15. Kapitel

Auf dem Weg zu Alex komme ich am Krankenhaus vorbei und das erinnert mich nicht nur an Linas Tod, sondern jetzt auch an etwas, das ich in meinem Kummer völlig vergessen habe. Ich zögere, weiß nicht, ob ich jetzt schon bereit bin, wieder dorthin zu gehen, wo Lina gestorben ist, aber dann gebe ich mir einen Ruck.

Ich fahre mit dem Aufzug in den fünften Stock. Als ich den Krankenhausmief rieche, zieht sich alles in mir zusammen, und noch schlimmer wird es auf der Station. Ich vermeide jeden Blick auf Linas Zimmer und bete, dass ich nicht Oliver über den Weg laufe. Aber die Station ist ziemlich leer. Vorsichtig schaue ich ins Schwesternzimmer und treffe dort auf Jay, der mich wiedererkennt und freundlich anlächelt. Als ich nach Samira frage, erklärt er mir, dass Samira heute und morgen nicht auf der Station ist – ihre Schicht fängt erst wieder übermorgen an.

Ich beiße mir auf die Lippen. Ich will nicht bis übermorgen warten. Ich muss jetzt wissen, wer der geheimnisvolle Freund war, der Lina hier im Krankenhaus besucht hat. Ich fasse mir ein Herz und frage Jay, ob er vielleicht mit Schwester Samira über den geheimnisvollen Besucher von Lina gesprochen hat, aber er schüttelt bedauernd den Kopf. Ich denke an Lina und daran, dass ich nicht weiterkomme, wenn ich immer sofort klein beigebe. Deshalb gebe ich mir einen Ruck und frage ihn, ob Samira vielleicht telefonisch erreichbar ist, aber da ist sein ständiges Lächeln plötzlich wie weggewischt und er schlägt vor, dass ich Dr. Brandt nach ihrer Nummer fragen soll.

Ernüchtert fahre ich wieder nach unten und setze meinen Weg zu Alex fort. Ich habe das Gefühl, dass sich ständig mehr Felsbrocken vor mir auftürmen, die verhindern, dass ich erfahre, was hier vor sich geht.

Als ich bei Alex klingele, muss ich erst mal mit ihm durch eine Überwachungskamera reden, was ich reichlich abstrus finde. Danach öffnet er die Tür zu dem Aufzug, der mich direkt in seine Wohnung fährt.

Ich habe keine Ahnung, wie ich das Gespräch mit Alex anfangen soll, und hoffe, dass mir auf dem Weg nach oben noch etwas Gutes einfällt. Aber der elegante Penthouse-Aufzug katapultiert mich so schnell und direkt in den sechsten Stock, mitten in sein Wohnzimmer hinein, dass ich gar nicht zum Denken komme, sondern nur noch überrascht und sprachlos die Augen aufreißen kann. Von hier kann man durch die rundum verglasten Wände nicht nur die Münchner Freiheit von oben, sondern bis hin zu den Alpen sehen.

Alex ist noch in Boxershorts und T-Shirt. Er winkt mir zu, entschuldigt sich und verzieht sich sofort ins Badezimmer.

Ich bin froh über den Aufschub. Immer noch fassungslos schaue ich mich um.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass Alex in einer Luxus-Penthousewohnung wohnt. Sein Vater würde ihm das niemals finanzieren. Der heilige Dr. Oliver legt auf Luxus keinen Wert und spendet einen Großteil seines Einkommens für soziale Zwecke.

Also, wo hat Alex das viele Geld dafür her?

Ich lege meine Tasche auf einen durchsichtigen Plastikstuhl und ziehe meine Jacke aus.

Die wenigen Möbel haben sicher Designpreise gekriegt, allerdings bestimmt nicht dafür, dass sie bequem sind. Die Fußböden glänzen in irgendeinem schwarzen Steinmaterial, die offene Küche ist mit den allerfeinsten Topgeräten ausgestattet, die hinter Alufronten verborgen sind. Nur die Gläser und das Geschirr auf einem offenen Regal wirken altmodisch. Es sind bauchige Krüge und Tassen mit blauen und weißen Blumenmustern, in die Gläser sind romantische Schleifchenmuster eingraviert.

Sein Bett ist japanisch und vom Rest der Loft nur abgetrennt durch einen Papierwandschirm, der im asiatischen Stil mit unpassend wirkenden Sexorgien bedruckt ist. Neben dem niedrigen Bett glänzt ein silberner Hantelbaum.

Auf einem riesigen Holztisch stehen ein Laptop, ein iPad und ein Pizzakarton mit einem schwarzen Raben darauf, der inmitten all der Pracht so fehl am Platz wirkt wie ein Eiterpickel auf der Stirn von Heidi Klum.

Ich sehe zur Badezimmertür hinüber, hinter der Wasser rauscht. Hastig schleiche ich zum Tisch und will gerade Alex’ Laptop aufklappen, als mir wieder einfällt, dass auch er ein Passwort hat. Ich laufe zurück zur Fensterfront und starre nach draußen in den grauen Märzhimmel.

Endlich erscheint Alex, geduscht und angezogen, doch er sieht nicht wacher aus als eben.

»Gefällt’s dir hier?«

»Schick«, sage ich knapp.

»Aber du magst es nicht, oder?« Der Fluch versucht ein Lächeln, was ihm völlig misslingt.

»Doch.«

»Deine Schwester fand es gruselig. Aber sie …«

»Sie was?«

»Na ja, sie ist tot.«

Wie sensibel von ihm. Bevor ich etwas erwidern kann, fährt er schon fort. »Entschuldige. Ich hätte das anders sagen sollen. Ich bin heute nicht ganz bei mir.«

»Ich auch nicht.« Ich überlege, wie ich weitermachen soll. Aber weil mir kein Übergang einfällt, gebe ich mir einfach einen Ruck. »Sag mal, operiert dein Vater auch?«

»Na klar, er ist zwar Internist, aber wenn er für Ärzte ohne Grenzen arbeitet, dann macht er das den ganzen Tag. Wieso fragst du?«

Ich antworte nicht. »Worüber habt ihr euch neulich im Krankenhaus gestritten?«

Er beißt sich auf die Unterlippe und bläst zischend Luft aus. »Wir streiten uns doch jedes Mal, wenn wir uns sehen.«

»Wieso eigentlich?«

Alex kommt ein paar Schritte auf mich zu. »Ich finde es komisch, dass du so viele Fragen stellst. Was soll das? Glaubst du etwa immer noch, dass Linas Tod kein Selbstmord war?«

»Das hat nichts mit Glauben zu tun«, bricht es aus mir heraus. »Ich habe Beweise.«

Als ich seine Reaktion sehe, könnte ich mich in den Hintern beißen.

»Was denn für Beweise?« Er fuchtelt wütend mit den Händen. »Wovon redest du überhaupt?«

Ich denke an das Foto in meiner Jackentasche. Aber das werde ich ihm nicht zeigen. Dann müsste ich erklären, woher ich es habe. Wie also gehe ich sonst vor?

»Nehmen wir für einen Moment mal an, dass Oliver in etwas verwickelt wäre, was Lina herausbekommen hat.«

»Und was soll das sein?«

»Ist doch jetzt egal. Etwas Schlimmes. Schlimm genug, dass er sie aus dem Weg schaffen musste.«

Jetzt beginnt Alex zu lachen. Er kann sich überhaupt nicht mehr beruhigen. »Willst du etwa damit sagen, dass mein Vater Lina auf dem Gewissen hat?« Er tippt sich an die Stirn. »Ruby, du brauchst wirklich Hilfe. Der gute Oliver würde niemals jemanden töten. Könnte er gar nicht.« Alex’ Worte klingen so verächtlich, als wäre das ein Armutszeugnis für einen Mann. »Nicht mal, wenn man ihm einen üblen Diktator auf dem Silbertablett servieren würde. Vergiss nicht, er muss sich an seinen beschissenen heiligen Eid halten.«

Ich denke wieder an den weggekratzten Äskulapstab. »Aber das sollten Ärzte doch auch.«

»Träum weiter, Prinzessin. Das Leben ist nicht wie im Märchen, wo die Guten mit den Bösen kämpfen und das Gute siegt. Im richtigen Leben sterben die Guten. Die anderen Guten und vor allem Menschen wie der heilige Oliver stehen blöd rum und tun nichts dagegen.«

»Wie meinst du das?«

Bevor er antworten kann, klingelt es an seiner Wohnungstür. Alex lässt mich einfach stehen und geht aufmachen.

Eine Minute später steht Dennis vor uns, heute in einem Hugo-Boss-Anzug, der ihn zehn Jahre älter wirken lässt. Er lächelt mir zu, schaut dann aber verlegen zu Alex, als wüsste er nicht, was er sagen sollte. Ich sehe es ihm genau an, er hat schon von Linas Tod gehört. Vermutlich hat es sich an der Schule wie ein Lauffeuer herumgesprochen.

Alex begrüßt er mit einem leichten Schulterklopfen.

Ich schaue von einem zum anderen und überlege, was sie wohl verbindet. Es entsteht eine peinliche Pause und mir fällt nichts Besseres ein als: »Muss denn keiner von euch Jungs in die Schule?«

»Einen wunderschönen guten Morgen dir auch, trotz allem.« Dennis schüttelt traurig seine hellbraunen Locken. »Ruby, Ruby, Ruby, manchmal gibt es Wichtigeres als Schule! Das müsstest du doch am besten wissen. Es tut mir so leid, das mit Lina. Wirklich.« Er tritt einen Schritt auf mich zu, offenbar unschlüssig, ob er mich umarmen soll.

»Ruby wollte gerade gehen«, sagt Alex unwirsch.

Ach, ja? Das wüsste ich schließlich.

»Aber warum denn?« Dennis wedelt mit einer Tüte, die er hinter dem Rücken versteckt hatte. Er sieht mich sorgenvoll an. »Hast du seit gestern überhaupt schon etwas gegessen? Ich habe bei der französischen Bäckerei im Westend Croissants geholt, genug für uns alle. Du bist sowieso schon so dünn.«

Croissants? Ich kann jetzt nicht mal an Croissants denken, geschweige denn, sie essen.

»Nein danke«, sage ich hastig. Plötzlich möchte ich tatsächlich gehen. Ich schnappe mir meine Jeansjacke und will sie mir gerade überziehen, als etwas aus meiner Tasche segelt und auf dem glänzend polierten schwarzen Granitboden zum Liegen kommt.

Das Foto.

Für einen Moment starren wir alle drei auf das Bild.

Dann bückt sich Alex und greift danach. Er wird unglaublich blass, wie Käpten Sparrow, wenn ihn die Krake am Haken hat. »Wo hast du das her?« Seine Stimme klingt, als würde ihm jemand den Kehlkopf abdrücken, auf seiner Stirn glänzen plötzlich Schweißperlen. »Red schon, wieso trägst du Fotos von solchen Kretins mit dir herum?«

Ich starre ihn an. Kretins?

»Red schon!« Er kommt auf mich zu und hebt seine Hand, als wollte er mich schlagen.

»Hey, hey, jetzt mal langsam, Alter!«, mischt sich Dennis ein und geht auf Alex zu.

»Was soll denn das werden?«, frage ich und gebe mir Mühe, stark zu klingen.

»Ich verstehe nicht, warum du Fotos von irgendwelchem Abschaum mit dir herumschleppst!« Alex versucht ganz offensichtlich, die Fassung wiederzugewinnen. »Hast du das bei Linas Sachen gefunden? Läufst du deswegen hier herum und wirfst mit wilden Anschuldigungen um dich?«

Dennis wirft auch einen Blick auf das Foto. »Was regst du dich eigentlich so auf, Alex? Kennst du den Typen etwa?«

Aber Alex antwortet ihm nicht. Stattdessen zerreißt er das Foto in tausend kleine Schnipsel, geht zu einem der Fenster, öffnet es und lässt sie wie Schneeflocken nach unten rieseln. Dann putzt er sich die Hände an seiner Jeans ab, als wären sie schmutzig, und atmet tief durch. »Okay, weg mit dem Schund. Was geht uns totes Ausländerpack an. Will jemand Kaffee?«

»Warum hast du das Bild weggeworfen?« Ich kann nicht glauben, dass er dieses schockierende Foto einfach zerreißt und so tut, als hätte man darauf nur eine tote Kakerlake gesehen und keinen Mensch.

»Wolltest du das etwa in dein Fotoalbum einkleben?« Alex hat plötzlich seine Fassung wieder.

»Ich finde, Alex hat recht. Man sollte sich nur mit schönen Dingen umgeben, wie zum Beispiel mit Frauen wie dir«, sagt Dennis. »Wo hast du das überhaupt her?«

»Das werde ich euch ganz bestimmt nicht auf die Nase binden.« Selbst Dennis, der mir einen treuherzigen Blick aus seinen lang bewimperten Augen zuwirft, kommt mir plötzlich falsch vor. Das Bild ist vielleicht der Schlüssel zu Linas Tod und Alex hat noch nicht einmal Dennis’ Frage beantwortet, ob er den Typen auf dem Foto kennt!

Ich funkele meinen Stiefbruder an, aber der steht mittlerweile bei der teuren Espressomaschine und befüllt sie seelenruhig mit Wasser, als wäre überhaupt nichts gewesen.

Kommentarlos schnappe ich meine Tasche und renne zur Aufzugtür. Dennis folgt mir und bleibt vor der Tür zum Aufzug stehen. »Hey, sei nicht sauer auf Alex. Ihm macht der Tod von Lina viel mehr zu schaffen, als du denkst. Außerdem solltest du wirklich etwas essen. Du siehst aus, als ob du gleich zusammenklappst.«

»Ihr kapiert es einfach nicht.« Ich dränge Dennis weg von der Tür.

»Verzeih uns, wir sind bloß Männer. Sehen wir uns bei der Beerdigung? Ich bringe Blumen mit.«

»Übrigens, nur damit du es weißt: Lina hat weiße Lilien gehasst!«, fauche ich zwischen den Zähnen durch.

Dennis sieht mich erstaunt an. »Oh, das wundert mich. Ich dachte, sie würde sie lieben.« Er zögert. »Tut mir leid, das zu sagen, aber Ruby, vielleicht kanntest du deine Schwester doch nicht ganz so gut, wie du denkst?« Er schließt die Tür ganz sanft hinter mir.

Wie ein Volltrottel stehe ich in dem verspiegelten Aufzug. Dennis’ letzte Worte lodern durch meinen Kopf, weil er verdammt noch mal recht hat. Ja, ich habe Lina seit dem letzten Sommer nicht gesprochen, ja, ja, ja. Aber trotzdem weiß ich, dass sie ermordet wurde, und ich werde es beweisen!

Ich lehne mich erschöpft an die Wand des verspiegelten Aufzugs, warum will das niemand außer mir wahrhaben? Oder bin ich einfach nur eine Idiotin, die gegen Windmühlen kämpft, nur weil ich ihr diese im Nachhinein betrachtet lächerliche Lappalie nicht verzeihen konnte?

Der Aufzug stoppt. Einfach so, mittendrin, mit einem harten Ruck. Ich schließe für einen Moment die Augen. Bitte, nicht! Bitte, nicht jetzt. Ich suche den Notknopf. Dann geht das Licht aus.

Wie gut, dass mir enge Räume keine Angst machen. Trotzdem erinnere ich mich plötzlich an alle Horrorfilme, in denen Aufzüge eine Rolle spielen. Mir fällt ein, Feuer oder Rauchentwicklung lässt Aufzüge stoppen, oder ein Kurzschluss. Und ein Kurzschluss kann auch dafür sorgen, dass der Aufzug in den Keller rast und dort in tausend Stücke zerbirst.

Von wegen, man muss nur warten, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben! Ich sehe immer noch nichts und es leuchtet auch kein roter Notknopf auf. Ich habe zwar mit den Fingern die Wand nach den Schaltern abgetastet, aber dann ist mir wieder eingefallen, dass ich es damit noch schlimmer machen könnte, wenn es sich wirklich um einen Kurzschluss handeln sollte. Immer wieder blähe ich meine Nasenflügel, um frühzeitig eventuellen Brandgeruch zu riechen, aber es dringt nur Angstschweiß in meine Nase. Ich versuche, möglichst gleichmäßig zu atmen, aber jetzt wird mir doch schlecht. Ich rutsche mit dem Rücken an der verspiegelten Wand herunter und setze mich auf den Boden. Nein, nein, ich habe keine Angst.

Ja, ich bleibe ganz ruhig.

Nutze die Zeit für etwas Sinnvolles, rede ich mir gut zu. Was ist da eben oben passiert? Warum war Alex so außer sich, als er das Foto gesehen hat? Was geht hier vor sich, was er mir verschweigt?

Plötzlich klingelt mein Handy in der Tasche und ich frage mich, wie blöd ich eigentlich sein kann. Erstens kann ich damit Hilfe holen und zweitens ist es beleuchtet.

Ich taste mit fliegenden Händen danach, da geht mit einem Mal das Licht an und der Aufzug setzt sich in Bewegung, als wäre nie etwas gewesen.

VII

Doch wenn ihr Standhaftigkeit zeigt und redlich handelt, fürwahr, das ist eine Sache fester Entschlossenheit.
((3:186))

Wieder war er zu ungestüm, zu ungeduldig, er hasst sich für die Fehler, die er unablässig macht. Es ist nur gerecht, dass er bis auf die Haut nass ist und von Minute zu Minute mehr friert. Er denkt an Kimoni und wünscht sich, er könnte daran glauben, dass Kimoni warm im Garten des Paradieses sitzt, sich an Granatäpfeln labt und von schönen Jungfrauen gesalbt wird.

Wenn sie doch nur niemals zu diesem elenden Arzt gegangen wären! Aber sie hatten Vertrauen gehabt. Oder vielmehr war es Kimoni gewesen, der Vertrauen zu ihr gehabt hatte.

Doch ihre heiligen Eide waren einen Dreck wert gewesen. Nichts in diesem Land war umsonst. Im Gegenteil, der Preis, den man für Gratisangebote zahlen musste, konnte das Leben kosten.

In seinen Eingeweiden brennt das Feuer aus Schmerz und Einsamkeit und die einzige Möglichkeit, diese Flamme zu ersticken, besteht in seiner Rache. Doch dann hört er wieder Kimonis Stimme, der davon spricht, wie dumm Rache ist. Manchmal hat er das Gefühl, er wird davon noch ganz verrückt. Diese Stimmen in seinem Kopf, sie streiten und sie werden immer lauter. Er fürchtet, seine Ahnen haben ihm ihre Dämonen geschickt. Nur noch selten verstummen sie und lassen ihn in Frieden, so wie heute Morgen, als er sie auf der Schaukel gesehen hat.

Doch er wird nicht schlau aus ihr, es kommt ihm so vor, als würde sie ihn an der Nase herumführen.

Du hast dich täuschen lassen, wispert die eine Stimme. Nur weil sie so zart und traurig wie ein Gazellenbaby wirkt, dessen Mutter vom Löwen gefressen wurde, heißt das nicht, dass sie nicht mit drinsteckt. Auf was wartest du noch?

Die andere, Kimonis Stimme, warnt ihn, sagt, es sei seine verdammte Pflicht, hochzugehen und nachzuschauen, was da vor sich geht. Aus diesen Fenstern kann man leicht hinunterstürzen, Gazellen können nicht fliegen.

Er schlägt sich mit der Faust an die Stirn, damit die Stimmen aufhören. Zwei Frauen, die zusammen unter einem bunt bemalten Regenschirm die Straße entlanggehen, bleiben stehen und starren ihn an. Gefährlich! Er ringt sich ein Lächeln ab und läuft zügig weiter, Richtung Englischer Garten, aber an der nächsten Ecke macht er kehrt und geht wieder zurück und starrt an dem Gebäude hoch. Er muss verdammt noch mal endlich weiterkommen. Und er weiß, dass er die Entscheidung eigentlich schon längst getroffen hat.

www.wahrste-liebe.de
Ein Blog für alle, die wirklich lieben

Heute:

wollte ich das Ergebnis meiner Umfrage präsentieren

Kann man jemanden lieben, der böse ist?

Aber das dauert noch. Ich hab über zweihundert Mails gekriegt – hey, ihr zweihundert, blöde Frage: Warum schreibt Ihr alle nie einen Kommentar???

Jedenfalls haben mich viele gefragt, was zum Kuckuck denn das Böse sein soll. Ihr wolltet Beispiele.

Okay, böse war ein bisschen reißerisch, ich hätte unmoralisch hinschreiben sollen oder unethisch.

Beispiele:

Könntet ihr einen Menschen lieben, der zum Mörder geworden ist, könntet ihr einen Mann lieben, der armen alten Omas Heizdecken zu gar nicht geilen Preisen verkauft, oder einen richtig bösen Menschen, einen Rechtsradikalen, der sich die Zeit mit Fidschisklatschen vertreibt?

Dann klickt hier mit

  • Ja

Oder seid ihr der Meinung, dass ihr nur einen Heiligen lieben könnt oder allenfalls einen Menschen mit Fehlern wie:

er klappt die Klobrille nicht runter oder

er ist Bayernfan oder

er geht nicht mit euch shoppen, sondern lieber mit den Kumpels zum Fußball.

Dann klickt ihr bitte mit

  • Nein

Ich bin echt schon sehr gespannt und erhoffe mir jetzt bessere Ergebnisse, weil ja nun alle Klarheiten beseitigt sind ;-)

3 Kommentare:

Umanti sagt:

Wozu sone Umfrage? Was machst du denn damit? In Psychologie Heute veröffentlichen? Lol, lol, lol

Löwchenmeyers sagt:

Danke für die Aufklärung, aber ich mache mir noch mehr Sorgen um dich. Wer Nazis küsst, ist krank im Hirn und nicht verliebt.

Gelimausi sagt:

Bei mir klappt das mit dem klicken nicht. Hilfe!!