließe deine Augen
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