Kapitel 19
Prinzessin

Meine von den Silberringen befreiten Hände wurden zum Gesprächsthema Nummer eins. Die lästigen Streicheleinheiten blieben aus, an ihrer Stelle verfolgten mich wachsame Blicke. Und obwohl sich mein Gewissen ein wenig dagegen sträubte, genoss ich die Verunsicherung.

Außer Sanctifer war Raffael der Einzige seiner Dauergäste, der nicht ständig auf meine Finger starrte. Er wusste, dass meine Augen wesentlich mehr über meinen Gemütszustand verrieten als hervortretende Monsterkrallen. Dass ausgerechnet er mich auf meine Klauen ansprach, überraschte mich deshalb umso mehr.

»Hast du sie schon ausprobiert?«, fragte er mit einem Blick auf meine Hände, während einer unserer gemeinsamen Stunden in der Bibliothek.

»Hat Sanctifer dich beauftragt, das herauszufinden?«, fragte ich ruhig.

»Wie kommst du darauf

»Denkst du wirklich, dass ich so naiv bin? Oder spielst du deine Rolle nur so gut, weil deine Furcht vor ihm so riesig ist?«

»Ich habe keine Angst vor Sanctifer!« Raffaels Antwort kam auffallend schnell.

»Gut. Dann sag ihm, dass das weder ihn noch dich etwas angeht. Schließlich ist Sanctifer nicht mein Tutor« – auch wenn er das offensichtlich gern wäre.

»Ich habe ein wenig Bedenken, was den Maskenball betrifft«, rückte Raffael endlich mit der Wahrheit heraus.

»Ich bleibe gern auf meinem Zimmer«, unternahm ich einen weiteren Versuch, mich vor dem großen Ball zu drücken, obwohl ich wusste, wie zwecklos das war. Sanctifer hatte mir ausführlich erklärt, dass es keinen seiner Gäste stören würde, wenn mich ein paar seiner Wachen begleiteten.

»Weil du lieber mit einem anderen tanzen möchtest?«, hakte Raffael ein wenig unsicher nach. »Oder weil du befürchtest, du könntest deine Klauen zeigen, falls dich nach mir jemand auffordert?«

»Weder noch. Aber ich hasse es, wenn Sanctifer versucht, mich vorzuführen«, beendete ich die Diskussion. Warum sonst sollte ich auf seinem Maskenball den Eröffnungstanz bestreiten? Menuett. Ich allein mit Raffael im großen Saal.



Vier gigantische Festtafeln boten Platz für Sanctifers illustre Gästeschar. Er hatte wahrhaftig einen Märchenball arrangiert – und ich, ausgestattet mit federbesetzter Silbermaske und Ballkleid aus Taft und Spitze, das im Schein der Lüster in den schönsten Pastelltönen feenhaft schimmerte, sollte die Prinzessin spielen.

Als ich den Saal betrat und Sanctifer auf mich zusteuerte, richteten sich alle Augen auf mich. Dass er ausgerechnet den Platz neben sich für mich reserviert hatte, behagte mir auch nicht besonders. Immerhin war ich nicht die Einzige, die eine auffällige Maske aus Silber trug, und ich war auch nicht der Ehrengast des heutigen Abends.

Eine Frau in einem aufwendig gearbeiteten schwarzgoldenen Kleid mit einer Maske in Form eines Schwans thronte uns gegenüber auf dem prächtigen Stuhl, der dem Ehrengast vorbehalten war, an der sonst unbesetzten Stirnseite. Raffael saß neben ihr. Er war der Einzige, der weder Perücke trug noch seine schulterlangen Haare zu einem Zopf zusammengebunden hatte.

Hin und wieder warf er mir einen aufmunternden Blick zu – vielleicht auch einen nervösen. Aufgrund seiner Löwenmaske konnte ich das nicht so genau erkennen. Doch vermutlich war er nicht weniger aufgeregt als ich. Schließlich sollten wir beide nach dem Essen den Ball eröffnen.

Als die Musik einsetzte und sich anstatt Raffael jedoch Sanctifer erhob, sich formvollendet vor mir verbeugte und mir seine Hand anbot, stand ich kurz davor, meine Klauen auszuprobieren. Sanctifer tanzte schon seit Jahrhunderten nicht mehr, wie Raffael mir erzählt hatte. Dass er selbst den Maskenball eröffnen wollte, glich einer Sensation – wie das Raunen seiner Gäste bewies. Was auch immer er damit bezwecken wollte, ich war jedenfalls nicht bereit, seine Spielchen mitzuspielen.

Sanctifer spürte meinen Wunsch, ihn anzugreifen. Galant ergänzte er seine Verbeugung mit einem Lächeln, schnappte sich meine Hände und zog mich aus dem Stuhl.

»Mir ausgerechnet heute deine Klauen zu zeigen, halte ich für keine gute Idee«, raunte er mir ins Ohr. »Es sei denn, du möchtest es offiziell machen, dass ich und nicht mehr Aron dich unterrichte. Das anwesende Mitglied des Engelsrats wäre sicher begeistert.«

»Lieber würde ich tot umfallen!«, zischte ich.

»Das dachte ich mir. Und da mir weder an deinem Ableben noch an deinem Widerstand liegt, soll unser Abkommen ein Geheimnis bleiben.«

Hatte ich das richtig verstanden? Erwartete Sanctifer etwa, dass ich mich ihm freiwillig fügte? Darauf konnte er lange warten.

Ein mieses Gefühl beschlich mich. Tat ich das nicht schon? Sanctifer hatte mir die Ringe abgenommen und einen Maskenball arrangiert, bei dem ich niemals aufgetaucht wäre, wenn ich gewusst hätte, dass er mich zum Eröffnungstanz auffordern würde.

Als gehöre das zum Auftakt des Tanzes, verschränkte Sanctifer seine Hände mit meinen. Doch anstatt mich nur festzuhalten, damit ich nicht fliehen konnte, bog er meine Finger so weit zurück, dass meine Klauen nicht durchbrechen konnten.

»Vergiss nicht, zu lächeln«, erinnerte er mich, dass ich unter der mit Sternenlichtern erhellten Kuppel inmitten eines Ballsaals stand und von mehr als fünfhundert Augenpaaren gemustert wurde – einschließlich der zahlreichen Irrlichter in Form von Gauklern und Komödianten, die uns vom Atrium aus beobachteten. Leise zählte er den Takt ein und murmelte die Schrittfolge, damit ich wusste, wann ich beginnen und welchen Fuß ich wohin setzen musste.

Kaum dass die Musik verklungen war, zog Sanctifer mich von der Tanzfläche. Unterstützt von zwei seiner Wachen drängte er mich Richtung Atrium. Für seine Gäste musste es so aussehen, als würde er mich in Sicherheit bringen. Die Hartnäckigkeit, mit der einige von ihnen versuchten, den nächsten Tanz mit mir, der Prinzessin im Feenkostüm, zu ergattern, war überraschend heftig. Woher sollten sie auch wissen, dass unter der Maske ein Racheengel mit ungebändigten Klauen steckte?

Verzweifelt suchte ich nach Raffael, während Sanctifer mich weiterzerrte. Ich entdeckte ihn unter den Tanzenden an der Seite des Ehrengastes. Der Blick, mit dem er mir hinterherstarrte, aber vor allem seine angespannte Körperhaltung verriet, wie wütend er war.

Sanctifer ließ mich in den alten Teil des Palastes bringen. Allem Anschein nach in sein Audienzzimmer. Das ungute Gefühl, das ich schon den ganzen Abend mit mir herumschleppte, verstärkte sich. Mit einem »Danke« verabschiedet er seine Leibwächter. Doch der Dank galt nicht ihnen, sondern mir.

»Wofür?«, fragte ich misstrauisch.

Sanctifer legte seine schwarze Maske ab und ordnete seine dunklen Haare, bevor er antwortete. »Dich nach allem, was du über mich zu wissen glaubst, zum Eröffnungstanz aufzufordern, war … riskant. Betrachte es als Zeichen meiner Dankbarkeit, dass ich dich vor der tanzwütigen Meute gerettet habe.« Er lächelte, doch seinem jugendlichen Gesicht mit den unbeschreiblich blauen Augen fehlte jegliche Wärme.

Ich wandte mich ab. Sanctifer hatte mich nicht ohne Hintergedanken seinen Gästen vorgeführt. Doch was genau plante er? Und warum ließ er mich so schnell wieder von der Bildfläche verschwinden? Vielleicht sollte ich zurückgehen und seinen Gästen zeigen, was noch in mir steckte.

Sanctifer schien meine Gedanken zu erraten. »Im Augenblick bist du hier besser aufgehoben als im Ballsaal«, warnte er mich, wobei er – ganz nebenbei – den Ausgang versperrte.

Meine Klauen drängten, sich endlich zeigen zu dürfen. Ich wandte mich ab, damit Sanctifer nicht sehen konnte, dass ich die Zähne zusammenbiss. War es das, was er wollte: mich aus der Fassung bringen?

Vorsorglich suchte ich nach einem Fluchtweg – und erstarrte vor dem, was ich im angrenzenden Raum entdeckte: eine Sammlung altorientalischer Kunstschätze in einem Saal, der mir den Atem verschlug. Dagegen wirkte der Rest des Palastes wie eine schmucklose Hülle.

»Was … ist das?«, keuchte ich und zog meine Maske ab, um besser sehen zu können.

»Meine Vergangenheit«, antwortete Sanctifer bescheiden. »Ich wurde als dritter Sohn eines babylonischen Königs geboren. Was du hier siehst, ist ein Teil meines Erbes.«

»Und weil du dort nicht zum Zuge gekommen bist, hast du dir vorgenommen, in deinem zweiten Leben die Rolle zu übernehmen, die dir deiner Meinung nach schon damals zustand«, unterstellte ich ihm.

»Und die wäre?« Sanctifer verzog keine Miene, während er mich mit einem kleinen, aus Engelsmagie gewobenen Dolch in eine Ecke seines Privatmuseums trieb.

»Die des tyrannischen Despoten.« Furcht überwältigte mich. Sanctifer hatte mich zwischen zwei der zahlreichen Tierstatuen gedrängt. Doch es war nicht Sanctifers Dolch, sondern etwas anderes, das mir Angst einjagte. Etwas Dunkles, Bösartiges lauerte hier.

Sanctifer bemerkte meine Furcht. Ein kaum wahrnehmbares Funkeln huschte über sein Gesicht.

»Warum bin ich hier?«

»Um ein paar Fehler wiedergutzumachen.« Trotz seiner drohenden Körperhaltung gelang es Sanctifer, reumütig zu klingen. »Versprichst du mir, bis zum Ende zuzuhören, ohne die Flucht zu ergreifen? Oder muss ich hier stehen bleiben?«, fragte er mit Blick auf den Dolch und die steinernen Löwenkörper, zwischen denen ich feststeckte.

»Ich … bleibe. Freiwillig«, fügte ich trotzig hinzu.

Sanctifer betrachtete mich nachdenklich, bevor er den Dolch verschwinden ließ und sich vor den aus blank poliertem Kristallmarmor gemeißelten Kamin zurückzog, damit ich aus meiner Ecke herauskommen konnte.

»Du kannst dich gern setzen«, bot er mir an, es mir in einem der schwarzen Ledersessel davor gemütlich zu machen – ich blieb stehen. Sanctifer nickte, als hätte er meine Reaktion vorausgeahnt, und begann zu erklären.

»Als Aron die Aufgabe übertragen bekam, dich zu unterweisen, wusste ich, dass es schwer werden würde, dich zu einem Besuch in meinem Hause zu überreden, nach allem, was zwischen uns vorgefallen ist.«

Und zwischen dir und Christopher, ergänzte ich stumm, verbot mir jedoch, ein weiteres Mal an Christopher zu denken.

»Ich möchte dich bitten, mir eine Chance zu geben.«

Hatte ich richtig gehört? Sanctifer bat um eine zweite Chance? Ich zwang mich, ruhig zu bleiben und Interesse zu heucheln – obwohl ich Sanctifer am liebsten seine blauen Augen ausgekratzt hätte. Die Pläne meines Gegners zu kennen war wertvoll.

»Es stimmt. Ich habe viele Fehler gemacht«, gab Sanctifer zu. »Besonders bei dir.« Sein Blick schweifte in die Ferne – er war ein toller Schauspieler. »Es ging mir um Raffael. Ich brauchte einen zweiten Blutgeber, um ihm einen dauerhaften Zugang zu meiner Welt zu gewährleisten. Du schienst mir die beste Wahl zu sein, da du unsere Welt bereits kanntest.«

»Weil du mir ein Rendezvous mit der Totenwächterin ermöglicht hast«, zickte ich dazwischen.

Schneller, als ich reagieren konnte, umfasste Sanctifer meine Hände. »Weshalb ich dich um Vergebung bitten möchte.«

»Ich … das … das kommt ein wenig spät«, erwiderte ich verwirrt und entzog ihm meine Hände. Freiwillig würde ich ihm mein Blut niemals geben.

»Doch es gibt noch mehr, das ich bereue«, fuhr Sanctifer fort. »Christopher in seinen Schatten zu zwingen war mein größter Fehler. Hätte ich damals schon gewusst, dass es einen anderen Weg gibt, aus ihm einen Racheengel zu machen, hätte ich ihm das niemals angetan. Er war wie ein Sohn für mich.« Erschreckend genau zielte Sanctifer auf meine größte Schwäche: meine Gefühle für Christopher.

Sanctifers flehender Blick richtete sich auf mich. Mir drehte sich der Magen um. Es war nicht an mir, ihm dieses unverzeihliche Verbrechen zu vergeben. Doch wie konnte ausgerechnet ich Sanctifer vorwerfen, Christopher gequält zu haben? – Ich, die eine Engelseele verletzt hatte, die ich mehr liebte als mich selbst.

Lange hatte ich meine Gefühle verdrängt. Jetzt drohten sie, über mich hereinzubrechen. Doch ausgerechnet vor Christophers größtem Widersacher in Tränen auszubrechen war ein denkbar schlechter Zeitpunkt, meiner Liebe nachzutrauern.

Anstatt vor Sanctifer zurückzuweichen, machte ich einen Schritt auf ihn zu. Der sich verstärkende Schmerz meiner hervordrängenden Klauen half mir, meinen Zorn zu schüren. So riskant es auch sein mochte, der schnellste Weg, meine Gefühle zu verdrängen, war, meine Wut heraufzubeschwören.

»Und warum hast du dann mich und nicht ihn hierhergebeten?!«

»Weil Christopher meiner Einladung niemals gefolgt wäre.«

»Das wäre ich auch nicht, wenn du mich nicht dazu gezwungen hättest!«, zischte ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.

Sanctifer trat den Rückzug an und zog sich wieder vor den Kamin zurück. Offenbar spürte er, dass meine Klauen bleibende Spuren auf seinem Körper hinterlassen wollten – so, wie er es bei Christopher getan hatte.

»Ein Jahr ist eine lange Zeit für jemanden, der sein Leben noch in Menschenjahren bemisst. Doch ich weiß, dass du nicht von heute auf morgen verstehen wirst, warum ich nicht anders handeln konnte. Deshalb bitte ich dich, zu bleiben und dich als mein Gast und nicht als Gefangene zu fühlen.«

»Dann wirst du sicher nichts dagegen haben, wenn dein Gast sich jetzt verabschiedet«, griff ich Sanctifers Angebot auf und flüchtete vor ihm und seinen schönen Worten – und vor dem dunklen Zorn, der drohte, mich zu überschwemmen.

Sanctifer hielt mich nicht auf. Er hatte sein Ziel längst erreicht.

Aufgewühlt lief ich in dem zu meiner Suite gehörenden Garten auf und ab. Die Begegnung mit Sanctifer setzte mir zu. Meine Sehnsucht nach Christopher schmerzte stärker als jemals zuvor. Die Erinnerung an ihn aus meinen Gedanken zu verbannen und nur in meinem Herzen zu verwahren, damit er nicht spüren konnte, was ich für ihn empfand, war unendlich schwer.

Sanctifers Wachen hatten mich in meine Suite zurückgebracht – und eingeschlossen. Der Gedanke, einen Fehler begangen zu haben, machte mich rasend. Sanctifer hätte mich beinahe dazu gebracht, meine Klauen auszufahren, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, sie nicht zu benutzen.

Ich zwang mich zur Ruhe. In einer einfachen Yogahaltung setzte ich mich an den Rand des kleinen Wasserspiels in der Mitte des Gartens und versuchte, mich zu entspannen, um meine Gedanken zu ordnen. Was genau plante Sanctifer? Ein Jahr sollte ich hierbleiben. Warum ein Jahr? Wollte er mich langsam quälen? Mich dazu bringen, meine Gefühle zu offenbaren, um Christopher hierherzulocken? Das hätte er einfacher haben können.

Während sich in meinem Magen ein Knoten bildete, löste sich der in meinen Hirnwindungen. Es gab nur einen sinnvollen Grund, mich hier festzuhalten: Christopher weit weg von Venedig zu wissen. Christopher kannte seinen einstigen Mentor besser als jeder andere Racheengel des Zirkels. Wenn Sanctifer etwas plante, wäre er vermutlich der Erste gewesen, der das erkannt hätte. Ihn von Venedig fernzuhalten war die einfachste Methode, sich vor Christopher zu schützen – und ich war der Grund, warum sein einstiger Schüler Venedig meiden musste. Fein säuberlich hatte Sanctifer seine Falle aufgestellt. Selbst Aron hatte nichts bemerkt. Vermutlich hätte Christopher den Hinterhalt erkannt, aber Sanctifer hatte ihn geschickt aus dem Spiel genommen.

Wütend, weil ich in meiner Suite eingeschlossen war, wo ich Sanctifers Geheimnis niemals enträtseln konnte, stapfte ich zur Eingangstür. Irgendwann würde jemand aufschließen, falls ich nicht eines Hungertods sterben sollte.

Lange musste ich nicht warten. Die Tür stand einen Spaltbreit offen, und ein zusammengefalteter Zettel steckte darunter – sicher mal wieder eine Nachricht von ihm, war mein erster Gedanke. Doch dieser Brief stammte wohl eher nicht von Sanctifer.

Wenn du mehr wissen willst, solltest du dir die

Gäste mit den Silbermasken genauer ansehen.

Obwohl ich mir nicht sicher war, ob es sich bei dem Zettel nicht doch um einen von Sanctifers Tricks handelte, nutzte ich die Gelegenheit, um aus meinem Zimmer zu fliehen. In meinem inzwischen vollbestückten Kleiderschrank fand ich etwas Geeignetes zum Anziehen, eine Maske im Empfangsraum. Anders als mit der feenglitzernden Robe, auf die Sanctifer heute bestanden hatte, würde ich mit dem dunkelblauen Kleid und der dazu passenden Maske auf dem Ball nicht weiter auffallen. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass mich allerhöchstens meine Augen verraten konnten. Doch Engel mit braunen Augen gab es viele.

Der Maskenball schien seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Tanzende Paare im Saal, ausgelassenes Gelächter im angrenzenden Atrium. Doch ich hörte auch andere Geräusche. Etwas wie ein »Nein … Bitte! …«, gefolgt von einem erstickten Laut, zog mich zu einem der Seitenflügel des Palastes. Einen in Bedrängnis geratenen Jungen entdeckte ich dort allerdings nicht. Nur davor postierte Wachen, die mich aufhalten würden.

Da ich es nicht auf eine Auseinandersetzung anlegen und keinen Zwangsbesuch bei Sanctifer riskieren wollte, solange ich keine handfesten Beweise hatte, lief ich weiter Richtung Ballsaal. Gut möglich, dass ich nur mit angehört hatte, wie eine tollpatschige Putte gemaßregelt wurde – was ziemlich oft vorkam.

Ein junges Mädchen mit einer silbernen Maske torkelte an der Seite eines blonden Engels auf mich zu. Er hatte seinen Arm um ihre Taille geschlungen, um sie zu stützen. Ich sah beiseite, weil ein Funke Eifersucht mit einem großen Anteil Sehnsucht in mir erwachte. Doch ich wollte nicht an Christopher denken – nicht, solange ich Sanctifers Gefangene war.

Sandelholzduft erreichte mich. Für meinen Geschmack versprühte der Engel etwas zu viel von seinem Betörungsduft. Zumal ihn seine Partnerin sowieso schon anhimmelte, als wäre er das siebte Weltwunder. Erst als sie an mir vorbeiliefen, bemerkte ich, dass nicht sein übermäßiger Engelsduft mich störte. Es war ihrer – er fehlte. Sie roch nur nach Seife, Deo und Sanctifers Wein.

Ich verdrängte den üblen Gedanken, dass das Mädchen ihrem Begleiter vielleicht nicht ganz so freiwillig folgte, wie es aussah, und lief weiter. Schließlich sollte ich mir nicht bloß einen von Sanctifers Gästen mit Silbermaske genauer ansehen, und die meisten von ihnen tummelten sich im Ballsaal. Außerdem, so ungewöhnlich war es nun auch wieder nicht, dass ein Mensch einen Engel liebte – schließlich hatte auch ich mich in einen verliebt, als ich noch menschlich war.

Dass fast die Hälfte der Tänzer und Tänzerinnen eine silbern glitzernde Maske trug, erschien mir in Anbetracht der pompösen Roben nicht ungewöhnlich – dass ihre Partner niemals eine solche Maske trugen, dagegen schon.

Ich ließ mich auf einen freien Stuhl sinken, weil mein Kreislauf drohte, schlapp zu machen – eine vielleicht viel zu menschliche Reaktion für jemanden ohne Silbermaske. Allerdings konnte es auch nur ein Zufall gewesen sein, dass das Mädchen im Flur ein Mensch war. Schließlich hatte auch ich heute Abend eine silberne Maske getragen.

Nachdem mein Blutdruck sich wieder normalisiert hatte, beschloss ich, ein paar der Silbermaskenträger zu beschnuppern und nach dem Zettelschreiber zu suchen. Möglicherweise gab es hier jemanden, der auf meiner Seite stand. Spontan fiel mir Raffael ein. Sauer genug, um sich endlich gegen seinen Ziehvater zu erheben, war er heute jedenfalls gewesen.

Mit einem Glas Wein in der Hand arbeitete ich mich zur nächsten Silbermaskenträgerin vor. Es wäre mir beinahe aus den Fingern gerutscht, als ich die zarten Hände wiedererkannte, die in den Pranken eines Engels lagen – obwohl ich eigentlich damit hätte rechnen müssen, Lucia, Philippes Freundin, bei Sanctifer anzutreffen. Schließlich hatte sie mir den Brief überreicht, in dem Sanctifer gedroht hatte, Philippe etwas anzutun, falls ich nicht erscheinen würde.

Hatte Lucia den Zettel geschrieben? Weil sie wusste, was Sanctifer mit Philippe angestellt hatte – und noch anstellen wollte?

Ich hob mein Glas, um ihr zuzuprosten, doch Lucia zeigte keine Reaktion. Vermutlich hätte sie mich auch ohne Maske nicht wiedererkannt. Ein Blick in ihre honigbraunen Augen verriet mir, dass sie schon lange nicht mehr mitbekam, was um sie herum passierte.

Ich verbannte den Gedanken, dass Lucia nicht freiwillig hier war. Sie wusste ganz genau, dass es Engel gab – auch welche, die Menschen für ihre Zwecke missbrauchten. Als Lucias Begleiter ihr beim Aufstehen half, gab ich meine Suche nach dem geheimnisvollen Briefeschreiber auf und folgte dem Engel, der sich bei Lucia eingehakt hatte, um sie aus dem Saal zu bugsieren.

Mein Verfolgungstrip führte mich über einen breiten Wandelflur zu einem Skulpturengarten, an dessen Ende Sanctifers Bootssammlung grenzte. Während Lucia und ihr Begleiter die Brücke neben dem Gebäude mit den Liegeplätzen passierten, bekam ich Gesellschaft.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gartens, der das Bootshaus vom Palast trennte, setzten ein paar Engel zur Landung an. Verspätete Gäste vermutlich. Ich verzichtete darauf, sie näher kennenzulernen, und suchte schnellstens einen Platz, wo ich mich verstecken konnte. Eine offene Gondel mit Plane, von wo aus ich den Skulpturengarten überblicken konnte, rettete mich.

Anstatt ins Hauptgebäude zu gehen, schlugen die Engel den Weg über den Kanal beim Bootsschuppen in Richtung Wohnflügel ein, der Sanctifers Gästen vorbehalten und mir verboten war. Aber maskiert hatte ich vielleicht eine Chance, dort einen Blick hineinzuwerfen.

Ich duckte mich tiefer unter die Plane, als die beiden Engel ein paar Schritte von mir entfernt auf den Stufen der Kanalbrücke stehen blieben.

»Konntest du nicht was Leichteres mitnehmen?«, fragte einer der beiden und rüttelte an dem großen Sack, den sie mit sich schleppten.

»Beim nächsten Mal. Der da drin ist auf Bestellung hier«, antwortete eine dunkle Bassstimme.

Der da drin? Mit Luftanhalten versuchte ich, mein wild hämmerndes Herz unter Kontrolle zu bekommen. Was auch immer die beiden mit sich herumschleppten, musste schwer, männlich und noch am Leben sein – zumindest bewegte sich etwas in dem Sack.

»Schon wieder?«

»Ganz richtig«, erklärte der mit der Bassstimme, während sich mir der Magen umdrehte, als Philippes Bild in meinen Gedanken auftauchte.

Alles in mir drängte, meine Deckung zu verlassen und den Engeln meine Klauen zu zeigen. Aber das wollte ich nicht – noch nicht. Viel wichtiger, als die beiden aufzuhalten, war erst mal, herauszufinden, was sie mit dem Inhalt des Sacks vorhatten und wohin Lucia verschwunden war. Also verharrte ich in meiner Deckung, bis die Schritte mitsamt dem dumpfen Schleifen kaum noch zu hören waren und ich unbemerkt aus der Gondel klettern konnte.

Lautlos schlich ich ihnen im Schatten des Bootsschuppens hinterher und hätte mich am liebsten in Luft aufgelöst, als ich im fahlen Mondlicht die Gestalt erkannte, die sich mir in den Weg stellte: Raffael. Seine Augen verengten sich zu zwei schmalen Schlitzen, als wollte er mich am liebsten in der Luft zerreißen. Seiner Reaktion nach zu schließen, hatte er den Zettel wohl doch nicht geschrieben.

»Warum bist du hier draußen?!«, herrschte er mich an.

»Einen Fluchtversuch planen?« Etwas Besseres fiel mir auf die Schnelle nicht ein.

»Ach, und ganz aus Versehen hast du das Bootshaus verpasst?« Er glaubte mir kein Wort.

»Und? Bringst du mich deshalb jetzt zu deinem Herrn und Meister?«

»Ja. Das sollte ich wohl tun«, antwortete Raffael mit einem Zögern. »Er weiß, wie man die Wahrheit aus jemandem herausbekommt.«

Es gelang mir, meine Angst vor dem, was Sanctifer mir antun konnte, zu verbergen. Mein Magen rebellierte dennoch. Aber anstatt mein Abendessen auszuwürgen, rollte er sich samt seinem Inhalt auf. Ein Teil von mir wollte, dass ich meine Klauen in Raffaels Herz schlug und den Entführern hinterhereilte. Gut, dass mein Verstand den Fehler in diesem Plan erkannte. Raffael war kein Engel. Er würde meinen Angriff nicht überleben.

Mein Zögern schwächte meine Position. Raffael bekam Verstärkung. Doch er verzichtete darauf, die beiden Engel, die ihr Paket inzwischen losgeworden waren, zu sich zu rufen. Stattdessen legte er mir den Arm um die Schultern und zog mich näher an sich heran.

»Du hättest besser auf mich hören und weniger Wein trinken sollen«, tadelte er mich lautstark, so dass die beiden Typen es verstehen konnten, während er meinen Oberkörper nach vorn drückte.

Ich spielte mit, würgte und gab vor, mich in den Kanal zu übergeben. Die beiden Engel schauten kurz zu uns herüber, lachten und verschwanden dann im Hauptgebäude.

Raffael ließ mich los, um mich gleich darauf wieder festzuhalten, damit ich nicht ins Wasser fiel. Seine Zähne knirschten. Er war wütend. Vielleicht auf mich. Doch ich war auf Furchteinflößenderes vorbereitet.

Er hielt meine Taille umklammert und drängte mich über die Kanalbrücke auf das Hauptgebäude zu. Es wäre mir vermutlich gelungen, ihn abzuschütteln – kampferprobt genug war ich. Sein unruhiger Blick und die Tatsache, dass er mich in einen der abseits gelegenen Gärten bugsierte, überzeugten mich davon, dass er mich nicht verraten würde.

Raffael hielt mir eine Standpauke darüber, wie dämlich es war, einen Fluchtversuch zu unternehmen. Danach folgte ein aufschlussreicher Vortrag über die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Palast. Abgesehen davon, dass ich nicht in die Menschenwelt flüchten konnte, weil ich kein Wächterband für die äußere Pforte besaß, hätten mich die Wachposten spätestens beim Verlassen des Bootshauses entdeckt.

»Sanctifer hasst unangemeldete Besucher. Deshalb hat er rund um die Insel Patrouillen aufgestellt«, beendete Raffael seine aufschlussreiche Erklärung.

»Klar, als Vollstrecker des Rats hat er sicher mehr Feinde als Freunde.«

Raffael warf mir einen undefinierbaren Blick zu und schwieg. Wollte oder konnte er mir nichts über den zappelnden Kartoffelsack verraten? Den hatte er bislang nämlich nicht erwähnt.

»Was war in dem Sack, den die beiden Engel hergebracht haben?«, fragte ich, um ihm mehr zu entlocken.

Raffael presste für einen kurzen Moment seine Lippen zusammen, als hätte er Schmerzen – vielleicht machte ihm seine Maske zu schaffen. Doch er fing sich schnell wieder. Seine Antwort fiel unerwartet arrogant aus.

»Ich weiß nicht, wovon du sprichst.«

Dass Raffael mich als Idiotin dastehen ließ, obwohl er an den beiden Engeln vorbeigelaufen sein musste, brachte mich aus der Fassung. »Und vermutlich auch nicht, dass der andere Lucia berauscht und verschleppt hat?!«, zischte ich und drängte Raffael gegen die nächstgelegene Palme. Meine Hände griffen nach seiner Kehle, meine Krallen juckten.

Ich biss die Zähne zusammen. Raffael war menschlich. Ein Fehler, und er würde sterben. Der Blick in seine schwarzen Augen brachte mich zur Vernunft. Hastig ließ ich ihn los und versuchte, das Schwächegefühl und die aufziehende Kälte auszublenden – mir war, als hätte das Krallenzurückhalten einen Teil meiner Energie verbraucht.

»Offenbar hast du zu viel Wein getrunken«, hörte ich Raffael antworten. »Du solltest jetzt besser auf dein Zimmer gehen und dich ausruhen.«

»Mehr hast du mir nicht zu sagen?«

»Nein. Geh jetzt! Oder soll ich dich begleiten?«

»Eine ausgezeichnete Idee, Raffael. Nicht dass Lynn in meinem Palast noch auf Abwege gerät, wo sie es doch tatsächlich geschafft hat, durch eine verschlossene Tür zu kommen.« Endlich bemerkte auch ich, wer zu uns gestoßen war. Sanctifer lächelte, doch seine Augen blieben kalt.

»Wie du meinst«, willigte Raffael ein und schnappte sich meinen Arm, um mich aus dem Garten zu zerren.

Ich folgte ihm freiwillig. Sanctifer versuchte gerade, in meinen Erinnerungen herumzustochern. Das eisige Prickeln auf meiner Stirn konnte nur von ihm stammen.



Raffael holte mich am nächsten Morgen zum Unterricht ab. Um sicherzustellen, dass ich mich nicht woanders herumtrieb, wie er mir laut genug erklärte, damit sämtliche Wachposten, die wir passierten, es hören konnten. Ansonsten verlor er kein weiteres Wort über meine nächtlichen Begegnungen. Als wäre nichts vorgefallen, brachte er mich in die Bibliothek. Erst als wir oben auf der Galerie standen, überraschte er mich mit einer unerwarteten Frage.

»Wie viel weißt du über die Bindung von Menschen und Engeln?«

»So viel wie du, vermute ich. Engel können sich an Menschen binden und umgekehrt, was es ihnen ermöglicht, in der Welt des anderen zu leben.«

»Und sonst noch?«, bohrte er weiter.

»Dass mehr als zwei Bindungen den Engel in den Wahnsinn treiben und es freiwillige und unfreiwillige Bindungen gibt. Wobei die unfreiwillig geschlossenen nicht besonders lange anhalten – besonders bei Engeln, die vor über zweieinhalbtausend Jahren in Babylon geboren wurden«, setzte ich erbittert hinzu. Die dunkle Vorahnung, die sich am Tag zuvor bei mir eingeschlichen hatte, verstärkte sich.

»Dann weißt du sicher auch, dass es für einen Engel nicht ungefährlich ist, sich nur an einen Menschen zu binden.«

»Worauf willst du hinaus, Raffael? Dass ich einem Bündnis mit Sanctifer zustimme, damit er auch in der Menschenwelt sein Unwesen treiben kann?« Darauf konnte Sanctifer ewig hoffen. Ich wandte mich ab, weil Raffael nicht sehen sollte, wie wütend ich war.

»Sanctifer braucht dein Blut nicht«, antwortete er nur – das war mir neu.

»Ach? Und seit wann bitte? Gestern hat sich das noch ganz anders angehört!«

»Gestern hat Sanctifer einen Maskenball ausgerichtet, der dazu diente, einen Teil seiner Gäste mit mehr oder weniger freiwilligen Blutspendern zu versorgen.«

»Du … willst du damit sagen, dass Sanctifer Menschen entführt und sie in seinen Palast verschleppt?« Mir wurde schlecht.

»Er gibt seinen Kunden, was der Rat ihnen verwehrt hat«, klärte Raffael mich auf. Seine Hände waren zu Fäusten geballt. Sanctifers Menschenhandel gefiel ihm nicht. Verständlich. Auch Raffael war menschlich.

»Also hast du mir die Nachricht geschickt und die Tür aufgeschlossen?«

»Wer sonst?«, fragte Raffael ein wenig irritiert. »Ich war mir nicht sicher, ob du in der kurzen Zeit, die du im Ballsaal warst, herausfinden konntest, dass sich hinter den silbernen Masken ausschließlich Menschen verbergen.«

»Warum hast du mir das nicht einfach gesagt?«

»Hättest du mir denn geglaubt?«

»Vermutlich«, antwortete ich zögernd.

»Aber vielleicht auch nicht. Schließlich bin ich Sanctifers Flüsterer.« Raffaels Verbitterung war greifbar.»Und warum habe ich dann auch eine silberne Maske getragen?«

»Dich eine tragen zu lassen und vor den Augen seiner Gäste in seine Gemächer zu bringen sollte ihnen zeigen, dass du ausschließlich ihm gehörst.«

Ich schwankte. Ich gehörte ihm nicht. Niemals!

»Auch wenn nur seine engsten Vertrauten wissen, wer du in Wirklichkeit bist, scheint es ihm wichtig zu sein, ihnen deine Verbundenheit zu demonstrieren.«

Meine Wut verdrängte das Gefühl, Sanctifer ausgeliefert zu sein. »Das lässt sich ändern!«, rief ich, bereit, aus der Bibliothek zu stürmen, um Sanctifers Freunden das Gegenteil zu beweisen.

»Es gibt noch mehr, das du wissen solltest«, hielt Raffael mich auf. »Vermutlich ist zurzeit nicht nur Lucia Sanctifers Gast, sondern auch ihr schlaksiger Freund.«

Während Raffael irgendwo unter mir in dem verschlungenen Regalsystem nach etwas suchte, umklammerte ich den Schreibtisch, um Halt zu finden. Dunkle Augen mit schwarzen Ebenholzsprenkeln flehten mich an, die Qualen zu beenden. Eisblaue Augen befahlen mir, goldene Nadeln in Philippes malträtierte Arme zu stechen.

Philippe war das perfekte Opfer. Er kannte die Welt der Engel, weil Sanctifer ihn entführen ließ, um mich zu erpressen. Abgesehen davon glaubte er an Übernatürliches. Er würde einem Engel sein Blut freiwillig geben. Auch einem wie Sanctifer – wenn er das nicht schon getan hatte.

Raffael kam mit einem Armvoll zusammengerollter Baupläne zurück. Dass ich weiß wie Schnee war und vor Anspannung bebte, entging ihm nicht.

»Lynn, geht es dir gut?«, fragte er besorgt.

»Ich … ich weiß nicht genau«, antwortete ich. »Aber wie würde es dir gehen, wenn dein bester Freund deinetwegen zum Spielball würde?«

»Ich würde alles tun, um ihm zu helfen. Sanctifer ist zu einer Ratsversammlung nach Venedig aufgebrochen. Du hast zwei Tage Zeit, um deinen Freund zu finden. Er ist ein Mensch und sollte nicht an einen Engel gebunden werden, der ihn verachtet.«