76
Noch eine Schicht
»Was ist denn, verdammt?«, knarzte Hardwick.
Gurney schüttelte nur stumm den Kopf, während er der logischen Kette von Möglichkeiten in seinem Kopf folgte, bis er vor Aufregung aufsprang. Langsam zuerst, dann immer schneller schritt er auf dem alten Perser vor Ashtons Schreibtisch auf und ab. Die große Porzellanlampe in der Ecke beleuchtete mit ihrem warmen Schein das komplizierte Gartenmotiv im feinen Gewebe des Teppichs.
Wenn er recht hatte – und diese Möglichkeit bestand –, was folgte dann daraus?
Auf dem Bildschirm war zu erkennen, dass Ashton neben einem der dunkelroten Tücher stand, die Teile der Kapellenwände bedeckten, und den Blick wohlwollend über die Versammlung schweifen ließ.
»Was ist? Scheiße, Mann, dir spukt doch irgendwas im Kopf rum.«
Gurney drehte die Lautstärke am Computer ein wenig herunter, um sich besser auf seinen Gedankengang konzentrieren zu können. »Du hast da vorhin eine Bemerkung fallenlassen. Dass Ashton alles Mögliche gesagt haben könnte.«
»Ja? Was ist damit?«
»Damit hast du vielleicht eine unserer Grundannahmen über Jillians Ermordung widerlegt.«
»Welche Annahme?«
»Die zentralste überhaupt. Die Annahme, dass wir wissen, warum sie ins Cottage gegangen ist.«
»Immerhin wissen wir, welchen Grund sie dafür genannt hat. In dem Film hat sie zu Ashton gesagt, sie will Flores überreden, dass er zum Hochzeitstoast rauskommt. Und Ashton hat mit ihr diskutiert. Hat sie aufgefordert, sich nicht um Flores zu kümmern. Aber stur wie sie war, ist sie natürlich trotzdem reinmarschiert.«
Gurneys Augen funkelten. »Angenommen, dieses Gespräch hat nie stattgefunden.«
»Man sieht es doch im Film.« Hardwicks Ton war gereizt.
Gurney sprach jetzt ganz langsam, als wäre jedes Wort kostbar. »Dieses Gespräch ist nicht auf dem Hochzeitsfilm.«
»Natürlich ist es drauf.«
»Nein. Das Video zeigt nur das Treffen von Scott Ashton und Jillian Perry irgendwo hinten auf dem Rasen – so weit hinten, dass die Kamera ihre Stimmen nicht aufgenommen hat. Das ›Gespräch‹, an das du dich erinnerst – und an das sich alle erinnern, die den Film gesehen haben –, ist die Unterhaltung, die Scott Ashton kurz darauf Burt Luntz und seiner Frau geschildert hat. Tatsache ist, dass wir nicht wissen, was Jillian zu Ashton und was er zu ihr gesagt hat. Wir haben nur sein Wort dafür. Bisher hatten wir keinen Grund, an dieser Version zu zweifeln. Aber es ist genauso, wie du es vorhin bei seiner unverständlichen Unterhaltung mit der Blondine ausgedrückt hast: Er kann alles Mögliche gesagt haben.«
»Na schön.« Hardwick wirkte verunsichert. »Ashton kann also alles Mögliche gesagt haben. Aber was hat er denn deiner Meinung nach gesagt? Ich meine, worauf willst du eigentlich raus? Warum sollte er uns in diesem Punkt anlügen?«
»Dazu fällt mir zumindest ein furchtbarer Grund ein. Vor allem möchte ich noch mal betonen, dass wir keine Gewissheit über den Inhalt dieses Gesprächs haben. Wir wissen nur, dass sie miteinander geredet haben und dass sie danach ins Cottage gegangen ist.«
Hardwick trommelte ungeduldig auf die geschnitzte Armlehne seines thronartigen Stuhls. »Wir wissen doch mehr. Ist nicht jemand vom Gastronomiepersonal hingelaufen und hat an die Tür geklopft, um sie zu holen? Und da war sie schon tot – oder konnte zumindest nicht aufmachen. Ich kapier wirklich nicht, was du da erzählst.«
»Also noch mal ganz von vorn: Denk nur an das tatsächliche Filmmaterial und vergiss den Bericht, der dazu geliefert wurde. Gibt es vielleicht eine andere Deutung, die dazu passt, was auf dem Bildschirm abläuft?«
»Zum Beispiel?«
»Im Film sieht es aus, als würde Jillian Ashton winken und auf ihre Uhr zeigen. Okay. Angenommen, er hat sie gebeten, ihn rechtzeitig an den Hochzeitstoast zu erinnern. Und weiter angenommen, er hat ihr dann unter vier Augen erzählt, dass er eine Riesenüberraschung für sie hat, dass sie ins Cottage gehen soll, weil er sie ihr dort geben will – unmittelbar vor dem Toast. Sie soll anklopfen, sich im Cottage einschließen und dann mucksmäuschenstill bleiben. Egal, wer an der Tür erscheint und nach ihr ruft, sie darf nicht aufmachen und kein Wort sagen. Das gehört alles zu der Überraschung, und sie wird es später verstehen.«
Hardwick war auf einmal hellwach. »Du meinst also, sie war noch gesund und munter, als die Serviererin angeklopft hat?«
»Und als Ashton selbst aufgeschlossen hat, hat er vielleicht gesagt: ›Schließ die Augen. Schließ die Augen, das wird die größte Überraschung deines Lebens.‹«
»Und dann?«
Gurney zögerte. »Erinnerst du dich noch an Jason Strunk?«
Hardwick legte die Stirn in Falten. »Den Serienmörder? Was hat der damit zu tun?«
»Weißt du noch, wie er seine Opfer getötet hat?«
»War das nicht der, der sie zerhackt und die Teile dann an Polizisten aus der Gegend geschickt hat?«
»Genau. Aber ich dachte vor allem an die Waffe, die er benutzt hat.«
»Ein Fleischerbeil, oder? Rasiermesserscharf, aus Japan.«
»Und er hat es in einer einfachen Plastikscheide unter der Jacke getragen.«
»Und was heißt das jetzt? Ach komm, das meinst du doch nicht ernst. Du willst doch nicht behaupten, dass … dass Scott Ashton in das Cottage reinspaziert ist, seine frisch Angetraute aufgefordert hat, die Augen zuzumachen, und ihr dann den Kopf abgehackt hat?«
»Ausgehend vom Filmmaterial ist das genauso gut möglich wie die Geschichte, die wir gehört haben.«
»Meine Güte, möglich ist viel …« Hardwick schüttelte den Kopf. »Und dann? Er haut seiner Braut den Kopf ab, platziert ihn ordentlich auf den Tisch, fängt dann an zu schreien, schiebt das blutige Beil zurück in die Plastikscheide, stolpert durch die Tür nach draußen und bricht zusammen?«
Gurney nahm den Faden auf. »Genau. Der letzte Teil davon ist auf dem Film: wie er schreit, rausstolpert und im Rosenstrauch zusammenbricht. Alle stürzen herbei, schauen ins Cottage und ziehen die unter den Umständen naheliegenden Schlussfolgerungen. Genau wie es Ashton geplant hatte. Also hatte niemand einen Grund, ihn zu durchsuchen. Wenn er tatsächlich ein Beil oder eine ähnliche Waffe in der Jacke versteckt hatte, hat es nie jemand erfahren. Und nachdem die Hundestaffel die Machete im Wald entdeckt hatte, war sowieso alles klar. Damit war die Hector-Flores-Geschichte in Stein gemeißelt und hat nur darauf gewartet, dass sie von Rod Rodriguez abgesegnet wird.«
»Die Machete mit Jillians Blut … Aber wie …?«
»Das Blut konnte ohne Weiteres von dem Lithiumtest zwei Tage vorher stammen. Vielleicht hat Ashton die Verabredung mit der Phlebologin abgesagt und Jillian selbst das Blut abgenommen. Oder er hat es sich auf andere Weise beschafft, es irgendwie ausgetauscht – so wie wir es von Flores vermutet haben. Und die Machete könnte er vor dem Empfang im Wald verscharrt haben. Hat das Blut draufgeschmiert, ist damit durchs hintere Fenster des Cottage geklettert, hat ein, zwei Tropfen auf das Fensterbrett fallen lassen und die Pheromonspur für die Hunde gelegt, bevor er wieder zurückgekehrt ist. Vor dem Empfang sind die Kameras noch nicht gelaufen, das würde erklären, wie die Machete zu ihrem Fundort gelangt ist, ohne dass auf dem Film jemand auftaucht, der an diesem verdammten Baum vorbeikommt.«
»Moment mal, du hast was vergessen. Wie soll er ihr denn ein Beil durch den Hals – durch die Schlagadern – ziehen, ohne dass er sich mit Blut besudelt? Ich weiß, im gerichtsmedizinischen Bericht steht, dass das Blut auf der hinteren Seite runtergelaufen ist, und ich hatte ja selbst die Idee, dass der Täter das Blut mit dem Kopf abgelenkt haben könnte. Trotzdem, ganz ohne Spritzer kann das nicht abgegangen sein.«
»Möglich.«
»Und niemandem ist was aufgefallen?«
»Denk doch an den Ablauf im Film, Jack. Ashton hatte einen dunklen Anzug an. Er stürzt sich in ein schlammiges Blumenbeet. Ein Beet mit Rosensträuchern. Mit Dornen. Er war von oben bis unten verschmiert. Soweit ich mich erinnere, haben ihn mehrere hilfsbereite Gäste zum Haus gebracht. Ich verwette meine Rente darauf, dass er ins Bad verschwunden ist. Dort hatte er Gelegenheit, das Beil loszuwerden und vielleicht sogar in einen gleichartigen, bereits mit Schlamm präparierten Anzug zu schlüpfen. Er kommt also genauso verschmiert wieder raus, nur ohne Blutspuren am Anzug.«
»Scheiße«, knurrte Hardwick. »Du glaubst also wirklich daran?«
»Ehrlich gesagt habe ich keinen Grund, daran zu glauben, Jack. Trotzdem halte ich es für möglich.«
»Aber es bleiben noch ein paar Probleme.«
»Zum Beispiel, dass man sich einen angesehenen Psychiater schlecht als eiskalten Killer vorstellen kann?«
»Das gefällt mir sogar am besten daran.«
Gurney musste grinsen. »Sonst noch Probleme?«
»Ja. Wenn Flores nicht im Cottage war, als Jillian umgebracht wurde, wo war er dann?«
»Vielleicht schon tot«, antwortete Gurney. »Vielleicht hat ihn Ashton beseitigt, damit es aussieht, als wäre er der Täter. Aber möglicherweise ist das Szenario, das ich mir da gerade zusammengereimt habe, genauso voller Löcher wie die anderen Theorien zu dem Fall.«
»Dieser Typ ist also ein Weltklasse-Krimineller, oder das Opfer von einem.« Hardwick warf einen Blick auf den Monitor. »Für einen Mann, dessen ganze Welt gerade zusammengebrochen ist, wirkt er ziemlich gelassen. Wo sind auf einmal die ganze Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit geblieben?«
»Haben sich anscheinend in Luft aufgelöst.«
»Da komme ich nicht mehr mit.«
»Unverwüstlichkeit? Gute Miene zum bösen Spiel?«
Hardwicks Verblüffung wuchs. »Warum wollte er dann, dass wir ihm zuschauen?«
Gebieterisch wie ein Guru im Kreis seiner Anhänger schritt Ashton durch die Kapelle. Siegessicher. Selbstbewusst. Unerschütterlich. Von Minute zu Minute freudiger und zufriedener. Ein Mann voller Macht und Einfluss. Ein Kardinal der Renaissance. Ein amerikanischer Präsident. Ein Rockstar.
»Anscheinend ist Scott Ashton ein Juwel mit vielen Facetten.« Fasziniert beobachtete Gurney den Psychiater.
»Oder ein gemeiner Mörder«, entgegnete Hardwick.
»Da müssen wir uns wohl entscheiden.«
»Wie soll das gehen?«
»Wir reduzieren die Gleichung auf die wesentlichen Variablen.«
»Und die wären?«
»Angenommen, Ashton hat Jillian tatsächlich umgebracht.«
»Und Hector war nicht beteiligt?«
»Genau. Was würde daraus folgen?«
»Dass Ashton ein sehr guter Lügner ist.«
»Der vielleicht einen Haufen andere Lügen erzählt hat, ohne dass wir es gemerkt haben.«
»Lügen über Hector Flores?«
»Richtig.« Gurney zögerte. »Über … Hector … Flores.«
»Was ist?«
»Lass mich kurz überlegen.«
»Ja?«
»Kann es … kann es sein …?«
»Mach’s nicht so spannend.«
»Einen Moment noch. Ich muss bloß …« Gurney versank im Wirbel seiner fieberhaften Gedanken.
»Also?«
»Ich reduziere nur die Gleichung. Auf die einfachsten … möglichen …«
»Verdammt, jetzt brich doch nicht ständig ab. Spuck’s schon aus!«
O Gott, konnte es so einfach sein?
Ja, vielleicht war es tatsächlich so unglaublich, so absurd einfach!
Warum war ihm das nicht schon vorher aufgefallen?
Er lachte.
»Gottverdammte Kacke, Gurney …«
Es war ihm nicht aufgefallen, weil er nach einem fehlenden Puzzleteil gesucht hatte. Und das hatte er nicht finden können. Natürlich nicht. Denn dieses fehlende Puzzleteil existierte nicht. Es gab kein fehlendes Teil, nur ein überzähliges Teil. Das Teil, das alle anderen Überlegungen blockierte. Das Teil, das einer Lösung des Rätsels von Anfang an im Weg gestanden hatte. Das Teil, das eigens erfunden worden war, um die Entdeckung der Wahrheit zu verhindern.
Hardwick funkelte ihn böse an.
Mit einem irren Grinsen wandte sich Gurney ihm zu. »Weißt du, warum niemand nach dem Mord Hector Flores finden konnte?«
»Weil er tot war?«
»Glaube ich nicht. Es gibt drei mögliche Erklärungen. Erstens, er ist aus der Gegend verschwunden wie allgemein vermutet. Zweitens, er wurde von dem wahren Mörder Jillians getötet. Oder drittens, er hat sowieso nie gelebt.«
»Was soll das schon wieder heißen?«
»Es ist denkbar, dass Hector Flores nie existiert hat, dass es den Menschen Hector Flores nie gegeben hat, dass Hector Flores nur ein Mythos war, den Scott Ashton erfunden hat.«
»Aber die vielen Geschichten …«
»Sie könnten alle von Ashton stammen.«
»Was?!?«
»Warum nicht? Gerüchte werden in Umlauf gesetzt, sie verbreiten sich, sie gewinnen ein Eigenleben – darauf hast du doch selbst schon oft hingewiesen. Warum sollen diese Geschichten nicht alle aus derselben Quelle stammen?«
»Aber die Leute haben Flores doch in Ashtons Wagen gesehen.«
»Sie haben einen mexikanischen Tagelöhner mit Strohcowboyhut und Sonnenbrille gesehen. Das können ganz verschiedene Leute gewesen sein, die Ashton für einen Tag eingestellt hatte.«
»Trotzdem versteh ich nicht …«
»Warum denn nicht? Ashton kann alle Geschichten selbst ausgetüftelt und in Umlauf gesetzt haben. Idealer Stoff für Tratsch. Der besondere neue Gärtner. Der erstaunlich fleißige Mexikaner. Der Arbeiter, der unglaublich schnell lernt. Der Mann mit dem ungeheuren Potenzial. Aschenbrödel. Der Schützling. Der zuverlässige persönliche Assistent. Das Genie, das erste Launen zeigt. Der Mann, der auf einem Bein im Gartenpavillon steht. So viele Geschichten, so interessant, so farbenprächtig, so schockierend, so köstlich, so gut geeignet zum Weitererzählen. Idealer Stoff für Tratsch. Verdammt, kapierst du denn nicht? Er hat seine Nachbarn mit einer unwiderstehlichen Legende gefüttert, und sie sind darauf eingestiegen, haben sie sich gegenseitig erzählt, sie ausgeschmückt, sie Fremden aufgetischt. Er hat Hector Flores frei erfunden und ihn Kapitel für Kapitel zu einer Legende gemacht. Eine Legende, die in Tambury jahrelang für Gesprächsstoff gesorgt hat. Der Mann wurde überlebensgroß, realer als die Wirklichkeit.«
»Und die zerschossene Teetasse?«
»Ganz einfach. Ashton hat den Schuss selbst abgefeuert, das Gewehr versteckt und es als gestohlen gemeldet. Es ist doch vollkommen glaubhaft, dass der wahnsinnige, undankbare Mexikaner dem Psychiater sein teures Gewehr stiehlt.«
»Moment mal. Auf dem Film, ganz am Anfang, noch vor dem Empfang geht Ashton doch zum Cottage, um mit Flores zu reden. Nachdem er geklopft hat, wurde ein ganz leises ›Está abierta.‹ aufgenommen. Wer soll das gesagt haben, wenn es keinen Hector Flores gab?«
»Ashton natürlich. Mit leiser Stimme. Er stand doch mit dem Rücken zur Kamera.«
»Aber die Schülerinnen, mit denen Hector in Mapleshade geredet hat …«
»Die Schülerinnen, mit denen er angeblich geredet hat, sind praktischerweise alle tot oder verschwunden. Woher wollen wir also wissen, dass er je mit einer von ihnen gesprochen hat? Es ist niemand greifbar, der wirklich behaupten kann, ihm von Angesicht zu Angesicht begegnet zu sein. Ist das allein nicht schon ein verdammt komischer Umstand?«
Ihr Blick fiel auf den Bildschirm, wo Ashton kurz mit zwei Mädchen redete und instruierend auf verschiedene Teile der Kapelle deutete. Er wirkte entspannt und selbstsicher wie ein siegreicher General am Tag der Kapitulation des Feindes.
Hardwick schüttelte den Kopf. »Glaubst du wirklich, dass sich Ashton diesen unglaublich komplizierten Plan ausgedacht hat – dass er sich diese imaginäre Person aus den Fingern gesogen hat – und diese Fiktion drei Jahre lang genährt hat, nur damit er irgendwann einen Sündenbock hat für den Fall, dass er eines Tages eine Frau, die er gerade geheiratet hat, ermorden kann? Hört sich das nicht irgendwie lächerlich an?«
»So ausgedrückt, hört es sich total lächerlich an. Aber vielleicht hatte er einen anderen Grund dafür, Hector zu erfinden.«
»Welchen Grund?«
»Das weiß ich nicht. Einen umfassenderen Grund. Einen praktischen Grund.«
»Kommt mir alles furchtbar wacklig vor. Und was ist dann überhaupt mit dieser Skard-Geschichte? Beruht die nicht auf der Theorie, dass sich einer der Skard-Brüder, wahrscheinlich Leonardo, als Hector ausgegeben und unverbesserliche Mapleshade-Schülerinnen mit der Aussicht auf Geld und Abenteuer dazu überredet hat, das Elternhaus nach dem Abschluss zu verlassen? Wenn es keinen Hector gibt, wo bleibt dann das Szenario mit den Sexsklavinnen?«
»Das weiß ich nicht.« Gurney war klar, dass das eine wichtige Frage war. Was war eine Theorie wert, die von der Vorstellung abhing, dass sich Leonardo Skard als Hector Flores getarnt hatte – wenn jemand mit dem Namen Hector Flores niemals existiert hatte?