Garjomus
Die ›Taube‹ war mittlerweile in eine Kreisbahn um den zweiten Planeten des unbekannten Systems eingeschwenkt. Laut-und antriebslos trieb sie neben dem im Verhältnis zu ihr riesig wirkenden alten Mutterschiff im Orbit des Planeten.
»Trixi, wie sieht es aus? Schaffst du es, den Hangar zu öffnen?«, fragte Lucy ungeduldig. Sie kreisten jetzt schon zwei Stunden neben dem alten Schiff und absolut nichts war passiert.
»Ich glaube, ich habe es gleich«, murmelte Trixi leise. Es war nicht zu erkennen, ob sie nur mit sich selbst sprach oder ob das wirklich eine Antwort auf Lucys Frage war.
Lars trommelte nervös mit den Fingern auf seiner Konsole. Er sah mehr als besorgt aus.
»Junge, ich verstehe ja, dass du besorgt bist«, knurrte Gurian und legte seine Hand auf Lars‘ Finger. Der sah ihn erschrocken an. »Aber dieses Getrommel macht es auch nicht besser.«
»Wir sollten da nicht hineingehen«, sagte Lars und entzog ärgerlich Gurian die Hand. »Wir wissen nichts darüber, was der Mannschaft zugestoßen ist. Da kann alles Mögliche passiert sein. Vielleicht ist die Atmosphäre da drinnen vergiftet. Vielleicht gibt es gefährliche Viren dort im Schiff. Vielleicht ist es irgendwas ganz anderes.«
»Unsere Sensoren zeigen, dass es im Innern des Schiffes weder giftige Stoffe in der Atmosphäre noch irgendwelche schädlichen Viren gibt«, entgegnete Shyringa wie immer kühl und emotionslos.
»Was weiß ich, was dort ist! Auf jeden Fall hat es die ganze Mannschaft ausgelöscht«, antwortete Lars ärgerlich. »Wie viele waren das eigentlich?«
»Fast achthundert«, sagte Varenia freundlich lächelnd.
»Egal was mit ihnen passiert ist, es ist mehr als zweihundert Jahre her«, sagte Lucy streng. »Wir brauchen dieses Schiff. Wenn wir es wieder flottkriegen, können wir es benutzen, um zurückzukommen. Wenn nicht, finden wir wahrscheinlich alles an Bord, um unser Schiff zu reparieren. Dann lassen wir es hier und fliegen mit der ›Taube‹ zurück. Auf jeden Fall ist es die Chance, aus dieser verdammten Gegend wegzukommen. Ich möchte hier keine Sekunde länger bleiben, als nötig. Wer weiß, was uns hier draußen erwartet.«
Besorgt suchte Lucy die Außenschirme nach irgendwelchen Regungen ab. Aber da war absolut nichts.
»Ich hab’s«, sagte Trixi leise. »Lasst uns sofort mit dem Manöver beginnen. Die Systeme des Schiffes sind ganz schwach. Wir haben wahrscheinlich nur eine einzige Chance. Ich glaube nicht, dass ich das Hangartor ein zweites Mal öffnen kann.«
Bevor Trixi noch zu Ende gesprochen hatte, saß Lucy schon auf dem Pilotensitz.
»Wie sieht es aus? Irgendwelche Bewegungen im System?« fragte sie Varenia. Die schüttelte den Kopf.
»Was ist mit Funkverkehr?«
»Absolut nichts. Es ist noch genauso tot, wie die ganze Zeit«, sagte Varenia. Sie starrte dabei konzentriert auf den Schirm vor sich.
»Was ist mit den Waffensystemen unseres Freundes?«
»Unser Freund schläft noch genauso, wie vorher«, knurrte Gurian. »Ich hoffe, wir wecken jetzt keine Raubkatze, wenn wir ihn anfliegen.«
»Warum sollte uns das Schiff böse sein. Wir tun ihm doch nichts«, warf Trixi mit dünner Stimme ein.
»Vielleicht ist da ein Verteidigungssystem eingebaut, das unsere Absichten anders einschätzt«, knurrte Gurian. »Das da neben uns ist ein umgebautes Kriegsschiff.«
Trixi sah ihn böse an, sagte aber nichts. Glücklicherweise hielt auch Lars seinen Mund. Ein Beziehungsstreit hätte jetzt gerade noch gefehlt.
»Gut Trixi, fang an!«, sagte Lucy.
Sie lenkte die ›Taube‹ in Richtung der Hangartore. Einen Moment passierte nichts. Auf den Bildschirmen wuchs die graue Außenhaut des fremden Schiffes an, bis sie das ganze Bild ausfüllte.
»Was ist Trixi? Schaffst du es?«, fragte Lucy.
Sie war bereit den Anflug zu stoppen und auf Gegenschub zu schalten. Da bildete sich ein kleines Loch in der Außenwand. Es wurde größer. Die Geschwindigkeit, mit der sich das riesige Hangartor öffnete, war zwar nicht mit der zu vergleichen, mit der sich die Hangars moderner A-Klasse-Schiffe öffneten, aber immerhin tat sich etwas. Lucy nahm Geschwindigkeit weg. Ohne das fremde Schiff zu berühren, flog sie in die Öffnung, hinein in die gigantische Halle, in der sich sechs weitere C-Klasse-Schiffe befanden. Vorsichtig landete Lucy die ›Taube‹ auf dem Hallenboden. Das Tor hatte sich wieder geschlossen. Die Halle wurde automatisch für einen Ausstieg der Besatzung vorbereitet. Sie überprüften die Instrumente.
»Die künstliche Schwerkraft funktioniert«, sagte Varenia.
»Die Atmosphäre ist wieder hergestellt und normal. Es ist keine chemische oder biologische Verunreinigung festzustellen«, ergänzte Shyringa.
»Abwehrmechanismen sind auch nicht aktiviert worden«, knurrte Gurian.
»Gut, steigen wir aus«, sagte Lucy.
Sie war zum Zerreißen angespannt. Lars hatte verdammt noch mal recht. Auf diesem Schiff stimmte etwas nicht. Wie konnte es intakt sein nach all der Zeit ohne Mannschaft.
»Wir sollten uns jederzeit abflugbereit halten«, sagte sie. »Shyringa wärst du bereit, an Bord der ›Taube‹ zu bleiben? Im Notfall musst du uns hier raus fliegen.«
Shyringa lächelte ihr kühles steifes Lächeln.
»Ich wollte das Gleiche vorschlagen. Es ist logisch«, sagte sie.
In der Tat war es logisch. Wenn man schon ein fremdes imperianisches Schiff betrat, war es sicher besser, nur den imperianischen Teil der Mannschaft mitzunehmen. Hierzu muss man wissen, dass Terraner zu dieser Zeit schon zu einer Unterspezies der Imperianer gezählt wurden.
»Sollten wir nicht noch jemanden dalassen«, knurrte Gurian und nickte in Richtung Darim. Der sah aber Lucy so ängstlich und bettelnd an, dass sie sagte: »Ich glaube, Darim schafft es schon, mitzukommen.«
Lucy wusste, dass Darim sich wie die meisten Imperianer, die noch nicht lange mit Aranaern bekannt waren, in der Nähe dieser Spezies extrem unwohl fühlte. Die meisten hatten richtiggehend Angst davor, allein mit einem Aranaer zu bleiben. Die beiden Spezies waren einfach zu verschieden.
So verließen sie zu sechst die ›Taube‹.
»Ich glaube nicht, dass diese furchtbaren Dinger notwendig sind. Ihr habt doch selbst gesagt, es ist kein Mensch an Bord«, maulte Trixi. Für ihre Verhältnisse klang sie richtig entschlossen.
Mit ›Dinger‹ meinte sie die kleinen Handstrahlenwaffen, die die anderen fünf Jugendlichen gezogen hatten und schussbereit in der Hand hielten. Das kleine Lämpchen, das an jeder Waffe den Modus anzeigte, stand natürlich auf Hellgrün. Das war der Betäubungsmodus.
Es gab insgesamt vier verschiedene Modi, in die man diese Waffen schalten konnte. Mit dem ersten, dem hellgrünen Modus konnte man einen Menschen betäuben. Mit dem zweiten, dem dunkelgrünen Modus konnte man sogar ein Tier von der Größe eines Elefanten schlafen legen. Wenn man in diesem Modus auf einen Menschen schoss, konnte man sich nicht mehr sicher sein, dass man ihn nicht doch ernsthaft verletzte. Der dritte Modus war der Tötungsmodus. Wurde ein Mensch von so einem Strahl getroffen, starb er. Der vierte Modus war der Zerstörungsmodus. Traf so ein Strahl auf Materie, wurde in so kurzer Zeit so viel Energie in die getroffene Stelle gepumpt, dass die Materie dort verdampfte. In diesem Modus konnte man mittelgroße Gegenstände zerstören.
Die Rebellen schossen normalerweise nur im ersten Modus. Sie betäubten ihre Gegner grundsätzlich nur. Allerdings benutzten sie manchmal auch den vierten Modus, um Dinge zu zerstören, wenn es sein musste. Es versteht sich aber von selbst, dass sie eine Waffe in diesem Modus nie wirklich gegen einen Menschen einsetzten.
Trixi hasste alle Waffen. In diesem Fall schon allein deswegen, weil durch sie dieses Schiff beschädigt werden könnte, das sie schon in ihr Herz geschlossen hatte. Die anderen ignorierten sie. Für so ungefährlich, wie Trixi meinte, hielten sie ihren Aufenthalt auf diesem Schiff nicht.
So schlichen die sechs Jugendlichen durch das Schiff. Fünf von ihnen mit gezogener Waffe, und sich vorsichtig nach allen Seiten umblickend. Trixi hatten sie in ihre Mitte genommen. Die Gänge waren durch eine Notbeleuchtung nur schwach erhellt. Vor jeder Abzweigung blieben sie stehen und sahen vorsichtig in die Gänge hinein. Aber sie entdeckten niemanden. Das Schiff war leer. So arbeiteten sie sich langsam zur Mitte des Schiffes vor, in der der Kommandoraum lag.
An der Tür angekommen, blieben sie stehen. Lucy und Gurian ließen die anderen einen Schritt zurück und in Deckung gehen. An diesem Punkt musste man besonders vorsichtig sein. Wenn irgendein Raum in so einem Schiff besonders gesichert war, dann war es dieser.
Lucy und Gurian hechteten durch die Tür, rollten sich in Deckung und sicherten mit ihren Waffen alle Richtungen. Aber nichts passierte. Lucys Herz schlug bis zum Hals. Sie sah sich um, horchte in den Raum. Auch er lag im Dämmerlicht. Es war nichts zu hören und schon gar nichts zu sehen. Da war niemand. Minutenlang suchten Gurian und Lucy den ganzen Raum mit den Augen ab und hatten dabei ihre Ohren gespitzt. Erst, als nach mehreren Minuten noch immer nichts passiert war, winkten sie die anderen herein.
Während alle anderen sich noch ängstlich umsahen und jeden Winkel des Kommandoraums nach vermeintlichen Gefahren durchsuchten, marschierte Trixi schnurstracks zum Sitz des Chefmechanikers.
»Ich hab doch gleich gesagt, dieses Schiff ist keine Gefahr«, murmelte sie. Vollkonzentriert begann sie, an der Konsole zu arbeiten.
Mittlerweile hatte auch Lucy sich beruhigt. Sie sah ein, dass tatsächlich keine unmittelbare Gefahr bestand, trotzdem hatte sie ein ungutes Gefühl. Ihr Gefühl für Gefahren hatte sie noch nie im Stich gelassen. Irgendetwas war faul, das spürte sie. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würden sie es wissen, da war sie sich sicher.
Lucy ging zu Trixi, die wieder einmal die Welt um sich herum vergessen zu haben schien. Varenia stellte sich auch zu ihnen und schaute Trixi über die Schulter.
»Wie sieht’s aus?«, fragte Lucy.
»Ich versuche, das Schiff zu aktivieren«, murmelte Trixi.
»Was hat es denn?«, fragte Varenia.
»Es hat gar nichts«, antwortete Trixi leise, ohne aufzublicken oder ihre Arbeit an der Konsole zu unterbrechen. »Es ist zwar schon recht alt, aber diese Schiffe haben eine noch längere Lebenserwartung, wenn man sie nicht abschaltet. Das Schiff ist eigentlich gesund, es schläft nur.«
Varenia hatte sich auf den Platz der Kommunikationsoffizierin gesetzt. Auch sie probierte, irgendeine Funktion wieder in Gang zu setzen. Darim stand etwas verloren mitten zwischen den unterschiedlichen Konsolen und wusste offensichtlich nicht so recht, was er tun sollte. Gurian und Lars durchstreiften den Kommandoraum und sahen sich um, ob nicht doch von irgendeiner Seite Gefahr drohte.
Lucy hatte nach wie vor ein merkwürdiges Gefühl. Alle Nerven waren angespannt. Hier stimmte etwas nicht. Aber was? Auch sie durchstreifte den Raum, der allein für eine Besatzung von etwa zwanzig Leuten ausgelegt war. In dem Raum war nichts, was auf die Anwesenheit von Menschen hindeutete. Natürlich war es verboten, auf einem Kriegsschiff irgendetwas herumliegen zu lassen. Herumfliegende Gegenstände konnten in einem Ernstfall zu Verletzungen oder sogar zum Tod einzelner Besatzungsmitglieder führen. Trotzdem gab es auf jedem Schiff immer irgendwelche Kleinigkeiten, die herumlagen. Dies war der zentrale Raum des ganzen Schiffes und hier gab es nichts, was nicht hierhergehörte. Auch alle Instrumente waren in die Ausgangsstellung geschaltet. Es gab absolut keinen Hinweis, dass dieser Raum jemals von Menschen betreten worden war.
»Die müssen gründlich aufgeräumt haben, bevor sie das Schiff verlassen haben«, knurrte Gurian.
Lucy nickte nachdenklich. Sie stand an der Konsole des Kommandanten.
»Ich weiß nicht, was los ist. Alles ist blockiert«, jammerte Trixi vom anderen Ende de Raums.
»Hier ist es auch nicht besser«, ergänzte Varenia. »Die Funktionen sind alle noch da, aber wenn man versucht, sie zu aktivieren, passiert nichts.«
»Wenn wir wenigstens die Kommunikation aktivieren könnten, dann könnten wir versuchen, Hilfe zu holen«, sagte Lucy.
Gedankenverloren hantierte sie an der zentralen Kommandokonsole. Spielerisch gab sie den Kurs auf den dritten Planeten des Systems ein. Sie rechnete natürlich nicht damit, dass diese Spielerei funktionieren würde. Tat sie auch nicht. Stattdessen gab es plötzlich ein Geräusch, das wie ein leises Zischen klang. Dann passierten urplötzlich Tausende Dinge gleichzeitig. Es begann, zu surren und zu piepsen. Die Bildschirme leuchteten auf. Es waren sicher mehr als fünfzig. Die Notbeleuchtung wurde heller, bis die übliche Lichtstärke erreicht war, mit der normalerweise ein imperianisches Kriegsschiff beleuchtet war.
»Was ist passiert?«, rief Varenia erschrocken.
»Ich hab nur ein bisschen an der Hauptkonsole gespielt«, verteidigte Lucy sich automatisch. Sie war genauso erschrocken wie die anderen.
»Du hast das Schiff aufgeweckt. Alle Funktionen sind wieder aktiv«, sagte Trixi ehrfurchtsvoll.
»Auch die Waffensysteme?«, fragte Gurian knurrend.
»Ja die Waffensysteme fahren auch gerade hoch«, sagte Trixi. Ihre virtuellen Finger huschten über die Konsole. Sie schien alle Instrumente gleichzeitig kontrollieren zu wollen.
»Und das interne Verteidigungssystem gegen Eindringlinge auch«, fügte Lars zerknirscht hinzu.
»Aber das wird euch nichts tun. Ihr seid doch schließlich Gäste, die in friedlicher Absicht gekommen sind«, sagte plötzlich eine unbekannte Stimme.
Alle sechs Jugendlichen starrten erschrocken zur Tür des Kommandoraums. Dort stand ein Mann, der etwa doppelt so alt wirkte wie Lucy. Er trug eine für imperianische Verhältnisse etwas altmodisch aussehende Uniform der Kriegsmarine des Imperiums.
»Wer sind sie?«, platzte Lars heraus.
»Das sollte ich wohl eher euch fragen«, sagte er lächelnd. »Aber ich will nicht unhöflich sein. Ihr könnt mich Garjomus nennen. Ich bin der Kommandant dieses Schiffes.«
»Ich bin Lucy und ich bin die Kommandantin der ›Taube‹. Wir sind in Ihrem Hangar gelandet«, stellte Lucy sich vor.
»Ich weiß, wo euer Schiff steht«, sagte der Kommandant noch immer freundlich lächelnd.
Die Situation war heikel. Auch wenn das Schiff, auf dem sie sich befanden, seit mehr als dreihundert Jahren als verschollen galt, so war es nach wie vor ein offizielles Schiff des Imperiums. Und Lucy und ihre Mannschaft waren Rebellen. Die meist gesuchtesten Menschen des ganzen Imperiums.
»Wir hatten einen Unfall an Bord. Unser Sprunggenerator ist ausgefallen. Wir bitten um Ihre Hilfe bei der Reparatur«, sagte Lucy vorsichtig.
Im nächsten Moment kamen etwa zwanzig Menschen durch die Tür in den Kommandoraum, die offensichtlich zur Mannschaft des Schiffes gehörten. Sie nickten alle höfflich und gingen dann zu ihren Plätzen. Alle waren älter als die Jugendlichen, aber keiner war mehr als doppelt so alt wie sie. Lucy und ihre Freunde hatten sich schnell von den Plätzen erhoben, auf die sie sich vorher einfach gesetzt hatten. Die Mannschaftsmitglieder nahmen die Plätze wortlos ein. Das Ganze ging so schnell und lautlos vor sich, dass sich Lucy erneut sämtliche Nackenhaare sträubten.
»Wir wollen hier den Ablauf des Schiffes nicht stören«, sagte der Kommandant. »In den Gästeräumen unten ist es ohnehin gemütlicher, um sich zu unterhalten.«
Er machte eine einladende Geste mit den Händen, den Kommandoraum zu verlassen. Gurian machte Lucy ein Zeichen mit den Augen. Sie folgte seinem Blick. Wie in jedem imperianischen Kampfschiff waren auch in diesem Abwehrsysteme an wichtigen Stellen des Schiffes angebracht. Auf Lucy und jeden Anderen ihrer Mannschaft zielten mindestens zwei dieser kleinen Strahlenwaffen, die in die Decke des Raumes integriert waren.
Lucy ließ noch einmal ihren Blick über die Mannschaft dieses eigenartigen Schiffes schweifen. Jeder schien vollkommen mit seiner Aufgabe beschäftigt. Keiner sagte ein Wort. Niemand schien sich überhaupt für sie zu interessieren. Es war mehr als merkwürdig. Bis vor wenigen Minuten hatte sich keiner um die Angelegenheiten des Schiffes gekümmert und jetzt waren diese offenbar so wichtig, dass man noch nicht einmal den fremden Besuch beachtete.
»Wir kommen natürlich gerne mit«, sagte Lucy. Sie hatte ein freundliches Lächeln aufgesetzt, auch wenn es ihr schwerfiel. »Wir haben eine Menge Fragen an Sie und natürlich brauchen wir auch ihre Hilfe.«
»Ja natürlich, aber das hat noch Zeit. Ich denke, ihr solltet euch vorher etwas frisch machen. Ich werde bis dahin ein Mahl bereiten lassen. Mit vollem Magen lässt es sich besser reden.«
Noch immer freundlich lächelnd ging der Kommandant voraus bis in einen Raum, der sich in dem Stockwerk unterhalb des Kommandoraums befand.
»Dies ist der Aufenthaltsraum für unsere Gäste«, sagte er freundlich. »Durch die Tür dort hinten kommt man in die Schlaf-und Waschräume. Dort ist auch eine Küche, in der unser Versorgungsroboter euch ein ordentliches Essen bereiten wird. Macht euch in Ruhe fertig. Ich komme nachher zu euch. Dann können wir uns über eure Fragen und Wünsche unterhalten.«
»Sie müssen sich keine großen Umstände machen. Wir möchten ihre Gastfreundschaft nicht zu lange beanspruchen«, sagte Lucy höflich. »Wir wollen nur unseren Sprunggenerator reparieren und dann so schnell wie möglich zurück zu unserer Basisstation fliegen.«
»Es ist nicht einfach einen Sprunggenerator zu reparieren, auch nicht, wenn man eine so gute Ausrüstung an Bord hat wie wir. Nehmt euch so viel Zeit wie ihr wollt. Wir sehen uns nachher.« Er hatte kaum zu Ende gesprochen, da war Garjomus auch schon durch die Eingangstür geschritten, die sich hinter ihm schloss.
Lars stürzte zur Tür.
»Verschlossen!«, schimpfte er.
»Wir sind in einem verdammten Gefängnis«, knurrte Gurian.
»Aber in einem sehr komfortablen«, ergänzte Varenia, die sich in einen riesigen bequemen Sesselroboter fallen ließ.