10. Er

Ungeheuerlich, denn sie hat sich damit abgefunden, dass du tot bist. Nicht einmal davor ist sie zurückgeschreckt. Nur um ihrer krankhaften Gier nach Aufmerksamkeit zu frönen. Und trotzdem war genau das der Moment, wo mir klar wurde, wie falsch mein Handeln gewesen war.

Ich muss es tun.

Alles, was sie mir gesagt hat, scheint tatsächlich wahr zu sein. Ich kann daran nicht länger zweifeln, und wenn ich sie retten will, dann muss ich es tun, dann muss ich sie dort rausholen.

Mein Problem ist, dass mein Verstand zwar mittlerweile genug Hinweise gesammelt hat, aber mein Herz, dieses verdammte unnütze Ding, sagt etwas ganz anderes, will – nein, kann es einfach nicht glauben.

Doch auf mein Herz darf ich nicht hören, denn wenn ich nichts unternehme, kann es sein, dass ich morgen aufwache und erfahre, dass sie tot sind.

Ich könnte sie natürlich einweihen, das wäre das Beste. Aber wenn sie Wind davon bekommt, dann könnte es für alle verdammt gefährlich werden. Oh Mann, wenn ich nur wüsste, was jetzt das Richtige ist!

Auf jeden Fall muss ich es irgendwie schaffen, ständig in ihrer Nähe zu bleiben – und trotzdem muss ich versuchen, mich dabei unsichtbar zu machen. Ich darf nicht auffallen.

Gestern hat sie es auch gespürt. Ich muss einfach besser werden, lernen, meine Tarnkappe noch besser zu tragen.

Und ich muss auch herausfinden, was er im Schilde führt. Ich weiß immer noch nicht, welche Rolle er in alldem spielt. Einen Moment lang hatte ich überlegt, ob er derjenige sein könnte, der mir helfen kann. Aber er lügt – wie könnte ich da ausgerechnet ihm vertrauen?